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Die Gebetshausbewegung

Diese Buch nimmt etwas auf, was in den letzten Jahren und wenigen Jahrzehnten in Deutschland entstanden ist: Die Gebetshausbewegung. In den Medien vor allem in jüngster Zeit ist diese Bewegung durch das Gebetshaus Augsburg sehr präsent. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass auch das Gebetshaus Augsburg Teil einer Gebetshausbewegung ist.

Fundiert

Rainer Harter (Gründer und Leiter des Gebetshaus Freiburg) geht dieser Gebetshausbewegung auf eine sehr fundierte Weise nach. Im ersten Teil des Buches skizziert er historische und theologische Grundlagen der Gebetshäuser – und das ist gut so. Denn eine Bewegung lebt davon, dass sie einen gesunden „Unterbau“ hat. Und dieser besteht aus einer guten und gesungen Lehre und Theologie.

Harter macht einen kleinen Streifzug durch die Kirchengeschichte und erläutert die unterschiedlichen Facetten des Gebets(hauses). Interessant finde ich und möchte dir ans Herz legen besonders das Kapitel „Kontinuierliches Gebet in der Kirchengeschichte“ (S. 48ff). In diesem Kapitel wird deutlich, welche Bedeutung das anhaltende und ununterbrochene Gebet in der Kirchengeschichte schon früh hatte. Es ist keine Erscheinung der (Post-)Moderne.

In einem zweiten Teil wird es dann sehr persönlich. Zurecht trägt er die Überschrift „Gebetshaus und du“. In großartiger Ehrlichkeit schreibt Harter, „was das Gebetshaus mit einem macht“. Zum Beispiel befindet sich das Gebetshaus Freiburg mitten in einer Einkaufspassage. Wer eine zeitlang im Gebetshaus war, wird nun plötzlich mit der Realität konfrontiert. Welten prallen aufeinander beim Verlassen oder Betreten des Gebetshauses. Darin liegen Chancen und Gefahren. Sich alleine dessen bewusst sein, ist der erste Schritt. Der zweite ist, jemanden zur persönlichen Begleitung und Beratung an der Seite zu haben.

Das ist nur ein Beispiel, wie konkret Harter darin wird, welche Bedeutung ein Gebetshaus für einen selbst haben kann.

Praktisch

Im dritten Teil des Buches wird es dann ganz praktisch. Harter geht auf elementare Fragen ein, die jeden bewegen, der davor steht, ein Gebetshaus zu gründen. Harter reichert seine ohnehin schon tiefen und inspirierenden Gedanken mit Ergebnissen einer Umfrage an. Vierzehn Gebetshäuser hat er befragt nach unterschiedlichen Themen wie Herausforderungen bei der Gründung, dem Verhältnis zu lokalen Gemeinden oder den aktuellen Herausforderungen.

Der Leser bekommt kein 1:1 umsetzbares Patentrezept sondern einen reichen Schatz an Erfahrungen in der Gründung und dem Leiten eines Gebetshauses.

Natürlich erfordert es ein wenig mehr Arbeit, diesen Abschnitt zu lesen und auf sich selbst bzw. die eigene Situation zu transferieren. Einfacher wäre es in der Tat, ein paar Checklisten an die Hand zu bekommen – und los geht’s.

Aber so einfach ist es eben genau nicht – und das macht Harter sehr deutlich und gleichzeitig aber auch sehr viel Hoffnung, selbst ein „Gebetshausmissionar“ zu werden.

Inspirierend

Dieses Buch ist absolut inspirierend. Es zeichnet in der Rückschau die kirchengeschichtliche Entwicklung und Bedeutung des anhaltenden Gebets. Gleichzeitig spiegelt es aber auch wider, wie groß die Gebetshausbewegung in der Gegenwart geworden ist. Darüber hinaus macht es einfach Freude, die Leidenschaft und Begeisterung Rainer Harters nachzuempfinden.

Aber auch immer wieder an das Wesentliche der Gebetshausbewegung erinnert zu werden: das Gebet. Das klingt trivial, zieht sich aber wie ein roter Faden durch das Buch – sei es durch biblische Texte zum Gebet oder durch Erfahrungswerte Harters (und anderer). Beides macht deutlich: Auch und gerade beim Gründen eines Gebetshauses ist eines wichtig und nicht zu vergessen: das Gebet.

Zudem wird der Wert dieses Buch „angereichert“ durch viele Statements und Ausführungen weiterer geistlicher Leiter. Das lässt natürlich noch einmal weitere Stimmen zu Wort kommen und verschafft dem Buch noch einen weiteren Horizont – als es ohnehin schon auf sehr angenehme Weise hat.

Infos:
256 Seiten
16,95 EUR
ISBN: 978-3-417-26835-5
Verlag: SCM R.Brockhaus

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Heilige Unruhe

„Da muss man doch was machen! Da kann man doch nicht so einfach zuschauen!“ Eine heilige Unruhe macht sich in dir breit.

Du schaust im Fernsehen die Nachrichten.

Im Internet liest du etwas, das dich aufwühlt.

Du hast eine Begegnung gehabt, die dir keine Ruhe lässt.

Du nimmst die Menschen um dich herum wahr.

Eine heilige Unruhe kann auf ganz unterschiedliche Weise in dir entstehen und zum Vorschein kommen.

Was ist das eigentlich?

…fragst du dich jetzt. Vor einigen Jahren hörte ich Bill Hybels (Gründer und Pastor der Willow Creek Community Church) über die „heilige Unruhe“ sprechen. Im Februar auf dem Leitungskongress hat er in seinem letzten Referat nochmals kurz darüber gesprochen.

Eine heilige Unruhe entsteht in dir dort, wo die Not anderer Menschen und deine eigenen Leidenschaften und Begabungen ungefiltert aufeinander treffen.

Das ist eben der Moment, in dem du nicht nur sagst: „Man sollte etwas unternehmen“, sondern „Ich werde etwas unternehmen!“ Von einem allgemeinen Unwohlsein kommt es zu einer existentiellen Betroffenheit, die in dem Entschluss mündet, tätig zu werden.

Eine heilige Unruhe lässt dich vom Sofa aufspringen, die Schuhe anziehen und tätig werden. Das ist der „unruhige“ Teil dieser heiligen Unruhe.

Der „heilige Teil“ daran ist der, dass diese Erkenntnis von Nöten auf dir von Gott geschenkte Begabungen und Leidenschaften trifft. Du spürst regelrecht, wie Gott dir zuruft: „Mach was! Ich habe dir alles dafür gegeben, was du brauchst.“

Ähnlich wie bei den Propheten im Alten Testament oder bei Mose, bei Abraham, bei Gideon und Simson oder auch im Neuen Testament bei den Jüngern und Aposteln. OK, nicht alle sind von alleine drauf gekommen – sogar die wenigsten. Und dennoch ist es der Moment, in dem du spürst: „Das kommt nicht von mir. Gott bewegt das in meinem Herzen!“

Die Kraft der heiligen Unruhe

Und genau darin liegt die unglaubliche Kraft der „heiligen Unruhe“ begründet. Interessanterweise kommt diese in der Bibel an ganz wenigen Stellen sogar explizit vor. Mir ist das in der intensiven Vorbereitung zu meiner Predigt am 18. Februar 2018 aufgefallen. Im Rahmen unserer Predigtreihe „Vom Traum zur Wirklichkeit – Lebe!“ ging es um den Stolperstein „Kraft“. Zu Grunde lag die Geschichte aus 1. Mose 41: Josef deutet die Träume des Pharaos.

