Beim Lesen dieses Buches merke ich, dass ich echt alt geworden bin mit meinen 47 Jahren. Denn vorweg will ich genauso ehrlich sein, wie Lukas Herbst es so großartig in seinem Buch „Dein Leben. Dein Impact.“ ist: Ich bin nicht die Zielgruppe. Diese würde ich mal mit der „Generation Y“ bezeichnen – also Menschen, die zwischen 1980 und 1995 geboren sind – wobei ich den Schieberegler ganz weit Richtung 1995 schieben würde, bin ich doch selbst Jahrgang 1978 und nur „knapp raus“.
Leichte Sprache…
Lukas Herbst spricht von „Jesus-zentriertem Selbstmanagement“. Mega! Ich finde diese Beschreibung großartig – so habe ich das noch nie gehört. Übrigens genauso wenig wie das Wort „bayrischer Vollkornsprudel“ – wie genial ist das denn?! Wenn du dich fragst, was Letzteres ist: Frag Lukas! Er wird es dir bestimmt verraten.
Zurück zum Thema.
Das Buch beginnt mit einer sehr, sehr eindrucksvollen Schilderung eines „holy moments“, wie Lukas Herbst es nennt. Ein Moment, in dem er auf nicht gerade einfache Weise lernen musste: Ich muss mich selbst leiten. Lukas Herbst ist Ehemann, Familienvater und Pastor. Das alleine sind schon drei schwerwiegende Gründe, weshalb gute Selbstleitung wichtig ist (ich spreche aus Erfahrung).
Die Sprache seines Buches ist locker bis witzig – aber ich merke: Nicht wirklich mein Ding. Ich liebe es, wenn ich manche Sätze eines Abschnittes zwei mal lesen muss (solange es nicht zu viele davon sind), weil ich sie entweder auf Anhieb nicht ganz verstehe oder weil ich die Tiefe noch nicht ergründet habe. Das ist bei Lukas Herbst anders. Manchmal habe ich mich beim „Überfliegen“ des Textes erwischt, weil er einfach so „easy going“ schreibt. Mancher wird es lieben, da bin ich mir ganz sicher, aber mich spricht es nicht an. So what: Hier reden wir vom Stil. Der ist für ein Buch natürlich auch wichtig, aber schlimmer wäre, wenn ich beim Inhalt passen müsste. Und das Gegenteil ist der Fall.
…tiefgründiger Inhalt
Wenn du eine kurze Zusammenfassung möchtest, würde ich es mal so formulieren:
Um sich selbst gut zu leiten und ein „Jesus-zentriertes Selbstmanagement“ zu kreieren hat Lukas Herbst im Blick auf Emotionen Peter Scazzero, im Blick auf Jüngerschaft John Marc Comer, hinsichtlich Theologie Dallas Willard und was Leitung betrifft Craig Groeschel inhaliert – und gibt das nun wieder.
Nein, das meine ich nicht wertend – schon gar nicht negativ. Und nein, du hast auch kein Plagiat in den Händen. Ich erachte es eher als eine hohe Kunst, von den genannten Autoren eine Art Extrakt zu ziehen und dann in einer schlüssigen Form zu präsentieren.
Was Lukas Herbst in seinem Buch „Dein Leben. Dein Impact.“ dadurch (und auch durch vieles andere) schafft ist nämlich, Menschen, die wesentlich jünger sind als ich, etwas an die Hand zu geben, „wie sie aus ihrem Leben etwas machen“.
Und zwar nicht nur irgendetwas, sondern ihre Berufung leben – ohne dass Lukas Herbst (und das gefällt mir sehr, sehr gut) zu sehr mit irgendwelchen bedeutungsschwangeren Worten wie Berufung, Erwählung, Bestimmung, Vision und ähnlichem exorbitant um sich wirft. Das ist sehr, sehr angenehm, denn dadurch bekommt der Inhalt noch mehr Alltagsrelevanz und verliert sich nicht auf einer theologischen Metaebene, in der man zwar ganz gut diskutieren und philosophieren kann, nach dem Lesen aber das Buch zuklappt und sich fragt: „Und was soll ich jetzt machen?“
Diese Frage mag man sich nach dem Lesen von „Dein Leben. Dein Impact.“ vielleicht auch stellen (oder ganz sicher) – aber du hast die Antworten schon gehört, während du das Buch gelesen hast.
