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Wofür es sich zu kämpfen lohnt

Ehrlich gesagt: Das ist „mein“ Buch. Schon als ich gelesen hatte, dass Gavin Ortlund ein neues Buch veröffentlichte, wurde ich hellhörig. Und als ich dann wusste, um was es in dem Buch geht, war mir schnell klar: Das MUSST du unbedingt lesen.

„Wofür es sich zu kämpfen lohnt und wofür nicht“ ist nicht nur der Buchtitel, sondern auch eine Frage, die ich mir immer wieder stelle bzw. der ich mich im Alltag als Pfarrer, Podcaster, Leiter und Blogger sehr oft gegenüber sehe.

Ein Buch zur richtigen Zeit

Klar ist: Dieses Buch ist ein „Must Read“ in Zeiten wie diesen. Dass in den Landeskirchen schon seit Jahrzehnten gute biblische Theologie an vielen, vielen Stellen fehlt und von einer oftmals substanzlosen und vor allem biblisch nicht fundierten Theologie ersetzt wurde, ist ja weithin bekannt.

Aber seit einigen Jahren ist diese Entwicklung auch in Freikirchen wahrzunehmen. Theologische Standpunkte verschwimmen, lang geglaubte und verkündete Wahrheiten werden verdrängt und mehr und mehr verabschiedet man sich von Lehren, die für das historische Christentum selbstverständlich sind.

Gleichzeitig ist es aber auch so, dass gerade in den sozialen alles, aber auch wirklich alles, kommentiert wird, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Ob „kleine Irrlehre“ oder „große Irrlehre“ spielt dabei keine Rolle. Man kann sich sicher sein: Wer einen Standpunkt vertritt und diesen kundtut, wird zerrissen. Die Frage ist nur: wann, von wem und in welcher Form. „Ob“ – das ist keine Frage mehr.

In dieser Gemengelage von Cancel Culture und Empörungskultur ist aber die wichtigste Frage: „Wofür lohnt es sich zu kämpfen und wofür nicht?“ Schließlich muss man nicht jeden Kampf kämpfen, weil dann keine Kraft für die eigentliche Schlacht mehr übrig ist.

Wichtige Unterscheidungshilfen

Mir gefällt, wie Ortlund an die Sacher herangeht: Sehr praxisnah und glaubenspraktisch. Er skizziert Fälle, die 100% in jeder Gemeinde auftreten und ebenso widmet er ein Kapitel seinen eigenen biographischen Erfahrungen – und die machen das alles natürlich sehr greifbar und plausibel.

Allen voran die Unterscheidungen (S.16), welche Ortlund trifft:

Erstrangige Lehren sind für das Evangelium wesentlich.

Zweitrangige Lehren sind für die Gesundheit und die Praxis in der Gemeinde so dringlich, dass sie Christen häufig dazu veranlassen, sich in verschiedene Gemeinden, Denominationen oder christliche Werke aufzuteilen.

Drittrangige Lehren sind für die Theologie wichtig, aber rechtfertigen keine Trennungen oder Spaltungen unter Christen.

Viertrangige Lehren sind für Evangelisation, Mission und die Zusammenarbeit unter Christen unwichtig.

Wer jetzt aber denkt, dass Ortlund der Meinung wäre, dass „unwichtige“ Lehren nicht wichtig wären, täuscht sich. So paradox ex klingen mag, so überzeugend ist seine Argumentation, dass „unwesentliche Lehren“ (was ich einen von ihm dann auch gewählten besseren Begriff finde) von Bedeutung sind und zwar für die Bibel, für die Kirchengeschichte, für das christliche Leben und für die wesentlichen Lehren.

Im Blick auf die Bedeutung unwesentlicher Lehren auf die Bibel schreibt Ortlund:

Die Bibel selbst legt uns nahe, dass wir eine offene Haltung gegenüber dem ganzen Wort Gottes einnehmen sollen.

