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5 Gründe, kein perfekter Vater zu sein

Yes, du hast richtig gelesen: kein perfekter Vater. Warum? Weil es für alle besser ist. Glaub mir! Unter “Perfektion” verstehe ich die Vollendung oder Vollkommenheit in einer Sache – also ohne Makel, ohne Fehler, ohne Kratzer, ohne Falsch. Wir wünschen uns solch einen Moment (oder mehrere Momente) und es gibt Menschen, die geben vor, so zu sein (meistens sind es diese aalglatten, arroganten, von sich überzeugten Ar….mleuchter, du weißt schon) – gleichzeitig ist es aber ach ein Druck, den wir uns (und anderen?) auferlegen und meinen, “so sein zu müssen”.

Das ist Gift! Pures Gift – vor allem, wenn du dich das als Papa fragst. Warum? Fünf Gründe liefere ich dir – es gibt sicherlich noch einige mehr.

1 Perfektion ist ein Killer

Ohne Witz! Perfekt zu sein ist so das schlimmste, das du dir vornehmen kannst. Denn Perfektion lässt dich scheitern und verzweifeln. Immer. Zu jeder Zeit. Überall. Es gibt weder den perfekten Vater, noch den perfekten Mann, auch nicht die perfekte Frau, nicht den perfekten Beruf und schon gar nicht die perfekten Kinder. Es gibt immer irgendetwas, das “nicht passt”. Das ist voll in Ordnung, das ist menschlich, das ist natürlich, das ist normal! Wo du den Anspruch hast, “perfekt zu sein” killst du jede Form von Authentizität und Motivation, denn du wirst das Ziel ohnehin nie erreichen.

Die Medien (und vor allem die so genannten “sozialen Netzwerke”) machen es uns doch vor: Da werden Fotos geliked, die dermaßen durch Photoshop gegangen sind, dass vom ursprünglichen Bild kaum mehr etwas übrig geblieben ist. Da werden Alltagssituationen gepostet, die lustig sind, die schön sind, die herausragend und ganz besonders sind – also die Sahnehäubchen, das eine Prozent, die “das passiert mir einmal in 10 Jahren”-Stories. Aber was ist mit den ganz normalen, alltäglichen Höhen und Tiefen, den Herausforderungen und Niederlagen, den “ich hab’s verbockt-Situationen”? Die posten wir nicht. Davor haben wir Angst. Perfektion killt unseren Selbstwert und unsere Selbstachtung – das aber sollten wir niemals zulassen, schon gar nicht, wenn es um unsere Kinder geht.

2 Kinder benötigen Vorbilder, keine Perfektionisten

Wie lernen Kinder am besten? Genau. Durch Zuschauen, Abschauen und Hingucken. Sie beobachten dich als Vater die ganze Zeit: Wie du mit Konflikten umgehst, wie du dich in heiklen Momenten verhältst, was du mit deiner Zeit anstellst und wie du mit deinem Smartphone umgehst. Sie beobachten dich – und lernen dadurch. Perfektion bringt dich nicht weiter, aber die Einsicht, ein Vorbild für deine Kinder zu sein. Das reicht schon.

Aber keine Sorge: Du musst deswegen noch lange nicht alles “perfekt machen” (das funktioniert ohnehin nicht). Vielmehr sei dir einfach nur bewusst, dass du ein Vorbild bist für deine Kinder. Sie beobachten dich und sagen trotz (oder wegen) deiner vielen Ecken und Kanten immer wieder “so wie Papa will ich eines Tages werden” – also zumindest bis zur Pubertät.

Und hey, liebe Papas, an dieser Stelle, ihr kennt das. Sagt das Kind zu Mama: “Mama, wenn ich erwachsen bin, will ich so sein wie Papa!” Daraufhin beugt sich Mama zum Kind hinunter, fasst es liebevoll an den Schultern, schaut ihm tief in die Augen und sagt: “Schatz, beides gleichzeitig geht nicht.”

Bewahrt euch das Kind in euch. Eure Kinder werden es feiern! Und ihr auch!

3 Wir lernen aus Fehlern

…warum nicht auch Kinder? Wenn sie dich als Vater ohnehin die ganze Zeit beobachten? Aus diesem Grund sind Fehler überhaupt kein Problem. Im Gegenteil: Sie sind Quelle des Lernens und der Lebensweisheit. Es ist überhaupt nicht schlimm, Fehler zu machen – auch und gerade nicht als Papa. Deine Kinder verzeihen dir mehr, als du denkst. Du selbst und auch sie lernen aus den Fehlern, die du machst. Warum also perfekt sein wollen? Du würdest eine Menge Lernpotenzial verschwenden.

Und das Lustige ist: Kinder haben meistens total coole Ideen! Wenn ich ihnen von meinen Fehlern erzähle, die ich privat oder im Beruf mache, dann denken sie in ihrer so herrlich schönen kindlich-naiven Sicht auf die Dinge – und ohne Witz: Nicht selten haben sich mich schon inspiriert, eine Lösung zu finden oder zumindest einen Weg zu gehen, der zum Ziel führte.

Wenn es also stimmt, dass wir aus Fehlern lernen, dann müssen Fehler unbedingt dazugehören in unsere Kultur, in unsere Gesellschaft, in unsere Familie, in unsere Erziehung. Das Problem ist: Wir leben in einer Gesellschaft und einer Zeit, in der Fehler nicht geduldet werden. Wie schön, dass “Gnade” ein Alleinstellungsmerkmal von Christen ist, weil Jesus diese verkörpert. Wie wäre es, wenn wir mit uns selbst genauso gnädig umgehen, wie wir das bei anderen tun und umgekehrt? Lasst uns Gnade leben, aus Fehlern lernen und dadurch stark werden!

4 Schuld und Vergebung gehören zum Leben

Ich könnte dir viele Momente nennen, in denen ich (in meinen Augen) versagt habe als Vater und Schuld auf mich geladen habe in meinem Verhalten gegenüber meinen Kindern. Das sind Momente, die sich in die väterliche Seele brennen – mögen sie noch so unscheinbar sein und für die Kinder gar keine all zu große Rolle (scheinbar) spielen – als Vater geht dir ein Stich durch’s Herz, wenn du nur daran denkst. Ich bin nicht stolz, diese Momente zu kennen. Aber ich weiß eines: es gehört zum menschlichen Leben dazu, Schuld auf sich zu laden. Als Christ weiß ich um die Kraft der Vergebung. Also bitte ich auch meine Kinder um Vergebung. Es ist so wohltuend und heilsam, wenn sie dann sagen: “Papa, war doch gar nicht so schlimm!” oder “Papa, ich verzeihe dir!” Momente, in denen du mit deinen Kindern eine noch tiefere Verbindung aufbaust. Momente, die du als “perfekter Vater” verpassen würdest. Und das wäre schlimm.

Nebenbei lernen deine Kinder, sich zu entschuldigen, um Vergebung zu bitten und Vergebung auszusprechen. Eine unglaublich große Kraft in dieser Welt.

5 Männer weinen nicht

“Männer weinen nicht” ist einer der bescheuertsten Sätze, die ich kenne. Natürlich weinen Männer! Aus Wut, aus Frust, aus Enttäuschung, vor Freude oder weil sie verletzt wurden. Gründe dafür gibt es unzählige. Auch Väter weinen. Zum Beispiel dann, wenn sie sich (und den Kindern) eingestehen müssen, nicht der Vater zu sein, der sie gerne wären.

Das darf sein – aber es darf niemals (NIEMALS) zum Instrument werden, um etwas zu erreichen. Aber ehrliche Tränen sind der Boden, auf dem Neues und Gutes wachsen kann. Ein perfekter Vater würde niemals weinen – ich dagegen weine. Auch vor und mit meinen Kindern. Nicht, um die Tränen zu instrumentalisieren, sondern weil Weinen und Tränen zum Leben dazugehören und man sich ihrer nicht schämen muss.

Es ist wie bei einem Gewitter: Der Moment selbst ist manchmal beängstigend und du weißt nicht, wie es ausgeht. Aber kennst du diesen Geruch und diese Atmosphäre, die in der Natur nach einem Gewitter vorherrschen? Dieses Gefühl von unausgesprochener Sehnsucht nach Neuem, nach Abenteuer, nach Aufbruch. Ähnlich ist es, wenn Papas sich ihrer Tränen nicht schämen.

