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Neues Jahr, neues Glück?

Zum Glück gibt’s Gott

Glück. Neuanfang. Das wünschen sich nicht wenige. Deswegen haben Vorsätze zum neuen Jahr auch Hochkonjunktur. Bei mir eigentlich noch nie. In den letzten Jahren überhaupt nicht.

Warum auch?

Ich glaube an einen “Gott der zweiten Chance”, der sich nicht an Jahresübergänge und ein bestimmtes Datum bindet.

Zu groß ist das Erschrecken, wenn der Vorsatz nun doch nicht klappt. Schnell gibt man auf, ist enttäuscht – und dann? Einen zweiten Versuch starten die wenigsten.

Umso schöner zu wissen, dass es einen Gott gibt, der uns mit jedem Tag unseres Lebens eine zweite Chance gibt.

Die Güte des Herrn hat kein Ende, sein Erbarmen hört niemals auf, es ist jeden Morgen neu! Groß ist deine Treue, o Herr! (Klagelieder 3, 22-23)

Zweite Chance

Gott schenkt uns das, was wir Menschen oft gerne hätten, nicht finden, nicht bereit sind zu geben und worunter unser Leben leidet: Eine zweite Chance. Die Zeit nochmal zurückdrehen. Dinge ungesagt, ungetan, ungedacht machen. Geht nicht? Gibt’s nicht!

Denn Gott ist nichts unmöglich.

In der Bibel finden sich so viele Geschichten, die uns zeigen: Gott gibt uns Menschen nicht auf. Gott gibt mich nicht auf. Gott gibt dich nicht auf.

Sei es ein Paulus, der vom glühenden Christenhasser zum leidenschaftlichen Jesusnachfolger wurde. Zweite Chance? Aber natürlich!

Oder Petrus. Viele nennen ihn das “Großmaul der Freunde Jesu” – ob dem so ist, sei mal dahingestellt. Der Sprecher dieses Freundeskreises war er sicherlich. Und was war? Er hat versagt. nicht nur einmal.

Behauptet, er kenne diesen Jesus nicht.

Behauptet, er folge Jesus bis in den Tod.

Da kam so manches durcheinander. Zweite Chance? Aber natürlich!

Zaches war ein kleiner, fieser Zolleintreiber. Ein MOF. Mensch ohne Freunde. Armer Kerl. Zweite Chance? Aber natürlich! Er ändert sein Leben. Nein – besser gesagt: Jesus verändert sein Leben.

Zeitlos gültig

Ich kann mir nicht vorstellen, dass all diese “Zweite Chance”-Augenblicke an einem 1. Januar stattgefunden haben. Vielmehr mitten im Jahr. Mitten im Leben. Mitten im Alltag.

Also – warum gute Vorsätze fassen, wenn jeder einzelne Tag dieses Jahres 2016 ein ganz besonderer werden kann? Nämlich ein Tag der zweiten Chance!

In wenigen Tagen starten wir in der Gemeinde unsere neue Predigtreihe “Neustart”. Im Prinzip geht es genau darum: Den Charme des Jahresanfangs nutzen, aber nicht alle Hoffnungen in die Neujahrsvorsätze setzen, sondern darauf vertrauen, dass es einen Gott gibt, der uns Tag für Tag eine neue Chance gibt.

Auch und gerade in den einzelnen Bereichen unseres Lebens.

In diesem Sinne wünsche ich Dir ein gesegnetes Jahr der zweiten Chance!

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Ein Retter ist geboren!

Nun kommt also ganz überraschenderweise morgen, am 24.12., wieder Heiligabend mitten in unser Leben.

Die Heilige Nacht. Die stille Nacht.

Es wird jede Menge gesagt und gepredigt, gesungen und erzählt werden.

Schöne Familientraditionen haben ihren Platz – aber auch unzählige Polizeieinsätze, die nur noch in der Silvesternacht getopt werden.

Weihnachten. Hirten. Engel. Ochs und Esel. Maria und Josef. Könige und Schafe.

Und mittendrin, ach ja. Da war doch was. Ein Baby. Ein kleines Kind. Das Christkind? Ein Retter?

