16 literarische Berichte vom Ostergeschehen. Das größte Wunder der Weltgeschichte aus neuen und überraschenden Perspektiven.

So steht es auf der Rückseite von “Hoffnungsmorgen”. Und es stimmt. Durch diese 16 außergewöhlichen und individuellen Kurzgeschichten wird unser Verständnis von den Geschehnissen rund um den Verrat, die Kreuzigung und die Auferstehung Jesu ungemein inspiriert.

Simon von Kyrene

Hoffnungsmorgen
Hoffnungsmorgen

Hey Wirt! Schenk nochmal ein!

Ja, ja, mach ruhig richtig voll. Randvoll. Los, nicht so schüchtern. Oder denkst du, ich kann nicht zahlen? 

Was hast du denn? Ist es, weil ich schwarz bin? Weil ich aus Kyrene komme? Weil ich anders aussehe als ihr? 

Hör mal: Ich zahle meine Steuern genau wie jeder hier. Und meine Söhne, Alexander und Rufus, die blechen auch. Und wie! Und sie gehen jeden Tag auf den Acker. Wie ich, Simon. Ja, wir sorgen darf, dass ihr…dass ihr alle was zu fressen habt. 

Vergiss es.
Pass auf! Hier! Hier ist eine Münze.
Als hör auf, mich so belämmert anzugucken, und gib mir noch was von dem Wein. 

Du, ich mag es nicht, wenn man mich so anstarrt. Was hast du denn?
Ach so…
Ist es wegen des Bluts auf meinem Gewand?
War mal…hab ich etwa auch Blut im Gesicht?
Scheiße, ich bin ja überall total verschmiert. Warum sagt mir das denn keiner? (Hoffnungsmorgen, S. 30)

So oder so ähnlich lesen sich diese kleinen Einblicke in die (jüdische) Welt, wie sie war, als Jesus gekreuzigt wurde.

Ein bunter Strauß an Kurzgeschichten

Auf ganz unterschiedliche Weise vermitteln verschiedene Autorinnen und Autoren einen Blick in die Lebenswelt der Menschen damals. Die Erzählungen des Neuen Testamentes dienen als Vorlage und werden farbenfroh und bildlich ausgeschmückt.

Zu lesen gibt es unter anderem einen Brief von Pontius Pilatus an seinen Neffen Marcus, einen Brief Marias an Elisabeth oder auch Tagebuch-Einträge des Jüngers Thomas.

Petrus schildert in der Retrospektive, wie er die Nacht des Verrats und seiner unrühmlichen Rolle erlebt hat, Kleopas (einer der beiden Emmaus-Jünger) schreibt einen Brief an Thomas.

So unterschiedlich die Autoren sind, so unterschiedliche sind diese Kurzgeschichten in “Hoffnungsmorgen”. Fabian Vogt, Christina Brudercke, Christoph Zehendner, Albrecht Galle und andere schaffen es, die Geschehnisse, die uns im Neuen Testament recht sachlich berichtet werden, vor Augen zu malen. Dadurch beginnen Orte und Menschen zu leben. Und irgendwie wird der Leser mit hineingenommen in diese erste Karwoche.

Gelungene Interpretationen

Für mich als Theologen ist es natürlich besonders spannend zu lesen, wo die Autorinnen und Autoren die ein oder andere theologische Aussage “versteckt” haben. Oder auf Grund der jüdischen Geschichte dem Leser die ein oder andere Auslegung der damaligen Zusammenhänge präsentiert. Sehr spannend, sehr gelungen.

Natürlich variiert die Qualität der Kurzgeschichten ein wenig und manchmal braucht’s eine wenig, um vom einen Schreibstil des einen Autors in den des anderen hineinzukommen. Auf der anderen Seite macht genau das dieses Buch auch so ansprechend – die Vielfalt.

“Hoffnungsmorgen” kann ich jedem empfehlen, der das Ostergeschehen sich noch besser vorstellen möchte – bspw. was es für die Menschen damals, die Jünger von Jesus oder auch Pontius Pilatus bedeutet haben könnte.

Empfehlen kann ich dieses Buch aber auch jedem, der noch auf der Suche ist nach Inspiration für die Passions- und Osterzeit, für Gottesdienste und Andachten, da sich einige Texte sicherlich auch wunderbar eignen, um die Gemeinde zu inspirieren und auf eine kleine “Zeitreise” mitzunehmen.


Fabian Vogt (Hrsg.): Hoffnungsmorgen (Brendow-Verlag)
ISBN: 978-3-86506-935-1 // 128 Seiten
Preis: 12,00 EUR


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