Start Blog Seite 2

Die TOP 5 Beiträge in 2018

Das Jahr 2018 neigt sich dem Ende entgegen. Welche Beiträge wurden 2018 auf www.david-brunner.de am meisten angeklickt und gelesen? Hier kommt die Antwort.

Zunächst die Artikel, die 2018 nicht nur am meisten gelesen wurden, sondern gleichzeitig auch erschienen sind.

Meist gelesene Beiträge aus dem Jahr 2018

10 Dinge, die ein Pastor nicht tun kann

Irgendwie dachte ich mir: Das hat doch was. “10 Dinge, die ein Pastor nicht tun kann.” Pastoren (und hier sind sowohl die Pastorinnen, Pfarrer und Pfarrerinnen ebenso gemeint) sollen jede Menge können. Sollen! In den Augen anderer – vor allem in den Augen ihrer “Schäfchen” und anderem Bodenpersonal Gottes. Manchmal gibt es kaum etwas Schlimmeres […]

0 Kommentare

Ein Offenbarungseid der evangelischen Kirche (im Rheinland)

Umgangssprachlich leistet einen Offenbarungseid, wer schonungslos die ganze Wahrheit ans Licht bringt – wobei das nicht immer gewollt sein muss. So geschehen zu Beginn dieses Jahres, als die Synode der evangelischen Kirche im Rheinland tagte. Auf der Tagesordnung stand auch die Frage nach dem Zusammenleben und dem Dialog zwischen Christen und Muslimen. Ein wichtiges Thema. […]

0 Kommentare

Meine TOP 5 Apps als Leiter

Es gibt eine Sache, die ich nicht wirklich verstehe. Sie ereignet sich immer dann, wenn Menschen voller Überraschung mich entweder mit dem iPhone etwas Dienstliches erledigen sehen oder wenn sie die Homepage unserer Gemeinde (www.wutachblick.de) aufsuchen. Die Kommentare, die ich dann zu hören bekomme, wiederholen sich in unregelmäßigem Abstand und lauten ungefähr: “Sie Sind Pfarrer […]

2 comments

Das Leben in der Sackgasse

Sackgasse. Es geht nicht vorwärts, es geht nicht rückwärts. Du steckst fest. So kommt uns unser Leben manchmal vor. Und dann? Was Gott mit dir vorhat Wusstest du schon, dass der Gott, der Himmel und Erde gemacht hat dich unendlich liebt? Ok, wenn du es schon wusstest, schadet es nicht, das wieder zu hören. Egal, […]

0 Kommentare

K5-Leitertraining – Gott übertrifft alle Erwartungen!

Unglaublich. Großartig. Unbeschreiblich. So könnte man etwas bezeichnen, was ich mir vor wenigen Monaten noch nicht einmal hätte träumen lassen. Man kann aber auch ein Wort dafür verwenden, wie es jemand extra dafür mal in die Runde warf (Danke, Lena!): Erwartungssprengend! Erwarte mehr von Gott! Letzten Herbst bin ich auf das K5-Leitertraining aufmerksam geworden. Es […]

0 Kommentare

Die Liste der absolut meist gelesenen Beiträge – nicht nur aus diesem Jahr – sieht so aus:

Meist gelesene Beiträge überhaupt

10 Dinge, die du als Christ nicht glauben solltest

Es gibt vieles, das du als Christ nicht glauben solltest. Ich liste hier nur mal 10 Dinge auf (in Anlehnung an die bekannte Serie “10 Dinge, die Sie nicht tun sollten…”), die mir ganz spontan kommen. Die Reihenfolge ist willkürlich. Und wahrscheinlich müsste es eher “99 Dinge…” heißen – aber das würde ja kein Mensch […]

39 comments

Wie erkenne ich Gottes Willen?

Für viele Christen ist das die Masterfrage. Aber manchmal habe ich den Eindruck, dass man sich auch ganz gut dahinter verstecken kann. “Ich weiß nicht, was Gott von mir will. Also mach ich mal nichts.” Schlechte Lösung. Als Führungskraft und Pfarrer stehe ich immer wieder vor dieser Frage. Und da ich der festen Überzeugung bin, […]

1 Kommentar

Danke, ICF!

Wenn 1.000 Menschen in leitenden Positionen in ihrer Kirchengemeinde zusammen kommen, gemeinsam Gott anbeten, in unterschiedlichen Workshops dazulernen und durch zwei geniale Messages von Nicolas Legler und Leo Bigger herausgefordert, inspiriert und gesegnet werden – dann, ja dann, liegt ein genialer Tag hinter mir. Zum ersten Mal finden in Zürich in der neuen Samsung Hall […]

2 comments

Der unsichtbare Dienst einer Pastorenfrau

Dieser Artikel ist meiner Frau gewidmet, denn sie leistet Grandioses und hat sich bewusst für ihr Schicksal entschieden, als wir geheiratet haben. Und dieses Schicksal heißt: Pastorenfrau zu sein. Dieser Artikel ist keine Abrechnung und er ist auch nicht polemisch gemeint. Er stellt lediglich Tatsachen dar und soll die wahren Heldinnen der Gemeindearbeit ehren: Pastorenfrauen. […]

3 comments

15 skurrile Ausreden, nicht in den Gottesdienst zu gehen

Dieser Artikel ist die Übersetzung des englischen Originals 15 bizarre excuses real people made for missing church. Thom Rainer ist CEO von “LifeWay Christian Resources”. Er hat Pastoren und Gottesdienstbesucher befragt, was die Gründe sind, nicht in den Gottesdienst zu gehen. Diese 15 Gründe (besser gesagt: Ausreden) sind eigentlich unglaublich – aber wahr. Wir hatten […]

0 Kommentare

An dieser Stelle ein großes DANKESCHÖN an Dich, liebe Leserin und lieber Leser. Ein Blog macht nur Sinn, wenn er gelesen wird und die Beiträge andere inspirieren.

Es ist jedes Mal ein “besonderes Gefühl”, wenn ich einen Artikel veröffentliche. Aber diverse Rückmeldungen zeigen mir, dass die Beiträge andere inspirieren, herausfordern, trösten, stärken, ermutigen, provozieren, auf Zustimmung stoßen aber auch auf Ablehnung. Die ganze Palette – und das ist gut so.

Gerne kannst du über die Kontakt-Seite oder in der Kommentarfunktion Rückmeldung geben – oder mir schreiben, zu welchem Thema du gerne einen Beitrag in 2019 auf meinem Blog lesen würdest.

Bleib auf dem Laufenden und abonniere meinen Newsletter:


Wenn der Charakter die Kompetenz frisst

Ist der Charakter wirklich so entscheidend oder müssen wir nicht eher “kompetenzorientiert” denken und jeder bringt ein, was er kann und hat? Lass mich kurz überlegen – JA! Er ist es. Aber so was von! Ich schreibe bekanntlich als Pastor/Pfarrer und deswegen ist mein Fokus – auch in diesem Beitrag – auf Gemeinde gerichtet. Ich glaube aber, dass es egal ist, in welcher “Organisation” du dich befindest: Sei es auf dem Arbeitsplatz, im Verein oder anderen Interessengruppen: Überall, wo Menschen zusammen kommen und ein gemeinsames Ziel haben, ist die Frage: Wie stehen Charakter und Kompetenz in Zusammenhang?

Kompetenz ist nicht alles

Das Wort “Kompetenz” bedeutet laut Wikipedia aus dem Lateinischen (“competentia”) für Eignung; “competere” zusammentreffen, ausreichen, zu etwas fähig sein, zustehen. In vielen Bereichen des Lebens wird seit kürzerer Zeit vor allem auf Kompetenzen Wert gelegt. In der Schule gibt es den an den Kompetenzen der Schülerinnen und Schülern ausgerichteten Unterricht bzw. dieser wiederum soll vor allem dazu führen, dass die Schülerinnen und Schüler gewisse Kompetenzen erlernen. Nicht mehr das reine Fachwissen steht im Vordergrund, sondern Kompetenzen – also Fähigkeiten und Eignungen.

