Im Rahmen der Mini-Bibelschule unserer Kirchengemeinde habe ich am letzten Abend über den “roten Faden” durch die Bibel gesprochen. Dieser ist kein Gedanke oder theologisches Konstrukt, sondern eine Person: Jesus Christus.

So weit – so gut. Aber wie kann das sein? Immerhin wird Jesus erst “nach” dem Alten Testament geboren – wie kann er dann der rote Faden durch die Bibel sein? Genau darum geht es im Folgenden.

In den letzten Monaten und wenigen Jahren hat mich die Bibel noch einmal ganz neu “gepackt”. Ich kann nicht einmal exakt sagen, woran das liegt, aber habe eine Vermutung. Diese liegt darin, dass wir in den letzten Jahren (vielleicht sogar schon 1-2 Jahrzehnten) zumindest im westlichen Europa oder genauer gesagt in Deutschland in meinen Augen eine gewisse “Bibel-Lethargie” haben. Es ist in vielen Gemeinden schon Standard geworden, dass bei Zusammenkünften es eine Lobpreis-Zeit gibt – aber keine “Wir lesen in der Bibel”-Zeit. Dies wiederum hängt sicherlich auch mit dem postmodernen Primat der Emotionalität gegenüber der Rationalität zusammen. Vielleicht ist meine vertiefte Faszination über die Bibel auch eine Art Reaktion darauf – wer weiß.

Wichtig ist mir nur, eines zu betonen: Niemals werden wir “ausgelernt” haben, was die Bibel und das Bibelverständnis betrifft. Zeitlebens bleiben wir Lernende und werden immer und immer wieder Neues in der Bibel entdecken – wenn wir uns mit ihr beschäftigen.

Genug der Vorrede – meine Ausführungen gliedere ich in vier Teile:

I Prophetische Ereignisse und ihre Erfüllung

II Einzelne Verheißungen und ihre Erfüllung

III Die Präexistenz Jesu von Anbeginn

IV Fazit: Warum ist das so wichtig?

1I Prophetische Ereignisse und ihre Erfüllung

“Prophetische Ereignisse” – ein Widerspruch in sich? Eigentlich schon – denn entweder es ereignet sich etwas oder es ist prophetisch. Und hier genau setzt ein Bibelverständnis ein, das davon ausgeht, dass es eine Kontinuität zwischen dem ersten und dem zweiten Teil der Bibel gibt. Es gibt nicht wenige Theologen, die zwischen den beiden Teilen der Bibel keinen größeren Zusammenhang sehen, wobei manche soweit gehen, dass sie der Ansicht sind, das Alte Testament (oder eben besser gesagt: der erste Teil der Bibel) sei für Christen nicht relevant.

Schauen wir nämlich genau hin, dann ist es absolut faszinierend zu entdecken, wie Jesus schon im Alten Testament eine Rolle spielt und Ereignisse, die sich tatsächlich ereignet haben, auf ihn hinweisen.

Es gibt im Alten Testament eine Reihe an Ereignissen, die prophetisch auf Jesus hinweisen und sich in ihm vollständig erfüllen. Dieses Denken und diese Art der Schriftauslegung ist nicht neu – sie geht streng genommen auf Origenes zurück.

Origenes (185-254) war ein einflussreicher theologischer Lehrer und entwickelte wohl wie kein anderer seiner Zeit die so genannte “allegorische Schriftauslegung”, die hinter dem geschilderten Text den “tiefen Sinn” sucht, der über das Beschriebene oder Erzählte hinaus geht. So waren auch für ihn schon viele Erzählungen und Ereignisse des Alten Testaments vor allem in ihrer allegorischen Bedeutung, also ihrem Hindeuten auf Jesus, wichtig.

Das wiederum bedeutet nicht, dass die Historizität biblischer Ereignisse hinfällig ist, sondern das Faszinierende an der Bibel ist gerade die Verbindung zwischen Historizität und prophetischer Hindeutung auf Jesus. Ein Ereignis, das also auf zwei Ebenen eine Bedeutung hat. Historisch und prophetisch.

Die Bibel auf diese Ereignisse hin zu untersuchen, ist eine absolut spannende und faszinierende Reise durch die Geschichte Gottes mit seinem Volk. Im Folgenden möchte ich dir nur ein paar dieser prophetischen Ereignisse aufzeigen.

