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Zwischen Trauer und Hoffnung

Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines uns lieben Menschen ersetzen kann und man soll das auch garnicht versuchen; man muß es einfach aushalten und durchhalten; das klingt zunächst sehr hart, aber es ist doch zugleich ein großer Trost; denn indem die Lücke wirklich unausgefüllt bleibt, bleibt man durch sie miteinander verbunden. Es ist verkehrt, wenn man sagt, Gott füllt die Lücke aus; er füllt sie garnicht aus, sondern er hält sie vielmehr gerade unausgefüllt, und hilft uns dadurch, unsere echte Gemeinschaft – wenn auch unter Schmerzen – zu bewahren. Ferner: je schöner und voller die
Erinnerungen, desto schwerer die Trennung. 

Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich. Man muß sich hüten, in den Erinnerungen zu wühlen, sich ihnen auszuliefern, wie man auch ein kostbares Geschenk nicht immerfort betrachtet, sondern nur zu besonderen Stunden und es sonst nur wie einen verborgenen Schatz, dessen man sich gewiß ist, besitzt; dann geht eine dauernde Freude und Kraft von dem Vergangenen aus. (Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, Seite 255f)

Ich liebe diese Gedanken von Dietrich Bonhoeffer, weil sie so zutreffend sind. Weder romantisieren sie den Tod, noch verbannen sie ihn, wie das beides heute leider immer wieder geschieht.

Ein großartiger Mann Gottes…

Am 5. August 2018 hat ein großartiger Mann Gottes seinen irdischen Lauf vollendet und darf nun sehen, was er geglaubt und leidenschaftlich verkündigt hat.
Ich bin meinem Vater, Wolfgang Brunner, für vieles aus tiefstem Herzen dankbar. Aber wenn ich einzelnes benennen müsste, dann sind es vor allem zwei Dinge.
Zum einen lehrte er mich, Gott zu vertrauen in allen Lebenslagen. Sein ganzes Leben war geprägt von Gottvertrauen. Auch und gerade in den Zeiten als Pfarrer und Dekan. Und erst jetzt, wo ich selbst Pfarrer bin, kann ich mehr und mehr erahnen, was er alles durchstehen und durchkämpfen musste.
Bei allem strahlte er ein unglaubliches Gottvertrauen aus, das ihm eine ganz, ganz tiefe „geistliche Weisheit“ gab, durch die er mich und viele andere Menschen prägte.
Und zum anderen ist es das Bekenntnis zu Jesus Christus. Auf eine so liebevolle und werbende Art hat er andere Menschen zum Glauben an Jesus – und nicht nur an eine nebulöse Floskel namens „Gott“ eingeladen. Und in vielen, vielen Gesprächen sagte er mir immer wieder, wie sehr es ihm ein Anliegen ist, dass Menschen durch seinen Dienst zum Glauben an Jesus kommen. Auch und gerade in der Landeskirche, wo der Boden manchmal doch sehr hart und steinig ist.

…mit einer tiefen geistlichen Weisheit

Beide Dinge vereint spiegeln sich wider in einer Begebenheit ein paar Wochen vor meiner Konfirmation vor weit über 20 Jahren. Ich hatte mir den Konfirmationsvers „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen“ (Psalm 50,15) ausgesucht.
In seiner großartigen Weisheit und seiner väterlichen Liebe und Fürsorge war mein Vater aber nicht so ganz einverstanden damit und meinte: „Das ist schon sehr speziell auf Notlagen hin ausgesucht. Ich will dir einen Vers aussuchen, der das ganze Leben prägt.“
Mein Vater konnte nicht wissen (oder vielleicht doch?), dass er mit dem Vers, den er für mich aussuchte, mir ein Lebensmotto schenkte, das bis heute Gültigkeit hat. Mehr noch: Dieser Vers begleitet mich seit meiner Konfirmation in den Höhen und Tiefen meines Lebens, er ist mehr als ein Motto. Er hat mich geformt und geprägt und ich lebe aus seiner Tiefe und Kraft – und bin meinem Vater unglaublich dankbar, dass er ihn für mich ausgesucht hat:

Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat!“ (1. Johannes 5,4)

Und deswegen habe ich ihm aus tiefster Überzeugung gesagt: „Wir sehen uns wieder – und darauf freue ich mich!“

Natürlich ist das nur ein Bruchteil von dem, was ich über meinen Vater berichten könnte. Und viele, die ihn kennen, werden noch viele andere Dinge zu erzählen haben. 

Ich für mich möchte neben vielem, was ich gar nicht in aller Öffentlichkeit „breit treten“ will, aber genau diese beiden Dinge teilen, um einen Menschen zu ehren, der wundervoll, liebevoll, fürsorglich, einzigartig, sehr weise, tief geistlich, hoch gebildet, sehr humorvoll, elegant, treu, zuverlässig, vertrauensvoll, sportlich, akribisch und vielseitig interessiert war. Wir sprechen oft von einem „ehrenden Andenken“ im Blick auf einen Verstorbenen – dazu soll dieser Beitrag seinen Dienst leisten.

Von Hoffnung getragen

Als Christ habe ich die begründete Hoffnung, dass es ein Leben nach dem Tod geben wird, in dem nichts Schlechtes mehr Platz haben wird. Nur Gutes. Nur Göttliches. Nur Gott-nahe-sein. Und in dieser Realität werde ich meinen Vater (und alle anderen, die im Vertrauen auf Jesus Christus gestorben sind) wiedersehen. Diese Hoffnung trägt. Diese Hoffnung gibt mir Kraft, nicht in der Trauer zu versinken, die oft genug sich meldet – alleine in dieser kurzen Zeit seit seinem Tod. Die Erfahrung, wenn der eigene Vater stirbt, ist brutal schmerzhaft!

Diese Hoffnung aber trägt und hält – und ist das einzige, was angesichts des Todes wirklich Bestand hat. Dies kommt auch zum Ausdruck in einem Brief des bekannten Dichters Matthias Claudius – einer der Lieblingsdichter meines Vaters. Ein Teil dieses Briefes zitierte mein Vater in einer Andacht, die er nannte: „Jesus und die Stars“. Darin verglich er Jesus mit den Stars unserer heutigen Zeit und zeigte auf wunderbare Weise auf, wie viel mehr doch Jesus für uns getan hat und immer noch tut als die vermeintlichen Stars dieser Welt.

Ich und du können ohne Christus nicht leben. Wir brauchen jemand, der uns hebt und hält, solange wir leben, und uns die Hand unter den Kopf legt, wenn wir sterben sollen; und das kann Christus überschwänglich, nach dem, was von ihm geschrieben steht, und wir wissen keinen, von dem wir es lieber hätten.

Er ist eine heilige Gestalt, die dem armen Pilger wie ein Stern in der Nacht aufgeht und sein innerstes Bedürfnis, sein geheimstes Ahnden und Wünschen erfüllt. Wir wollen an ihn glauben, Andres, und wenn auch niemand mehr an ihn glaubte. (Matthias Claudius)

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5 Gründe, sich an Gott zu freuen

Es war neulich in einem Gespräch mit einem Freund. Wir hatten uns länger nicht mehr gesehen und erzählten uns also dies und das. Dann kam die Sprache natürlich auch auf unseren Glauben und dass wir beide es in letzter Zeit immer mal wieder verlernt haben, uns einfach so an Gott zu freuen.

Nicht an dem, was wir für ihn tun; nicht an dem, was er an Segen in unserem Leben schenkt; nicht an dem, was er an Fähigkeiten in uns gelegt hat. Sondern schlicht und einfach: sich an Gott freuen. 

Also habe ich mir ein paar Gedanken gemacht und möchte dir 5 Gründe nennen, dich an Gott zu freuen. 

