Nun kommt also ganz überraschenderweise morgen, am 24.12., wieder Heiligabend mitten in unser Leben.

Die Heilige Nacht. Die stille Nacht.

Es wird jede Menge gesagt und gepredigt, gesungen und erzählt werden.

Schöne Familientraditionen haben ihren Platz – aber auch unzählige Polizeieinsätze, die nur noch in der Silvesternacht getopt werden.

Weihnachten. Hirten. Engel. Ochs und Esel. Maria und Josef. Könige und Schafe.

Und mittendrin, ach ja. Da war doch was. Ein Baby. Ein kleines Kind. Das Christkind? Ein Retter?

Ich halte es mit dem Engel, der den Hirten verkündet: “Euch ist heute der Retter geboren!”

Weihnachten – Die Nacht der Anbetung

Mich erfüllt das immer und immer wieder mit Staunen. Eigentlich kann ich gar nicht genug davon bekommen und würde am liebsten mal eine Worship-Night an Heiligabend besuchen. Berufsbedingt bin ich aber selbst “im Dienst”.

Dass Gott Mensch wird, ist so unfassbar schön.

Der, der vor Zeiten sprach: “Es werde!” – und es wurde Licht. Tag und Nacht. Meere und Land. Tiere und Menschen.

Der kommt in dieser heiligen und stillen Nacht in unsere Welt – in meine Welt.

Als ob er es im Himmel nicht aushielte und von Liebe getrieben hineinplatzt in diese Welt, in die Schwärze und Dunkelheit dieser Welt.

Was muss das für ein Gott sein, der das tut? Der den himmlischen Hofstaat und Thron verlässt, der seine Herrlichkeit und Heiligkeit aufgibt, um ein Kind zu werden, das in Windeln gewickelt ist, die sicherlich nicht reinlich waren, wie es in einem Weihnachtslied besungen wird?

Was ist das für ein Gott?

Ich kann nur staunend anbeten. Über alle Fragen und Zweifel, die auch ich immer wieder habe, legt sich ein weihnachtlich-anbetender Filter der Dankbarkeit und des Staunens – der zugegebenermaßen nicht lange hält und mein Alltag recht schnell wieder befreit ist von diesem Filter und den nackten Realitäten ins Auge schaut.

Ein Gott, der es nicht aushält, Gott zu bleiben, stattdessen Mensch wird und unter Menschen lebt – kann es einen größeren göttlichen Liebesbeweis geben?

Der Retter ist da

Und doch bleibt es ja nicht bei dieser romantisch-verklärten Sicht von Weihnachten.

Gott kommt nicht nur als kleines Kind in diese Welt, sondern als Retter. Wow!

Wir kennen ja Bankenretter, Rettungssanitäter, Trainer, die vor dem Abstieg retten und eine Rettung in höchster Not.

Weihnachten übersteigt das alles bei weitem!

An Weihnachten kommt der in die Welt, der uns Menschen rettet.

Wozu? Zu einem Leben, das nicht von Eigennutz und Egoismus bestimmt ist, sondern in der Dynamik einer göttlichen Berufung gestaltet wird. Ein Leben, in dem das Heilige und Irdische zugleich sichtbar wird und zusammenkommt. Ein Leben, das weiß, woher es kommt und wohin es geht.

Wovor? Von Gott getrennt zu sein. In Zeit und Ewigkeit. Das Unvorstellbare. Von Gott getrennt leben zu müssen – es gibt wohl nichts Schlimmeres. Davor gerettet zu sein, ist ein großartiges Geschenk. DAS Geschenk schlechthin an Weihnachten.

Weihnachten ist kein Märchen

Die Botschaft von Weihnachten hat mit unserem Leben zu tun.

Doch nicht jeder will das wahrhaben, wovon hier im Blick auf Jesus die Rede ist.

Er kam in seine eigene Schöpfung, doch seine Geschöpfe, die Menschen, wiesen ihn ab. Aber allen, die ihn aufnahmen und ihm Glauben schenkten, verlieh er das Recht, Kinder Gottes zu werden. (Die Bibel, Johannes-Evangelium 1, 11+12)

Und wieder staune ich.

Weil ich Jesus glaube, ihm mein Vertrauen schenke, darf ich mich ein Kind Gottes nennen.

Ein Kind dessen, der sagte: “Es werde!” – und es wurde.

Ein Kind dessen, der es im Himmel nicht aushielt, und hier auf die Erde kam.

Ein Kind dessen, der sich selbst gibt, damit ich leben kann.

Ein Kind dessen, der seinen Weg in einer Krippe begann und an einem Kreuz vollendete. Ohne Krippe kein Kreuz. Kein Kreuz ohne Krippe.

Der als Kind in diese Welt kommt, weiß, dass ich ihn brauche, weil ich meine Last nicht tragen kann. Deswegen geht er von der Krippe den langen Weg bis ans Kreuz, um auf sich zu nehmen, was auf mir lastet; um mich zu befreien; um mir Leben zu ermöglichen!

Was für ein Gott!

Und ich staune wieder.

Ich mag nicht viele Weihnachtslieder. Viele finde ich zu kitschig. Jesu Windeln waren nicht reinlich und ob er ein holder Knabe mit lockigem Haar war, sei mal dahingestellt.

Aber ein Lied hat es mir seit vielen Jahren angetan: Ich steh an deiner Krippen hier.

Ich steh an deiner Krippe hier, o Jesu du mein Leben. Ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben. Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin.Und lass dir’s wohlgefallen.

Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren. Und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt, erkoren. Eh ich durch deine Hand gemacht, da hast du schon bei dir bedacht, wie du mein wolltest werden. (Paul Gerhardt)

2 Kommentare

  1. Hallo David, schön von dir mal wieder eine Predigt nicht hören, aber dafür lesen. Wie immer hast du es auf den Punkt gebracht😊👍

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