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Zukunft. Hoffnung. Kirche.

Nein, das ist kein Widerspruch.

Zukunft, Hoffnung und Kirche sind drei Begriffe, die man durchaus in einem Atemzug nennen darf, kann und soll. Allerdings braucht’s dafür ein paar Voraussetzungen, damit das alles kein Wunschtraum sondern blühende Realität wird.

Um nichts weniger ging es beim Willow CreekLeitungs– und Kinderpluskongress 2016 in Hannover. Vom 11.-14. Februar strömten 10.000 Menschen in die TUI-Arena auf das Messegelände Hannovers und lauschten inspirierenden Vorträgen, guter Musik und berührender Kunst – also Letztere hat man eher angeschaut.

Wieder einmal habe ich diesen Kongress als ungemein inspirierend erlebt. Es ist schon verrückt, was die Beteiligten da alles auf die Beine gestellt haben: Ein faszinierendes Bühnendesign, eine rundum geniale Band mit musikalischen Leckerbissen, ein konzentrierter Ablauf und Fokus auf das Wesentliche, eine klasse Organisation im ganzen “Drumherum”. Kurzum: So macht Kirche einfach total Spaß.

Deswegen einfach mal an dieser Stelle ein riesengroßes Dankeschön an Willow Creek und Willow Creek Deutschland. Ihr habt ganze Arbeit geleistet und dürft jetzt hoffentlich ein wenig entspannen, genießen und dankbar auf das zurückschauen, was war.

Ich habe jede Menge gelernt; jede Menge Inspiration erhalten; jede Menge Input aufgesaugt. Ich will’s mal so sagen:

#Es kommt auf den Leiter an

Gut. Das ist jetzt bei einem Leitungskongress weniger überraschend als dieses Sinnlos-Spielzeug im Überraschungsei, aber dennoch interessant auf welche Eigenschaften eines Leiters Bill Hybels in seinem Vortrag “Das Unbeschreibbare von Leitung” abhob:

  1. Die Zähigkeit eines Leiters
    Unter www.willowcreek.de/survey kannst du ein paar Fragen beantworten und am Ende einen ersten Hinweis bekommen, wie zäh du auf einer Skala von 1-5 bist.
    Bei “zäh” denken wir ja schnell an ein schlecht gegrilltes Steak – allerdings ist “zäh” im Leitungszusammenhang durchaus positiv zu verstehen, denn wir leiten in schwierigen Zeiten und schwierigen Situationen. Da ist es unabdingbar, wenn Leiter “zäh” sind – aber dennoch genießbar.
  2. Selbstwahrnehmung
    Der Klassiker. Es ist uns Leitenden wahrscheinlich in der Theorie sehr präsent, in der Praxis geht es uns jedoch oft abhanden: Die Tatsache, dass unsere Entscheidungen heute geprägt sind von Erfahrungen, die wir im Laufe des Lebens gesammelt und die sich tief in uns verankert haben. Korrespondierend damit ein ganz unangenehmes Thema: blinde Flecken. Also der Bereich, in dem du dich selbst für den Champion hältst, andere jedoch schon zu beten beginnen, wenn du nur den Mund aufmachst.
  3. Erfindungsreichtum
    Erfindungsreiche Menschen kollaborieren, scheitern und versuchen es erneut und lieben das Lernen. Manche schmeißen hin, wenn sie nicht mehr weiter wissen – manche nehmen erst dann richtig Fahrt auf. Drei mal darfst du raten, von welchen Typen Hybels sprach und welcher Typ ich bin. Ok. Vergiss es. Einmal darfst du raten. Und liegst du daneben, musst du dir was einfallen lassen.
  4. Selbstaufopfernde Liebe
    Wir leben in einer Zeit, in der viele Leiter narzisstisch sind und etwas Besonderes sein wollen. Sie wollen ein Gefolge haben, das ihnen dient. Das ist genau das Gegenteil von aufopfernder Liebe. Heikler Punkt. Viel zu arbeiten. Alles andere als Mainstream.
  5. Einen Sinn stiften in denen, die man leitet
    Muss man dazu noch was sagen? Es klingt simpel – und ist doch ein Game Changer. Mir geht’s doch selbst so, wenn ich in einem Team bin, das ich nicht leite: Ich will, dass der Leiter mir klarmacht, was der Sinn des ganzen ist – wenn ich nicht schon hell genug war und das selbst herausgefunden habe.
    Und so ist es eben auch die Aufgabe jedes (Gemeinde-)Leiters, seinem Team immer wieder deutlich zu machen, was der Sinn des Ganzen ist.