AT
  • 1. Mose 22
  • 1. Mose 14
  • 2. Mose 12
  • 2. Mose 12
  • 2. Mose 16
  • 2. Mose 17
  • 3. Mose 16
  • Daniel 7,13+14
NT
  • Markus 10,45
  • Hebräer 7
  • Johannes 1,29
  • Lukas 9,31
  • Johannes 6,30-51
  • 1. Korinther 10,1-4
  • Matthäus 26-28
  • Apostelgeschichte 7,56

Diese Reihe ließe sich natürlich noch sehr weit fortsetzen – aber sie gibt einen ersten Eindruck davon, wie schon in Ereignissen des Alten Testamentes Jesus selbst präsent ist bzw. dieses Ereignis eine prophetische Zeichenhandlung auf Jesus ist, ohne der Handlung ihren Wert an sich zu nehmen. Die Geschehnisse des alten Testamentes sind nicht einfach nur Bilder und “Schatten” des Zukünftigen, des Neuen Testamentes. Nein, sie sind tatsächliche und wirkmächtige Ereignisse, die das Volk Gottes durch die vielen, vielen Jahrhunderte hindurch erlebt und sich Gott als ein “Gott der Geschichte” zeigt.

Warum um alles in der Welt erscheint Melchisedek Abra(ha)m mit “Brot und Wein” (1. Mose 14,18+19)? Was hat es mit der Beinahe-Opferung (1. Mose 22) eines Sohnes (Isaak) durch seinen Vater (Abraham) auf sich? Und warum taucht in Daniel 7,13+14 plötzlich der “Menschensohn” auf, von dem bis dahin nicht wirklich groß die Rede war in der Bibel?

Diese (und die anderen oben erwähnten sowie die noch gar nicht hier erwähnten) Ereignisse stehen für sich – und sind gleichzeitig ein prophetischer Hinweis auf Jesus, den Sohn Gottes, den Messias, den Retter der Welt. In seinem Leben, Sterben und Auferstehen vollendet er das, was seit Beginn der Menschen sich durch die Geschichte Gottes mit seinem Volk und seiner Menschheit zieht.

2II Einzelne Verheißungen und ihre Erfüllung

Daraufhin deuten auch viele einzelne Verheißungen oder Hinweise auf Jesus, die nicht unbedingt ganze Ereignisse sind, aber hoch interessante Aussagen der Bibel sind. Auch hier gilt: Es gibt so viele, dass die Auflistung hier alles andere als vollständig sein kann. Eine Grafik jedoch zeigt, dass bis auf die Richter-Zeit es durch die Zeit des Alten Testaments hindurch immer wieder Hinweise auf Jesus gab. Der Glaube an einen Messias, an den Sohn Gottes, der eines Tages kommen wird – er durchzieht die Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel von Beginn an.

Wie erwähnt, ist dieses Schaubild alles andere als vollständig, zeigt aber: Das Alte Testament und das Neue Testament zu trennen, ist ein Unterfangen, welches nicht nur unmöglich, sondern sinnlos ist. Das Alte und das Neue Testament gehören zusammen und bilden als Ganzes eine Einheit, die eine heilige Schrift, durch die sich Gott selbst offenbart.

Besonders spannend nun wird es, wenn man sich die Ereignisse rund um Jesu Kreuzigung anschaut und wie detailliert diese schon im Alten Testament vorhergesagt sind. Auch hier hilft eine kleine Tabelle, wobei diese nur einige Stellen enthält, die wichtig sind – es gibt darüber hinaus noch weitere:

Neben Origenes ist hier natürlich auch Martin Luther zu nennen und auf sein Schriftverständnis zu verweisen. Dazu ein Zitat aus der “Wormser Ausgabe”:

Ursache ist die, Wir Christen haben den synn und verstand der Biblia, weil wir das Newe Testament, das ist Jhesum Christum haben, welcher im alten Testament verheissen und hernach komen, mit sich das liecht und verstand der schrifft bracht hat, wie er spricht Joh. 5.[46]Martin Luther (WA 54, 29.3-6)

Die gesamte Bibel (und damit auch das Alte Testament) erschließt sich erst durch die Kenntnis des Evangeliums, also der guten Nachricht von Jesus Christus. “Was Christum treibet” wird hier immer wieder bemüht. Eine Aussage Martin Luthers, mit der er deutlich macht, dass die Mitte der Schrift, Dreh- und Angelpunkt, Ziel aller Exegese und Ausgangspunkt aller Hermeneutik das sein muss, “was Christum treibet”, also das, was Jesus Christus in den Mittelpunkt stellt und ihn beim Lesen der Bibel vor Augen malt genauso wie bei jeder Diskussion über biblische Texte sowie deren Auslegung.

