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Kompass für schwierige Gespräche

Ich wünschte, dieses Buch schon vor Jahren gelesen zu haben. Was ist das für ein unglaublicher Goldschatz und Ratgeber. Vorweg: Ich empfehle dieses Buch allen – und wirklich ausnahmslos allen -, die mit Menschen zu tun haben und immer wieder vor herausfordernden Gesprächen stehen. Dieses Buch könnte dazu beitragen, dass viele Missverständnisse und Verletzungen erst gar nicht geschehen.

Das EIGER-Modell

Ich bin kein Bergsteiger-Experte, deswegen will ich auch keine Vergleiche anstellen. Der Eiger ist nicht nur ein Berg, sondern auch Namensgeber für diesen “Kompass für schwierige Gespräche”. Dabei steht “EIGER” für die Anfangsbuchstaben von 5 Komponenten einer jeden herausfordernden Gesprächsmixtur:

Ereignis

Interpretation

Gefühle

Empathie

Reaktion

René Meier, Pfarrer und Geschäftsführer einer Kommunikations- und Beratungsfirma (www.redens-art.ch), weist immer wieder darauf hin: Diese Phasen eines Gesprächs laufen nicht streng chronologisch und linear ab. Mitunter kann es recht turbulent zugehen – und ich denke, dass das jeder weiß, der schon herausfordernde Gespräche führen musste.

Dennoch: diese fünf Phasen durchlaufen wir vor, während und nach einem schwierigen Gespräch. Und es ist gut, sich dieser Phasen bewusst zu sein und zu erkennen, wie sie miteinander in Zusammenhang stehen oder einander bedingen. Dabei gilt eine Maxime, die Meier immer wieder betont.

Deshalb heißt der wichtigste Grundsatz im Blick auf schwierige Gespräche: Die wichtigste Person sind Sie!S. 11

Die wichtigste Person

Und weil ich als Leser dieses Kompasses die wichtigste Person bin, fordert es sehr heraus. Wer meint, in diesem Buch einen Ratgeber dafür zu bekommen, wie man am besten aus schwierigen Diskussionen herauskommt und wie man es schafft, am besten seine eigene Meinung durchzubringen – der muss dieses Buch nicht lesen. Er wird darüber nämlich keine Auskunft bekommen.

Wer aber an sich selbst arbeiten möchte, schwierige Gespräche als Herausforderung und Chance und nicht als Damokles-Schwert oder Katastrophenszenario zu sehen, der wird hier fündig. Genauso wird der fündig, der ganz praktisches Handwerkzeug benötigt, wie er durch schwierige Gespräche hindurch navigieren kann. Und: fündig wird jeder, der auch eine gute, saubere, knackige theologische Begründung sucht und ein paar überraschende Erkenntnisse gewinnen möchte, inwiefern schon in der Bibel schwierige und herausfordernde Gespräche an der Tagesordnung waren und wie die Menschen damit umgingen.

Und nicht zuletzt wird jeder fündig, der im Gegenüber – mag er noch so konträrere Ansichten haben und “schräg” rüberkommen – einen liebevollen, liebenswerten und von Gott wunderbar gemachten Menschen sieht, der das Recht auf ein faires Gespräch hat.

Das bedeutet nun aber eben nicht, dass ich nur an mir arbeiten muss und dass ich das Problem bin, aber dass eine gesunde Selbstwahrnehmung und manchmal auch eine angebrachte Selbstdistanz dazu führen können, schwierige Gespräche gut zu meistern.

Praktische Tipps und Handwerkzeug

Meier liefert in diesem Buch aber nicht nur Theorie, sondern auch wirklich handfestes Handwerkzeug für die Praxis. Meist in Form von Fragen, aber auch in Form von jeder Menge Fallbeispielen, in denen ich mich teilweise sofort wiederfinden konnte, ohne sie exakt so erlebt haben zu müssen.

Natürlich gibt es nicht den 1:1-Leitfaden für schwierige Gespräche, weil schwierige Gespräche ja genau deswegen so schwierig sind, weil sie sich nicht nach “Schema F” verhalten. Meier schafft es aber wirklich hervorragend, so praxisnah und fokussiert Formulierungen von Fragen anzubieten, die sich schon beim Lesen und Reflektieren als wunderbares Handwerkzeug entpuppen.

Darüber hinaus skizziert Meier sehr kurz, prägnant aber eben genau auf das Wesentliche reduziert Kommunikations-Theorien, über die es schon viele andere Bücher gibt, die in “Kompass für schwierige Gespräche” aber auf die Essenz reduziert werden – und dadurch eine großartige Hilfestellung sind.

Im Blick auf die erste Phase, das “Ereignis” und die Frage, wie man zu gemeinsamen Lösungen kommen kann, skizziert Meier das “Havard-Konzept” (wikipedia.org/wiki/Harvard-Konzept) von Roger Fisher.

Vielen sicherlich bekannt, aber dennoch hilfreich und mit schöner Grafik aufgenommen ist das “4-Ohren-Modell” von Friedemann Schulz von Thun (www.schulz-von-thun.de/die-modelle/das-kommunikationsquadrat). Zuletzt – für mich auch nicht neu, aber in diesem Zusammenhang sehr inspirierend – beschreibt Meier das Konzept der “gewaltfreien Kommunikation” nach Marshall B. Rosenberg (wikipedia.org/wiki/Gewaltfreie_Kommunikation).

Fazit

“Kompass für schwierige Gespräche” ist genau das, was der Titel sagt: Ein Kompass. Ich muss ihn schon verwenden und dann gibt er mir die Richtung vor – gehen muss ich aber selbst. Durch dieses Buch bekommt der Leser aber so viele wertvolle Handreichung, dass das nächste schwierige Gespräch schon nicht mehr so schwierig sein sollte.

Voraussetzung sind für mich zwei Dinge:

  1. Die Bereitschaft, an sich selbst zu arbeiten.
  2. Eine wertschätzende Haltung meinem Gesprächspartner gegenüber.

René Meier schreibt sehr verständlich, ohne trivial zu wirken. Die vielen Fallbeispiele, die klare und verständliche Sprache und die hohe Praxisrelevanz machen das Buch zu einem unverzichtbaren Begleiter für jede Führungsperson, jede Pfarrerin und jeden Pfarrer, jeden Leiter, jede Leiterin – kurz: Für jeden, der immer wieder vor schwierigen Gesprächen steht.

Infos:
224 Seiten
15,99 EUR
ISBN: 978-3-7751-5840-4
SCM Hänssler

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Was ist Gott dir schuldig?

Kleine Vorwarnung: Dieser Artikel könnte dich vielleicht ein wenig provozieren, wenn du gerade an Gott zweifelst. Er könnte allerdings auch dafür sorgen, dass so manches zurecht gerückt wird in deinem Denken, Glauben und Herzen. Vielleicht tut er Letzteres ja auch, obwohl (oder gerade weil?) du gerade zweifelst. Wer weiß.

Also stellen wir uns dieser Frage, was Gott dir schuldig ist. Vielleicht schüttelst du ja schon allein bei der Frage den Kopf und denkst: “Was soll das?” Ich würde es mal so sagen: Nicht wenige Menschen sind von Gott enttäuscht. Entweder punktuell, weil er – in ihren Augen – in einer bestimmten Situation nicht so reagiert oder reagiert hat, wie sie sich das wünschten. Oder Menschen sind generell von Gott enttäuscht, weil sie zu viel negative Erfahrungen gemacht haben im Glauben – und in ihren Augen Gott dafür verantwortlich oder eben schuldig ist.

Und um es einfach zu machen und schon mal auf den Punkt zu kommen, gebe ich dir meine Antwort darauf – ohne den Anspruch zu erheben, dass das der Weisheit letzter Schluss ist.

Was also ist Gott dir schuldig?

Nichts! Das ist die einzig richtige Antwort, die in meinen Augen Bestand hat. Gott ist dir nichts schuldig, gar nichts. Leider meinen wir aber oft, dass er das ist: er hat unser Leben zu segnen, sich um uns zu sorgen, zu kümmern und dafür Sorge zu tragen, dass es uns gut geht. Hat er das?

Ich würde mal sagen: Nein, hat er nicht. Aber – und das ist der entscheidende Punkt – er will. Er will sehr, sehr gerne. Von Herzen möchte er das.

Und hier sind wir an einem Punkt, an dem wir mal kurz innehalten sollten: Gott will dein Leben segnen, will dich bewahren, will, dass dein Leben aufblüht. Er muss es nicht, weil Menschen ihm das zuschreiben – er will!

