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2024: Antisemitismus in Deutschland

Ich habe lange überlegt, wie ich den Artikel zum Jahresrückblick gestalten soll. Was waren Höhen, was waren Tiefen? Auf was lohnt es sich, am Ende des Jahres nochmals aufmerksam zu machen? Was sollen meine Leser unbedingt noch einmal sich zu Gemüte führen?

Ich habe mich dagegen entschieden, verschiedene Themen zu platzieren, weil ich über eine Entwicklung, die 2024 stattgefunden hat, zutiefst enttäuscht, entsetzt und wütend bin: 2024 war das Jahr, in dem Antisemitismus in Deutschland laut, präsent und äußerst perfide zu sehen und zu erleben war.

Mich betrübt das und macht mich extrem traurig. Juden leben in Deutschland unter Angst. Sie haben Angst, sich auf der Straße öffentlich als Juden zu erkennen zu geben. Familien, die jüdische bzw. israelische Vorfahren haben oder direkt aus Israel sind, müssen ihre Identität verschweigen, da sonst unvorhersehbare Dinge geschehen. Kinder aus jüdischen bzw. israelischen Familien, die in Deutschland leben, wachsen mit dem Gefühl auf: In Deutschland kann ich nicht jüdisch sein, weil sonst schlimme Dinge geschehen.

Mir fehlen die Worte, wenn ich diese Entwicklung in unserer Gesellschaft sehe. Ganz ehrlich: Ich weiß kaum wirklich Rat, was man dagegen tun kann – aber eines weiß ich: Zur schweigenden Mehrheit will ich nicht gehören. Ich möchte mir nicht eines Tages vorwerfen lassen müssen, dass ich geschwiegen habe, als Israelhass und Antisemitismus in Deutschland wieder erstarkte. Wohlgemerkt in Deutschland, wo vor 80 Jahren eine dämonische Ideologie herrschte, die sechs Millionen Juden weltweit das Leben kostete. Der Holocaust.

Am 7. Oktober überfiel die islamistische Terrororganisation Hamas Israel und an einem Tag wurden über 1.000 Menschen in Israel getötet. Sehr viele davon waren Juden. Man könnte nun meinen, dass eine Welle der Solidarität durch die Welt schwappt, durch die sich Menschen an die Seite Israels und der Juden stellen. Doch weit gefehlt. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein.

Im Folgenden möchte ich vier Bereiche nennen, die mir wirklich Sorgen bereiten, was Israelhass und Antisemitismus betreffen.

Antisemitismus im linken Milieu

Es ist kein Geheimnis, dass im gesellschaftlich und kulturellen linken Milieu Antisemitismus niemals verschwunden, sondern unter der Oberfläche immer präsent war. In diesem Jahr bahnte sich dieser Antisemitismus im linken Milieu jedoch auf eine hässliche Weise den Weg an die Öffentlichkeit.

Stellvertretend dafür sei das genannt, was an deutschen Hochschulen vor sich geht. Wohlgemerkt: Hochschulen sind Orte, an denen vermeintlich gebildete Menschen sind, die sich nicht nur, aber auch geisteswissenschaftlich und gesellschaftspolitisch bilden – bzw. als Dozenten dort lehren. In der Folge des oben erwähnten Terroranschlages der Hamas hat sich nun ausgerechnet an deutschen Hochschulen vermehrt eine Entwicklung breit gemacht, die mich schmerzt. Pro-palästinensische Demonstrationen und Kundgebungen, welche die Vernichtung des jüdischen Staates Israel lauthals fordern durch den Slogan „From the river to the sea“, was dafür steht, dass vom Mittelmeer bis zum Jordan „palästinensisches Gebiet“ sein soll und damit der Staat Israel für immer und ewig vernichtet sein soll.

Das alles findet an Hochschulen statt und nicht in irgendwelchen (rechts)extremen Hinterhöfen, wo sich im Schutz der Dunkelheit ein Mob zusammenrottet. Das alles geschieht am hellichten Tag dort, wo Menschen lehren und studieren, die sich auf akademische Berufe vorbereiten.

Nicht nur der Slogan „From the river to the sea“ war dort zu hören und auf Wänden zu lesen, sondern auch das berühmte rote Dreieck, mit dem die Hamas Orte markiert, an denen sie Jude vermuten, die vernichtet werden müssen. Dieses rote Dreieck ist inzwischen ein verbotenes Symbol, was jedoch einen evangelischen Pfarrer und eine evangelische Kirchengemeinde in Darmstadt nicht davon abhält, es auf ihrem Weihnachtsmarkt zu verwenden – doch dazu später mehr.

Social Media und antisemitische Abgründe

Dass die „sozialen Medien“ ein Abgrund der menschlichen Psyche darstellt, ist nicht erst im Blick auf Antisemitismus bekannt. Die Schärfe und Gewaltbereitschaft, wie dieser Abgrund seinen Schlund im Blick auf Antisemitismus auftut, verschlägt mir jedoch die Sprache. Immer wieder habe ich auf Instagram Beiträge geteilt, mit denen ich mich an die Seite Israels und des jüdischen Volkes stellte. Regelmäßig kamen „Free Palestine“-Trolle vorbei und kommentierten entsprechend.