Und dann gibt es da eine total faszinierende Stelle in 1. Mose 41,8:

Klingt erst einmal unscheinbar, aber es geht um das, was Luther mit „und sein Geist war bekümmert“ übersetzt. Im Hebräischen (der Sprache, in der das Alte Testament verfasst wurde) steht hierfür ein Verb, das noch an drei anderen Stellen im Alten Testament vorkommt – und sonst nicht mehr.

Dieses Verb bedeutet so viel wie „von Gottes Geist umgetrieben werden“. Es lässt sich gar nicht 100% genau übersetzen, aber meint: Gottes Geist bewegt mich; Gottes Geist stößt etwas in mir an; Gottes Geist treibt mich um und macht mich unruhig.

Die anderen Stellen, an denen dieses Verb vorkommt sind

  • Richter 13,25: „In Mahane-Dan, das zwischen den Städten Zora und Eschtaol gelegen ist, begann der Geist des Herrn ihn [Simson] zu bewegen.“
  • Daniel 2, 1-3: „Im zweiten Jahr seiner Herrschaft hatte Nebukadnezar nachts einen Traum, der ihn so sehr verstörte, dass er nicht mehr schlafen konnte. Er ließ seine Zauberer, Zeichendeuter, Wahrsager und Astrologen rufen, damit sie ihm erzählten, was er geträumt hatte. Als sie alle vor ihm versammelt waren, sagte er: „Ich hatte einen Traum, der mich sehr beunruhigt. Ich möchte wissen, was er bedeutet.“
  • Psalm 77,5: „Meine Augen hältst du, dass sie wachen müssen; ich bin so voll Unruhe, dass ich nicht reden kann.“

Die heilige Unruhe spürst du genau dort, wo der Heilige Geist dich umtreibt, dich nicht ruhig werden lässt, du eben nicht sagen kannst: „Ach, das wird schon wieder!“ Vielmehr sagst du: „Das wird erst wieder, wenn ich meiner heiligen Unruhe nachgegangen bin!“

Der heiligen Unruhe nachgehen

Und das ist der Moment, den viele leider komplett verpassen. Der heiligen Unruhe nachzugehen bedeutet: Vom Sofa aufzustehen. Aus dem Schlaf erwachen. Die Komfortzone verlassen. Umdenken. Neu denken. Anders denken. Umkehren.

Das Blöde ist: Oft hindert unser Verstand uns daran, dieser heiligen Unruhe nachzugehen. Wir stellen uns vor, wie doof wir dastehen, wenn unsere „Unruhe“ sich als unbegründet erweist. Oder wir erfinden in unseren Köpfen die unmöglichsten worst case-Szenarien, die vollkommen surreal sind. Manchmal ist es aber auch schon Entmutigung, die wir auf dem Weg erfahren haben. Wir haben unsere „heilige Unruhe“ artikuliert und andere haben uns belächelt oder als verrückt abgetan.

Liebe Leiter: An dieser Stelle nur mal der kleine Hinweis, wie wichtig es ist, auch verrückten Ideen erst einmal Gehör zu schenken.

Und das bitte ich auch dich, der du vielleicht so eine „heilige Unruhe“ verspürst und dir auch so deine Gedanken machst. Und denkst: „Oh nein. Das ist alles viel zu verrückt!“

Dann sage ich: Glückwunsch! Für das Reich Gottes kann’s nicht verrückt genug sein. „Verrückt“ liegt zudem im Auge des Betrachters. Und falls du mit „verrückt“ lediglich meinst: „Das passt nicht in den Mainstream“ – super. Das hat Jesus auch nicht!

Bitte tu dir und deiner Gemeinde einen Gefallen: Geh deiner „heiligen Unruhe“ nach. Spricht mit jemandem darüber. Bete und frag den heiligen Geist, was er dazu meint. Lies in der Bibel und schau, ob du ähnliche Situationen findest oder Bibelverse, die in deine „heilige Unruhe“ hinein sprechen.

Aber bitte mach diesen einen Fehler nicht, den schon viele vor dir gemacht haben: Setz dich wieder hin und tu so, als sei nichts gewesen!

Du kannst nie wissen, wann der Heilige Geist auch durch dich zu anderen sprechen möchte. Und wer weiß: Vielleicht ist es genau deine heilige Unruhe, welche die Leitung deiner Gemeinde oder ein Team eines Bereichs benötigt hat, um an einem bestimmten Punkt weiter zu kommen.

Meine heilige Unruhe

Meine heilige Unruhe ist die, dass ich es einfach nicht ertragen kann, wenn die Gemeinde Jesu nicht ihr volles Potenzial entfaltet.

Ich werde unruhig,

  • wenn Gemeinde sich auf Traditionen beruft, die maßgebender sein sollen als Gottes Wort.
  • wenn Gemeinde nicht versteht, den Menschen von heute auch mit Formen von heute zu begegnen.
  • wenn ich Einzelschicksale mitbekomme, die durch institutionelle, soziale Ungerechtigkeit seitens des Staates große Steine in den Weg gelegt bekommen, ihr Leben zu entfalten.
  • wenn geistlich faule Kompromisse geschlossen werden, nur um das eigene Überleben zu sichern.
  • wenn Gemeinde sich nur um sich selbst dreht und nicht um die, für die Jesus gekommen ist: die Verlorenen.
  • wenn einzelne Gemeindeglieder andere Gemeindeglieder daran hindern, ihr Potenzial zu entfalten, das Gott ihnen gegeben hat.
  • wenn einzelne Menschen nicht in ihrer Berufung leben können, weil ihre Gemeinde nicht ihr Potenzial entfaltet.

Und ich bin Gott so unglaublich dankbar, dass es in der evangelischen Kirchengemeinde Wutachtal so viele Menschen gibt, die ihre heilige Unruhe erkannt haben und ihr nachgehen.