#Focus is the new IQ

Das Thema ist nicht neu. Das haben andere schon vor Willow erkannt. Darüber haben viele schon gebloggt, getwittert und geredet. Ich habe beim Willow-Kongress ganz neu gelernt, dass es keinen Sinn macht, sich zu verzetteln. Zwischen zwei Sessions saß ich einmal so in der Halle und dachte: “Was ist eigentlich das alles verbindende Element bei Willow Creek?” Und mir kam schlicht und einfach der Gedanke, dass Bill Hybels immer wieder betont, dass sie durch ihre gesamte Arbeit bei Willow Creek aus “gottfernen Menschen vollkommen hingegebene Jesusnachfolger” machen wollen. Das klingt auf englisch natürlich viel cooler.

Und ich dachte mir: Ja, das ist es. Wie oft sagen wir den netten Satz: “Wir können es nicht allen recht machen.” Und wie oft handeln wir dann doch nach diesem einen Satz? Unfassbar.

Ähnliches dachte ich, als Leo Bigger die Bühne rockte. Dieser Mann steht für eine klare Vision von Kirche – und nein, ich habe auch hier keine Lust zu schreiben, dass nicht alle diese Vision cool finden müssen. Er lebt seinen Traum von Kirche. Und er lebt einen ganz bestimmten Traum. Das sieht man. Das spürt man. Das hört man.

Ich hoffe, ich habe auch in ein paar Wochen noch den Mut, mich zu fokussieren und nicht “Gemeinde für alle” sondern “Gemeinde für den Einen” zu sein.

#Ohne Gebet ist alles nichts

Für mich persönlich gab es auf dem Kongress zwei Highlights. Eines davon war der Vortrag von Johannes Hartl zum Thema “Existentielles Gebet”. In seiner unnachahmlichen Art schaffte es Johannes Hartl einmal mehr, hohe philosophische Erkenntnisse so zu vermitteln, dass selbst ich den Eindruck hatte, sie zu verstehen.

Provokant führte er uns dahin, dass er fragte, was denn sei, wenn eben nichts sei. Halten wir das Nichts aus? Was ist, wenn das Nichts uns überkommt – was machen wir? Wir müssen etwas tun. So ist der Mensch einfach – und leider – gestrickt. Wir können das Nichts nicht aushalten und müssen ganz schnell etwas tun.

Dabei ist es viel wichtiger, einfach zu sein – nicht zu tun.

Vor Gott zu sein. Mit Jesus zu sein. Im Gebet.

Alles Tun unterliegt den Blicken von Menschen, aber nicht dem Blick Gottes. Damit unterwerfe ich mich ungewollt Menschen. Und wenn ich versuche, den Menschen zu gefallen, dann wäre ich kein Knecht Christi, weil er dann nicht mein Meister wäre, sondern die Menschen um mich herum. Ha, faszinierend, was? Ich find’s auf jeden Fall sehr erhellend und habe einmal mehr gemerkt: Ohne das Gebet ist alles nichts. Aber mit Gebet wird das Nichts zu etwas Wundervollem, weil uns dort Jesus begegnet und er uns sagt, was wir zu tun und zu lassen haben.
Bei allen tollen Programmen und Methoden: Wir sollten nicht vergessen, dass die meisten großen Bewegungen und Erweckungen aus dem Gebet entstanden sind. Ich hab’s mir ganz neu auf die Fahne geschrieben.

#Orange leiten

Mein zweites Highlight des Kongresses war Reggie Joiner. Meine Güte. Der Mann hat solch eine Tiefe, Ausstrahlung, Witz und Weisheit, dass ich es schier nicht ausgehalten habe. Dabei kommt er als Introvertierter (wie er sich selbst bezeichnet) ganz unscheinbar daher. Aber bekanntlich sind stille Wasser tief.