Ich halte es mit dem Engel, der den Hirten verkündet: “Euch ist heute der Retter geboren!”

Weihnachten – Die Nacht der Anbetung

Mich erfüllt das immer und immer wieder mit Staunen. Eigentlich kann ich gar nicht genug davon bekommen und würde am liebsten mal eine Worship-Night an Heiligabend besuchen. Berufsbedingt bin ich aber selbst “im Dienst”.

Dass Gott Mensch wird, ist so unfassbar schön.

Der, der vor Zeiten sprach: “Es werde!” – und es wurde Licht. Tag und Nacht. Meere und Land. Tiere und Menschen.

Der kommt in dieser heiligen und stillen Nacht in unsere Welt – in meine Welt.

Als ob er es im Himmel nicht aushielte und von Liebe getrieben hineinplatzt in diese Welt, in die Schwärze und Dunkelheit dieser Welt.

Was muss das für ein Gott sein, der das tut? Der den himmlischen Hofstaat und Thron verlässt, der seine Herrlichkeit und Heiligkeit aufgibt, um ein Kind zu werden, das in Windeln gewickelt ist, die sicherlich nicht reinlich waren, wie es in einem Weihnachtslied besungen wird?

Was ist das für ein Gott?

Ich kann nur staunend anbeten. Über alle Fragen und Zweifel, die auch ich immer wieder habe, legt sich ein weihnachtlich-anbetender Filter der Dankbarkeit und des Staunens – der zugegebenermaßen nicht lange hält und mein Alltag recht schnell wieder befreit ist von diesem Filter und den nackten Realitäten ins Auge schaut.

Ein Gott, der es nicht aushält, Gott zu bleiben, stattdessen Mensch wird und unter Menschen lebt – kann es einen größeren göttlichen Liebesbeweis geben?

Der Retter ist da

Und doch bleibt es ja nicht bei dieser romantisch-verklärten Sicht von Weihnachten.

Gott kommt nicht nur als kleines Kind in diese Welt, sondern als Retter. Wow!

Wir kennen ja Bankenretter, Rettungssanitäter, Trainer, die vor dem Abstieg retten und eine Rettung in höchster Not.

Weihnachten übersteigt das alles bei weitem!

An Weihnachten kommt der in die Welt, der uns Menschen rettet.

Wozu? Zu einem Leben, das nicht von Eigennutz und Egoismus bestimmt ist, sondern in der Dynamik einer göttlichen Berufung gestaltet wird. Ein Leben, in dem das Heilige und Irdische zugleich sichtbar wird und zusammenkommt. Ein Leben, das weiß, woher es kommt und wohin es geht.

Wovor? Von Gott getrennt zu sein. In Zeit und Ewigkeit. Das Unvorstellbare. Von Gott getrennt leben zu müssen – es gibt wohl nichts Schlimmeres. Davor gerettet zu sein, ist ein großartiges Geschenk. DAS Geschenk schlechthin an Weihnachten.

Weihnachten ist kein Märchen

Die Botschaft von Weihnachten hat mit unserem Leben zu tun.

Doch nicht jeder will das wahrhaben, wovon hier im Blick auf Jesus die Rede ist.

Er kam in seine eigene Schöpfung, doch seine Geschöpfe, die Menschen, wiesen ihn ab. Aber allen, die ihn aufnahmen und ihm Glauben schenkten, verlieh er das Recht, Kinder Gottes zu werden. (Die Bibel, Johannes-Evangelium 1, 11+12)

Und wieder staune ich.

Weil ich Jesus glaube, ihm mein Vertrauen schenke, darf ich mich ein Kind Gottes nennen.

Ein Kind dessen, der sagte: “Es werde!” – und es wurde.

Ein Kind dessen, der es im Himmel nicht aushielt, und hier auf die Erde kam.

Ein Kind dessen, der sich selbst gibt, damit ich leben kann.

Ein Kind dessen, der seinen Weg in einer Krippe begann und an einem Kreuz vollendete. Ohne Krippe kein Kreuz. Kein Kreuz ohne Krippe.