Auch im Kindergarten gilt das übrigens schon, was ich hochproblematisch finde – aber das sei an dieser Stelle nicht weiter vertieft.

Das Problem ist, dass bei der Kompetenzorientierung augenscheinlich betrachtet der einzelne Mensch im Mittelpunkt steht und seine Fähigkeiten und Begabungen “trainiert” und verbessert werden sollen. Das ist doch nicht schlecht, oder? Doch! Wenn es nämlich die Handlungs- und Bewertungsmaxime wird, nach der wir uns richten.

Der Mensch ist nicht, was er tut, sondern was er ist. 

Und deswegen spielt der Charakter eine so wesentliche Rolle. Denn dieser ist Ausdruck dessen, wer wir (wirklich) sind und nicht Ausdruck davon, was wir tun.

Charakter, das unbekannte Wesen

Es wird nicht besser, wenn man sich die gängigen Definitionen anschaut, was denn der Charakter sei. Immer wieder ist davon die Rede, dass der Charakter das Zusammenspiel der “Fähigkeiten” und “Eigenschaften” einer Person darstellt, die wiederum nötig sind, um ethische und moralische Entscheidungen oder Entscheidungen im Blick auf eine bestimmte Situation zu treffen und sein persönliches Handeln bestimmen.

Ich würde nicht so weit gehen und den Charakter so zweckorientiert zu betrachten. Für mich ist der Charakter mehr das Zusammenwirken der Wesenszüge, die ein Mensch hat – bspw. Großzügigkeit, Pessimismus, Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe, Jähzorn, Habgier, Altruismus, Freiheitsdrang, Gemeinsinn und viele andere.

Deswegen bleibt uns unser eigener Charakter manchmal auch so ein wenig verschlossen, weil wir noch nicht einmal unsere Wesenszüge allesamt erkannt haben.

Fakt ist aber: Unser Charakter – egal, ob wir ihn altruistisch oder utilitaristisch verstehen – prägt uns so sehr, dass wir ihn überall mit hinnehmen, wo wir hingehen: In die Schule, auf die Arbeit, in den Fußballverein und in die Kirchengemeinde. Und deswegen kann der Charakter die Kompetenz fressen. Weil es viel wichtiger ist, wer und wie eine Person ist, als das, was sie tut, ist die Stimme unseres Charakters immer deutlicher, lauter und schneller hörbar als die Stimme unserer Kompetenzen.

Der Fressvorgang

Ich gebe dir ein ganz einfaches Beispiel:

Du arbeitest in deiner Kirchengemeinde in einem bestimmten Team mit. Innerhalb dieses Teams sind logischerweise ganz unterschiedliche Menschen – allesamt für sich total begabt. Manchen wir es konkreter: Wir nehmen den Musikbereich und es gibt so viele begnadete Musiker: virtuose Pianisten, Rockstar-Gitarristen, taktvolle Schlagzeuger und jede Castingshow gewinnende Sängerinnen und Sänger.

Das Team könnte so dermaßen gut sein und Sonntag für Sonntag den besten Worship im Gottesdienst zelebrieren, wenn sie sich regelmäßig treffen würden, jeder an sich selbst arbeitet, um besser zu werden und voll und ganz aufeinander abgestimmt und eingespielt sind. Musikalisch und “handwerklich” würde jede Gemeinde die Finger nach ihnen ausstrecken.

Nur leider…

  • … antwortet der Gitarrist nie auf WhatsApp-Nachrichten und ist nicht immer bei den Proben dabei – weil er denkt, “das wird schon irgendwie”.
  • … ist der Schlagzeuger der Ansicht, dass 20 Minuten zu spät zu kommen nicht schlimm sind und alle mal ihr Leben chillen sollen.
  • … denkt die Sängerin, dass sie schon perfekt singt und deswegen keinerlei Verbesserungsvorschläge auch nur ansatzweise ernstnimmt.
  • … geht der Bassist bei Kritik sofort an die Decke (ja, auch Bassisten haben Emotionen!) und wird verletzend, weil alle anderen böse sind.
  • … ist der Pianist so auf Harmonie bedacht und will es jedem recht machen, dass er nie eine Entscheidung trifft über die Liedauswahl, was aber sein Job ist.

Charakter frisst Kompetenz. Diese Band hat das Zeug dazu, senkrecht durchzustarten. Aber sie bremsen sich immer wieder aus einem Grund aus:

In allem, was du tust, ist dein Charakter mit dabei.

Und wenn dieser Charakter einige Seiten an sich hat, die sich auf das gesamte Team negativ auswirken – dann ist nicht die Kompetenz entscheidend – sondern dein Charakter.

Charakter multipliziert Kompetenz

Das wäre natürlich das Nonplusultra: Unser Charakter ist so gut entwickelt, wir arbeiten so sehr daran, eine bessere Ausgabe unserer selbst zu sein, dass unsere Kompetenz durch unseren Charakter multipliziert wird.

Die gute Nachricht: Ich glaube, das ist möglich.

Die schlechte Nachricht: Es erfordert Zeit und Mut.

Ich lerne viel von anderen Leitern. Egal, wie bekannt sie sind. Natürlich lerne ich auch von denen, die in der “frommen Welt” durchgereicht werden – aber auch von den “ganz normalen Leitern”: in meiner Gemeinde, in der Kirche oder in befreundeten Gemeinden. Immer wieder, wenn ich mit ihnen im Gespräch bin oder etwas von ihnen dazu lese/höre, dann kann man es auf diese einfache Formel bringen (wie es bspw. auch Carey Nieuwhof in seinem Buch “Didn’t see it coming” getan hat).

Nicht Kompetenz sondern Charakter entscheiden über den Einfluss als Leiter. Und Leiter wollen Einfluss nehmen sonst wären sie keine Leiter.

Natürlich braucht es auch Kompetenz, keine Frage. Charakter alleine macht es nicht aus. Wer ein netter Kerl ist, aber nicht singen kann, sollte auch nicht im Worshipteam singen. Nein – auch und erst recht nicht “wenn er es doch für den Herrn macht”.

Aber schauen wir doch mal unsere Band von oben noch mal an. Wenn jedes Bandmitglied sich seiner charakterlichen “Da ist noch Luft nach oben”-Bereiche bewusst wäre, könnte es ganz anders aussehen:

  • Der Gitarrist antwortet zuverlässig auf WhatsApp-Anfragen – wenn auch mit wenigen Worten und mehr Emojis, aber das ist ok –  und alle wissen: Jeder weiß Bescheid und ist dabei.
  • Der Schlagzeuger weiß, dass es nicht wertschätzend ist, die anderen ständig warten zu lassen. Ein Team zu sein bedeutet auch, achtsam zu sein.
  • Die Sängerin ist sich ihrer großartigen Stimme bewusst, aber weiß auch: Es ist noch kein Meister und noch keine Meisterin vom Himmel gefallen. Auch sie kann noch dazu lernen.
  • Bei Kritik zählt der Bassist erst einmal leise bis 3, ehe er etwas sagt. Er arbeitet an sich und verletzte nicht mehr andere. Er versucht, Kritik auf der sachlichen und nicht auf der emotionalen Ebene zu begegnen.
  • Schließlich: Der Pianist weiß, dass für niemanden die Welt untergeht, wenn deren Lieblings-Song nicht in der Setlist für Sonntag vorkommt und sucht Songs aus, die für das Geamtgeschehen im Gottesdienst ein Segen sind.

Was das wiederum auf die zwischenmenschlichen Beziehung und auf die Musik selbst an Auswirkungen hat, ist nicht schwer zu erkennen. Ausschlaggebend ist immer die schlichte Erkenntnis: Es beginnt mit mir – nicht mit “den anderen”, sondern mit mir.

Den Charakter schulen

Wie oben beschrieben, lerne ich viel von anderen Leitern. Ich lasse mich inspirieren, herausfordern und konkret zur Veränderung “bitten”. Ich glaube, dass der Mensch nicht zu 100% veränderungsresistent ist. Es gibt Anteile in jeden Menschen, die Veränderung möchten, weil sie wissen: “So weitermachen wie bisher – das geht nicht.”

