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Wofür es sich zu kämpfen lohnt

Ehrlich gesagt: Das ist „mein“ Buch. Schon als ich gelesen hatte, dass Gavin Ortlund ein neues Buch veröffentlichte, wurde ich hellhörig. Und als ich dann wusste, um was es in dem Buch geht, war mir schnell klar: Das MUSST du unbedingt lesen.

„Wofür es sich zu kämpfen lohnt und wofür nicht“ ist nicht nur der Buchtitel, sondern auch eine Frage, die ich mir immer wieder stelle bzw. der ich mich im Alltag als Pfarrer, Podcaster, Leiter und Blogger sehr oft gegenüber sehe.

Ein Buch zur richtigen Zeit

Klar ist: Dieses Buch ist ein „Must Read“ in Zeiten wie diesen. Dass in den Landeskirchen schon seit Jahrzehnten gute biblische Theologie an vielen, vielen Stellen fehlt und von einer oftmals substanzlosen und vor allem biblisch nicht fundierten Theologie ersetzt wurde, ist ja weithin bekannt.

Aber seit einigen Jahren ist diese Entwicklung auch in Freikirchen wahrzunehmen. Theologische Standpunkte verschwimmen, lang geglaubte und verkündete Wahrheiten werden verdrängt und mehr und mehr verabschiedet man sich von Lehren, die für das historische Christentum selbstverständlich sind.

Gleichzeitig ist es aber auch so, dass gerade in den sozialen alles, aber auch wirklich alles, kommentiert wird, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Ob „kleine Irrlehre“ oder „große Irrlehre“ spielt dabei keine Rolle. Man kann sich sicher sein: Wer einen Standpunkt vertritt und diesen kundtut, wird zerrissen. Die Frage ist nur: wann, von wem und in welcher Form. „Ob“ – das ist keine Frage mehr.

In dieser Gemengelage von Cancel Culture und Empörungskultur ist aber die wichtigste Frage: „Wofür lohnt es sich zu kämpfen und wofür nicht?“ Schließlich muss man nicht jeden Kampf kämpfen, weil dann keine Kraft für die eigentliche Schlacht mehr übrig ist.

Wichtige Unterscheidungshilfen

Mir gefällt, wie Ortlund an die Sacher herangeht: Sehr praxisnah und glaubenspraktisch. Er skizziert Fälle, die 100% in jeder Gemeinde auftreten und ebenso widmet er ein Kapitel seinen eigenen biographischen Erfahrungen – und die machen das alles natürlich sehr greifbar und plausibel.

Allen voran die Unterscheidungen (S.16), welche Ortlund trifft:

Erstrangige Lehren sind für das Evangelium wesentlich.

Zweitrangige Lehren sind für die Gesundheit und die Praxis in der Gemeinde so dringlich, dass sie Christen häufig dazu veranlassen, sich in verschiedene Gemeinden, Denominationen oder christliche Werke aufzuteilen.

Drittrangige Lehren sind für die Theologie wichtig, aber rechtfertigen keine Trennungen oder Spaltungen unter Christen.

Viertrangige Lehren sind für Evangelisation, Mission und die Zusammenarbeit unter Christen unwichtig.

Wer jetzt aber denkt, dass Ortlund der Meinung wäre, dass „unwichtige“ Lehren nicht wichtig wären, täuscht sich. So paradox ex klingen mag, so überzeugend ist seine Argumentation, dass „unwesentliche Lehren“ (was ich einen von ihm dann auch gewählten besseren Begriff finde) von Bedeutung sind und zwar für die Bibel, für die Kirchengeschichte, für das christliche Leben und für die wesentlichen Lehren.

Im Blick auf die Bedeutung unwesentlicher Lehren auf die Bibel schreibt Ortlund:

Die Bibel selbst legt uns nahe, dass wir eine offene Haltung gegenüber dem ganzen Wort Gottes einnehmen sollen.

