Wer bin ich eigentlich?

Diese Frage kann man sich in Anbetracht unseres Lebens ja schon mal stellen. Wer bin ich eigentlich? Bin ich der, für den ich mich halte? Bin ich der, für den mich die anderen halten? Und wer sind denn “die anderen”? Sehen meine Kinder in mir den gleichen wie meine Freunde oder die Leser dieses Blogs?

Wer bin ich?

Kaum eine Frage treibt uns mehr um. Nicht zu wissen, wer man ist, muss grausam sein. Die Bestimmung der eigenen Identität schafft nicht nur Klarheit nach außen, sondern nach innen. Sie schafft Heimat und Geborgenheit. Sie gibt Sicherheit und lässt uns gleichzeitig mutig nach vorne gehen. Auch wenn das Schritt für Schritt geschieht.

Wer bin ich? Was macht mich im Letzten aus? Wer bin ich heute, morgen und auch dann, wenn ich meinen letzten Atemzug nehmen werde, ehe ich in eine andere Realität übergehe?

Viele Attribute und Zuschreibungen von außen könnten nun mein Wesen, meine Identität bestimmen. Aber immer nur unzureichend. Menschliche Kategorien und Denkmuster kommen an ihre Grenzen. Ich bin Pfarrer – zumindest bis zur Pensionierung. Ich bin jung – zumindest dachte ich das mal. Ich bin humorvoll – bis Situationen kommen, in denen das Lachen zum Kloß im Hals wird.

Wer bin ich eigentlich?

Ein Kind des Höchsten

Es gibt eine Beschreibung der Identität eines Christen, die bleibt. Heute, morgen und in Ewigkeit. Johannes, einer der Biographen Jesu, schreibt Folgendes von ihm:

All denen jedoch, die ihn aufnahmen und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden. (Johannes 1,12)

Ich bin ein Kind Gottes. Ein Kind des Höchsten. Ein Kind dessen, der mich in dieses Leben geliebt hat. Ein Kind dessen, der Himmel und Erde gemacht hat. Ein Kind dessen, der dieses Universum in seiner Länge, Breite und Tiefe erschaffen hat. Ein Kind dessen, der verschwenderische Liebe und unerschöpfliche Kreativität in die Gestaltung seiner Schöpfung gelegt hat. Ein Kind dessen, der sich nicht zu schade war, selbst als Kind auf diese Erde zu kommen. Ein Kind dessen, der als einziger von sich behaupten kann, dass er der vollkommene Vater ist, wie es Jakobus im Neuen Testament schreibt:

Alles, was Gott uns gibt, ist gut und vollkommen. Er, der Vater des Lichts, ändert sich nicht; niemals wechseln bei ihm Licht und Finsternis.  (Jakobus 1,17)

Es wird Ereignisse und Situationen in unserem Leben geben, die uns bis ins Innerste erschüttern. Dagegen sind wir nicht gefeit. Als Kind Gottes weiß ich aber, dass sich bei meinem Vater im Himmel die Dinge nicht ändern. Er ist nicht heute so und morgen anders. Er ist und bleibt und wird es immer sein: gut und vollkommen. Als Vater. Mein Vater!

Beschenkt vom Höchsten

Wenn ich ein paar Tage unterwegs bin und nach Hause komme, fragen meine Kinder immer mal wieder: “Papa, hast du uns Geschenke mitgebracht?” Manches ändert sich wohl nie. Und manchmal muss ich die Frage mit “Nein” beantworten, manchmal habe ich etwas im Gepäck – zur Freude meiner Kinder.

Gott, der Vater, hat alle, die an seinen Sohn Jesus glauben und ihm vertrauen, schon längst ein wunderbares Geschenk gemacht, mit dem wir jeden Tag spielen sollten:

Weil ihr nun seine Kinder seid, schenkte euch Gott seinen Geist, denselben Geist, den auch der Sohn hat. Deshalb dürft ihr jetzt im Gebet zu Gott sagen: “Lieber Vater!” (Galater 4,6)

Können wir einen kurzen Moment innehalten?

Den, der auf dem ewigen Thron sitzt und von den himmlischen Engelscharen in einem unvergleichlich schönen Lobpreis angebetet wird.

Den, dessen Güte, Liebe und Barmherzigkeit nie versiegt.

Den, der unaufhörlich damit beschäftigt ist, dir seine Liebe zu zeigen.

Den darfst du “Papa” nennen. Das aramäische Wort “Abba” ist nichts anderes, als wenn ein kleines Kind das erste Mal “Papa” sagt. Ein wenig gelallt, aber aus tiefstem Herzen.

Weil Gottes Geist in dir lebt, kannst du dich so vertrauensvoll an Gott wenden. Papa. Mein Papa.

In der Gegenwart des Höchsten

Meinen Kindern ist es letzten Endes egal, was ich mit ihnen anstelle: ob wir etwas spielen, toben oder Stockbrot grillen. Für sie ist eines wichtig: die Nähe zu ihrem Papa. Das wird wohl den meisten Kindern so gehen.

Und nichts anderes wäre auch im Blick auf den himmlischen Papa eine ganz gute Entscheidung. Seine Gegenwart suchen. Tag für Tag. Einfach vor ihm sein. Mit ihm reden, auf ihn hören. Erfüllt werden von seinem Geist. Spüren, wie er dich liebt. Gestärkt in den Alltag gehen.

Warum machen wir das eigentlich so selten? Warum sind wir so oft mit uns beschäftigt, aber so wenig mit Gott? Warum meinen wir, Antworten auf unsere Fragen und Geborgenheit in unseren Zweifeln überall zu finden – aber nicht bei Gott?

Jesus bringt das – wie so oft – ganz gut auf den Punkt, wenn er sagt:

Wenn also ihr, die ihr doch böse seid, das nötige Verständnis habt, um euren Kindern gute Dinge zu geben, wie viel mehr wird dann euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn darum bitten. (Matthäus 7,11)

Niemand lässt sich gerne sagen, dass er böse ist. Aber es ist ja nicht weiter verwunderlich. Auch du bist es. Ich auch. Wir denken, sagen und tun Dinge, die sind böse. Gleichzeitig schaffen wir es aber auch, Gutes zu denken, sagen und tun.

Wie viel mehr muss Gott für den bereit haben, der ihn sucht, ihn bittet und bei ihm erfüllt werden möchte? Immerhin gibt es bei Gott ja nur Gutes. Nichts Schlechtes. Nichts Böses. Und nochmal: Wir reden hier von dem Gott, der dieses Universum liebevoll erdacht und raffiniert erschaffen hat, bei dem Du keine Nummer bist, sondern ein geliebter Mensch.

Wie das Baby auf dem Bild in diesem Moment den Herzschlag seines Vaters spürt. Wie der Vater auf diesem Bild die Nähe seines Kindes genießt. Nicht anders verhält es sich mit dir und deinem himmlischen Vater. Nah an seinem Herzen, in seiner Gegenwart bekommst du alles geschenkt, was du zum Leben brauchst.

Glauben – tragfähig, standhaft, mutig.

Liebe – unwandelbar, unveränderlich, ewig.

Hoffnung – unaufhörlich, beständig, fest.

Und hier erhältst du Antwort auf die Frage: “Wer bin ich eigentlich?”

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