Und es gibt keinen anderen Bereich als den eigenen Charakter, in dem es so schwierig aber gleichzeitig auch so lohnenswert ist, an sich zu arbeiten. Wenn du nicht sicher bist, welche Defizite bei dir zu finden sind, dann frag ganz einfach eine dir nahestende Person. Sie wird es dir gerne und ganz sicher sagen!

Denn verletzte Menschen verletzen andere, grenzenlose Menschen verlangen zu viel von anderen und ungeliebten Menschen fällt es schwer, anderen mit Wertschätzung zu begegnen.

Das ist an und für sich nicht schlimm – denn es ist ganz menschlich. Und wir leben in einer Welt, die nach dem Sündenfall existiert. Es kann also gar nicht sein, dass die Dinge sich alle in Wohlgefallen auflösen. Wir werden bis zum Ende unserer irdischen Tage immer und immer wieder mit der ein oder anderen charakterlichen Herausforderung zu tun haben.

Aber jetzt stell dir nur mal vor, wie es in unseren Gemeinden, in den Teams und Diensten aussehen würde, wenn jeder an sich und seinem Charakter arbeiten würde. Nein, wir hätten nicht den Himmel auf Erden – aber einen kleinen Schritt weiter in die richtige Richtung getan.

Linkliste

Im Blick auf den eigenen Charakter, die eigenen Wesenszüge, empfehle ich dir einfach einmal unsortiert und nicht nach Priorität geordnet einige Dinge zum Lesen, Hören und Sehen:

  • The Craig Groeschel Leadership Podcast – Ja, es geht um Leitung, aber du wirst schnell merken: Eigentlich geht es um dich als Person.
  • Didn’t see it coming” von Carey Nieuwhof – Ein Buch, in dem Du anhand von 7 “Charakter-Herausforderungen” an dir selbst arbeiten kannst.
  • Nein sagen ohne Schuldgefühle” von Dr. Henry Cloud und John Townsend – Ein Buch, das dir hilft, “Nein” zu sagen, wenn du “Nein” sagen willst – und musst.
  • So wirst du eine erfolgreiche Führungskraft” von Dr. Johannes Harte – Ein YouTube-Video, in dem es nicht primär um den Charakter an sich geht, aber wenn du es aufmerksam anschaust, wirst du merken, wie sehr es deinen Charakter anspricht.
  • Emotional gesund leiten” von Pete Scazzero. Dieses Buch ist für alle, die in leitender Position sind und ein “geklärtes Verhältnis” zu ihren Emotionen haben wollen. Absolute Leseempfehlung!
  • Wunderwaffe Wertschätzung” von Tim Niedernolte. Sicherlich nur ein sehr kleiner Ausschnitt, was den Charakter eines Menschen betrifft – aber wieso nicht konkret an einer Sache ansetzen?
  • Kompass für schwierige Gespräche” von René Meier. Wie der Titel sagt: In erster Linie ein “Leitfaden” für schwierige und herausfordernde Gespräche. Mir hat dieses Buch besonders im Blick auf “Empathie” geholfen – auch ein wichtiger Wesenszug oder Charaktereigenschaft.

Bleib auf dem Laufenden und abonniere meinen Newsletter:


Carey Nieuwhof: Didn’t see it coming

„Wenn mir das mal jemand früher gesagt hätte…“ Kennst du diesen Satz? Ich schon. Ich glaube, ich habe ihn sogar auch schon gesagt. Und ich wette, dass Carey Nieuwhof ihn auch das ein oder andere Mal schon auf den Lippen hatte.

„Didn’t see it coming“ ist ein ganzes Buch voller „Wenn mir das mal jemand früher gesagt hätte…“-Sätze und deswegen eine wahre Fundgrube für jeden (jungen) Leiter und Pastor.

Die 7 größten Herausforderungen

Carey Nieuwhof identifiziert in seinem Buch sieben Herausforderungen, die man normalerweise „nicht kommen sieht“ („didn’t see it coming“), die aber das Potential haben, dich, deine Familie, deine Gemeinde und deinen Glauben zu zerstören – ja, ich drücke es bewusst so hart aus, weil es so hart ist.

Diese sieben Herausforderungen sind:

  • Zynismus („Cynism)
  • Kompromisse („Compromise“)
  • Abschottung („Disconnection“)
  • Irrelevanz („Irrelevance“)
  • Stolz („Pride“)
  • Ausbrennen („Burnout“)
  • Leere („Emptiness“)

Richtig. Je länger man diese Liste sich vor Augen führt, desto mehr beschleicht einen dieses wirklich unangenehme Gefühl in der Magengegend und vielleicht weißt du jetzt, wieso ich bewusst von „zerstören“ geschrieben habe.

Authentisch und wegweisend

So würde ich dieses Buch mit zwei Worten beschreiben. Wer Carey Nieuwhof ein wenig kennt weiß schon vor dem Lesen des Buches, dass diese sieben Dinge nicht aus der Luft gegriffen sind, sondern Nieuwhof selbst mehr oder weniger damit zu kämpfen hat(te). Deswegen ist es für mich auch kein Möchtegern-Ratgeber sondern vielmehr gibt dieses Buch einen tiefen Einblick in das Leben eines großartigen Pastors und Leiters.

Gleichzeitig ist es aber auch wegweisend. Weg-weisend von den Problemen hin zu den Lösungen – oder zumindest zu Lösungsstrategien. Jedes einzelne dieser 7 Dinge wird mit jeweils zwei Kapiteln „behandelt“. Im ersten Kapitel kommt die Diagnose, im zweiten Kapitel die Behandlung. Sehr ehrlich und alltagsnah beschreibt Nieuwhof jeweils im ersten Kapitel, um was es bei Zynismus, Kompromissen, Abschottung, Irrelevanz, Stolz, Ausbrennen und Leere geht. Im zweiten Kapitel zeigt er auf, wie man aus diesen Dingen „herauskommen kann“. Deswegen sind seine Gedanken wegweisend, da sie den Weg aus diesen Dingen heraus weisen hinein in ein Leben, das bestimmt ist von Gottes guter Absicht und der Berufung, die er für jeden Leiter und Pastor hat.

Amerikanisch? Von wegen!

Wer jetzt denkt „Ja gut, aber Nieuwhof ist doch Amerikaner – das ist eine ganz andere Kultur!“ – dem muss ich widersprechen. Zum einen ist Nieuwhof nicht Amerikaner sondern Kanadier (inwiefern das einen kulturellen Unterschied macht, kann ich nicht beurteilen). Zum anderen sind seine Gedanken meines Erachtens nach jedoch kontext- und kulturübergreifend weil auch die Zynismus, Kompromisse, Abschottung, Irrelevanz, Stolz, Ausbrennen und Leere kontext- und kulturübergreifend sind und niemand von sich sagen kann, dass er vor diesen Dingen sicher und geschützt ist. 

Deswegen heißt der Untertitel auch „Die 7 größten Herausforderungen überwinden, die niemand erwartet und jeder erfährt“ („Overcoming the 7 greatest challenges that no one expects and everyone experiences“).

Existentiell (und) selbstkritisch

“Didn’t see it coming” liefert kein Program oder kein simples “Tu dies und du bekommst das”-Rezept. “Didn’t see it coming” macht dann am meisten Sinn und hat den größten Nutzen, wenn man es selbstkritisch liest. Du musst nicht erst alle sieben Herausforderungen erlebt haben, um zu erkennen, dass der Beruf als Pastor oder Leiter extrem herausfordernd ist. Manchmal reichen da schon ein, zwei, drei… davon. Aber nur wenn du dich selbst hinterfragst oder durch Nieuwhofs Gedanken hinterfragen lässt, macht dieses Buch Sinn – denn dann wird es existentiell. Dann geht es um dich als Leiterin und Pastorin, als Leiter und Pastor und nicht um irgendjemand anderes. Es geht auch nicht darum, wie man schnellstmöglich das alles überwindet, um eine Megachurch aufzubauen.