Verwirrung kann eine verständliche Reaktion auf manche Abschnitte sein – und Trauer auf andere. Mit Gleichgültigkeit sollten wir jedoch niemals auf Gottes Wort reagieren.Wofür es sich zu kämpfen lohnt, S.56

Richtig gut wird dann im weiteren Verlauf des Buches der Zusammenhang geschildert zwischen diesen Lehren. So bedeutet es keinesfalls, dass eine Lehre, die weniger wichtig ist, für die Theologie im Gesamten unwichtig wäre.

Ein Buch für die Praxis

Wie oben schon erwähnt, wird Ortlund sehr autobiographisch und praktisch. In dem schon erwähnten Kapitel zeigt er anhand einiger theologischer Dogmen auf, wie er persönlich damit umgeht bzw. welche Bedeutung und Folgen seine Standpunkte bspw. im Blick auf die Schöpfung, die Eschatologie oder die Taufe haben.

Hilfreich und wirklich wichtig für den gegenwärtigen Diskurs (sowohl in Gemeinden, im Alltag als auch in den sozialen Medien) ist die Herzenshaltung. So schreibt Ortlund:

Es ist eine Sache, mit einem anderen Christen nicht einer Meinung zu sein. Das ist unvermeidlich, solange wir irgendeine Meinung haben. Etwas anderes ist es, wenn wir in unserer Meinungsverschiedenheit eine verachtende, herablassende oder unangemessen misstrauische Haltung gegenüber denjenigen annehmen, mit denen wir nicht einverstanden sind.Wofür es sich zu kämpfen lohnt, S.47

Inspirierend und für den Gemeindealltag erhellend sind Ortlunds Ausführungen im Blick auf Menschen, die Jesus ganz neu kennenlernen (und damit ja beim besten Willen nicht alle „erstrangigen Lehren“ kennen) aber auch im Blick auf die Frage, wie mit Menschen umzugehen ist bzw. wie wir urteilen sollen (oder eben auch nicht), wenn Menschen nicht glauben, was man selbst für „erstrangige Lehre“ hält:

Anstatt darauf zu bestehen, dass jede erstrangige Lehre klar artikuliert werden muss, um errettet zu sein, wäre eine vorsichtigere Aussage die, dass wir vermuten müssen, dass eine Person nicht errettet ist, wenn sie diese wissentlich und beharrlich abstreitet. Noch besser wäre es wahrscheinlich, wenn wir uns auf die Frage beschränken, ob wir eine solche Person in unsere Gemeinde als Mitglied aufnehmen würden, anstatt über den Zustand ihrer Seele zu spekulieren.

Es ist Gottes Sache, über den Eintritt in den Himmel zu befinden, und unsere, den Eintritt in die Gemeinde zu regeln.Wofür es sich zu kämpfen lohnt, S.98

Ich empfehle dir dieses Buch wirklich sehr! Gerade dann, wenn du haupt- wie ehrenamtlich immer wieder herausgefordert bist, zu deinem Glauben zu stehen, theologische Entscheidungen zu treffen oder sogar für deinen Glauben bzw. deine Überzeugungen zu kämpfen.

Doch den Glauben zu feiern, wird letztlich auch immer wieder erfordern, dass wir für ihn kämpfen. Niemand kann ewig davor weglaufen, sich mit Irrtümern auseinanderzusetzen.Wofür es sich zu kämpfen lohnt, S.114

Überzeugt bin ich davon, dass wir in den kommenden Jahren in eine Epoche eintreten, in der es wichtig wird, theologische Positionen nicht nur klar vertreten zu können, sondern sich auch nicht zum Spielball theologischer (Schein-)Diskussionen zu machen, die am Ende doch nichts bringen und dabei den Kampf um die echten Herausforderungen zu verlieren.

Entsprechend formuliert es Ortlund gegen Ende seines Buches:

Wir sollten niemals meinen, dass es ein Zeichen von Schwäche ist, wenn man einem Kampf ausweicht. So oft ist im Leben und auch in der Theologie genau das Gegenteil der Fall: Einen Kampf zu vermeiden, erfordert eine tiefere und edlere Stärke, als ihn zu kämpfen. Christen, die Theologie ernst nehmen, dürfen das nicht vergessen – vor allem, wenn es um drittrangige Lehren geht.Wofür es sich zu kämpfen lohnt, S.176

Wenn du denkst, dass du auf diesem Weg noch Inspiration und Input gebrauchen kannst, dann greif zu „Wofür es sich zu kämpfen lohnt und wofür nicht. Ein Plädoyer für theologische Triage“ – denn dort wird dir geholfen!

