Still ist es geworden auf Golgatha. Die aufgebrachte Menge hat sich verzogen, die römischen Soldaten haben ihren Dienst getan. Vom grausamen Schauspiel des Vortages bleiben nur noch zwei Leichen an den Kreuzen, blutverschmierte Nägel, Kleidungsstücke und Seile. Den Rest erledigen Vögel und anderes aasfressendes Getier.

Ein merkwürdiger Schleier hat sich über das Empfinden der Jünger gelegt. Völlig erschöpft und am Boden zerstört sind sie spät in der Nacht eingeschlafen. Kaum aufgewacht erscheint die Realität äußerst surreal. War es das? Ist es wirklich aus mit dem großen Traum von Gottes neuer Welt? Jesus ist tot. In einer Höhle liegt er. Ein schwerer Stein davor, römische Wachen sind postiert. Und jetzt? 

Es fühlt sich seltsam leer an. Unwirklich. Beängstigend. Fragen und Zweifel – mehr bleibt nicht übrig.

Es ist schon ein merkwürdiger Tag, dieser “Zwischentag”. Stirbt an Karfreitag Jesus voller Liebe und Aufopferungsbereitschaft für die Schuld der Menschen, so ist der Samstag der Tag der schrecklichen Diagnose: Das war’s!

Die Diagnose des Arztes ist niederschmetternd.
Der Partner hat dich wirklich verraten und im Stich gelassen.
Der Job ist wirklich gekündigt.
Dein Kind will nichts mehr von dir wissen.
Deine Ehe ist am Boden.
Deine Hoffnung zerstört.
Dein Herz verwundet.
Deine Liebe erkaltet.

Samstag – Tag ohne Träume

Samstag ist der Tag, nachdem dein Traum gestorben ist.

Wir alle kennen diesen Samstag.

  • Du betest die kühnsten und mutigsten Gebete – aber Gott scheint nicht darauf zu reagieren. Samstag.
  • Deine Ehe oder eine gute Freundschaft bröckelt, scheint kaputt zu gehen. Du tust alles, was du kannst, damit es besser wird – aber das wird es nicht. Samstag.
  • Du weißt, dass es in deinem Leben Dinge gibt, die nicht gut sind: Einflüsse, Gewohnheiten, Handlungsweisen – und du versuchst, sie zu ändern. Aber es gelingt dir nicht. Samstag.
  • Du stößt in deinem Leben immer wieder an Grenzen, die du nur schwer akzeptieren kannst und die dir das Leben und auch den Glauben schwer machen. Samstag.

Der Apostel Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth sozusagen in ihr Stammbuch (1. Kor 15, 3+4; Hfa):

„Zuerst habe ich euch weitergegeben, was ich selbst empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben. Das ist das Wichtigste, und so steht es schon in der Heiligen Schrift.  Er wurde begraben und am dritten Tag vom Tod auferweckt, wie es in der Heiligen Schrift vorausgesagt ist.“

1. Tag, am Freitag: gestorben

2. Tag, am Samstag: begraben

3. Tag, am Sonntag: auferstanden

Der Samstag ist der Tag der Enttäuschung, der Fragen, der Wut, der Ohnmacht.

Was zu Beginn des vergangenen Tages noch lebenswert erschien, hat nun keine Bedeutung mehr.

Auf Samstag folgt Sonntag

Nach dem Samstag kommt der Sonntag. Das wissen schon kleine Kinder.

Wir Erwachsene vergessen das leider zu oft, wenn wir in unseren Samstagen gefangen sind. Und ja: Es ist ja auch nicht leicht.

Wir haben einen kleinen, aber entscheidenden Vorteil gegenüber den Freunden Jesu damals: Wir wissen, was am dritten Tag geschehen ist.

Wir wissen, dass Jesus dem Tod die Macht genommen hat und auferstanden ist von den Toten.

Wir wissen, dass er ein neues und unvergängliches Leben gestiftet hat, das jedem blüht, der ihm vertraut.

An unseren Samstagen haben wir zwei Möglichkeiten.

Entweder wir gehen zugrunde, weil der Traum geplatzt und das Leben nun dunkel erscheint. Oder wir tun nichts anderes – und das ist schon unglaublich schwer – als dem zu vertrauen, der gesagt hat:

“Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer lebt und an mich glaubt, wird niemals sterben. Glaubst du das?” (Johannes 11,25-26)

2 Kommentare

  1. Vielen Dank, Wolfgang, für Deinen Kommentar. Und wie du schreibst, geht dieser Tag oft unter. In ihm steckt aber – zumindest zeichenhaft – jede Menge drin.
    Und wahrscheinlich nicht umsonst gibt es in der Bibel einige dieser “3-Tage-Geschichten”.

Kommentar verfassen