“Didn’t see it coming” wird dir – wenn du es selbstkritisch liest – einige Hausaufgaben mitgeben, so ging es mir zumindest zum Beispiel im Blick auf die Anzeichen eines Burnouts, im Blick auf “Fluch und Segen” der modernen Technik oder auch im Blick auf Stolz (ein ganz heißes Eisen).

Von einem bin ich mehr denn je überzeugt: Diese sieben Herausforderungen lauern tagtäglich. Nicht zirkulär oder linear, sondern ziemlich durcheinander. Aber eines ist sicher: sie lauern!

Weit mehr als ein billiger Ratgeber

„Wenn mir das mal jemand früher gesagt hätte…“ zählt nicht mehr, wenn du dieses Buch gelesen hast, was ich dir spätestens jetzt wärmstens empfehle. „Wenn mir das mal jemand früher gesagt hätte…“ ist keine Ausrede oder Entschuldigung mehr – denn Carey Nieuwhof wird es dir gesagt haben. Die Frage ist eher: Was machst du damit?

Nochmal: Dieses Buch ist kein billiger Ratgeber, der dich auffordert, ein paar Punkte zu befolgen und dann wird schon alles gut. Beim besten Willen nicht! Manchmal empfand ich es beim Lesen sogar sehr erschreckend, wie es Carey Nieuwhof in seinem Dienst erging und ergeht.

Ich glaube, dass das Potenzial dieses Buches vor allem darin liegt, dir vielleicht erst einmal zwei oder drei der Herausforderungen anzuschauen, denen du dich gegenüber siehst – um sie dann zu überwinden und ein Leben als Leitungsperson oder als Pastor zu führen, das nicht getrieben, sondern erfüllt ist.

Das Buch kannst du auf amazon.de kaufen – oder direkt über careynieuwhof.com und dich dabei inspirieren lassen von seinem Blog, seinem Leadership-Podcast oder von seinen Online-Kursen, von denen ich schon zwei gemacht habe bzw. dabei bin (Breaking 200 und High Impact Leader) und der dritte (The art of better preaching) noch “in der Schublade liegt”.

 


Bleib auf dem Laufenden und abonniere meinen Newsletter:


Die Kraft einer Vision

Je länger ich in Sachen “Gemeinde” unterwegs bin, desto mehr bin ich davon überzeugt: Hat eine Gemeinde eine Vision, ist sie kraftvoller, dynamischer und leidenschaftlicher als andere Gemeinden. Nein, ich habe keine Untersuchungen und Nachforschungen angestellt. Das ist ein ganz subjektives Empfinden.

Das Verhältnis von Mission, Vision und Strategie

Dabei gilt zu bedenken: Die Vision ist nicht gleich die Mission und ist nicht gleich die Strategie. Gut. Jetzt sind einige durchaus verwirrt, aber ich glaube, dass es von großer Hilfe ist, wenn wir hier unterscheiden – und zwar recht simpel.

Mission: Diese kann sich keine Gemeinde raussuchen. Sie ist jeder Gemeinde gegeben – und zwar vollkommen egal, welcher Konfession oder Denomination man angehört. Sie ist simpel und einfach und geht zurück auf die letzten Worte Jesu:

“Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben. Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.”Die Bibel, Matthäus 28, 18-20

Ich werde nicht müde zu betonen, dass im Griechischen hier nur ein Imperativ steht: “Macht zu Jüngern” – alles andere sind die Arten, wie wir Menschen zu Jüngern machen sollen. Jesus hat uns also nicht befohlen zu taufen, sondern zu missionieren. Punkt. Das kann man nun gut oder schlecht finden – aber das ist die Mission, die jeder Gemeinde gegeben ist. Dieser kann man sich verweigern oder nicht – aber eines kann man nicht: Am runden Tisch abstimmen und so tun, als sei “Mission” nur Aufgabe einiger Gemeinden, die es einfach nicht lassen können.

Vision: Diese sollte sich jede Gemeinde selbst geben. Und sie dient dazu, diese Mission Gottes, die jeder Gemeinde gegeben ist, auf die Gemeindesituation “runterzubrechen” und gleichzeitig so motivierend zu formulieren, dass dadurch eine Leidenschaft ausgelöst wird, diese Mission zu leben.

Der us-amerikanische Pastor Bill Hybels sagte einmal: “Eine Vision ist ein Bild der Zukunft, das Leidenschaft erzeugt.” Darum geht’s! Diese “uralte Mission” Gottes für die Gemeinde so mit Leben und Leidenschaft zu füllen, dass sie Menschen in Bewegung setzt.

Strategie: Diese ist nötig, um die Vision “auf die Straße” zu bringen. Und zwar ganz konkret in Werten, Programmen und Strukturen. Oder anders ausgedrückt: Wie wird aus einem kraftvollen Satz, einigen ausdrucksstarken Worten etwas, das sich durch den Gemeindealltag, die Gemeindeleitung, die Mitarbeiterbegleitung und vieles mehr hindurchzieht?

Mission

...ist der Gemeinde gegeben.

Vision

...lässt sich die Gemeinde schenken und wählt sie aus.

Strategie

...ist nötig, um die Vision umzusetzen.

Ein langer Weg

Und dazu braucht es einen langen Atem, was sicherlich nicht schwer zu verstehen ist. Muss man sich als Leitungsteam einer Gemeinde erst einmal im Klaren darüber sein, dass die Mission kein Wahlfach, sondern Pflichtfach ist, geht es weiter mit dem Finden einer Vision – und anschließend einer Strategie, wie diese umgesetzt werden kann.

Hierüber könnte man noch ganz viel schreiben – und vielleicht werde ich das an anderer Stelle auch tun.

Hier soll es einmal bei einem praktischen Beispiel bleiben, wie wir es in der Evangelischen Kirchengemeinde Wutachtal handhaben.

Die Mission ist uns gegeben. Unsere Vision lautet “Gott erfahren – begeistert leben” und die Strategie, wie wir sie momentan umsetzen möchten, lautet “Vision 2020“.

Zu “Vision 2020” kannst du unter folgendem Link dich schlau machen:

www.wutachblick.de/2017/09/21/vision-2020-gott-erfahren-begeistert-leben/

Ich bin der festen Überzeugung, dass eine Vision unglaubliche Kraft entfalten kann. Je schlichter, desto besser. Es braucht keine komplizierten Sätze, keine verschachtelten Kausalzusammenhänge, die alles erklären und unter sich vereinen wollen. Es braucht einen kraftvollen Satz, aussagekräftige Worte, die dann mit Leben gefüllt werden können.

Die Kraft einer Vision im Gemeindealltag

Mir persönlich hilft unsere Vision “Gott erfahren – begeistert leben” immer wieder, meinen Dienst zu hinterfragen und die “Großwetterlage” in der Gemeinde abzuklären.

Erfahren Menschen in und durch unsere Gemeinde Gott?

Leben wir den Glauben an Jesus Christus begeistert und begeisternd?

Solange ich nicht spontan auf beide Fragen ein “Nein” habe, sind wir auf einem ganz guten Weg. Allerdings sollte das “Ja” auch nicht nur zögerlich sondern am besten schnell und überzeugend kommen. Und das Schöne ist: Das ist – zumindest momentan – der Fall.

Eine Vision hilft in schwierigen Phasen und Durststrecken, den Kopf nicht in den Sand zu stecken sondern vielmehr gibt sie Anlass zu Gesprächseinstiegen wie “Hey, weißt du nicht mehr, wofür wir eigentlich angetreten sind?” oder “Schau mal, das hier ist nicht alles. Wir sind zu viel mehr berufen!”

Nochmal: Wie man eine Vision findet, wie man von der Vision zur Strategie kommt – das sind eigene Beiträge hier auf meinem Blog wert – am besten, indem ich andere zu Wort kommen lasse, die noch weitaus mehr Ahnung davon haben als ich.