Wenn man jedoch Personen folgt, die noch weit mehr Reichweite als ich besitzen, wird man Zeuge davon sein, dass diese übelste Morddrohungen und Gewaltfantasien abbekommen. Beispielhaft möchte ich hier die Aktivistin Karoline Preisler nennen, die sich mutig mitten in propalästinensische „Demos“ begibt und meistens nur ein Schild vor sich hält mit der Aufschrift: „Rape is not resistance“ – zu deutsch: „Vergewaltigung ist kein Widerstand“. Damit spielt sie auf die krude Theorie an, dass die massenhaft belegten und auf bestialische Weise ausgeführten Vergewaltigungen am 7. Oktober 2023 und in Folge auch an den Geiseln verübt, bagatellisiert werden sollen.

Islamistischer Antisemitismus

Es war im Frühjahr dieses Jahres als auf den Hamburger Straßen eine große mit weit über 1.000 Teilnehmern Kundgebung stattfand. Deren Vertreter forderten lautstark ein Kalifat mitten in Europa. Unter Kalifat versteht man einen islamistischen Staat bzw. eine islamistische Herrschaft über eine Region als direkte Folge des Propheten Mohammed, jedoch nicht auf – wie ich als Christ es nennen würde – spirituell-offenbarende Weise, sondern administrativ und militärisch. Der Begriff „Gottesstaat“ mit der Scharia (Gesetze und Normen die aus dem Koran und der Sunna direkt abgeleitet werden) als Grundlage dürfte hier durchaus angemessen sein.

Solche Kundgebungen zeigen, dass wir ein massives Problem im Blick auf Integration haben. Da dies jedoch kein politischer Blog ist, werde ich hier auch nicht weiter politisieren, sondern lediglich meine Bedenken äußern, dass wir in der Migrationspolitik viele schwerwiegende Fehler gemacht haben, deren Folgen wir nun ernten: Massenhaft eingewanderte Menschen (zumeist junge Männer), die mit ihren Gewalt- und Kalifatfantasien das Existenzrecht Israels nicht nur ablehnen, sondern Vernichtungsgedanken gegenüber Israel und Juden lautstark zum Ausdruck bringen und damit vor allem junge Menschen beeinflussen.

Antisemitismus in der (evangelischen) Kirche

Traurig aber wahr: Die „Deutschen Christen“ waren in der Zeit der Naziherrschaft davon überzeugt, dass die nationalsozialistischen Ideologien und der christliche Glaube miteinander vereinbar wären. Als ob wir aus der Geschichte nichts gelernt haben, ereignen sich im Jahr 2024 Dinge, die nahe an diese Zeit heranreichen.

So hat die evangelische Michaelsgemeinde in Darmstadt am Wochenende vom 3. Advent einen „antikolonialistischen Weihnachtsmarkt“ veranstaltet. Auf diesem Weihnachtsmarkt waren verschiedene Anbieter und verkauften Dinge, wie man sie eben auf Weihnachtsmärkten kaufen kann: Kleinigkeiten, Nippes und Selbstgemachtes.

Was es auf diesem Weihnachtsmarkt auch gab: Jede Menge Hamas-Propaganda und Selbstgemachtes mit „Free Palestine“-Sprüchen sowie dem oben schon erwähnten roten Dreieck:

Wie gut, dass es Menschen gab, die hier Strafanzeige erstattet haben: Von Privatpersonen bis hin zur Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (hier geht es zur Stellungnahme), zu der die Michaelsgemeinde in Darmstadt gehört. Der Pfarrer versuchte sich im Nachhinein herauszureden, jedoch ist öffentlich zu erkennen, dass im Vorfeld des Weihnachtsmarktes klar kommuniziert wurde, wer als Aussteller/Standbetreiber aktiv sein wird.

Ich bin gespannt, wie das Verfahren ausgehen wird. Der Pfarrer darf zum heutigen Stand vorerst sein Amt nicht ausführen. Gut so. Auch tagesschau.de hat darüber berichtet.

Doch nicht nur in der evangelischen Landeskirche gibt es eine Verharmlosung von Judenhass und Antisemitismus. Ich nehme diese Tendenzen auch zunehmend unter manchen der so genannten postevangelikalen bzw. progressiven Theologen und Pastoren wahr. Das verwundert deswegen nicht, da Vertreter dieser progressiv-postevangelikalen Theologie mehr und mehr Theorien und Annahmen des linken Milieus für sich in Anspruch nehmen – und dazu gehört wie oben schon beschrieben nun mal auch Israelhass und Antisemitismus. Dieser wird oftmals nicht ganz offen zur Schau gestellt, meistens jedoch durch Relativierung klarer Sachverhalte, einem Vermeiden eines klaren Standpunktes pro Israel oder der beliebten „Ja, aber Israel hat auch…“ geäußert.

Informiere dich und bete!

Ich könnte diesen Artikel noch endlos lang fortsetzen, aber an dieser Stelle bitte ich dich um zwei Dinge: Informiere dich und bete!

Bete für Israel, für das jüdische Volk (in Israel und der restlichen Welt) und für die politische Lage bzw. politische Bemühungen. Bete für die Regierung in Israel, die wie jede andere Regierung Fehler begeht und lange nicht alles richtig macht.

Bete dafür, dass der Antisemitismus in Deutschland sich nicht noch weiter ausbreitet und dass Menschen, die sich antisemitisch äußern, die ganze Härte des Gesetzes zu spüren bekommen.

Und informiere dich in Quellen, die objektiv und gut recherchiert berichten. Viele der öffentlich-rechtlichen Medien gehören ausdrücklich nicht dazu. Ich empfehle dir, folgenden Personen zu folgen bzw. ihre Berichterstattung anzuschauen.