P.S. Hier will ich dir dann doch noch verraten, welche „heißen Eisen“ Ortlund anpackt, weshalb „Wofür es sich zu kämpfen lohnt und wofür nicht“ ein großartiger Ratgeber für die Gemeinde- und Glaubenspraxis ist:

  • Jungfrauengeburt
  • Rechtfertigung aus Glauben
  • Glaubenstaufe oder Kindertaufe?
  • Gibt es die Geistesgaben noch?
  • Haben Frauen und Männer unterschiedliche Rollen in Ehe und Gemeinde?
  • Das tausendjährige Reich
  • Die Schöpfungstage

Gavin Ortlund: Wofür es sich zu kämpfen lohnt und wofür nicht. Ein Plädoyer für theologische Triage

ISBN: 9783986652654

Seiten: 212

Preis: 18,90 Euro

Verlag: www.verbum-medien.de/products/wofur-es-sich-zu-kampfen-lohnt-und-wofur-nicht


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#83 Porno, Puff und Polyamorie

 Hat die sexuelle Revolution uns befreit?

Hat die sexuelle Revolution uns befreit? Was sind wirklich ihre Folgen? Was haben Porno, Puff und Polyamorie denn bitteschön damit zu tun?

In einer recht herausfordernden Folge (so denke ich zumindest) gehe ich genau dieses Fragen nach. Warum? Weil wir eine Verantwortung haben für die nächsten Generationen – und für uns selbst.

Ok, einen Spoiler bringe ich dir schon mal: Die sexuelle Revolution hat vieles mit sich gebracht, aber eines ganz sicher nicht: Freiheit!

Video von Markus Voss:
www.youtube.com/watch?v=eeR53COd2pE

Artikel von idea spektrum:
www.idea.de/artikel/polyamorie-keine-einheitliche-linie

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Da hilft nur noch beten!

Diesen Satz mag ich überhaupt nicht und ich will dir auch sagen, warum das so ist.

Dieser Satz suggeriert, dass alles andere eigentlich viel besser wäre:

  • Einen Freund um Rat fragen.
  • Ungefiltert meine Emotionen in den WhatsApp-Status stellen.
  • Google befragen.
  • Die KI beauftragen, Lösungen zu suchen.
  • Erst mal was essen.
  • Lästern, stänkern und mich aufregen.
  • Einen Beitrag in den sozialen Netzwerken verfassen.
  • Die Dinge einfach selbst in die Hand nehmen.

Aber weil das alles nicht geholfen hat, kann man jetzt ja mal das Beten beginnen. Stimmt, da war ja was. Gott als Notnagel und Gebet als letzte Option, wenn alles andere nicht gefruchtet hat.

Das Problem dabei ist: Das ist ein falsches Verständnis von Gebet! Denn Gebet ist weder eine Aufgabe auf der frommen To-Do-Liste noch etwas, das man tun “muss” als Christ noch ist es irgendetwas in Richtung Wunscherfüllung. Ich bin davon überzeugt, dass dieses falsche Verständnis von Gebet auch (aber nicht nur) dafür sorgt, dass so wenige Menschen, so wenige Gemeinden beten.

Und um ehrlich sein: Ich habe die Kraft, die Schönheit, die Macht und den Impact des Gebets jahrelang unterschätzt. Wenn mein heutiges Ich meinem 30jährigen Ich zu Beginn seiner Tätigkeit als Pastor nur einen einzigen Rat geben dürfte, würde dieser lauten:

„Kümmere dich um ein aktives Gebetsleben!“

Gebet ist ganz anders

Es ist Beziehung und Leben, es ist kraftvoll und schön, es ist kostbar und gewaltig, es ist unergründlich und voller Verheißungen. Das Reden, das Hören und das Sein des Menschen vor und mit Gott – wie um alles in der Welt soll man das mit menschlichen Worten auch nur annähernd akkurat beschreiben können? Gebet ist und bleibt auch ein Mysterium, denn der Ewige trifft auf das Zeitliche, das Göttliche auf das Menschliche. Und das Verrückte: Gott selbst fordert uns in seinem Wort immer und immer wieder auf, diesen Weg zu gehen: zu beten!