  • Da gibt es einige Frauen, die es nicht aushalten und ganz unruhig werden, wenn andere Frauen ihren Wert, ihre Bestimmung, ihre Kraft nicht kennen. Deswegen gibt es momentan den ersten und in wenigen Wochen den zweiten SHINE-Kurs (www.wutachblick.de/shinewoman).
  • Woche für Woche investieren Menschen in die nächste Generation, weil sie es nicht aushalten, dass Kinder und Jugendliche ohne Jesus aufwachsen. Deswegen haben wir drei Kinderclubs, einen Club für Teens und viele Angebote für Jugendliche.
  • Weil Menschen unruhig darüber werden, dass andere den Glauben nur sonntags leben, leiten sie einen unserer knapp 20 Hauskreise.
  • Als Gemeindeleitung treibt es uns unglaublich um (so wie es wohl bei Simson damals war), dass Leiter ihr Potenzial entfalten sollen. Deswegen bieten wir das  K5-Leitertraining an und freuen uns riesig darauf.

Was ist deine heilige Unruhe?

Wo spürst du, dass der Heilige Geist dich umtreibt?

Geh dem nach! Geh dieser Unruhe nach!


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Die Kunst des Leitens VII: Innovativ sein – kannst du lernen!

In Gesellschaft, Kirche und Politik benötigen wird dringend Menschen, für die Innovation kein Fremdwort ist. Die Geschichte zeigt: Ohne sie würden wir heute noch mit der Kutsche zur Arbeit fahren, Abends die Kerze auslöschen und uns zum Schlafen auf Stroh betten.

Da es aber in der gesamten Menschheitsgeschichte immer wieder innovative Köpfe gab und gibt, macht unser Leben, unser Lebensstandard und unsere Lebensumstände erstaunliche Fortschritte – dank Innovation.

1Wir benötigen mehr denn je Innovation in der Kirche

Mehr denn je benötigen wir auch in der Kirche innovative Köpfe, die sich mit dem „Status Quo“ nicht zufrieden geben und denen ein „Das war schon immer so“ herzlich egal ist. Nein, besser: Die ein „Das war schon immer so“ erst so richtig anspornt, es anders zu machen.

Ich ärgere mich über solch einen Satz nur noch bedingt – mich spornt er an, meinem Gegenüber ganz einfach zu zeigen: „…und deswegen machen wir es jetzt mal ganz anders, weil es uns nicht sonderlich weit gebracht hat.“

Es gibt so ein Mythos, der besagt, dass innovative Köpfe innovativ geboren werden und wenn du nicht dazu gehörst, hast du einfach Pech gehabt. Ich sage: Nein! Definitiv nicht! Ich bin der festen Überzeugung, dass innovativ zu sein eine Gabe ist, die wir geschenkt bekommen – aber die wir auch zumindest teilweise erlernen können. Sicherlich ist ein gewisses Grundtalent nicht von schlechten Eltern. Und dennoch glaube ich aber, dass wir vieles lernen können, was Innovation angeht. Allen voran können wir über unsere Haltung und unsere Einstellung zu Innovation selbst entscheiden.

Dieser Artikel soll dir ein paar Gedankenanregungen geben, wie du innovativer werden kannst und wie du in deiner Gemeinde Innovation noch mehr den Boden bereiten kannst, als du es ohnehin schon tust. Vielleicht musst du in diesem Kontext gar nicht selbst der Innovator an sich sein, sondern bereitest anderen innovativen Köpfen in deiner Gemeinde den Weg. Das wird euch einen richtigen Schub nach vorne geben.

2Leaders are readers

Dieser Grundsatz gilt für Leiter. Klar. „Leiter sind Lesende“. Definitiv. Aber ich würde sagen: Das gilt auch für Menschen, die innovativ sind. Sie lesen, lesen, lesen – weil dadurch ihr „think tank“ immer mehr angefüllt wird. Und sie lesen nicht nur Fachliteratur – sondern kreuz und quer alles, was ihnen in die Finger kommt.

Blogartikel, Fachmagazine, Ratgeber, Sachbücher, Romane, den kicker – whatever. Ich glaube, es ist eine unterschätzte Grundfertigkeit: Lesen! Aber nicht das Lesen alleine ist es, was einen Menschen zur Innovation treibt, sondern wie er liest.

Ich entdecke mich immer wieder dabei, wie ich schon beim Lesen in Gedanken das Rad weiterspinne, die Geschichte weiter entwickle oder mich frage, wieso hier nicht etwas anderes steht. Und selbst wenn ich den „kicker“ lese, beginne ich im Kopf nach Parallelen zur Gemeindearbeit zu suchen und was mich von dem, was ich da lese, jetzt inspirieren kann, meine Gemeinde noch besser werden zu lassen.

Darüber hinaus ist es schlicht und einfach auch die Menge an Content, welche ein Wissen vergrößert und verbreitert – und das kann nie schaden, weil Innovation niemals eindimensional verläuft.

3Fokus auf die Innovation

Innovative Menschen, die mich am meisten inspirieren und prägen sind die, deren Fokus vollkommen klar ist. Sie verzetteln sich nicht mit tausend Dingen, sie wollen es erst recht nicht allen recht machen und sie wissen darum, dass sie nicht alles schaffen. Sie wissen aber auch: Die Zeit, die Kraft, die Ideen, die sie haben – die wollen sie richtig einsetzen. Das heißt nicht nur „volle Kraft voraus“, sondern: Voller Fokus auf die Innovation.

Gerade im kirchlichen Kontext höre ich dann immer wieder gerne Sätze wie: „Aber wir müssen doch alle mitnehmen“ oder „Aber es beginnt doch alles ganz klein“ oder „Jesus hat es auch nicht allen recht gemacht“ – richtig. Gerade letzter Satz ist ein Eigentor aller Innovationswiderspenstigen in der Kirche.

Und ich bin der festen Überzeugung: als evangelische Landeskirche stehen wir beim besten Willen nicht in der Gefahr, unseren Fokus zu sehr auf Innovation zu richten. Solange immer noch davon ausgegangen wird, dass der liturgische Gottesdienst „Standard“ ist und alle weiteren Gottesdienstformen „ergänzend“ sind, hat das Schiff ziemliche Schieflage und bewegt sich alles andere als auf Innovationskurs.

Und wieso bedeutet Innovation bei manchen Menschen automatisch, man wolle andere Menschen „nicht mitnehmen“? Das ist eine bsolut irrationale Verhaltensweise und Argumentation, die einen Grund hat: die Angst vor Veränderung. Und die wiederum ist verständlich. Klar. Das Gehirn sucht nach Analogien, findet keine – also bekommt es ein wenig Muffensausen und fragt sich: „Wie wird das alles nur werden? Da bleibe ich doch lieber in der kuscheligen Komfortzone, die ich schon so lange kenne.“

Aber Leute, so wird das nix. Wenn wir uns als Kirche Innovation gegenüber in den Weg stellen, dann werden wir mit der Zeit sehen, dass Kirche einen noch viel größeren Relevanzverlust im Blick auf die Gesellschaft zu beklagen hat, als sie das ohnehin schon tut.