Sarah Maria Sander (Aktivistin und freie Journalistin, die aus Israel und Deutschland berichtet)

www.sarahmariasander.com

www.youtube.com/@sarahmariasander

www.instagram.com/sarahmariasander

Karoline Preisler (Politikerin, Bloggerin, Aktivistin)

www.instagram.com/karopreisler

Tom David Frey (freier Journalist, der aus dem Nahen Osten und Deutschland berichtet)

www.tomdavidfrey.de

www.youtube.com/@tomdavidfrey

www.instagram.com/tomdfrey

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Christen an der Seite Israels („Als Christen stehen wir mit Herz und Hand an der Seite Israels und des jüdischen Volkes.“)

www.csi-aktuell.de


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Mutiger beten

Noch ein Buch zum Thema Gebet? Offensichtlich ist es nötig, denn sonst würde es viele Autoren nicht dazu drängen, über das Gebet zu schreiben – und die Realität zeigt: Christen beten nicht nur zu wenig, sondern auch irgendwie „merkwürdig“. Dagegen ist „Mutiger beten“ eine echte Abhilfe.

In „Mutiger beten“ findest du aber keinen allgemeine Abhandlung über das Gebet. Vielmehr schreibt Alistair Begg anhand der Gebete, die wir im Epheserbrief des Paulus im Neuen Testament finden.

Begg ist Pastor der Parkside Church und betreibt mit „Truth for Life“ ein (Radio-)Ministry, das weltweit bekannt ist und durch das er biblische Wahrheiten den Menschen im 21. Jahrhundert näherbringt. Er hat schottische Wurzeln, was mich nicht nur wegen meiner Vorliebe für schottischen Single Malt begeistert, sondern weil ich jedes Mal, wenn mir ein us-amerikanischer Pastor und Autor mit europäischen Wurzeln begegnet, denke: „Ok, vielleicht versteht er uns Deutsche ein bisschen.“

Und in der Tat. Seine Schreibweise ist – vielleicht aber auch durch seine theologische Prägung – uns Deutschen sehr ähnlich – zumindest ähnlicher als der oftmals zur Schau gestellte „Alles ist so wunderbar“-Style mancher Bücher aus den Staaten.

In kurzen aber gehaltvollen Kapiteln geht Begg verschiedene Aspekte des Gebets durch. Die Kapitel sind zwar gut lesbar, seine Schreibweise jedoch nötigt zum aufmerksamen Lesen, da er auf eine sehr dichte und gehaltvolle Art und Weise schreibt. Da gibt’s nicht viel „Drumherum“, sondern es geht zur Sache.

Einige der Themen sind „Gebet zeigt Abhängigkeit“, „Fokussiert beten“, „Um Hoffnung beten“ oder „Gebet ist geistlich (aber nicht unpraktisch)“.

Das Faszinierende an diesem Buch sind für mich zwei Dinge. Zum einen schreibt Begg – wie oben erwähnt – anhand von Paulus‘ Gebeten im Epheserbrief dieses kleine Büchlein. Ich finde es außerordentlich faszinierend, dadurch einen konzentrierten Einblick in das Gebetsleben des großen Völkermissionars und Gemeindegründers Paulus zu bekommen und in die Gebetspraxis der ersten Christen. Das ist richtig wertvoll und horizonterweiternd.

Zum anderen ermutigt dieses Büchlein wirklich, „mutiger zu beten“, weil es durch seine klare Sprache, aber auch direkte Anrede sehr persönlich wird, aber niemals einen anklagenden, aber stets ermutigenden Ton trifft.

Wenn dein Gebetsleben also eine Auffrischung benötigt, empfehle ich dir von Herzen gerne „Mutiger beten“. Es liest sich zwar nicht „nebenbei“ (da es sehr gehaltvoll ist), aber durch die kurzen Kapitel kannst du es immer wieder zur Hand nehmen – oder auch in größeren Abschnitten mehrere Kapitel lesen.

Von einem bin ich überzeugt: Dieses Buch lässt dich mutiger beten!

Autor: Alistair Begg

ISBN: 9783986651275

Preis: 9,90 EUR

Verlag: Verbum Medien (www.verbum-medien.de/products/mutiger-beten)


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#51 Weihnachten – warum eigentlich?

 

Vorsicht! Kein Kitsch!

Wir stehen immens in der Gefahr, aus Weihnachten etwas sehr, sehr Kitschiges zu machen. Also gut – manche stehen nicht nur in der Gefahr, sondern sind mittendrin. Aber warum feiern wir eigentlich Weihnachten? Was ist der wirkliche, tiefe Grund dafür? Darum geht’s in dieser kurzen Weihnachtsfolge.

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#50 Wie erlebe ich Wunder?

 

Der Schlüssel dazu ist recht einfach

In dieser Folge ist meine wunderbare Frau Damaris „zu Gast“ im Podcast. Sie erzählt aus ihrer Arbeit im „Ladies Team“ unserer Gemeinde und von den Wundern, die sie erlebt haben.

Und wenn du denkst: „Oh, toll, Wunder – will ich auch!“ Dann herzlichen Glückwunsch: Genau dazu laden wir dich ein – und es ist einfacher, als du denkst!

Im Podcast sprechen wir eine Predigt von Chris Hentschel an. Die findest du hier:
www.youtube.com/watch?v=dbd5V8a09Wk

Wenn du dich über Katja Zimmermann informieren und sie vielleicht ja selbst mal buchen oder deiner Gemeinde vorschlagen möchtest (was ich dir sehr empfehle): www.katjazimmermann.com

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#49 Ist Richten unser Job?

