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Wer spaltet eigentlich Kirche?

In letzter Zeit habe ich einige theologische Diskussionen in den sozialen Medien mit verfolgt und mich teilweise daran beteiligt. Im Laufe einer Diskussion fragte ich mich: Wer sorgt eigentlich dafür, dass Kirche(n) sich spaltet? Wer sorgt dafür, dass die Einheit der Kirche bewahrt bleibt – oder auch nicht?

Das apostolische Glaubensbekenntnis

Ein befreundeter Pastor brachte im Laufe der Diskussion – in der es eigentlich um eine ganz andere Frage ging – das Apostolische Glaubensbekenntnis zur Sprache. Dieses Glaubensbekenntnis ist Grundlage zumindest aller Landeskirchen in Deutschland, die Pastorinnen und Pastoren werden auf dieses Bekenntnis hin “verpflichtet” und ordiniert – es ist sozusagen eine Art “Grundgesetz” der evangelischen Kirche in Deutschland – natürlich neben weiteren Bekenntnissen und nicht zu vergessen: neben der Bibel. Darüber hinaus ist zumindest agendarisch vorgesehen, dass dieses Glaubensbekenntnis nicht nur an hohen Feiertagen in den Gottesdiensten gesprochen wird – was natürlich nicht überall der Fall ist.

Die Sätze dieses Glaubensbekenntnisses gehen auf die Lehre und das Wirken Jesu zurück und sind so etwas wie eine Versicherung und Selbstvergewisserung dessen, was Christen glauben. Entstanden in den frühen ersten Jahrhunderten des Christentums, ist dieses Glaubensbekenntnis mehr als ein Dokument. Es verbindet christliche Kirchen auf der ganzen Welt und über Sprachgrenzen hinweg, weil in ihm das steht, was Christen glauben – und zwar zeitlos.

Im Wortlaut heißt das dann so:

Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.

Irrungen und Wirrungen

Nun gibt es alleine schon in diesem Bekenntnis einige Aussagen, die heutzutage seitens Kirchenvertretern und Theologen immer wieder abgelehnt werden.

Am augenscheinlichsten ist das mit der so genannten “Jungfrauengeburt”. Ein Christ, so die Argumentation, der heutigen Zeit und mit dem Wissen der heutigen medizinischen Forschung, könne doch nicht glauben, dass Jesus von einer Jungfrau geboren wurde.

Oder wie verhält es sich mit der Aussage, dass Jesus wiederkommen wird “zu richten, die Lebenden und die Toten”, wenn in vielen theologischen und kirchlichen Kreisen das Gericht Gottes und der mögliche doppelte Ausgang dessen doch gar keine Rolle mehr spielt?

Oder was ist, wenn es Pfarrerinnen und Pfarrer gibt, welche die Auferstehung der Toten leugnen, ja sogar die Auferstehung Jesu selbst?

Da kann man ja schon mal ein wenig durcheinander kommen in der heutigen Zeit – wie aber übrigens auch in allen anderen Zeitaltern der Kirchengeschichte, denn solche theologischen Streitigkeiten sind ja nichts Neues.

Wer die Einheit will und wer spaltet

Ich mache dir Mut, wenn du zu der Kategorie “Ich glaube das aber, was ich im Glaubensbekenntnis bekenne” gehörst. Du bist es nicht, der gegen die Einheit von Kirche ist. Es sind die anderen. Denn wer sich von Aussagen des Glaubensbekenntnisses löst, löst sich damit aus der Einheit der weltweiten Christenheit – übrigens auch aus der Einheit, die schon seit vielen hundert Jahren besteht und solange bestehen wird, bis Jesus wiederkommt. Ups. Das steht ja sogar so im Glaubensbekenntnis, dass Jesus wiederkommen wird.

