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Harry Potter und Yoga in der Kirche – wozu?

Heute bin ich auf Instagram auf zwei Beiträge aufmerksam geworden. Beides Mal – das unterstelle ich den jeweiligen Protagonisten einfach mal im Guten – wollten Menschen (Pfarrer) andere Menschen „in die Kirche bringen“. Das eine Mal waren es Yoga-Begeisterte und das andere Mal Harry Potter-Fans.

Also wurde die Kirche kurzerhand zu einem Fitness-Tempel umfunktioniert, jede Menge Matten ausgelegt und Menschen konnten ihre Yoga-Übungen unter Anleitung in einem gottesdienstähnlichen Setting, denn immerhin gab es ein Votum, Gebet und sogar eine kurze Predigt, verrichten.

Die Harry Potter-Fans wurden schon mit Nebelschwaden und gleißendem Farblicht in der Kirche willkommen geheißen und jede Menge (scheinbare?) Parallelen zwischen dem christlichen Glauben und Harry Potter wurden in den Raum gestellt.

Noch mal: Ich unterstelle den Verantwortlichen dieser Inszenierungen gute Absichten. Und natürlich fanden diejenigen, die sich davon ansprechen ließen und diese Art von Kirchenveranstaltung besuchten, das Ganze richtig gut (sonst wären sie a) nicht zur Veranstaltung gekommen und b) im Video nicht zu Wort gekommen).

Doch: Wozu das alles?

Um Menschen „in die Kirche zu bringen“. Aber was genau bedeutet das? Sollen Menschen einfach einen neuen Zugang zum Kirchengebäude bekommen? Sollen Schwellen niedrig und Berührungsängste abgebaut werden? Sollen Menschen einfach für Übersinnliches interessiert werden? Sollen Menschen Jesus Christus begegnen?

Was – um alles in der Welt – ist also Ziel des Ganzen?

Folgender Kommentar fand sich unter dem Artikel zum Yoga-Gottesdienst:

[Du kennst Chris Schuller noch nicht? Kann man ändern! Schau mal hier vorbei: www.followhiscall.com/de oder auf seinem Instagram-Profil.]

Versetzen wir uns doch mal hinein in die ersten Christen. Sie sind – spätestens in der zweiten Generation – umgeben von Verfolgung in einer Gesellschaft, die ungöttlich ist. Heidnische (Mysterien-)Kulte spielen eine große Rolle, die Menschen opfern ihren Göttern alles Mögliche (und Unmögliche), sind auf der Suche nach einem spirituellen Erlebnis und übernatürlichen Event. Heute nennen wir es: Yoga und Harry Potter.

Damals waren es der Mithras-Kult (zu dem es die wildesten Spekulationen gibt, inwiefern manche Christen Teil dieses Kultes waren), der Isis- und Osiriskult oder schlicht und einfach die Anbetung des Gottes „Pan“. Ich hab‘ dir hier mal ein Foto, das ich gemacht habe, als ich letztes Jahr in Israel war. Ganz im Norden des Landes findet sich eine Opferstätte dieses Gottes Pan, wo die wildesten und perversesten Opferpraktiken vollzogen wurden. Der Ort heißt heute Banjas – zu biblischen Zeiten Cäsarea Philippi. Von dem Loch im Felsen nahm man übrigens an, dass es der Eingang zur Unterwelt gewesen sei.

Um es auf den Punkt zu bringen: Christen haben sich seit jeher dadurch ausgezeichnet, dass sie eine konterkulturelle Lebensweise praktizierten. Das bedeutet, dass sie nicht einfach nur „gegen etwas waren“ – das wäre kontrakulturell. Nein – vielmehr waren Christen immer konterkulturell, stell es dir wie beim Fußball vor: Wer einen Angriff abwehrt und zum Gegenangriff ansetzt, spielt einen „Konter“. Es geht also nicht nur darum, dagegen zu halten, sondern selbst wiederum „nach vorne zu gehen“, proaktiv zu sein, einen Punkt (ein Tor) machen zu wollen.