Nur: Solltest du jemals zweifeln, ob es der richtige Weg war, eine Vision für die Gemeinde zu finden oder sich auf den Weg zu machen, einen Visionsprozess zu starten – sei ermutigt: Es ist definitiv der richtige Weg!

Am 18. November 2018 habe ich über die Vision “Gott erfahren – begeistert leben” gepredigt:


Bleib auf dem Laufenden und abonniere meinen Newsletter:


Stille Nacht – Heilige Nacht

Alle Jahre wieder. Weihnachten. Christbaum. Geschenke. Gottesdienst. Klar – als Pfarrer und als Gemeinde legt man sich da besonders in Zeug, weiß man doch: Weihnachten ist der einzige christliche Feiertag, der auch gesellschaftlich voll und ganz gefeiert wird – auch wenn immer weniger wissen, warum wir eigentlich Weihnachten feiern.

Als ich “Stille Nacht – Heilige Nacht” von Tim Keller gelesen habe, da habe ich mich ernsthaft gefragt: Verniedlichen wir Weihnachten nicht auch als Kirche viel zu sehr, nur um die “religiöse Schwelle” so niedrig wie möglich zu halten?

Ein typischer Keller

“Stille Nacht – Heilige Nacht” ist ein typischer Keller: Pointiert. Liebevoll. Verständlich. Tiefgehend. So würde ich dieses Buch beschreiben. Aber irgendwie passt das auf fast jedes Buch von Tim Keller, deswegen wollen wir mal ein wenig ins Detail gehen.

Keller erzählt nicht einfach die Weihnachtsgeschichte nach. Vielmehr schaut er genau hin. Und zwar ganz genau. Er nimmt die Hirten unter die Lupe, er schaut genau hin, was Maria erlebt hat und auch die “Weisen aus dem Morgenland” werden einer genauen Betrachtung unterzogen – und natürlich auch Herodes himself.

Nicht zuletzt: Selbst der Stammbaum Jesu nach Matthäus bekommt eine Bedeutung bzw. wird so im Detail untersucht, wie es wohl noch wenige bisher getan haben.

Bei alledem bleibt Keller nicht bei der Weihnachtsbotschaft an sich stehen. Er stellt uns die großen Themen vor Augen, die in der Weihnachtsgeschichte eine Rolle spielen:

  • Wieso – um alles in der Welt – kommt Gott als Mensch auf diese Erde?
  • Wie kann ich einen hingebungsvollen Glauben wie Maria leben?
  • Warum gehört es unbedingt dazu, auch mit dem Verstand zu glauben? (So widersprüchlich das klingen mag.)
  • Könnte es nicht eigentlich egal sein, wer die Botschafter sind, wenn die Botschaft stimmt?
  • Wieso ist es für den “König Jesus” so schwierig, auf den Thron unseres Lebens zu sitzen? (Spoiler: Weil wir uns selbst immer wieder darauf setzen.)
Es kann gut sein, dass Sie den Glauben schon mit der Muttermilch aufgesogen haben – aber wenn Sie buchstäblich nie kopfschüttelnd vor dem Evangelium gestanden und es lächerlich, unbegreiflich, unmöglich gefunden haben, dann haben Sie es wahrscheinlich nie richtig begriffen.S. 82

Eine alte Geschichte wird ganz lebendig

Es mag provokant klingen, was Keller da schreibt. Aber genau darum geht es: Wie erleben wir die Weihnachtsgeschichte? Ist das noch etwas, was uns herausfordert, begeistert, ins Staunen versetzt oder gar Ablehnung hervorruft? Oder ist es nicht leider eher so, dass wir “alle Jahre wieder” die gleiche Geschichte hören und sie uns gar nicht mehr so sehr in ihren Bann zieht, wie sie das sollte?

Es sollte uns gerade so umwerfen wie damals Maria, dass Gott uns, die wir so klein und sündig sind, solch ein gewaltiges Geschenk macht. Das Staunen darüber, dass ich – ausgerechnet ich – von Gott geliebt bin und seine Gnade bekommen habe, es sollte uns als Christen ständig begleiten.S. 85

Im Prinzip dreht sich das gesamte Buch genau darum: Die Faszination von Weihnachten durch unterschiedliche Perspektiven und Blickwinkel wieder neu hervorzuholen. Und dazu steigt Keller sowohl in die Weihnachtserzählung nach Matthäus als auch nach Lukas ein, untersucht das, was da “zwischen den Zeilen” steht. Und das ist gewaltig. Sehr gewaltig! Keller gräbt in diesem Schatz namens “Weihnachtsgeschichte” so tief, dass Seite für Seite Erkenntnisse zu Tage kommen, die verblüffend sind. Und diese lassen vor allem einen Schluss nicht (!) zu: Dass Jesus lediglich als “Weltverbesserer” auf diese Welt kam, sondern vielmehr als Sohn Gottes und Retter.

Denn das ist es, was Keller durch die unterschiedlichen Kapitel hindurch immer wieder zu Wort kommen lässt: Die eigentliche Rettungsbotschaft besteht nicht darin, dass Jesus unsere alltäglichen Probleme löst, sondern vielmehr, dass er uns vor Gott gerecht macht.

Warum wir Weihnachten heute noch feiern

Tja, wenn ich den Untertitel lese, dann fühle ich mich ein wenig ertappt – und gleichzeitig auch ein wenig betrübt darüber, was “Kirche” aus weihnachten macht. Wir versuchen, die Message von Weihnachten so umanstößig wie möglich rüberzubringen und irgendwie auf ein moralisch-ethisches Verhalten zu reduzieren, damit wir ja niemandem vor den Kopf stoßen, der an Weihnachten den Weg in die Kirche findet.

Mich aber hat “Stille Nacht – Heilige Nacht” herausgefordert, noch einmal darüber nachzudenken, was an Weihnachten wirklich gefeiert wird. Vielleicht tut es das auch bei dir. Keller selbst beschreibt – und das macht ihn so sympathisch – immer wieder ganz alltägliche Momente, in denen diese Weihnachtsbotschaft eine Rolle spielt – auch in seinem Leben. Er erzählt auch von Momenten, in denen es bei ihm “klick gemacht” hat:

Ein anderer Vortrag auf derselben Konferenz half mir zu dem, was ich die “theologische Fundierung” dieses Dienstes für Gott nennen möchte. Die Rednerin sagte unter anderem: “Wenn wir den Abstand zwischen der Erde und der Sonne – ungefähr 150 Millionen Kilometer – mit der Decke eines Papierblattes vergleichen, dann ergäbe die Entfernung von der Erde zum nächsten Stern einen Papierstapel von über 20 Meter Höhe und der Durchmesser der Milchstraße entspräche einem Stapel, der an die 500 Kilometer hoch wäre. Und im gesamten Weltall gibt es mehr Galaxien, als wir zählen können – womöglich mehr, als es Staubpartikel in der Luft oder Sandkörner an den Stränden der Erde gibt. Und wenn jetzt Jesus Christus all dies durch sein bloßes Wort zusammenhält (Hebräer 1,3) – ist er dann jemand, den man bittet, in seinem Leben der persönliche Assistent zu sein?” Diese schlichte Logik zerbrach meinen Widerstand dagegen, das zu tun, was Maria getan hatte. In der Tat: Wenn Gott so ist, wie kann ich dann auf die Idee kommen, ihn als Berater und Problemlöser zu behandeln und nicht als den Herrn aller Herren?S. 87

Ich empfehle dir dieses Buch in der Vorweihnachtszeit, weil ich glaube, dass es dein Erleben von Weihnachten noch einmal verändern kann. Das Buch selbst ist sehr gut zu lesen, in übersichtliche Kapitel unterteilt und gut verständlich ohne trivial zu sein.

Infos:
144 Seiten
12,00 EUR
ISBN: 978-3-7655-0998-8
BRUNNEN Verlag

Bleib auf dem Laufenden und abonniere meinen Newsletter:


Kirche, öffne dich!