Unsere Kinder benötigen ihre Väter mehr denn je! Bitte denk aber nicht, dass du perfekt sein musst. Sei du selbst! Lass Tränen zu, lass Fehler zu und lass Schuld zu – aber lerne daraus und vergebe.

Aber eines lass bitte niemals zu: das Streben nach Perfektion!


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Im Schatten des Krieges

Furchtbar, diese Frage nach der »Stimmung der Ukrainer« in jedem zweiten Interview. Wie fühlt man sich wohl, wenn man jeden Moment sterben kann? Wenn Freunde erschossen oder von russischen Panzern niedergewalzt wurden? Wenn Menschen auf der Straße weinen? Warum fragen Journalisten nicht nach Fakten, sondern nach Gefühlen? Sagen, was ist, das soll Journalismus leisten. Heute antwortete ich einer Redakteurin, die anfragte, ob sie mich über die Stimmung der Ukrainer befragen dürfe: »Ich gebe Ihnen gern ein Interview, aber nur ohne die Frage nach der Stimmung, sonst bekomme ich einen Lach- oder Weinkrampf.«Im Schatten des Krieges, S.50-51

Dieses Zitat beschreibt “Im Schatten des Krieges” auf einer Metaebene mehr als es “uns Deutschen” recht sein könnte. Christoph Brumme schreibt Tagebuch. Aber nicht irgendein Tagebuch. Er schreibt Tagebuch inmitten des furchtbaren Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine im Frühjahr 2022.

Seine Notizen beginnen wenige Wochen vor Kriegsbeginn, der am 24. Februar 2022 eine “Zeitenwende” markierte, wie Bundeskanzler Scholz später sagen sollte und reichen bis zum 1. Mai 2022. Die Notizen enden, der Krieg aber geht weiter.

Ich habe diese Tagebuchnotizen verschlungen, konnte das Buch einfach nicht weglegen. Kein Wunder, dass ich es in wenigen Stunden gelesen hatte. Was ich las, hat mich bewegt, verändert, erschüttert – gleichzeitig aber auch darin bestärkt, voll und ganz solidarisch mit der Ukraine zu bleiben und allen verharmlosenden Tendenzen von Anfang an entgegenzutreten.

Besonders zwei Gedanken bzw. Perspektiven möchte ich hervorheben – auch wenn ich betone: Das gesamten Buch ist mehr als lesenswert und eine absolute Empfehlung!

Da ist zum einen Brummes Blick auf das Land und die Menschen der Ukraine, die er als jemand beschreibt, der schon viele Jahre in diesem Land lebt und 2019 das Buch veröffentlichte “111 Gründe, die Ukraine zu lieben: Eine Liebeserklärung an das schönste Land der Welt“.

Zum anderen charakterisiert Brumme die Politik der deutschen Bundesregierung – und er lässt kein gutes Haar an ihr. ich wünschte, dass jeder, der die “Russland-Ukraine-Politik” der Bundesregierung positiv sieht und unterstützt, dieses Buch liest – er würde am Ende zu einem anderen Schluss kommen. Und ja – sehr geehrter Herr Bundeskanzler Scholz: Bitte lesen Sie dieses Buch! Unbedingt!

Ukraine – besonderes Land, besondere Menschen

Brumme verbindet eine tiefe Freundschaft zur Ukraine. Seit 2016 lebt er mit seiner Familie in der ostukrainischen Stadt Poltawa. Von dort schreibt er, ohne sein Zuhause genauer zu beschreiben – aus Sicherheitsgründen. Er ist kein Unbekannter – schreibt und schrieb er doch schon für die Berliner Zeitung, Der Freitag, und die Neue Zürcher Zeitung.

Seine Tagebuchaufzeichnungen stammen mitten aus dem Krieg, handeln aber nicht nur vom Krieg. Sie beschreiben das Land und die Menschen in ihrer (kulturellen) Schönheit, in ihrer Vielfalt und vor allem: in ihrer Stärke. Nach dem Lesen von “Im Schatten des Krieges” hat sich mein Bild von der Ukraine und vor allem der Mentalität der Menschen dort verfestigt als eine Mentalität der Stärke, Autonomie und Resilienz.

Auch wenn die Konsequenz ein langer, kräftezehrender und leider viele Opfer fordernder Krieg sein wird:

Eine Kapitulation der Ukrainer ist ausgeschlossen. Lieber werden die Ukrainer aufrecht sterben als auf Knien leben.Im Schatten des Krieges, S.62

Es ist kein Geheimnis, dass ich persönlich sehr verbunden bin mit dem Schicksal vieler aus der Ukraine geflohenen Menschen, wie ich besonders in den Artikeln “Krieg. Flucht. Schicksale – und meine Gedanken” sowie “Ukraine-Hilfe konkret” beschrieben habe.

Nun aber – wenn auch “aus deutscher Sicht” – die Menschen der Ukraine so persönlich, so nahbar, so direkt vor Augen gemalt zu bekommen durch die unmittelbaren und authentischen Erfahrungen von Christoph Brumme, ist für mich etwas sehr Besonderes. Brumme beschreibt das Leben in Poltawa und wie es auch in anderen Orten der Ukraine ist. Er zeichnet das Bild einer lebensfrohen und tief in ihrer Geschichte verwurzelten Nation. Er schreibt von den Sirenen, die ohrenbetäubend lärmen und dennoch das Volk nicht mürbe machen. Als Leser bekommt man einen kleinen aber feinen Einblick in das kulturelle Leben der Menschen – aber auch in ihre Emotionen.

Viele Tagebucheinträge handeln von (kurzen) Begebenheiten und Gesprächen mit ukrainischen Menschen. Mal haben diese Begegnungen mit dem Krieg zu tun – mal nicht. Das weitet den Horizont ungemein, herrscht hierzulande (und da nehme ich mich gar nicht aus) eine recht verzerrte Sicht auf das, was “Leben inmitten von Krieg” bedeutet.

Natürlich geht es um Leid, um Tod und Tränen – es geht aber auch um Lachen, Geselligkeit und Perspektive im Leben der Ukrainer.

Und es geht um ihre Geschichte, ihre Herkunft, ihre Mentalität, die keinesfalls “pro-russisch” ist, wie man das in deutschen Medien immer und immer wieder lesen kann, ja sogar vom “Brudervolk” ist hierzulande immer wieder die Rede.

Wo sind in diesem Krieg eigentlich die pro-russischen Kräfte in der Ukraine, die in den letzten acht Kriegsjahren in ausländischen Medien so gern herbeifantasiert wurden? Nirgendwo werden die Russen in der Ukraine jetzt als Befreier gefeiert, nirgendwo mit Blumen empfangen. Man beschimpft und verflucht sie vom ersten Tag an. Waren es zehntausende oder hunderttausende Berichte, Kommentare, Meldungen, Interviews in den deutschsprachigen Medien, in denen von der Zerrissenheit der ukrainischen Gesellschaft gefaselt wurde? Die Ukrainer seien ja keine einheitliche Nation? Wie kommt es nur, dass sie jetzt das Gegenteil beweisen?Im Schatten des Krieges, S.67

Kritischer Blick auf Deutschland

Nicht selten bekomme ich den Eindruck, dass Brumme sich (zurecht, wie ich finde) für Deutschland und seine politische Führung im Blick auf diesen Krieg schämt. Nun ja – er schreibt es auch unverblümt:

Ich überlege, die ukrainische Staatsbürgerschaft zu beantragen und auf die deutsche zu verzichten. Es ist zu peinlich, Deutscher zu sein. Im Schatten des Krieges, S.67

Erschreckend ist, dass es sich nicht einmal nur um die gegenwärtige Politik Deutschlands handelt und auch nicht nur um die Politik. Man gewinnt beim Lesen den Eindruck, dass in den vergangenen Jahren (Jahrzehnten) Deutschland als Nation so dermaßen unter den Fittichen Putins gestanden zu haben scheint, dass es nur logisch sein müsste, dass Putin händereibend und amüsiert im Kreml sitzt und wieder einmal denkt: “Danke, Deutschland!”

Und nein – daran ist nicht nur der Gas-Lobbyist und ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder schuld. Aber es ist deprimierend, erdrückend und will irgendwie die Hoffnung rauben, dass Deutschland auch nur irgendetwas “gut gemacht” hätte im Blick auf die Beziehung zu Russland und die Nicht-Beziehung zur Ukraine in den letzten Jahren.