3III Präexistenz Jesu von Anbeginn

“Aber nur weil mit Origenes und Martin Luther zwei gescheite Theologen das behaupten, muss es doch noch lange nicht stimmen”, mag der ein oder andere einwenden. Das ist richtig. Deswegen schauen wir uns in einem letzten Schritt einige Bibelstellen an, die selbst davon Zeugnis geben, dass Jesus von Ewigkeit her schon war. Die Theologie nennt das die “Präexistenz” Jesu: prä = vor, vor allem Anfang, vor allem Leben.

Christen glauben, dass sich Gott in drei Personen zeigt: Vater, Sohn, Heiliger Geist. Dennoch ist Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit her, ungeschaffen, ungezeugt. Das gilt natürlich auch für die “zweite Person” der Trinität, Jesus Christus.

Ein Hinweis darauf findet sich bei dem Propheten Micha, der gleichzeitig auch Bethlehem als Geburtsort Jesu voraussagt:

Doch dir, Betlehem im Gebiet der Sippe Efrat, lässt der Herr sagen: “So klein du bist unter den Städten in Juda, aus dir wird der künftige Herrscher über mein Volk Israel kommen. Sein Ursprung liegt in ferner Vergangenheit, in den Tagen der Urzeit.”Die Bibel - Micha 5,1

Hier wird deutlich: Auch wenn das Kommen Jesu erst noch aussteht, so ist dieser schon längst existent. Sein Ursprung liegt “in ferner Vergangenheit, in den Tagen der Urzeit”. Die hebräischen Worte, die hierfür gebraucht werden, weisen auf eine unbestimmte Zeit in längst vergangener und weit entfernter Vergangenheit hin. Es beschreibt einen Zeitpunkt oder Phase, die sich menschlichem Ergründen oder gar menschlicher Zeitrechnung nicht mehr erschließt.

Die entsprechenden Aussagen dazu finden sich im Neuen Testament im so genannten “Johannes-Prolog”, den ersten Versen des Johannes-Evangeliums.

Am Anfang war das Wort. Das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Er war am Anfang bei Gott. Durch ihn wurde alles geschaffen, was ist. Es gibt nichts, was er, das Wort, nicht geschaffen hat.Die Bibel - Johannes 1,1-3

Jesus wird hier als “das Wort” beschrieben. Durch das Wort hat Gott alles geschaffen – im Himmel und auf der Erde. “Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.” (1. Mose 1,3) “Dann sprach Gott: “Im Wasser soll ein Gewölbe entstehen, eine Scheidewand zwischen den Wassermassen!” So geschah es: Gott machte ein Gewölbe und trennte so das Wasser unter dem Gewölbe von dem Wasser, das darüber war.” (1. Mose 1,6+7) und so weiter. Gott spricht – es geschieht.

Johannes nun geht einen Schritt weiter. Jesus ist nicht nur präexistent, wenn er sagt: “Am Anfang war das Wort. Das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.” Sondern er fügt zwei ganz entscheidende Merkmale hinzu:

  1. Jesus ist nicht nur Gottes Sohn – sondern Gott selbst.
  2. Jesus ist an der Schöpfung beteiligt, wenn Johannes schreibt: “Es gibt nichts, was er, das Wort, nicht geschaffen hat.” (Johannes 1,3)

Paulus greift das später wiederum auf und führt es zu einem regelrechten Hymnus, wenn er im Kolosserbrief schreibt:

Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes. Als sein Sohn steht er über der ganzen Schöpfung und war selbst schon längst vor ihr da. Durch ihn ist alles erschaffen, was im Himmel und auf der Erde ist: Sichtbares und Unsichtbares, Königreiche und Mächte, Herrscher und Gewalten. Ja, alles ist durch ihn geschaffen und vollendet sich schließlich in ihm. Denn Christus war vor allem anderen; und alles hat nur durch ihn Bestand. Er ist das Haupt der Gemeinde, die sein Leib ist. Er ist der Ursprung allen Lebens und zugleich der Erste, der vom Tod zu einem unvergänglichen Leben auferstand. So sollte er in jeder Hinsicht an erster Stelle stehen. Denn Gott hat beschlossen, mit seiner ganzen Fülle in ihm zu wohnen und alles im Himmel und auf der Erde durch ihn mit sich zu versöhnen. Ja, Gott hat Frieden gestiftet, als Jesus am Kreuz sein Blut vergoss.Die Bibel - Kolosser 1,15-20