Dieses Buch ist faszinierend – oder besser gesagt: sein Autor, Harald Glööckler. Zugegeben: Bisher habe ich ihn lediglich als den extravaganten Modeschöpfer wahrgenommen, wie ihn die Medien darstellen – und weniger (bis gar nicht) als den Menschen, der eine bewegte Glaubensbiografie hat und die wirklich wichtigen Fragen des Lebens stellt und Antworten sucht.

“Kirche öffne dich” wirft ein ganz neues Licht auf die Figur und den Menschen Harald Glööckler. Ich entdecke einen Menschen, der sich nicht nur auf einer Metaebene Gedanken über den (christlichen) Glauben macht, sondern seine eigenen Erfahrungen mit Kirche, Christen und dem Glauben teilt. Und diese Erfahrungen haben die ganze Bandbreite von “wunderschön” über “katastrophal” bis “unglaublich” zu bieten.

Glööckler ist im christlichen Glauben aufgewachsen, groß geworden, hat die Kirche von innen kennen gelernt – und leider auch ihre Schattenseiten.

“Man stellt Gott und die Kirche nicht in Frage, Kind, versündige dich nicht!”, hörte ich die Erwachsenen abwiegeln, wann immer ich etwas genauer wissen wollte. “Das ist eben so. darüber diskutiert man nicht!”, das war die Standardantwort.S. 10

Und das ist noch ein harmloses Zitat darüber, was Glööckler mit Kirche und Glauben erlebt hat – aber ich will ja nicht spoilern sondern vielmehr die Neugier wecken, das ganze Buch zu lesen. Immer wieder kam mir beim Lesen ein Gedanke: “Respekt, dass Glööckler sich noch nicht komplett von Glaube und Kirche abgewandt hat nach dem allem, was er innerhalb und durch Kirche erleben musste.”

“Er hat meinen höchsten Respekt” klingt total daneben und gönnerhaft, das ist überhaupt nicht meine Intention. Eher bin ich beeindruckt davon, dass Glööckler nach wie vor mit Kirche nicht abgeschlossen hat. Auch wenn er allen Grund dazu gehabt hätte, wie man bspw. auf Grund eines Erlebnisses mit einer evangelischen Pfarrerin verstehen könnte – aber auch hier gilt: Kein Spoiler. Selber lesen!

“Kirche öffne dich” ist in 18 Kapitel unterteilt, die mit einem passenden Zitat bzw. wachrüttelnden Statement beginnen und im Prinzip nichts außer Acht lassen, was einem zum Thema “Kirche” und “christlicher Glaube” in den Sinn kommt. Das Erscheinungsbild ist absolut ansprechend und lässt das Buch noch mehr zu einem Erlebnis werden.

Was sich ändern muss

So lautet der Untertitel und man bekommt schon beim Lesen der Kapitelüberschriften einen Eindruck, worum es Glööckler geht und was sich bei Kirchens seiner Meinung nach ändern muss. Stellvertretend seien nur einige der 18 Kapitel genannt:

  • Homosexualität und Kirche (Kapitel 3)
  • Der Himmel ist in uns (Kapitel 6)
  • Ist Gott eine Frau? (Kapitel 8)
  • Toleranz der Religionen (Kapitel 12)
  • Die Bibel – das Kochbuch des Lebens (Kapitel 13)
  • Der Reichtum Gottes – oder: Würde Jesus rote Schuhe von Prada tragen? (Kapitel 16)

Ungefähr in der Mitte des Buches findet sich ein Zitat, das meines Erachtens sehr gut deutlich macht, worum es Glööckler geht:

Ein im Glauben verankertes Leben hat nichts zu tun mit Moral, sondern mit Rechtschaffenheit, Ehrlichkeit, Liebe und Verständnis.

Ein Christ ist per definitionem ein Nachfolger und Nachahmer von Jesus Christus. Und Jesus selbst hatte sehr viel über Nächstenliebe und gute Lebensführung zu sagen – aber auffällig wenig über Moral.S. 80

Für Glööckler ist der Glaube in der Tat nichts Moralisches sondern eher etwas, das ihn auf die Suche schickt nach den wirklich wichtigen Fragen des Lebens. Was sich mir beim Lesen seines Buches aber leider immer wieder aufdrängt ist die Vermutung, dass er im Laufe seiner Glaubensbiografie leider immer mehr Fragen und immer weniger Antworten bekommen hat.

Nicht, dass Fragen an sich schlecht wären – im Gegenteil: Ein Mensch, der eines Tages aufhört zu fragen, hört auch auf zu glauben und zu leben. Aber wenn sich so gut wie keine Antworten einstellen, ist die ganze Glaubensreise auch eher ein Umherirren als ein Ans-Ziel-Kommen.

Verstehe ich ihn richtig, muss sich Kirche vor allem genau dahingehend ändern, dass sie Menschen in Freiheit führt, dass sie Menschen auf ihre Suche und ihrem Fragen nach Gott begleitet – und nicht als oberste moralische Instanz auftritt.

Die Basis von Glööcklers Argumentation

Natürlich – und das ist theologisch gesehen der Haken, biografisch betrachtet aber vollkommen logisch – argumentiert Glööckler auf Grund seiner ganz persönlichen Theologie. Sein Gottesbild umschreibt er so:

Wenn Gott allmächtig und allgegenwärtig ist, wie kann er dann fern von uns sein? Und wenn er nicht fern ist, wieso sollten wir ihn suchen? Gott ist bei uns, Gott ist in uns – wir sind seine Kinder und damit selbst göttlich. Wir sind Gott! Es ist so simpel: Alles, was wir suchen, haben wir bereit in unserem Herzen.S. 155

Natürlich regt sich da in mir so mancher Widerspruch, zum Beispiel, dass die Bibel deutlich davon spricht, dass diejenigen Gottes Kinder sind, die Jesus in ihr Leben aufnehmen (Johannes 1,12) – und nicht automatisch alle Menschen, gleichwohl alle Menschen Gottes Geschöpfe sind.

Was seinen persönlichen Glauben und den der postmodernen Gesellschaft betrifft, schreibt er:

Einige Gläubige, und dazu zähle ich auch mich selbst, klicken sich gerne aus verschiedenen Angeboten den perfekten Cocktail fürs Leben heraus. Und dennoch hätte ich die evangelische Kirche nie verlassen, hätte ich das Gefühl gehabt, von ihr verstanden und akzeptiert zu werden. Dieses Gefühl gab mir der Buddhismus viel eher; allerdings stört mich im Buddhismus die Verleugnung vom Gott.S. 157

Und wenn Glööckler im Folgenden dann vom “morphischen Feld” erzählt und dass er eine gewisse Hellsichtigkeit besitzt – nun ja. Da kann ich in nur zu gut verstehen, dass er sich selbst als Teil dieser “Cocktail-Klicker” versteht.

Warum mich Glööckler fasziniert und sein Buch fesselt

…ist eigentlich recht einfach zu beantworten: Glööckler erzählt authentisch von seiner Glaubensreise, seinen Fragen und Zweifeln, seinen Überzeugungen und Erwartungen im Blick auf Glaube und Kirche.

Ich lese von einem Menschen, der stark ist, der kämpft, der nicht kleinbeigibt, obwohl er allen Grund dazu hätte, der Kirche den Rücken zu kehren.

Ich lese von einem Menschen, dessen Glaubensüberzeugungen ich nicht in allen Dingen teile, mit dem ich aber am allerliebsten mal einen Kaffee trinken würde und ihm zeigen würde: Es geht auch anders! Kirche geht auch anders! Kirche geht auch nicht-moralisierend und den Menschen, so wie er ist, annehmend.

Liebend gerne würde ich ihm sagen, wie sehr ich es bedauere, dass er Kirchen-Vertretern (im Haupt- oder Ehrenamt) begegnet ist, denen es mehr um die Institution ging als um Jesus selbst. Und ich merke, wie mich seine Zeilen, seine Gedanken, seine Erfahrungen, seine Bewertungen, seine Überzeugungen hinterfragen und das, was ich tue, auf den Prüfstand stellen.