Gleichzeitig geschieht dieses „in den Weg stellen“ sehr subtil – und oftmals auch gar nicht beabsichtigt – hoffe ich zumindest! Und ich rufe allen zu, die ihr Innovation möchtet:

„Haltet durch! Ihr seid nicht alleine!“

4Fokus auf die Menschen

Ich möchte keinen Innovation um der Innovation willen, denn diese hat weder Nachhaltigkeit noch Sinnhaftigkeit. Deswegen geht der Blick und Fokus auch dorthin, wofür die Innovation sein soll. Auf deutsch: die Menschen!

Als Gemeindepfarrer beispielsweise ist es meine Aufgabe, für eine Gesamtgemeinde zuständig zu sein – und nicht für einzelne Gruppierungen. Es ist meine Aufgabe, dafür Sorge zu tragen, dass der Kurs, den wir als Gemeinde nehmen, der richtige ist für die Gesamtgemeinde – und nicht nur für einzelne Gruppierungen.

Ich bin froh und dankbar, dass ich das nicht alleine bewerkstelligen muss, sondern ein Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen habe, einen Coach und nicht zuletzt eine wunderbare Ehefrau, die mir alle auf unterschiedliche Weise Kraft, Feedback aber auch Korrektur geben auf dem Weg.

Nur Sadisten erfinden etwas, das der Menschheit schadet. Kluge innovative Köpfe wollen mit ihrer Innovation der Menschheit dienen.

Das bedeutet: Lenke den Blick einfach mal auf die Menschen. Als Gemeindepfarrer gesprochen: Auch auf die, die noch gar nicht jeden Sonntag oder zu den Angeboten unter der Woche erscheinen. Warum? Sie haben keine Stimme!

Der Kirchenchor, die Jungscharen, die Senioren, die Alteingesessenen, die Jugendlichen – sie alle kommen vor. Wenn sie in deiner Gemeinde vertreten sind, dann haben sie auch eine Stimme und werden diese verwenden. Diejenigen aber, die noch gar nicht zur Gemeinde gehören, haben logischerweise keine Stimme. Und es ist deine Aufgabe als Leiter, gemeinsam mit deinem Leitungsgremium dieser Gruppe auch eine Stimme zu geben, damit das Orchester vollständig ist. Das vergessen leider nur viele.

Das bedeutet konkret: Wer sind diese Menschen? Wo leben sie? Wie leben sie? Was machen sie im Alltag? Wo sind ihre Lieblingsplätze? Was ist ihre Kultur? Wo „treiben sie sich rum“?

Fragen, die du ganz konkret anschauen kannst, um den Blick weg zu richten von der Innovation an sich und hin zu den Menschen, denen die Innovation zugute kommen soll.

5Probieren geht über studieren

Innovative Menschen begeistern mich – weil sie etwas riskieren. Sie tüfteln ihre Ideen nicht bis zum Sanktnimmerleinstag aus, sondern sie erwischen gerade den richtigen Zeitpunkt, um in Aktion zu treten. Natürlich muss vieles bedacht und geplant werden – nicht umsonst sind wir Deutsche. Das Volk der Dichter, Denker und Ingenieure. Ich glaube, in kaum einem anderen Land wird so viel geplant und durchdacht, ehe etwas an den Start geht.

Nur leider – davon bin ich überzeugt – verpuffen viele, viele Ideen, weil sie nie „in Aktion treten“. Warum? Weil wir glauben, alles müsse zu 100% durchdacht, geplant, verschriftlicht und „wasserdicht“ sein. Aber ganz ehrlich: Das ist stinklangweilig.

Lass uns doch von Kindern lernen! Mein Sohn ist ein grandioser Baumeister. In seinem Kopf formen sich Ideen und Gedanken und es vergeht kaum eine Woche, in der er nicht irgendetwas Faszinierendes gebaut hat. Und zwar nicht immer aus dem gleichen Material, nein – sondern ganz unterschiedlich.

Kinder machen sich auch ihre Gedanken, ob etwas funktionieren kann, wie etwas zusammenpassen kann. Aber sie treten viel früher „in Aktion“ als wir Erwachsenen. Ansonsten würden wir nicht so viele Kinderaugen strahlen sehen, weil ein Gedanke, eine Idee, eine „Erfindung“ tatsächlich funktioniert.

Ich möchte noch mehr Erwachsenenaugen strahlen sehen!

Und ich glaube, das ist dort möglich, wo wir nicht alles bis ins letzte Detail durchdacht, geplant und vorbereitet haben. Das ist dort möglich, wo unsere kindliche Sehnsucht und unsere Innovationskraft aufeinander treffen und sie einander sagen: „Ich halte es nicht mehr länger aus. Lass uns in Aktion treten!“

Der Punkt, an dem das virulent wird, ist eigentlich recht einfach zu identifizieren. Zu Beginn einer jeden Innovation steht eine Leidenschaft, eine Idee, es folgen Planungen, Treffen, Gespräche, Vision Casting und weitere Treffen auch mit anderen Leiterinnen, Leitern und Mitarbeitenden. Alles bekommt eine größere Dynamik, nimmt Fahrt auf. Pläne entstehen, Checklisten werden abgearbeitet – es geht vieles voran.

Und dann. Der Moment. Der Moment, in dem du merkst: Irgendwie geht’s gar nicht mehr voran. Die Planungen sind zwar alle schön und gut, aber sie wecken die Leidenschaft nicht in noch mehr Menschen und die eigene Leidenschaft wird auch nicht größer. Spätestens jetzt ist der Moment erreicht, in dem zumindest ein Teil der Innovation Realität werden muss – oder alles verpufft. Und das will kein Mensch!

Denk an die Menschen, für welche du diese Innovation vorantreibst. Ihr Leben wäre ärmer ohne diese Innovation!

6Vertrauen auf Gottes Innovationswillen

Ja, diesen Begriff habe ich bewusst gewählt: Innovationswillen. Für mich drückt es nämlich noch viel mehr Gottes Wesen aus als der Begriff „Innovationskraft“, den du hier vielleicht erwartet hättest.

Gottes Wesen, sein Willen, ist durchdrungen von Innovation, von Erneuerung, von Neuschöpfung.

Als Gott begann, diese Erde, das Universum und alles Schöne zu erschaffen, war es sein Wille, der das alles begann. Dass er die Kraft dazu hat? Geschenkt! Aber den Willen, etwas ganz Neues zu erschaffen, musst du erst mal an den Tag legen. Gott war aber so sehr getrieben von seiner Liebe zu den Menschen, dass er nicht anders konnte, als diesem Innovationswillen nachzugehen (nicht nachzugeben!) und alles ins Rollen zu bringen, so dass wir eine wunderbare Schöpfung heute genießen können (und ja, leider, leider viel zu schlecht mit ihr umgehen).

Betrachten wir die Geschichte Gottes mit seinem Volk, so erkennen wir an vielen, vielen Stellen Gottes Willen zu Innovation. Er zeigt sich darin, dass er bereit war, ganz neue Wege zu gehen, ganz neue Dinge zu erschaffen, um seine geliebten Menschen zu retten und mit ihnen weiter den Weg zu gehen, den er mit ihnen gehen möchte.