Der als Kind in diese Welt kommt, weiß, dass ich ihn brauche, weil ich meine Last nicht tragen kann. Deswegen geht er von der Krippe den langen Weg bis ans Kreuz, um auf sich zu nehmen, was auf mir lastet; um mich zu befreien; um mir Leben zu ermöglichen!

Was für ein Gott!

Und ich staune wieder.

Ich mag nicht viele Weihnachtslieder. Viele finde ich zu kitschig. Jesu Windeln waren nicht reinlich und ob er ein holder Knabe mit lockigem Haar war, sei mal dahingestellt.

Aber ein Lied hat es mir seit vielen Jahren angetan: Ich steh an deiner Krippen hier.

Ich steh an deiner Krippe hier, o Jesu du mein Leben. Ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben. Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin.Und lass dir’s wohlgefallen.

Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren. Und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt, erkoren. Eh ich durch deine Hand gemacht, da hast du schon bei dir bedacht, wie du mein wolltest werden. (Paul Gerhardt)

Wie fühlt sich eigentlich Advent an?

Jedes Jahr immer ein Stückchen mehr und dieses Jahr auf irgendeine Weise ganz besonders habe ich den Eindruck: Kaum einer ist zur Zeit in “Adventsstimmung”.

Aber vielleicht ist das auch gut so. Sicher: So eine romantisch-verklärte Parallel-Realität zu dieser umkämpften, zerrissenen und tristen realen Realität hätte doch was.

Wer weiß: Hat sich Gott genau so gefühlt, als er sich auf den weiten Weg zum Stall nach Bethlehem machte und es kurz vor Jesu Geburt den allerersten Advent gab?

Wenn Gott es für nötig erachtet hatte, Mensch zu werden, weil wir Menschen es verlernt haben, Menschen zu sein, dann muss es recht unmenschlich zugegangen sein. Damals. Vor dem ersten Advent.

Wie viel mehr freut sich Gott wohl heute über jeden einzelnen Menschen, der in dieser Adventszeit sich auf den Weg macht, und die Reise zu diesem Gott antritt, der sich schon längst auf den Weg zu uns Menschen gemacht hat?

Wenn Du Dich also auch nicht so ganz in Adventsstimmung befindest, dann bist du in bester Gesellschaft. Also mach dir keinen Stress und halt dich einfach an den, der den weiten Weg aus der Ewigkeit hierher auf die Erde gegangen ist, der ihn erst in die Krippe und dann ans Kreuz führte.

Obwohl er in göttlicher Gestalt war, hielt er nicht selbstsüchtig daran fest, Gott gleich zu sein. Nein, er verzichtete darauf und wurde einem Sklaven gleich: Er nahm menschliche Gestalt an und wurde wie jeder andere Mensch geboren.

Er erniedrigte sich selbst und war Gott gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum schändlichen Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott erhöht und ihm den Namen gegeben, der über allen Namen steht. Vor Jesus werden einmal alle auf die Knie fallen: alle im Himmel, auf der Erde und im Totenreich. Und jeder ohne Ausnahme soll zur Ehre Gottes, des Vaters, bekennen: Jesus Christus ist der Herr! (Die Bibel, Philipper 2, 6-11)

Wirklich Advent wird dort, wo dieser Jesus ankommen und bleiben darf.

 

DANKE

Manchmal spiegelt sich die Schönheit der Dinge in ihrer Simplizität wider. “DANKE” war das Thema der Predigtreihe, die uns in den letzten Woche in der ev. Kirchengemeinde im Wutachtal begleitet hat.

Danke für Familie und Freunde.

Danke für die Gemeinde.

Danke für die Schöpfung.

Danke für Gesellschaft und Politik.

Danke für Beruf und Berufung.

Danke für die Beziehung zu Gott.

Eigentlich wäre es doch mal eine Herausforderung, ein ganzes Jahr jeden Sonntag über etwas anderes zu predigen, wofür man dankbar ist.

Während ich diese Zeilen schreibe, fallen durch mein Bürofenster die Sonnenstrahlen der Herbstsonne – mitten im November. Herrlich.