Eine liebenswerte Vision von Kirche

Und wie gerne würde ich ihm sagen, dass ich seiner “Vision von Kirche” aus tiefstem Herzen zustimme, wenn er schreibt:

Ich frage deshalb Sie, liebe Kirchenvorsteher, Pfarrer, Gemeinderäte und Mitarbeiter: Was ist Ihr Traum, Ihre Vision für Ihre Kirche? Wie sehen Sie sie in der Zukunft? Lebendig, positiv und voller glücklicher Menschen statt grau und öde? Ist das nicht ein herrliches Bild? Träumen Sie voller Romantik, mutig, in bunten Farben und immer ein bisschen größer, als Sie es sich vorstellen können! Denn Gottes Möglichkeiten sind unerschöpflich!

Und dann fangen Sie an alles zu tun, was nötig ist, um diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Denn von nichts kommt nichts, das ist auch ein Fakt des Lebens. Überlegen Sie sich neue, kreative Maßnahmen, wie Ihre Kirche wieder attraktiver werden könnte. Suchen Sie sich Verbündete. Laden Sie Künstler ein und interessante Sprecher, die frischen Wind auf Ihre Kanzel bringen. Und das können ruhig auch mal etwas kontroverse Leute und Ideen sein. Trauen Sie sich was, und haben Sie keine Angst vor Neuem, vor Veränderungen und vor Andersdenkenden! Angst immer ein schlechter RatgeberS. 157

Ja und am liebsten ende ich diese vielleicht etwas ungewöhnliche Rezension mit einer ungewöhnlichen Einladung:

Lieber Herr Glööckler,
wie wäre es, wenn Sie genau solch ein Künstler und kontroverser Mensch wären, der in meiner Gemeinde (www.wutachblick.de) in einem ganz besonderen Format zu Wort kommt?
Hiermit lade ich Sie ganz herzlich dazu ein! Ich würde mich freuen!

Infos:
208 Seiten
22,00 EUR
ISBN: 9783863342135
adeo Verlag

Einen Einblick in das Leben von Harald Glööckler kannst du hier bekommen:


Bleib auf dem Laufenden und abonniere meinen Newsletter:


Das Prinzip der eigentlichen Führungspersönlichkeit

“Führungskraft sein ist wie eine Dame sein: Wenn man es den Leuten erst sagen muss, dann ist man keine.” So wandelt Maxwell ein Ausspruch Margarete Thatchers ab im Blick auf die “eigentliche Führungspersönlichkeit”.

Was soll ich sagen? Ich glaube, dass im Blick auf Gemeinde sich einige Gemeindeleiterinnen und Gemeindeleiter einmal hinterfragen müssten, ob das oben genannte Zitat nicht auf sie zutrifft. Ich habe es nicht selten erlebt, dass manche Leitung- oder Führungskräfte im kirchlichen Kontext genau so aufgetreten sind: “Eigentlich bin ich ja nicht so von “oben herab”, aber hier oder da musste ich schon mal sagen, wer eigentlich die Leitung innehat und wer nicht.”

Ja, es gibt Situationen, in denen ist es nötig, sich klar zu positionieren nach dem Motto: “Es gibt eine Leitung in der Gemeinde – und Du bist es nicht!” Aber: Das ist in meinen Augen dann nötig, wenn Gemeindeglieder Leitung als solche nicht akzeptieren. Aber es ist dann – ganz im Thatcherschen Sinne – vollkommen deplatziert, wenn ich durch solche Äußerungen deutlich machen möchte: Ich bin die Leitung!

Ein heikles Thema

John Maxwell spricht in diesem Kapitel ein wirklich heißes Eisen an, da es um die Glaubwürdigkeit eines Pastors, einer Pastorin als Führungskraft innerhalb der Gemeinde geht.

Nicht selten kommt es vor, dass es in Gemeinden Personen gibt, welche die eigentlichen Meinungsführer sind. Die Frage ist nicht, ob das gut oder schlecht ist – die Frage ist, wie ich als Gemeindeleiter damit umgehe. Und da trifft Maxwell eine sehr interessante Unterscheidung oder besser gesagt, charakterisiert den “Leiter nach der Stellung” und “Leiter nach dem Ansehen”:

LEITER NACH DER STELLUNG LEITER NACH DEM ANSEHEN
Reden zuerst Sprechen später
Brauchen den Einfluss des eigentlichen Leiters, um zum Ziel zu gelangen Gebrauchen allein ihren eigenen Einfluss, um zum Ziel zu gelangen
Beeinflussen nur die anderen positionalen Leiter Beeinflussen alle Anwesenden

Achte doch in einem deiner nächsten Meetings einmal darauf, wer die eigentliche Führungskraft ist – am Verhalten lässt sich das leicht erkennen. Aber nicht nur daran, sondern an einem noch viel einfacheren Merkmal.

Wer folgt dir?

Wer führt und leitet, muss auch Menschen haben, die ihm folgen. Das klingt simpel und easy – und ist es auch. Maxwell schreibt kurz und knackig:

Denn Führung beweist sich im Folgen anderer.Die 21 wichtigsten Führungsprinzipien, S. 62

Wenn du niemanden hast, der dir folgt, leitest und führst du auch nicht. Du magst es vielleicht von dir denken – aber die Realität sagt etwas anderes.

Dabei geht es nicht um Zahlen. Nicht immer ist die Mehrheit im Recht, nicht immer ist es die Minderheit. Deswegen lässt es Maxwell zurecht offen, dass es nicht auf die Anzahl ankommt, sondern darauf, ob dir überhaupt jemand folgt. Die große Herausforderung könnte natürlich darin bestehen, dass dir die “eigentlichen Führungspersönlichkeiten” folgen.

Zwischenbilanz ziehen

Deswegen ist es manchmal gar nicht schlecht, Zwischenbilanz zu ziehen. Natürlich kann der Dienst eines Pastors (von “Erfolg” will ich gar nicht sprechen) nicht an nackten Zahlen und Fakten gemessen werden. Denn Gott mag “Erfolg” ganz anders definieren, als wir das tun.

Dennoch ist es gut, innezuhalten, zu resümieren und eine Art Zwischenbilanz zu ziehen und zu schauen: Wer folgt mir? Folgt mir überhaupt jemand? Bin ich eher “Leiter nach Ansehen” oder “Leiter nach Stellung”? Maxwell skizziert in diesem Kapitel auch kurz, dass er oft auch zunächst “Leiter nach Stellung” war – vor allem ist das dann der Fall, wenn man als Pastor/Pfarrer eine neue Stelle annimmt. Zum “Leiter nach Ansehen” zu werden, braucht auch seine Zeit.

Dein nächstes Meeting als Leiter steht vor der Tür? Dann gehe mal bewusst in dieses Meeting hinein mit der Frage, ob du als “Leiter nach Stellung” oder als “Leiter nach Ansehen” Teil des Teams bist.

Die weiteren Beiträge in dieser Reihe:


Bleib auf dem Laufenden und abonniere meinen Newsletter:

Warum wir uns nach Heilung sehnen

Der Mensch ist unheilbar sehnsuchtsvoll. Und das ist gut so! Sehnsucht treibt unsere Seele an, sich nicht mit dem Status Quo abzufinden. Sie lässt uns “mehr” erwarten, hoffen und ist der Motor dafür, mutig und kühn in die Zukunft zu schauen und nicht zu resignieren.

Sehnsucht nach dem Ewigen

In letzter Zeit ist mir das durch viele Begegnungen, Gespräche und Situationen deutlich geworden. Dabei kommt mir immer eine Bibelstelle in den Sinn, die im Kontext eines recht bekannten Abschnitts der Bibel steht. In diesem Abschnitt geht es darum, dass alles auf dieser Erde seine jeweils eigene Zeit hat: Geboren werden und sterben; lachen und weinen; streiten und versöhnen – und noch vieles andere. Nachzulesen in den ersten Versen im ersten Teil der Bibel in Prediger 3.

