“Führungskraft sein ist wie eine Dame sein: Wenn man es den Leuten erst sagen muss, dann ist man keine.” So wandelt Maxwell ein Ausspruch Margarete Thatchers ab im Blick auf die “eigentliche Führungspersönlichkeit”.

Was soll ich sagen? Ich glaube, dass im Blick auf Gemeinde sich einige Gemeindeleiterinnen und Gemeindeleiter einmal hinterfragen müssten, ob das oben genannte Zitat nicht auf sie zutrifft. Ich habe es nicht selten erlebt, dass manche Leitung- oder Führungskräfte im kirchlichen Kontext genau so aufgetreten sind: “Eigentlich bin ich ja nicht so von “oben herab”, aber hier oder da musste ich schon mal sagen, wer eigentlich die Leitung innehat und wer nicht.”

Ja, es gibt Situationen, in denen ist es nötig, sich klar zu positionieren nach dem Motto: “Es gibt eine Leitung in der Gemeinde – und Du bist es nicht!” Aber: Das ist in meinen Augen dann nötig, wenn Gemeindeglieder Leitung als solche nicht akzeptieren. Aber es ist dann – ganz im Thatcherschen Sinne – vollkommen deplatziert, wenn ich durch solche Äußerungen deutlich machen möchte: Ich bin die Leitung!

Ein heikles Thema

John Maxwell spricht in diesem Kapitel ein wirklich heißes Eisen an, da es um die Glaubwürdigkeit eines Pastors, einer Pastorin als Führungskraft innerhalb der Gemeinde geht.

Nicht selten kommt es vor, dass es in Gemeinden Personen gibt, welche die eigentlichen Meinungsführer sind. Die Frage ist nicht, ob das gut oder schlecht ist – die Frage ist, wie ich als Gemeindeleiter damit umgehe. Und da trifft Maxwell eine sehr interessante Unterscheidung oder besser gesagt, charakterisiert den “Leiter nach der Stellung” und “Leiter nach dem Ansehen”:

LEITER NACH DER STELLUNG LEITER NACH DEM ANSEHEN
Reden zuerst Sprechen später
Brauchen den Einfluss des eigentlichen Leiters, um zum Ziel zu gelangen Gebrauchen allein ihren eigenen Einfluss, um zum Ziel zu gelangen
Beeinflussen nur die anderen positionalen Leiter Beeinflussen alle Anwesenden

Achte doch in einem deiner nächsten Meetings einmal darauf, wer die eigentliche Führungskraft ist – am Verhalten lässt sich das leicht erkennen. Aber nicht nur daran, sondern an einem noch viel einfacheren Merkmal.

Wer folgt dir?

Wer führt und leitet, muss auch Menschen haben, die ihm folgen. Das klingt simpel und easy – und ist es auch. Maxwell schreibt kurz und knackig:

Denn Führung beweist sich im Folgen anderer.Die 21 wichtigsten Führungsprinzipien, S. 62

Wenn du niemanden hast, der dir folgt, leitest und führst du auch nicht. Du magst es vielleicht von dir denken – aber die Realität sagt etwas anderes.

Dabei geht es nicht um Zahlen. Nicht immer ist die Mehrheit im Recht, nicht immer ist es die Minderheit. Deswegen lässt es Maxwell zurecht offen, dass es nicht auf die Anzahl ankommt, sondern darauf, ob dir überhaupt jemand folgt. Die große Herausforderung könnte natürlich darin bestehen, dass dir die “eigentlichen Führungspersönlichkeiten” folgen.

Zwischenbilanz ziehen

Deswegen ist es manchmal gar nicht schlecht, Zwischenbilanz zu ziehen. Natürlich kann der Dienst eines Pastors (von “Erfolg” will ich gar nicht sprechen) nicht an nackten Zahlen und Fakten gemessen werden. Denn Gott mag “Erfolg” ganz anders definieren, als wir das tun.

Dennoch ist es gut, innezuhalten, zu resümieren und eine Art Zwischenbilanz zu ziehen und zu schauen: Wer folgt mir? Folgt mir überhaupt jemand? Bin ich eher “Leiter nach Ansehen” oder “Leiter nach Stellung”? Maxwell skizziert in diesem Kapitel auch kurz, dass er oft auch zunächst “Leiter nach Stellung” war – vor allem ist das dann der Fall, wenn man als Pastor/Pfarrer eine neue Stelle annimmt. Zum “Leiter nach Ansehen” zu werden, braucht auch seine Zeit.

Dein nächstes Meeting als Leiter steht vor der Tür? Dann gehe mal bewusst in dieses Meeting hinein mit der Frage, ob du als “Leiter nach Stellung” oder als “Leiter nach Ansehen” Teil des Teams bist.

Die weiteren Beiträge in dieser Reihe:


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