Als ich dieses Buch las, war ich überwältigt, emotional herausgefordert und weinte Tränen – der Erschütterung und der Freude.
738 Tage war Bar Kupershtein im Gazastreifen in den Fängen der Hamas nach deren Massaker am 7. Oktober 2023. Nun hat er seine Erinnerungen, die Ereignisse, Begegnungen, Demütigungen, Hoffnungen und sein Nachhause-Kommen in einem Buch aufgeschrieben.
Es fällt mir schwer, die richtigen Worte für dieses Buch zu finden – so überwältigt und berührt bin ich davon. Ich kann nur so viel aus tiefstem Herzen sagen: Bitte lies dieses Buch! Bitte!
Es ist ein Zeugnis davon, welche physischen und psychischen Grausamkeiten den Hamas-Geiseln zugefügt wurden. Es zeugt aber auch von einer unbändigen Hoffnung, deren Quelle der jüdische Glaube von Bar Kupershtein ist. Nicht zuletzt ist es aber auch ein Ausdruck davon, wie eine ganze Familie und Nation mit den Geiseln nicht einfach nur “mitgefiebert”, sondern regelrecht mitgelitten hat.
Dieses Buch ist durchgehend in der Ich-Perspektive geschrieben, jedoch immer wieder auch in kurzen Kapiteln aus der Sicht von Bars Mutter und Bars Vater. Mitzuerleben, wie Bar in den Tunneln der Hamas gefangen gehalten wurde und gleichzeitig mitzubekommen, was das mit seiner Familie macht, ist so unglaublich beeindruckend und berührend.
Dass Bar Kupershtein in der Danksagung am Ende seines Buches folgende Worte schreiben kann, ist tief bewegend:
Dabei beginnt das Buch schon tragisch genug, indem Kupershtein die Geschichte seiner Famiile, vor allem seines verunglückten Vaters (der aber noch eine wichtige Rolle spielen wird), erzählt ehe er anschaulich, packend und in einem für Herzklopfen sorgenden Stil die Ereignisse auf dem Nova Festival-Gelände vom 7. Oktober 2023 erzählt. Ich selbst habe vor einem Jahr das Gelände besucht. Kupershteins Erlebnisse zu lesen wirkten deswegen für mich so echt, so nah, so lebendig, weil ich am Ort des Grauens war. Aber das muss man nicht gewesen sein, um zu verstehen, was an diesem “schwarzen Sabbat” in Israel geschehen ist. Es liest sich wie ein Thriller, wie Kupershtein seine Ergreifung durch die Hamas beschreibt.
Was dann folgt, ist eine Achterbahn der Gefühle. Auf anschauliche Weise, ohne viel Interpretation und Deutung schildert Bar Kupershtein seine 738 Tage in der Haft der Hamas. Schnörkellos aber ohne voyeuristisch zu werden, realistisch aber ohne Grenzen zu überschreiten gibt er Einblicke in das, was zwei Jahre lang erleben musste.
ich, auf dem Bauch zu schlafen.Ungebrochen - Mein Wille zu leben, S.183
Während all dieser Zeit ist – wie oben schon erwähnt – immer wieder die Perspektive von Bar Kupershteins Mutter und Vater kapitelweise eingestreut. Das ist weder gewöhnungsbedürftig noch den Lesefluss unterbrechend sondern vielmehr eine wertvolle Ergänzung zu Kupershteins eigenen Schilderungen.
So schreibt bspw. seine Mutter über ihren Ehemann Tal, Bars Vater, der an den Rollstuhl gefesselt ist:
Wenn man sich nun das Video anschaut, das die Familie zeigt, als sie das erste Mal seit über zwei Jahren wieder vereint ist, sollte Bars Mutter recht behalten:
Beeindruckend ist, wie Bar Kupershtein seine eigene Glaubensentwicklung nicht nur, aber auch dieser zwei Jahre beschreibt und wie wichtig ihm das Ausüben seines jüdischen Glaubens ist – inmitten der widrigsten Umstände, die man sich nur vorstellen kann in den Tunneln der Hamas.
So ist zum Beispiel die Feier des Sabbats “unverhandelbar” – auch wenn man kreativ werden muss:
Auch wenn es nur wenige Worte sind, sind sie doch so tief, wie sie mitten in der Gefangenschaft sich darum bemühten, Passah zu feiern – obwohl sie für die Hamas Tunnel graben mussten:
Wir sind Sklaven, die durchhalten.Ungebrochen - Mein Wille zu leben, S.175
Wer “Ungebrochen – Mein Wille zu leben” liest, bekommt einen schonungslosen Blick in die Realität der Geiseln in Händen der Hamas. Aber ebenso auch Einblicke in das Leben von Bar Kupershtein und seinen Mitgefangenen und wie groß und unerbittlich ihr Lebenswille ist.
Das Buch bewegt und wühlt auf, auch wenn es immer wieder humorvolle Passagen beinhaltet oder man es kaum glauben mag, wie die Geiseln versuchten, ihr “Zuhause” auch schon schön einzurichten bzw. in verschiedene Bereiche einzuteilen, wo es eigentlich nicht mehr als ein Tunnel-Loch war.
Im Gegensatz zu anderen Geiseln, die nach dem 7. Oktober 2023 von der Hamas gefangen gehalten wurden, hat Bar Kupershtein fast die gesamten zwei Jahre an einem Ort verbracht. Was das hygienisch und gesundheitlich bedeutet, kann man sich zwar vorstellen – es aber schwarz auf weiß zu lesen, raubt einem regelrecht den Atem.
“Ungebrochen – Mein Wille zu leben” ist ein absolutes “Must Read”. Es führt vor Augen, wie perfide die Hamas agiert hat, wie stark der Wille eines Menschen sein kann, was der Glaube an Berge versetzen kann und wie eine Familie in solch einer Extremsituation über sich hinauswächst und auch noch andere Menschen ermutigt oder für die gute Sache mit vereint, so wie es Bar Kupershteins Mutter tat.
Mögen die Zeilen, die Worte, das gesamte Buch ein Segen sein und der Welt vor Augen führen, welche Wunder auch in den widrigsten Zeiten geschehen sind.
So wie Bar Kupershteins Mutter es einem Hamaskämpfer am Telefon mitteilte, als dieser ihr die Schuld für Bars Zustand geben wollte:
Bar Kupershtein: Ungebrochen – Mein Wille zu leben
Seiten: 240
ISBN: 9783863344399
Preis: 23,00 Euro
Verlag: adeo Verlag (online bestellen unter www.scm-shop.de/ungebrochen-mein-wille-zu-leben.html)

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