Wunder. Was ist wirklich dran?

Kann man Wundern auf den Grund gehen und sie “überprüfen”?

Liegt in der Unverfügbarkeit von Wundern nicht gerade die Tatsache verborgen, nichts Zuverlässiges über sie sagen zu können?

Beweisen Wunder die Existenz Gottes?

Drei Fragen, die ich vor der Lektüre dieses Buches hatte und die – zugegeben – mich auch ein wenig skeptisch an dieses Buch herangehen ließen, obwohl ich den Klassiker “Der Fall Jesus” von Lee Strobel verschlungen und begeistert gelesen hatte.

Zweifler und Skeptiker kommen zu Wort

Und eben wie in seinem Bestseller “Der Fall Jesus” interviewt Lee Strobel auch dieses Mal ganz unterschiedliche Personen im Blick auf Wunder. Was mich dabei besonders überzeugt ist die Tatsache, dass er nicht nur “fromme Theologen” zu Wort kommen lässt, sondern auch und gerade Zweifler und Skeptiker sowie diejenigen Christen, die zum Glauben fanden, nachdem sie sich – teilweise jahrelang – als Atheist und Zweifler sahen und bezeichneten.

Zu Wort kommt in den vielen Interviews zunächst Michael Shermer. Er ist Journalist und Historiker und Gründer der “Skeptics Society” (www.skeptic.com), eine organisierte Form und Gesellschaft von Skeptikern mit mehreren zehntausend Mitgliedern. Sie machen es sich zum Auftrag, vor Pseudowissenschaften zu warnen bzw. diese zu untersuchen sowie das wissenschaftliche Denken zu fördern. Tragischerweise erklärt Shermer selbst von sich, dass er einst evangelikaler Christ war und sich später vom “Gottglauben verabschiedete” (Quelle).

Strobels Herangehensweise in diesem Interview ist in meinen Augen brillant. Er – so schreibt er es auch – hatte nicht den Anspruch, mit Shermer zu debattieren, sondern wollte ihn zu Wort kommen lassen und seine Sicht auf Wunder hören. Natürlich las ich gerade dieses erste Interview mit großer Spannung und Shermer kam zu Wort – was sich im weiteren Verlauf des Buches jedoch für ihn als “tragisch” erweisen sollte, weil seine Thesen teilweise als haltlos, teilweise als irreführend und teilweise sogar als – vorsichtig ausgedrückt – die Wahrheit ein bisschen verbogen darstellen werden.

Dieses erste Interview ist jedoch insofern wichtig und inspirierend, da es wie eine Art Grundlage dient, auf welche Strobel in den weiteren Interviews teilweise Bezug nimmt.

Eine dieser Thesen Shermers, die sich als vollkommen unzutreffend herausstellen sollte, hat mit “STEP” zu tun – eine Studie über die therapeutische Wirkung der Fürbitte (“Study of the Therapeutic Effects of Intercessory Prayer), die an der renommierten Harvard University über einen Zeitraum von 10 Jahren und damit verbundenen Kosten von 2,4 Millionen Dollar durchgeführt wurde.

Dabei wurden Patienten, die sich einer Bypass-Operation unterziehen mussten, in drei Gruppen aufgeteilt. Für die erste Gruppe wurde gebetet, für die zweite Gruppe nicht und für die dritte Gruppe wurde auch gebetet, den Patienten dieser dritten Gruppe dies aber auch mitgeteilt.

“Das Ergebnis war sehr aufschlussreich”, sagte Shermer. “Zwischen den ersten beiden Gruppen mit den Patienten, für die gebetet wurde, und denen, für die nicht gebetet wurde, gab es keinen Unterschied. Nichts. Null. Aber bei denjenigen, denen man mitgeteilt hatte, dass für sie gebetet wurde, gab es mehr Komplikationen. Das ist die beste Studie über Gebet, die wir haben. Wenn man also über bloße Erzählungen hinaus wissenschaftliche Methoden anwendet, gibt es keinerlei Beweise für Wunder.”Wunder S.51

Was über diese Studie im weiteren Verlauf des Buches zu Tage kommt, erschreckt mich. Vielmehr erschreckt mich aber noch, dass ein ach so aufgeklärt denken wollender Mensch wie Shermer seine Hausaufgaben nicht macht und genau hinschaut, wer da betet und welche Art von Gebet das ist.