Ich finde das durchaus faszinierend und es macht Gott für mich noch unfassbar wunderbarer und unglaublich liebevoller, als er es ohnehin in meinem Denken und Verstehen schon ist – weil er eben nicht muss, sondern will.

Wir sagen sehr oft, dass der Mensch das am höchsten entwickelte Lebewesen ist. Nun, wenn ich da an manche Verhaltensweisen (ich schließe mich da nicht aus) des Menschen im Blick auf Gott denke, bin ich mir am Wahrheitsgehalt dieser Aussage nicht mehr ganz so sicher. Denn der Mensch steht sich manchmal selbst im Weg.

Besonders verpassen wir die Segnungen Gottes in unserem Leben dort, wo wir meinen, dass Gott uns etwas schuldig sei. Enttäuschung, Zweifel, Frust sind da vorprogrammiert. Wie soll Gott es denn schaffen, unsere Erwartungen zu erfüllen, die heute nicht die gleichen sind wie gestern und morgen nicht die gleichen sein werden wie heute? Natürlich dürfen und sollen wir von Gott mehr erwarten – das kannst du hier auch nachlesen.

Der entscheidende Unterschied

Für mich aber ist es ein Unterschied, ob ich meine, dass Gott mir etwas schuldig ist – oder ob ich dankbar annehme, was ich erwarte (oder sogar noch mehr) – und wenn ich es nicht “bekomme” nicht wie ein dreijähriges Kind reagiere, das trotzig Gott auf die Anklagebank schickt.

Natürlich meine ich auch nicht, dass wir nun fatalistisch alles über uns ergehen lassen, die Hände in den Schoß legen und eine “mir doch egal”-Haltung annehmen. Vielmehr besteht die Herausforderung doch darin, Gott zu vertrauen, der dich segnen will, der dich bewahren will, der will, dass dein Leben aufblüht.

Oder anders gesagt: Du kannst dir jeden Tag, vor Herausforderungen, in schwierigen Lebensphasen oder in dunklen Tälern, durch die dein Lebensweg sich schlängelt, die Fragen stellen: Ist das alles hier Zufall? Schaut Gott gerade weg? Will Gott mir sogar Böses? Oder könnte es sein, dass das alles kein Zufall ist, sondern Gott einen guten Plan mit meinem Leben verfolgt – auch wenn ich ihn im Moment noch nicht ganz erkenne?

Könnte es sein, dass hinter allem unbestreitbar und unverkennbar der Gott steht, dessen eigentliches Wesen das des Vaters ist?

Starker Tobak

Ich weiß, dass es genau das ist: starker Tobak! Aber ich glaube auch, dass es letzten Endes der einzige Weg ist, in herausfordernden Situationen des Lebens einen entspannten Blick zu behalten auf die Größe, Liebe und Gnade Gottes, wenn ich mir bewusst mache: Gott schuldet mir nichts! Er segnet mich nicht, weil er muss, sondern weil er will. Gott ist an meinem Leben wirklich interessiert und nicht gezwungenermaßen. Er hat ein großes Interesse daran, dass mein Leben sich entfaltet und dass ich das Leben lebe, das Gott mir zugedacht hat.

Natürlich gibt es Situationen und Umstände, die das nicht immer einfach machen. Ich denke an Krankheiten und Schicksalsschläge, die uns in der Tat den Anschein geben, dass Gott uns verlassen hat. Der Schmerz darüber, dass nicht nur eine Kleinigkeit, sondern etwas Großes in unserem Leben ganz anders verläuft, als wir uns das wünschen, kann gemein und ätzend sein. Es lässt uns in Gedanken kreisen, nimmt uns die Luft zum Atmen, raubt uns manchmal den Schlaf – und gaukelt uns vor, Gott sei uns etwas schuldig. Wir verschließen uns innerlich vor Gott, weil wir erst mal sagen “Mach du mal deinen Job, dann kann ich wieder an dich glauben und dir vertrauen”.

Aber vielleicht hat Gott nie aufgehört, “seinen Job zu tun”?

Ich denke an die unzähligen Stellen in der Bibel, in denen die Verheißungen Gottes stehen, dass er gerade denen nahe ist, die zerbrochenen Herzens sind, die vor einem Scherbenhaufen stehen, die nicht wissen, was morgen kommt und wieso das Leben so läuft, wie es läuft.

Er ist ein Gott der “Witwen und Waisen” (Psalm 68,6), er ist ein Gott derer, die zerbrochen sind (Psalm 34,19) und wird die, die am Boden und geknickt sind nicht noch weiter runterdrücken, sondern ihnen aufhelfen (Jesaja 42,3). Das sind nur drei Stellen – es gibt noch jede Menge mehr. Diese Aussagen gelten. Sie sind keine Wünsche oder nette Verse für Spruchkarten – sie sind viel mehr. Sie sind Aussagen über das Wesen Gottes, wie sie prophetisch über deinem Leben stehen!

Wow! So ist Gott. So groß ist Gott. So einzigartig ist Gott! Dieser ewige, liebende Schöpfergott entscheidet sich aus freien Stücken dazu, mein Leben zu segnen – und nicht, weil er es müsste, sondern weil er will und es sein Wesen ist.

Es gibt einen Song von TobyMac, der das auf wunderbare Weise ausdrückt. “Undeniable” – hör ihn dir an!

https://www.youtube.com/watch?v=FyZkVeUQoCc

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Wertschätzung

Wenn ich glaube, dass jeder Mensch einzigartig und als Ebenbild Gottes geschaffen wurde, dann ist Wertschätzung an sich nichts Besonderes, sondern ein Ausdruck dieser Überzeugung. Dennoch scheint es gerade innerhalb christlicher Gemeinden sehr schwierig zu sein, echte Wertschätzung zu leben.

Wieso ist das so? Und warum lohnt es sich, Wertschätzung zu leben? Darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Was ist eigentlich Wertschätzung?

Ich werde jetzt nicht Wikipedia oder Google bemühen, sondern Dir schlicht und einfach meine Sicht von Wertschätzung mitteilen.

Wertschätzung ist kein Projekt, sondern eine Haltung. Sie ist kein Programm, sondern ein Lebensstil. Sie ist erlernbar – und leider auch verlernbar.

Wertschätzung bedeutet, dem anderen Menschen so gegenüberzutreten und so mit ihm zu agieren, dass sein Wert als Ebenbild Gottes “geschätzt” wird, das heißt:

Ich erkenne in meinem Gegenüber einen wahren Schatz, weil er einen Wert hat, den ihm sein Schöpfer zugeschrieben hat und es nicht an mir liegt, diesen Wert durch eine negative Interaktion zu minimieren.

Wohlgemerkt: Den Wert zu minimieren – nicht seine Handlungen oder Äußerungen. Ich kann jemandem wertschätzend entgegentreten, dessen Handlungen und Überzeugungen ich nicht teile. Genauso wenig bedeutet Wertschätzung, zu allem “Ja und Amen” sagen, was der andere äußert oder vollbringt.

Das bedeutet natürlich und vor allem auch, dass ich denjenigen Menschen Wertschätzung entgegenbringe, die mir nicht liegen. Soll ich also auch meinem Fein Wertschätzung entgegenbringen? Natürlich! Soll ich sogar einem Verbrecher Wertschätzung entgegenbringen? Auf jeden Fall! Soll ich meinen Freunden Wertschätzung entgegenbringen? Logisch!

Und ich glaube, hier müssen wir genauer einsteigen, wie sich Wertschätzung äußert.

Den anderen wahrnehmen

Das klingt so simpel – aber ist es überhaupt nicht. Ich kann einem Menschen im Gespräch äußerlich zuhören, aber innerlich auf Durchzug schalten. Ich kann mich mit Menschen unterhalten, mit meinen Augen aber die Umgebung abscannen, ob sich nicht doch noch eine bessere Option für den Moment findet.

Wahrnehmung beginnt dort, wo ich mich ganz auf den anderen einlasse, mit dem ich für diesen Moment das Gespräch habe, der mir im Moment begegnet. Dann zählt nichts anderes, sondern diese Person. Ich gebe zu: Das ist alles andere als einfach, denn es beginnt schon im Kopf, in dem sich alle möglichen anderen Gedanken, Wichtigkeiten und Nebensächlichkeiten auftürmen und uns vom Gegenüber ablenken wollen.

Wahrnehmung heißt, ich nehme den Menschen ganzheitlich wahr: seine Worte, seine Mimik, seine Gestik – kurz: seine Körpersprache.

Ich nehme ihn aber auch innerlich wahr: Was treibt ihn um? Wo hat er gerade Herausforderungen? Was glückt ihm gerade so richtig? Wo drückt ihn der Schuh? Wie steht es um seine Familie, seine Zeit mit Gott und wie lebt er seine Berufung?