Verwirrung kann eine verständliche Reaktion auf manche Abschnitte sein – und Trauer auf andere. Mit Gleichgültigkeit sollten wir jedoch niemals auf Gottes Wort reagieren.Wofür es sich zu kämpfen lohnt, S.56

Richtig gut wird dann im weiteren Verlauf des Buches der Zusammenhang geschildert zwischen diesen Lehren. So bedeutet es keinesfalls, dass eine Lehre, die weniger wichtig ist, für die Theologie im Gesamten unwichtig wäre.

Ein Buch für die Praxis

Wie oben schon erwähnt, wird Ortlund sehr autobiographisch und praktisch. In dem schon erwähnten Kapitel zeigt er anhand einiger theologischer Dogmen auf, wie er persönlich damit umgeht bzw. welche Bedeutung und Folgen seine Standpunkte bspw. im Blick auf die Schöpfung, die Eschatologie oder die Taufe haben.

Hilfreich und wirklich wichtig für den gegenwärtigen Diskurs (sowohl in Gemeinden, im Alltag als auch in den sozialen Medien) ist die Herzenshaltung. So schreibt Ortlund:

Es ist eine Sache, mit einem anderen Christen nicht einer Meinung zu sein. Das ist unvermeidlich, solange wir irgendeine Meinung haben. Etwas anderes ist es, wenn wir in unserer Meinungsverschiedenheit eine verachtende, herablassende oder unangemessen misstrauische Haltung gegenüber denjenigen annehmen, mit denen wir nicht einverstanden sind.Wofür es sich zu kämpfen lohnt, S.47

Inspirierend und für den Gemeindealltag erhellend sind Ortlunds Ausführungen im Blick auf Menschen, die Jesus ganz neu kennenlernen (und damit ja beim besten Willen nicht alle „erstrangigen Lehren“ kennen) aber auch im Blick auf die Frage, wie mit Menschen umzugehen ist bzw. wie wir urteilen sollen (oder eben auch nicht), wenn Menschen nicht glauben, was man selbst für „erstrangige Lehre“ hält:

Anstatt darauf zu bestehen, dass jede erstrangige Lehre klar artikuliert werden muss, um errettet zu sein, wäre eine vorsichtigere Aussage die, dass wir vermuten müssen, dass eine Person nicht errettet ist, wenn sie diese wissentlich und beharrlich abstreitet. Noch besser wäre es wahrscheinlich, wenn wir uns auf die Frage beschränken, ob wir eine solche Person in unsere Gemeinde als Mitglied aufnehmen würden, anstatt über den Zustand ihrer Seele zu spekulieren.

Es ist Gottes Sache, über den Eintritt in den Himmel zu befinden, und unsere, den Eintritt in die Gemeinde zu regeln.Wofür es sich zu kämpfen lohnt, S.98

Ich empfehle dir dieses Buch wirklich sehr! Gerade dann, wenn du haupt- wie ehrenamtlich immer wieder herausgefordert bist, zu deinem Glauben zu stehen, theologische Entscheidungen zu treffen oder sogar für deinen Glauben bzw. deine Überzeugungen zu kämpfen.

Doch den Glauben zu feiern, wird letztlich auch immer wieder erfordern, dass wir für ihn kämpfen. Niemand kann ewig davor weglaufen, sich mit Irrtümern auseinanderzusetzen.Wofür es sich zu kämpfen lohnt, S.114

Überzeugt bin ich davon, dass wir in den kommenden Jahren in eine Epoche eintreten, in der es wichtig wird, theologische Positionen nicht nur klar vertreten zu können, sondern sich auch nicht zum Spielball theologischer (Schein-)Diskussionen zu machen, die am Ende doch nichts bringen und dabei den Kampf um die echten Herausforderungen zu verlieren.

Wenn du denkst, dass du auf diesem Weg noch Inspiration und Input gebrauchen kannst, dann greif zu „Wofür es sich zu kämpfen lohnt und wofür nicht. Ein Plädoyer für theologische Triage“ – denn dort wird dir geholfen!

Gavin Ortlund: Wofür es sich zu kämpfen lohnt und wofür nicht. Ein Plädoyer für theologische Triage

ISBN: 9783986652654

Seiten: 212

Preis: 18,90 Euro

Verlag: www.verbum-medien.de/products/wofur-es-sich-zu-kampfen-lohnt-und-wofur-nicht


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