Manchmal sind es ja die kleinen und unscheinbaren Dinge, die unser Leben beflügeln und erfüllen.

In der Vorbereitung zu unserer Gemeindefreizeit habe ich mich intensiv mit dem Verhältnis von Gott zu seinem Volk Israel auseinander gesetzt.

Genauer gesagt: mit dem Verhältnis Gottes zu seinem Volk in einer ganz bestimmten Situation, nämlich mitten in der Wüste.

In der Wüste

Nach biblischer Überlieferung lebte das Volk Israel über einige Generationen in Ägypten in der Sklaverei. Durch eine wundersame Rettungstat gelangte es in die Freiheit – und musste erst einmal durch die Wüste wandern. In dieser Wüste hat Gott sie gesehen – und versorgt. Auf ebenso wundersame Weise, denn es gab jeden Tag etwas zu essen, das “Manna” – auf deutsch: “Was ist das?” Denn das fragten sich die Israeliten, als sie morgens aus ihren Zelten krochen und mit Sand in den Augen dieses himmlische Brot auf dem Wüstensand erblickten.

Es folgten noch weitere Wunder: Wasser aus einem Felsen, Grillhähnchen (genauer gesagt: Wachteln) vom Himmel und eine ständige Bewahrung vor größerem Unheil.

Jeden Tag also erfuhren die Menschen, wie sehr Gott sie sieht – und für sie sorgt. (Nachzulesen im 4. Buch Mose)

…wird gemotzt

Und dennoch: manchen war das nicht genug. Sie jammerten und klagten: “In Ägypten hatten wir weit mehr zu essen, ausgewogener und vielfältiger. Da gab es nicht nur dieses Manna, sondern andere leckere Dinge. OK, dafür mussten wir auch als Sklaven leben, viele verloren ihr Leben, andere sind für ihr Leben gezeichnet und eigentlich war das eine richtige Drecksarbeit – aber immerhin: unser Speiseplan war wesentlich facettenreicher als der hier in der Wüste. Wir wollen wieder zurück, Mose. Aber pronto!”

Wie gut kann ich die Israeliten verstehen. Da hatten sie den Eindruck, vom Regen in die Traufe gekommen zu sein und klagen ihren Boss, Mose, und dessen Boss, Gott, an. Sie halten es einfach nicht mehr aus. Ich war zwar noch nie in der Wüste, aber ganz ehrlich: Ich stelle es mir nicht besonders cool vor.

…und versorgt!

Und doch: Gott sieht seine geliebten Menschen. Er sieht sie und weiß, was gut für sie ist. Mich erinnert das ein wenig an meine Vaterrolle. Ich liebe meine Kinder über alles. Und manchmal, ja, da gibt es eben diese Momente, in denen ich Entscheidungen treffe, die meine Kids erst einmal absolut uncool finden. Und das sagen sie mir auch ganz deutlich. Würde ich ja auch an ihrer Stelle.

Und doch begeistert mich eines an dieser verworrenen Geschichte, die Gott mit seinen Menschen hat: Er sieht jeden einzelnen und will nur das Beste – so wie Eltern, die über Generationen hinweg eines nicht sagen wollen, was sie als Kinder selbst gehört haben, es aber doch tun: “Wir meinen es doch nur gut!”

Aber Gott meint es nicht nur gut – er ist gut. Und das ist für mich der große Rettungsanker in so mancher Wüstensituation meines Lebens, der Grund, dass ich nicht aufgebe, der Halt, der mich über Wasser hält. Gott sieht mich. Mitten in der Wüste. Mitten im Staub. Mitten in der Trockenheit meines Lebens.

Wunderbar zum Ausdruck bring das ein Vers aus Psalm 32, den ich bei meiner Ordination zugesprochen bekam und ihn deswegen wohl (hoffentlich!) nie vergessen werde:

Gott sagt: “Ich will dich lehren und dir sagen, wie du leben sollst; ich berate dich, nie verliere ich dich aus den Augen.” (Psalm 32,8)

Wenn du dich das nächste Mal wiederfindest in einer Wüste, dann denke daran: Gott sieht dich. Er verliert dich nie aus den Augen. Nie!

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