  • Noah ließ er eine Arche bauen – ohne Wasser weit und breit
  • Abraham rief er aus gewohntem Umfeld heraus und führte ihn in ganz neues Land
  • mit den Königen und Richtern schrieb Gott teils wundersame Geschichten
  • Elija versorgte er übernatürlich
  • Jona ließ er mithilfe eines Wals am Leben
  • Jesus tat Wunder um Wunder
  • die Jünger taten Wunder um Wunder
  • die größte Bekundung des göttlichen Innovationswillen geschah am ersten Ostermorgen, als er Jesus von den Toten auferweckte
  • die Apostel gründeten etwas Neues, was sie „die Gemeinde“ nannten
  • bis heute hört Gott nicht auf, mit seinem Willen zu bezeugen: er liebt Innovation

Innovation im Rahmen der Kirche trägt in sich eine zutiefst göttliche Verheißung, weil Gott selbst Innovation möchte.

Gott möchte nicht, dass seine Gemeinde, seine Braut, sein Leib, seine Kirche nur irgendwie daherkommt und ihr Dasein fristet. Nein, Gott liebt es, wenn seine Gemeinde, seine Menschen, für Innovation stehen, weil sie verstanden haben:

Ohne Innovation geht eine Kirche zugrunde.

Lass dich nicht entmutigen! Nicht jede Innovation zündet sofort. Aber keine Innovation ist auch keine Lösung. Lass dich nicht davon abbringen, sondern bleib dran.

Analysiere die Situation, bete und kommuniziere mit dem Heiligen Geist, umgib dich mit einem inspirierenden Team – und dann leg los. In Theorie und Praxis!


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Meine TOP 5 Podcasts

Wer auch immer den Podcast erfunden hat: Ein großes Dankeschön! Ich höre liebend gerne Podcasts: Beim Sport, im Auto oder einfach unterwegs, wenn ich ein wenig Inspiration benötige.

Ich will dir hier meine 5 Lieblingspodcasts vorstellen….ok, eigentlich sind es 6 – aber Nr. 6 läuft sozusagen außer Konkurrenz. Wenn du siehst, welcher Podcast es ist, wirst du wissen, warum dem so ist.

1Predigten aus der „Willow Creek Community Church“

Wenn du meinen Blog schon eine Weile verfolgst, dann hast du festgestellt, dass ich mich sehr gerne von der „Willow Creek Community Church“ inspirieren lasse.

Vor allem von den Predigten, die immer häufiger von Steve Carter gehalten werden, aber immer wieder auch von Gründer und (noch) Senior Pastor Bill Hybels.

Klar – auf englisch. Das mag den ein oder anderen vielleicht ein wenig abschrecken, aber ich kann dir versichern: Die Predigten sind im Normalfall in absolut verständlichem Englisch gehalten und vor allem sind sie zutiefst inspirierend und ermutigend.

https://itunes.apple.com/us/podcast/podcast-willow-creek-tv/id327828246

2Carey Nieuwhof Leadership Podcast

Carey Nieuwhof ist Gründer und Teaching Pastor der Connexus Church in Ontario (Kanada) und ich verfolge seinen Blog und Podcasts schon einige Jahre. Ebenso habe ich einige seiner Bücher gelesen und mir zwei Leiterschafts-Onlinekurse von ihm gekauft, wobei ich noch nicht durch bin mit den Kursen…

Im Regelfall interviewt Carey Nieuwhof in seinem Podcast eine Leiterin oder Leiter zu einem bestimmten Thema.

Zusätzlich gibt es auf seiner Homepage zu jeder Podcast-Episode eine Seite, auf der Links und teilweise Dokumente stehen, von denen während des Podcasts gesprochen wird. Ebenso gibt es eine Mini-Zusammenfassung der jeweiligen Episode. Dadurch ist der Mehrwert natürlich nochmal höher. Absolute Empfehlung!

Carey Nieuwhof Leadership Podcast

3Predigten aus dem ICF Zürich

Wie gut, dass es die Predigten aus dem ICF Zürich auch auf deutscher Sprache und nicht nur auf „Schwyzerdütsch“ gibt, auch wenn ich nach fast drei Jahren an der Schweizer Grenze das meiste inzwischen verstehe.

Ich liebe diese Predigten – vor allem von Leo Bigger – vor allem aus drei Gründen.

1. Sie sind absolut alltagsrelevant. Keine abstrakten Abhandlungen über irgendwelche theologischen Themen, sondern Predigten, welchen meinen Glauben im Alltag befeuern.

2. Die Predigten sind unglaublich kreativ. Nicht selten kommt es vor, dass ich beim Hören der Predigt denke: „Das will ich sehen“ und zuhause dann den Video-Podcast anschaue, um zu sehen, wie die kreativen Elemente genau aussahen.

3. Entgegen landläufiger Meinung sind die Predigten theologisch tief und fundiert – sicherlich nicht jedermanns Sache und nicht jeder kann immer 100% theologisch-wasserdicht predigen – ich auch nicht. Aber man spürt den Predigten ab, dass jede Menge Arbeit dahinter steckt. Das fasziniert mich sehr.

Podcast ICF Zürich

4Craig Groeschel Leadership Podcast

Craig Groeschel ist ein unglaublich inspirierender Pastor der „Life.Church“ in den USA.

Ich habe ihn das erste Mal 2010 in Karlsruhe auf dem Willow CreekLeitungskongress gehört (ein kurzer Ausschnitt seines Vortrags) und war total fasziniert von seiner sehr klaren Message, woraufhin ich dann begeistert sein Buch „Unwiderstehlich. Das Geheimnis anziehender Gemeinden“ las.

Sowohl inhaltlich als auch rhetorisch ist Craig Groeschel ein ziemlich „schnörkelloser“ Redner – aber gleichzeitig sind seine Worte und seine Art absolut liebenswert und sympathisch. Ein wunderbares Beispiel für mich, wie man klar und deutlich aber dennoch voller Wertschätzung und Liebe kommuniziert.

Übrigens: Es ist genau diese Gemeinde, welche die „YouVersion„-App – eine richtig gute Bibel-App für Smartphones und Tablets – entwickelt hat. Über diese App habe ich in meinem Artikel „Meine TOP 5 Apps als Leiter“ geschrieben.

https://www.life.church/leadershippodcast/

5Predigten von Joseph Prince

Oha. Ich sehe schon, wie der ein oder andere sich jetzt verwundert die Augen reibt.

Was? Joseph Prince? Echt jetzt? JA!

Zugegeben: Er ist auf Platz 5 der Podcasts. Aber dennoch: Seine Predigten sind unglaublich erfrischend, auch wenn ich sie nicht jedem vorbehaltlos empfehlen würde. Der Begriff „Wohlstandsevangelium“ ist ein großes Wort, das viele schon inflationär verwenden und ich kann nicht allem, was Prince predigt aus ganzem Herzen zustimmen. So what? Er meinen Predigten sicher auch nicht – ok, gut. Er hört sie sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch nicht an.