Während der Predigtreihe haben wir oft das Lied “Danke” von Andrea Adams-Frey gesungen.

Eine kleine, fast unscheinbare Liedzeile hat mich jedes Mal neu getroffen:

“Danke, danke für das Leben, danke für die Liebe und diesen Augenblick.”

Wir Menschen sind unzähmbar sehnsüchtig und unheilbar liebesbedürftig. Dabei vergessen wir leider zu oft, einfach den Moment, den Augenblick zu genießen und dankbar innezuhalten für das, was wir haben – und nicht auf das schauen, was uns fehlt. Dankbar zu sein für der, der wir sind – und nicht auf den zu schauen, der wir gerne wären. Dankbar zu sein für das, was uns erfüllt – und nicht das zu suchen, was uns ohnehin keine Erfüllung schenkt.

Und dann war in diesem Lied noch ein weiterer ganz besonderer Augenblick:

“Danke für die Hoffnung, danke für den Frieden,

danke für Bewahrung und für Schutz.

Danke für den Glauben, danke für die Gnade,

danke für Vergebung und das Kreuz.”

Und deswegen bin ich so dankbar, dass ich an einen Gott glaube, der sich selbst für uns Menschen hingibt.

Ich bin dankbar für das Kreuz, weil dort der Ort ist, an dem mein zerbrochenes Leben Heilung erfährt.

Ich bin dankbar für das Kreuz, weil es keinen anderen Ort gibt, an dem ich wiederhergestellt werde – auf Zeit und Ewigkeit.

Ich bin dankbar für das Kreuz, weil es der einzige Ort ist, an dem ich Vergebung für meine Schuld erfahre.

Ich bin dankbar für das Kreuz, weil sich Gottes Liebe hier manifestiert und er es ein für alle Mal festnagelt:

Ich vergebe dir. Ich heile dich. Ich rette dich. Du gehst nicht verloren.

Da kann ich nur eines sagen: Danke!

Was für ein Gott!

Only God – Happy Birthday, Willow!

“Only God”. Ist das nicht ein schönes Geburtstags-Motto?

Am 18. Oktober 2015 feierte die Willow Creek Community Church ihren 40. Geburtstag unter diesem Motto. Only God. Gott allein.

Anschauen kann man sich die 160 minütige Geburtstagsgottesdienstfeier hier:

https://willowcreek.tv/archive/40th-anniversary/

Mich beeindruckt sehr, wie diese Gemeinde durch die letzten Jahrzehnte gesegnet wurde und für andere zum Segen wurde. Und das meine ich gar nicht mal zahlenmäßig. Ich kann doch nichts dafür, dass Woche für Woche Tausende die Veranstaltungen von “Willow” besuchen. Aber ich freue mich. Riesig.

Ich bin selbst in den letzten Jahren zutiefst inspiriert worden. Anfangs von Bill Hybels, Gründer und Pastor der Willow Creek Community Church, dann mehr und mehr auch von den vielen Diensten und weiteren inspirierenden Personen rund um diese Gemeinde.

Nach dem Anschauen dieser monumentalen Geburtstagsfeier habe ich mich gefragt: “Was macht Willow so besonders? Wieso ist diese Gemeinde seit Jahrzehnten für Gemeinden rund um den Erdball eine Quelle der Inspiration und Leidenschaft?”

Die Liste ist alles andere als vollständig, aber ich habe für mich folgende Gründe entdeckt.

1. Bei Willow hört man auf das Flüstern des Heiligen Geistes

Für mich besonders beeindruckend bei dieser Geburtstagsfeier waren die vielen Geschichten, die damit begannen, dass einzelne Menschen auf das “Flüstern des Heiligen Geistes” nicht nur hörten, sondern diesem Flüstern auch nachgingen. Bei Willow ist das schon ein wenig ein fester Ausdruck – das “Flüstern des Heiligen Geistes”. Bill Hybels gebraucht es immer wieder um deutlich zu machen: Gott redet durch seinen Geist auch heute noch zu Menschen – aber er schreit nicht. Manchmal sind es die unscheinbaren und ganz schlichten Momente, durch die Gottes Geist zu Menschen spricht.