1Gott ist großzügig

Stell dir mal vor, es gäbe Gott nicht. „Etsi deus non daretur“ würde der Lateiner sagen, In der Kirchen- und Theologiegeschichte war und ist das immer wieder ein beliebtes Gedankenspiel: Was wäre, wenn Gott nicht wäre?

Ehrlich gesagt kann ich es mir so gar nicht so richtig vorstellen. Zu sehr spielt Gott in meinem Leben eine so dominierende Rolle, dass ich es mir schon gar nicht mehr vorstellen möchte. Aber wäre Gott nicht, was wäre dann mit dem Guten auf dieser Erde? Woher würde das kommen? Wohl kaum vom Menschen, der an sich doch böse und egoistisch ist. 

Was wäre mit der wunderbaren Natur? Wer würde in unzähligen Rottönen einen Sonnenuntergang an den Himmel malen, die Wellen des Meeres rau und wild an die Klippen peitschen und den Adler majestätisch durch luftige Höhen schweben lassen?

Der Mensch hat schon vieles produziert – aber was die Natur betrifft, ist der Mensch lediglich in der Lage zu re-produzieren, zu „klonen“ (an dieser Stelle möchte ich keine ethische Debatte führen) – aber nicht zu produzieren, zu kreieren, zu erschaffen.

Die Schönheit und Einzigartigkeit der Schöpfung ist ein deutlicher Hinweis auf den Schöpfer. Für Gott wäre es sicherlich einfacher gewesen, alles in schwarz-weiß zu erschaffen oder nur 10 verschiedene Tierarten, 5 Baumarten und 3 verschiedene Blumen. Würden wir Menschen es nicht anders kennen – wir würden nichts vermissen. 

Aber nein. Gott hat sich nicht lumpen lassen. Er hat alles wunderschön, einzigartig und mannigfaltig kreiert und ins Dasein gerufen. Er ist verschwenderisch und großzügig. Warum? Die Antwort gibt der zweite Grund.

2Gott ist Liebe

Würden wir Menschen doch nur ansatzweise jemals ergründen können, was Liebe ist. Ich glaube, wir würden noch mehr über Gott staunen und uns an ihm freuen, von dem es heißt:

Gott ist die Liebe.Die Bibel, 1. Johannes 4,16

Leider verbinden wir Menschen mit Liebe immer mehr lediglich ein Gefühl und bestimmte romantisch-verklärte Vorstellungen. Liebe ist aber mehr. Ich glaube wiederum aber auch nicht, dass sich Liebe in der Beschreibung erschöpft, dass sie eine Entscheidung ist. Sicherlich: das ist ein ganz wesentlicher Punkt. Liebe ist Emotion. Liebe ist Entscheidung. Liebe ist aber mehr.

Liebe ist die stärkste Verbindung, die zwischen Menschen und zwischen Mensch und Gott besteht. 

Als meine Kinder geboren wurden, habe ich das sehr deutlich gemerkt. Natürlich bereitet man sich in gewisser Weise 9 Monate während der Schwangerschaft vor. Und doch: die Geburt und die Gegenwart des kleinen Bündel Lebens übersteigt alles, was ich mit Worten beschreiben kann. Diese Liebe, wie ich sie zu meinen Kindern empfinde, ist eine ganz besonders starke. Das Verrückte daran ist, dass sie „von jetzt auf nachher“ kommt. Die 9 Monate Vorbereitung können letzten Endes nicht darauf vorbereiten, weil das kleine Menschlein nicht sichtbar ist. Aber wenn es dann da ist – dann ist es um mich geschehen. 

Weder saß ich mit meinem neugeborenen Sohn oder meiner neugeborenen Tochter schon händchenhaltend am Strand, habe den Sonnenuntergang beobachtet oder wir lagen uns schluchzend in den Armen. Nichts dergleichen. 

Mein Sohn wurde geboren – und es war um mich geschehen.

Meine Tochter wurde geboren – und es war um mich geschehen.

Dieses Band, das uns verbindet, nennt sich Liebe. 

Wenn ich nun bedenke, dass dieses Band Gott und mich verbindet, dass er mich schon erdacht und kunstvoll geplant hat (Psalm 139) ehe er mich in dieses Leben liebte – dann kann ich nicht anders als mich an ihm zu freuen; an ihm, dem Gott, der Liebe ist – der nicht nur liebt, der nicht nur Liebe empfindet, sondern Liebe in Reinform ist.

Und dieser Gott, der allmächtig, barmherzig, gnädig, treu und ewig ist – liebt mich, weil er Liebe ist. 

Ehrlich – freu dich darüber! Denn diese Liebe ist – und das ist für mich ehrlich gesagt noch verrückter – vollkommen unabhängig davon, wie ich mich Gott gegenüber verhalte; oder ob ich mich „liebenswürdig fühle“; oder ob ich gerade Gott liebe oder nicht.

Gott ist Liebe. 24 Stunden am Tag. 7 Tage in der Woche. 

Das alles gipfelt darin, dass Gott seinen Sohn Jesus Christus für mich hat am Kreuz sterben lassen. Gottes Liebe zu mir ist kein seichtes Blabla, sondern eine Entscheidung am Kreuz, auf die ich mich im Leben und Sterben verlassen kann. Aus Liebe gab Gott sich komplett hin, damit ich leben kann.

Der Apostel Paulus beschreibt in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth, was es mit dieser Liebe auf sich hat.

Ich wünsche dir, dass diese Worte ganz tief in dein Herz rutschen, wenn du sie jetzt liest. Ich wünsche dir, dass du dir einen Moment dir die Zeit nimmst, sie in Ruhe zu lesen und wahrzunehmen, dass Gott dich in genau dieser Weise liebt:

Liebe ist geduldig und freundlich. Sie ist nicht verbissen, sie prahlt nicht und schaut nicht auf andere herab. Liebe verletzt nicht den Anstand und sucht nicht den eigenen Vorteil, sie lässt sich nicht reizen und ist nicht nachtragend. Sie freut sich nicht am Unrecht, sondern freut sich, wenn die Wahrheit siegt. Liebe nimmt alles auf sich, sie verliert nie den Glauben oder die Hoffnung und hält durch bis zum Ende. Die Liebe wird niemals vergehen.Die Bibel, 1. Korinther 13,4-8a

3Gott ist gut

Nicht wenige Menschen würden das anzweifeln. Und es gibt sicherlich Momente und Phasen im Leben, da ist es so, dass wir das anzweifeln. Aber für ein generelles Infragestellen der Aussage „Gott ist gut“ gibt es keine stichhaltigen Hinweise oder gar Beweise. Im Gegenteil. In letzter Zeit kommt es immer wieder vor, dass meine Kinder von ihren Freunden und Klassenkameraden erzählen, die keine Christen sind. Dann kommen wir schnell darauf zu sprechen, ob diese Freunde auch etwas Glauben und wenn ja, an wen, an welchen Gott, auf welche Weise und so weiter.

Für mich sind solche Gespräche sehr besonders. Nicht nur deswegen, weil ich dadurch mit meinen Kids darüber reden kann, was „wir“ eigentlich so glauben. Vielmehr erinnern mich diese Gespräche immer und immer wieder – ja fast ausnahmslos – daran, dass Christen an einen Gott glauben, der gut ist. Punkt. Und in diesem Gut-sein findet sich nicht ein Hauch Schlechtes, Unberechenbares oder Zerstörerisches. 

Dabei spielt es keine Rolle, dass unsere Wahrnehmung von Gott manchmal getrübt ist und wir ihn nicht als „gut“ empfinden. Das ist in der Kindererziehung genauso: Kinder mögen ihre Eltern nicht immer als „gut“ empfinden, weil sie Entscheidungen treffen, welche die Kids nicht wirklich mögen. Das ändert aber nichts daran, dass die Eltern ihren Kindern gegenüber „gut“ sind – soweit es eben als Mensch möglich ist.