Muss man das Ganze dann aber gleich “Spaltung” nennen? Ich finde schon – denn selbst Paulus hat davon gesprochen ohne dabei den Weg der Versöhnung zu verlassen. An die Gemeinde in Korinth hat Paulus mehrere Briefe geschrieben. Im ersten Korintherbrief (der gar nicht der erste war, aber der Vorgängerbrief ist leider nicht mehr auffindbar) schreibt er:

Liebe Brüder und Schwestern, im Auftrag unseres Herrn Jesus Christus bitte ich euch eindringlich: Hört auf, euch zu streiten! Duldet keine Spaltungen in der Gemeinde, sondern steht fest zusammen und seid euch einig in dem, was ihr denkt und entscheidet! (Die Bibel, 1. Korinther 1,10)

Wenn Paulus das schon in den ersten Versen seines Briefes in dieser Deutlichkeit schreibt, dann muss das ein gewisses Gewicht haben.

Es gibt immer ein “Weg zurück”

Für Paulus ist solch eine “Spaltung” aber keine endgültige Angelegenheit. Er gebraucht dieses Wort nicht in einem absoluten Verständnis, sondern gerade im 1. Korintherbrief als eine Beschreibung des Parteien-Zustandes, dass es also mehrere Parteiungen innerhalb einer Gemeinde gibt, was es zugegebenermaßen natürlich noch schwieriger macht, da sich eine Gemeinde dann mit diesen Parteiungen auseinander setzen muss und nicht homogen den Weg weitergeht, weil eine Partei gegangen wäre.

Deswegen ist für Paulus das Ringen darum, was Christen glauben, ein so elementares Geschehen, dass es ihm ein großen Anliegen ist, dass diese Parteiungen oder eben Spaltungen in der korinthischen Gemeinde aufhören.

Für ihn gibt es immer ein “Weg zurück”. Und den gibt es für mich auch. Auch für die Kirche. Für jede Gemeinde. Es gibt immer die Möglichkeit, sich auf das zu besinnen, was Christen seit Jahrhunderten glauben, was ihnen durch Verfolgung und Diaspora-Situation eine große Hilfe war und was letzten Endes Grund aller Erneuerung und Erweckung war: Die Besinnung auf das, was wirklich zählt. Und das ist eben im apostolischen Glaubensbekenntnis zusammengefasst und bildet für mich eine Grenze, die nicht unterschritten werden kann. Weniger ist in diesem Fall eben nicht “mehr”.

Dieser Artikel soll kein Kampfartikel oder Abrechnung oder dergleichen sein. Ich möchte wie oben schon geschrieben dir lediglich Mut machen, dass du daran festhältst, was im apostolischen Glaubensbekenntnis überliefert ist.

Ja, natürlich ist es nicht immer leicht. Wenn immer wieder und immer mehr und nicht nur von bestimmten theologischen “Richtungen” Glaubensinhalte negiert und abgelegt werden – ja was soll man denn da noch glauben?

Genau vor dieser Frage stehen Christen seit es Bekenntnisse (es gibt ja noch einige mehr als das Apostolikum) gibt. Oft wurden sie geschrieben und verfasst, weil sie vor den Kaisern und Regierenden stehen sollten und sagen sollten, woran sie glauben.

Und ein Blick durch die gesamte Kirchengeschichte hindurch zeigt, dass die Gemeinde Jesu dort gewachsen ist, wo Menschen an dem festgehalten haben, was Christen seit ihren ersten Anfängen glauben. In diesem Sinne: Nur Mut! Und gehe den Weg der Versöhnung. Schreibe niemanden ab, sondern lebe und glaube mutig, was viele Generationen an Christen weltweit geglaubt haben, glauben und glauben werden. Ich bin mir sicher, dass die Gemeinde Jesu, dass deine Gemeinde, dadurch so viel Ausstrahlung und Schönheit, so viel Dynamik und Liebe entwickeln wird, dass auch sie ein Teil der weltweit wachsenden Gemeinde Jesu sein wird.

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