Bevor du dich jetzt überfordert fühlst: Das geht natürlich nicht bei allen Begegnungen in dieser Tiefe, denn manche Menschen kennen wir nur “flüchtig”. Dann gilt es vor allem, im Moment ganz achtsam und präsent zu sein.

Wertschätzung beginnt dort, wo ich ich mich auf mein Gegenüber einlasse und ihm signalisiere und zeige: Ich bin da. Schieß los! Was ist dein Anliegen?

Oder anders ausgedrückt und einfacher: Mein Gegenüber ist mir einfach wichtig!

Den Schatz heben

Wenn jeder einzelne Mensch als Ebenbild, als Gegenüber Gottes geschaffen ist – dann steckt in jedem einzelnen Menschen jede Menge Potenzial und Power. Wertschätzung heißt für mich dann konkret: Dem anderen helfen, sein Potenzial zu entfalten.

Dazu ein ganz einfaches Beispiel. Meine Frau Damaris (www.instagram.com/damaris_brunner) hat vor über einem Jahr in unserer Kirchengemeinde die SHINE WOMAN-Arbeit begonnen (klick dich rein unter www.wutachblick.de/shine). Dabei hat sie sich auf die Suche begeben nach weiteren Frauen in unserer Gemeinde, mit denen sie diese Arbeit beginnen und nachhaltig gestalten kann. Leider bin ich auf Grund meines Geschlechts disqualifiziert, an den Angeboten dieser SHINE WOMAN-Arbeit teilzunehmen, aber ich ziehe meinen Hut und habe größten Respekt vor meiner Frau, die eine wahre Wertschätzerin und Potenzialentfalterin ist. Wie sie in den einzelnen Meetings, aber auch in Gesprächen, Telefonaten, Emails und anderen Wegen der Kommunikation dabei ist, andere in ihre Bestimmung, in ihre Berufung zu führen, indem sie ihnen hilft, ihre Gaben und ihr Potenzial nicht nur zu erkennen, sondern auch zu entfalten, ist einfach einzigartig und wunderbar.

Meistens braucht es gar nicht viel Anstrengung, denn das Potenzial im anderen ist ja schon längst da. Was es braucht ist

  • Mut, neue Wege zu gehen und dem anderen die Entfaltung zu erlauben.
  • Freude daran, den anderen in seiner Bestimmung und Berufung wachsen zu sehen.
  • Leidenschaft, nicht aufzugeben, sondern dranzubleiben.
  • Visionen für etwas Größeres, das sein wird als das, was schon ist.

Ich selber versuche in den Teams, mit denen ich zusammenarbeite, immer wieder Potenziale zur Entfaltung kommen zu lassen. Ich will anderen etwas zutrauen – wo sie selbst sich vielleicht noch gar nicht so viel zutrauen. Was soll schon schief gehen? Es kann im schlechtesten Fall der Zustand erreicht werden, an dem wir jetzt schon sind. Im besten Fall entfaltet der oder die andere aber ein Teil seines Potenzials – und das bedeutet: Wir sind einen ganzen Schritt weiter.

In Liebe korrigieren

Auch das gehört zur Wertschätzung, obwohl es auf den ersten Blick nicht so aussieht. Es hat aber einen ganz einfachen Grund:

Ich möchte, dass mein Gegenüber eine bessere Ausgabe seiner selbst wird.

Dann korrigiere ich auch – in Liebe!

Im Prinzip ist das ja selbstverständlich, nur in der Praxis nicht immer einfach. Ich will es aber einmal mehr mit der Erziehung von Kindern vergleichen. Wenn ich den Eindruck habe, dass die Ausdrucksweise meiner Kinder oder das Verwenden mancher Wörter nicht unbedingt förderlich ist, dann korrigiere ich sie. Dann sage ich ihnen, dass das Wort XY nicht das Beste ist und aus welchem Grund.

Ich korrigiere – nicht um Recht zu behalten, sondern um den anderen besser zu machen. Ob und wie er meinen Rat und Korrektur annimmt, liegt nicht in meiner Hand und spielt auch nicht die entscheidende Rolle. Die spielt meine Haltung – ob es in Liebe geschieht oder ob ich dem anderen eins “überbraten” will mit meiner Kritik.

“Liebe” heißt in diesem Fall: Ich habe eine schier unbändige Sehnsucht danach, dass es meinem Gegenüber in diesem einen Bereich, den ich gerade wahrnehme, nach unserem Gespräch bzw. nach unserer Begegnung spürbar und messbar besser geht – und im besten Fall ist das nachhaltig.

Hindernisse auf dem Weg zur Wertschätzung

Das alles klingt so schön. So gut. So erstrebenswert.

Ohne sie nach Priorität oder Kausalität geordnet zu haben, gibt es aber auch verschiedene Hindernisse, die auf dem Weg zu einer wertschätzenden Haltung überwunden werden müssen oder die zumindest im Weg stehen, wobei das Überwinden vielleicht gar nicht so einfach ist

Die Frage nach meiner Identität

Geistlich betrachtet ist das irgendwie der “Joker” in so vielen Auseinandersetzungen und Fragestellungen, die mir begegnen. Die Frage nach meiner eigenen Identität (Wer bin ich?) ist in so vielen Lebensbereichen entscheidend, dass man schon fast von einer grundlegenden (den Grund legenden) Fragestellung sprechen muss. Aber sie trifft in besonderer Weise auch im Blick auf Wertschätzung zu.

Es ist nicht sonderlich schwierig zu verstehen, dass Menschen, die sich selbst nicht annehmen können bzw. nicht wissen, wer sie eigentlich sind, auch anderen Menschen nicht wertschätzend entgegentreten können. Oder aber sie versuchen, über ihr eigenes Identitätsproblem hinwegzugehen und sich umso mehr in andere Menschen zu investieren, was aber eher einem zwanghaften Lebensstil als einer authentischen Form der Wertschätzung zuzuschreiben ist.

Wenn ich aber weiß, wer ich bin, kann ich anderen so wertschätzend entgegen treten, dass ich keine Angst haben muss, selbst zu kurz zu kommen.

Ich bin ein geliebtes Kind meines himmlischen Vaters.

Wenn diese Aussage deine Identität beschreibt, dann hast du nichts zu befürchten, denn dein himmlischer Vater wird sich um alles sorgen, was du brauchst. Du bist nicht abhängig von Menschen und Situationen, sondern einzig und allein von deinem himmlischen Vater, der weiß, was du brauchst. Also kannst du anderen Menschen wertschätzend entgegenzutreten ohne die Befürchtung zu haben, dadurch selbst zu kurz zu kommen.

Blinder Gehorsam gegenüber Regeln

Lass mich eines vorab sagen: Regeln sind gut und wichtig! Sie ordnen unser Zusammenleben in der Gesellschaft, im Klassenzimmer, im Straßenverkehr – und in der Gemeinde. Insofern sind Regeln nicht per se schlecht.

Gefährlich wird es nur dann, wenn wir Regeln nicht mehr beginnen zu hinterfragen, sondern unkritisch übernehmen. Was folgt ist ein schleichender aber umso gefährlicherer Weg des Sterbens und Abstumpfens. Meistens erkennbar an einem allgegenwärtigen Staunen und Schweigen bei der Frage: “Warum machen wir das einfach so, wie wir es machen?” “Weil…äh…ja, weil….keine Ahnung.”

Es ist wie in der Kindererziehung. Wenn ich meinen Kindern nicht plausibel erklären kann, weshalb es bestimmte Regeln gibt und wenn sie nicht verstehen, weshalb es gut ist, sich an diese Regeln zu halten, werden sie sie blind befolgen – und irgendwann keine Ahnung darüber haben, warum sie tun, was sie tun. Und das möchte ich unter allen Umständen vermeiden.

Ebenso ist es absolut zu vermeiden, dass Menschen in der Gemeinde etwas tun (oder nicht tun) – und das “Warum” nicht erklären oder beantworten können. Logischerweise fällt es ihnen dann umso schwerer, Menschen oder Situationen wertzuschätzen, die mit diesem Vakuum an Sinn zu tun haben.

Gesetzlichkeit

Ich würde nicht sagen, dass diese automatisch und alleine eine Folge von blindem Gehorsam gegenüber Regeln ist, aber es ist definitiv eine Möglichkeit – und wohl die wahrscheinlichste.

Gesetzlichkeit ist sozusagen der blinde Gehorsam gegenüber Regeln, den ich auch von allen anderen fordere und nicht nur selber leiste. Aber das reicht noch nicht. Hinzu kommt das, was ich im folgenden Punkt noch beschreiben werde: ein Richten und Urteilen über die Menschen, die diesen blinden Gehorsam nicht bringen.