Bei Willow hört man auf dieses Flüstern und folgt ihm. Beeindruckend!

2. Bei Willow folgt man einer klaren Vision

“Ein Bild der Zukunft, das Leidenschaft auslöst.” So beschreibt Bill Hybels, was er unter einer Vision versteht. Und ich finde: Das hat was. Vor allem wenn man in die Geschichte der Willow Creek Community Church schaut. Angefangen in einem kleinen Kino gibt es inzwischen einen großen Campus mit mehreren Gebäuden, in denen die unterschiedlichen Dienste Willows ihren Platz haben.

Diese Vision als ein Bild der Zukunft, das Leidenschaft auslöst, ist so etwas wie der treibende Motor bei Willow, ohne dass man jedoch verbissen einer Vision hinterherrennt. Vielmehr ist die Vision da, das Bild der Zukunft – und es löst wirklich Leidenschaft aus.

Natürlich gehören dazu auch Menschen, denen Veränderung nicht ganz weh tun. Wer sich gegen Veränderung sträubt, wird bei Willow sicherlich hier und da an seine Grenzen stoßen. Ich kenne kaum eine andere Gemeinde oder gar Organisation, die sich ständig “neu erfindet” – aber nicht, weil sie cool sein will, sondern weil sie weiß: Unsere Vision muss eine Leidenschaft auslösen, sonst ist sie maximal ein netter Gedanke – aber keine Vision.

3. Bei Willow begegnet man Menschen ganzheitlich

Eine feste Einrichtung bei Willow ist das so genannte “Care Center” geworden, in dem Bedürftigen auf ganz unterschiedliche Weise begegnet und geholfen wird – und wer auf ein Auto angewiesen ist, dem wird auch schon mal ein Auto fit gemacht und zur Verfügung gestellt – dafür steht “C.A.R.S“.

Ein ganz besonderer Dienstbereich bei Willow nennt sich “Special Friends“. Hier finden (junge) Menschen mit besonderen Bedürfnissen auf Grund von Diafunktionalität, Handicaps oder Behinderungen eine Heimat – aber nicht nur das. Diese Gruppe stellt ein Musical auf die Bühne, das seinesgleichen sucht. Unglaublich gut.

Und nicht zuletzt gibt es bei Willow für die unterschiedlichsten Lebensbereiche Kurse und Treffen, durch die man in diesen Bereichen besser wird, Wachstum erfährt oder überhaupt erst mal das Leben “auf die Reihe bekommt” – bspw. bei “Financial Peace University“.

Dass aber darüber hinaus einzelne Altersgruppen ihr je spezifisches Angebot haben, braucht eigentlich gar nicht erwähnt werden, sondern erklärt sich von selbst.

4. Bei Willow lädt man Freunde ein

In den Wochen vor der großen Geburtstagsfeier predigte Bill Hybels über die unterschiedlichen Dekaden der Willow Creek Community Church. Eines war in jedem Abschnitt der Gemeinde – die wirklich einiges durchgemacht hat – immer gleich: Die Menschen luden ihre Freunde in die Gemeinde ein. Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr.

Klar: Dazu muss die Gemeinde auch so aufgestellt sein, dass man seine Freunde dazu einladen kann. Nicht nur äußerlich mit hippem Lobpreis und angesagten medialen Effekten. Vielmehr innerlich. Innerhalb der Gemeinde muss eine Haltung da sein, durch die Gäste nicht nur willkommen sind, sondern eine entscheidende Rolle spielen.

So wurde vor einigen Jahren der Dienst “Section Communities” eingeführt. Dahinter verbirgt sich nichts anderes, als dass das “Main Auditorium”, in dem sich im Gottesdienst mehrere tausend Menschen befinden, in einzelne Abschnitte eingeteilt wurde. Jeder Abschnitt bekam eine “Nummer” und einen Leiter/eine Leiterin. So wird diese “Mega Church” ganz klein und überschaubar – und vor allem: Niemand soll sich alleine fühlen. Niemand soll kommen und gehen – ohne, dass ihn jemand willkommen geheißen hat.