 Zwischen Gnade und Gerechtigkeit

Wie ist das denn jetzt, wenn ich jemand anderes etwas Falsches sagen höre, er sich in meinen Augen falsch verhält oder gar Irrlehren verbreitet? Soll ich richten? Urteilen? Bewerten? Aber Jesus sagt doch „Richtet nicht!“ Wie meint er das? Soll ich doch ruhig sein und nix sagen? Und wenn ja – wie sage ich es richtig?

Darüber unterhalte ich mich mit Dave Krohn, der gemeinsam mit Simon Garrecht den Dienst „Apologetik Projekt“ betreibt.

Mehr zum Apologetik Projekt findest du hier:
www.apologetik-projekt.de
www.instagram.com/apologetikprojekt

Daves Instagram-Account: www.instagram.com/gnadenbote

Matthäus 7 ist ein ganz entscheidendes Kapitel.

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Woran Gemeinden scheitern

Disclaimer: Das Lesen dieses Artikels könnte deinen Puls beschleunigen und deinen Blutdruck beeinflussen. Ebenso sind Folgeerscheinungen wie Nachdenken über das eigene Gemeindeleben sowie ein Ehrlichwerden vor sich selbst und Gott nicht nur im Bereich des Möglichen, sondern wünschenswert.

Eigentlich läuft’s doch ganz gut, oder nicht?

Weißt du, ich bin jetzt fast 20 Jahre im Dienst als „Hauptamtlicher“. Ich bin zwar Pfarrer in der Landeskirche, aber habe einen weiten Horizont und jede Menge Connections auch in diverse Freikirchen. Mein Bild von Gemeinde speist sich also nicht nur aus der Landeskirche, sondern deckt verschiedene Kirchen und Konfessionen ab. Natürlich nicht allumfassend und schon gar nicht erhebe ich den Anspruch, für alle Gemeinden und Kirchen zu sprechen.

Ich habe lediglich eine Beobachtung in diesen 20 Jahren gemacht: Gemessen an dem, wie Gemeinden und Kirchen in Deutschland ausgestattet sind, müsste hier wirklich der Bär tanzen, was Erweckung betrifft. Aber es geschieht nicht in dem Maße, wie es geschehen sollte.

Unter Erweckung verstehe ich, dass in einer Region oder auch über eine Region hinaus nicht nur ein paar wenige Menschen zum Glauben an Jesus finden, sondern es regelrecht eine Art „Bewegung“ von Menschen ist, die zum Glauben an Jesus finden.

Es müsste viel mehr abgehen in Deutschland, denn wir haben in unserer Gemeindelandschaft so viele gute Dinge:

  • Ausgefeilte Gemeindekonzepte (sei es von Willow Creek, Church of the Highlands, Life Church oder wie sie alle heißen)
  • Tolle Bühnen – mit viel Licht, guten Sound und nicht zu vergessen die sündhaft teuren LED-Wände
  • Worshipbands, die sogar auf Tour gehen und man Eintritt für Lobpreis bezahlt (ok, darauf muss man erst mal kommen)
  • Die Bibel in vielen deutschsprachigen Übersetzungen, so dass du die Bibel fast schon in deiner Umgangssprache lesen kannst
  • Geld – jede Menge Geld! Alleine die Kirchensteuer, welche die Landeskirchen bekommen, sind so viel Geld – da würden andere Kirche nicht einmal davon träumen (geschweige denn das Geld haben wollen, weil viel Geld auch träge machen kann).
  • Personal! Tausende Männer und Frauen sind in Deutschland in Gemeinden angestellt für die Verkündigung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
  • Große und großartige Gebäude, die funktional sind, die einladend sind, die tolle Möglichkeiten bieten
  • Freiheit – wir werden nicht verfolgt, können am Sonntagmorgen sogar Glocken läuten lassen, was zwar die Langschläfer stört, aber ansonsten war’s das mit Repressalien.
  • Digitalisierung – im Gegensatz zum Beamtenapparat und dem Ämterwesen scheint in vielen Gemeinden Digitalisierung Einzug gehalten zu haben und die Menschen von heute werden mit Medien von heute erreicht.
  • Verrückte Ideen – daran scheitert’s wahrlich nicht, wobei manche Ideen dann auch wirklich mehr als verrückt sind.
  • Viele, viele verschiedene Gemeinden: Für die Liturgiker gibt’s die Landeskirche, für die Hipster das ICF und für die Händeheber die Pfingstgemeinden (okay, sorry, du weißt hoffentlich, dass ich mich in allen drei Gemeindeformen zuhause fühle(n würde).)
  • Influencer – guckst du auf Instagram und TikTok! Da finden sich viele christliche Influencer, welche die „sozialen Medien“ mit der guten Nachricht von Jesus fluten.

Und doch ist Deutschland eigenartig unerweckt. Eigenartig areligiös. Eigenartig unchristlich – und das nicht nur im Osten unserer Republik. Wohlgemerkt: Mir geht es nicht um einen Kulturprotestantismus, der oftmals dazu führen kann, dass Kunstwerke in der Kirche mehr eine Rolle zu spielen scheinen als Gott oder politische und gesellschaftliche Themen Predigtinhalt Nummer eins sind. Nein – darum geht’s mir nicht.

Es geht mir schlicht und einfach um die Tatsache: Wir erleben in Deutschland keine Erweckung. Menschen kommen nicht in großem Maß zum Glauben. Gemeinden mühen sich ab und dennoch geschieht – gemessen am Aufwand – wirklich wenig.