Gesetzlichkeit ist der Feind aller Freiheit im Glauben und führt immer und ausnahmslos in die Enge und setzt Menschen unter Druck.

Es ist hoffentlich nicht weiter nötig, aber ich betone es trotzdem: Gesetzlichkeit und biblischer Glaube haben nichts miteinander zu tun. In der Bibel heißt es: “Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit!” (2. Korinther 3,17)

Wertschätzung setzt Menschen frei, sie bestätigt das Potenzial von Menschen und möchte Menschen aufblühen lassen. All das will Gesetzlichkeit nicht, ja kämpft sogar dagegen an. Nicht verwunderlich, dass gesetzliche Menschen wenig mit Wertschätzung anfangen können und schon gar nicht wertschätzende auftreten und anderen Menschen gegenüber treten können.

Richten statt umarmen

Schnell sind wir dabei, andere Menschen zu richten anstatt sie zu umarmen. Natürlich immer nur unter dem Vorwand: “Man kann doch nicht alles so stehen lassen und gutheißen, was der andere macht. Das weiß doch jeder, dass das nicht geht.” Mag sein – aber kann man wirklich nicht? Ist ein Umarmen des anderen wirklich eine Bejahung dessen, was er tut oder nicht einfach viel mehr ein Ausdruck göttlicher Gnade?

Vielleicht sollte ich hinzufügen, dass ich “umarmen” durchaus im übertragenen Sinn meine – man könnte auch sagen “annehmen” oder “wertschätzend gegenübertreten”. Es ist leider landauf landab ein stark ausgeprägtes aber dennoch falsches Vorurteil, dass wenn ich einem Menschen mit Wertschätzung begegne oder ihn einfach so annehme, wie er ist, automatisch alles, was er sagt und tut unterstreiche und ihn darin bestärke. Das ist aber vollkommener Quatsch. Jesus selbst hat es vorgelebt. Nur ein Beispiel, es wird in der Bibel im Lukas-Evangelium im 19. Kapitel überliefert. Jesus begegnet einem Zolleinnehmer namens Zachäus äußerst wertschätzend und umarmt ihn, indem er bei ihm zuhause Gast sein und zu Abend essen möchte – was in der damaligen Kultur der Ritterschlag schlechthin war.

Unterstützt Jesus dadurch das betrügerische Handeln dieses Zöllners? Überhaupt nicht. Im Gegenteil, denn am Ende der Begegnung wird uns überliefert, dass Zachäus sein Leben komplett änderte. Warum? Weil Jesus ihn annahm, ohne sein Verhalten gutzuheißen. Er hätte ihn auch richten und verurteilen können – und Zachäus damit jede Chance auf Veränderung nehmen können.

Warum sich Wertschätzung immer auszahlt

Je nach Situation und je nach Kontext, je nach Bekanntheitsgrad und je nach Möglichkeit der Vertiefung sieht der Benefit von Wertschätzung immer anders aus, aber eines ist sicher: Wertschätzung zahlt sich immer aus.

  • Mein Gegenüber wächst mehr und mehr zu der Ausgabe seiner selbst, die von Gott gedacht war.
  • Wertschätzung bereitet den Boden für Produktivität und Teamarbeit.
  • Ich ermögliche meinem Gegenüber, seine Gaben, Talente, Fähigkeiten zu entdecken und auszuleben.
  • Geschieht Wertschätzung im Gemeindekontext, prägt und verändert sie die Gemeindekultur immer – und zwar ausschließlich zum Guten.
  • Ich selbst werde 100%ig Freude daran haben, dem anderen im Wachstum seines Glaubens, seiner Identität, seines Lebens zusehen zu können und Teil davon zu sein.
  • Wertschätzung zeigt mir: Es gibt immer einen Mittelpunkt und eine Hauptsache – und ich bin es nicht.
  • Im Sinne der alten Pfadfinderweisheit “Jeden Tag eine gute Tat” kann ich mich darüber freuen, etwas Gutes getan zu haben – in einer Welt, in der es so viele “bad news” gibt.

Der für mich vielleicht größte Gewinn ist, dass ich – und das schreibe ich nun als Leiter und Pfarrer einer Gemeinde – “im göttlichen Flow” bin. In der Bibel wird die Gemeinde Gottes einmal mit einem Körper und seinen unterschiedlichen Körperteilen verglichen (1. Korinther 12). Jedes Körperteil ist wichtig, keins ist wie das andere und alle freuen und leiden mit dem anderen mit.

Wertschätzung bedeutet demnach:

Inspiriert vom Heiligen Geist dem anderen helfen, sich als Teil dieses Leibes Jesu wahrzunehmen (Identität), seinen Platz innerhalb der Gemeinde Jesu einzunehmen (Gaben und Fähigkeiten entdecken) und seine Funktion auszuüben (Potenzial entfalten).

Wenn du noch tiefer einsteigen und ganz praktische Tipps und Wertschätzungsgeschichten lesen möchtest, empfehle ich dir das Buch “Wunderwaffe Wertschätzung” von Tim Niedernolte.


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4 Notwendigkeiten für Innovation

Dieser Beitrag ist im Grunde nichts anderes als eine Übersetzung und Zusammenfassung (aus dem Kopf) einer ganz bestimmten Folge des Leadership Podcasts von Craig Groeschel.

Diese Folge trägt den Titel “The Four Essentials of Innovation“. Ich habe die Folge gehört – und musste sie gleich nochmal hören. Und als ich sie das zweite Mal gehört hatte, musste ich sie ein drittes Mal hören. So wesentlich und so konzentriert bringt es Craig Groeschel auf den Punkt.

Da nicht jeder gerne Podcasts hört, ist es mir ein Anliegen seine (!) Gedanken zu teilen, die auf meine Interpretation treffen. Aber um es deutlich zu machen: Die vier Notwendigkeiten sind nicht meine Idee – sondern die von Craig Groeschel. Es sind vier Notwendigkeiten, die unbedingt gegeben sein müssen für Innovation. Los geht’s!

1Ein zu lösendes Problem

“Logisch!” magst du denken. Aber ist es wirklich so logisch? Ich würde mal die Betonung nicht auf “Problem”, sondern auf “ein zu lösendes” legen. Dann ist das schon mal gar nicht so “logisch”, weil es uns vor die Frage stellt: Wie sehen wir Herausforderungen? Als “zu lösendes Problem” oder als “unlösbare Hürde”?

Ich glaube, dass es sehr entscheidend ist, ob Probleme uns in Lethargie und Schockstarre versetzen oder ob wir sie als Herausforderungen ansehen, die wir umarmen, angehen und das Beste daraus machen.

Ob im privaten Umfeld, in der Kirchengemeinde oder im Unternehmen – Herausforderungen (ich mag dieses Wort mehr als das Wort “Probleme”) begegnen uns ständig und immer wieder. Selbst wenn wir eine Herausforderung meistern oder vor ihr wegrennen – die nächste wartet bestimmt.

2Begrenzte Ressourcen

Echt jetzt? Ist es nicht eher umgekehrt? Ich benötige doch sehr viele Ressourcen, um ein Problem zu lösen oder eine Herausforderung zu meistern!

Zeit für die Vorbereitung von so vielen Meetings.
Geld für die vielen Ausgaben für Sachkosten und Personal.
Diverses Material für die unterschiedlichen Angebote innerhalb der Gemeinde.
Manpower, um die einzelnen Projekte auch stemmen zu können.

Das alles benötige ich doch als Grundlage, um überhaupt arbeiten zu können.

Mitnichten! Es überzeugt mich voll und ganz, was Craig Groeschel dazu sagt: Wir laufen Gefahr, uns einfach die Dinge zu “kaufen”, die wir benötigen, wenn wir ausreichend Ressourcen haben. Wenn wir diese aber nicht haben, wird unser kreativer Geist geweckt und wir sind herausgefordert, kreativ zu denken. Das bedeutet auch, so gut es geht “Entweder-Oder”-Szenarien zu vermeiden und stattdessen viel mehr innovativ und “out of the box” zu denken.

Ich glaube in der Tat, dass da jede Menge dran ist. Nur wer “gezwungen” ist, kreativ zu denken, wird auch innovativ sein.

Kleines Beispiel: Wenn ich in der Kirchengemeinde eine hauptamtlich angestellte Person für einen bestimmten Bereich möchte und alles Geld der Welt habe – dann stelle ich sie einfach ein. Vielleicht vorschnell, vielleicht unüberlegt. Vielleicht ist die Person die richtige – aber es könnte sich auch entpuppen, dass sie gar nicht passt. Aber dank des Geldes war sie schnell eingestellt.