5. Bei Willow spielt Evangelisation eine große Rolle

In einer Ausgabe des Leadership-Podcast “Mutig führen” sagte Bill Hybels einmal sinngemäß, dass es ihm zu denken gibt, wie wenig Evangelisation heute noch in Gemeinden eine Rolle spiele. Das Problem dabei ist auch, dass die Evangelisation in der Gemeinde meist keine Stimme hat, während in den anderen Bereichen der Gemeinde es immer Menschen gibt die sagen: “Wir brauchen andere Musik!” oder “Wir müssen uns um die Armen kümmern!” oder “Wir müssen mehr in die Kinder investieren!”

Evangelisation geht dabei meist leer aus, wenn es darum geht, einen Fürsprecher innerhalb der Gemeinde zu finden.

Also ist es Aufgabe des Gemeindeleiters oder des gemeindeleitenden Gremiums, die Leidenschaft für Evangelisation wach zu halten. Das tut man bei Willow und es ist nicht übertrieben zu sagen, dass Evangelisation eine große Rolle bei Willow spielt.

Only God

Ich kann nur sagen: Danke, Willow, dass du mich seit Jahren inspirierst. Auf die nächsten 40 Jahre!

Die Kunst des Leitens IV: Umdenken

Fragen über Fragen

Wie schaffen wir es, als Gemeinde zukunftsfähig zu sein? Wie können wir noch mehr Menschen mit dem Evangelium erreichen? Was können wir tun, damit unsere Gottesdienste noch ansprechender werden? Welche Angebote unter der Woche benötigen die Menschen? Auf welche Zielgruppe sollen wir uns fokussieren?

Wer in der Leitung einer Gemeinde tätig ist, sieht sich solchen und ähnlichen Fragen andauernd ausgesetzt. Gemeinde ist nie am Ziel und Gemeinde ist nie fertig. “Ecclesia semper reformanda” ist ja so ein Schlagwort. “Die Kirche muss sich stets verändern.” Ja das muss sie, denn sie ist Teil unserer Gesellschaft. Und will sie das bleiben und nicht als Parallel-Universum ihr Dasein fristen, muss sie Veränderungen proaktiv gestalten und gesellschaftlichen Trends zwar nicht hinterherlaufen, aber sie kann sich auch nicht hinstellen und sagen: “Was kümmert’s mich? Kirche war schon immer so – also werden wir auch so bleiben.” Abgesehen davon, dass diese Phrase ohnehin nicht stimmt – oder feierst du Gottesdienste in lateinischer Sprache? -, ist sie die größte Bremse und der stärkste Blocker, wenn es darum geht, als Kirche und Kirchengemeinde für die Zukunft aufgestellt zu sein.

Umdenken…

In allen Fragen rund um Gemeindeentwicklung und Veränderung von Gemeinde, hat mich ein Satz stark geprägt, den ich nur unterstreichen kann: “Das, was uns bis hierher gebracht hat, ist mit Sicherheit nicht das, was uns in die Zukunft bringt.

Das ist starker Tobak, ich weiß. Aber ist es nicht so? Vor einigen hundert Jahren wurde die Orgel als richtungsweisendes und alleinseligmachendes Instrument zur musikalischen Gottesdienstbegleitung eingesetzt. Schauen wir unsere Gesellschaft und den Musikmarkt an, dann können wir mit Sicherheit feststellen: Orgelmusik ist nicht das, was Menschen heute vorwiegend und mit Begeisterung hören – wenn man einmal die Gesellschaft “als Ganzes” betrachtet. Einzelne Liebhaber dieser Musik gibt es natürlich und manchmal gerate auch ich ins Staunen, wenn ein passionierter Organist aus einer alten Orgel das Beste herausholt. Aber es geht ja nicht um einzelne Vorlieben.

Statt dessen müssen wir uns fragen: Was ist es, was auch in den nächsten Jahrzehnten noch Bestand haben wird, wenn wir die Entwicklung der Gesellschaft jetzt betrachten? Das wird mit Sicherheit etwas ganz anderes sein, als noch vor wenigen Jahrzehnten.

