Tag 5

    Hebt den Blick, denn eure Erlösung ist ganz nahe!

    Lukas 21,28
    Mitten im Alltag
    Heute ist Sonntag. Zweiter Advent. Adventlich leben heißt: in Erwartung leben. Wie ein Ehepaar, das ein Kind erwartet. Hoffnungsvoll. Vorfreudig. Noch ein bisschen durchhalten. Noch ein bisschen die Beschwerden auf sich nehmen, die großen Schmerzen der Wehen und Geburt – und dann: das Kind in den Armen halten. Auch wenn ich als Mann nicht einmal einen Bruchteil der Schmerzen durchgemacht habe, ist “durchhalten” und “warten” gar nicht so einfach.

    Wie auf meine Netzhaut gebrannt haben sich die Anblicke meiner Kinder, als ich sie das erste Mal sah. Das ist inzwischen viele Jahre her, aber ich kann und will das nicht vergessen. So unglaublich einzigartig ist es, wenn dein Kind endlich zur Welt kommt. Da lohnt sich das Warten und Ausharren. Die Schmerzen und das Warten sind nicht vergessen – aber vom Zauber der Schönheit und der Einzigartigkeit deines Kindes erfüllt.

    Warten fällt nicht immer leicht. Ja – auch nicht mal dann, wenn man das “Ergebnis”, das Ende, die Erfüllung schon kennt oder zumindest erahnt.

    Gestern ging’s auch schon um’s Warten. Heute schon wieder? Ja! Denn wir warten unser Leben lang auf so vieles – und im Moment warte ich darauf, dass diese Welt zur Ruhe kommt, dass sich die Verletzungen und Risse unserer Gesellschaft wieder kitten lassen und dass Versöhnung und Heilung über unser Land und unsere Nation kommt.

    “Hebt den Blick, denn eure Erlösung ist ganz nahe.” Der Wochenspruch für die Woche nach dem 2. Advent. Manchmal ist mir eher danach zumute, alles hinzuschmeißen, die Hoffnung aufzugeben und mich dieser allumfassenden Lethargie und Depression hinzugeben. Das wäre so einfach: Einstimmen ins Motzen und Jammern, ins Klagen und Verschwören, ins Böses-Unterstellen und Nichts-Gutes-wissen-wollen. Was mich davon abhält? Das Wissen, dass das nur die Geburtswehen und Schmerzen sind, auf die etwas Wunderbares folgt.

    Darauf hoffe ich und warte ich in diesem Advent. Ja, Jesus wird eines Tages wieder leibhaftig auf diese Erde zurückkehren und darauf zielt dieser Vers ursprünglich ab. Ich will ihn aber für’s Hier und Jetzt und Heute ergreifen und flehen: “Komm, Jesus! Schaffe du Erlösung. Ich warte darauf. Ich erwarte dich. Ich weiß nirgends anders Erlösung als bei dir!”

    Ja, das Happy End mag im heutigen Adventskalendertürchen nicht so recht daherkommen. Bruchstückhaft, noch etwas schwer ist dieser Text. Unfertig. Etwas verworren. Passend zum Advent 2021, in dem aber genauso gilt: “Hebt den Blick, denn eure Erlösung ist ganz nahe.”

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    Bloggen ist mehr als nur Schreiben. Bloggen ist kreatives Denken, out of the box, nicht immer politisch korrekt – aber dafür von Herzen. Ehemann // Familienvater // Pfarrer // Autor // Visionär // Whisky // Grillen // Apple // KSC //