Die eingeweihten Kreise versichern, dass inzwischen schon einige Tonnen deutschsprachiger Presseartikel im Kreml-Archiv liegen, die Wladimir Putin in den letzten Jahren gefallen und ihn zum Krieg ermuntert haben. Sein Urteil, dass in der Ukraine viele Menschen von seiner Armee be- freit werden wollen, wurde dort bestätigt. Auch viele Mitschnitte aus den politischen Talk-Shows in Deutschland sollen Wladimir Putin ausgezeichnet gefallen haben. Unzählige gewählte Vertreter des deutschen Volkes, aktive und pensionierte Politiker, Drei-Sterne-Generäle und Drei-Sterne-Köche, Rockstars, Klima- forscher und Schriftsteller, hatten immer wieder Märchen über die starken pro-russischen Kräfte in der Ukraine berichtet.Im Schatten des Krieges, S.68

Natürlich geht es in erster Linie um die Ukraine in diesem Krieg und nicht um Deutschlands Image. Das ist auch Brumme wichtig, denn die Leidenschaft, mit der er über und für das ukrainische Volk schreibt, ist eindrücklich und beeindruckend zugleich.

Brumme wird aber – und dafür bin ich ihm sehr dankbar – nicht müde, die Konsequenzen zu beschreiben, welche das Verhalten “der Deutschen”, genauer gesagt: der deutschen Bundesregierung in den nächsten Jahren haben wird.

Gespräch mit einer Kellnerin. Sie hat schon in Deutschland gearbeitet. Aber jetzt will sie dort nicht hin. Ihr gefalle »das Regime« dort nicht. Ich schlucke bei diesem Wort. »Es ist zu Putinfreundlich«, fügt sie hinzu. Gut, dann ist die Formulierung akzeptabel.
Ein Freund aus Brüssel meinte vor drei Tagen, die mangelnde und streckenweise nur vorgetäuschte Unterstützung der Ukraine in ihrem Überlebenskampf wird »den Deutschen noch heftig auf die Füße fallen; das wird man in Osteuropa nicht vergessen«. Verglichen mit den Gas- und Öl-Milliarden, die man täglich an Russland überweist, seien es nur ein paar Piepen, die die Ukrainer jetzt von den Deutschen bekämen. Ein sofortiger Gas- und Öl-Importstopp hätte nur eine »kleine Konjunkturdelle« zur Folge, meint der Freund, der in Brüssel in wichtigen EU-Gremien arbeitet. Seine Wut über das historische Versagen der deutschen Regierung ist so groß, dass er nun einen dreijährigen Sonderurlaub nimmt, um diese Politik nicht mehr mittragen zu müssen.Im Schatten des Krieges, S.103

Schnörkellos und bildhaft zugleich

Christoph Brumme (Foto: Oskar Mangur)

So schreibt Christoph Brumme “Im Schatten des Krieges”. Seine Sprache ist dicht und schnörkellos, geradeaus und direkt, seine Message ist klar, seine Worte erzeugen Bilder. Sei es die Katze Lolita oder das Innenleben ukrainischer Städte, die Vorstellung seiner “Schreibwerkstatt” oder die Mentalität der Ukrainer: Brummes Tagebucheinträge malen Bilder vor meinem inneren Auge, deren Übereinstimmung mit der Realität ich nicht überprüfen kann, aber sie lassen das Geschehen in der Ukraine lebendig und nahbar, aber niemals peinlich oder voyeuristisch werden. Überhaupt schreibt Brumme nicht reißerisch – das hat er nicht nötig. Seine Worte treffen, seine ausgewählten Begegnungen und Erfahrungen reichen nicht nur aus, sondern sind ein großer Schatz, wenn es um die Vorstellungskraft dessen geht, was sich in der Ukraine abspielt – und zwar nicht nur auf einer journalistisch-medialen Ebene. Denn davon gibt es durch News-Portale und Nachrichtensendungen schon ausreichend Stoff.

Brumme schreibt viel persönlicher, viel “echter”, viel lebensnaher und vor allem gesellschaftsrelevanter. Seine Tagebucheinträge sind das fehlende Puzzleteil in der all zu oft (und meistens ja auch gerechtfertigten) sachlich-distanzierten Berichterstattung deutscher Medien. Brumme schreibt nicht als deutscher Nachrichtenkorrrespondent, sondern als ein Familienmensch, der das Leid und Leben der ukrainischen Bevölkerung aus der Mitte heraus kennt.

Ich empfehle “Im Schatten des Krieges” jedem, der sich für mehr interessiert als für das, was in den Nachrichten kommt – nämlich für die Menschen, die Schicksale, die Kultur und Geschichte der Ukraine. Brumme liefert Informationen und Meinungen, die man sonst selten findet – sind die meisten Deutschen doch recht unwissend über das was, die Ukraine wirklich ist und was sie ausmacht.

Christoph Brumme: Im Schatten des Krieges
112 Seiten
ISBN: 978-3-7776-3310-7
Verlag: Hirzel Verlag
Preis: 15,00 EUR

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Unsere Real Life Stories

9. Juni 2021. Der Youtuber, Influencer und Lebensveränderer Philipp Mickenberger stirbt nach langem Kampf gegen den Krebs. Seine Beerdigung wird Tage später auf YouTube live übertragen und ein knappes Jahr später über 3 Millionen Klicks haben. Mit den “Real Life Guys” und den waghalsig-faszinierenden Experimenten hat er eine ganze Generation geprägt. Doch es scheint, als ob sein Tod, der viel zu früh kam, einen noch größeren Impact zu haben scheint.

Philipp wurde 23 Jahre alt. Doch in diesen 23 Jahren hat er seinen Tagen mehr Leben geschenkt, als andere Menschen nicht mit 80 Jahren. Davon zeugt das nun erschienene Buch “Unsere Real Life Stories”, das pünktlich zu seinem ersten Todestag ein tief ergreifendes, spannendes und zu Tränen rührendes Dokument dessen ist, was Philipp im Leben von vielen Menschen bewirkt hat.

Philipp hat mein Leben auf den Kopf gestellt

Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz gelesen habe. In “Unsere Real Life Stories” kommen Menschen zu Wort, die Philipp erlebt haben: Langjährige Freunde, kurzzeitige Freunde, die ihn erst gegen Ende seines kurzen Lebens kennengelernt haben genauso wie Menschen, die ihn über seine YouTube-Videos entdeckt haben und durch ihn inspiriert wurden – ohne ihn face to face zu treffen.

Janet Müller und Philipp Mickenbecker

Es geht gar nicht anders, als dass man dieses Buch veschlingt! Die “Real Life Stories” sind ehrlich, herzlich, tiefgehend und geben einen Blick “hinter die Kulissen”. Sie zeichnen einen jungen Mann, der unglaublichen Impact auf das Leben von so vielen Menschen hatte.

Janet Müller, nicht nur Herausgeberin dieses Buches sondern auch eine der engsten Freundinnen und Wegbegleiterinnen von Philipp, schreibt so treffend über ihn:

So viele Menschen sind so gefangen in ihrer eigenen Welt und drehen sich nur um ihre eigenen Probleme, die meist viel kleiner sind als Philipps. Und dieser Mensch gibt seine kostbare verbliebene Kraft und Zeit dafür, anderen Menschen helfen zu wollen. Unsere Real Life Stories, S.22

Wie ein roter Faden zieht es sich durch das Buch: Philipp lebte aus einem tiefen Glauben an Jesus Christus und strahlte trotz (oder wegen?) seiner Umstände eine Freude aus, die ihresgleichen sucht. Dabei wird in den Erzählungen aber auch deutlich: Der Glaube war für Philipp eine bewusste Entscheidung. Aufgewachsen in einem “christlichen Elternhaus” setzte er sich zuweilen erst kritisch mit manchem auseinander, ehe er seinen Weg zu Jesus fand und dies mit seiner Taufe bekräftigte.