Dies offenbart sich im Interview mit Dr. Candy Gunther Brown, Religionswissenschaftlerin an der Universität von Indiana. Zunächst schildert sie, dass es weitere Studien über das Gebet gab, aber hellhörig muss man einfach werden als Leser, was sie auf Strobels Frage antwortete “Und was war mit STEP, wo keinerlei positive Wirkung des Gebets festgestellt wurde?” (S. 133):

Die einzigen Protestanten, die für diese Studie engagiert wurden, waren vom Gebetsdienst Silent Unity in Lee’s Summit, Missouri. […] Sie behaupten, Christen zu sein – der volle Name ist Unity Schule des Christentums -, aber ich stimme Ihnen zu, dass viele Theologen sie nicht so bezeichnen würden. […] Sie gehen zurück auf die Neugeist-Bewegung des späten 19. Jahrhunderts.Wunder S.133-134

Ein Blick auf die Homepage (www.unity.org) dieser Sekte reicht aus, um zu erkennen, dass es mit einem biblisch-christlichen Glauben nicht weit her ist. Frappierender wird es aber dann noch, wenn man bedenkt, was die Religionswissenschaftlerin Brown weiterführt über diese Sekte:

Die Leiter von Unity haben schon lange geleugnet, dass Gebet Wunder bewirken kann, und haben die Fürbitte sogar als “nutzlos” bezeichnet.” Der Mitbegründer der Sekte, Charles Fillmore, schrieb einmal: “Gott vollbringt niemals Wunder, wenn damit die Abweichung von den allgemeinen Gesetzmäßigkeiten gemeint ist.”Wunder S.135

Insofern: Es ist Strobel hoch anzurechnen, dass er Skeptiker und Zweifler zu Wort kommen lässt, was auch im weiteren und restlichen Verlauf des Buches der Fall ist. Gleichzeitig gilt es aber, auch deren Einwände und Meinungen genau unter die Lupe zu nehmen, um zu erkennen, dass nicht alles, was dem christlichen Glauben gegenüber kritisch klingt auch selbst wiederum einer kritischen Überprüfung standhält.

Indizien, die für Wunder sprechen

Strobel beginnt sein Buch mit der Auflistung sehr, sehr vieler (Heilungs-)Wunder, die dokumentiert und nachprüfbar sind. Alleine hier schon sollte man meinen, dass selbst ein kritisch denkender Mensch sich auf den Weg machen könnte und diese Wunder nachprüft.

Ebenso geht Strobel der Frage nach, weshalb so viele Wunder in Gegenden und Ländern geschehen, die nicht unserer westlichen Kultur zuzurechnen sind und auch wenn es ein wenig vereinfacht klingen mag, so ist es Strobels These, dass es auch und mitunter daran liegt, dass dort, wo Menschen durch die Bibel nach Gott suchen und forschen können, Wunder (scheinbar?) nicht so häufig vorkommen, wobei er – wie ich finde zurecht – auf keinen Fall zum Ausdruck bringen möchte, dass sie nicht nötig oder wichtig wären.

Strobel zitiert hier eine Charakterisierung von Tim Stafford, um anhand des Beispiels von Mosambik deutlich zu machen, welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit Wunder (regional) gehäuft vorkommen (S. 139):

  1. Analphabetentum. Wunder zeigen Gottes Macht ohne Worte.
  2. In der Kultur der Menschen gibt es kein Konzept von Sünde und Errettung. “Wunder erregen die Aufmerksamkeit, auch wenn man das eigene Problem und Gottes Erlösung noch nicht erkannt hat”, schrieb Stafford.
  3. Begrenzte medizinische Versorgung, sodass Wunder ein einzige Zuflucht für die Leidenden sind.
  4. Die geistliche Welt ist für die Menschen real und “ein Konflikt geistlicher Mächte ist offensichtlich”. Wunder sein eine Demonstration der Macht Gottes.

Hochinteressant ist das Interview (S. 198ff) mit dem Kriminalbeamten J. Warner Wallace, der auf Grund seiner Forschungen und Erkenntnisse zu Zeugen und Zeugenaussagen die zeugnishaften Berichte der Evangelien über die Auferstehung Jesu als Wunder unter die Lupe nimmt – auch und gerade der Frage nachgehend, wie es sich mit den scheinbaren “Ungereimtheiten” der Darstellungen in den Evangelien verhält. Sehr, sehr erhellend und einleuchtend.

Ebenso wirklich faszinierend ist das Interview (S. 144ff) mit Tom Doyle über Wunder und Jesus-Begegnungen in muslimischen Regionen/Ländern unserer Erde. Es liest sich schon fast wie ein Krimi, was Doyle zu berichten hat. Nachdenklich stimmt folgender Abschnitt aus dem Interview.