Und doch: Die unendliche Gnade Gottes und die Fülle seines Segens und Reichtums, worüber Prince nicht müde wird zu predigen, tun nicht einfach nur gut. Es geht viel mehr als nur um Wellness für die Seele. Es geht darum, sich immer wieder vor Augen zu rufen, dass Gott ein GUTER Gott ist und ein LIEBENDER Vater – und das ganz tief ins Herz seiner Zuhörer zu schreiben, ist Joseph Princes tiefes Anliegen – und das finde ich gut.

https://www.josephprince.org/broadcast/podcast

6Predigten aus der evangelischen Kirchengemeinde Wutachtal

Ok, jetzt weißt du, weshalb Podcast Nr. 6 ein wenig außer Konkurrenz läuft, denn diesen höre ich mir weniger an – es sei denn, der Prediger vom Sonntag war nicht ich, sondern mein Kollege oder ein Gastprediger. Ansonsten kenne ich die Predigt ja schon…

Aber wer weiß: Vielleicht hast du Lust, den Podcast zu abonnieren

https://itunes.apple.com/de/podcast/evangelische-kirchengemeinde-wutachtal-predigten/id1196289507

https://www.podcast.de/podcast/616631/

https://wutachblick.de/predigten-2/


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Das Leben in der Sackgasse

Sackgasse. Es geht nicht vorwärts, es geht nicht rückwärts. Du steckst fest. So kommt uns unser Leben manchmal vor. Und dann?

1Was Gott mit dir vorhat

Wusstest du schon, dass der Gott, der Himmel und Erde gemacht hat dich unendlich liebt? Ok, wenn du es schon wusstest, schadet es nicht, das wieder zu hören.

Egal, wo du in deinem Leben gerade stehst: Gott hat Großartiges mit dir vor! Ich schreibe bewusst nicht „Großes“, da wir meinen, das immer schnell messen zu können, bewerten zu können, uns anfangen zu vergleichen – und dann nimmt das Dilemma seinen Lauf.

Etwas „Großartiges“ kann auch – nach menschlichem Maß-Empfinden – etwas Kleines sein, das aber eine große Wirkung hat. Gott hat Großartiges mit dir vor, weil es göttlich ist, was er mit dir vorhat.

Auch wenn du das im Moment vielleicht gar nicht von dir denkst, weil dein Leben genau dort drin steckt, was das Thema der Predigt war: in einer Sackgasse.

2Die Sackgassen des Lebens

In der Predigtreihe „Vom Traum zur Wirklichkeit – Lebe!“ schauen wir uns gerade das Leben von Josef im ersten Teil der Bibel an. Wenn du es nachlesen willst, dann empfehle ich dir die Lektüre ab 1. Mose 37.

Wir haben ihn in den letzten Wochen schon ein wenig begleitet und festgestellt: Gott legt Josef immer wieder ein paar Stolpersteine in den Weg. Manchmal stolpert er darüber (Stolz) und manchmal umgeht er diese Steine (Reinheit).

Nach einigen Aufs und Abs in seinem Leben, landet Josef vollkommen zu Unrecht im Gefängnis (nachzulesen in 1. Mose 39). Sein Traum scheint von der Wirklichkeit so weit entfernt zu sein wie der Osten vom Westen. Jetzt sitzt er da im Gefängnis. Eine Sackgasse. Er hat das Richtige getan – und das Falsche bekommen. Uns geht es manchmal genauso.

  • In der Schule lag es dir fern zu schummeln – im Vergleich zu deinen Klassenkameraden, die olympische Disziplin im Entwickeln einer Spickzettel-Strategie entwickelten. Und was war? Sie hatten die besseren Noten als du. Das Richtige getan, das Falsche bekommen.
  • In deiner Ehe ist irgendwie der Wurm und du investierst, wo und wie du nur kannst. Aber irgendwie geht es nicht vorwärts. Es stockt. Du fühlst dich wie in einer Sackgasse.
  • Am Arbeitsplatz verhältst du dich absolut korrekt, gibst dein Bestes und willst nur das Beste. Aber es geht nicht voran. Die Arbeit macht kaum Spaß, der Chef ist nicht wirklich wertschätzend und deine Kolleginnen und Kollegen machen dir das Leben auch nicht unbedingt leichter. Das Richtige gegeben – das Falsche bekommen. Sackgasse.
  • Du gehst in den Gottesdienst, liest deine Bibel und suchst die Gemeinschaft mit anderen Christen. Aber spürbar und sichtbar zu erleben scheint Gott nur im Leben der anderen. Nicht in deinem Leben. Sackgasse.

Es gäbe noch einige Beispiele – aber merkst du, wie schnell unser Leben in Sackgassen gerät? Und das fühlt sich nich gut an. Überhaupt nicht.

3Vorwärts leben, rückwärts verstehen

Ich liebe dieses Zitat meines Lieblings-Philosophen Sören Kierkegaard. Er hat absolut Recht. In den Sackgassen unseres Lebens verstehen wir die Welt, das Leben und auch Gott nicht mehr – geschweige denn unsere Mitmenschen.

Wenn wir in einer Sackgasse feststecken, fühlt es sich alles andere als gut an. Aber in den allermeisten Fällen sind es Momente, die wir im Rückblick als einen großen Gewinn erkennen. Das sind die Momente, in denen wir etwas „fürs Leben lernen“ – ähnlich wie in der Schule. Deine Lehrer haben das sicherlich auch immer wieder betont: „Non scholae sed vitae discimus! Wir lernen nicht für die Schule sondern für’s Leben!“

Sackgassen sind Lernmomente. Natürlich: Der Moment selbst fühlt sich leider nicht nach Lernen sondern eher zum Würfelhusten an. Keine Frage. Aber in diesem Momenten des Lebens gilt das, was der Apostel Paulus an die Gemeinde in Rom schreibt und wir in Römer 5, 3-5 lesen können:

Wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

4Im 4-Schritt aus der Sackgasse

Paulus weiß, wovon er redet. Er hat in seinem Leben und Dienst jede Menge Sackgassen erlebt. Mit einem 4-Schritt will er uns helfen, aus der Sackgasse herauszukommen – und diese aber zunächst anzunehmen und zu sehen, wie Gott darin wirkt.

Der erste Schritt ist die Sackgasse selbst. Paulus nennt es „Bedrängnis„, die sowohl eine äußere Not als auch ein innerer Schmerz sein kann. Momente, in denen die äußeren Rahmenbedingungen einfach nicht passen: Krankheit, finanzielle Not, schlechte Bedingungen bei der Arbeit oder in der Schule und vieles mehr.