Philipp – ein Name, hinter dem sich die Inspiration einer ganzen Generation verbirgt. […]All die Höhen und Tiefen konnten Philipp zwei Dinge nicht wegnehmen: Zum einen war es die Freude am Leben und zum anderen sein unerschütterlicher Glaube. […] Das muss man sich mal überlegen: Obwohl es ihm so schlecht ging, drehten seine Gedanken sich um andere Menschen, deren Sorgen und Leiden. Unsere Real Life Stories, S.72

Intim – aber nicht voyeuristisch

Manchmal stockte mir beim Lesen der Atem, so nah gehen einem die Geschichten, so persönlich und fast schon intim ist das Erzählte – aber niemals voyeuristisch. Das ist das Schöne an diesem Buch: So tief der Einblick in das Leben, den Glauben und die Gefühle eines 23jährigen mit einer schweren Diagnose ist, so wenig effekthaschend oder selbstverherrlichend kommt das Buch daher. Auch kritische Töne werden angeschlagen, nicht nur “Happy Ends” werden erzählt. Doch überwiegt natürlich bei einer solch außergewöhnlichen Persönlichkeit die Tatsache, dass er im Leben der Menschen, die ihm begegneten, nicht nur einfach einen “positiven Einfluss” hatte. Er veränderte das Leben dieser Menschen.

Immer und immer wieder sind es Menschen, die Glaubenszweifel hatten oder sogar Atheisten waren. Es muss eine besondere Gabe von Philipp gewesen sein, gerade diesen Menschen in einer Liebe begegnet zu sein, die nur Gott in ihn gelegt haben kann. Denn es waren nicht (nur) endlose Diskussionen und Argumentationen, sondern gelebte Liebe, gelebte Nachfolge, gelebter Glauben, durch den Menschen im Umfeld von Philipp zum Glauben kamen.

Do something

Das war und ist das Motto der “Real Life Guys” – “Mach etwas!” Auch das kommt immer und immer wieder zur Sprache im Buch und ich finde es faszinierend. In einer Gesellschaft, in der für viele Teenager und Jugendliche die größte Leistung darin zu bestehen scheint, einige Stunden einmal ohne ein technisches Gerät auszukommen, hat Philipp sein Leben gelebt – im wahrsten Sinn. Das ist auch der Grund, warum er in seinen “nur” 23 Jahren mehr erlebt, mehr gesehen und mehr bewirkt hat als viele andere das mit weit mehr Lebensjahren nicht schaffen. Philipp wusste um dieses Geschenk, die Liebe und die Einzigartigkeit des Lebens.

“Do something” scheint auch die stetige Sub-Botschaft zu sein, die Philipp anderen Menschen, seinen Freunden und Bekannten genauso wie den “weiter Entfernten” (also denen, die ihn auf YouTube sahen) mitgab. Ich will hier nicht spoilern, aber das Buch strotzt gerade davor, dass Menschen aus Philipps Umfeld nicht nur “theoretisch ihr Leben änderten”, sondern ganz praktisch Dinge taten, die sie vorher niemals für möglich hielten. Besonders eindrücklich (weil ich sie so gut verstehen kann) ist mir hängengeblieben, was Michal Schacht erzählte. Ich sage nur: superfromme Lieder, ein Park in einer Uni-Stadt, Menschen – und los geht’s. Was dann (mit ihr) passierte? Das musst du schon selbst lesen!

Was bleibt? Mut, Hoffnung, Glaube

…denn so steht es auch im Untertitel: “Geschichten und Begegnungen voller Mut, Hoffnung und Glaube”.

Kennst du das? Dir fällt ein Buch in die Hand, der Titel und Untertitel, der Klappentext und die Autoreninfo – alles spricht dich so dermaßen an, dass du voller Enthusiasmus beginnst, das Buch zu lesen. Nach den ersten Seiten aber merkst du: So richtig Fahrt nimmt das nicht auf und einige Versuche später legst du das Buch enttäuscht zur Seite und wirst es nicht zu Ende lesen.

“Unsere Real Life Stories” ist genau das Gegenteil. Dieses Buch wirst du in die Hand nehmen, lesen, nicht mehr weglegen können, weiterlesen und es nach der letzten Seite zuschlagen, voller Dankbarkeit, Ermutigung und Stärkung aufs Sofa dich zurückfallen lassen, die Hoffnung wahrnehmen und einen Moment in dir zirkulieren lassen, die durch die vielen Geschichten immer stärker wurde. Versprochen! Ich habe selten ein Buch in der Hand gehabt, das zwar über eine Person geschrieben wurde (in diesem Fall Philipp) du am Ende aber merkst, dass es um zwei ganz andere Personen geht: um dich und um Jesus.

“Unsere Real Life Stories” ist ein Buch voller Kraft und hat das Potenzial, dein Leben zu verändern. Es erzählt von so vielen Menschen, die verändert wurden, weil Philipp Mickenbecker ein Botschafter der Liebe Gottes war. Zwischen den beiden Buchdeckeln finden sich nicht einfach nur Buchstaben, Worte und Sätze, sondern Seite für Seite die geballte Kraft der Liebe und Gnade Gottes. In diesem Ausmaß, in dieser Intensität, in dieser Authentizität habe ich das noch selten erlebt. Absolute Leseempfehlung!

Aber Vorsicht: es könnte dich zum “Real Life” führen!

Janet Müller (Hg.): Unsere Real Life Stories
208 Seiten
ISBN: 978-3-863-34347-7
Verlag: Adeo Verlag
Preis: 20,00 EUR

Sabbat: Balsam für die Seele

Fühlst du dich manchmal ausgelaugt und kraftlos? Gleicht deine Seele manchmal einer Tetrapackung, die zusammengefaltet in den Müll gestopft wurde? Ist dir manchmal einfach alles “zu viel”, aber du überhörst die Warnsignale deines Körpers?

Dann habe ich da etwas für dich. (Wie das klingt. Sind wir hier bei einer Verkaufsveranstaltung?)

Es nennt sich “Sabbat” und ist ein gutes Heilmittel gegen

  • Stress
  • Überforderung
  • Unruhe
  • Getriebensein
  • Frust
  • Hektik
  • Ausgelaugtsein
  • Nichtmehrkönnen
  • Nichtmehrwollen
  • Fokusverlust
  • laschen Glauben
  • Glaubenszweifel

Und Achtung: Das gilt für dich – vollkommen unabhängig davon, wie dein Job & Alltag aussieht. Du kannst “einfach irgendwo arbeiten” und in deinem Job nicht viel Sinn sehen (dann müssten wir aber noch mal anderweitig reden, denn das geht gar nicht) oder eine Leitungsposition innehaben. Du kannst in Ausbildung oder schon in Rente sein. Das alles spielt keine Rolle. Der Sabbat ist Gottes Idee – für dich!

Interesse?

Ich muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass aus dieser Liste mindestens drei Punkte auf dich zutreffen – wenn nicht sogar noch mehr. Gott wusste das alles schon längst, ihn überrascht das wenig – und er hat uns sogar ein Heilmittel an die Hand gegeben. Balsam für die Seele. Kraft für ausgelaugte Körper. Regeneration für unsere Psyche.

Und solltest du daran kein Interesse haben, sage ich dir: Das solltest du aber! Ganz einfach.

Denn der Sabbat war Gottes Idee nicht nur eines freien Tages in der Woche, an dem man ohne schlechtes Gewissen (als ob man das sonst haben müsste) die Füße hochlegen und alle Viere von sich strecken kann. Das kann alles mit dazugehören, aber der Sabbat ist mehr.

Der Sabbat: Göttliche Anti-Stress-Pille

Mit Pillen ist das ja so ‘ne Sache: Der Doc verschreibt sie dir und du kannst sie nehmen – oder auch nicht. Es ist deine Entscheidung. Mit dem Sabbat, dem freien Tag, ist das genauso: Gott verschreibt ihn dir – ob du ihn aber nimmst oder nicht, ist deine Entscheidung.

Sechs Tage in der Woche sollst du arbeiten und deinen alltäglichen Pflichten nachkommen, der siebte Tag aber ist ein Ruhetag für den Herrn, deinen Gott. […] Denn in sechs Tagen hat der Herr den Himmel, die Erde, das Meer und alles, was darin und darauf ist, erschaffen; aber am siebten Tag hat er geruht. Deshalb hat der Herr den Sabbat gesegnet und für heilig erklärt.Die Bibel - 2. Mose 20,9-11

Gott wollte nicht einfach nur, dass wir einen Tag “nichts machen”, sondern vielmehr besteht dieser Tag aus etwas, das unter der Woche viel zu kurz kommt.

Es sind vier Dimensionen, die den Sabbat ausmachen:

  • Aufhören
  • Ausruhen
  • Anbeten
  • Freuen

Wenn du diesen einen Tag in der Woche als Sabbat feierst und dir dieser vier Dimensionen bewusst bist, hast du schon jetzt gewonnen. Versprochen! Denn nicht der Mensch ist Krone der Schöpfung, sondern der Sabbat, der Ruhetag.

