Spontan sagst du wahrscheinlich “Ja!”, denn wenn du das hier liest, hast du Zugang zum World Wide Web, kannst lesen und hast irgendein elektronisches Gerät vor deiner Nase. Dir geht’s im Prinzip ganz gut und du lebst wahrscheinlich recht frei.

Ich stelle dir die Frage aber noch mal: “Bist du frei?”

Deine Antwort wird nun nicht mehr so einfach ein “Ja” sein, darauf könnte ich wetten. Mir ging es so, als ich mir diese Frage zum wiederholten Mal stellte.

Frei. Was heißt das? Wann bin ich das? Wovon bin ich frei?

Was bedeutet “frei sein”?

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr festigt sich in mir der Eindruck, dass wir oft viel mehr innerlich unfrei sind als äußerlich. In unserer westeuropäischen Kultur und Gesellschaft sowieso. In diktatorischen Staaten mag das anders sein.

Frei zu sein bedeutet nicht, tun und lassen, was ich will. Das ist Grenzenlosigkeit – aber keine Freiheit.

Frei zu sein heißt: Tun und lassen, was Gott will. Das ist wirkliche Freiheit – warum? Darauf komme ich am Ende es Artikels.

Ich erinnere mich noch an ein Gespräch, das ich im Studium führte. Mein Gesprächspartner hatte aus meiner Sicht Ansichten, die sich mit meinen Ansichten nicht unbedingt vereinbaren ließen – genauer gesagt: gar nicht. Es war ein intensives und anregendes Gespräch. Als ich in einem Nebensatz fallen ließ, dass die Bibel als Wort Gottes für mich Richtschnur in meiner ethischen Urteilsfindung ist, meinte mein Gegenüber: “Du bist nicht frei! Du bist Sklave der Bibel!”

Ich entgegnete, dass wir bei einer solchen Sichtweise, alle Sklaven einer übergeordneten Instanz sind – und wenn es eine linke Ideologie ist, wie es bei meinem Gesprächspartner der Fall war.

Ich selbst betrachtete mich freilich nicht als Sklaven – sondern als frei. Warum? Weil ich nicht tun, lassen und denken konnte, was ich wollte, sondern ich wusste: Gottes Wille für mein Leben ist wesentlich besser als mein eigener Wille. Also war ich (und bin es heute noch) dankbar, frei zu sein in dem, dass mir Gott heilsame Begrenzungen gibt, in denen ich mich bewegen kann.

Ich weiß, dass dies für atheistisch und agnostisch denkende Menschen äußerst schwierig nachzuvollziehen ist. Aber eines ist doch klar: Selbst eine propagierte Grenzenlosigkeit wird zur Grenze des eigenen Lebens und ethischen Denkens. Da wähle ich doch lieber eine Begrenzung, von der ich weiß, dass dessen “Erfinder” Jesus sagt:

Ich lebe und ihr sollt auch leben.Die Bibel, Johannes 14,19

Frei zu sein bedeutet für mich also, Tag für Tag wieder neu den Versuch zu unternehmen, dem Willen Gottes zu folgen und so zu leben, dass mein Denken, Tun und Handeln möglichst kongruent zu diesem Willen ist.

Wovon bin ich befreit?

In erster Linie: von mir selbst. Am Anfang der Bibel wird vom so genannten “Sündenfall” berichtet. Der Mensch lebt im Paradies, in ungetrübter Nähe zu Gott, genießt sein Leben, seine Freiheit (Gott hat ihm gesagt, was er essen darf und was nicht, er hatte also Grenzen gesetzt) und alles, was um ihn herum ist. Da kommt der Teufel in Gestalt einer Schlange und verführt den Menschen dazu, von der Frucht zu essen, von der es ihm verboten ist, zu essen. Mit welchem Argument tut er das?

Gott weiß, dass eure Augen geöffnet werden, wenn ihr davon esst. Ihr werdet sein wie Gott und das Gute vom Bösen unterscheiden können.Die Bibel, 1. Mose 3,5

“Ihr werdet sein wie Gott!” Das ist es, was uns heute immer und immer wieder im Weg steht, frei zu sein. Wir wollen selbst über uns bestimmen und möglichst alles selbst entscheiden. Wir glauben, dass wir selbst am Besten wissen, was gut und böse ist für unser Leben.