Wenn mir nun die finanziellen Mittel zumindest teilweise fehlen, muss ich kreativ werden. Ich muss ein Fundraising-Konzept entwickeln und das beinhaltet nicht nur das stupide Betteln um Geld sondern vielmehr benötige ich einen kompletten Ansatz, was ich denn mit der Stelle bezwecke, welchen Mehrwert das für potentielle Spender hat und wie sich diese Stellenkonstellation auf die Gesamtgemeinde auswirkt.

Und schon beginne ich, innovativ und kreativ zu denken und vor allem: Das “Problem” gehe ich mehrdimensional an und versuche, verschiedene Facetten und Faktoren zu bedenken.

Natürlich wünschen wir uns allzuoft unendliche Ressourcen und meinen, damit die meisten Probleme lösen zu können. Ich glaube aber (v.a. nachdem ich den Podcast mehrfach gehört und darüber nachgedacht habe), dass das einfach nicht stimmt und ein neuzeitliches Märchen ist.

Wirklich weiter kommen wir dort, wo Ressourcen begrenzt sind und dadurch unsere Kreativität und Innovationsbereitschaft gefördert wird.

Also. Nicht jammern, wenn was fehlt, sondern innovativ denken und handeln. Wie? Das kannst du hier nachlesen.

3Die Bereitschaft, Fehler zu machen

Wir leben in einer extrem perfektionistischen Zeit. Auf Instagram werden nur die schönsten Selfies und Urlaubsfotos gezeigt, auf Facebook teilen wir die schönsten Erlebnisse mit Freunden und Familie und in “real life” kaschieren wir das ein oder andere mit einer tüchtigen Fassade.

Wo bitteschön ist in solch einer Welt noch Platz für Fehler? Aber genauso wie Jesus in vielen Dingen kontra war, so ist Innovation auch immer kontra – sonst bräuchte man sie ja nicht.

Und wo sie von ihrem Wesen “kontra” ist, da ist sie es auch von ihren Mitteln – und das bedeutet: Fehlermachen erwünscht!

Der Grund ist doch simpel: Aus Fehlern lernen wir! Und wer lernt, kommt weiter. Wer nicht lernt, bleibt stehen, wo er schon ist. Das bedeutet, die Bereitschaft, Fehler zu machen, muss vorhanden sein, um Innovationen platzieren zu können.

Auch hierfür bin ich Craig Groeschel unheimlich dankbar, denn wenn man sich das mal genauer anschaut, wird schnell klar: Nur wenn ich bereit bin, Fehler zu machen und zuzugestehen, kann ich mich weiterentwickeln und vor allem frei sein: frei denken, frei planen, frei handeln. Nicht eingeengt sein in ein bestehendes Korsett und System, sondern die Freiheit haben, neue Wege zu denken und einzuschlagen. Das ist extrem wichtig für Innovation und vor allem für alle Mitarbeitende bspw. in der Gemeinde, da sie die Gewissheit haben, Fehler machen zu dürfen – ohne einen Kopf kürzer gemacht zu werden. Das lässt wirklich frei arbeiten, denken und spinnen – oder eben: innovativ sein.

4Eine verrückte Idee

Kommen wir zum lustigen Teil der vier Notwendigkeiten. Ich liebe verrückte Ideen. Frei nach dem Motto: “Das haben wir schon immer so gemacht, bis einer kam, der das nicht wusste – und es einfach anders machte.”

Verrückt heißt nicht, den Verstand ausschalten und irgendeinen Blödsinn zu machen. Vielmehr bedeutet “verrückt”, nicht im “Entweder-Oder”-Denken verhaftet zu bleiben, sondern Wege einschlagen zu wollen, die noch niemand gegangen ist.

Innovationen sind dort notwendig, wo bestehende Systeme, Programme und Ideen nicht mehr ausreichen. Wir sind leider viel zu oft im Denken verhaftet, dass das, was uns bis hierher gebracht hat, auch das sein wird, das uns in die Zukunft bringen wird.

  • Vor x Jahren haben wir begonnen, Gottesdienste anders zu feiern – also werden wir das auch die nächsten x Jahre so tun.
  • Seit Jahren ist das Spendenaufkommen in der Gemeinde so gut, dass wir die bestehende Arbeit ohne größere Schwierigkeiten bestreiten können.
  • Unsere Kleingruppen befinden sich seit Jahren auf einem konstanten Niveau – also werden sie das auch in Zukunft sein.

Dieses Denken ist fatal! Gerade dann, wenn es “gut zu laufen” scheint in der Gemeindearbeit, sollten alle Alarmglocken angehen, damit man sich nicht auf dem Bestehenden ausruht, sondern neue, “verrückte” Ideen spinnt und diesen auch die Chance gibt, in die Tat umgesetzt zu werden.

Ein zu lösendes Problem, begrenzte Ressourcen, Fehler-Bereitschaft und verrückte Ideen – ein wunderbarer Innovations-Cocktail. Ich glaube, dass Craig Groeschel Recht hat mit diesen vier Zutaten für den Cocktail. Sicherlich gäbe es noch das ein oder andere mehr. Aber was sich durch alle vier Gedanken durchzieht ist die Haltung, groß und unkonventionell zu denken. Das gefällt mir und überzeugt mich.


 

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Alles neu

Um es vorweg zu sagen: John Eldredge schafft es in der Tat zu beschreiben, was der Untertitel des Buches zum Ausdruck bringt: “Für welche atemberaubende Hoffnung unser Herz geschaffen ist”

Auf sehr konsequente Weise hat Eldredge eine ganz bestimmte Sicht von der Ewigkeit, also dem “Leben nach dem Tod” – und zwar nicht nur individuell, sondern dann, wenn es universell in Kraft treten wird – ab dem Zeitpunkt, den Christen “Die Wiederkehr Jesu” nennen. Und Eldregdes Ansicht ist radikal. Für ihn ist die Ewigkeit kein Ort in himmlischen Sphären oder einem überdimensional großen Thronsaal. Für Eldredge ist der Ort der Ewigkeit – die Erde.

Zunächst wurde ich beim Lesen des Buches etwas unruhig und befürchtete, dass Eldredge vielen missionalen Theologen der Gegenwart folgt und “den Himmel auf die Erde” holen möchte und somit die Ewigkeit ihrer Kraft beraubt. Aber ich gebe Entwarnung. Das tut Eldredge mitnichten, auch wenn ich seinem theologischen Konzept an ein paar Ecken und Enden mal gerne die oder andere kernige Frage stellen möchte. 

So ist das größte theologische Defizit, dass Eldredge sich meiner Meinung nach nicht ausreichend mit den Bibelstellen auf exegetische Weise beschäftigt, die seiner Sicht der Ewigkeit nicht ohne weiteres oder auf den ersten Blick entsprechen. Aber ich halte ihm zugute, dass er auch keine theologische Abhandlung schreiben wollte, sondern den Leser und die Leserin für die “atemberaubende Hoffnung” begeistern möchte, zu der Christen berufen sind.

Und das wiederum gelingt ihm zweifelsohne auf grandiose Weise. Die Stärke dieses Buches liegt in seiner kraftvollen Bildsprache. Dabei bedient sich Eldredge seiner eigenen unglaublich großen Kompetenz, kraftvolle und ausdrucksstarke Bilder mit Worten zu malen. Der Mann hat einfach eine unglaublich große Gabe. Und so kann man gar nicht anders, als sich “die Ewigkeit” auf dieser Erde, die Gott neu machen wird, vorzustellen.

Darüber hinaus sind es aber auch seine gewagten, aber deswegen so inspirierenden Vergleiche bspw. mit “Der Herr der Ringe” (Tolkien) oder “Narnia” (C.S. Lewis). Was Eldredge damit gelingt: Die Hoffnung, zu der Christen durch die Ewigkeit berufen sind, bekommt noch mehr Kraft, als ohnehin schon. 

In meinen Augen steigert sich das Buch. Es beginnt stark – und endet noch stärker. Das Geheimnis dahinter ist nicht nur die bildhafte Sprache sondern auch die konkreten Beispiele und Ereignisse aus Eldredges Leben. Und die haben es in sich, weil sie teilweise kein Happy End haben. Das Schöne: Eldredge macht keine Abstriche an der Kraft der biblischen Hoffnung auf Grund seiner biografischen Erfahrungen, sondern gibt dem Schmerz Raum, um die Hoffnung erst recht kraftvoller werden zu lassen.

Das Buch ist in zehn Kapitel eingeteilt, durchzogen von biblischen Zitaten und persönlichen Beispielen und liest sich sehr einfach, ohne trivial zu wirken. 