Warum ist der Sabbat so wichtig?

Diese Frage beantworte ich dir zweifach.

Zum einen – wen du dich als Christ bezeichnest – stellen wir uns immer wider mal die Frage “Was will Gott eigentlich von mir?” Und dann suchen wir Antworten – und finden sie manchmal.

Aber: Einen “sabbatlichen Lebensstil”, sprich eine Lebensführung mit einem freien Tag (Sabbat) in der Woche, ist die ursprünglichste Form, um einen “göttlichen Lebensstil” zu pflegen. Denn dieser kommt schon ganz zu Beginn der Schöpfung, der biblischen Erzählungen, der Geschichte Gottes mit den Menschen vor.

Ein “sabbatlicher Lebensstil” ist keine Frage der Zeit oder der Umstände, sondern Ausdruck geistlichen Lebens und Reife!

Das mag ein bisschen hart klingen – aber lass es dir mal ein wenig im Herzen sich bewegen und zergehen. Ich glaube, dass viel Wahres darin steckt. Denn es geht gar nicht um die Frage “Was bringt’s mir?” sondern vielmehr sollten wir uns fragen: Wie gestalte ich mein Leben so, dass es Gott ehrt?

Zum zweiten ist es die einzige Möglichkeit, in unserer so getriebenen, vollen, stressigen und hektischen Zeit uns immer und immer wieder auf die Mitte und das Zentrum unseres Lebens – Jesus Christus – zu besinnen. Wie schnell geht das doch im Alltag unter.

Ich liebe folgende Worte von Jesus sehr. Sie drücken für mich aus, was geschieht, wenn wir unseren Fokus auf Jesus richten – gerade dann, wenn wir unruhig und getrieben, ruhelos und gestresst sind. Leider gelingt das im Alltag wenig (sonst wären wir ja nicht so getrieben und gestresst), aber an einem Sabbat, einem freien Tag, ist das möglich:

Kommt alle her zu mir, die ihr müde seid und schwere Lasten tragt, ich will euch Ruhe schenken. Nehmt mein Joch auf euch. Ich will euch lehren, denn ich bin demütig und freundlich, und eure Seele wird bei mir zur Ruhe kommen. Denn mein Joch passt euch genau, und die Last, die ich euch auflege, ist leicht.Die Bibel - Matthäus 11,28-30

Für mich ist der Montag der Sabbat, weil Sonntag für mich ein Arbeitstag ist. Das mag bei dir auch so sein – oder nicht. Das spielt nicht die entscheidende Rolle. Wichtig ist, dass du dir einen Sabbat, einen freien Tag in der Woche nimmst, um dem nachzugehen, was Gott für dich bereithält.

Denn im Sabbat wirst du nicht nur zur Ruhe kommen, sondern aufblühen. Ich wünsche mir das und ich wünsche es dir: dass unser Leben aufblüht und nicht verwelkt (das tut es ohnehin schon; spätestens wenn du 40 bist), dass wir aus der Mitte unseres Glaubens leben und nicht aus einem hektischen Getriebensein, dass unser Fokus auf die Nachfolge Jesu gerichtet ist und wir uns nicht ablenken lassen von allen möglichen anderen Dingen, von denen es so viel gibt!

In der Sabbatruhe findest du Dinge, die du sonst nirgends findest. Es ist wie eine Schatzsuche und Urlaub zugleich, es ist wie das Baumelnlassen der Seele und Neuausrichtung deines Denkens und Glaubens zugleich.

Ein fester Tag in der Woche – gefüllt mit den vier Dimensionen aufhören, ausruhen, anbeten und freuen wird dich nicht einfach nur weniger Stress haben lassen. Es ist die Grundvoraussetzung für den Weg, den Gott für dich bereitet hat.

Konkrete Fragen

Ich gebe dir ein paar Fragen mit auf den Weg, anhand derer es dir hilft, deinen Sabbat zu gestalten, zu verändern oder überhaupt erst einmal damit zu beginnen.

  • Welcher Tag eignet sich und ist realistisch?
  • Mit welchen alltäglichen Dingen höre ich bewusst und nicht nur zufällig auf?
  • Wie sorge ich dafür, dass ich mich an diesem Tag ausruhen kann?
  • Auf welche Weise bete ich Gott an diesem Tag an? Wie kann er an diesem Sabbat mittendrin dabei sein?
  • Welche Freude gönne ich mir bewusst?
  • Was macht mir ein schlechtes Gewissen, diesen Ruhetag zu halten – wie kann ich dem entgegenwirken?
  • Was würde geschehen, wenn ich den Sabbat nicht halte?

Ich gebe dir am Ende ein jüdisches Sprichwort mit, das mich im Blick auf den Sabbat sehr bewegt und inspiriert hat. Ich glaube, dass es auch heute noch gilt – nicht nur für Israel, sondern für jeden, der den Sabbat hält, indem er aufhört, ausruht, Gott anbetet und sich freut.

MEHR ALS ISRAEL DEN SABBAT GEHALTEN HAT, HAT DER SABBAT ISRAEL GEHALTEN.

In unserer Gemeinde haben wir zu diesem Thema gerade eine Predigtreihe: “Zweckfrei leben” heißt sie. Wenn du Lust hast, schau mal rein – da gibt’s dann natürlich noch viel tiefergehende Antworten, für die hier nicht Zeit und Platz ist.


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Ukraine-Hilfe konkret

Stell dir vor, du musst vor dem Krieg fliehen – schlimm genug!

Stell dir vor, deine Familie wird auf Grund von Bürokratie auseinandergerissen.

Stell dir vor, dein jüngstes Kind ist gerade einmal zwei Monate alt

Das alles hat Familie Grechkosey erlebt. Eine Familie mit 9 Kindern, die aus der Ukraine floh, nach Deutschland (zu uns nach Stühlingen in unser Gemeindehaus) kam und eigentlich nur für ein paar Tage bleiben wollte, weil sie weiter fliegen wollten in die USA zu ihrer Schwester/Schwägerin/Tante. 

Für die drei ältesten Kinder bekam die Familie Flugtickets und diese konnten “einfach so” in die USA fliegen. Der Rest der Familie sollte kurz darauf folgen, sobald Tickets verfügbar waren. 

Dann geschah das Unglaubliche

Die USA änderten quasi “über Nacht” die Einreisebestimmungen – und der Rest der Familie ist nun seit der Woche nach Ostern (also Mitte April) hier bei uns “gestrandet”.

Es werden Dokumente über Dokumente benötigt für das Programm “Uniting for Ukraine”, durch das die USA Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine die Einreise genehmigt.  Die Familie aber ist nach wie vor getrennt – und verlor zudem 2.600 EUR, weil gebuchte Tickets nur teilweise zurück erstattet wurden. 

Weitere ca. 4.500 EUR sind nun nötig, damit die Familie in den nächsten Tagen (wir hoffen, noch im Mai) in die USA fliegen kann – denn die Unterlagen für das Programm “Uniting for Ukraine” sind endlich da (Stand: 11. Mai 2022). 

Hilfst du mit, die Tickets zu finanzieren, damit die Familie wieder vereint ist, die Kinder ihre Eltern, die Eltern ihre Kinder und die Geschwister ihre Geschwister in den Arm nehmen und sie gemeinsam ein neues Leben aufbauen können? 

Wir (meine Frau Damaris und ich) werden das Geld zur Finanzierung der Flugtickets, die jetzt gebucht werden müssen, verwenden. Vielen, vielen Dank für Deine Unterstützung!

Ich habe dazu auf “gofundme” eine Kampagne gestartet, die schon nach wenigen Tagen die Hälfte der benötigten 4.000 EURO eingebracht hat.

Segen ist keine Einbahnstraße

Wenn du meinem Blog folgst, hast du schon den ein oder anderen Beitrag gelesen, in dem es um unsere Hilfe für Menschen, die aus der Ukraine fliehen mussten, geht. Zum Beispiel der Artikel “Krieg. Flucht. Schicksale – und meine Gedanken“.

Heute schreibe ich bewusst “Segen ist keine Einbahnstraße”. Es ist ein geistliches Prinzip, eine ewig gültige biblische Wahrheit, dass wir Segen empfangen, wo wir selbst zum Segen für andere werden. Immer wieder erleben wir das bei dieser so herausfordernden und zugleich so wertvollen “Arbeit” – wobei es keine “Arbeit” ist. Es ist ein Dienst der Nächstenliebe und wie ich im oben erwähnten Artikel schreibe: Die Menschen sind uns ans Herz gewachsen.