Jesus ist nicht nur präexistent – von Ewigkeit zu Ewigkeit existierend – sondern direkt an der Schöpfung beteiligt – gleichzeitig steigert Paulus die johanneische Aussage zum eigentlichen Kern der Mission Jesu: Sein stellvertretender Tod am Kreuz, durch den er Frieden zwischen Gott und Mensch stiftet (Kolosser 1,20). Das lässt das Kreuzesgeschehen und das Kommen Jesu in diese Welt alles andere als ein “zufälliges Ereignis” erscheinen, sondern bescheinigt diesem regelrecht kosmische Dimensionen, weil es dieser Gott in Menschengestalt ist, der von Ewigkeit her schon war um dann sichtbar als Mensch auf diese Erde zu kommen und am Kreuz für die Menschen zu sterben, um ewiges Leben dem zu ermöglichen, der ihm vertraut – oder um es mit Johannes auszudrücken:

Aber allen, die ihn aufnahmen und ihm Glauben schenkten, verlieh er das Recht, Kinder Gottes zu werden.Die Bibel - Johannes 1,12

Hier wird deutlich: Jesus ist nicht nur der rote Faden durch die Bibel und die Heilsgeschichte Gottes mit seinen Menschen, sondern dieses Ereignis ist so über die Maßen faszinierend und unbeschreiblich, dass menschliche Worte dafür niemals ausreichen werden – aber wir können nicht anders von Gott reden als auf menschliche Weise – das ist unser Problem.

4IV Fazit: Warum ist das so wichtig?

Alles schön und gut – aber ist das nicht ein bisschen zu viel theoretisch-theologische Spinnerei? Nein, das glaube ich nicht. Meine Wahrnehmung ist, dass die Leidenschaft für die Bibel in der westlichen Christenheit ohnehin nicht am Zunehmen ist. Umso weniger nimmt die Leidenschaft und das Verständnis für das Alte Testament zu. Infolgedessen fehlt es vielen Christen an einer “Gesamtsicht” dessen, wer Jesus wahr, ist und sein wird. Und deswegen kristallisieren sich für mich drei wesentliche Punkte heraus, die für das eigene Glaubensleben eine große Relevanz haben.

1. Zentrales Thema des Glaubens: Jesus Christus

Sollte es nicht so sein, dass der rote Faden, welcher sich durch die Offenbarung Gottes (Bibel) hindurch webt auch der rote Faden in kirchlicher Verkündigung und gemeindlichen Lebens ist? Sollte man meinen.

Die Realtität aber zeit mir, dass all zu oft Nebenthemen zu Hauptthemen werden: Die Frage nach dem Zehnten, der Klimaschutz, die Bewertung von Homosexualität, die Frage nach dem richtigen Taufverständnis, die Geschmacksrichtung in Sachen Kirchenmusik und vieles mehr könnte hier aufgezählt werden.

Würden wir als Christen, als Hauptamtliche und als Verantwortliche in der Kirchenleitung genauso viel Leidenschaft und Ehrgeiz an den Tag legen, wenn es um “den roten Faden der Bibel” (Jesus Christus) geht wie bei manchen Randthemen, dann wäre den Menschen wesentlich mehr geholfen und es würde zu geistlichen Aufbrüchen kommen.

Und damit meine ich auch das Zentrum des roten Fadens: das stellvertretende Sterben Jesu am Kreuz von Golgatha. Nicht der nette Wanderprediger, Sozialreformer und Menschenfreund (was er allesamt war), sondern seine Versöhnungstat am Kreuz, damit der Mensch Friede mit Gott – und damit Friede mit sich selbst und seinen Mitmenschen findet.

Eindrücklich sind es gerade die alttestamentlichen prophetischen Ereignisse, welche diesen Aspekt des Kreuzesgeschehens betonen: 1. Mose 22, 2. Mose 12, Jesaja 53.