Es ist Gott nicht egal, ob du glaubst, dass er gut ist. Was du aber glaubst, ändert nichts an der Tatsache, dass er gut ist. Denn dieses Wissen über Gottes Gut-sein beruht nicht auf biografischen Erlebnissen sondern biblischen Erkenntnissen. 

Alles, was Gott uns gibt, ist gut und vollkommen. Er, der Vater des Lichts, ändert sich nicht; niemals wechseln bei ihm Licht und Finsternis. Die Bibel, Jakobus 1,17

Es fällt uns Menschen natürlich sehr viel leichter, das zu glauben, wenn wir es auch autobiografisch verortet sehen. Wo das nicht geschieht, kommt der Zweifel, der sich immer aus der Diskrepanz zwischen „Theorie und Praxis“ nährt. 

Unter anderem deswegen liebe ich die Psalmen so sehr, da die Beter darin immer und immer wieder zum Ausdruck bringen, wie sehr sie an Gott festhalten – trotz allem Leid, aller Not, Verfolgung und aller Ungerechtigkeit, die sie erleben.

Gott ist gut. Zu dir. Zu mir. Zu uns Menschen. Er will nicht das Schlechte, er ist nicht schlecht – er ist gut. Durch und durch und unwandelbar gut. 

Das ist ein Grund, sich an Gott zu freuen.

4Gott segnet

Das alles gipfelt für mich darin, dass Gott segnet. Dass er gut und die Liebe ist – alles schön und nett, aber was würde es bringen? Dass Gott segnet ist der ureigenste Ausdruck dafür, dass er die Beziehung zu uns Menschen sucht. „Segen“ ist biblisch gesehen weit mehr als nur ein nettes Wort. Das haben wir in unserer Kirchengeschichte oft missverstanden. 

Segen heißt, dass Gott handelt. Dass er seine Liebe und seine Güte in unserem Leben verwirklicht sehen will. Das geschieht nicht selten materiell, aber darüber hinaus natürlich auch im geistlichen Bereich. 

Als wir vor kurzem Freunde besucht haben, machten wir ihnen ein Geschenk. Das hat uns ein bisschen was gekostet (wie jedes Geschenk), aber ich habe mich selbst total gefreut, ihnen damit eine Freude machen zu können (also hoffe ich zumindest, dass wir das geschafft haben mit dem Geschenk). 

So ist das mit dem Segen: Gott freut sich daran, dein Leben zu segnen, das heißt: Dir Geschenke zu machen. Dir Dinge zukommen zu lassen, die dein Leben aufblühen lassen. Und jetzt wird’s spannend. 

Wie wir unsere eigene Vorstellungen von Gott nicht als Maßstab dafür nehmen dürfen, wie Gott wirklich ist, so darf auch unser Maßstab dafür, was „aufblühen“ oder „Geschenk“ ist, nicht bestimmend dafür sein, wie Gott unser Leben segnet. 

Ich glaube, dass wir nur ansatzweise verstehen (können?) wie Gottes Zuwendung zu uns Segen bedeutet, auch wenn wir ihn manchmal als solchen gar nicht wahrnehmen. 

Mir kommt dabei das bewegende Lied „Blessings“ von Laura Story in den Sinn. 

Sie singt: 

What if your blessings come through raindrops? What If your healing comes through tears? What if a thousand sleepless nights are what it takes to know you are near? What if trials of this life are your mercies in disguise?Laura Story 'Blessings'

Und schon sehen wir: Segen ist weit, weit mehr als Wohlstand, Glück und Zufriedenheit.

Segen bedeutet, das Leben aus der Hand Gottes zu nehmen und immer und immer und immer wieder seine Spuren in meinem Leben zu erkennen. Aber nicht irgendwelche, sondern Spuren der Liebe, der Güte und der Zuwendung eines Gottes, der mich liebt und dem es alles andere als egal ist, wie es mir geht. Dem ich aber deswegen auch getrost überlassen kann, in welcher Form seine Segnungen „daherkommen“. Und das ist genau der schwierige Punkt bei der Sache, weil wir eine Vorstellung von Segen haben, der mit Wohlstand, Glück und Heil(ung) identisch zu sein scheint. Ja, das ist eine Art des Ausdruckes von Segen – aber nicht die einzige. 

Schauen wir in die Bibel, stellen wir genau das fest: Alle „Großen“ in der Bibel haben alles andere als eine geradlinige Biografie. Aber alle haben eines gemeinsam: Sie wussten ihr Leben von Gott gesegnet und reich gemacht. In manchen Momenten fiel es ihnen sicherlich leichter, in anderen schwerer. Aber es gilt: Gott segnet. Weil er gut ist. Weil er dich liebt. Und er tut das großzügig. Darüber können wir uns freuen – und sollten das auch tun!

5Gott kommt nicht zu spät 

Das ist eine Tatsache, die sich leider oft erst im Rückblick auf gewisse Ereignisse erschließt.

Sören Kierkegaard sagte einmal: „Wir müssen das Leben vorwärts leben, aber wir verstehen es rückwärts.“

So ist es. Aber wenn ich im Rückblick auf so manche Situationen schaue, erkenne ich: Gott kam nie zu spät. Sein Eingreifen, sein Wirken, sein Reden, sein Heilen, sein Handeln – all das war rechtzeitig. Niemals zu spät!

Darüber freue ich mich – nicht weil ich ein Pünktlichkeitsfanatiker bin (ok, vielleicht ein bisschen), sondern vielmehr, weil es mir einen Wesenszug Gottes zeigt, über den ich mich sehr freue.

Gott kommt nämlich deswegen nicht zu spät, weil er kein Interesse daran hat, seine Kinder warten und zappeln zu lassen.Vielmehr hat er Interesse daran, dass wir unser Leben so gestalten, dass seine Fülle und sein Segen darin sich widerspiegeln.

Ja, er mutet uns manchmal Dinge zu, die nicht einfach sind, die uns sogar herausfordern – aber nicht über das Maß hinaus, das wir schaffen.

Und by the way: Wer sagt eigentlich immer, dass es Gott ist, der uns die Dinge zumutet? Sind wir es nicht vielleicht manchmal selbst, die wir uns Dinge zumuten – und weil wir merken, dass wir aus der Nummer nicht mehr so leicht rauskommen, schieben wir es Gott in die Schuhe, machen ihn dafür verantwortlich oder zweifeln an ihm. Anderes Thema.

Wenn Gott nicht zu spät kommt, heißt das für mich: Ich vertraue ihm. Ich vertraue ihm, dass er meine Gebete hört, mein Schreien, mein Klagen, mein Jammern und meinen Dank. Und darüber freue ich mich. Sehr sogar.

Wo gibt es schon einen Gott, der gerne zuhört und der sich fast schon in die Abhängigkeit der Menschen begibt, um ihnen zu helfen?

Es gibt mit Sicherheit noch mehr Gründe. Aber gerade dieses Bewusstmachen dessen, wer Gott ist und wie sehr ich mich an ihm freuen darf, tut mir immer wieder gut. Deswegen liebe ich auch die Anbetungsabende in unserer Gemeinde. Immer wieder tragen sie dazu bei, dass ich mich mehr und mehr an Gott freue. 

Und das wünsche ich dir auch! Christen glauben an einen Gott, der sich freut und über den wir uns freuen können.


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Jesus – der einzig wahre Gott?

Jesus – einzig wahrer Gott? Schon der Titel des Buches als ernstgemeinte Frage ist für die meisten Zeitgenossen Provokation pur: Ein einzig wahrer Gott? Haben nicht alle irgendwie recht? Ist das nicht intolerant, zu behaupten, dass es nur einen einzig wahren Gott gibt?