Kurz zu dem guten Mann mit Glatze, Bart und Lederjacke: Er hat zusammen mit Andy Stanley die “Northpoint Community Church” gegründet, das “Orange-Modell” entwickelt und die reThink-Group ins Leben gerufen. Kurzum: Der Mann hat’s einfach drauf.

Ein Spitzensatz seines Vortrages:

Es ist nicht die Mission und Vision, die deine Gemeinde erfolgreich machen, sondern die Strategie.

Und wieder einmal saß ich da und dachte: Mist. Ja. Stimmt. Er hat vollkommen Recht. Wenn ich nicht weiß, wie ich die Dinge ans Laufen bringe, dann bringen mir auch die besten Dinge nichts.

So viel zur Theorie. Sein großes Steckenpferd ist ja die Frage nach der Orange – nein, nicht der Frucht, sondern der Farbe. Genauer gesagt: ORANGE ist die Mischung aus GELB (für die Gemeinde, in der Jesus als das Licht lebt) und ROT (für die Liebe in der Familie). So viel zur Farbenlehre.

Spannend wird das Ganze natürlich dann, wenn wir uns fragen, wie wir Gemeinde so leiten und leben, dass die nächste(n) Generation(en) davon profitieren. Und was Joiner hier zu sagen hat, würde ich am liebsten in die ganze Welt hinausposaunen, weil es so wahr und weise ist.

Joiner sprach davon, dass unser Problem in Gemeinden doch oft das ist, dass uns nicht interessiert, was Familien interessiert. Er sprach davon, dass über 90% der Familien in Deutschland in keine Gemeinde/in keinen Gottesdienst gehen. Warum? Weil sie nicht vorkommen, keinen Platz haben.

Dabei wollen Eltern – und da stimme ich ihm voll zu – vor allem eines: bessere Eltern werden! Und warum soll bitteschön Gemeinde dann nicht der Ort sein, an dem sie das lernen können?

Uns Leitenden sollte es ein Anliegen sein, um die Beziehungen zu den Kindern und Jugendlichen sowie um deren Beziehung zu Gott zu kämpfen. Und ich habe am Ende seines Vortrages gedacht: “Jawohl. Das will ich!”

Nichts hält deine Gemeine so frisch und “am Puls der Zeit”, als wenn du “orange leitest” – also Kinder, Jugendliche und Familien nicht nur eine nette “Zielgruppe” sind, sondern den Kern deiner Gemeindeentwicklung darstellen. Wohlgemerkt: Nicht die Heile-Welt-Familie, sondern Familie in all ihren Schattierungen und Vorkommnissen – denn alleine in den USA sind es laut Joiner gerade mal 23% der Familien, die aus verheirateten Ehepaaren bestehen, die mit ihren eigenen leiblichen Kindern zusammen leben. Insofern sollten wir als Gemeinde auch aufhören, ein unrealistisches Idealbild von Familie zu propagieren, das biblisch gesehen ohnehin keinen Halt hat – wenn man nur mal an so nette Familienkonstellationen wie bei Adam und Eva, Noah, Jakob und Esau, Josef und seine Brüder oder auch Maria und Josef denkt.

Auf jeden Fall hat Reggie Joiner es geschafft, mein Herz zu erobern und eine ganz neue Leidenschaft freizusetzen – ok. Sooooo schwierig war es nicht, denn ich hatte seine “Orange-Bücher” schon gelesen. Und dennoch: Ich glaube, dass sich nichts mehr lohnt, als Gemeinde an der kommenden Generation auszurichten.

Für mich war dieser Kongress ein Inspirationsmegaflash und ich bin immer noch sehr motiviert und begeistert, nun vieles davon umzusetzen, was bedeutet: Fokus auf Jesus. Mehr die Menschen im Blick zu haben, die “noch nicht dabei sind” als die, die man verlieren könnte (was ja zunächst mal nicht mehr als eine Annahme ist und sich in der Realität erst mal noch beweisen müsste). Und in die nächste Generation investieren, investieren, investieren.

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