Ich habe schon einmal geschrieben: Wenn Christen beten, dann ist es in erster Linie das Aufrechterhalten der geistlichen Vitalfunktion und Ausüben dessen, was ganz natürlich zum Wesen eines Christen gehört. Erst in zweiter, dritter, vierter Reihe ist es ein Bitten, Danken, Klagen.

Wir dürfen nicht den Fehler machen zu meinen, dass Beten etwas ist, das wir tun (müssen), weil es diesen oder jenen Charakter und Auswirkung haben soll. Nein – beten ist Teil unserer christlichen DNA. Es gehört unweigerlich dazu. Lass es mich dir drastisch schreiben: Ein Christ, der nicht betet, ist ziemlich krank – weil mit seiner DNA etwas nicht stimmt bzw. weil er gegen seine DNA lebt, gegen sein eigentliches Wesen, gegen seine ureigene Bestimmung – man ist das ätzend und schwer, ständig gegen sich selbst und gegen das „Normale und Natürliche“ anzukämpfen. Vielleicht fühlt sich das ein oder andere Leben deshlab auch so anstrengend an.

Wenn nun Gott selbst uns das Beten lehrt wie das Vaterunser in Matthäus 6, dann ist Gebet eines sicher nicht: Unsere letzte Option.

Nein – Gebet ist immer unsere erste Option. Es ist nie ein Notnagel, aber immer verfügbar. Gebet ist das Atemholen der Seele, es ist Ausdruck meiner Beziehung zu Jesus – eben: meine DNA!

Und dann kommen ja erst die Auswirkungen von Gebet: Mauern stürzen ein. Feinde werden bezwungen, Ängste überwunden und Krankheiten geheilt. Freude wird wiederhergestellt und Leben gerettet. Wie um alles in der Welt kann man da der Ansicht sein, dass Beten nicht unsere erste Option, sondern eine x-beliebige oder gar die letzte Option ist?

In seinem Klassiker „Vom Beten“ schreibt der norwegische Theologie-Professor Ole Hallesby:

Beten bedeutet nichts anderes, als sich in die Sonne der Gnade legen, die Not seiner Seele und seines Leibes in diesem heiligen Licht ausbreiten, das mit seinen Wunder tuenden Kräften alle Bakterien der Sünde entkräftet. Ein Beter zu sein heißt, in einer Lichtkur sich befinden und Jesu wundertätige Kraft Tag und Nacht auf alle Not einwirken lassen. Christ sein bedeutet in Wahrheit, einen Platz an der Sonne bekommen haben!Ole Hallesby: Vom Beten

Komm mit auf eine Reise!

Ich bin immer noch auf einer Entdeckungsreise, was das Gebet betrifft. Ich schaue zurück und weiß: Ich will nicht mehr ohne! Mein Leben ist so viel schöner geworden durch Gebet!

In Matthäus 7,7 sagt Jesus:

Bittet, und ihr werdet erhalten. Sucht, und ihr werdet finden. Klopft an, und die Tür wird euch geöffnet werden.“

Das habe ich so oft schon erfahren. Aber es doch auch logisch: Wenn wir das tun, was unserer DNA, unserem Wesen entspricht, dann tut Gott auch das, was seinem Wesen entspricht. Wir bitten – er gibt. Wir klopfen an – er öffnet. Wir suchen – er lässt (sich) finden.

Mach dich mit auf die Reise! Es ist eine Abenteuerreise und Luxusreise zugleich. Luxus, weil du nur gewinnen kannst. Abenteuer, weil du nie weißt, wie es so ganz genau „funktioniert“. Es gibt eben nicht dieses Patentrezept, dass man „so und so“ beten müsse, und dann kommt die Erfüllung.