Biografisch, ehrlich, facettenreich

Ravi Zacharias stellt die richtige Frage! Und er gibt eine fulminante Antwort – aber keine einfache oder gar schlichte Antwort. Seine Antwort ist ein ganzes Buch, das genauso facettenreich ist wie Jesu Leben und Lehre selbst.

Zacharias‘ Antwort kann gar nicht simpel und schlicht sein, da er sich selbst auf eine Reise über viele, viele Jahre begeben hat, um herauszufinden, was die Antwort auf diese Frage ist.

In seinem Buch schildert er seine eigene Glaubensreise und kombiniert irgendwie alles miteinander, was ihm zwischen die Zeilen kommt – und das macht das Buch so einzigartig: seine eigenen Glaubenserfahrungen, sein Suchen in den unterschiedlichen Religionen, seine biografischen Erlebnisse, die bis in die Kindheit zurückreichen, biblische Aussagen über Jesus Christus, Aussagen anderer Religionen über Jesus Christus bis hin zu Aussagen, Zitaten, Interviews und (lyrischen) Texten von Religionskritikern und Philosophen.

Ein Zitat (fast) aus der Mitte des Buches gilt sowohl für sich – aber irgendwie ist es auch sinnbildlich für das ganze Buch:

Wenn jemand mit prophetischem oder göttlichem Anspruch auftritt, muss man sein ganzes Leben beobachten, ob es mit der vorgebrachten Lehre übereinstimmt. Etliche historische und philosophische Fragestellungen kommen ins Spiel, wenn man einen solchen Anspruch ernsthaft zu bewerten versucht.

Genau das macht Jesus so einzigartig. Die ganze Bandbreite seines Lebens und seiner Lehre kann dem Test der Wahrheit unterzogen werden. Jeder Aspekt seiner Lehre ist ein Glied im Gefüge des Ganzen. Wie bei einem Diamanten, der langsam gedreht wird, fängt jede Facette das Licht ein.Jesus - der einzig wahre Gott? S. 73

Ich empfehle diese Buch allen, welche wirklich auf der Suche sind nach einer Antwort auf die Frage „Ist Jesus der einzig wahre Gott?„. Aber auch jeder, der diese Frage eigentlich schon längst für sich beantwortet hat, wird fündig – spätestens dann, wenn der eigene Glaube, die eigene Überzeugung angezweifelt wird und gar nicht mehr so fest dasteht, wie man das mal glaubte.

Jesus? Keine billigen Antworten

„Jesus – der einzig wahre Gott?“ gibt keine billigen Antworten – es vertröstet aber auch nicht oder bleibt schleierhaft. Im Gegenteil. Es wir sehr klar und deutlich – und das fundiert.

Ich würde diesem Buch gerne noch mehr Punkte geben, aber ich muss leider im Erscheinungsbild und in der Lesbarkeit ein wenig abziehen. Der Grund ist aber lediglich der, dass der ohnehin „starke Tobak“ durch ein schöneres und besser gegliedertes Erscheinungsbild leichter lesbar wäre.

Denn eines ist klar: Dieses Buch ist keine leichte Kost. Das liest sich nicht „mal zwischendurch“. Ja ich würde sogar sagen, dass man die einzelnen Kapitel auch erst einmal ein wenig verarbeiten muss.

Das liegt auch daran, dass Ravi Zacharias eben keine (rein) theologische oder philosophische Abhandlung führt über die Frage nach der Exklusivität Jesu. Vielmehr sind es seine Verbindungen und Verknüpfungen mit seinem Leben, welche diesem Buch und der Frage eine besondere Tiefe verleihen.

Die Antwort auf diese Frage betrifft die Leserin und den Leser existentiell und ist eben nicht rein philosophisch zu beantworten – wenn sie es denn auf einer solchen Ebene überhaupt sein kann. Existentiell jedoch ist sie auf jeden Fall zu beantworten – und dies tut Ravi Zacharias auf einerseits intellektuelle aber andererseits auch ganz nahbar-persönliche Weise.

Wer dieses Buch mit dem ernsthaften Suchen nach der Antwort auf diese Frage angeht, der wird fündig werden. Denn wie sagte Jesus? Wer sucht, der findet!

Infos:
240 Seiten
16,00 EUR
ISBN: 978-3-7655-1249-0
Brunnen-Verlag

Mehr Infos über Ravi Zacharias:


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Das Prinzip des Lenkens

Wir schreiben das Jahr 1911. Der britische Polarforscher Robert Falcon Scott liefert sich mit seinem norwegischen Kontrahenten Roald Amundsen einen erbitterten und dramatischen Wettkampf. Wer von beiden erreicht als erster den Südpol?

Die Krone erhält Amundsen während Scott seine desaströse Planung des Unterfangens „Terra Nova“ mit dem Leben bezahlen muss.

John C. Maxwell verwendet diese atemberaubende Geschichte als Grundlage für sein „Prinzip des Lenkens“.

Dieses Kapitel birgt so viele Schätze in sich, dass ich es eindringlich empfehle zu lesen.

Ich möchte an dieser Stelle nur bruchstückhaft ein paar Gedanken Maxwells betonen und sie für die Gemeindearbeit „übersetzen“.

Lenken bedeutet…

Maxwell gibt diesem Kapitel einen Untertitel, der ein guter Hinweis darauf ist, was „Lenken“ bedeutet und was er mit dem „Prinzip des Lenkens“ meint:

Steuern können viele das Schiff, aber nur der Kapitän steckt den Kurs ab.John C. Maxwell

Das mag einfach klingen, birgt aber doch sehr viel in sich. Denn um den Kurs abstecken zu können, bedarf es einiger Kernkompetenzen und Verantwortungen, die der Kapitän vorweisen sollte. Dabei möchte ich betonen: Wenn ich den „Kapitän“ auf den Gemeindealltag transferiere, dann heißt das nicht automatisch „der Pfarrer/die Pastorin“, sondern ich meine damit (auch) das Leitungsgremium einer Gemeinde als solches, die Pfarrerin/den Pastor aber natürlich im Besonderen.

Und von diesem Kapitän schreibt nun Maxwell weiter:

Er lässt die ganze Fahrt schon im Voraus vor seinem inneren Auge ablaufen, bevor man den Hafen verlässt.Die 21 wichtigsten Führungsprinzipien, S.50

Diese Kunst der Antizipation muss unbedingt im Leitungsorgan einer jeden Gemeinde gegeben sein. Warum? Weil diese Antizipation Amundsen das Leben gerettet hat! Und nicht wenige Gemeinden navigieren ziel- und planlos durch die Weltgeschichte und wundern sich dann, weshalb sie eines Tages vielleicht das Zeitliche segnen.

Wer steckt den Kurs in deiner Gemeinde ab?

Papier vs. Realität

Diese Frage ist gar nicht so trivial, denn auf dem Papier mag das die Gemeindeleitung, bestehend aus Ältesten und Pastor/Pfarrer, sein. Aber wie sieht es abseits des Papiers denn in der Realität aus? Gibt es vielleicht „Gemeinde-Dynastien“, also Familien, die schon seit Generationen „das Sagen“ in der Gemeinde haben? Oder sind es Mitarbeitende, die „ihr Ding“ machen – auch wenn der Kurs von der Leitung anders abgesteckt ist? Und wie kommen die Ideen und Gedanken der Gemeindeleitung denn bei den verantwortlich Leitenden in der Gemeinde an?

Du siehst: Auf dem Papier mag es einfach sein – in der Realität mag es schwierig sein und es mag viele geben, die gerne leiten. Aber Vorsicht – das kann nach hinten losgehen.