Wer seiner christlichen Hoffnung einen Kraft-Schub geben möchte, dem empfehle ich dieses Buch wärmstens. Aber nicht nur deswegen empfehle ich das Buch, sondern auch wegen einer gewissen Sprachlosigkeit, der ich immer wieder begegne. Es ist eine Sprachlosigkeit über das, was “nach dem Tod” kommt. Viele Christen glauben “irgendwie an die Ewigkeit” – aber können wenig dazu sagen, sind sprachlos. Das muss nicht so bleiben und das ist unbegründet, denn in der Bibel finden sich ausreichend Belege und Bilder dafür, was in der Ewigkeit auf Christen wartet.

John Eldredge hat diese Bilder, diese Belege aufgenommen, mit seinen eigenen Erfahrungen, seiner Theologie und weiteren ausdrucksstarken Theologen kombiniert und herausgekommen ist ein Buch, das tut, was es verheißt:

Sehnt sich Ihr Herz nach einer unumstößlichen Hoffnung, die durch alles hindurchträgt? Dann habe ich eine gute Nachricht für Sie: Genau solch eine Hoffnung gibt uns der christliche Glaube. Gott verspricht: Am Ende der Zeiten wird er alles neu machen, was wir jetzt schon lieben – nicht in einem ungewissen, süßlichen Himmel, sondern genau hier auf der Erde.John Eldredge


Infos:
240 Seiten
18,00 EUR
ISBN: 978-3-7655-0996-4
Brunnen Verlag

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Herausforderungen zuversichtlich angehen

Zugegeben: Die Situation war heikel. Ein ganzes Volk von mehreren hunderttausend Menschen hat eine 40jährige Wüstenzeit hinter sich. Im wahrsten Sinne. Auf dem Weg in das verheißene Land, stand das Volk Israel  vor der Schwelle dieses Landes. Aber statt Euphorie und Zuversicht, war es eher gelähmt vor der schier unbezwingbaren Herausforderung.

Generationen zuvor hatte Gott Abraham das Land Israel verheißen. Nun sollte das Volk Israel in “sein” Land heimkehren – aber es war bewohnt und ein reißender Fluss trennte die Menschen vor dem Land, in dem Milch und Honig fließen.

Göttlicher Zuspruch

Ihr neuer Anführer, Josua, wurde noch ein wenig skeptisch beäugt. Zu groß waren die Fußtapfen, in die er getreten war. Viele erzählten sich noch die Geschichten und Wunder, die Mose vollbrachte. Aber dieser Mose war nun tot und der neue Anführer und Leiter war Josua.

Es wundert nicht, dass dieser Josua von Gott unbedingten Zuspruch für diese Herausforderung benötigte. Aber Gott wäre nicht Gott, wenn er diesen Zuspruch nicht geben würde und so müssen diese Worte Balsam auf der geschundenen Seele Josuas gewesen sein:

Sei mutig und entschlossen! Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst! Denn ich, der HERR, dein Gott, stehe dir bei, wohin du auch gehst. Die Bibel, Josua 1,9

Immer und immer wieder hat Gott zu Josua gesprochen und irgendwie schien der Groschen nur pfennigweise zu fallen. Aber er fiel. Denn Josua tat das, was Gott ihm auftrug und was dann geschah, ist vielleicht eine der größten Inspirationen im Blick auf Herausforderungen und wie wir sie angehen können. Gott gab Josua einen bestimmten Auftrag, genauer gesagt: Er selbst zeigte ihm, wie er diese Herausforderung bewältigen kann.

Die Priester sollten die Bundeslade nehmen. Das Zeichen für die Gegenwart Gottes. Diese sollten sie in 1.000 Meter Abstand vor dem Volk Israel tragen und damit ihre Füße in den Jordan setzen. Dieser Jordan war zu diesem Zeitpunkt kein Rinnsal, sondern ein reißender Fluß, der über die Ufer trat.

Der entscheidende Moment

Doch in dem Moment, als die Priester allen Mut zusammen nahmen und mit der Bundeslade auf den Schultern mit den Füßen im Wasser standen, geschah das Wunder: Gott staute das Wasser, so dass es wie eine große Wand stehen blieb und auf der anderen Seite abfloss.

Die Folge: Das Volk Israel ging nicht über den Jordan. Es durchquerte den Jordan trockenen Fußes und Josua meisterte diese schier unüberwindbare scheinende Herausforderung. Nachlesen kannst du dieses wunderbare Ereignis in der Bibel in Josua 1-3.

Ich bin vor wenigen Jahren auf diese Geschichte gestoßen und sie hat bis zum heutigen Tag nichts von ihrer Faszination verloren. Auch wir Menschen stehen Tag für Tag vor Herausforderungen und es ist nicht immer leicht, diese zu meistern. Aber wenn ich diese Geschichte mir anschaue, dann sind es drei Gedanken, drei göttliche Prinzipien – genauer gesagt drei göttliche Aufforderungen, die uns helfen, Herausforderungen zuversichtlich anzugehen.

1. Erinnere dich!

Leider sind wir Menschen vergesslich. Und ich empfehle dir von Herzen, dir Hilfsmittel an die Hand zu nehmen, welche deiner Erinnerung auf die Sprünge helfen. Meine vorm ist ein “digitales Tagebuch” mit der Smartphone-App “Day One“.

Erinnere dich daran, dass Gott dich niemals alleine gelassen hat. Vielmehr stelle dir folgende Fragen:

  • Wo hat Gott in mein Leben gesprochen?
  • In welchen Herausforderungen hat Gott mich schon gestärkt?
  • Welche Wunder hat Gott in meinem Leben schon vollbracht?

Wo Erinnerung an Gottes Wirken in Deinem Leben lebendig wird, wächst Glaube, Mut und Zuversicht!

In der Bibel gibt es einen Psalm, der zurecht sehr oft zitiert wird. In ihm wird beschrieben, wie König David Gott lobt. Streng genommen aber führt König David ein Selbstgespräch. Er sagt: “Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat! Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen!” (Psalm 103)

David erinnert sich, genauer gesagt: Er fordert sich selbst dazu auf, sich zu erinnern. Nimm dir in Herausforderungen, wenn etwas Neues auf dich wartet, wenn “neues Land” vor deinen Füßen liegt, einen Moment Zeit. In diesem Moment tust du nichts, außer dass du dich erinnerst. Geh in dich und schau, wo Gott in deinem Leben schon “am Werk” war. Das wird dich stärken – davon bin ich überzeugt.

2. Bereite dich vor!

Niemand geht eine Reise unvorbereitet an. Ich schreibe diese Zeilen zu Beginn eines neuen Schuljahres. Viele werden in den letzten Wochen im Urlaub gewesen sein. Und diesen bereiten wir zurecht vor. Wir recherchieren, buchen eine Ferienunterkunft, schauen nach Sehenswürdigkeiten und welche Unternehmungen sinnvoll sind, packen die passende Kleidung ein und hinterlassen unsere Wohnung “urlaubsfertig”.

Wenn wir das schon für den Urlaub tun – wie viel mehr sollten wir das auch im Blick auf Herausforderungen tun? Wenn du also vor “neuem Land” stehst, wenn Ungewisses auf dich wartet oder eine Herausforderung, dann bereite dich vor. Dieses Ungewisse, diese Herausforderung, kann ganz unterschiedliche Namen und Gesichter haben.

  • ein neues Schuljahr
  • eine veränderte Familiensituation
  • Veränderungen am Arbeitsplatz
  • ein unangenehmes Gespräch, das du führen solltest
  • finanzielle oder gesundheitliche Veränderungen
  • und vieles mehr

Gehe diese Herausforderung, dieses neue Land vorbereitet an. Dazu gebe ich dir nur drei mögliche Arten der Vorbereitung.

Gottes Gegenwart suchen

Gottes Nähe zu suchen ist für mich wie eine Tankstelle für meine Seele und meinen Geist. Dabei spielt es nicht primär eine Rolle, wie lange du Gottes Nähe und seine Gegenwart suchst. Du musst nicht eine Woche monastisch leben (auch wenn nichts dagegen spricht). Manchmal reicht es schon, vor einer großen Herausforderung dir zu Beginn des Tages einige Minuten, eine halbe Stunde oder eine ganze Stunde Zeit zu nehmen, um mit Gott zusammen zu sein.

Durch sein Wort, die Bibel, oder durch das Hören von geistlichen Liedern oder einfach mal ein Spaziergang mit Gott machen. Was auch immer für dich passt: Die Gegenwart Gottes wird dein Leben verändern und sie wird dich ermutigen so wie gut vorbereitet in die Herausforderung gehen. Denn in der Gegenwart Gottes erfährst du, wer du bist – und wer Gott ist. Und das ist wohltuend und ermutigend!