Immer wieder sagen sie uns: “Wir beten für euch und eure Familie – und für euer ganzes Land!” Ich glaube, dass Gebet wirksam ist und dass Gebet Veränderung schenkt. Also empfange ich Segen, weil andere für mich, meine Familie und mein Land beten.

Egal, ob du bei der Spendenkampagne mitmachst oder ob du anderweitig – vielleicht sogar bei dir vor Ort – hilfst. Sei dir sicher: Du wirst Segen empfangen! Natürlich sollte das nicht deine Motivation sein. Vielmehr geht es darum, dass wir gerade als Christen nicht nur dafür bekannt sind, dass wir “fromm daherreden”, sondern dass wir ganz tatkräftig mit anpacken und Menschen in Not helfen – dazu muss es nicht erst einen Krieg geben, aber leider tickt der Mensch so, dass er markante Ereignisse braucht, um selbst aktiv zu werden.

Heute ermutige ich dich, für die Menschen dich einzusetzen und denen zu dienen, die alles verloren haben, die ihre Heimat zurücklassen mussten, die vielleicht sogar Menschen verloren haben.

Es gibt so viele Möglichkeiten, dass du zum Segen für andere wirst und dadurch selbst Segen empfängst.

Worauf wartest du?


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Krieg. Flucht. Schicksale – und meine Gedanken

Die letzten zwei Monate haben diese Welt verändert. Auch mich. Gedanken – unsortiert, aber reflektiert. Sortiert, aber nicht priorisiert. Pointiert, aber nicht rechthaberisch. Bei allem weiß ich: Das ist meine subjektive Sicht. Ich kann mich irren. Ich bin fehlbar. Der andere kann Recht haben, ich falsch liegen. Das ist ein Blogbeitrag, keine wissenschaftliche Abhandlung.

Menschen sind mir ans Herz gewachsen

Und doch das Wichtigste vorab: Ich habe Mitleid, ich habe geweint, ich fühl(t)e mich wütend, ohnmächtig, klein. Ich habe Familien kennengelernt, die aus der Ukraine fliehen mussten. Vom Baby bis zur betagten Frau. Eltern, Kinder, Großeltern, Enkel. Sie haben mir ihre Geschichte erzählt, Bilder und Videos von ihrer Heimat gezeigt, von den ersten Nächten im Keller und Bunker. Alles haben sie verloren, ihr Leben hat sich innerhalb weniger Tage komplett verändert. Ihre Träume, ihre Hoffnungen, ihre Zukunftspläne – von jetzt auf nachher anders, verloren, zerstört.

In den letzten sieben Wochen haben wir als Familie und mit ein paar lieben Menschen, die uns unterstützen, im Gemeindehaus “auf der anderen Seite unseres Gartens” Familien aufgenommen, die vom Krieg fliehen mussten. Ich habe nach einiger Zeit zu meiner Frau gesagt: “Endlich weiß ich, wie sich das anfühlt, wenn man etwas Sinnvolles macht.”

Zu den Menschen, die aus den Kriegsgebieten fliehen mussten und dadurch hier zu uns ins Wutachtal kamen, besteht eine ganz besondere Verbindung. Sie sind mir ans Herz gewachsen. Wirklich.

Apropos “meine Frau”: Ihre Hingabe, ihre Hilfsbereitschaft, ihr großes Herz und ihre vielen, vielen Extrameilen, die sie gegangen ist, sind einfach der Wahnsinn!

Gott bleibt gut

Wenn ich das auch angesichts den Krieges nicht mehr glauben könnte, würde ich verzweifeln. Ich habe auf so viele Schreckensmeldungen und Kriegsverbrechen, auf das barbarische Töten und die Sinnlosigkeit des Krieges einfach keine Antwort. Eines weiß ich aber: Würde ich meinen Glauben über Bord werfen oder wenigstens mein Gottesbild von einem liebenden Vater, würde ich restlos verzweifeln. So bleibt mir nichts anderes, als immer und immer wieder zu beten und zu schreien: “Herr, erbarme dich!”

Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig

Dieser bekannte Vers aus der Bibel (2. Korinther 12,9) wurde und muss weiterhin zur Wahrheit im Leben von mir und meiner Familie werden, denn ich merke: Helfen kostet Kraft. Die letzten Wochen waren und sind herausfordernd, turbulent, alles andere als “planbar”, viel Unruhe, wenig Ruhe. Es kostet Kraft, sich für andere einzusetzen. Wir tun es von Herzen voller Liebe und Hingabe, weil es die Menschen uns wert sind. Gleichzeitig absorbiert dieser Einsatz Kräfte, denn es mangelt nicht nur an Ruhe, sondern auch emotional bewegen uns diese Schicksale. Gleichzeitig kommt das alles natürlich zu unseren Berufen “on top”.

Es gibt keinen “gerechten Krieg”

Natürlich gibt es seit Jahren auf der ganzen Welt Krieg. Allerdings sind die Kriege immer “weit weg” gewesen – gefühlt. Jetzt ist der Krieg viel näher, als man zu denken gewagt hat. Wenn ich die zerstörten Städte sehe, die unzähligen Opfer wahrnehme und “was das mit der Welt macht”, wird mir wieder deutlich: Es gibt keinen gerechten Krieg. Natürlich bleibt es legitim, dass ein überfallenes Land sich verteidigt und dieses Land unterstützt werden muss von denen, die für eine freie Welt einstehen. Gleichzeitig kann aber Waffengewalt niemals die erste Lösung sein, aber vielleicht die letzte, um noch größeres Leid abzuwehren.

“Darf ich noch…”

…für etwas anderes spenden? Freude im Alltag verspüren? In Urlaube gehen? Feiern?

Immer wieder begegnen mir solche Fragen oder Unsicherheiten im Alltag, im Gespräch mit anderen Menschen. Meine Antwort ist klar: Ja! Unbedingt! Der Krieg in der Ukraine ist schrecklich – dennoch darf ich mich an dem Schönen freuen, das mir begegnet. Dennoch darfst du in den Urlaub gehen, deinen Geburtstag feiern. Und gleichzeitig dürfen Kirchen, NGOs und Vereine Spenden sammeln für ihre Zwecke. Es besteht die Gefahr, dass nun alles auf die Ukraine und den Krieg fixiert ist. Nein, das muss es nicht. Das wäre nicht gut. Wir müssen unser Leben hier weiterleben und für die Dinge einstehen, die uns wichtig sind.

Gleichzeitig geschieht aber auch eine Neuordnung der Prioritäten. Dinge verlieren an Wert, andere Dinge gewinnen an Wert im Angesicht des Krieges. Das ist nicht nur legitim, sondern wünschenswert – und gleichzeitig bedauernswert, dass der Mensch wohl so gestrickt ist, dass erst “etwas passieren muss”, ehe man sich über das wirklich Wichtige Gedanken macht. Ich schließe mich hier nicht aus.

Enttäuschungen

Und das führt mich leider auch zu zwei Enttäuschungen, die ich in den letzten Wochen und zugespitzt in den letzten Tagen erlebe – und betone an dieser Stelle ausdrücklich nochmals die Subjektivität und dass ich von meiner Wahrnehmung schreibe und keinen Anspruch geltend mache, dass dies allgemein so wäre.

Die eine Enttäuschung ist die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Der so genannte “Friedensbeauftragte” der EKD, Bischof Friedrich Kramer. In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung steht folgendes:

Was also tun angesichts der Kriegshandlungen und Verbrechen eines Diktators? Kramers Antwort: “Manchmal können wir alle nur hilflose Zuschauer sein. Und das ist vielleicht gut so.”sueddeutsche.de

Für mich ist das untragbar und ungeheuerlich zynisch im Blick auf die Opfer des Krieges.

Meine zweite Enttäuschung “ploppt” immer wieder dann auf, wenn ich merke: Sachspenden sind Menschen sehr wohl im Stande zu bringen – wenn es aber um persönlichen Einsatz geht, sind es nur wenige, die “mit anpacken”, die sich einbringen, die investieren, die einen Unterschied machen.