Lügen wir uns doch nicht in die Tasche: Wir betreiben Woche für Woche so viel Aufwand als christliche Kirchen, da müsste doch am Ende mehr rausspringen, oder nicht?

„Das ist Sache des Heiligen Geistes!“ meinen die frommen Besserwisser. Klar. Und damit hast du jede Diskussion beendet, kannst dich selbstverliebt in die Ecke zurückziehen und dir selbst einen pseudotheologischen Orden anheften. Viel Spaß damit!

Denn ich stelle eine Gegenthese auf: Wenn wir wirklich glauben würden, dass Erweckung Sache des Heiligen Geistes und nicht unserer Anstrengung wäre und wir „wirklich nichts dafür tun könnten“ – warum rödeln und schaffen wir dann so viel? Warum bauen manche Gemeinden dann Sonntag für Sonntag Eventhalls in Gottesdiensträume um? Wieso proben Bands ihre Lieder? Wieso schaffen wir eine Willkommenskultur mit „Welcome Teams“, die freudestrahlend Sonntag für Sonntag Menschen begrüßen – sei es per Handschlag oder mit tollen Schildern? Wieso überlegen wir uns (wenn wir es denn tun) evangelistische Events und buttern hier rein ohne Ende – Zeit, Geld und Manpower?

So ganz geht diese Rechnung eben nicht auf, wenn wir sagen „Erweckung ist ganz Sache des Heiligen Geistes“. Denn uns fehlt diese eine Sache – und die bringt Gemeinden zum Scheitern. Diese eine Sache ist:

Das gemeinsame Gebet

That’s it.

Stell dir mal vor, wir würden als Gemeinde genauso viel Zeit in das gemeinsame Gebet investieren wie für

  • die Vorbereitung eines Gottesdienstes
  • die Planung und Durchführung evangelistischer Events
  • das Erstellen eines Haushaltsplans
  • das endlose Diskutieren über Belanglosigkeiten
  • das Rumstehen nach dem Gottesdienst bei Kaffee und Tee
  • den Einsatz, den wir für den Erhalt alter Gebäude erbringen
  • alles „Schaffen und Rödeln“ bei Veranstaltungen
  • Sitzungen
  • das hippe Aussehen unseres Instagram-Accounts
  • das Aufstellen und Herrichten von Dekoration
  • die Erarbeitung diverser Listen und Pläne (die dann meistens ohnehin über den Haufen geworfen werden)
  • das Richten über andere
  • Streitigkeiten über theologische Spitzfindigkeiten (War das Schaubrot, das David verbotenerweise aß, eigentlich ein Weißbrot oder ein Schwarzbrot? Und falls ja: Wer war der Bäcker?)

Kannst du dir vorstellen, wie es abgehen müsste in Deutschland, wenn wir in dieser Form beten würden? Ich bin wirklich (!) davon überzeugt, dass das gemeinsame Gebet der Schlüssel für Erweckung ist oder wie es Arthur Tappan Pierson sagt:

Es hat in keinem Land und an keinem Ort einen geistlichen Aufbruch gegeben, der nicht im gemeinsamen Gebet seinen Anfang genommen hätte.A.T. Pierson

Wichtig ist und unterstreichen möchte ich das Wort „gemeinsam„. Ich glaube schon, dass es Christen gibt die beten – klingt komisch, oder? Nun, das liegt daran, dass ich „Christen“ kenne, die nicht viel Wert auf das Gebet legen. Was sagst du? Ach so. Ja. Klar. Das ist total komisch und absurd, aber es ist leider so.

Aber Pierson geht noch eine Stufe weiter und sieht im gemeinsamen Gebet den Schlüssen für Erweckung bzw. einen geistlichen Aufbruch.

Und das ist gut biblisch. Denn an vielen Stellen (im Neuen Testament) werden wir als Christen aufgerufen, gemeinsam zu beten – und eben nicht nur jeder für sich alleine zuhause im stillen Kämmerlein.

Exemplarisch einfach mal folgende Bibelstellen:

Jesus sagt: “Wenn zwei von euch hier auf der Erde darin eins werden, eine Bitte an Gott zu richten, dann wird mein Vater im Himmel diese Bitte erfüllen. Denn wo zwei oder drei zusammenkommen, die zu mir gehören, bin ich mitten unter ihnen.”
Matthäus 18,19-20
Freut euch in der Hoffnung, haltet durch in schweren Zeiten, bleibt beständig im Gebet.Römer 12,12
Hört nicht auf zu beten und Gott zu danken.Kolosser 4,2
Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. So seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet.1. Petrus 4,7
Betet immer und in jeder Situation mit der Kraft des Heiligen Geistes. Bleibt wachsam und betet auch beständig für alle, die zu Christus gehören.Epheser 6,18

Und am Ende noch eine meiner Lieblingsstellen, wenn es um das gemeinsame Gebet in der Gemeinde geht. Relativ zu Beginn der Apostelgeschichte finden wir eine Aussage über das gemeinsame Gebet, die es in sich hat:

Als sie gebetet hatten, bebte die Erde an dem Ort, wo sie zusammengekommen waren. Sie wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und verkündeten furchtlos Gottes Botschaft.Apostelgeschichte 4,31

Es ist kein Geheimnis: Das gemeinsame Gebet fehlt in vielen Gemeinden – deswegen scheitern sie mit vielen ihrer Vorhaben. Und nochmal, Hand auf’s Herz: Der „geistliche Ertrag“, der dem oftmals immens großen Invest gegenüber steht, ist viel zu gering. Und dann reden wir es uns manchmal noch schön und sagen: „Aber wenn nur einer zum Glauben kommt, hat es sich gelohnt.“ Stimmt. Gegenfrage: Kommt denn eine(r) zum Glauben an Jesus?