…auch ohne klaren Weg

Wer einsieht, dass das, was uns bis hierher gebracht hat, nicht das sein wird, das uns in die Zukunft bringt, begibt sich auf einen Weg der Ungewissheit – und des Abenteuers. Letzten Endes vor allem: in die Abhängigkeit Gottes. Oft denken wir doch, dass wir nur bestimmte Programme, Predigtreihen, Theaterstücke oder andere Elemente benötigen – und die Leute werden schon in Scharen in unsere Kirchen kommen. Leider werden momentan aber mehr Kirchen verkauft als dass Kirchen durch einen Anbau vergrößert werden müssen, da sie zu klein geworden sind.

Wenn du diese Zeilen liest und in irgendeiner Weise in der Leitungsverantwortung einer Gemeinde stehst, dann bitte ich dich, diesen Satz einfach einmal zu verinnerlichen und zu “meditieren: “Das, was uns bis hierher gebracht hat, ist mit Sicherheit nicht das, was uns in die Zukunft bringt.”

“In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.”
(Kolosser 2,3)

Das gilt auch und gerade im Blick auf Veränderungsprozesse in einer Gemeinde. Und ich wünsche dir jede Menge Abenteuerlust und Freude bei der Schatzsuche!

Ein verschwenderischer Gott

Es gab Zeiten, da gab’s die Fernsehsendungen nur in schwarz-weiß. Für unsere heutige Riesen-Flat-TV-Gesellschaft vollkommen undenkbar. Und doch: es gab diese Zeit. Und es war ok. Es gab einfach nichts anderes. Und wie war das Staunen groß, als das TV-Gerät plötzlich die bewegten Bilder farbig erscheinen ließ. Umwerfend. Atemberaubend.

Hätte Gott diese Welt nicht einfach auch schwarz/weiß erschaffen können? Das hätte ziemlich viele Vereinfachungen mit sich gebracht: Stundenlanges Nicht-Wissen-Was-Man-Anziehen-Soll würde es nicht geben. Ebenso wenig die Frage, ob die Haare nun blond oder doch eher braun sein sollten? Und ob das iPhone nun in spacegrau, weiß oder gold daherkommt, wäre relativ egal.

Aber ich glaube, dass Gott verschwenderisch ist. Ich glaube, er liebt es, uns Menschen Gutes zu tun. Und deswegen erschuf er diese Welt in Farben. Unzählig vielen Farben. So viele Farben, dass wir sie teilweise gar nicht mehr voneinander unterscheiden können, weil uns die Worte dafür fehlen, was Gott geschaffen hat.

Heute ist “Erntedank” und in unserer Gemeinde feierten wir den Gottesdienst unter dem Motto “Danke für die Schöpfung”. Und ich bin wirklich froh und dankbar darüber, dass Gott es so gut mit uns Menschen meint, die wir ihm doch einen Haufen Arbeit und Ärger bereiten.

Und ich bin dankbar, von einer “Schöpfung” reden zu können, denn dahinter steckt die Annahme und der tiefe Glaube, dass es einen Schöpfer gibt. Und keinen Zufall.

Und um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, bin ich schlicht und einfach davon begeistert, dass dieser Schöpfer sagt:

“Jetzt wollen wir den Menschen machen, unser Ebenbild, das uns ähnlich ist. Er soll über die ganze Erde verfügen: über die Tiere im Meer, am Himmel und auf der Erde.” (1. Mose 1,26)

Bei jeder Diskussion um Entstehung und Herkunft des Menschen kann ich nur sagen: Ich bin dankbar, nicht glauben zu müssen, vom Affen abzustammen, sondern glauben zu können, von Gott abzustammen und zu seinem Bild geschaffen zu sein. Das ist outstanding und unbeschreiblich.

Intelligente Gemeinde

Der Physiker Stephen Hawking sagte einmal einen Satz, den ich im Blick auf Gemeinde äußerst provokant finde (auch wenn er ihn in einem anderen Kontext sagte):

“Intelligenz ist die Fähigkeit, sich dem Wandel anzupassen.”