Zuversicht und Fakten

Ich höre immer wieder Statements wie „Wir können doch Methoden und Ideen aus der Wirtschaft nicht einfach so auf die Arbeit in der Gemeinde übertragen“. Stimmt. Das können wir nicht. Und das tut auch niemand. Zumindest ich nicht.

Denn im Vergleich zu Wirtschaftsunternehmen haben wir neben den Fakten noch eine weitere große Freundin: die Zuversicht. Denn diese formt und bildet sich aus den unzähligen wunderbaren Verheißungen der Bibel, auf denen wir unsere Gemeindearbeit gründen.

Gleichzeitig werde es aber fatal und verantwortungslos, wenn wir uns nur auf diese Zuversicht berufen und die Fakten außen vor lassen. Also benötigen wir Methoden und Herangehensweisen, die mit Fakten umgehen – und da können wir viel aus der Wirtschaft lernen. Sonst würdest du nicht diesen Artikel lesen, denn Maxwell verbindet beides: Er ist inzwischen ein weltweit gefragter Redner, Autor und Coach in großen Unternehmen – gleichzeitig ist er aber auch Pastor, oder besser gesagt: er war es, bevor jetzt als Coach und Berater unterwegs ist.

Zurecht schreibt er:

Manchmal ist es schwer, zwischen Optimismus und Realismus, Intuition  und Planung, zwischen Vertrauen und Fakten das Gleichgewicht zu halten. Doch gerade das braucht ein Leiter, der effektiv lenken möchte.Die 21 wichtigsten Führungsprinzipien, S.52

Ganz praktisch

Deswegen gibt es am Ende des Beitrags ein paar Fragen. Es sind Fragen, die dir helfen sollen, deine Leitungsverantwortung im Sinne des Lenkens wahrzunehmen und gleichzeitig können es gute Fragen sein, um mit anderen Leitungsmitgliedern ins Gespräch darüber zu kommen, wer eigentlich was wohin lenkt – und den Kurs absteckt.

  • Wer steckt in unserer Gemeinde den Kurs in der Realität ab?
  • Haben wir für unser nächstes großes Projekt schon einmal „den Film vorwärts gespult“ und die Situation, die Reaktionen, die Maßnahmen antizipiert?
  • Haben wir die Kosten (Finanzen, Ressourcen, Manpower, Zeit) überschlagen, um uns auf den Weg zu machen?
  • Was ist unser Ziel für die Arbeit in der Gemeinde in den nächsten 1, 2, 3, 5, … Jahren?
  • Wenn nicht alles so bleiben soll, wie es ist, wie soll es dann werden, damit wir in x Jahren sagen können: „Wir haben Zuversicht und Fakten verbunden, den Kurs abgesteckt und haben wie Amundsen den Sieg davon getragen?“

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Alle Beiträge aus der Reihe „Die 21 wichtigsten Führungsprinzipien“:

Zwischen Furcht und Freiheit

Hätte ich dieses Buch doch nur früher in die Hand genommen…

… nein, dann wäre nicht alles besser geworden in meiner Erziehung, aber ich hätte mich wesentlich früher über die Inhalte dieses Buches freuen können. Der Schatz, der sich in „Zwischen Furcht und Freiheit“ verbirgt, ist unbeschreiblich groß.

Mehr als eine Studie zu Erziehung

Dieses Buch ist eine gute Mischung aus Studie, Wissensvermittlung, Ratgebern und Typbeschreibungen. Tobias Faix und Tobias Künkler ist mit „Zwischen Furcht und Freiheit“ ein Meisterwerk gelungen. Weshalb? Der Untertitel sagt schon alles: „Das Dilemma der christlichen Erziehung“.

„Zwischen Furcht und Freiheit“ ist nicht der x-te ideologisch geprägte Erziehungsratgeber, sondern viel mehr. Zwei Jahre lang haben Faix und Künkler Daten gesammelt und legen allen Eltern mit diesem Buch nicht nur das Ergebnis der Studie vor, sondern geben sehr viel „Handwerkszeug“ an die Hand – und zwar in unterschiedlicher Form: Sei es durch wissenschaftliche (bspw. aus der Soziologie und Psychologie) Erkenntnisse oder aber auch durch die Rollenbeschreibungen von Vätern und Müttern am Ende eines jeden Kapitels.

Themen und Fragen, die wirklich relevant sind

Zugegeben: vor allem für Eltern, die ihre Kinder – in welcher Form auch immer – im christlichen Glauben erziehen möchten. Und genau daher rührt auch der Titel der Studie.

Auf der einen Seite hat sich manche Enge geweitet und es sind in der Glaubenserziehung im Vergleich zu vor ein paar Jahrzehnten neue Freiräume und Freiheiten entstanden. Dies zeigt sich an einem sehr positiven Familienklima, einem liebevollen Gottesbild und dem Bewusstsein, dass man den Glauben der Kinder nicht erzwingen kann.

Auf der anderen Seite gibt es alte und neue Ängste: die beständige Furcht, dass das Kind nicht gläubig wird, die Angst, dass es sich für einen anderen Glauben als den der Eltern entscheidet, oder auch die Befürchtung, dass das eigene Kind sich eines Tages als homosexuell outen könnte.Zwischen Furcht und Freiheit, S.13

Dieses Zitat lässt nur einige Themen- und Fragefelder anklingen, um die es in dieser Studie geht. Darüber hinaus geht es aber bspw. auch um die eigene erlebte und die nun praktizierte Erziehung und wie beide miteinander in einem Verhältnis (oder eher: Spannung?) stehen. Es geht um die Frage nach der Relevanz von Gemeindezugehörigkeit und Gottesdienstbesuch, um die Wichtigkeit von „Kinder- und Jugendarbeit“ in einer Gemeinde aber auch darum, welche Gottesbilder einerseits selbst gelebt werden und weitergegeben werden. Nicht zuletzt werden natürlich auch viele ethische Fragestellungen beleuchtet, die höchst interessante Ergebnisse ans Tageslicht bringen.

Die ersten neun Kapitel sind recht ähnlich aufgebaut: Sie enthalten die Ergebnisse der Studie, welche durch grafisch ansprechende Schaubilder sehr schnell zu verstehen sind. Zudem gibt es zum Thema passend weitere Informationen seitens der Autoren sowie am Ende eines jeden Kapitels das Protrait eines Mutters oder eines Vaters – voll und mitten aus dem Leben gegriffen.

Viele kleine und große Nuggets

Dieses Buch enthält viele große und kleine Nuggets. Angefangen bei den Portraits der Väter und Mütter am Ende der jeweiligen Kapitel. In manchen Aussagen oder Beschreibungen findet man sich selbst wieder – oder eben „auf keinen Fall“. Darüber hinaus gibt’s sogar die ein oder andere praktische Anregung, die Erziehung der eigenen Kinder noch „besser“ oder abwechslungsreicher zu gestalten.

Auf Seite 21 wird in Kürze untersucht, wie oft in welcher Bibelübersetzung das Wort „Familie“ vorkommt. Um es kurz und knapp zu sagen: Je moderner und jünger die Übersetzung, desto öfters kommt das Wort „Familie“ vor. Der Grund? Es werden andere Wörter, die eigentlich gar nicht „Familie“ im heutigen Sinne meinen, mit dem Begriff „Familie“ übersetzt. Könnte darin vielleicht schon ein „Dilemma-Faktor“ liegen, dass wir unser modernes Familienverständnis in biblische Texte hinein interpretieren? Wobei: Was heißt schon „modernes Familienverständnis“? Gibt es das eine Verständnis von Familie? Und gibt es das unter Christen? Und wenn ja – unter den evangelischen, katholischen oder freikirchlichen? Genau diesem Geflecht aus unterschiedlichen Gedanken und Meinungen geht „Zwischen Furcht und Freiheit“ auf eindrückliche und inspirierende Weise auf den Grund.

