Kleine Vorwarnung: Dieser Artikel könnte dich vielleicht ein wenig provozieren, wenn du gerade an Gott zweifelst. Er könnte allerdings auch dafür sorgen, dass so manches zurecht gerückt wird in deinem Denken, Glauben und Herzen. Vielleicht tut er Letzteres ja auch, obwohl (oder gerade weil?) du gerade zweifelst. Wer weiß.

Also stellen wir uns dieser Frage, was Gott dir schuldig ist. Vielleicht schüttelst du ja schon allein bei der Frage den Kopf und denkst: “Was soll das?” Ich würde es mal so sagen: Nicht wenige Menschen sind von Gott enttäuscht. Entweder punktuell, weil er – in ihren Augen – in einer bestimmten Situation nicht so reagiert oder reagiert hat, wie sie sich das wünschten. Oder Menschen sind generell von Gott enttäuscht, weil sie zu viel negative Erfahrungen gemacht haben im Glauben – und in ihren Augen Gott dafür verantwortlich oder eben schuldig ist.

Und um es einfach zu machen und schon mal auf den Punkt zu kommen, gebe ich dir meine Antwort darauf – ohne den Anspruch zu erheben, dass das der Weisheit letzter Schluss ist.

Was also ist Gott dir schuldig?

Nichts! Das ist die einzig richtige Antwort, die in meinen Augen Bestand hat. Gott ist dir nichts schuldig, gar nichts. Leider meinen wir aber oft, dass er das ist: er hat unser Leben zu segnen, sich um uns zu sorgen, zu kümmern und dafür Sorge zu tragen, dass es uns gut geht. Hat er das?

Ich würde mal sagen: Nein, hat er nicht. Aber – und das ist der entscheidende Punkt – er will. Er will sehr, sehr gerne. Von Herzen möchte er das.

Und hier sind wir an einem Punkt, an dem wir mal kurz innehalten sollten: Gott will dein Leben segnen, will dich bewahren, will, dass dein Leben aufblüht. Er muss es nicht, weil Menschen ihm das zuschreiben – er will!

Ich finde das durchaus faszinierend und es macht Gott für mich noch unfassbar wunderbarer und unglaublich liebevoller, als er es ohnehin in meinem Denken und Verstehen schon ist – weil er eben nicht muss, sondern will.

Wir sagen sehr oft, dass der Mensch das am höchsten entwickelte Lebewesen ist. Nun, wenn ich da an manche Verhaltensweisen (ich schließe mich da nicht aus) des Menschen im Blick auf Gott denke, bin ich mir am Wahrheitsgehalt dieser Aussage nicht mehr ganz so sicher. Denn der Mensch steht sich manchmal selbst im Weg.

Besonders verpassen wir die Segnungen Gottes in unserem Leben dort, wo wir meinen, dass Gott uns etwas schuldig sei. Enttäuschung, Zweifel, Frust sind da vorprogrammiert. Wie soll Gott es denn schaffen, unsere Erwartungen zu erfüllen, die heute nicht die gleichen sind wie gestern und morgen nicht die gleichen sein werden wie heute? Natürlich dürfen und sollen wir von Gott mehr erwarten – das kannst du hier auch nachlesen.

Der entscheidende Unterschied

Für mich aber ist es ein Unterschied, ob ich meine, dass Gott mir etwas schuldig ist – oder ob ich dankbar annehme, was ich erwarte (oder sogar noch mehr) – und wenn ich es nicht “bekomme” nicht wie ein dreijähriges Kind reagiere, das trotzig Gott auf die Anklagebank schickt.

Natürlich meine ich auch nicht, dass wir nun fatalistisch alles über uns ergehen lassen, die Hände in den Schoß legen und eine “mir doch egal”-Haltung annehmen. Vielmehr besteht die Herausforderung doch darin, Gott zu vertrauen, der dich segnen will, der dich bewahren will, der will, dass dein Leben aufblüht.

Oder anders gesagt: Du kannst dir jeden Tag, vor Herausforderungen, in schwierigen Lebensphasen oder in dunklen Tälern, durch die dein Lebensweg sich schlängelt, die Fragen stellen: Ist das alles hier Zufall? Schaut Gott gerade weg? Will Gott mir sogar Böses? Oder könnte es sein, dass das alles kein Zufall ist, sondern Gott einen guten Plan mit meinem Leben verfolgt – auch wenn ich ihn im Moment noch nicht ganz erkenne?

Könnte es sein, dass hinter allem unbestreitbar und unverkennbar der Gott steht, dessen eigentliches Wesen das des Vaters ist?

Starker Tobak

Ich weiß, dass es genau das ist: starker Tobak! Aber ich glaube auch, dass es letzten Endes der einzige Weg ist, in herausfordernden Situationen des Lebens einen entspannten Blick zu behalten auf die Größe, Liebe und Gnade Gottes, wenn ich mir bewusst mache: Gott schuldet mir nichts! Er segnet mich nicht, weil er muss, sondern weil er will. Gott ist an meinem Leben wirklich interessiert und nicht gezwungenermaßen. Er hat ein großes Interesse daran, dass mein Leben sich entfaltet und dass ich das Leben lebe, das Gott mir zugedacht hat.

Natürlich gibt es Situationen und Umstände, die das nicht immer einfach machen. Ich denke an Krankheiten und Schicksalsschläge, die uns in der Tat den Anschein geben, dass Gott uns verlassen hat. Der Schmerz darüber, dass nicht nur eine Kleinigkeit, sondern etwas Großes in unserem Leben ganz anders verläuft, als wir uns das wünschen, kann gemein und ätzend sein. Es lässt uns in Gedanken kreisen, nimmt uns die Luft zum Atmen, raubt uns manchmal den Schlaf – und gaukelt uns vor, Gott sei uns etwas schuldig. Wir verschließen uns innerlich vor Gott, weil wir erst mal sagen “Mach du mal deinen Job, dann kann ich wieder an dich glauben und dir vertrauen”.

Aber vielleicht hat Gott nie aufgehört, “seinen Job zu tun”?

Ich denke an die unzähligen Stellen in der Bibel, in denen die Verheißungen Gottes stehen, dass er gerade denen nahe ist, die zerbrochenen Herzens sind, die vor einem Scherbenhaufen stehen, die nicht wissen, was morgen kommt und wieso das Leben so läuft, wie es läuft.

Er ist ein Gott der “Witwen und Waisen” (Psalm 68,6), er ist ein Gott derer, die zerbrochen sind (Psalm 34,19) und wird die, die am Boden und geknickt sind nicht noch weiter runterdrücken, sondern ihnen aufhelfen (Jesaja 42,3). Das sind nur drei Stellen – es gibt noch jede Menge mehr. Diese Aussagen gelten. Sie sind keine Wünsche oder nette Verse für Spruchkarten – sie sind viel mehr. Sie sind Aussagen über das Wesen Gottes, wie sie prophetisch über deinem Leben stehen!

Wow! So ist Gott. So groß ist Gott. So einzigartig ist Gott! Dieser ewige, liebende Schöpfergott entscheidet sich aus freien Stücken dazu, mein Leben zu segnen – und nicht, weil er es müsste, sondern weil er will und es sein Wesen ist.

Es gibt einen Song von TobyMac, der das auf wunderbare Weise ausdrückt. “Undeniable” – hör ihn dir an!

https://www.youtube.com/watch?v=FyZkVeUQoCc

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