Alter, hat der den Schuss nicht gehört? Also wenn du es bis hierher schon mal geschafft hast, dann hast du aus Versehen auf den Link geklickt oder du interessierst dich wirklich dafür, was hinter dieser Überschriftenkonstellation steckt.

Man müsste…

Ich nenne dieses “Man müsste” den passiven Konjunktiv in Leitung. Passiver Konjunktiv ist nicht: “Wir bauen einen Flughafen in Berlin.” Passiver Konjunktiv ist “Man müsste…

Immer wieder erlebe ich es in der Gemeinde, wenn es um schwierige Themen geht oder um große und wichtige Fragen im Blick auf die Gemeindearbeit:

  • “Da müsste man mal mit der betreffenden Person reden.”
  • “Man müsste mal eine Bestandsaufnahme machen.”
  • “Man müsste mal ein paar Fundraisingmaßnahmen ergreifen.”
  • “Man müsste im Gottesdienst darauf hinweisen.”
  • “Man müsste mal eine Bedarfsplanung machen.”

Das große Problem ist: “Man” und “müsste” sind an sich schon undefiniert. Wenn sie dann noch zusammen auftreten, ist das Chaos perfekt. Schnell wird genickt, nach dem Motto: “Oh ja, stimmt. Das müsste man echt mal machen.” Dann wird noch ein bisschen drüber nachgedacht und das Thema ist beendet. Meistens – und das ist das Fatale – handelt es sich bei den Man-müsste-Themen um wichtige, aber nicht dringende Themen. Und wir Menschen sind leider, leider so gestrickt, dass wir uns eher der dringenden als der wichtigen Themen annehmen.

Viele, die mit Leitung befasst und vertraut sind, kennen das Eisenhower-Prinzip. Aber zwischen “kennen” und “anwenden” ist oft ein großer, tiefer Graben namens Realität. Ich glaube, dass die meisten Man-müsste-Themen im Bereich “wichtig” anzusiedeln sind – manche davon sind dringend, dann gilt es, diese zu erledigen. Manche davon sind weniger wichtig, dann gilt es, diese zu planen.

Das Eisenhower-Prinzip vereinfacht und grafisch dargestellt.

Wenn man nun nach diesem Prinzip die oben genannten Sätze anschaut, könnte das folgendermaßen aussehen (wobei es im Konkreten natürlich auf eine situative und kontextuelle Einschätzung ankommt, ob das Thema dringend oder weniger dringend ist).

  • Gesprächstermin vereinbaren
  • Sorgfältige Planung, welche Gegebenheiten geprüft und abgebildet werden
  • Das Finanzteam der Gemeinde bitten, diese Maßnahmen zu planen und durchzuführen

  • Einfach machen!
  • Einfach machen oder externe Berater mit ins Boot holen.

Warum ein Killer?

Ist das nicht ein bisschen heftig? Nein! Der Grund ist ganz einfach: Diese Man-müsste-Themen holen dich nämlich ein und killen dir ein anderes Projekt, das damit eventuell nicht einmal etwas zu tun hat. Ich mache dir ein Beispiel.

“Man müsste mal ein paar Fundraisingmaßnahmen ergreifen.” Nichts geschieht, denn “man müsste” interessiert ja keinen Menschen. Es geschieht nichts. Immer noch nicht. Nach wie vor geschieht nichts im Blick auf Fundraisingmaßnahmen.

Währenddessen aber boomt ein anderer Bereich deiner Gemeindearbeit. Sagen wir: es sind die Kinder, die Sonntag für Sonntag immer mehr werden und dein Bereichsleiter für die Arbeit mit Kids auf der Matte steht und sagt: “Wir benötigen neue Räume oder zumindest die Möglichkeit, die bestehenden Räume zu einem geilen Indoor-Spielplatz umzubauen, damit die Kids sich noch wohler fühlen und wir noch mehr wachsen.”

“Na klar”, denkst du. Sofort. Die Idee ist super – und schaust mal kurz in die Finanzen der Gemeinde und stellst fest: “Mist, da hat ja niemand Fundraisingmaßnahmen ergriffen.” Bingo.

Aber was kann der arme Bereichsleiter für die Arbeit mit Kindern dafür, dass die Leitung ihren Job nicht gemacht hat? Richtig. Nichts. Aber er steht jetzt da wie der begossene Pudel und im schlimmsten Fall wächst sein Bereich nicht.

Was zu tun ist

Ein guter Leiter hört die beiden Worte “Man müsste” und freut sich. Warum?

  1. Er erkennt, dass hier ein wichtiges Thema/Gebiet der Gemeindearbeit angesprochen wird.
  2. Es gibt etwas zu tun, zu leiten, zu lenken.
  3. Er schiebt das Thema/das Gebiet nicht auf die lange Bank, sondern ggf. unterstützt durch das Eisenhower-Prinzip geht er die Sache sofort an. Sie muss ja nicht gleich erledigt sein, aber bearbeitet, “in progress” sozusagen.

Wenn du also das nächste mal hörst “Man müsste” – dann freu dich! Aber schieb das Thema nicht weg, sondern bearbeite es.

Ich nehme es mir auch vor, weil dieser Beitrag nämlich aus genau solch einer Situation heraus entstanden ist und ich merke, wie viel ich noch lernen kann, darf und will. Bist du dabei?

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