Aber nicht nur in Sachen „Familie“ gibt es unterschiedliche Verständnisse. Wie sieht es denn mit den Erziehungsstilen aus, wenn wir bspw. nur einmal den „einweisenden“ und den „hinweisenden“ Erziehungstil nehmen?

Eltern, die ihre Kinder einweisend zum Glauben erziehen, stellen sie also gewissermaßen vor eine alternativlose Entscheidung. Sie tun alles dafür, ihr Kind zum Glauben zu führen. Mit welchen Mitteln – ob eher durch äußeren Zwang und strenges Reglement oder durch den geräuschlosen Druck angedrohten Liebesentzugs – ist dabei zunächst einerlei.

Im Gegensatz dazu setzt eine hinweisende Erziehung auf eine zwar prägende, aber freiheitlichere Glaubensvermittlung. Dem Kind soll das Bewusstsein vermittelt werden, dass es unterschiedliche Frömmigkeitsstile, Traditionen und auch andere weltanschauliche Perspektiven gibt. Diese soll es kennenlernen und dazu erzogen werden, einmal mündig seine eigene Entscheidung aus diesen Alternativen zu treffen.Zwischen Furcht und Freiheit, S.74f

So inspirierend und erhellend ich diese beiden Stile im Blick auf die Glaubenserziehung finde, so sehr glaube ich aber auch, dass hier eine (unbewusste) Gefahr des Schwarz-Weiß-Dankens gegeben ist: Eine einweisende Glaubenserziehung führt in die Enge, während eine hinweisende Glaubenserziehung in die Weite führt. Verbindet man diesen Gedanken mit dem knappen „Selbst-Test“, den man online durchführen kann, bestätigt sich leider meine Vermutung, dass hier unnötigerweise ein Graben aufgemacht wird, den es faktisch nicht unbedingt geben muss.

Ein ganz besonderes Nugget für mich als Pfarrer ist natürlich die Frage nach der Wichtigkeit und Wertigkeit von Gemeindezugehörigkeit und Gottesdienstbesuch oder aber auch die Darstellung der hinweisenden Erziehung nach Denomination sowie die Darstellung eines strafend-kontrollierenden Gottesbildes nach Denomination sind teilweise überraschend, aber irgendwie auch positiv wie negativ überraschend, schwarz auf weiß gedruckt die Ergebnisse zu sehen.

87 Prozent der Eltern sagen, dass es ihnen wichtig ist, dass ihr Kind regelmäßig an einem Gottesdienst teilnimmt.Zwischen Furcht und Freiheit, S.135

Ein wertvoller und zukunftsweisender Beitrag

Von Herzen empfehle ich dieses Buch allen, die in irgendeiner Weise dieses „Dilemma der christlichen Erziehung“ verspüren: allen Eltern, denen der christliche Glaube und dessen Vermittlung an ihre Kinder wichtig ist – aber auch allen in christlichen Werken und Gemeinden haupt- und nebenberuflich Tätigen, deren Arbeit in irgendeiner Weise mit „Kinder- und Jugendarbeit“ beschrieben werden kann.

Denn: das zehnte und letzte Kapitel von „Zwischen Furcht und Freiheit“ beinhaltet zwar keine 95 Thesen, aber zehn sehr, sehr gute und wichtige Statements zum Thema unter der Überschrift „Konsequenzen für Christen und Gemeinden“.

Infos:
248 Seiten
19,95 EUR
ISBN: 978-3-417-26813-3
SCM R. Brockhaus

Selbsttest: Welcher Erziehungstyp bin ich?

Die Schürze der Demut

Schürze. Demut. Geht’s noch komischer? JA!

Gutes Wort mit schlechtem Ruf

„Demut“ ist im deutschen Sprachgebrauch überwiegend negativ konnotiert. Wir verbinden mit Demut nicht das Schönste, was unsere Gedankenwelt zu Tage bringen kann.

Demut erinnert im deutschen Sprachgebrauch an ein „Buckeln“, an „Kuschen“, an „Niederwürfigsein“, an alles andere eben als an „aufblühen“, „leben“ oder „ach-ist-das-heute-wieder-schön“.

Demut kommt irgendwie ganz schlecht weg. Ich glaube, dass mit ein Grund auch der ist, dass Demut in christlichen Kreisen in der Tat diese oben genannten Assoziationen geweckt hat, weil es auch so vermittelt wurde. Herzlichen Dank auch! Das war ein großer Fehler!

Denn Demut hat damit rein gar nichts zu tun.

Demut – besser als ihr Ruf

Schauen wir vor allem in das Neue Testament, ergibt sich im Großen und Ganzen ein einheitliches Bild, dass Demut bedeutet: Ich erkenne willentlich eine höhere Autorität an, unterstelle mich dieser gerne und sehe mein zukünftiges Leben unter deren Perspektive.

Wenn ich als Christ nun sehe, dass diese „höhere Autorität“ der himmlischer Vater, der Vater Jesu Christi, der „Papa“ ist, wie Paulus ihn einmal nennt (Römer 8,15), dann gilt eines: Diese Wort ist beim bestem Willen wesentlich besser als sein Ruf.

Natürlich versucht der Mensch, sich davon zu lösen und sein Leben so zu gestalten, als ob es Gott nicht gäbe. Immer wieder will er seine Lebensfäden selbst in die Hand nehmen und entwirren. Christen haben gegenüber denen, die nicht an Jesus Christus glauben, einen Vorteil (ohne, dass es sie dadurch zu besseren Menschen machen würde): An dem Punkt, an dem sie erkennen, dass das doch nix wird, können sie eines tun: Kapitulieren. Umkehren. Anerkennen. Leben.

Kapitulieren vor sich selbst und den viel zu hohen Idealen, denen sie ohnehin nicht gerecht werden.

Umkehren in die immer offenen Armen eines auf sie wartenden himmlischen Vaters.

Anerkennen, dass er und nicht der Mensch Gott ist – und das auch gut so ist.

Leben in der Gewissheit, dass dieser göttliche Papa das beste Leben schenkt.

…und was soll die Schürze?

Die Schürze habe ich einmal mehr bei der Vorbereitung einer Predigt gefunden. Die Predigt war der Abschluss unserer Predigtreihe „Alltagshelden“ und hatte das Thema: „Alltagshelden kämpfen nie alleine“. Falls du sie anhören willst, kannst du das im Podcast oder auf unserer Homepage gerne tun.

Ich liebe es, in die Tiefen der Bibel einzutauchen und zu entdecken, was sich unter der Oberfläche verbirgt. Einen ganz besonderer Fall – und hier kommt die Schürze ins Spiel – ist 1. Petrus 5,5:

Desgleichen ihr Jüngeren, ordnet euch den Ältesten unter. Alle aber miteinander haltet fest an der Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. 1. Petrus 5,5

Jetzt könnte man viel zu diesem Vers sagen. Ja. Konkret geht es mir aber um folgenden Teil des Verses:

„Alle aber miteinander haltet fest an der Demut.“

Unglücklicher – sorry, lieber Herr Dr. Martin Luther – hätte man diesen Vers nicht übersetzen können. Denn im griechischen Text wird dieser Vers durch ein ganz besonderes Bild gemalt. Wörtlich übersetzt – und damit das Bild aufgenommen – lautet dieser Vers:

„Legt auch alle gegenseitig die Demut an wie eine Schürze.“

Wow! Was ist das für ein starkes Bild!

Demut schützt dich

Die Demut als Schürze. Was macht eine Schürze? Sie schützt! Wenn ich koche oder grille, dann ziehe ich eine Schürze an. Warum? Damit die Kleidung nicht beschmutzt wird. Eine Schürze schützt! Vielleicht müsste man sie deswegen auch eine „Schütze“ nennen. Wer weiß.