„Jesus-zentriertes Selbstmanagement“
Je länger ich über diese Wortkonstellation nachdenke, desto besser gefällt sie mir.
Im Prinzip geht es darum, wie ich als Christ nicht einfach nur das Beste aus meinem Leben mache, sondern wie mein Leben ein Impact haben kann – und zwar im Hier und Jetzt. Nicht irgendwann, sondern jetzt beginnend – und dann wachsen, ja. Aber nicht vertröstend auf ein „irgendwann mal“ schreibt Lukas Herbst, sondern jeder Christ hat mit seinem Leben ein Impact.
Dazu schaut er sich verschiedene Bereiche unseres Lebens an: meine Gottesbeziehung, mein Charakter, meine Zeit, meine Beziehungen, mein Körper, meine Kompetenz und andere Dinge.
Ansprechend und gerade für die jüngere Generation so wichtig fand ich die kurze Darstellung vom „Leben in Spannungsfeldern“. Von diesen macht Lukas Herbst drei aus:
- Richtung vs. Geschwindigkeit
- Kreieren vs. Konsumieren
- Vision vs. Aktion
Diese Ausführungen umfassen nur wenige Seiten und hätten ruhig noch mehr Raum einnehmen können – kommen aber in anderen Bereichen des Buches auch wieder zur Sprache. Ich finde sie deswegen so wichtig, weil ich davon überzeugt bin, dass die Generation Y (die „Millennials“) aber auch die Generation Z permanent sich in diesen Spannungsfeldern befindet und ihr Lebensgefühl mit einem Wort beschrieben werden kann, das ich immer wieder in der Generation Z höre: lost (verloren).
Was auffällt: Lukas Herbst hat ein Herz und große Leidenschaft für die Menschen, für die er schreibt. Dabei werden biblische Texte nicht nur als Sahnehäubchen und Legitimierung zur Veröffentlichung in einem christlichen Verlag verwendet, sondern sie sind an vielen Stellen die Basis seiner Argumentation – das gefällt mir sehr! Denn am Ende sind es nicht menschliche Theorien, sondern Gottes Wort, das uns hilft, uns selbst gut zu leiten.

Ich finde: Lukas Herbst gelingt der Spagat oder die Mischung (je nachdem, wie du es siehst) zwischen den typischen Fragen nach Leitung, nach Berufung und Zukunftsorientierung, nach Identität und Dasein und biblischen Prinzipien. Ich bin mir sehr sicher, dass junge Menschen jede Menge aus diesem Buch „ziehen“ können.
Denn nur nebenbei erwähnt: Lukas Herbst zitiert Dallas Willard u.a. aus seinem Buch „Gott. Du musst es selbst erleben“ (hier findest du meine Rezension zu diesem Buch), was ich großartig finde, gleichzeitig aber auch überzeugt davon bin, dass von den „Millennials“ wahrscheinlich nur eine solch kleine Menge dieses Buch lesen würde (auf Grund der Seitenmenge und nicht immer einfachen Sprache), dass es doch großartig ist (wie ich es oben schon angedeutet habe), dass diese Gedanken nun „komprimiert“ zur Verfügung gestellt werden – einer Generation, die sehr wahrscheinlich noch mal neu buchstabieren muss, was es heißt, sich selbst zu leiten, seine Berufung zu finden und wie umzugehen ist mit Herausforderungen im Alltag, dem Rhythmus des Lebens (dieser Abschnitt gefällt mir übrigens auch besonders gut) und anderen Dingen.
Wo meine (und sicherlich auch noch ältere) Generation mit Bill Hybels, Thomas Härry und John Maxwell „großgeworden“ ist (naja, fast) in Sachen Selbstleitung, braucht es für die jüngere Generation eine neue Sprache, neue Formate – aber keine neuen Inhalte.
Ich finde: Lukas Herbst ist das großartig gelungen, denn nochmal: Es geht am Ende nicht um mich selbst und einen Selbstfindungstripp, sondern darum, wie mein Leben einen Impact (Einfluss) haben kann.
Insofern kann ich Lukas Herbst nur beipflichten und zitieren: „Groß träumen. Klein anfangen.“
Am besten jetzt gleich!
Lukas Herbst: Dein Leben. Dein Impact.
ISBN: 9783417010282
Seiten: 272
Preis: 20,00 Euro
Verlag: R.Brockhaus (www.scm-shop.de/dein-leben-dein-impact.html)

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