Gebet über allem

Natürlich fallen uns auch noch andere Gründe ein, weshalb Gemeinden scheitern:

  • zu wenig Fokus auf Jesus
  • zu wenig Fokus auf die Bibel
  • eine ungesunde Leitung
  • Nebensächlichkeiten werden zur Hauptsache
  • Gruppierungen in der Gemeinde
  • Lauheit im Glauben
  • zu viel Tradition
  • und und und

Ich glaube aber, dass es tatsächlich das fehlende gemeinsame Gebet ist, das Gemeinden scheitern lässt. Warum das so ist, möchte ich dir verdeutlichen mit drei möglichen (Körper-)Haltungen, die wir im Gebet einnehmen können und die eine geistliche Grundhaltung ausdrücken.

Wir falten die Hände, denn Hände, die gefaltet sind, können nichts (mehr) aus eigener Kraft tun und schaffen, sondern erwarten alles von Jesus.

Wenn wir mit erhobenen Händen beten, drücken wir damit aus, dass wir alles von Jesus erwarten, dass unser Herz für Jesus offen ist und wir danach verlangen, dass er eingreift.

Auf den Knien betend kapitulieren wir vor Gott, erkennen, wer wir wirklich sind und beugen uns vor dem heiligen Gott.

Natürlich gibt es auch noch andere Haltungen, wie wir beten können, aber ich meine, dass diese drei die wohl gängigsten sind. Für mich verbinden diese drei Gebetshaltungen jedoch eines, was immens wichtig ist:

Gebet schützt vor Hochmut

Mit Gott zu reden ist die eine Seite der Gebetsmedaille. Die andere Seite ist die des Hörens auf Gott. Gebet ist also niemals nur Einbahnstraße, sondern die Kommunikation läuft in beiden Richtungen. Und darin liegt für mich der Kern: Im Gebet erkenne ich nicht nur, wer ich von Gott bin und wer von uns beiden wirklich das Sagen hat, sondern ich empfange ebenso Weisung für das, was wichtig ist.

Ob es der Umgang mit Geld ist, die Art und Weise, wie ich leiten soll, das Zurechtrücken der Prioritäten im (Gemeinde-)Alltag oder auch ganz Persönliches: Das Gebet ist der größte Ausdruck von Demut, weil ich damit unweigerlich zum Ausdruck bringe, die Dinge nicht selbst regeln zu können und auf Gottes Hilfe und Weisung angewiesen bin.

Der Umkehrschluss gilt und bedeutet: Wenig Gebet bedeutet viel Hochmut. Und da ich glaube, dass Gottes Wort wahr ist und auch heute noch gilt, ist bei anhaltender Gebetslosigkeit das Scheitern vorprogrammiert, da ich hochmütig bin vor Gott. Das ist deswegen ein Problem, weil sich mir Gott dann in den Weg stellt, wie es sein Wort sagt:

Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.1. Petrus 5,5b

Achtung – rhetorische Frage: Möchtest du Gott als Gegner haben, der dir im Weg steht und deinen Vorhaben (in der Gemeinde) widersteht?

Ich durchlaufe selbst gerade einen Prozess, der mir ziemlich schonungslos (aber erhellend) vor Augen führt, wo ich hochmütig war – und es leider viel zu oft noch bin. Und ich erschrecke, wenn ich daran denke, dass das bedeutet: Gott widersteht mir! Gott stellt ich mir in den Weg! Gott segnet nicht in dem Maße, wie es sein könnte, das, was ich tue. Ich sag dir: Das tut weh – aber manchmal müssen wir durch den Schmerz hindurch, um zu erkennen, was die Wirklichkeit ist.

Oder wie sagt es C.S. Lewis so schön:

Gott flüstert in Freuden, er spricht in unserem Gewissen; in unseren Schmerzen aber ruft er laut. Sie sind sein Megaphon, eine taube Welt aufzuwecken.C.S. Lewis in 'Über den Schmerz'

Sehr sicher bin ich inzwischen darüber, dass dieses Wort nicht nur für körperliche Schmerzen gilt, sondern auch für „geistliche Schmerzen“. Es sind heilsame Prozesse, wenn wir Schmerzen in Gottes Gegenwart zulassen.

Deswegen: Erweckung beginnt, wo Christen gemeinsam beten

Das gilt sowohl für Gemeinden als auch für Regionen, wenn sich Christen aus verschiedenen Gemeinden zusammentun und gemeinsam beten – dabei die anderen Dinge aber nicht aus den Augen verlieren. Was ich definitiv nicht sagen möchte ist: „Betet einfach – den Rest könnt ihr vergessen!“ Nein. Kein „Entweder oder“, sondern ein: „Ohne Gebet ist alles nichts!“

Du sehnst dich nach Erweckung? Dann mach das, wovon sicherlich einige schon in dem Lied „Hosanna (Ich seh den König kommen)“ gesungen haben:

Ich sehe eine Erweckung,
wenn wir ernsthaft um sie fleh’n.
Es kann gescheh’n,
es kann gescheh’n!

Überzeugt bin ich davon, dass wir bei dem Part „ernsthaft flehen“ noch jede Menge Luft nach oben haben. Was das Schöne ist: Es ist nie zu spät! Niemals!