Manchmal ist es sogar so, dass auf eine Phase von Gebetserhörungen eine Phase des vermeintlichen Schweigens Gottes folgt – aber auf diese Phase des Schweigens wiederum eine Phase seines Redens folgt. Es wird nie langweilig – eben: Eine Abenteuerreise, bei der du nur gewinnen und niemals verlieren kannst.

Deswegen der schlichte Reminder zum Schluss:

Gebet ist niemals unsere letzte, sondern immer unsere erste Option!


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Überraschende Freiheit: Wie Jesus von Selbstzweifeln und Perfektionismus befreit

„Ich hoffe, dass dieses kleine, tiefgründige Buch viele Leser findet, die sich mit mir auf diesen Weg begeben und so entdecken, wie Jesus von Selbstzweifeln und Perfektionismus befreit.“

Mit diesen Worten endet Philipp Bartholomä (Professor für Praktische Theologie (mit Schwerpunkt Gemeindeaufbau) an der Freien Theologischen Hochschule Gießen) sein Vorwort zu Tim Kellers Buch „Überraschende Freiheit: Wie Jesus von Selbstzweifeln und Perfektionismus befreit“.

Ich kann ihm zu 100% zustimmen! Dieses kleine aber feine Buch von Tim Keller ist in meinen Augen bahnbrechend, weil es das schier Unmögliche schafft: Anhand eines biblischen Textes die große Frage nach der Identität des Menschen auf so wenigen Seiten so grundlegend zu behandeln – und einmal mehr ganz im Stile Kellers: Auf eine Art und Weise, die jeder Mensch verstehen kann (auch wenn Tim Keller das absolute Brain war; leider ist er ja am 19. Mai 2023 verstorben).

Und mit „grundlegend“ meine ich genau das: den Grund legend. Natürlich könnte man die Frage nach der menschlichen Identität aus ganz vielen verschiedenen Blickwinkeln führen: Dem Blickwinkel der Psychologie, der Soziologie, der Sexualität, der Körperlichkeit allgemein, der Philosophie und und und.

Aber in diesem Buch geht es eben um die Grundlage, den wahren Grund, den wichtigsten Grund bei der Beantwortung aller kursierenden Fragen rund um die menschliche Identität.

Keller geht dieser Frage anhand von 1. Korinther 3,21-4,7 auf den Grund. Ganz ehrlich: Auf die Idee muss man erst mal kommen. Liest man diesen Bibeltext, so wette ich, würden die wenigsten auf die Idee kommen, ihn im Blick auf Fragen nach der menschlichen Identität zu lesen. Aber Keller wäre nicht Keller, wenn er nicht überraschen würde.

Normalerweise lesen wir bzw. wird dieser Abschnitt oft ausgelegt im Blick darauf, worauf wir als Christen „stolz“ sein sollen – und worauf eben nicht. Gleichzeitig wird oftmals fast schon ein schlechtes Gewissen gemacht und auf ungesunde Weise die menschliche Identität regelrecht „unterdrückt“ durch eine gesetzliche Auslegung dieser Verse.

Ganz anders Tim Keller. Er schafft es, aus den einzelnen Sätzen und Worten das herauszuholen, was wirklich aufbaut und ermutigt.

Paulus bindet seinen Selbstwert, seine Selbstachtung, seine Identität in keiner Weise an das Urteil und die Bewertung anderer.Überraschende Freiheit, S.34

Genau das aber geschieht ständig in unserer Zeit – alleine Social Media lebt von der ewigen Gier nach Klicks und Likes – also nichts anderem, als dem Abhängigsein von der Meinung anderer.