Jesus selbst hat zeitlebens Bedrängnis erlebt: Sowohl als inneren Schmerz als auch als äußere Not. Letztere ist offensichtlich, wenn wir nur an die Kreuzigung und die damit verbundenen Qualen denken. Einen inneren Schmerz hatte er zeitlebens. Ständig die Auseinandersetzungen mit den Frommen der damaligen Zeit. Dann der Blick auf die Menschen und ihre Not, die ihn sogar weinen ließen (als Lazarus gestorben war). Aber auch die Ablehnung, die er durch Menschen erfahren hat.

Warum sollte es also denen, die sich nach Christus nennen, die Christen, besser gehen als ihrem Herrn und Meister? Bedrängnisse (=Sackgassen) gehören zu unserem Leben dazu. Das finden wir nicht gut – aber können es nicht ändern.

Der Modus, in dem wir diese Sackgassen aushalten sollen, ist die Geduld. Der zweite Schritt. das griechische Wort, das hierfür gebraucht wird (Hypomone) bedeutet soviel wie „Etwas aushalten“ oder „Darunter bleiben“ oder auch „trotzig standhalten“. Also alles andere als „Hände in den Schoß und das Schicksal passiv ertragen“. Vielmehr bedeute es: Gott vertrauen, auf ihn hören und Großes von ihm erwarten.

Im ersten Teil der Bibel wird berichtet, wie das Volk Israel aus Ägypten nach generationenlanger Sklavenarbeit in die Freiheit kam. Sie standen vor dem Schilfmeer, hinter ihnen die Wüst und am Horizont konnten sie schon sehen, wie das ägyptische Heer ihnen nachjagte. In diesem Moment wussten die Israeliten noch nicht, dass Mose das Meer durch Gottes Kraft gleich teilen wird. Sie konnten lediglich wählen zwischen „Ertrinken“ oder „Ermordet werden“. Keine schöne Aussicht.

Mose hadert mit Gott und geht mit ihm ins Gebet. Da sagt Gott ein Wort zu Mose, das er dem Volk ausrichten soll. Dieses Wort beschreibt den zweiten Schritt, die Geduld, perfekt.

Der HERR wird für euch streiten und ihr werdet stille sein.
(Die Bibel, 2. Mose 14,14)

Das bedeutet „Geduld“. Warten, beten, hoffen, auf den Heiligen Geist hören, aushalten, mutig sein, trotzig sich der Sackgasse entgegen stellen. Das alles in dem Wissen: Gott selbst streitet für mich!

Ich glaube: Das müssen wir neu lernen. In einer Zeit, in der alles sofort sein muss auch mal innezuhalten, zu warten, zu hoffen, zu beten. Gott streitet für dich!

Und das lässt uns in den dritten Schritt hineinwachsen, der gleichsam der brutalste Schritt ist – die Bewährung. Das ist der Moment, in dem du trotz aller Geduld, allen Aushalten und Standhaltens dich fragst:

  • Kann das alles wahr sein?
  • Kann ich Gott wirklich vertrauen?
  • Stimmt das, was in der Bibel steht?
    • Gott heilt auch heute noch – aber warum nicht mich?
    • Jesus sagt, er ist bei uns alle Tage bis an das Ende der Welt. Aber wieso spüre ich ihn dann gerade nicht?
    • In den Psalmen steht doch, dass ich mit Gott über Mauern springen kann (). Wieso fühlt es sich aber so an, als ob ich gegen eine Wand renne?

Du hast den Eindruck: Es geht weder vorwärts noch rückwärts. Es bewegt sich nichts. Dann habe ich eine unglaublich gute Nachricht für dich – und das ist gleichsam der letzte der 4 Schritte – die Hoffnung:

5Gott geht mit – in die Tiefe

Wenn es nicht mehr vorwärts und nicht mehr rückwärts geht, dann geht Gott mit dir in die Tiefe!

In solchen Momenten der Sackgasse frage dich nicht: „Was habe ich falsch gemacht?“ Vielleicht hast du gar nichts falsch gemacht! Dann ist das definitiv die falsche Frage!

Frage dich in solchen Momenten lieber anderes:

  • Was willst du, Gott, mir sagen?
  • Welchen Weg gehst du mit mir?
  • Hast du womöglich etwas vor, das ich noch gar nicht vor Augen habe?

Sei dir sicher: Wenn dein Leben sich so anfühlt wie eine Sackgasse, dann geht Gott mit dir in die Tiefe!

Er geht mit dir in die Tiefe, die du empfindest und in der du dich gerade fühlst. Er geht mit dir, er verlässt dich nicht, er bleibt an deiner Seite! Punkt!

Er geht aber gleichzeitig noch in eine weitere Tiefe mit dir: In die Tiefe seiner Liebe und Gnade über dich und dein Leben! Er wird eure Beziehung noch tiefer und fester gründen, als du es dir jemals hast vorstellen können!

Wirf dein Vertrauen nicht weg! Wohin sonst sollten wir uns wenden, wenn nicht an Jesus?

Nicht einmal der Tod konnte ihn festhalten – was soll sich ihm dann noch in den Weg stellen? Weder deine Schuld noch dein Versagen, weder deine Unzulänglichkeiten noch deine Fehler (die du so wahrnimmst). NICHTS! Nichts kann dich trennen von seiner Liebe – auch keine Sackgasse.

Denn in dieser geht Gott mit dir in die Tiefe und macht dich wieder lebendig.

Er schenkt dir neuen Mut!

Er verändert dein Leben!

Werft nun eure Zuversicht nicht weg! Es wird sich erfüllen, worauf ihr hofft. (Die Bibel, Hebräer 10,35)


Dieser Beitrag ist die Zusammenfassung eines Teils meiner Predigt vom 11. Februar 2018. Diese kannst du dir als Podcast oder auf der Homepage unserer Gemeinde anhören.

https://wutachblick.de/predigten-2/ // iTunes // podcast.de


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Hoffnungsmorgen

16 literarische Berichte vom Ostergeschehen. Das größte Wunder der Weltgeschichte aus neuen und überraschenden Perspektiven.

So steht es auf der Rückseite von „Hoffnungsmorgen“. Und es stimmt. Durch diese 16 außergewöhlichen und individuellen Kurzgeschichten wird unser Verständnis von den Geschehnissen rund um den Verrat, die Kreuzigung und die Auferstehung Jesu ungemein inspiriert.

Simon von Kyrene

Hoffnungsmorgen
Hoffnungsmorgen

Hey Wirt! Schenk nochmal ein!

Ja, ja, mach ruhig richtig voll. Randvoll. Los, nicht so schüchtern. Oder denkst du, ich kann nicht zahlen? 

Was hast du denn? Ist es, weil ich schwarz bin? Weil ich aus Kyrene komme? Weil ich anders aussehe als ihr? 

Hör mal: Ich zahle meine Steuern genau wie jeder hier. Und meine Söhne, Alexander und Rufus, die blechen auch. Und wie! Und sie gehen jeden Tag auf den Acker. Wie ich, Simon. Ja, wir sorgen darf, dass ihr…dass ihr alle was zu fressen habt. 