Ich finde das Bild unglaublich stark: Ich soll Demut wie eine Schürze anlegen, warum? Weil Demut mich schützt!

Demut schützt mich davor, mein Leben selbst in die Hand nehmen zu wollen.

Sie hilft mir, mich Gottes gutem Willen und seiner Liebe über meinem Leben zu unterstellen.

Demut zeigt mir, wer ich wirklich bin: Ein von Gott unendlich geliebter Mensch, der deswegen seine Zukunft ganz getrost im Vertrauen auf Gottes Liebe leben kann.

Sie schützt mich aber auch davor, dass ich durch egoistisches und selbstzentriertes Denken und Handeln mich und meine Mitmenschen verletze.

Demut – sie bekommt durch dieses Bild der Schürze eine große positive Konnotation und wird rausgeholt aus dem negativen Sumpf, in dem sie drinsteckt.

Sie ist eben genau nicht dieses „Unterwerfen“, dieses „Buckeln und Kuschen“, was landauf landab von ihr gezeichnet wird. Überhaupt nicht! Sie ist gerade das Gegenteil: Sie lässt mich erst richtig aufblühen und das Leben leben, das mein Schöpfer für mich vorgesehen hat. Weil ich nicht an meinen eigenen Idealen, Wünschen und Zielen mich orientiere, sondern mein Leben – und vor allem das, das noch vor mir liegt – aus seiner Sicht und unter seiner Leitung leben will.

Ich wünsche Dir, dass du diese Erfahrung machst: Demut schützt dich! Sie bringt dich näher zu deinem himmlischen Vater! Und sie ist alles andere als negativ – sie ist etwas Wunderschönes.

…und so sah das am Ende der Predigt dann aus:

 


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Die 4 Sprachen des Trostes

Trost. Trösten. Damit verbinden viele Menschen wahrscheinlich eine bestimmte Art zu trösten. Jemanden in den Arm nehmen, ihm Gutes zusprechen, für jemanden da sein, zuhören, eine Karte schreiben.

„Alltagshelden leiden und trösten“ hieß am 10. Juni der Titel der Predigt unserer Gemeinde. In der Vorbereitung habe ich mich mit einem Abschnitt aus dem 1. Petrusbrief intensiv auseinandergesetzt. „Alltagshelden“ sind Christen, welche ihren Glauben trotz vieler Widerstände, Zweifel und den Höhen und Tiefen des Alltags leben.

Zugrunde liegt der 1. Petrusbrief, der an Christen geschrieben wurde, die das Ganze in noch viel stärkeren Weise erlebten: in der Verfolgung.

Die 4 Sprachen

Konkret schreibt Petrus diesen Christen Folgendes:

Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. So seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet. Vor allen Dingen habt untereinander beständige Liebe; denn »die Liebe deckt auch der Sünden Menge« (Sprüche 10,12). Seid gastfrei untereinander ohne Murren. Und dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes.Die Bibel, 1. Petrus 4,7-10

Ich empfinde diesen Text als äußerst befreiend und entspannend zugleich. Nicht wenige Menschen, deren Empathiefähigkeit sich nicht in Umarmungen und salbungsvollen Worten ausdrückt, können nämlich genauso trösten wie es andere auch tun.

Diese vier Sprachen also sind: Die Sprache des Gebets, die Sprache der Liebe, die Sprache der Gastfreundschaft und die Sprache des Dienens.

Die Sprache des Gebets

Die perfekte Sprache für alle, die Menschen nicht so sehr mögen, weil sie nicht direkt mit den leidenden Menschen zu tun haben, sondern mit Gott reden. OK, Spaß beiseite.

Nicht selten berichten auch heute noch Christen, die verfolgt werden, dass eine Sache sie ganz besonders tröstet: das Gebet anderer. Immer wieder lese und höre ich das beispielsweise in Berichten von „Open Doors„, einem Hilfswerk, das sich für verfolgte Christen engagiert.

Wenn du für andere Menschen betest, die gerade leiden, dann bringst du sie vor Gottes Thron und proklamierst Jesu Namen über ihrem Leben. So gut! So wichtig! Kann es etwas Besseres geben?

„Aber die Menschen sehen oder hören mich doch nicht, wenn ich zuhause bete“ magst du einwenden. Ja und? Es ist nicht wichtig, dass sie dich sehen, sondern wie Jesus ihr Leben verändert. Das tröstet sie! Und mit dem Gebet haben wir eine Sprache des Trostes, die eigentlich nicht schwierig ist – aber nicht alle sprechen diese Sprache. Manche stammeln sie nur. Andere aber sprechen sie, weil sie regelmäßig und voller Hingabe für andere beten.

Es fällt manchen Christen schwerer, manchen leichter zu beten. Wenn du zu denen gehörst, denen es leicht fällt, dann überlege doch: Wie kann mein Gebet zur Sprache des Trostes werden?

Die Sprache der Liebe

„Habt untereinander beständige Liebe“ schreibt Petrus seinen Glaubensgeschwister. Eine Liebe, die nicht aufhört. Eine Liebe, die andauernd gilt.

Von dieser Liebe schreibt der große Glaubensbruder von Petrus, nämlich Paulus, an die Gemeinde in Korinth. Leider wird dieser Text immer wieder für die menschliche Liebe herangezogen. Das ist nicht ganz korrekt, denn immerhin spricht Paulus in diesem Abschnitt von er Liebe Gottes. Diese wiederum kann, soll und wird sich im Leben eines Christen zeigen – insofern ist es auch menschliche Liebe. Sie ist aber nicht gleichzusetzen mit der erotischen oder romantischen Liebe, die Menschen zueinander empfinden.

Denn diese Liebe geht viel tiefer. Sie ist viel stärker. Sie ist viel kraftvoller.

Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe hört niemals auf.Die Bibel, 1. Korinther 13, 4-8

Das zu leben, was hier über die Liebe steht, fällt nur einem leicht: Gott. Uns Menschen nicht.

Und doch gibt es menschliche Lebewesen, die – warum auch immer – einen scheinbar größeren Liebestank haben, aus dem sie Liebe an ihre Mitmenschen weitergeben als andere. Vielleicht gehörst du dazu? Vielleicht ging es dir beim Lesen des Abschnittes so, dass es gar nicht mal so überraschend war, was da so steht.

Für dich ist es nichts „Besonderes“, wenn du anderen Menschen nicht nur liebevoll, sondern mit einer liebevollen Haltung – wie in 1. Korinther 13 beschrieben – begegnest.

Dann ist deine Sprache des Trostes wohl die Liebe. Lebe das bewusst, weil durch deine liebevolle Haltung andere Menschen nicht nur denken „Wow. Was für ein liebevoller Mensch.“ Nein. Vielmehr. Sie werden getröstet.

Die Sprache der Gastfreundschaft

Hier wird es spannend. Denn schauen wir in den Kontext, in dem hier Christen aufgefordert werden, „gastfrei“ zu sein, erkennen wir eines: Sie haben wohl gar kein richtiges „Zuhause“, zumindest keine Heimat. Denn der 1. Petrusbrief ist an Christen geschrieben, die in der so genannten „Diaspora“ (Zerstreuung) wegen Verfolgung leben.

Und ausgerechnet in dieser Situation sollen sie auch noch gastfreundlich sein – „ohne Murren“. Ich glaube, was Petrus ihnen sagen will, ist: Geht die Extrameile! Auch wenn’s viel ist: Tut es für die, die Trost brauchen.

Kauft für sie ein. Bügelt ihre Wäsche. Helft ihnen ganz praktisch. Kocht ihnen was zu essen und nehmt sie als Gäste auf, wenn sie es brauchen.

