Gedanken Gemeinde

Der unsichtbare Dienst einer Pastorenfrau

Dieser Artikel ist meiner Frau gewidmet, denn sie leistet Grandioses und hat sich bewusst für ihr Schicksal entschieden, als wir geheiratet haben. Und dieses Schicksal heißt: Pastorenfrau zu sein.

Dieser Artikel ist keine Abrechnung und er ist auch nicht polemisch gemeint. Er stellt lediglich Tatsachen dar und soll die wahren Heldinnen der Gemeindearbeit ehren: Pastorenfrauen.

Dabei leistet die durchschnittliche Pastorenfrau einen unsichtbaren Dienst, über den sich viele überhaupt nicht bewusst sind und der leider auch nirgendwo Anerkennung findet. Weder in der Gemeinde, noch in den finanziellen Entschädigungen noch im Umgang untereinander.

Aber, liebe Pastorenfrauen, nehmt diesen Artikel. Drückt ihn eurem Mann in die Hand und sagt ihm: „Bitte, Schatz! Du darfst das ja nicht sagen in deinem Leitungsgremium. Das käme komisch. Aber zeig ihnen diesen Artikel, denn ich habe es schlicht und einfach verdient, in meinem Schicksal als Pastorenfrau wahrgenommen und mein Dienst beachtet zu werden.“

….ok, ich überlasse dir, ob du das auch wirklich tust. Aber folgende Gründe sind nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern wirklich der „unsichtbare Dienst“ einer Pastorenfrau – und nicht immer ist alles freiwillig.

Pastorenfrauen werden wir die Sekretärin des Pastors behandelt

„Kannst du deinem Mann sagen, dass er mich morgen am Nachmittag mal anrufen soll?“

„Bitte richte deinem Mann doch aus, dass das Angebot des einen Anbieters nicht so gut war wie das des zweiten, wir uns aber für das dritte entscheiden sollten. Er kann ja mal auf der Homepage einen Vergleich anstellen und sich dann bei mir melden. Wann passt es denn am besten bei ihm?“

„Ach, wo ich dich grad so sehe: Wann kann ich denn mal mit deinem Mann wegen des Kindergottesdienstes sprechen?“

„Schau mal, ich habe hier ein paar Unterlagen dabei. Nimm sie doch bitte deinem Mann mit, ja?“

„Am Donnerstag hat ein verdientes Gemeindeglied Geburtstag. Falls dein Mann nicht vorbeischauen kann, kannst du ja kommen.“

Solche und ähnliche Kommentare, die man als Pastorenfrau mal zwischen Tür und Angel erhält, dürften den meisten bekannt vorkommen. Nicht selten meinen Gemeindeglieder, dass Pastorenfrauen automatisch so etwas wie die Sekretärin des Pastors sind.

Sind sie aber nicht! Dafür gibt es eine Sekretärin – Schluss, Aus, Ende der Diskussion.

Und alles, was die Pastorenfrau in diesem Bereich tut, ist ein unsichtbarer Dienst an der Gemeinde und keine Selbstverständlichkeit. Sie übernimmt Aufgaben, für die jemand anderes zuständig ist – und meistens auch dafür bezahlt wird.

Pastorenfrauen sind plötzlich Seelsorgerinnen

Sowohl in meinem Studium als auch im Vikariat bin ich auf das große Feld der Seelsorge vorbereitet worden. Durch Vorlesungen, Seminare, Bücher, Artikel, Übungen und Feedback-Gespräche. Die Pastorenfrau durchläuft das alles im Normalfall nicht, aber findet sich recht schnell als Seelsorgerin wieder und hat mit Themen zu tun, die für manche schon eine große Herausforderung darstellen, die eine Seelsorgeausbildung haben.

Sicher: Es gibt Pastorenfrauen, deren Gabe ist die Seelsorge. Keine Frage. Aber sie ist eben nicht jeder Pastorenfrau gegeben. Genauso wenig übrigens wie dass jede Pastorenfrau automatisch Frauenkreis, Kindergottesdienst und den Besuchsdienst macht.

Pastorenfrauen haben einen stressigen Sonntagmorgen

Am Sonntagmorgen bin ich angespannt. Da steht der Feinschliff der Predigt an. Und wenn dann was nicht klappt, die Woche zu voll war oder für den Gottesdienst auch noch andere Dinge vorbereitet werden müssen, dann kann es schon mal vorkommen, dass ich den Sonntagmorgen im Büro verbringe. Solange, bis ich los muss zu den Gottesdiensten – und das muss ich ohnehin schon eine ganze Weile, bevor meine Frau aus dem Haus geht.