Und deswegen habe ich Hoffnung und schaue zuversichtlich und erwartungsvoll in die Zukunft. Ich stelle mir vor, wie noch viel mehr Gemeinden das gemeinsame Gebet entdecken. Ich stelle mir vor, wie Menschen zusammenkommen, die sich ansonsten wohl nicht ausgesucht hätten, miteinander etwas zu tun zu haben – und sie beten. Sie beten einfach. Ohne Schnickschnack, ohne Show, einfach aus tiefstem Herzen. Ich sehne mich danach, dass wir eine neue Leidenschaft für das Gebet entdecken und dass aus Nocht-Nicht-Betern leidenschaftliche Beter werden.

Ich gebe die Hoffnung nicht auf – weil Jesus sie nicht aufgibt!

Bist du dabei?


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In diesem Podcast bekommst du Anregungen und Inspiration wie „einfach glauben“ mitten im 21. Jahrhundert, mitten im Alltag, mitten in deinem Leben geht.

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Glaube = Risiko

Der Titel des Buches stimmt ja schon. Aber lass dich davon nicht entmutigen!

Spaß beiseite – aber wir sind Deutsche (zumindest ist das anzunehmen, wenn du meinen Blog liest) und scheuen das Risiko. Deswegen hat das Wort „Risiko“ so einen gewissen negativen Touch – außer du magst das gleichnamige Gesellschaftsspiel genauso wie ich.

Glaube buchstabiert sich immer mit den Buchstaben RISIKO. Ohne dass wir etwas zu verlieren haben, ist es kein Glauben.
Glaube = Risiko, S.27

Und damit sind wir mittendrin im Buch „Glaube = Risiko“ von Friedhelm Holthuis. Sollte dir der Name nicht geläufig sein (was kein Fehler, aber immerhin eine Bildungslücke wäre): Friedhelm Holthuis ist leitender Pastor der Credo Kirche in Wuppertal (www.credo-kirche.de) sowie Präses des Bundes freikirchlicher Pfingstgemeinden (www.bfp.de). Im Buch wirst du ihn und seinen Dienst auch ein wenig kennenlernen. Du wirst feststellen: Wenn jemand über Glaube, Vertrauen und Risiko etwas zu sagen hat, dann ist das Friedhelm Holthuis.

Und im Prinzip weißt du jetzt, um was es in diesem Buch geht. Bevor ich aber genauer darauf eingehe, lass mich spoilern: Das Buch ist ein ganz großer Vertrauens-Boost! Vielleicht liegt es auch an meiner Situation momentan, welche großes Vertrauen benötigt und ich deswegen das Buch so feiere. Aber wenn ich mir das Buch noch mal ein wenig objektiver (zumindest habe ich es versucht) zur Hand nehme, bleibe ich dabei: Wenn du Ermutigung brauchst oder wenn du gerade vor einer Challenge (im Glauben) stehst, wenn ein großer Schritt vor dir steht oder du dich fragst, ob du Jesus wirklich vertrauen kannst: Lies dieses Buch!

Alleine der Schreibstil ist total genial, da er verständlich, aber nicht trivial ist – und vor allem (was mir immer gefällt): Eine gehörige Portion Humor und Selbstironie ist dabei. So erfährst du unter welchen Umständen Friedhelm Holthuis sogar sein geliebtes Trikot von SV Werder Bremen versteigern würde – ok, das Anliegen ist nicht lustig, aber im Buch kommt’s dann doch ziemlich plötzlich und überraschend.

Oder du erfährst ebenso, woran Friedhelm Holthuis (er ist ja Pastor und damit bei vielen Hochzeiten am Start) denkt, sobald bei einer Trauung der atemberaubende Moment vorüber ist, in dem die Braut das erste Mal die Kirche betritt und alle den Atem anhalten. Dann denkt Friedhelm Holthuis an ganz irdische Dinge – und sagen wir mal so: als „Amtsbruder“ kann ich ihn nur zu gut verstehen.

Die Bibel ausgeschöpft

Wohlgemerkt: hier steht „ausgeschöpft“ und nicht „erschöpft“. Denn das ist, was Friedhelm Holthuis eigentlich das gesamte Buch über tut: Er schöpft den reichen Schatz an biblischen Geschichten aus, die ein großes Zeugnis dafür sind, wie sehr es sich lohnt, Jesus voll und ganz zu vertrauen.

Ob Josef, Mose oder David – und jetzt denkst du: „Oh. Die kenne ich ja noch überhaupt nicht!“ Soll ich dir was sagen? Mich haben so manche Geschichten, die er zitiert sowie seine Erkenntnisse und Gedanken dazu tief inspiriert – und ich würde von mir ebenso behaupten wie du vielleicht, dass ich Josef, Mose und David „kenne“.

Ich liebe es einfach, wenn ein Autor die große Schatztruhe namens Bibel öffnet und ein Gold Nugget nach dem anderen hervorholt – und genau das macht Friedhelm Holthuis in „Glaube = Risiko“. Wie schon erwähnt, sind es auch neue Erkenntnisse, die mich faszinieren, aber es sind ebenso Glaubensaussagen oder Interpretationen mancher biblischer Geschichten, die mir geläufig sind – aber: ja und? Das Evangelium ist seit 2.000 Jahren das gleiche – und wir müssen es immer und immer wieder „neu“ hören.