Entscheidend nun aber ist nach Keller, dass wir uns nicht nur einfach abschotten von der Meinung anderer, denn diese kann mitunter auch hilfreich sein. Entscheidend ist vielmehr, ob wir selbst für uns erkennen, wo wir daneben liegen:

Wenn er sagt, dass er weder die Korinther noch sich selbst über sich urteilen lässt, sagt er damit, dass er seine Sünden kennt, sie aber nicht mit sich selbst, mit seiner Identität verknüpft.Überraschende Freiheit, S.39

Weder das Urteil anderer noch das eigene Urteil soll für den Menschen und die Frage nach seiner Identität bestimmend sein, sondern Gott alleine hat die Macht und die Autorität, uns Menschen Identität zuzusprechen. Und genau das ist diese „überraschende Freiheit“, die wirkliche Freiheit – die Freiheit, nach der sich jeder Mensch sehnt.

Was ich an „Überraschende Freiheit: Wie Jesus von Selbstzweifeln und Perfektionismus befreit“ so schätze ist die tiefgründige Art, mit der Tim Keller einfühlsam aber klar über die mit der Identität verbundenen Fragen schreibt. Man liest Dinge, die man andernorts nicht hört und über die schnell mal hinweggegangen wird. Keller jedoch bringt genau diese Zwischentöne, die Nuancen, die Details auf den Tisch – und schafft damit eine wesentlich profundere Art der Auseinandersetzung, als ich das bisher in Predigten, Podcasts oder vergleichbaren Büchern gehört, gesehen oder gelesen habe.

Gleichzeitig scheint die Frage nach der Identität eine, wenn nicht sogar die Schlüsselfrage der Menschen von heute zu sein. Wie gut, dass mit „Überraschende Freiheit: Wie Jesus von Selbstzweifeln und Perfektionismus befreit“ ein kleines Buch vorliegt, das uns genau davon befreit: Uns ständig selbst anzuzweifeln, weil wir uns mit allen möglichen Menschen vergleichen oder aber perfekt sein zu wollen, weil andere oder wir selbst diesen Maßstab an uns anlegen.

Timothy Keller: Überraschende Freiheit. Wie Jesus von Selbstzweifeln und Perfektionismus befreit

Seiten: 60

Preis: 6,90 Euro

Verlag: Verbum Medien (www.verbum-medien.de/products/uberraschende-freiheit)

ISBN: 9783986654153


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#82 1000 Bibelauslegungen – Wer hat Recht?

 Eigentlich gar nicht so schwierig…

Es gibt ja diesen Klassiker: „Zwei Theologen – drei Meinungen!“

Irgendwie ist da auch was dran. Das wäre ja alles nicht so tragisch, wenn einfach die Theologen untereinander diskutieren bis der Arzt kommt.

Aber: Was ist, wenn ich zu einer Bibelstelle Kommentare oder Auslegungen lese, die sich nicht einig sind? Was, wenn ich wirklich eine wichtige Frage habe – aber irgendwie nicht weiterkomme und beinahe sich widersprechende Aussagen bekomme?

Wer hat Recht?

Dieser Frage gehe ich in dieser Folge nicht alleine auf den Grund, sondern gemeinsam mit Dave Krohn vom „Apologetik Projekt“.

Apologetik Projekt auf Instagram

Dave Krohn auf Instagram

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Ein Gott. Ein Wort.

Sieben Schlüssel für ein neues Bibellesen

Ok, machen wir es kurz: Ich habe dieses Buch „in einem Rutsch“ gelesen, weil ich einfach nur begeistert davon bin. Selten geschieht so etwas und zugegeben, es ist mit 128 Seiten auch nicht der dickste Schinken. Aber das ist nicht einmal der Hauptgrund.

Dieser besteht schlicht und einfach darin, dass Detlef Kühlein auf solch geniale Weise den Leser „abholt“, dass man sich wie in einem Dialog vorkommt, aus dem man nicht mehr rausmöchte.

Ja, richtig gelesen: Dialog. Nicht Monolog. Denn Kühlein stellt immer wieder Fragen, erzählt von sich selbst, spricht den Leser direkt an und hat einen Schreibstil, der leicht zu lesen ist und dennoch nicht trivial daherkommt.

Wie er selbst schreibt, ist das zwar sein erstes Buch, aber wenn du denkst: „Warte mal. Detlef Kühlein. Den Namen habe ich doch schon mal gehört!“ Dann liegt das vermutlich daran, dass Detlef Kühlein seit vielen, vielen Jahren ein „big player“ ist, wenn es darum geht, Menschen den Schatz der Bibel vor Augen zu malen.

