Es gibt Abschnitte und ganze Bücher in der Bibel, da stellt man sich die Frage:
Solch ein Buch ist auch das Buch Richter aus dem ersten Teil der Bibel.
In Kinderbibeln und manch animierten Filmen kommen die Richter Simson und Gideon mit ihren Heldentaten noch ganz gut davon. Aber allerspätestens, wenn man die letzten Kapitel des Richterbuches liest, reibt man sich verwundert die Augen.
Und dann kommt Tim Keller ins Spiel. Einer der begnadetsten und einflussreichsten Theologen der letzten Jahrzehnte. Ein scharfsinniger Denker, leidenschaftlicher Prediger, menschenliebender Pastor – und einfach: ein Brain!
Mehr als ein historisches Dokument
Um es kurz und ehrlich zu sagen: Seine Auslegung bzw. sein Kommentar zum Richterbuch hat mir die Augen geöffnet und mich so vieles verstehen lassen, was ich bisher eher als theologisch schwierig und schwer zu verstehen ansah – was er übrigens im Buch selbst auch immer und immer wieder betont: Manche Stellen und Begebenheiten im Richterbuch sind regelrecht verstörend.
Das ist die Quintessenz aus dem Richterbuch, wie Tim Keller sie sieht. Wie gut, dass er das gleich zu Beginn des Buches postuliert, da es ungemein hilft, die kommenden Seiten noch besser zu verstehen.

Keller geht in seinem Richter-Kommentar zwar am biblischen Text entlang, aber entwirft Kapitel, deren Überschriften schon alles sagen. Alleine das erste Kapitel würde sich lohnen, mehrmals hintereinander zu lesen, um die Tiefe dessen, was Keller in Richter 1,1 bis 2,5 findet noch besser zu verinnerlichen. Von „halbherziger Nachfolge“ ist die Rede – und wenn man die angegebenen Stellen, auf die er sich bezieht, unter dieser Überschrift liest, scheint es fast so, als ob sich ganz neue Dimensionen des Bibelverständnisses eröffnen. Und das Gute: Das geht im gesamten Buch so weiter.
Tim Keller schafft es auf großartige Weise, das Richterbuch nicht einfach nur als ein historisches Dokument von teilweise grausamen Geschichten darzustellen, in denen Gott scheinbar nur am Rande vorkommt, sondern es ist und bleibt genauso lebendiges Wort Gottes wie der Römerbrief oder die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium. Ich habe es selten erlebt, dass aus einem scheinbar „schwierigen Buch“ so viel lebendiges Gotteswort „herausgezogen“ wird.
Sechs Wahrheiten für unser Leben
In der Einleitung schreibt Keller:
Diese Frage beantwortet Keller mit sechs Wahrheiten, deren „Headline“ (er führt sie noch weiter aus) ich hier zumindest nennen möchte, da sie sehr schön veranschaulichen, wie glaubensrelevant das Richterbuch dadurch wird.
- Gott bietet seine Gnade unaufhörlich solchen Menschen an, die sie weder verdienen noch nach ihr suchen – und die sie nicht einmal wertschätzen, nachdem sie durch sie gerettet wurden.
- Gott will über jeden Bereich unseres Lebens Herr sein, nicht nur über einen Teil.
- Es besteht eine Spannung zwischen Gand und Gesetz, zwischen Bedingung und Bedinugngslosigkeit.
- Wir benötigen kontinuierliche geistliche Erneuerung, solange wir hier auf der Erde leben, und wir müssen wissen, was wir tun können, damit sie in unserem Leben geschieht.
- Wir brauchen einen wahren Retter – darauf weisen alle menschlichen Retter sowohl durch ihre Schwächen als auch durch ihre Stärken hin.
- Gott hat die Fäden in der Hand – ob es in der konkreten Situation danach aussieht oder nicht.
Über diese sechs Wahrheiten hinaus sind es immer wieder allgemein wahre Aussagen, die Keller trifft. Ja – diese könnten losgelöst auch in anderen Büchern oder auf Websites, in theologischen Artikeln oder Podcasts erscheinen, aber im Kontext gelesen, sind sie besonders kraftvoll. Beispielsweise macht sich Keller am Beispiel von Simson so seine Gedanken über das Wesen von Sünde und schreibt dazu unter anderem:
Etwas, das wir in unserer heutigen Zeit unbedingt hören müssen!
Relevant für das 21. Jahrhundert
Apropos Gesellschaft. Eine weitere „Wahrheit“, die Keller im Richter-Buch findet, zeigt, wie sehr dieses Buch – wenn wir es richtig lesen – uns heute, im 21. Jahrhundert meint und hinterfragt:
Richtig gut finde ich den Anhang zum Thema „Heiliger Krieg“. Denn das ist in der Tat eine Anfrage oder Vorwurf an den christlichen Glauben, wie Gott das nicht nur zulassen, sondern sogar unterstützen und fordern könne, dass so etwas wie ein „heiliger Krieg“ geschieht, als die Israeliten das Land Kanaan einnahmen.
Auch hier kann ich nur dankbar staunen, wie gut Keller es auf den Punkt bringt und (mindestens) drei Punkte anführt, weshalb man bei der Landnahme Israels nicht von einem heiligen Krieg sprechen kann. Alleine dieser Anhang ist jedes Geld wert, da er – typisch Keller – weit über den eigentlichen Sachverhalt hinaus dem Leser sehr, sehr wertvolle Gedanken mitgibt.
Nur ein Beispiel, was alleine schon die Perspektive auf das „sperrige“ Richter-Buch ändert:
Und wie so oft bei Tim Keller gilt: Du musst nicht Theologie studiert haben, um ihn zu verstehen. Er beherrscht wirklich die selten gewordene und einzigartige Fähigkeit, seinen grandiosen Intellekt Lesern wie mir anzupassen, dass ich auch verstehen kann, was er schreibt.
Für mich ist dieses Buch das Beste, das ich bisher zum Richter-Buch gelesen habe.
Tim Keller: Richter. Fragwürdige Helden und der wahre Held
ISBN: 9783986651213
Seiten: 252
Preis: 18,90 Euro
Verlag: Verbum Medien (www.verbum-medien.de/products/richter-kommentar-die-bibel-erklart)

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