Das Schönste und Beste, das wir als Gemeinde Jesu tun können, ist das Formen und Prägen einer menschlichen Seele. Es gibt nichts benrtvolleres auf dieser ganzen Welt.

Nach biblischem Verständnis ist die Seele eines Menschen unsterblich, denn Gott hat in sie die Ewigkeit gelegt. (Prediger 3,11)

Die Seele eines Menschen wird auch nach dessen Tod weiterleben – in der ewigen Gegenwart Gottes oder der ewigen Gottesferne. Auch wenn diese zweite Option nicht leicht zu verstehen und zu akzeptieren ist.

Wenn dem aber so ist, dann geht es in der Gemeinde Jesu nie um Programme, sondern um den einzelnen Menschen. Und deswegen müssen wir uns gerade als Leiter fragen, ob unsere Gemeinde so aufgestellt ist und so agiert, dass einzelne Menschen diese Gegenwart Gottes schon hier auf Erden erleben.

Und wir müssen uns fragen, ob unsere Gemeinde so aufgestellt ist, dass im Mittelpunkt nicht das Fortbestehen der Gemeinde, sondern die Begegnung des Einzelnen mit dem auferstandenen Jesus Christus ermöglicht wird.

Im besten Fall wird durch die Gemeinde Jesus selbst präsent und vollkommen dargestellt.

Aus diesem Grund muss es in der Gemeinde verschiedene Angebote für verschiedene Menschen geben. Nicht jeder wird durch das gleiche Angebot angesprochen.

Folgende Fragen sollen helfen, herauszufinden, ob in unserer Gemeinde der einzelne Jesus begeget und sein Leben komplett von diesem Jesus gestalten lässt.

1. Geht es um Jesus?

Wenn ich ehrlich bin, ist diese Frage viel zu schwierig, auch wenn sie auf den ersten Blick sehr einfach klingt. Aber was ist mit unseren Gottesdiensten, unseren Predigten, unserer Musik und anderen Veranstaltungen in der Gemeinde? Stehen dabei wirklich Jesus und der einzelne Mensch im Mittelpunkt oder geht es doch darum, innerhalb der von uns selbst aufgestellten Normen und Traditionen ein Gemeindebild zu pflegen, das wir in den letzten Jahren geschätzt und kennen gelernt haben?

Nichts gegen gute Formen. Beim besten Willen nicht. Guter Inhalt benötigt gute Formen.

Aber bleibt der Inhalt Inhalt oder wird die Form zum Inhalt?

Da Gemeinde von Jesus selbst eingesetzt und beauftragt wird und im Neuen Testament (1. Korinther 12) die Gemeinde mit einem Körper verglichen wird, dessen Kopf Jesus ist, kann es nur eine Schieflage geben, wenn nicht Jesus im Mittelpunkt unserer Überlegungen steht. Denn dann schiebt sich irgend ein anderes Thema ins Zentrum, das von diversen Menschen – oder einzelnen, einflussreichen Personen – zum Mittelpunkt gemacht wird.

2. Finden Menschen zu Jesus?

Natürlich haben wir es nicht selbst in der Hand. Es ist das größte Wunder dieses Universums, wenn ein Mensch sein Leben vertrauensvoll in die Hände Jesu liegt. Es ist das größte Geschenk der Gnade Gottes, das wir empfangen können, wenn wir unser Leben nicht mehr selbst bestimmen sondern von Jesus bestimmen lassen wollen.

Ich kenne manche Gemeinden, die auf den ersten Blick ein tolles Programm bieten, aber auf die Frage, ob Menschen zum Glauben an Jesus Christus finden keine wirkliche Antwort haben. Und das macht mich traurig.

Wenn im vergangenen Jahr unseres Gemeindelebens kein Mensch neu zu Jesus gefunden hat, sollten wir uns überlegen, ob wir das Richtige tun.

3. Wird geistliches Wachstum ermöglicht?

So sehr ich von Herzen Evangelist bin und mir wünsche, dass Menschen zum Glauben an Jesus Christus finden, gibt es doch in der Gemeinde auch die Menschen, die schon mit Jesus leben. Aber wie sieht deren Leben aus? Wachsen sie durch die Angebote unserer Gemeinden im Glauben? Wird ihnen ermöglicht, ihre Gaben in der Gemeinde einzusetzen, einen Dienst zu übernehmen, um darin geistliches Wachstum zu erleben? Werden sie darin bestärkt, Jesus nachzufolgen und mehr und mehr ihm die Kontrolle ihres Lebens zu überlassen?

4. Welchen Stellenwert hat der Heilige Geist?

Hier wird es heikel. Denn gerade in der Landeskirche habe ich manchmal den Eindruck, dass der Heilige Geist ganz zu Beginn des Gottesdienstes im Votum vorkommt – und danach nicht mehr so sehr. “Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.” So wird es zu Beginn des Gottesdienstes gesprochen. Und dann? Wie sehr sind unsere Gottesdienste offen, dass der Heilige Geist wirkt ohne, dass wir es ihm vorgeben in welcher Form und in welchem liturgischen Element er das tun darf?

Aber es geht noch um mehr als um die Gottesdienste. Wie sehr sind wir offen dafür, dass der Heilige Geist uns zeigt, welche Angebote, welche Veranstaltungen und welche Formen von Gemeinde angemessen sind, dass er wirkt?

Eines meiner Lieblingsbücher in der Bibel ist die Apostelgeschichte. Darin wird das Wachstum der ersten Generation von Christen beschrieben und ich staune immer wieder, wenn ich lese, was der Heilige Geist in diesen ersten Jahrzehnten der Gemeinde getan hat. In meiner Bibel habe ich einmal alle Stellen in der Apostelgeschichte farbig markiert, an denen vom Wirken des Heiligen Geistes berichtet wird. Und dreimal darfst du raten. Richtig. Meine Bibel ist auf diesen Seiten ziemlich bunt.

Und das wünsche ich mir für die Gemeinde Jesu heute: Dass sie offen dafür ist, wohin sie der Heilige Geist führt – nicht, wohin sie die Lautsprecher der Gemeinde, der Pastor, die Ältesten, diverse Programme oder die Gesellschaft führt.

Und natürlich ergeben sich aus den oben genannten Fragen Konsequenzen für verschiedene Tools in der Gemeindearbeit. Dazu später mehr…

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