In all den Geschichten und Interpretationen könnte man folgendes Zitat herausgreifen, denn ich behaupte, dass sich das immer und immer wieder – wenn auch nicht explizit – im Buch zeigt:

Gott ist weit größer als unsere Entscheidungen. Wie unglaubwürdig wäre unser Gott, wenn er sich von der Entscheidung eines Menschen so abhängig machen würde, dass er seine ewigen Pläne aufgeben müsste, wenn sich nur einer von uns gegen ihn entscheidet!Glaube = Risiko, S.115

Und damit will ich noch einen großen Themenkomplex ansprechen, der im Buch im Prinzip die Hauptrolle spielt.

Geliebt, berufen, der nächste Schritt – aber wie?

Sorry, ich kann’s nicht präziser fassen. Aber im Prinzip dreht sich das ganze Buch um genau diese Frage: „Mut, Zuversicht, der nächste Schritt – aber wie?“

Eingangs habe ich es schon erwähnt: Dieses Buch ist eine ganz, ganz große Ermutigung für jeden, der einen „nächsten Schritt im Glauben“ zu gehen hat. Das kann eine Herausforderung sein, eine berufliche Veränderung, das kann aber auch einfach bedeuten, in einem turbulenten Alltag Jesus mehr zu vertrauen oder last but not least: Die geistliche Realität wesentlich ernster nehmen und meinen geistlichen Stand vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt einzunehmen.

Und nicht immer ist dann sonnenklar, was wir zu tun und zu lassen haben, was der nächste Schritt ist und was ganz konkret dran ist. Das verdeutlicht Holthuis mit einer total skurrilen Geschichte (wenn man sie sich man auf der Zunge zergehen lässt) aus dem Alten Testament, auf die ich schon vor einiger Zeit gestoßen bin und dachte: „Hut ab!“ Welche Geschichte das ist? Lies das Buch! Dann weißt du es.

Aber für mich die Quintessenz aus dem Ganzen ist folgendes Zitat – ich liebe es:

Gott handelt lieber durch Leute, die mit einem Vielleicht losgehen, als mit denen, die sitzen bleiben, weil sie Sicherheit brauchen. Lieber ein Vielleicht-Versager als ein Sicherheits-Sitzenbleiber.Glaube = Risiko, S.119

Was sich ebenso wie ein roter Faden durch das Buch durchzieht: Du bist nicht allein! Natürlich bist du nicht gottverlassen – aber du hast eben auch Menschen an deiner Seite! Wunderschön ist das Bild vom Hafen im Sturm:

Konzentriere dich nicht auf den Sturm, sondern auf den Hafen.
Du brauchst in kritischen Momenten Menschen, die dir helfen.Glaube = Risiko, S.106

Ebenso verdeutlicht Holthuis, wie wichtig nicht nur Menschen an sich sind, sondern welchen Stellenwert Gemeinde gerade in solchen Momenten der Herausforderung und an der Schwelle zum nächsten Schritt hat.

Was mich beim Lesen sehr bewegt, ermutigt und total gefreut hat (du weißt, ich bin Pfarrer), ist sein Eintreten für die Einheit des Leibes Jesu – und ich nehme es ihm voll ab! Natürlich könnte er als Pastor einer großen Gemeinde und als Präses eines großen Gemeindebundes viele, viele Geschichten aus seiner Gemeinde oder seinem Bund erzählen.

Macht er aber nicht (es sind nur ein paar wenige, aber die sind kraftvoll). Vielmehr sind es für mich Aussagen wie die folgende, die mich total begeistern:

Systeme helfen, den Inhalt zu bewahren. Aber sie ersetzen den Inhalt nicht. Wir brauchen kleine, mittlere und große Gemeinden, Hauskirchen und auch simple Churches. Aber wir brauchen es nicht, dass sich die verschiedenen Formen gegeneinander ausspielen. Denn wir alle gehören zum Team “Jesus Christus”, wir sind eine Mannschaft.Glaube = Risiko, S.211

Da geht mir das Herz auf, denn das ist Einheit! Und Jesus selbst hat darum gebeten, dass die Christen eins sind – und nicht gespalten.

Okay, das war so ein kleiner „Sidekick“, den ich aber unbedingt einfügen wollte, weil ich eines glaube: In Zeiten von Herausforderung und in Zeiten, in denen wir uns fragen, was als Nächstes dran ist, was der nächste Schritt ist, ist Gemeinde ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Lebens und unserer Erkenntnis. Deswegen ist es so wichtig, Teil einer guten Gemeinde zu sein – und nicht erst in solch „knackigen Momenten und Phasen des Lebens“ danach zu suchen.

Abschließend zitiere ich Holthuis noch einmal mit einem Zitat auf einer der letzten Seiten. Für mich ist es wie eine Zusammenfassung des Buches und wenn du denkst: „Wow! Davon will ich mehr wissen! Das will ich leben! Das will ich umsetzen!“ – Dann lies das Buch. Du wirst nicht nur nicht enttäuscht werden – du wirst zutiefst inspiriert und ermutigt, davon bin ich überzeugt.

Ein Risiko einzugehen, lohnt sich. Weil wir unseren Gott kennen, der bei jedem Glaubensschritt Menschen treu ist. Und weil wir seine Vision im Herzen tragen: Menschen suchen, finden und retten. Seine Vision von der Ewigkeit in ihre Herzen schreiben. Das ist das Wesen von uns Christen, wenn die Gedanken Gottes uns leiten dürfen. Wir sind mit Jesus auf der Suche.Glaube = Risiko, S.221

Friedhelm Holthuis: Glaube = Risiko

ISBN: 9783417010190

Preis: 20,00 EUR

Verlag: SCM R. BRockhaus (www.scm-shop.de/glaube-risiko.html)


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