Das geschieht natürlich vollkommen subtil und automatisch: Wir vergessen Gott einfach! That’s it. Klingt hart, aber so ist doch die Realität. Wir haben Tag für Tag so viele Entscheidungen zu treffen, da treffen wir sie lieber alleine, als noch einen Ratgeber mit an Bord zu holen. Und ich rede jetzt nicht von den trivialen Entscheidungen, was wir anziehen und was wir kochen sollen. Es sind eher die großen Entscheidungen, unseren Beruf, unsere Partnerschaft, unsere Familie, unsere Zukunft und unsere Finanzen betreffend. Schnell treffen wir Entscheidungen aus uns selbst heraus, anstatt uns in die Freiheit zu begeben und Gott zu fragen, was er wohl tun würde. So paradox es klingt: Mich von Gott abhängig zu machen ist der erste Schritt in wahre Freiheit!

Zur Freiheit befreit

Der Grund dafür liegt schlicht und einfach darin, dass Gottes Wesen Liebe ist! Wäre Gott ein diktatorischer Despot, wie wir sie auf Erden zu Genüge haben, wäre es der Ritt in den Untergang, mich von ihm abhängig zu machen. Das wäre keine Freiheit – das wäre Sklaverei. Und der Gesprächspartner in meinem Studium hätte absolut recht. Nun ist es aber gerade so, dass ich als Christ an einen Gott glaube, dessen Wesen Liebe ist – unbeschreibliche, unendliche, unglaubliche und bedingungslose Liebe. Das habe ich in verschiedenen Artikeln immer wieder zum Ausdruck gebracht – zum Beispiel hier (“Erkenne deine wahre Identität in Jesus“), hier (“Gott ist gut“) oder hier (“Gott als Vater – sein eigentliches Wesen“).

Einer der am meisten zitierten Bibelverse drückt das auf knappe aber so zielsichere Weise aus:

Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat. Die Bibel, Johannes 3,16

Gott ist Liebe (steht so übrigens auch in der Bibel in 1. Johannes 4,16) und aus dieser Liebe heraus schenkt er uns wahre Freiheit. Eine Freiheit, die nicht durch Grenzenlosigkeit besticht, sondern eine Freiheit, die durch den Tod seines Sohnes Jesus am Kreuz für uns erst ermöglicht wurde.

Deswegen schreibt Paulus im Galaterbrief einen Gedanken, der mich schon seit langer Zeit begeistert, der aber nur Sinn ergibt, wenn wir die Güte und Liebe Gottes als Freiheit erkennen – auch wenn wir dadurch “gebunden” sind an seinen Willen – aber lieber lasse ich mich an seinen Willen binden als an mein menschliches, selbstsüchtiges und “durch die Schlange verdorbenen” Willen.

Durch Christus sind wir frei geworden, damit wir als Befreite leben. Jetzt kommt es darauf an, dass ihr euch nicht wieder vom Gesetz versklaven lasst. Die Bibel, Galater 5,1

Wer Jesus glaubt und ihm vertraut, der ist nicht nur frei geworden von dem, was ihn knechten will. Vielmehr noch: Er und sie darf als Befreite(r) leben! Und das heißt auch: Sich nicht wieder neu “versklaven” lassen von menschlichen oder dämonischen Kräften und Gesetzen.

Das klingt in der Theorie ganz nett, ich weiß. Viel schwieriger ist es, das auch zu leben.

Folgende Fragen können dir dabei behilflich sein, mehr und mehr in der Freiheit zu leben, zu der Jesus dich befreit hat:

  • Habe ich mein Leben Jesus anvertraut?
  • Was hindert mich daran, ihm ganz zu vertrauen?
  • Welche Bereiche meines Lebens sind von dieser Freiheit noch unberührt, weil ich meinen eigenen Willen durchsetzen möchte?
  • Welche Bereiche meines Lebens sind besonders anfällig dafür, meinen eigenen Kopf durchzusetzen anstatt Gott zu fragen?
  • Wer kann mir dabei helfen, mehr und mehr in Freiheit zu leben?

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