Am Ende dieser Aufzählung steht ein auf den ersten Blick etwas unscheinbarer Satz, der leider kaum zitiert wird, aber mein Nachdenken über Gott und den Menschen regelrecht in eine neue Dimension katapultiert hat:

Gott hat allem auf dieser Welt schon im Voraus seine Zeit bestimmt, er hat sogar die Ewigkeit in die Herzen der Menschen gelegt. Aber sie sind nicht in der Lage, das Ausmaß des Wirkens Gottes zu erkennen; sie durchschauen weder, wo es beginnt, noch, wo es endet. Die Bibel: Prediger 3,11 (Neues Leben. Die Bibel)

Ich finde das faszinierend. Gott hat uns als Menschen damit ausgestattet, in unserem Herzen eine Sehnsucht nach der Ewigkeit zu haben. Das im Hebräischen zugrunde liegende Wort meint dabei die Ewigkeit nicht nur als einen zeitlich unbegrenzten Abschnitt, sondern vielmehr als ein “Leben, das im Kontext der Unendlichkeit und Ewigkeit Gottes” stattfindet.

Diese Ewigkeit und genauer gesagt diese Sehnsucht danach, trägt jeder Mensch in seinem Herzen – mal schütten wir es mit alltäglichen und irdischen Dingen ganz gut zu – manchmal blitzt diese Sehnsucht in uns aber auch durch. Vor allem dann, wenn wir Situationen, Beziehungen oder Erlebnisse als unheilvoll, unvollständig, fragmentarisch oder einfach nicht zufriedenstellend wahrnehmen. Und Hand auf’s Herz: davon gibt es jede Menge!

Heilung und Heilsein als Inbegriff von Ewigkeit

Wie aber sieht diese Ewigkeit, dieses “Leben im Kontext der Unendlichkeit und Ewigkeit Gottes” aus? Darüber gibt uns die Bibel eine sehr klare Auskunft – in ihrem letzten Buch, der Offenbarung:

Ich hörte eine laute Stimme vom Thron her rufen: “Siehe, die Wohnung Gottes ist nun bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen und sie werden sein Volk sein und Gott selbst wird bei ihnen sein. Er wird alle ihre Tränen abwischen, und es wird keinen Tod und keine Trauer und kein Weinen und keinen Schmerz mehr geben. Denn die erste Welt mit ihrem ganzen Unheil ist für immer vergangen.” Und der, der auf dem Thron saß, sagte: “Ja, ich mache alles neu!”Die Bibel:Offenbarung 21, 3-5 (Neues Leben. Die Bibel)

Danach sehnt sich unser Herz. Nach einem Leben ohne Tränen, ohne Tod, ohne Trauer, ohne Weinen und ohne Schmerz. Die Sehnsucht nach der Ewigkeit, nach dem Ewigen, nach der ungetrübten Gegenwart Gottes auf unendliche Zeit hat einen ganz konkreten Inhalt: nichts Unheilvolles, nur noch Heilvolles.

Deswegen ist es nicht nur legitim oder “erlaubt”, nach Heilung zu fragen und Gott um Heilung zu bitten – es ist vielmehr eine ganz logische Folge dessen, was Gott selbst in unser Herz gelegt hat.

Dabei geht es sowohl um körperliche Heilung als auch um Heilung von Beziehungen und allem Unheilvollem, dem wir in unserem Leben immer wieder finden und das wie in unserem Leben und in unserer Biografie immer wieder aufspüren.

Oder um es noch deutlicher zu sagen: Gott freut sich, wenn wir uns nach Heilung sehnen und ihm das auch sagen!

Leben in einer “gefallenen Welt”

Nun erleben wir es aber nicht, dass alles Unheilvolle und Fragmentarische in unserem Leben wieder heil und ganz wird. Im Gegenteil. In manchen Situationen stehen wir kurz davor, regelrecht zu verzweifeln, weil Heilung (noch) nicht eintritt und wir vieles als immer noch und nach wie vor unheilvoll erleben.

Das hat auch einen Grund. Wir leben in einer “gefallenen Welt”, das heißt: Wir leben nach dem Sündenfall, von dem die Bibel in 1. Mose 3 berichtet. Der Mensch entfernte sich von Gott und tut dies auch heute immer und immer wieder. Je größer diese Lücke zwischen Gott und Mensch wird, desto mehr Platz ist für Unheilvolles und Zerstörerisches.

Aus diesem Grund kann hier auf Erden gar nicht alles heil werden – so sehr wir uns danach sehnen – da uns dieser Zustand erst für die Ewigkeit verheißen ist, also für die Zeit, die anbricht, wenn Jesus auf diese Erde zurückkehrt.

Bis dahin gilt es, die “eschatologische Spannung” zwischen “schon jetzt” und “noch nicht” auszuhalten.

Schon jetzt” zeichnet das Leben eines Christen aus, dass er “Gottes wunderbare Wort und die Kräfte der kommenden Welt kennen gelernt hat” (Hebräer 6,5) aber “noch nicht” in dieser lebt, “denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf jenen Tag, an dem Gott offenbar machen wird, wer wirklich zu seinen Kindern gehört.” (Römer 8,19)

Die eschatologische Spannung aushalten

Und deswegen gilt, dass wir uns dieser Spannung immer wieder bewusst sein müssen. So sehr sich unser Herz danach sehnt, dass Dinge in ihre ursprüngliche und von Gott wunderbar erdachte und erschaffene Ordnung kommen, so sehr gilt es aber auch anzuerkennen, dass wir nicht mehr und noch nicht “im Paradies leben”.

Und das ist absolut nicht einfach und dennoch mache ich dir Mut, um Heilung zu beten und die Sehnsucht nach Heilung nicht aufzugeben. Wann, wie und auf welche Weise Gott Heilung schenkt, ist seine Sache – und manchmal gilt, Gottes Souveränität anzuerkennen, was natürlich wesentlich leichter fällt, wenn ich glaube, dass Gott es gut mit mir meint, weil sein eigentliches Wesen das eines vollkommenen Vaters ist.

Diese eschatologische Spannung veranlasst uns nicht, unsere Hände in den Schoß zu legen, nichts zu tun und das Pendel auf die Seite “noch nicht” ausschlagen zu lassen. Vielmehr sollte sie uns immer und immer wieder ins Gebet treiben und das Vertrauen lehren, dass es ein “schon jetzt” gibt. Jeden Tag auf’s Neue oder wie Paulus sagt:

Denn Gott hat gesagt: “Ich will dein Gebet erhören. Es wird eine Zeit der Gnade für dich geben, einen Tag, an dem du meine Hilfe erfährst!” Genau diese Zeit ist jetzt da, der Tag der Rettung ist nun gekommen. Die Bibel:2. Korinther 6,2 (Hoffnung für alle)

Wenn du also das nächste Mal diese Sehnsucht nach Heilung und Heilsein in dir verspürst und Situationen, Erlebnisse oder Beziehungen als unheilvoll und fragmentarisch erlebst – dann bitte Gott genauso um Heilung wie bei Krankheit. Sei nicht enttäuscht, wenn (zunächst) nichts geschieht, aber wird dein Vertrauen nicht weg, denn es birgt in sich eine große Belohnung (Hebräer 10,35).

Ich möchte nicht einem fatalistisch ertragenen Unheil das Wort reden. Genauso wenig will ich unverantwortlich behaupten, dass Gott für alles Heilung schenken wird. Ich glaube und hoffe aber fest darauf, dass nicht nur das “noch nicht” gilt – sondern auch und erst recht das “schon jetzt”.

Schon jetzt heilt Gott, lässt uns Anteil haben an seinem ewigen Heil, gewährt uns einen Blick in seine Ewigkeit und weder schaut er weg noch hört er weg, wenn seine Kinder zu ihm beten.

Und ich muss an ein Wort von Dietrich Bonhoeffer denken, der einmal sagte:
Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen.