Schürze. Demut. Geht’s noch komischer? JA!

Gutes Wort mit schlechtem Ruf

“Demut” ist im deutschen Sprachgebrauch überwiegend negativ konnotiert. Wir verbinden mit Demut nicht das Schönste, was unsere Gedankenwelt zu Tage bringen kann.

Demut erinnert im deutschen Sprachgebrauch an ein “Buckeln”, an “Kuschen”, an “Niederwürfigsein”, an alles andere eben als an “aufblühen”, “leben” oder “ach-ist-das-heute-wieder-schön”.

Demut kommt irgendwie ganz schlecht weg. Ich glaube, dass mit ein Grund auch der ist, dass Demut in christlichen Kreisen in der Tat diese oben genannten Assoziationen geweckt hat, weil es auch so vermittelt wurde. Herzlichen Dank auch! Das war ein großer Fehler!

Denn Demut hat damit rein gar nichts zu tun.

Demut – besser als ihr Ruf

Schauen wir vor allem in das Neue Testament, ergibt sich im Großen und Ganzen ein einheitliches Bild, dass Demut bedeutet: Ich erkenne willentlich eine höhere Autorität an, unterstelle mich dieser gerne und sehe mein zukünftiges Leben unter deren Perspektive.

Wenn ich als Christ nun sehe, dass diese “höhere Autorität” der himmlischer Vater, der Vater Jesu Christi, der “Papa” ist, wie Paulus ihn einmal nennt (Römer 8,15), dann gilt eines: Diese Wort ist beim bestem Willen wesentlich besser als sein Ruf.

Natürlich versucht der Mensch, sich davon zu lösen und sein Leben so zu gestalten, als ob es Gott nicht gäbe. Immer wieder will er seine Lebensfäden selbst in die Hand nehmen und entwirren. Christen haben gegenüber denen, die nicht an Jesus Christus glauben, einen Vorteil (ohne, dass es sie dadurch zu besseren Menschen machen würde): An dem Punkt, an dem sie erkennen, dass das doch nix wird, können sie eines tun: Kapitulieren. Umkehren. Anerkennen. Leben.

Kapitulieren vor sich selbst und den viel zu hohen Idealen, denen sie ohnehin nicht gerecht werden.

Umkehren in die immer offenen Armen eines auf sie wartenden himmlischen Vaters.

Anerkennen, dass er und nicht der Mensch Gott ist – und das auch gut so ist.

Leben in der Gewissheit, dass dieser göttliche Papa das beste Leben schenkt.

…und was soll die Schürze?

Die Schürze habe ich einmal mehr bei der Vorbereitung einer Predigt gefunden. Die Predigt war der Abschluss unserer Predigtreihe “Alltagshelden” und hatte das Thema: “Alltagshelden kämpfen nie alleine”. Falls du sie anhören willst, kannst du das im Podcast oder auf unserer Homepage gerne tun.

Ich liebe es, in die Tiefen der Bibel einzutauchen und zu entdecken, was sich unter der Oberfläche verbirgt. Einen ganz besonderer Fall – und hier kommt die Schürze ins Spiel – ist 1. Petrus 5,5:

Desgleichen ihr Jüngeren, ordnet euch den Ältesten unter. Alle aber miteinander haltet fest an der Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. 1. Petrus 5,5

Jetzt könnte man viel zu diesem Vers sagen. Ja. Konkret geht es mir aber um folgenden Teil des Verses:

“Alle aber miteinander haltet fest an der Demut.”

Unglücklicher – sorry, lieber Herr Dr. Martin Luther – hätte man diesen Vers nicht übersetzen können. Denn im griechischen Text wird dieser Vers durch ein ganz besonderes Bild gemalt. Wörtlich übersetzt – und damit das Bild aufgenommen – lautet dieser Vers:

“Legt auch alle gegenseitig die Demut an wie eine Schürze.”

Wow! Was ist das für ein starkes Bild!

Demut schützt dich

Die Demut als Schürze. Was macht eine Schürze? Sie schützt! Wenn ich koche oder grille, dann ziehe ich eine Schürze an. Warum? Damit die Kleidung nicht beschmutzt wird. Eine Schürze schützt! Vielleicht müsste man sie deswegen auch eine “Schütze” nennen. Wer weiß.

Ich finde das Bild unglaublich stark: Ich soll Demut wie eine Schürze anlegen, warum? Weil Demut mich schützt!

Demut schützt mich davor, mein Leben selbst in die Hand nehmen zu wollen.

Sie hilft mir, mich Gottes gutem Willen und seiner Liebe über meinem Leben zu unterstellen.

Demut zeigt mir, wer ich wirklich bin: Ein von Gott unendlich geliebter Mensch, der deswegen seine Zukunft ganz getrost im Vertrauen auf Gottes Liebe leben kann.

Sie schützt mich aber auch davor, dass ich durch egoistisches und selbstzentriertes Denken und Handeln mich und meine Mitmenschen verletze.

Demut – sie bekommt durch dieses Bild der Schürze eine große positive Konnotation und wird rausgeholt aus dem negativen Sumpf, in dem sie drinsteckt.

Sie ist eben genau nicht dieses “Unterwerfen”, dieses “Buckeln und Kuschen”, was landauf landab von ihr gezeichnet wird. Überhaupt nicht! Sie ist gerade das Gegenteil: Sie lässt mich erst richtig aufblühen und das Leben leben, das mein Schöpfer für mich vorgesehen hat. Weil ich nicht an meinen eigenen Idealen, Wünschen und Zielen mich orientiere, sondern mein Leben – und vor allem das, das noch vor mir liegt – aus seiner Sicht und unter seiner Leitung leben will.

Ich wünsche Dir, dass du diese Erfahrung machst: Demut schützt dich! Sie bringt dich näher zu deinem himmlischen Vater! Und sie ist alles andere als negativ – sie ist etwas Wunderschönes.

…und so sah das am Ende der Predigt dann aus:

 


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