Der Wahrheit glauben

Die Wahrheit ist nicht: “Ich werde scheitern” oder “Das schaffe ich nie” oder “Ich werde kläglich versagen” oder “Ich werde daran zugrunde gehen.”

Die Wahrheit ist, dass Gott gesagt hat, dass du dich nicht entmutigen lassen sollst, weil er an deiner Seite ist. Und dieser Gott ist der Schöpfer des Himmels und der Erde; der Gott, der mit seinem Volk Israel bis heute eine Geschichte und Beziehung hat, der aber in Jesus auf diese Welt gekommen ist, um uns nahe zu sein.

Es ist der Gott, von dem wir in der Bibel Wunderbares und viele Wunder lesen. Er ist der gleiche gestern, heute und in alle Ewigkeit (Die Bibel, Hebräer 13,8). Und dieser Gott wird an deiner Seite sein, dich stärken, ermutigen und dir Zuversicht geben. Das ist die Wahrheit! Glaube und vertraue dieser Wahrheit und tu alles, um in dieser Wahrheit zu wachsen und zu leben.

Glaube nicht den Lügen, die deine Gedanken dir manchmal eintrichtern wollen oder mit denen der Teufel versucht, dich durcheinander zu bringen. Glaube auch nicht den Lügen anderer über dich. Glaube und vertraue einzig und allein der Wahrheit, dass der Gott des Himmels und der Erde an deiner Seite ist und du deswegen unerschrocken nach vorne schauen kannst.

Das taten nämlich auch die Israeliten. Sie schauten nach vorne. Und als sie nach vorne schauten, sahen sie in 1.000 Metern Entfernung die Bundeslade, die Gegenwart Gottes. Mit diesem Blick marschierten sie ins neue Land.

Halte deinen Blick auf Jesus! Versuche es! Überlege dir Wege, Tools und Möglichkeiten, die dir helfen, den Blick auf Jesus zu richten. Und dann glaube und vertraue ihm – der die Wahrheit ist (Johannes 14,6).

Die Gemeinschaft suchen

Ich liebe folgende Gedanken von Dietrich Bonhoeffer, die er in “Gemeinsames Leben” – einem seiner wohl bekanntesten Büchern – formuliert hat:

Darum braucht der Christ den Christen, der ihm Gottes Wort sagt, er braucht ihn immer wieder, wenn er ungewiss und verzagt wird; denn aus sich selbst kann er sich nicht helfen, ohne sich um die Wahrheit zu betrügen. Er braucht den Bruder als Träger und Verkündiger des göttlichen Heilswortes. […] Der Christus im eigenen Herzen ist schwächer als der Christus im Worte des Bruders; jener ist ungewiss, dieser ist gewiss.Dietrich Bonhoeffer

Im Prinzip ist damit alles gesagt: Wir brauchen einander. Kein Christ kann ohne die Gemeinschaft mit anderen Christen leben. “Ich glaube zwar an Gott, aber das kann ich auch alleine” ist eine Aussage, die ich oft höre – aber kompletter Unsinn ist.

Bereite dich auf Herausforderungen vor, indem du die Gemeinschaft mit anderen Christen suchst – im Gottesdienste, in einer Kleingruppe, in einem seelsorgerlichen Gespräch. Denn das, was der oder die andere dir sagen und geben kann, wird vermutlich mehr und anders sein als das, das du dir selbst gibst.

3. Entscheide dich!

Das wirst du tun müssen, denn keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung – und zwar die falsche. Deswegen liegt es jetzt an dir, dich zu entscheiden. Das kannst du aber auch. Denn du hast dich an das erinnert, was Gott in dir schon getan hat und hast dich vorbereitet. Jetzt entscheide dich!

Verlass dich darauf, dass es auch heute noch stimmt, was Gott sagt:

Sei mutig und entschlossen! Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst! Denn ich, der HERR, dein Gott, stehe dir bei, wohin du auch gehst. Die Bibel, Josua 1,9

Vertrauen

Was es dazu benötigt? Vertrauen! Leichter gesagt, als getan – ich weiß. Aber überlege dir mal, wem du da vertraust. Du vertraust einem Gott, der dich liebt und voller Gnade für dich ist, weil er das Gute will – und nicht das Schlechte!

Für mich die wohl äußerste Form von Vertrauen ereignet sich in einem Garten. Kurt vor seinem Tod am Kreuz betete Jesus zu seinem Vater im Himmel:

Vater, wenn es dein Wille ist, dann lass diesen bitteren Kelch des Leidens an mir vorübergehen. Aber nicht was ich will, sondern was du willst, soll geschehen. Die Bibel, Lukas 22,42

Jesus vertraut seinem himmlischen Vater und du denkst vielleicht: “Tolle Ermutigung! Die Geschichte endet ja auch am Kreuz mit dem Tod!” Falsch! Diese Geschichte endet nicht am Kreuz – sie endet am Ostermorgen und ist bis heute noch nicht zu Ende geschrieben, weil Jesus immer noch lebt als der Auferstandene!

Sie zeigt auch: Ja, es mag durch dunkle Täler, Wüstenzeiten und Durststrecken gehen – aber am Ende steht nicht der Tod, sondern die Auferstehung, neues Leben, göttliche Kraft!

Geh Herausforderungen zuversichtlich an – indem du dich erinnerst, dich vorbereitest und dich dann entscheidest!


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Die Stimme des Schöpfers

Währenddessen nahm David seine Waffen von der Wand: den Bogen und das Schwert, gute, königliche Waffen, Jonatan hatte sie ihm geschenkt.

“Wo wirst du hingehen?”

“Zu Samuel nach Rama.”

Sie gab ihm die Schuhe und kauerte sich neben ihn, während er sie anzog. Tränen stiegen ihr in die Augen. “Sehen wir uns wieder?”

Er sah sie an: “Ich werde bad zu dir zurückkehren, Michal.” 

Mit vor Traurigkeit zitternden Fingern knüpfte sie Tücher aneinander. “Sing noch einmal für mich.” Als sie merkte, dass er die Stirn runzelte, sagte sie rasch: “Wenn du for bist, zupfe ich weiter die Zither, und sie werden glauben, du bist noch hier. Das gibt dir einen Vorsprung.”

“Meine kluge junge Frau.” Er strich mit den Fingerspitzen über ihre Wange. “Du wirst mir sehr fehlen.”

David nahm die Zither, setzte sich auf die Truhe und schlug einige Töne an. Auch in seinen Augen sammelten sich Tränen. Er sang leise.

Ich aber will von deiner Macht singen
und des Morgens rühmen deine Güte
denn du bist mir Schutz und Zuflucht in meiner Not.
Meine Stärke, dir will ich lobsingen;
denn Gott ist mein Schutz, mein gnädiger Gott.

Behutsam setzte er die Zither ab. Sie übernahm das Instrument und zupfte weiter. Währenddessen schlich David zum hinteren Fenster. Still betete Michal: Lass es wahr werden, Gott. Sei ihm Schutz und Zuflucht. Sie ahnte, dass böse Tage auf sie und ihn zukamen. Aber sie mussten Gottes Versprechen vertrauen. Eines Tages würde er König sein.

aus: Titus Müller, die Stimme des Schöpfers, S.110+111.

Lebendige Geschichten

Wow! Geht es dir auch so? Ich finde, so werden biblische Geschichten zum Leben erweckt. Zu noch mehr Leben, als sie ohnehin schon in sich tragen. Und das ist nur ein kleiner Auszug aus einem ganz wunderbaren Buch.

Hast du dich schon einmal gefragt, wie für Adam und Eva wohl die Geburt ihres ersten Sohnes war? Und dann erst der Anblick nach der Geburt? Geschweige denn die ersten Wochen und Monate – irgendwie ein Mensch, aber laufen und sprechen kann er nicht. Was macht man mit so einem kleinen Bündel Leben, für das ihre Erfahrung keinerlei Analogie findet? “Die Stimme des Schöpfers” beschreibt diesen Moment auf ganz besondere Weise.

Titus Müller schafft es mit “Die Stimme des Schöpfers”, biblischen Geschichten, die oft sehr vereinfacht und sachlich dargestellt sind, Bilder, Farben und Gestalt zu geben, wie ich es bisher noch nicht erlebt habe. Er erzählt die Geschichten hinter den Geschichten, die Gedanken und ungeschriebenen Worte der menschlichen Charaktere und nicht zuletzt:

Er lässt in seinen Geschichten Gott so nahbar erscheinen, den Menschen so zugewandt, dass man nicht anders kann, als der biblischen Wahrheit aus 1. Johannes 4,16 zu glauben: “Gott ist die Liebe!”