Im Deutschlandfunk hörte ich diesbezüglich ein erhellendes Interview mit einer Vertreterin einer NGO (nein, leider weiß ich nicht mehr, wer das war und kann schon gar nicht die Quelle verlinken, tut mir leid). Darin kam zur Sprache, dass es ganz “normal sei”, dass in Katastrophensituationen zu Beginn die Spendenbereitschaft enorm groß ist und nach und nach weniger wird. Das nehme ich auch wahr – wobei ich (passt zwar nicht zur Überschrift “Enttäuschung”, aber egal) nach wie vor dankbar und begeistert darüber bin, was Menschen spenden und gespendet haben! Das ist großartig. Die Hilfsbereitschaft ist so enorm!

Und doch. Wenn’s dann darum geht, die “harte Arbeit” zu leisten sieht es dünn aus. Natürlich ist mir das auch klar: Etwas spenden ist viel einfacher, als Zeit zu investieren: in die Unterkunft gehen, Fragen klären, Bürokratie erledigen, konkrete Dinge besorgen, die Schulanmeldung regeln, Computerprobleme lösen (und erst mal herausfinden, wo man die Systemsprache “Russisch” wieder auf “Deutsch” umstellen kann, wenn alles auf Russisch geschrieben ist) oder einfach mal ein offenes Ohr haben.

Vielleicht liegt es auch an Berührungsängsten und Sprachbarrieren – das mag sein.

Trotz allem: Es wird gelacht!

Und das ist so schön! Das Leid und die Not – unsagbar groß! Und doch wird auch das Schöne gesehen und was haben wir schon gelacht in unserer “Notunterkunft” im Gemeindehaus. Meistens dann, wenn wir versuchen, uns mit Händen und Füßen zu verständigen oder die Übersetzungs-App auf dem Smartphone Dinge zu Tage gebracht hat, die uns Tränen in die Augen trieben – vor Lachen!

Oder wie würdest du reagieren, wenn du eingeladen wirst zum Essen, und sich dank misslungener Übersetzung herausstellt es gibt “Erde” und “Katzen”? Was haben wir gelacht! Und das ist so schön. So wichtig. So gesund.

Wer nicht fragt, der nicht gewinnt!

Ich weiß. Das Ding heißt anders: “Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!” Ich habe in den letzten Wochen aber festgestellt: Wer nicht fragt, gewinnt nicht! Was haben sich Türen geöffnet und Wege bereitet, nur weil ich gefragt habe. Unglaublich! Ich gebe zu: das war ein Lernprozess für mich. Ich bin nicht der Typ, der die Leute großartig fragt, weil ich nicht “unhöflich” erscheinen oder die Menschen “belästigen” will. Nun – hier habe ich dazugelernt. Ich habe gefragt, wer Chauffeuer-Dienste übernehmen kann, unzählige Male nach konkreten Spenden gefragt oder nach Mitarbeit bspw. im Übersetzungsdienst unseres Gottesdienstes. Und so oft (wirklich!) habe ich erlebt: Wer nicht fragt, der nicht gewinnt – wer fragt, gewinnt!

Noch ein langer Weg

Die vielen, vielen Menschen, die nun bei uns in Deutschland bleiben wollen, müssen in unseren Alltag, in unsere Gesellschaft integriert werden. Dabei nehme ich so unglaublich viel Bereitschaft und Dankbarkeit seitens der aus der Ukraine geflohenen Menschen wahr, dass ich das merkelsche “Wir schaffen das!” hier unterstreichen würde. Gleichzeitig wird dieser Weg nicht einfach und nicht kurz. Alleine wenn ich an die deutsche Bürokratie denke und das Prozedere, bis die aus der Ukraine Geflüchteten angemeldet waren und ihre ersten Leistungen bekommen haben – da habe ich mal wieder des öfteren den Kopf über die “german Verwaltung” geschüttelt und einmal mehr das gemerkt, was mich zum nächsten Punkt bringt.

Was habe ich doch für ein falsches Bild gehabt!

Und zwar von der Ukraine bzw. den Menschen, die dort leben. Ich gebe es ganz offen und ehrlich zu: Für mich war dieses Land bis vor zwei Monaten nicht wirklich “präsent” in meinem Alltag. Ich erinnere mich nur immer wieder an das erste Spiel, das ich damals bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland vollständig im TV sah (weil ich bei den anderen Spielen noch auf mein erstes Examen lernen musste) – Schweiz gegen Ukraine. 0:0 – Verlängerung – Elfmeterschießen. Und selbst dort fielen kaum Tore.

Zurück zum Thema. Die Ukraine gehörte für mich zu den “Ost-Staaten”, die ich irgendwie unter dem Kommunismus gebeutelt sah und wenig von ihrer Tradition, Kultur und ihren Werten wahrnahm. Mein Bild hat sich komplett verändert! Auch und gerade durch die Menschen, die ich in den letzten Wochen kennenlernen durfte.

Ich sah Bilder und Videos von ihrem Land vor dem Krieg, großartige Shopping Malls, wunderschöne Häuser und Wohnungen und ein Lifestyle, der sich von unserem gar nicht groß unterscheidet. Doch. In einem schon: die Digitalisierung ist in der Ukraine wesentlich weiter vorangeschritten als bei uns in Deutschland.

Marathon statt Sprint

So würde ich die Hilfe und das Gebet für die Ukraine beschreiben wollen. Wir können nicht davon ausgehen, dass das alles “bald beendet” ist. Was denn auch? Der Krieg? Die Zerstörung? Die Flucht? Die Schicksale? Nein – das wird dauern. Ein langer Atem ist gefragt. Ich bin bereit, diesen Weg zu gehen – das sage ich jetzt. Was ist in einem halben Jahr, in einem Jahr, in drei Jahren? “Weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl” textete Hedwig von Redern im gleichnamigen Kirchenlied. Darauf vertraue ich. Gott weiß den Weg – ich nicht. Ich muss ihn nicht wissen. Vertrauen reicht.


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Die Kunst des Leitens XIII: Kein Ross ohne Reiter

“Ich habe von jemandem gehört, dass er mit den Inhalten der Predigten unzufrieden ist.”

“Mir haben zwei Personen gesagt, dass sie die neue Gottesdienstzeit echt doof finden.”

“Es rumort so ein bisschen in der Gemeinde, wir sollten da mal was ansprechen.”

“Zwei Personen aus dem Seniorenkreis, die aber nicht genannt werden wollen, würden gerne wieder mehr Choräle im Gottesdienst singen wollen.”

Kennst du solche Aussagen? “Man”, “einige”, “viele” – die “anonymen Motzer” einer Kirchengemeinde. Dir als Leiter wird ein Sachverhalt weitererzählt, der diese “mans”, “einige” und “viele” nicht zufrieden stellt – und dein Herz fängt an zu pochen, deine Hände schwitzen und du fragst dich: “Wie um alles in der Welt kann ich sie wieder gut stimmen?”

Antwort: Gar nicht! Zumindest nicht, solange zum Ross nicht auch der Reiter genannt wird.

Auf meiner ersten Stelle ist mir das anfangs sehr oft begegnet – und dann gab mir ein befreundeter Pfarrer, der schon viele Jahre Erfahrung hatte, einen goldenen Tipp, den ich seither – sorry – gnadenlos beherzige:

“Kein Ross ohne Reiter!”

Was heißt das? Ich erkläre es dir an meiner Standard-Reaktion auf die oben genannten Aussagen: “Bitte sag mir konkret, wer diese Personen sind oder lass es – aber dann interessiert es mich auch nicht!”

“Kein Ross ohne Reiter” bedeutet, dass ich gerne die verantwortlichen Personen wüsste, die etwas zu bemängeln, kritisieren oder zu verbessern habe. Und wenn mein Gegenüber es einfach nicht über’s Herz bringt, mir diese zu nennen, ist es mir auch egal, was er mir eigentlich sagen will. Ja – inzwischen ist es das wirklich. Ich gebe zu, das braucht Übung – keine Frage. Aber ich verrate dir noch etwas: Mein Alltag als Pfarrer und Leiter ist voll genug mit ganz konkreten und handfesten Aufgaben und Herausforderungen, mit Wunderschönem und manchmal nicht so Schönem, dass ich nicht mal im Traum (mehr) daran denke, mich mit solchen anonymen Dingen zu befassen.

Hart? Nein! Fair! Und ich will dir auch sagen, weshalb ich so reagiere – im wesentlichen sind es zwei Gründe, die für Leiterschaft grundlegend wichtig sind.