Ich kenne Menschen, die sind so krass „praktisch veranlagt“, dass du nicht mal ein Wort sagen musst und sie wissen scheinbar genau, was du brauchst. Sie trösten dich und setzen dich in eine positive Verwunderung, weil sie den nächsten Schritt schon kennen – und ihn vor allem gehen. Und zwar unaufgefordert. Sie gehen ihn einfach.

Die Sprache des Trostes von solchen Menschen ist die der „Gastfreundschaft“ – vielleicht ist es ja genau deine Sprache?!

Die Sprache des Dienens

Spätestens hier wird es noch interessanter, wenn wir den Kontext bedenken: Die christliche Gemeinde, das Christentum, die weltweite Bewegung der Jesus-Nachfolger – sie ist erst am Entstehen.

Aber was wohl schon damals der Fall war: Menschen in der Gemeinde haben nicht unbedingt das getan, wozu Gott sie berufen hat. Petrus aber macht sie darauf aufmerksam, dass es auch eine Sprache des Trostes ist, wenn jeder tut, wozu Gott ihn begabt hat, da dies zur Stärkung anderer gehört.

Und dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes.1. Petrus 4,10

Interessant, dass Petrus hier vom „Haushalter der mancherlei Gnade Gottes“ schreibt. Dieser „Haushalter“ ist nicht der Sklave (doulos), der oft im Griechischen steht, sondern der Ökonom (oikomenos), also genau das, was wir uns heute unter einem Ökonomen durchaus vorstellen können: Der mit dem, was er anvertraut bekommen hat, verantwortungsvoll umgeht.

Gott hat jeden Christen mit Fähigkeiten begabt, um seiner Gemeinde zu dienen und einzelne dadurch zu trösten. Das Schöne: Du musst und sollst dich unter keinen Umständen mit anderen vergleichen. Andere gibt es genug – dich gibt es nur einmal! Verpasse nicht die Ausgabe deines Lebens, weil du immerzu damit beschäftigt bist, auf andere zu schauen.

Gott hat dich begabt; dir Gaben geschenkt; dich befähigt und stark gemacht.

Sprich diese Sprache des Trostes!

Zu guter letzt

Mir ist mit diesem Artikel wichtig, eines zu zeigen: Es gibt nicht die eine Sprache des Trostes. Es gibt wahrscheinlich sogar noch mehr als diese vier.

Ich habe bewusst darauf verzichtet, „Trost“ an sich noch näher unter die Lupe zu nehmen oder praktisch zu werden in den einzelnen Sprachen.

Mir geht es um eines: Dich hoffentlich ein wenig befreit zu haben von dem Druck, exakt so trösten zu „müssen“, wie das andere tun. Vielleicht öffnet dir dieser Beitrag auch ein wenig die Augen dafür, dass Gott uns ganz unterschiedlich gemacht hat. Und genau diese Vielfalt benötigen wir, um auf vielfältige Weise andere Menschen zu trösten – und selbst getröstet zu werden.

Kompromissloser Glaube wächst aus der Stille

Free-Photos / Pixabay

Vielen ist die Geschichte aus dem ersten Teil der Bibel bekannt: Daniel, ein Prophet Gottes, wird zur Strafe in eine Grube geworfen, in der hungrige Löwen warten. Er soll ihr Abendessen werden – aber Gott bewahrt ihn auf wundersame Weise.

Was bisher geschah…

Der Grund für diese Strafe war ein relativ schlichter: Er lebte seinen Glauben an Gott, genauer gesagt: Er betete. Zuvor wurde er von König Darius von Babylonien zu einem der drei Fürsten seines Königreiches bestimmt. Und das als ein „Fremder“, ein „Ausländer“, ein im Exil lebender Mann.

Die Bibel berichtet, dass Daniel nicht nur irgendein Fürst war, sondern der Beste:

Daniel aber übertraf die Fürsten und Landvögte alle, denn es war ein hoher Geist in ihm; darum gedachte der König, ihn über das ganze Königreich zu setzen.Daniel 6,3

Natürlich führte das bei anderen politischen Entscheidungsträgern zu Neid und Missgunst. Also umschmeichelten diese den König, woraufhin dieser tatsächlich ein Gesetz erließ, dass niemand einen anderen Gott anbeten dürfe als König Darius, den selbsternannten Gott.

Kompromisslos…

Und was tat Daniel, nachdem dieses Gesetz verkündet wurde?

Als Daniel davon erfuhr, ging er in sein Haus. Das obere Stockwerk hatte Fenster in Richtung Jerusalem, die offen standen. Hier kniete er nieder, betete zu seinem Gott und dankte ihm, wie er es auch sonst dreimal am Tag tat.Daniel 6,11

Ziemlich krass. Ziemlich verrückt. Ziemlich kompromisslos. Daniel ließ sich nicht einschüchtern von diesem Gesetz, sondern lebte seinen Glauben weiterhin. Mitten in einer Gesellschaft, in einer Kultur, die sich offen gegen seinen Gott und seinen Glauben wandte.

Kompromissloser Glaube eben. Daniel tat das, wovon wir später im zweiten Teil der Bibel lesen. Denn auch die ersten Christen in Jerusalem rund um ihren „Sprecher“ Petrus fanden sich in einer Gesellschaft wieder, die nicht unbedingt als „christlich“ bezeichnet werden kann:

Petrus und die anderen Apostel erwiderten: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!“Apostelgeschichte 5,29

Wie aber gelangt man zu solch einem kompromisslosen, starken und gefestigten Glauben? Was tat Daniel, was war an ihm „besonders“, dass er seinen Glauben kompromisslos lebte – koste es ihn auch das Leben?

…aus der Stille

Die Antwort darauf ist leicht zu überlesen. Du hast sie schon gelesen – aber vielleicht ist sie dir gar nicht so ins Auge gestochen.

…Hier kniete er nieder, betete zu seinem Gott und dankte ihm, wie er es auch sonst dreimal am Tag tat.Daniel 6,11

Daniel lebte seinen Glauben aus einer regelmäßigen täglichen Stille heraus. Für ihn war es wichtig, Gott nicht nur dann zu danken, ihn anzubeten und ihn um etwas zu bitten, „wenn es ihm danach war“.

Daniel lebte seinen Glauben aber auch nicht aus einer falschen und gesetzlichen Routine heraus.

Daniel wusste: Kompromissloser Glaube wächst aus der Stille. Er kommt nicht von jetzt auf nachher und schon gar nicht in den besonders heißen Phasen des Lebens von jetzt auf nachher.

Kompromissloser, starker, gefestigter Glaube entsteht dort, wo wir uns bewusst und regelmäßig die Zeit mit Gott nehmen. Nur du und Gott. Sonst niemand und nichts. Kein Smartphone, keine anderen Menschen, keine Emails – nichts.

Diese Zeiten sind deswegen so wichtig, weil dir in diesen Zeiten bewusst wird, wer du bist: Ein Kind des Höchsten! Dir wird deutlich, wie groß und wie wunderbar Gott ist – den Du „Papa“ nennen darfst! In diesen Zeiten vergewisserst du dich deiner Identität und wer du in Christus bist.

Im Glauben gibt es keine schnellen und platten Lösungen, keine Patentrezepte und kein Allheilmittel – weil Gott jedem Menschen auf individuelle Weise begegnet. Deswegen sieht deine Zeit „aus der Stille“ sicherlich ganz anders aus als meine. Ich nehme sie mir morgens bewusst bevor alles losgeht: das Familienleben, die vielfältigen Aufgaben des Tages, die Emails, die Telefonate, Termine und Begegnungen.

Wann ist deine „Zeit der Stille“?

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