Gedanken

Lieben und lieben lassen

Da wird Jesus eines Tages von einem sehr gescheiten Menschen gefragt:

Lehrer, welches ist das wichtigste Gebot im Gesetz Gottes? (Die Bibel, Matthäus 22,36)

Für diesen Menschen, ein “Schriftgelehrter”, wie die Theologen der damaligen Zeit in der Bibel genannt werden, war es das A und O, Gott durch Einhalten von Geboten zu gefallen. Das “Gesetz Gottes” war für ihn die Sammlung aller Weisungen und Gebote, die ein Mensch zur damaligen Zeit kennen konnte, um Gott zu gefallen.

Irgendwie so stellen sich Konfirmandinnen und Konfirmanden vor, was der christliche Glaube ist: Das Einhalten von Geboten, von Handlungsanweisungen, von “To Dos”, von göttlichen Erziehungsmaßnahmen.

Ist das Glaube?

Schauen wir mal, welche Antwort Jesus gibt – ich finde sie nämlich recht verblüffend:

Jesus antwortete ihm: “Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand. Das ist das erste und wichtigste Gebot.” (Die Bibel, Matthäus 22,37+38)

Raffiniert. Einmal mehr kontert Jesus dieser Frage wie ein kleines Schlitzohr, denn dieses Gebot müsste der nette Fragesteller schon kennen, da es ein Gebot aus dem Alten Testament ist (5. Mose 6,5), dem ersten Teil der Bibel, das dieser Schriftgelehrte rauf und runter gelesen und größtenteils auswendig gelernt hat. Die Antwort hätte er sich also selbst geben können.

Fasziniert bin ich aber von der Antwort auch deswegen, weil Jesus keine fromme Pflichterfüllung erwartet, für ihn ist auch nicht das höchste Gebot, in die Gemeinde zu gehen, an unzähligen Veranstaltungen sich aufzuopfern und im frommen Burnout zu landen. Seine Auslegung, was nun das wichtigste Gebot ist, geht auch in keine ethisch-moralische Richtung.

Das wichtigste Gebot, das Jesus diesem klugen Menschen mitgibt, lautet schlicht: Liebe Gott!

Und ich denke: “Wow! Jesus! Das ist so krass! So entwaffnend. So ehrlich. So einfach. So tief.”

Jesus führt uns damit eines vor Augen: Es gibt einen Gott, der dich liebt – und den du auch lieben kannst! Das klingt einfach – und ist doch so tief. Ein Gott, ein Schöpfer dieses Universums, ein immer schon existierender und niemals endender himmlischer Vater, der dich liebt – und den du lieben kannst: mit Herz, Hingabe und Verstand.

Das ist krass! Zeichnet sich nach unserem westlichen Denken ein Gott nicht gerade dadurch aus, dass er eben Gott ist und der Mensch ist Mensch und dazwischen ist ein unüberbrückbarer Olymp, Graben oder unzählige Sphären? Jesus zeichnet uns ein Bild von Gott, welches genau das Gegenteil ist. Liebe entsteht nur durch Nähe, durch Kommunikation, durch Anteilnahme. Und das alles mit Gott.

Oh nein, ich will dir jetzt kein Patentrezept in die Hand drücken, wie das denn aussehen kannst, dass du Gott lieben kannst mit deinem Herz, Hingabe und Verstand. Denn weißt du was? Ich glaube, das wirst du sehr genau selbst herausfinden können, wenn du den fragst, der dich unendlich liebt – denn dann wird er dir schon sagen, wie du ihn mit deinem ganzen Leben lieben kannst.

In diesem Sinne: Liebe – und lass dich lieben!

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