Aber was macht sie, während ich im Büro bin? Sie managt den Morgen mit den Kindern, übernimmt alle familiären Pflichten, die ohne jede Diskussion auch in den Bereich des Mannes gehören und hält dem Pastor der Gemeinde den Rücken frei, dass diese noch einmal alles geben und in die Vorbereitung des Gottesdienstes investieren kann.

Das ist kein Privatvergnügen der Pastorenfrau – das ist ein Dienst an der Gemeinde und sollte als solcher auch gesehen und in irgendeiner Weise wertgeschätzt werden.

Besonders kompliziert wird es dann, wenn die gute Pastorenfrau auch noch Kindergottesdienst macht – dann wird’s spannend.

Pastorenfrauen sind an vielen Abenden in der Woche alleine

Eigentlich vollkommen logisch, oder? Vieles in der Gemeinde geschieht ehrenamtlich. Das bedeutet: viele Mitarbeiter haben erst Zeit, wenn sie von der Arbeit nach Hause kommen. Also finden vielen Meetings und Planungen am Abend statt. Während Ehrenamtliche jedoch vielleicht einen oder zwei Termine in der Woche haben, ist der Pastor meistens bei allen Meetings und Planungen dabei. Und die Pastorenfrau? Korrekt. Sie ist zuhause, bleibt zuhause oder muss zuhause bleiben – vor allem dann, wenn es noch kleine Kinder im Pastorenhaushalt gibt.

Spannend wird es wieder einmal, wenn es um ein Meeting geht, an dem auch die Pastorenfrau teilnimmt, da sie in diesem Bereich mitarbeitet. Was dann? Entweder sie verzichtet freiwillig zu Gunsten des Pastors – oder es wird ein Babysitter engagiert, der wiederum etwas kostet.

Ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung, wie viele hundert Euro wir schon in Babysitter investiert haben, damit meine Frau und ich gemeinsam an Meetings oder anderen Gemeindeveranstaltungen teilnehmen können und das eben nur ging, wenn ein Babysitter im Haus ist.

Aber selbst wenn die Kinder größer oder gar aus dem Haus sind: die Pastorenfrau muss viele Abende in der Woche auf ihren Mann verzichten. Die Zeitpunkte, an denen andere Paare die Zeit haben, in ihre Ehe zu investieren, muss man das in der Pastorenfamilie irgendwie anders hinbekommen.

Und das ist kein Privatvergnügen. Das ist ein aktiver, unsichtbarer Dienst der Pastorenfrau an und für ihre Gemeinde.

Pastorenfrauen werden oft links liegen gelassen – aber dann müssen sie wieder für alles Mögliche herhalten

Pastorenfrauen haben es alles andere als leicht. Sie sind so etwas ein ein Unikum, das manche meinen, mit Samthandschuhen anfassen zu müssen, aber sich andererseits dann wieder beschweren, wenn Frau Pastorin ihren Erwartungen nicht gerecht wird.

Auf der einen Seite wird die Pastorenfrau bei sozialen Unternehmungen nicht wirklich bedacht – ok, das muss auch nicht immer schlimm sein. Aber manchmal würde sie sich sicherlich freuen, Teil einer zwecklosen und einfach einer heilsamen Gemeinschaft sein zu dürfen. Stattdessen wird sie irgendwie nicht so genau beachtet, denn sie ist ja Pastorenfrau – und damit schön raus aus manchen Dingen.

Auf der anderen Seite muss sie dann aber wiederum für alle möglichen Dinge herhalten und werden Erwartungen an sie gerichtet, die manchmal schon an eine Unverschämtheit grenzen. Sie hat es nicht leicht, die Pastorenfrau. Aber sie erträgt es, sie erduldet es – um der Gemeinde und des Dienstes ihres Mannes Willen. Und damit übt sie einen unsichtbaren Dienst auch in der Gemeinde aus.

Pastorenfrauen sind die ersten Seelsorger des Pastors

Ich weiß nicht, wie oft es schon vorkam, dass meine Frau sich so manches anhören musste, das ich niemandem, aber auch wirklich niemand anderem, erzählen würde – schon gar nicht auf diese Art und Weise.

Ich erinnere mich noch an eine bestimmte Gemeinde-Veranstaltung auf meiner ersten Stelle. Sie lief – gelinde gesagt – nicht so ganz, wie ich mir das vorgestellt hatte. Ich war völlig fertig mit den Nerven und auf hundertachtzig. Und wer hat’s abbekommen und mich sozusagen wieder runtergeholt, geerdet und mir den Tipp schlechthin gegeben, wie ich die Situation wieder auffangen kann? Genau. Die Pastorenfrau.

Und damit hat sie wiederum einen unsichtbaren Dienst zugunsten der Gemeinde geleistet. Und ich kann beim besten Willen nicht sagen, wie oft das schon der Fall war. Auf jeden Fall sehr oft – nicht nur auf meiner ersten Stelle.

 

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