Dialog geht nur mit einer konkreten Person

Sollte es in einem bestimmten Bereich wirklich Probleme geben oder die Kritik auch nur im Ansatz stimmen – wie willst du einem “anonymen Motzer” helfen? Geht nicht! Du kannst nur konkreten Personen helfen und du kannst nur mit konkreten Personen ins Gespräch kommen. Und zwar vollkommen unabhängig davon, ob das Anliegen nun berechtigt ist oder nicht.

Deswegen ist es so wichtig, zu jedem Ross (“Missstand”) den Reiter (“konkrete Person”) zu kennen. Dann kannst du gut und gerne immer noch selbst entscheiden, ob du darauf eingehen möchtest. Aber du hast einen entscheidenden Vorteil, wenn du die “Kein Ross ohne Reiter”-Maxime beherzigst: Du kannst reden, du kannst in den Dialog treten.

Bist du Leiter oder Eisverkäufer?

Es gibt ja diesen Spruch: “Wenn du bei allen beliebt sein willst, werde Eisverkäufer!” Denn als Leiter bist du definitiv nicht bei allen beliebt. Diese “anonymen Aussagen” kratzen aber genau an dieser Sehnsucht, es allen recht machen zu wollen und zumindest so ein bisschen everybody’s darling zu sein. Das geht aber nicht – schmink es dir einfach ab!

Das Problem aber ist: Deine Gedanken werden sich um diese “anonymen Motzer” drehen und sie werden sich bis in dein Herz hineinfressen und im dümmsten Fall greifen sie deine Identität als Leiter an. Nicht schön! Deswegen musst du dir einen gesunden Umgang mit diesen “anonymen Motzern” überlegen – und der kann nur sein: Raus aus der Anonymität! Oder wie ich in einem anderen Beitrag schon betonte: Fakten sind deine Freunde!

In diesem Fall sind sie es im Blick auf deine eigene Psychohygiene – und das ist wichtig, damit dein Herz weich bleibt für die wirklichen Herausforderungen und Aufgaben und vor allem für die Menschen, mit denen du tagtäglich als Leiter zu tun hast.

Kurz und knackig war das heute. Aber entweder kennst du diese Situationen schon zu Genüge, wenn du Leiter bist und ein paar Jahre Erfahrung auf dem Buckel hast – oder du bist noch in den Startlöchern, dann wirst du feststellen, dass diese Situationen unvermeidbar sind.

Und dann denke immer daran: Kein Ross ohne Reiter!


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Woran merke ich, dass Gott mich liebt?

Das Buch ist eigentlich für Kinder geschrieben. Eigentlich! Ich habe es in die Hand genommen, angefangen – und kaum aufhören können. Aber ich muss ja die Rezension hier schreiben.

Einfach genial! “Woran merke ich, dass Gott mich liebt?” ist ein Buch voller Fragen, die Kinder (im Alter von ca. 10-12 Jahren) stellen und auf die Harry Voß antwortet. Vielen ist Harry Voß als Erfinder und Autor der Kinderbuchfigur “Der Schlunz” bekannt. Er ist Leiter für den Bereich “Arbeit mit Kindern” beim Bibellesebund Deutschland. Dort schreibt er über sich und seine Arbeit Folgendes:

Dabei ist es mir wichtig, Bilder und Vergleiche zu benutzen und eine Sprache zu sprechen, die Kinder verstehen und nachvollziehen können. Floskeln und Worthülsen haben mich schon immer genervt.Harry Voß

Und genau das trifft auf “Woran merke ich, dass Gott mich liebt?” zu.

Im Prinzip ist das Buch ganz einfach aufgebaut: Eine Frage steht im Raum – Harry Voß antwortet. Die Antworten sind unterschiedlicher Länge, zwischen ein bis drei Seiten.

Aus mehr besteht das Buch nicht? Nein! Aber jetzt schauen wir mal genau hin.

Fragen über Fragen

Die Fragen alleine schon haben es total in sich. Jeder, der eigene Kinder hat, in der Gemeinde Angebote mit Kindern leitet oder im Reli-Unterricht tätig ist, der wird diese Fragen kennen. Aber nicht nur das – er wird auch die Momente des Scheiterns kennen, in denen man erfolglos versucht hat, den Kindern Antworten zu geben auf Fragen wie

“Wie kann ich wissen, dass ich den Heiligen Geist habe?”

“Kommen Tiere in den Himmel?”

“Mir fällt es leichter, an die Wissenschaft zu glauben, als an Gott oder die Schöpfungsgeschichte der Bibel. Die Wissenschaft forscht und macht Experimente. Das erscheint mir logisch. Die Bibel wirkt auf mich wie ein uralter Zeitungsbericht, in dem die Vorstellungen aus der damaligen Zeit notiert wurden. Wie siehst du das?”

“Meine Oma war so krank, dass sie letzten Freitag verstorben ist. Wo ist Gott bloß gewesen, als Oma krank wurde und starb? Er ist doch allmächtig. Warum hat er nur zugeguckt und nichts gemacht, obwohl es für ihn ein Leichtes gewesen wäre? Wir haben auch gebetet, aber es hat nicht geholfen. Ich komme im Moment ganz schlecht mit meiner Trauer klar.”

“Warum glauben alle, dass es Gott gibt? Wir haben ihn doch noch nie gesehen.”

Tja, was antwortet man auf solche Fragen? Gleichzeitig sind es genau diese Fragen (und alle anderen Fragen im Buch auch), die Kids bewegen und stellen. Ich spreche aus Erfahrung.

Authentische Antworten ohne Floskeln

Haben es die Fragen schon in sich, so war ich von Harry Voß’ Antworten noch begeisterter und wirklich bewegt. Wie schafft man es nur, so ehrlich, so wertschätzend, so menschenzugewandt, so verständnisvoll für Kinder, so liebevoll, so tiefgründig, so wunderschön zu antworten?

Wirklich – die Antworten sind großartig, weil sie ohne fromme Worthülsen und Floskeln auskommen. Und – das hätte ich fast vergessen, weil ich selbst so fasziniert bin von diesem Buch: Die Antworten sprechen eine Sprache, welche Kinder verstehen – definitiv!

In den Antworten findet sich natürlich die persönliche Meinung von Harry Voß wieder, aber sehr oft nennt oder zitiert er Bibelstellen. Und nicht zuletzt ist er ehrlich und antwortet auch mal ein “ich weiß es auch nicht”, versucht aber dennoch auf die Frage tiefer einzugehen. Das bewegt mich und sicherlich und hoffentlich auch viele Kinder, die das Buch lesen.

Gleichzeitig sollte es Standardwerk eines jeden Mitarbeiters in Kirche, Gemeinde und Reliunterricht sein, der mit Kindern zu tun hat. Denn diese Fragen kommen – und zwar ständig. Das “Blöde”: Meistens ist man als Erwachsener vollkommen unvorbereitet. “Woran merke ich, dass Gott mich liebt” kann ein wunderbarer und hilfreicher Ratgeber sein für jeden, der ehrlich ist und weiß: Ich habe nicht alle Antworten. Das behauptet Harry Voß übrigens auch nicht mit seinem Buch, aber ich finde, dass er schon eine ganze Menge an guten und profunden Antworten liefert, die andere inspirieren.

Und das Wichtigste: Es sind Antworten, durch die Kinder im Glauben wachsen, weil die Antworten durchdacht, theologisch tiefgründig und alles andere als besserwisserisch, sondern auf Augenhöhe sind.

Fazit: Rundherum ein Meisterwerk

Nicht nur der Vollständigkeit halber, sondern weil es das Lesevergnügen steigert und das Erscheinungsbild schön macht: Die Antworten sind richtig toll gestaltet: Übersichtlich, Wichtiges ist textlich abgesetzt und hin und wieder gibt’s schöne Zeichnungen.

Was soll ich sagen? “Das Gesamtpaket ist erste Sahne” würde es wohl am ehesten treffen. Auch wenn es sich wie eine unreflektierte Empfehlung anhört – es ist einfach so. Ich hatte das Buch in der Hand und fand selbst als Erwachsener Antworten und Gedanken zu Fragen, die auch mich umtreiben.

Insofern mein Tipp: Am besten gleich bestellen – direkt beim Verlag.

Harry Voß: Woran merke ich, dass Gott mich liebt?
160 Seiten
ISBN: 978-3-417-28901-5
Verlag: SCM-Verlag
Preis: 12,99 EUR


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