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Die Kunst des Leitens XIII: Kein Ross ohne Reiter

“Ich habe von jemandem gehört, dass er mit den Inhalten der Predigten unzufrieden ist.”

“Mir haben zwei Personen gesagt, dass sie die neue Gottesdienstzeit echt doof finden.”

“Es rumort so ein bisschen in der Gemeinde, wir sollten da mal was ansprechen.”

“Zwei Personen aus dem Seniorenkreis, die aber nicht genannt werden wollen, würden gerne wieder mehr Choräle im Gottesdienst singen wollen.”

Kennst du solche Aussagen? “Man”, “einige”, “viele” – die “anonymen Motzer” einer Kirchengemeinde. Dir als Leiter wird ein Sachverhalt weitererzählt, der diese “mans”, “einige” und “viele” nicht zufrieden stellt – und dein Herz fängt an zu pochen, deine Hände schwitzen und du fragst dich: “Wie um alles in der Welt kann ich sie wieder gut stimmen?”

Antwort: Gar nicht! Zumindest nicht, solange zum Ross nicht auch der Reiter genannt wird.

Auf meiner ersten Stelle ist mir das anfangs sehr oft begegnet – und dann gab mir ein befreundeter Pfarrer, der schon viele Jahre Erfahrung hatte, einen goldenen Tipp, den ich seither – sorry – gnadenlos beherzige:

“Kein Ross ohne Reiter!”

Was heißt das? Ich erkläre es dir an meiner Standard-Reaktion auf die oben genannten Aussagen: “Bitte sag mir konkret, wer diese Personen sind oder lass es – aber dann interessiert es mich auch nicht!”

“Kein Ross ohne Reiter” bedeutet, dass ich gerne die verantwortlichen Personen wüsste, die etwas zu bemängeln, kritisieren oder zu verbessern habe. Und wenn mein Gegenüber es einfach nicht über’s Herz bringt, mir diese zu nennen, ist es mir auch egal, was er mir eigentlich sagen will. Ja – inzwischen ist es das wirklich. Ich gebe zu, das braucht Übung – keine Frage. Aber ich verrate dir noch etwas: Mein Alltag als Pfarrer und Leiter ist voll genug mit ganz konkreten und handfesten Aufgaben und Herausforderungen, mit Wunderschönem und manchmal nicht so Schönem, dass ich nicht mal im Traum (mehr) daran denke, mich mit solchen anonymen Dingen zu befassen.

Hart? Nein! Fair! Und ich will dir auch sagen, weshalb ich so reagiere – im wesentlichen sind es zwei Gründe, die für Leiterschaft grundlegend wichtig sind.

Dialog geht nur mit einer konkreten Person

Sollte es in einem bestimmten Bereich wirklich Probleme geben oder die Kritik auch nur im Ansatz stimmen – wie willst du einem “anonymen Motzer” helfen? Geht nicht! Du kannst nur konkreten Personen helfen und du kannst nur mit konkreten Personen ins Gespräch kommen. Und zwar vollkommen unabhängig davon, ob das Anliegen nun berechtigt ist oder nicht.

Deswegen ist es so wichtig, zu jedem Ross (“Missstand”) den Reiter (“konkrete Person”) zu kennen. Dann kannst du gut und gerne immer noch selbst entscheiden, ob du darauf eingehen möchtest. Aber du hast einen entscheidenden Vorteil, wenn du die “Kein Ross ohne Reiter”-Maxime beherzigst: Du kannst reden, du kannst in den Dialog treten.

Bist du Leiter oder Eisverkäufer?

Es gibt ja diesen Spruch: “Wenn du bei allen beliebt sein willst, werde Eisverkäufer!” Denn als Leiter bist du definitiv nicht bei allen beliebt. Diese “anonymen Aussagen” kratzen aber genau an dieser Sehnsucht, es allen recht machen zu wollen und zumindest so ein bisschen everybody’s darling zu sein. Das geht aber nicht – schmink es dir einfach ab!

Das Problem aber ist: Deine Gedanken werden sich um diese “anonymen Motzer” drehen und sie werden sich bis in dein Herz hineinfressen und im dümmsten Fall greifen sie deine Identität als Leiter an. Nicht schön! Deswegen musst du dir einen gesunden Umgang mit diesen “anonymen Motzern” überlegen – und der kann nur sein: Raus aus der Anonymität! Oder wie ich in einem anderen Beitrag schon betonte: Fakten sind deine Freunde!

In diesem Fall sind sie es im Blick auf deine eigene Psychohygiene – und das ist wichtig, damit dein Herz weich bleibt für die wirklichen Herausforderungen und Aufgaben und vor allem für die Menschen, mit denen du tagtäglich als Leiter zu tun hast.

Kurz und knackig war das heute. Aber entweder kennst du diese Situationen schon zu Genüge, wenn du Leiter bist und ein paar Jahre Erfahrung auf dem Buckel hast – oder du bist noch in den Startlöchern, dann wirst du feststellen, dass diese Situationen unvermeidbar sind.

Und dann denke immer daran: Kein Ross ohne Reiter!


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David Brunnerhttp://www.david-brunner.de
Bloggen ist mehr als nur Schreiben. Bloggen ist kreatives Denken, out of the box, nicht immer politisch korrekt – aber dafür von Herzen. Ehemann // Familienvater // Pfarrer // Autor // Visionär // Whisky // Grillen // Apple // KSC //

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