Ganz ehrlich: Wenn ich Gott wäre, hätte ich die ganze Sache ein wenig einfacher gestaltet. Aber gut. Ich bin es nicht. Und das ist auch gut so.

Mal im Ernst: Gott hat alles wunderbar erschaffen. Das ist meine tiefe Überzeugung. Diese Erde, das gesamte Universum, die Galaxien – und, ja auch den Menschen. Der hat’s aber nicht lange mit Gott ausgehalten, hat ihn belogen und betrogen, fliegt aus dem Paradies und ist seither auf einer rastlosen Suche nach Gott, von dem er sich immer wieder entfernt. Das gesamte Alte Testament (der erste Teil der Bibel) schildert den verzweifelten Versuch, eine Liebensbeziehung aufrecht zu erhalten.

Verzweifelt deswegen, weil man schier verzweifeln könnte, wenn man liest, wie oft die Menschen sich von Gott abwenden und meinen, sie könnten ohne ihn zurecht kommen.

Oder wenn man liest, wie sie einen Turm bauen möchten, um an (oder in?) den Himmel zu kommen.

Oder wenn unzählige Propheten – die armen Kerle – das Volk Gottes immer wieder auf den richtigen Weg zurück ermahnen mussten.

Einem neutralen Beobachter nun stellen sich (mindestens) zwei Fragen.

1. Was hat Gott sich dabei gedacht?

Wie eingangs erwähnt: wäre ich Gott, dann…. (sähe es auf der Welt noch schlechter aus, aber das ist ein anderes Thema). Wieso macht Gott das? Wieso lässt er mit sich spielen? Wieso schickt er nicht mal ein paar Blitze vom Himmel? Wieso schmeißt er nicht irgendwelche Botschaften, Stopp-Schilder und sonst was vom Himmel, damit der Mensch endlich kapiert, dass er Gott braucht, der ihn so über alles liebt?

Gott möchte Kinder, keine Sklaven oder Marionetten. Und ich glaube, deswegen wird Gott nicht aufhören, uns Menschen zu lieben – egal in welche Richtung wir rennen. Das ist nicht leicht zu verstehen, aber es entspringt zutiefst dem Wesen Gottes.

Gott ist Liebe. (1. Johannes 4,16)

Und was macht Liebe? Oder anders gesagt: Wie ist Liebe? Auch dazu gibt es eine wunderbare Stelle in der Bibel. Lass sie dir mal auf der Zunge zergehen:

Liebe ist geduldig und freundlich. Sie ist nicht verbissen, sie prahlt nicht und schaut nicht auf andere herab. Liebe verletzt nicht den Anstand und sucht nicht den eigenen Vorteil, sie lässt sich nicht reizen und ist nicht nachtragend. Sie freut sich nicht am Unrecht, sondern freut sich, wenn die Wahrheit siegt. Liebe ist immer bereit zu verzeihen, stets vertraut sie, sie verliert nie die Hoffnung und hält durch bis zum Ende. Die Liebe wird niemals vergehen.  (1. Korinther 13, 4-8a)

Und jetzt versuchen wir mal etwas Nettes: Wenn es stimmt, dass Gott die Liebe ist (siehe oben zitierte Bibelstelle), dann ersetzen wir in diesem wunderschönen Text über die Liebe das Wort “Liebe” einmal durch “Gott” (auf diesen Gedanken brachte mich vor vielen Jahren einmal eine Freundin). Dann klingt das so:

Gott ist geduldig und freundlich. Er ist nicht verbissen, er prahlt nicht und schaut nicht auf andere herab. Gott verletzt nicht den Anstand und sucht nicht den eigenen Vorteil, er lässt sich nicht reizen und ist nicht nachtragend. Er freut sich nicht am Unrecht, sondern freut sich, wenn die Wahrheit siegt. Gott ist immer bereit zu verzeihen, stets vertraut er, er verliert nie die Hoffnung und hält durch bis zum Ende. Gott wird niemals vergehen.  (1. Korinther 13, 4-8a)

So ist Gott. Und das hat er sich bei seiner Geschichte mit den Menschen gedacht.

2. Lernt der Mensch denn nie?

Tja. Und der Mensch? Was ist mit ihm? Definitiv ist er unheilbar liebesbedürftig. Aber er ist halt auch nicht die hellste Kerze auf der Schöpfungstorte. Immerhin schafft er es seit einigen tausend Jahren (oder mehr?) diese Liebe abzulehnen, anzunehmen, sich verdienen zu wollen, zu bekämpfen, zu verneinen, zu verleugnen, zu übersehen, zu ignorieren und was weiß ich nicht noch alles.

Aber warum? Die Bibel zeichnet da keine allzu schöne Anthropologie. In der so genannten Urgeschichte im Alten Testament verspricht Gott, dass er den Menschen nicht mehr vernichten möchte “auch wenn die Gedanken und Taten der Menschen schon von Kindheit an böse sind.” (1. Mose 8,21)

Gibt weitaus Schöneres über sich zu hören, oder? Aber lassen wir Gott Gott und den Mensch Mensch sein, dann erkennen wir: Niemals werden wir es schaffen, mit unseren menschlichen Leistungen und Darbietungen einen virtuellen himmlischen Zirkus zu begeistern, bei dem der Direktor sagt: “Alle Achtung. Der gehört in meine Manege.”

Das Gegenteil ist der Fall – auch hier ist die Bibel nett, aber bestimmt:

Alle sind schuldig geworden und haben die Herrlichkeit verloren, in der Gott den Menschen ursprünglich geschaffen hatte. (Römer 3,23)

Insofern ist die Frage: Kann der Mensch überhaupt lernen? Oder ist es ihm gar nicht mehr möglich, nicht schuldig zu werden vor Gott, so wie es vor dem Sündenfall dem Menschen nicht möglich war, überhaupt schuldig zu werden?

Verzwickt.

Da hilft nur eines:

Ganz unverdient, aus reiner Gnade, lässt Gott sie vor seinem Urteil als gerecht bestehen – aufgrund der Erlösung, die durch Jesus Christus geschehen ist. (Römer 3,24)

Das ist der Kern der christlichen Botschaft.

Der Grund unseres Seins und unseres Werdens.

Das Ziel, auf das wir hin leben.

Die Botschaft, die jedem Menschen gilt und von der jeder Mensch das Recht hat, sie zu hören.

Schatzsuche

Wenn du also das nächste mal wieder so ein klein wenig an dir verzweifelst, weil du deinen eigenen oder gar von dir ernannten göttlichen Maßstäben nicht gerecht werden solltest, dann sei dir gesagt: Es ist auch saumäßig schwierig. Aber verzweifle nicht! Häng dich an Jesus, denn er lässt dich das erkennen, was Gott für dein Leben bereitet hat. Das sind nicht immer die Dinge, die du dir gedacht hast. Das mögen ganz andere sein. Aber wie heißt es von Jesus:

In ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen. (Kolosser 2,3)

In diesem Sinne: frohe Schatzsuche!

 

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