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Menschen des Evangeliums

Was macht der Autor Michael Reeves in diesem Buch? Um es provokant zu sagen: Er stellt die Theologie des Evangelikalismus dar und zeigt auf überzeugende Weise, dass diese Form der Theologie biblisch und historisch ist – alles andere als ein Nischenprodukt oder Sidekick der Christenheit. Ja, das bedeutet im Umkehrschluss, dass sich andere Theologie(n) fragen muss, ob sie historisch und biblisch sind.

Aber der Reihe nach – bevor du jetzt schon den Kopf schüttelst. In seinem Buch “Menschen des Evangeliums” entfaltet Michael Reeves diese Grafik, die sich zu Beginn des Buches findet.

Um es vorwegzunehmen: In meinen Augen sieht Reeves seinen Auftrag nicht darin, den Evangelikalismus zu schützen oder sich apologetisch vor diesen zu stellen. Was er tut, ist in meinen Augen wesentlich substanzieller als eine reine Verteidigungshaltung einzunehmen: Er belegt durch die Bibel und die Kirchengeschichte, dass evangelikale Positionen das sind, was die Kirche seit ihrem Bestehen ausmacht. Gleich zu Beginn des Buches legt Reeves dar, was die zentralen Inhalte evangelikaler Theologie und Glaubens sind:

In Anbetracht dessen argumentiere ich, dass der wahre Evangelikalismus eine klare Theologie hat, in deren Zentrum drei essentielle Lehren verankert sind, aus denen sich alles Weitere ergibt: 1. Die Offenbarung durch den Vater in der Bibel 2. Die Erlösung durch den Sohn im Evangelium 3. Die Wiedergeburt durch den Geist in unseren Herzen.Menschen des Evangeliums, S.15

Und klar: Dem aufmerksamen Leser wird schon aufgefallen sein, dass das gut trinitarisch ist bzw. angelehnt an das apostolische Glaubensbekenntnis – siehe Grafik oben.

Reeves hält sich nicht nur stringent an diese Dreiteilung, sondern was ich beachtenswert und bemerkenswert finde: Er geht auf Fehlentwicklungen im Evangelikalismus ein bzw. legt dar, dass nicht jeder evangelikal ist, der sich so nennt – es muss immer und stetig eine Rückbindung an das geben, was einzig und allein Maßstab und Richtschnur ist: das Evangelium.

Einfach formuliert, aber im Kontext sehr kraftvoll:

Evangelikal zu sein bedeutet zu glauben, was die Kirche als Ganzes immer gelehrt hat.Menschen des Evangeliums, S.28

Für mich als Pfarrer ist natürlich mega interessant, wie Reeves diese evangelikale Theologie als biblisch-historische Theologie behauptet gegenüber liberaler Theologie und den unterschiedlichen Traditionen der Kirche – finde aber, dass alleine folgendes Zitat schon (fast) alles sagt:

Jeder Mensch, der sich über Gottes Wort stellt, stellt sich an die Stelle Gottes. Schließlich hat die Kirche das Wort Gottes nicht ins Dasein gerufen. Es war genau umgekehrt: Gottes Wort rief die Kirche ins Dasein, so wie Gottes Wort die erste Schöpfung ins Dasein gerufen hat. Gottes Wort steht an erster Stelle.Menschen des Evangeliums, S.23

In meinen Augen vollkommen überzeugend auf so wenigen (173) Seiten – das Buch umfasst lediglich – legt Reeves dar, weshalb der Begriff “evangelikal” dem, was biblische Position ist, nicht nur “am Nächsten” kommt, sondern die beste Umsetzung dessen ist, was biblische Positionen auch heute noch bedeuten. Problem: Vieles, was im Evangelikalismus (weltweit) geschieht, hat mit dem “Evangelium” nicht viel zu tun – man denke nur an manche kulturellen oder politischen Auseinandersetzungen und Positionen (bis hin zu sehr bekannten Persönlichkeiten), die sich evangelikal nennen oder in die Nähe von Evangelikalen rücken – aber theologisch und geistlich meilenweit entfern sind. Das ist ein großes Problem, das auch Reeves auf gute und klare Weise thematisiert.

Ebenso thematisiert er, was immer wieder zu hören ist: “Die Frommen spalten nur.” Ich kenne diese Aussagen – und wie gesagt: Wer sich am Evangelium orientiert, der spaltet nicht. Das sind die, die sich nicht am Evangelium orientieren.

Menschen des Evangeliums zu sein bedeutet also, sowohl unerschütterliche Treue zum Evangelium zu haben als auch es abzulehnen, andere Themen auf die Ebene des Evangeliums zu heben.Menschen des Evangeliums, S.91

So einfach dieses Zitat klingt, so sehr hat es Kraft, die Reeves auf den folgenden Seiten auch entfaltet. Denn – und das muss gesagt werden – stehen Evangelikale immer auch in der Gefahr, dass sich Randthemen in den Mittelpunkt schieben, worauf Reeves auch sehr ausführlich eingeht.

Ebenso was die unterschiedlichen Kirchen, Konfessionen und Denominationen betrifft sowie die Zusammenarbeit untereinander, müssen sich Evangelikale fragen lassen, welche Themen ausschlaggebend für eine Zusammenarbeit sind – und welche dieser im Weg stehen (dürfen).

An dieser Stelle empfinde ich Reeves als unglaublich analytisch stark und sachlich bei einer gleichzeitigen Dringlichkeit, mit der er “den Evangelikalen” den ein oder anderen Eintrag im Stammbuch hinterlässt.

Ich empfehle “Menschen des Evangeliums” allen, die sich über die (eigene) evangelikale Position Gedanken machen bzw. die eigene evangelikale Position schärfen möchten. Es mag sicherlich den ein oder anderen geben, der sich fragt, ob es den Begriff “evangelikal” überhaupt (noch) braucht – auch darüber kann man streiten. Worüber man aber spätestens nach der Lektüre von “Menschen des Evangeliums” nicht streiten kann ist die Tatsache, dass evangelikale Positionen historisch-biblische Positionen sind.

Michael Reeves: Menschen des Evangeliums

ISBN: 978-3-98665-071-1 | Preis: 12,90 EUR

Verlag: Verbum Medien (www.verbum-medien.de/products/menschen-des-evangeliums)


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