Für viele Christen ist das die Masterfrage. Aber manchmal habe ich den Eindruck, dass man sich auch ganz gut dahinter verstecken kann.

“Ich weiß nicht, was Gott von mir will. Also mach ich mal nichts.” Schlechte Lösung.

Als Führungskraft und Pfarrer stehe ich immer wieder vor dieser Frage. Und da ich der festen Überzeugung bin, dass Gott uns einen gesunden Verstand gegeben hat, sollte es nicht schaden, diesen auch manchmal einfach einzusetzen. Wäre er an sich schlecht, hätte Gott uns schon was anderes zwischen die Ohren gesetzt.

Aber wie erkenne ich nun Gottes Willen?

Diese Frage hat mich in den letzten Monaten so sehr beschäftigt wie vielleicht noch nie in meinem Leben. Wie ich in einem anderen Artikel berichtete, erreichte mich die Anfrage zu einem Stellenwechsel. Toll – was jetzt? Was will Gott von mir? Wie entscheide ich mich “richtig”? Gibt es überhaupt “die” richtige Entscheidung. Um es vorwegzunehmen: Ich glaube, diese gibt es nicht immer. Und es wäre vermessen zu behaupten, dass dem so wäre. Aber dazu gleich mehr.

In dieser ganzen Phase der letzten Monate habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich Gottes Willen erkenne – und wen’s interessiert: Hier sind ein paar Tipps.

1. Ist die Entscheidung mit der Bibel vereinbar?

Ich bin der festen Überzeugung, dass Gott sich uns Menschen durch die Bibel offenbart. Oder anders gesagt: Was Gott uns Menschen zu sagen hat, das tut er durch die Bibel. Deswegen kann es gar nicht anders sein, als dass eine Entscheidung, die nach dem Willen Gottes sein soll, sich mit der Bibel “vertragen” sollte – sonst würde Gott sich selbst widersprechen. Natürlich sage ich damit nicht, dass ich die Bibel nach dem Zufallsgenerator aufschlage und mich dann eine Bibelstelle anspringt. Ich meine damit eher, dass es ziemlich clever ist, sich jeden Tag Zeit zu nehmen, um in der Bibel zu lesen und damit Gott in seiner Größe zumindest ansatzweise zu verstehen. Für mich war es in der Tat so, dass ich immer wieder Bibelstellen las, durch die ich den Eindruck hatte, dass Gott mich zu einer bestimmten Entscheidung führt.

Wenn Du also das nächste Mal vor einer größeren Entscheidung stehst, dann nimm die Bibel in die Hand. Nicht nach dem Zufallsprinzip, sondern weil Du es ohnehin schon tust – und dann lies sie besonders aufmerksam.

 2. Geht’s um dich oder um Jesus?

Es gibt noch etwas, wovon ich überzeugt bin: Als Christ geht es in meinem Leben nicht um mich, sondern darum, dass Jesus sowohl in meinem Leben als auch in meinem Umfeld noch mehr Bedeutung bekommt. Das ist nicht immer leicht, aber immer richtig. Und um Gottes Willen zu erkennen, reicht manchmal schon die simple Frage: Geht es mir nur um mich oder geht es darum, dass Jesus noch mehr Bedeutung bekommt?

Jesus sagte einmal – wie ich finde ziemlich provokant und herausfordernd – Folgendes:

“Es soll euch zuerst um Gottes Reich und Gottes Gerechtigkeit gehen, dann wird euch das Übrige alles dazugegeben.” (Die Bibel, Matthäus 6,33 NGÜ)

Wahrscheinlich ist es die größte Herausforderung im Leben eines Christen, sich wirklich selbst in die zweite Reihe zu stellen und Jesus in die erste. Aber nicht aus einer falschen Bescheidenheit oder einer geheuchelten Demut heraus, sondern weil man es ernst meint. Vieles wäre besser gelaufen in der Geschichte, wenn Christen das beherzigen würden. Ich sehe schon: Da reizt es mich schon gleich zu den nächsten Artikeln…

3. Rede mit anderen Christen!

Ja, ich rede gerne – und das bekomme ich von einer mir sehr nahestehenden Person auch immer wieder gesagt. ABER: Ich höre auch ungemein gerne zu. Vor allem dann, wenn ich den Eindruck habe, dass das, was mein Gegenüber mir gerade erzählt, für mein Leben so richtig wichtig werden kann. Wenn ich merke, dass hier jemand in mein Leben auf eine Weise hineinspricht, dass es mich weiterbringt.

Ich finde eine Aussage von Dietrich Bonhoeffer ziemlich treffend:

“Der Christus im eigenen Herzen ist schwächer als der Christus im Worte des Bruders (und ich ergänze: Schwester); jener ist ungewiss, dieser ist gewiss.”

Wenn du also mal wieder wissen willst, was Gottes Wille ist, dann suche dir einen Christen, der dir weiterhelfen kann und den du in dein Leben auch hineinsprechen lässt.

Glaube mir: Das kann wahre Wunder bewirken!

4. Schau, wie Gott es bestätigt!

Weil Gott seine Kinder über alles liebt, lässt er sie nicht im Stich. Höre also auf das Flüstern des Heiligen Geistes. Er wird zu dir reden und das, wovon du den Eindruck hast, dass es Gottes Reden ist, nicht nur einmal dir zukommen lassen. Gott will ja nicht, dass wir wie das Fähnchen im Wind hin- und herschwanken, sondern ermutigt uns auf dem Weg. Deswegen bestätigt er das, was er dir sagen will, indem er es nicht nur ein mal tut. Das kann ganz unterschiedlich aussehen – je nachdem, auf welchem Kanal du Gott am besten hörst. Bei dem einen ist es die oben erwähnte Bibel, beim anderen das Gebet, wieder andere hören Gott besonders dann, wenn sie ihm Lieder singen und ihn anbeten, andere in Büchern, wieder andere in Gesprächen und andere vernehmen ihn in der Größe seiner Schöpfung. Aber glaub’ bitte nicht, dass Gott sich nicht äußern würde. Er hat ziemlich viele Möglichkeiten dafür.

Entscheiden musst du selbst!

Wenn du nicht willst, dass dein Leben einfach so an dir vorbeifährt, dann solltest du irgendwann auch eine Entscheidung treffen. Und da muss ich an einen sehr weisen Ratschlag denken, den mein Vater mir einmal gab – den er selbst aber auch nur “geklaut” hat, denn eigentlich hat ihn Martin Luther in einem Brief (am 1. August 1521) an Philipp Melanchthon geschrieben. Dieser lautet:

“Sündige tapfer, aber glaube noch tapferer!”

Will heißen: Egal, was du tust: Es wird immer menschlich und damit niemals vollkommen sein, wie du und was du entscheidest. Aber setze deiner Ungewissheit, deinen Fragen und deinem Zweifel den Glauben an Jesus Christus entgegen. Dieses Zitat von Luther wird sehr oft verwendet, aber leider nicht in seiner Ganzheit. Denn Luther schreibt:

“Sei ein Sünder und sündige tapfer, aber glaube noch tapferer und freue dich in Christus, der Sieger ist über die Sünde, den Tod und die Welt!”

Also. Nur Mut zur Entscheidung! Was soll schon schiefgehen, wenn Jesus mit dir ist?

P.S.
Kennst du noch weitere Kriterien? Dann lass es mich gerne in den Kommentaren wissen. Meine Ausführungen erheben keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.

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