2. Gott macht keine Fehler

Immer wieder vernehme ich dem Ansatz nach folgenden Gedankengang: Gott liebt sein Volk. Damit es vor Gott zumindest einigermaßen gerecht dastehen kann, opfert das Volk jede Menge Dank-, Sühn- und Speiseopfer. Eines Tages merkt Gott, dass diese Rechnung aber überhaupt nicht aufgeht und muss sich etwas Neues überlegen und sein bisheriges Vorgehen als gescheitert und fehlerhaft anerkennen. Also kommt sein Sohn Jesus auf diese Welt, um dann am Kreuz stellvertretend für die Menschen zu sterben, damit alle Opfersysteme und Opferriten ein für allemal beendet sind.

Kann ich dem letzten Teil dieses Gedankens noch zustimmen, so ergibt der erste Teil keinen Sinn, der besagt, dass Gott einen Fehler gemacht hat und das Aufheben des alttestamentlichen Opfersystems und dessen Ersetzen durch das einmalige Opfer Jesu demzufolge die Konsequenz eines Fehlers Gottes ist. Nämlich der Fehler, anzunehmen, dass die alttestamentlichen Opferriten bis in alle Ewigkeit gültig sein werden. Aber Gott musste diesen (Denk-)Fehler eingestehen – und so sandte er Jesus auf diese Welt.

Glaubt man daran, dass Jesus präexistent ist und im Alten Testament sehr, sehr viele Ereignisse und Bibelstellen auf ihn hinweisen, macht es überhaupt keinen Sinn zu glauben, dass Gott einen Fehler wieder “ausradieren” musste, denn: Jesus war schon längst existent.

Insofern ist Jesus als der rote Faden durch die gesamte Bibel für mich auch Ausdruck dessen, dass Gott keine Fehler macht und wirklich alles in seinen Händen hält. Ich sage nicht, dass dies immer leicht zu verstehen sei – aber ich glaube, dass es ein Fakt ist, um den wir nicht drumherum kommen.

Anzunehmen, dass die Sendung Jesu auf diese Erde oder gar sein Tod am Kreuz nichts anderes ist, als eine Kurzschlussreaktion auf die verworrene Situation mit dem Volk Israel, ist biblisch gesehen unhaltbar. Zu offensichtlich sind die Verweise auf Jesus im ersten Teil der Bibel, was aber diesem Teil der Bibel nicht eine zweite, wichtige Dimension nehmen soll: Nämlich die Tatsache, dass es die Geschichte Gottes mit seinem Volk ist, was mich zum letzten Punkt führt.

3. Israels Erwählung bleibt bestehen

Ganz oben im Schaubild mit dem roten Faden habe ich bewusst für die Zeit des Neuen Testamentes und die Zeit bis heute geschrieben: “Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel & der Gemeinde”. Gott hat sein Volk nicht verstoßen, sondern steht die Jahrhunderte hinweg treu an der Seite Israels.

Der Apostel Paulus hat dies – als jüdischer Gelehrter ohnehin – gewusst. Er verwendet das Bild des Ölbaums, mit dem er beschreiben will, dass Gott sein Volk erwählt hat (Wurzel + Ölbaum) und die christliche Gemeinde in diesen Ölbaum “eingepfropft” wurde, aber nicht ursprünglich dazugehört. Er ermahnt sozusagen die Christen, dass sie sich nichts einbilden auf ihren Glauben, sondern immer wissen: Die göttliche Erwählung erging zuerst an Israel – und ist bis heute nicht aufgehoben.

Nun wurden aber einige dieser Zweige ausgebrochen, und unter die ´übrig gebliebenen` Zweige bist du, der Zweig eines wilden Ölbaums, eingepfropft worden und wirst jetzt wie sie vom Saft aus der Wurzel des edlen Ölbaums genährt. Doch das ist kein Grund, verächtlich auf die anderen Zweige herabzusehen. Wenn du meinst, du hättest das Recht dazu, dann lass dir gesagt sein: Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.Die Bibel - Römer 11,17+18

Natürlich gäbe es noch viel, viel mehr zu entdecken, zu schreiben, zu diskutieren. Das hier ist keine wissenschaftliche Auseinandersetzung, sondern soll vielmehr einen Eindruck davon geben, wie faszinierend die Tatsache ist, dass Jesus der “rote Faden” durch die Bibel ist.

Wenn du Interesse an den Podcasts zu den vier Abenden unserer Mini-Bibelschule hast, dann kannst du diese dir auf den unterschiedlichen Kanälen anhören:

Apple / iTunes

https://podcasts.apple.com/de/podcast/evangelische-kirchengemeinde-wutachtal-predigten/id1196289507

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