In erster Linie tut er dies durch „bibletunes. Die Bibel im Ohr“ (www.bibletunes.de). Ursprünglich gestartet als Hörbibel, gibt es inzwischen jede Menge Podcast und verschiedene Publikationen rund um das Buch der Bücher. Des weiteren ist Kühlein bekannt als Prediger und Referent – und zwar immer dann, wenn es darum geht, die Bibel lebendig werden zu lassen. Gut, das ist sie sowieso – aber viele Christen nehmen das gar nicht so wahr.

Und damit sind wir schon beim Knackpunkt dieses Buches.

Lust auf Bibellesen?

Viele Christen würden diese Frage mit einem „Hm, ja, weiß nicht. Eigentlich nicht so. Aber als guter Christ muss ich das tun, oder?“ beantworten.

Genau hier setzt Detlef Kühlein mit seinem Buch „Ein Gott. Ein Wort. Sieben Schlüssel für ein neues Bibellesen“ an.

Ich möchte das Bibellesen als Beziehungsgeschehen betrachten. Als echte Kommunikation zwischen Gott und Mensch. Da passiert etwas, wenn ich dieses Buch lese. Da öffnet sich etwas in mir. Wie und was da passiert, ist vermutlich sehr individuell. Aber bei einem bin ich mir sicher: Wenn du deine Bibel mit diesem Mindset liest, öffnest du dich einer göttlichen Wirklichkeit, die heute noch genauso aktuell ist wie zu der Zeit, als diese Worte geschrieben wurden.Ein Gott. Ein Wort., S.15

Das gesamte Buch ist nichts anderes als ein großes Werben um dieses Kommunikationsgeschehen. Kühlein weiß um die Müdigkeit im Blick auf Bibellesen unter Christen. Er weiß aus eigener Erfahrung, dass Gott nicht immer nur das 5-Sterne-Menü serviert, sondern uns manchmal auch harte Brocken zu lesen gibt. Und dennoch:

Wenn du die Schrift studierst und liest, dann kommst du zum Glauben, dann wächst dein Glaube. Dein Glaube wird mit jedem Vers tiefer verwurzelt.Ein Gott. Ein Wort., S.41

Und dafür bietet Kühlein dir, lieber Leser, sieben Schlüssel.

Sieben Schlüssel – und eigentlich noch viel mehr

Ganz praktisch wird das Buch, wenn Kühlein seine „sieben Schlüssel für ein neues Bibellesen“ vorstellt, wobei er selbst wichtige Vorbemerkungen bringt: Diese Liste an Schlüsseln ist sicherlich nicht vollständig und man sollte die Bibel nicht nur mit einem Schlüssel, sondern mit mehreren Schlüsseln lesen.

Diese sieben Schlüssel sind:

  1. Liebe
  2. Licht
  3. Kraft
  4. Nahrung
  5. Wachstum
  6. Spannung
  7. Frieden

Das scheint auf den ersten Blick zunächst wenig aussagekräftig bis trivial, wenn du das hier in meinem Artikel liest. Aber weit gefehlt! Denn Kühlein macht das ganz praktisch und gibt dir Tools und Tipps an die Hand, wie du mit einem (oder mehreren) dieser Schlüssel die Bibel wieder ganz neu lesen und lebendig werden lassen kannst. Denn:

Wir können also davon ausgehen, dass das Wort Gottes, wenn wir es hören und lesen, immer eine Wirkung in unserem Leben hat! Die Frage ist allerdings, ob wir die Auswirkungen dieser göttlichen Wirkung auch immer spüren und erfahren. Ich glaube, dass das nicht immer der Fall ist. Manchmal bleibt uns leider verborgen, was Gott tut.Ein Gott. Ein Wort., S.70

Ich bin fest davon überzeugt, dass dieses Buch ein sehr, sehr großer Gewinn für jeden sein wird, der das Bibellesen neu entdecken möchte. Und noch viel wichtiger: Für mich scheint das wie ein geistlicher Defibrilator, der ein für das Bibellesen erloschenes Herz wieder ganz neu beleben kann. Ja, das glaube ich sehr!