Beobachten wir nun die letzten Jahrzehnte, so stellen wir fest: Unsere Gesellschaft ist in permanentem Wandel. Die Unstetigkeit scheint die einzige Kontinuität in unserer Zeit zu sein. Auf diese Veränderung hat natürlich auch die Kirche Jesu zu reagieren – oder im besten Fall proaktiv zu sein.

Schaue ich mir den Satz von Hawking an, dann frage ich mich: “Wo sind die intelligenten Gemeinden, die die Fähigkeit besitzen, sich dem Wandel anzupassen?”

 

Wandel der Optionen

Ich sehe da zum Beispiel den “Wandel der Optionen”. Durch die fortschreitenden technologischen Errungenschaften hat der Mensch heute quasi überall die Möglichkeiten, sich alle Informationen zu holen, die er braucht.

Durch die fortschreitende Mobilisierung unserer Gesellschaft, sind Menschen nicht mehr an ihren Wohnort, an ihr Haus, an die Kirche im Dorf gebunden. Ein paar Kilometer zu fahren, scheint heute nicht das Problem. Sicher nicht bei allen Menschen, aber doch bei den meisten.

So hat sich jede Gemeinde auch die Frage zu stellen, ob sie dem Wandel der Optionen intelligent begegnet:

Ist unsere Kirche auch attraktiv für Menschen, die mobil sind?

Ist unsere Kirche attraktiv für Menschen, die Technik-affin sind?

Ist unsere Kirche insofern transparent, als dass alle die Informationen bekommen, die sie benötigen?

 

Wandel der “Pole Position”

Vor einigen Jahrzehnten galt Kirche noch als Institution der Lebensgestaltung und Lebensordnung. Ethik, Moral, Weltanschauung – hier hatte Kirche die klare “Pole Position” und für die breite Mehrheit unserer Gesellschaft war Kirche die Antwort-Geberin Nummer 1 auf alle Fragen des Lebens.

Das hat sich geändert – und das ist gut so. Denn nicht jede Antwort, die die Kirche gegeben hat, war auch die richtige. Und es ist gut, nicht mehr die Pole Position zu haben, da es einen unweigerlich dazu bringen sollte, diese wieder zu erlangen – oder zumindest in deren Nähe zu kommen.

Sind wir bereit, diesen Wandel der “Pole Position” zu erkennen und alles daran zu setzen, dass Menschen auf Sinn- und Lebensfragen ihre Antwort “bei kirchens” suchen? Oder geben wir uns damit zufrieden, ein Anbieter unter vielen im “Markt der Möglichkeiten” im Blick auf die großen Fragen des Lebens zu sein? Der Eindruck kommt mir manchmal, wenn ich bedenke, welche Themen scheinbar – zumindest laut Pressemeldungen und Newsletter – bei kirchens “on top” sind.

Wandel der Plausibilität

Unweigerlich führt der Verlust der “Pole Position” dazu, dass es auch einen Wandel in der Plausibilität gibt.

Wieso soll ich sonntags in die Kirche gehen, wenn es schon gar nicht mehr zur gesellschaftlichen Etikette gehört?

Wieso soll das Angebot von Kirche plausibler sein, als mein eigenes zurecht gelegtes Welt- und Menschenbild oder das zusammengeklaubte Bild aus esoterischem, humanistischem, fernöstlichem oder sonstig geartetem religiösem Gedankengut?

Wie passt das denn in unsere Zeit, wenn Jesus sagt:

“Ich bin der Weg. Ich bin die Wahrheit. Ich bin das das Leben. Zum Vater kommt man nur durch mich.” (Die Bibel, Johannes 14,6)

“Intelligenz ist die Fähigkeit, sich dem Wandel anzupassen”, so Stephen Hawking. Und wenn ich das nun auf die Gemeinde Jesu hin lese, dann wünsche ich mir intelligente Gemeinden, die in der Lage sind, sich dem Wandel anzupassen und nicht in dem zu verharren, was sie “schon immer so getan haben”.

Denn eines ist sicher: Das, was uns hierher gebracht hat, ist mit Sicherheit nicht das, was uns in die Zukunft bringt.