Bevor sie mit jemandem ein Übergabegebet sprechen, stellen viele Leiter im Nahen Osten zwei Fragen. Erstens, bist du bereit für Jesus zu leiden? Und zweitens, bist du bereit, für Jesus zu sterben? Ich wünschte, wir würden diese beiden Fragen bei der Mitgliederaufnahme in unseren Gemeinden in Amerika stellen.Wunder S.160

Welches Interview mich auf besondere Weise überzeugt und fasziniert hat, war das Gespräch mit Dr. Michael G. Strauss. Ich zitiere, wie Strobel ihn dem Leser vorstellt:

Später machte er seinen Doktor in Hochenergiephysik an der UCLA und schrieb seine Doktorarbeit über das brillante Thema: “Eine Studie über die Lambda-Polarisation und Phi-Spinausrichtung bei einer Elektronen-Positronen-Annihilation bei 29 Giga Elektronenvolt zur Untersuchung des Farbteilbildverhaltens.” (Ich lasse Ihnen einen Augenblick, um darüber hinwegzukommen, dass er Ihnen dieses Thema vor der Nase weggeschnappt hat.) Strauss wurde 1995 Dozent an der Universität von Oklahoma, hat derzeit eine David Ross Boyd-Professur in Physik inne (benannt nach dem ersten Präsidenten der Universität) und erhielt mehrere Auszeichnungen für seine Lehrtätigkeit. 15 Jahre lang forschte er am Fermi National Accelerator Center. Inzwischen führt er Forschungsprojekte bei der CERN (der Europäischen Organisation für Kernforschung) in der Schweiz in deren großen Hadonen-Speicherring durch. Wunder S.172

Mehr über ihn findest du auf seiner Seite www.michaelgstrauss.com.

Dieses Interview war für mich eine kleine Sternstunde, weil es über die Feinabstimmung im Universum geht, die als ein Wunder bezeichnet werden kann. Sicherlich am bekanntesten ist die Tatsache, dass die Entfernung der Erde zur Sonne exakt die richtige ist, um entweder nicht zu erfrieren oder nicht zu verglühen. Was in dem Interview mit Strauss aber noch zutage kommt, toppt das Ganze und ist absolut faszinierend zu lesen. Strauss versucht nicht nur, sondern schafft es, hochkomplexe und komplizierte wissenschaftliche Zusammenhänge so zu erklären und zu interpretieren, dass einerseits der Verstand und Hinrwindungen so richtig gefordert werden – andererseits aber gerade diese Tatsache auf die Existenz des biblischen Schöpfers hinweisen. Grandios.

Wunder, die nicht geschehen

Das letzte Interview hat mich in eine emotionale Achterbahn versetzt. Strobel interviewt Dr. Douglas R. Groothuis, dessen Frau unheilbar krank ist und deren Gehirn nach und nach degeneriert. Zu lesen, wie dieser hochintelligente Mann mit der Krankheit seiner Frau umgeht, die dafür sorgt, dass die ehemals so sprachgewandte und wortverliebte Frau nicht nur die Bedeutung sondern viele Wörter selbst vergisst, ist tragisch, ja schon herzzerreißend.

Groothuis ist es hoch anzurechnen, dass er so offen und ehrlich davon erzählt, was es für ihn bedeutet, dass ein Heilungswunder bei seiner Frau ausbleibt.

Strobel ist es hoch anzurechnen, dass er dieses Interview führt – und vor der Schlussaufforderung an den Leser, sich selbst ein Urteil zu bilden, als letztes Interview abdruckt. Aber vielleicht ist es gerade das sagenhafte Schlusswort von Groothuis, das dezent, versteckt und doch so treffend die Frage nach Wundern beantwortet:

“Dieser Campus ist so wunderbar”, sagte ich. “Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie du zum Unterricht gehst und jemand ruft: ‘Hallo. Professor Groothuis, wie geht es Ihnen?’ Was würdest du antworten?”
“Nun ja, ich würde natürlich die Wahrheit sagen.”
“Und die wäre?”
“Dass ich am seidenen Faden hänge”, sagte er. “Aber glücklicherweise hat Gott diesen Faden gesponnen.”Wunder S.268

Antworten auf meine Fragen

Vor der Lektüre dieses Buches stellte ich mir drei Fragen, auf die ich nun Antworten bekommen habe durch dieses grandiose Meisterwerk Strobels.

Kann man Wundern auf den Grund gehen und sie “überprüfen”? Ja, man kann das sogar auf eine sehr, sehr vielschichtige und differenzierte Art und Weise tun – eben wie Strobel es in seinen Interviews für das Buch tat.

Liegt in der Unverfügbarkeit von Wundern nicht gerade die Tatsache verborgen, nichts Zuverlässiges über sie sagen zu können? Mitnichten! Genau das Gegenteil ist der Fall. Wer Wunder aus unterschiedlicher Weise betrachtet, wird schnell feststellen, dass sehr viel über sie ausgesagt werden kann.

Beweisen Wunder die Existenz Gottes? Nein, aber sie deuten auf eine so vielschichtige und komplexe Art und Weise darauf hin, dass es schwerfällt, nicht zu dem Schluss zukommen, dass es einen Gott gibt, wie er in der Bibel beschrieben wird.

Lee Strobel: Wunder. Was ist wirklich dran?
304 Seiten
ISBN: 978-3-9573-4574-5
Verlag: Gerth Medien
Preis: 17,00 EUR

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