Weiterführende Tipps und Links

Abgerundet wird das alles durch jede Menge weiterführender Links und Tipps. Sowohl im Buch selbst – als auch in einem „Anhang“ am Endes des Buches. Dort findest du Hinweise auf weitere Literatur, auf Podcasts, auf Online-Tools und auch eine kurze Darstellung der verschiedenen Bibelübersetzungen.

Jens Kaldewey, den viele als Bibellehrer kennen und schätzen, steuert einige Gedanken dazu bei, was die Bedeutung des „einmal durch die ganze Bibel“-Lesens (und das mehrmals im Leben) aber auch des „meditierenden Lesens“ betrifft.

Meine ganz persönliche Erfahrung mit der Bibel ist folgende: Je mehr ich darin lese, desto mehr entdecke ich und desto eher habe ich den Eindruck, dass ich gar nicht viel weiß. Je weniger ich in der Bibel lese bzw. auch andere Menschen, wenn sie mir das im Gespräch offenbaren, desto eher besteht die Gefahr, dass man sich überschätzt.

Ich wünsche mir von Herzen, dass Christen Bibellesen nicht wie ein Pflichtprogramm ansehen, dass sie irgendwann aufgeben, sondern als das, wie es Detlef Kühlein in seinem Buch schreibt:

Wenn ich die Bibel öffne, kommt mir Gottes Atem entgegen. Mir kommt schöpferisches Leben entgegen. Gott selbst steckt zwischen diesen Buchseiten. Deswegen ist die Bibel auch kein normales Buch mit toten Buchstaben.

Sie ist lebendig, weil Gott durch sie spricht, weil Gott durch sie atmet.

Die Bibel ist also der frische und lebendige Wind, den mein Glaubensleben braucht.Ein Gott. Ein Wort., S.83

Deswegen: Wenn ich hier 5-Sterne-Bewertungen abgeben würde, würde „Ein Gott. Ein Wort. Sieben Schlüssel für ein neues Bibellesen“ sechs Sterne bekommen. Mindestens!

Detlef Kühlein: Ein Gott. Ein Wort. Sieben Schlüssel für ein neues Bibellesen

ISBN: 9783986951634

Preis: 14,90 EUR

Verlag: Gerth Medien (www.scm-shop.de/ein-gott-ein-wort.html)


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#81 Ostern – alles nur Fake News?

 Falls ja, sind wir verloren!

Lass uns mal so tun, als würden diese beiden Sätze stimmen.
„Jesus starb nicht stellvertretend für unsere Sünden. Jesus ist an Ostern nicht leibhaftig auferstanden.“

Was wäre dann? Wir wären allesamt verloren und könnten den christlichen Glauben (der dann ein solcher gar nicht wäre) an den Nagel hängen.

Warum? Darauf gehe ich in dieser Folge ein.

Und keine Sorge: Am Ende gebe ich dir einige Gedanken mit, die es ziemlich unmöglich machen, die leibliche Auferstehung von Jesus zu leugnen!

Der angesprochene Artikel auf meinem Blog zu „Jesus im ersten Teil der Bibel:

www.david-brunner.de/jesus-der-rote-faden-durch-die-bibel/

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#80 Longevity & Transhumanismus: Was sagt die Bibel dazu?

Der Wunsch des Menschen, unsterblich zu sein…

Longevity ist ein großer Trend derzeit.
Transhumanismus ist ein großer Forschungsbereich.
Hinter beidem steht der uralte Wunsch des Menschen, unsterblich zu sein – oder zumindest den Tod so weit es nur geht hinauszuzögern.

Wie ist das aus christlicher Perspektive zu beurteilen? Ist das womöglich der Ersatz für das „ewige Leben“? Welchen Gefahren setzt sich der Mensch aus und worauf sollten wir unser Vertrauen setzen?

Um all diese Fragen (und noch so manches mehr) geht es in dieser Folge.

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