Genau das zeichnet Christen aus: Sie leben in einer Kultur, in einer Gesellschaft, die in vielen Teilen dem widerspricht, wie Gott sich das Leben der Menschen vorgestellt hat. Deswegen sagt Gott durch Paulus:

Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüft, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. Römer 12,2 (Elberfelder Übersetzung)

Was wäre besser?

Jesus im Zentrum, so wie es Chris Schuller in seinem Kommentar auf Instagram geschrieben hat. Ich werde nicht müde, genau das immer und immer wieder zu betonen: Als Christen (und erst recht als Theologen/Pastoren/Pfarrer) ist es nicht unsere Aufgabe, die Kirchen zu füllen, sondern Menschen zu Nachfolgern von Jesus zu machen. So wie er es selbst gesagt hat: „Macht zu Jüngern alle Völker…“ (Matthäus 28,19). Das ist der Auftrag.

Dieser Auftrag wird dort erfüllt, wo wir uns darauf verlassen, dass eine biblische Verkündigung vollkommen ausreicht, um Menschen für Jesus zu gewinnen. Dazu gehört der Aufruf zur Umkehr und Buße genauso wie die Verheißung, dass der, der von neuem geboren wird durch den Heiligen Geist, ewiges Leben empfangen hat und nichts mehr dafür tun muss. Jede Sehnsucht, jeder Durst nach Leben, jedes ungestillte Bedürfnis kommt zur Vollendung, wenn wir ein Kind Gottes werden (was wir nicht durch unsere Natur sind, denn durch diese sind wir Geschöpfe, aber nicht Kinder Gottes). Wie? Recht einfach:

So viele ihn [die Rede ist von Jesus] aber aufnahmen, denen gab er die Vollmacht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.Johannes 1,12

Als Kirche haben wir einen USP (Unique Selling Point): Das Evangelium von Jesus Christus. Die gute Nachricht, dass er für die Sünde eines jeden Menschen stellvertretend am Kreuz auf Golgatha gestorben ist (Römer 3,23-25), um den Schuldbrief zu tilgen, der den Menschen so schwer belastet (Kolosser 2,14), und uns neues, ewiges Leben zu schenken (Johannes 4,13-14).

Das ist unsere Botschadft.

Das macht Kirche aus.

Und vor allem: Das müssen Menschen hören, um für Zeit und Ewigkeit gerettet zu werden und ein Leben zu führen, wie es sich ihr Schöpfer vorgestellt hat.

Es hat noch nie „funktioniert“ und es wird auch nie funktionieren, dass über solche Aktionen Menschen nachhaltig zum Glauben an Jesus kommen.

Natürlich: die (säkularen) Medien finden es cool, manche Menschen finden es cool und der Algorithmus auf Instagram springt im Dreieck. Und jetzt? Ist das der Auftrag von Kirche, dass Menschen und Medien uns „cool finden“? Jesus hat seinen Nachfolgern etwas ganz anderes verheißen.

Sensibilität gegenüber verfolgten Christen

Ich frage mich bei solchen Yoga- und Harry Potter-Aktionen (wie gesagt: Ich möchte die besten Absichten unterstellen!) immer, wie das wohl auf verfolgte Christen wirkt. Also nehmen wir nur mal die Glaubensgeschwister im Iran und in Somalia. In beiden Ländern kann es dich das Leben kosten, wenn du dich als Christ „outest“.

Sie leben ein „konterkulturelles Leben“ par excellence und sehen, wie Christen im Westen sich an die Gesellschaft und Kultur anbiedern, um Menschen zu bespaßen im Namen der Kirche, wo sie selbst um ihr Leben fürchten müssen und Entsetzliches schon erlebt haben, „nur“ weil sie in der Bibel lesen und Jesus nachfolgen.

Sollten unsere verfolgten Glaubensgeschwister davon mitbekommen, bin ich mir ziemlich sicher, dass ihre Reaktion die ist, dass sie für uns hier im Westen beten. Und das zurecht!


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