Theologie zwischen den Zeilen

“Die Stimme des Schöpfers” lässt sich zwischen den Zeilen hoffentlich immer wieder hören, denn ich unterstelle Titus Müller einfach einmal, dass er nicht einfach nur Geschichten nacherzählen wollte. Ganz subtil, aber auf sehr angenehme Weise platziert er theologische Gedanken – vor allem Beschreibungen Gottes. Sie wirken weder aufgesetzt noch gezwungen – man überliest sie fast, hält inne, liest noch einmal – und lässt sich von den Gedanken inspirieren.

In “Die Stimme des Schöpfers” erzählt Müller die “Klassiker des Alten Testaments” auf packende, lebensnahe, bildreiche und lebensnahe Weise nach. Abraham, Noah, Mose und Josef – Batseba, Jona, Simson und David sind nur ein paar wenige der Protagonisten, um die sich die 29 Erzählungen drehen. 

Natürlich finden sich am Ende des Buches alle verwendeten Bibelstellen sowie die “Original”-Bezeichnungen der Geschichten, denn “Beim zweiten Besuch des Engels”, “Du wirst ein einsamer Mann sein” oder “Hunderttausend, die rechts nicht von links unterscheiden können” wird man vergeblich als Überschriften in der Bibel suchen.

Ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen. Sowohl zur eigenen Lektüre, um biblische Geschichten noch lebendiger werden zu lassen als beispielsweise auch in literarischen Gottesdiensten oder Andachten hat das Buch des C.S.Lewis-Preisträgers Titus Müller seinen Platz.


Infos:
176 Seiten
14,00 EUR
ISBN: 9783957345271
Gerth Medien

Mehr Infos über Titus Müller:
www.titusmueller.de


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Zwischen Trauer und Hoffnung

Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines uns lieben Menschen ersetzen kann und man soll das auch garnicht versuchen; man muß es einfach aushalten und durchhalten; das klingt zunächst sehr hart, aber es ist doch zugleich ein großer Trost; denn indem die Lücke wirklich unausgefüllt bleibt, bleibt man durch sie miteinander verbunden. Es ist verkehrt, wenn man sagt, Gott füllt die Lücke aus; er füllt sie garnicht aus, sondern er hält sie vielmehr gerade unausgefüllt, und hilft uns dadurch, unsere echte Gemeinschaft – wenn auch unter Schmerzen – zu bewahren. Ferner: je schöner und voller die
Erinnerungen, desto schwerer die Trennung. 

Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich. Man muß sich hüten, in den Erinnerungen zu wühlen, sich ihnen auszuliefern, wie man auch ein kostbares Geschenk nicht immerfort betrachtet, sondern nur zu besonderen Stunden und es sonst nur wie einen verborgenen Schatz, dessen man sich gewiß ist, besitzt; dann geht eine dauernde Freude und Kraft von dem Vergangenen aus. (Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, Seite 255f)

Ich liebe diese Gedanken von Dietrich Bonhoeffer, weil sie so zutreffend sind. Weder romantisieren sie den Tod, noch verbannen sie ihn, wie das beides heute leider immer wieder geschieht.

Ein großartiger Mann Gottes…

Am 5. August 2018 hat ein großartiger Mann Gottes seinen irdischen Lauf vollendet und darf nun sehen, was er geglaubt und leidenschaftlich verkündigt hat.
Ich bin meinem Vater, Wolfgang Brunner, für vieles aus tiefstem Herzen dankbar. Aber wenn ich einzelnes benennen müsste, dann sind es vor allem zwei Dinge.
Zum einen lehrte er mich, Gott zu vertrauen in allen Lebenslagen. Sein ganzes Leben war geprägt von Gottvertrauen. Auch und gerade in den Zeiten als Pfarrer und Dekan. Und erst jetzt, wo ich selbst Pfarrer bin, kann ich mehr und mehr erahnen, was er alles durchstehen und durchkämpfen musste.
Bei allem strahlte er ein unglaubliches Gottvertrauen aus, das ihm eine ganz, ganz tiefe “geistliche Weisheit” gab, durch die er mich und viele andere Menschen prägte.
Und zum anderen ist es das Bekenntnis zu Jesus Christus. Auf eine so liebevolle und werbende Art hat er andere Menschen zum Glauben an Jesus – und nicht nur an eine nebulöse Floskel namens “Gott” eingeladen. Und in vielen, vielen Gesprächen sagte er mir immer wieder, wie sehr es ihm ein Anliegen ist, dass Menschen durch seinen Dienst zum Glauben an Jesus kommen. Auch und gerade in der Landeskirche, wo der Boden manchmal doch sehr hart und steinig ist.

…mit einer tiefen geistlichen Weisheit

Beide Dinge vereint spiegeln sich wider in einer Begebenheit ein paar Wochen vor meiner Konfirmation vor weit über 20 Jahren. Ich hatte mir den Konfirmationsvers “Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen” (Psalm 50,15) ausgesucht.
In seiner großartigen Weisheit und seiner väterlichen Liebe und Fürsorge war mein Vater aber nicht so ganz einverstanden damit und meinte: “Das ist schon sehr speziell auf Notlagen hin ausgesucht. Ich will dir einen Vers aussuchen, der das ganze Leben prägt.”
Mein Vater konnte nicht wissen (oder vielleicht doch?), dass er mit dem Vers, den er für mich aussuchte, mir ein Lebensmotto schenkte, das bis heute Gültigkeit hat. Mehr noch: Dieser Vers begleitet mich seit meiner Konfirmation in den Höhen und Tiefen meines Lebens, er ist mehr als ein Motto. Er hat mich geformt und geprägt und ich lebe aus seiner Tiefe und Kraft – und bin meinem Vater unglaublich dankbar, dass er ihn für mich ausgesucht hat:

Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat!” (1. Johannes 5,4)

Und deswegen habe ich ihm aus tiefster Überzeugung gesagt: “Wir sehen uns wieder – und darauf freue ich mich!”

Natürlich ist das nur ein Bruchteil von dem, was ich über meinen Vater berichten könnte. Und viele, die ihn kennen, werden noch viele andere Dinge zu erzählen haben. 

Ich für mich möchte neben vielem, was ich gar nicht in aller Öffentlichkeit “breit treten” will, aber genau diese beiden Dinge teilen, um einen Menschen zu ehren, der wundervoll, liebevoll, fürsorglich, einzigartig, sehr weise, tief geistlich, hoch gebildet, sehr humorvoll, elegant, treu, zuverlässig, vertrauensvoll, sportlich, akribisch und vielseitig interessiert war. Wir sprechen oft von einem “ehrenden Andenken” im Blick auf einen Verstorbenen – dazu soll dieser Beitrag seinen Dienst leisten.

Von Hoffnung getragen

Als Christ habe ich die begründete Hoffnung, dass es ein Leben nach dem Tod geben wird, in dem nichts Schlechtes mehr Platz haben wird. Nur Gutes. Nur Göttliches. Nur Gott-nahe-sein. Und in dieser Realität werde ich meinen Vater (und alle anderen, die im Vertrauen auf Jesus Christus gestorben sind) wiedersehen. Diese Hoffnung trägt. Diese Hoffnung gibt mir Kraft, nicht in der Trauer zu versinken, die oft genug sich meldet – alleine in dieser kurzen Zeit seit seinem Tod. Die Erfahrung, wenn der eigene Vater stirbt, ist brutal schmerzhaft!

Diese Hoffnung aber trägt und hält – und ist das einzige, was angesichts des Todes wirklich Bestand hat. Dies kommt auch zum Ausdruck in einem Brief des bekannten Dichters Matthias Claudius – einer der Lieblingsdichter meines Vaters. Ein Teil dieses Briefes zitierte mein Vater in einer Andacht, die er nannte: “Jesus und die Stars”. Darin verglich er Jesus mit den Stars unserer heutigen Zeit und zeigte auf wunderbare Weise auf, wie viel mehr doch Jesus für uns getan hat und immer noch tut als die vermeintlichen Stars dieser Welt.

Ich und du können ohne Christus nicht leben. Wir brauchen jemand, der uns hebt und hält, solange wir leben, und uns die Hand unter den Kopf legt, wenn wir sterben sollen; und das kann Christus überschwänglich, nach dem, was von ihm geschrieben steht, und wir wissen keinen, von dem wir es lieber hätten.

Er ist eine heilige Gestalt, die dem armen Pilger wie ein Stern in der Nacht aufgeht und sein innerstes Bedürfnis, sein geheimstes Ahnden und Wünschen erfüllt. Wir wollen an ihn glauben, Andres, und wenn auch niemand mehr an ihn glaubte. (Matthias Claudius)

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