Vergiss es.
Pass auf! Hier! Hier ist eine Münze.
Als hör auf, mich so belämmert anzugucken, und gib mir noch was von dem Wein. 

Du, ich mag es nicht, wenn man mich so anstarrt. Was hast du denn?
Ach so…
Ist es wegen des Bluts auf meinem Gewand?
War mal…hab ich etwa auch Blut im Gesicht?
Scheiße, ich bin ja überall total verschmiert. Warum sagt mir das denn keiner? (Hoffnungsmorgen, S. 30)

So oder so ähnlich lesen sich diese kleinen Einblicke in die (jüdische) Welt, wie sie war, als Jesus gekreuzigt wurde.

Ein bunter Strauß an Kurzgeschichten

Auf ganz unterschiedliche Weise vermitteln verschiedene Autorinnen und Autoren einen Blick in die Lebenswelt der Menschen damals. Die Erzählungen des Neuen Testamentes dienen als Vorlage und werden farbenfroh und bildlich ausgeschmückt.

Zu lesen gibt es unter anderem einen Brief von Pontius Pilatus an seinen Neffen Marcus, einen Brief Marias an Elisabeth oder auch Tagebuch-Einträge des Jüngers Thomas.

Petrus schildert in der Retrospektive, wie er die Nacht des Verrats und seiner unrühmlichen Rolle erlebt hat, Kleopas (einer der beiden Emmaus-Jünger) schreibt einen Brief an Thomas.

So unterschiedlich die Autoren sind, so unterschiedliche sind diese Kurzgeschichten in „Hoffnungsmorgen“. Fabian Vogt, Christina Brudercke, Christoph Zehendner, Albrecht Galle und andere schaffen es, die Geschehnisse, die uns im Neuen Testament recht sachlich berichtet werden, vor Augen zu malen. Dadurch beginnen Orte und Menschen zu leben. Und irgendwie wird der Leser mit hineingenommen in diese erste Karwoche.

Gelungene Interpretationen

Für mich als Theologen ist es natürlich besonders spannend zu lesen, wo die Autorinnen und Autoren die ein oder andere theologische Aussage „versteckt“ haben. Oder auf Grund der jüdischen Geschichte dem Leser die ein oder andere Auslegung der damaligen Zusammenhänge präsentiert. Sehr spannend, sehr gelungen.

Natürlich variiert die Qualität der Kurzgeschichten ein wenig und manchmal braucht’s eine wenig, um vom einen Schreibstil des einen Autors in den des anderen hineinzukommen. Auf der anderen Seite macht genau das dieses Buch auch so ansprechend – die Vielfalt.

„Hoffnungsmorgen“ kann ich jedem empfehlen, der das Ostergeschehen sich noch besser vorstellen möchte – bspw. was es für die Menschen damals, die Jünger von Jesus oder auch Pontius Pilatus bedeutet haben könnte.

Empfehlen kann ich dieses Buch aber auch jedem, der noch auf der Suche ist nach Inspiration für die Passions- und Osterzeit, für Gottesdienste und Andachten, da sich einige Texte sicherlich auch wunderbar eignen, um die Gemeinde zu inspirieren und auf eine kleine „Zeitreise“ mitzunehmen.

Infos:
128 Seiten
12,00 EUR
ISBN: 978-3-86506-935-1
Brendow-Verlag

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Danke, Willow Creek!

Vom 8. bis 10. Februar fand in den Westfalenhallen Dortmunds der Willow Creek Leitungskongress statt. Über 10.000 Leiterinnen und Leiter versammelten sich, um zu lernen. Ein großes Zeichen der Hoffnung.

Ein Schatz an Inspiration

Für mich persönlich war es einer der besten Leitungskongresse überhaupt. Warum? Bisher gab es für mich bei jedem Leitungskongress ein, zwei Vorträge, die ich rein subjektiv nicht sonderlich ansprechend fand. Dieses Jahr war es ganz anders. Jeder einzelne Vortrag war für mich ein Schatz an Inspiration und Werkzeugkiste schlechthin, um „die beste Gemeinde zu bauen“.

Da sprach ein weltweit führender Hotelmanager (Horst Schulze) darüber, wie er seine Kunden zufrieden stellt. Der Transfer auf die Gemeindearbeit fiel dabei nicht schwer und öffnete mir die Augen darüber, inwiefern wir eine „gastfreundliche Gemeinde“ sind – oder eben nicht.

Einer der führenden Experten in Führungsfragen (John C. Maxwell) sprach darüber, wie wir noch wertschätzender sein können und jedem einzelnen Menschen und Mitarbeiter in der Gemeinde Wertschätzung entgegenbringen können.

Thomas Härry (Dozent für Neues Testament und Leiterschaft) sprach darüber, was es heißt, sich selbst zu führen. Unbequeme Wahrheiten, die er da aussprach – aber diese anzugehen würde jeden einzelnen zu einer besseren Führungsperson machen.

Ein Psychologe (Henry Cloud) sprach darüber, wie wichtig es ist, gesunde Beziehungen zu haben und zu pflegen. Er sprach über die Notwendigkeit der Gemeinschaft und darüber, wie viel uns andere Christen geben können und wie wichtig es ist, nicht als Einzelkämpfer unterwegs zu sein.

Und Bill Hybels selbst sprach unter anderem darüber, wie wichtig es ist, meine „heilige Unzufriedenheit“ zu entdecken und gegen diese etwas zu unternehmen. Und er hatte noch eine Botschaft im Gepäck: Das Wichtigste, das wir auf dieser Erde tun können, ist den Menschen den Gott vorzustellen, der sie liebt.

Viele weitere Vorträge waren ungemein inspirierend.

…für die „Hoffnung der Welt“

Ich möchte der Willow Creek Community Church, der Willow Creek Association und Willow Creek Deutschland DANKE sagen.

DANKE, dass…

  • …das Abenteuer dieses Leitungskongresses euch nicht abgeschreckt hat.
  • …ihr in unzähligen Stunden diesen Kongress geplant und durchgeführt habt.
  • …ihr das finanzielle Risiko nicht scheut, solch einen Kongress auf die Beine zu stellen.
  • …man es euch abspürt: Es geht nicht um Willow, sondern darum, dass jede Leiterin und jeder Leiter besser wird.
  • …ihr die Weite der Gemeinde Jesu im Blick habt und ganz unterschiedliche Referentinnen und Referenten zu Wort kommen.
  • …dieser Kongress einmal mehr auch eine unglaublich große geistliche Tiefe hatte.
  • …ihr solch einen Kongress hoch professionell und zugleich absolut authentisch durchführt.
  • …ihr die Hoffnung nicht aufgebt, dass die Gemeinde Jesu Zukunft hat und es sich lohnt, in Leiterinnen und Leiter zu investieren.

Solch einen Leitungskongress zu planen, vorzubereiten und durchzuführen ist ein riesengroßes Unterfangen und Abenteuer. Aber es lohnt sich. Ich bin mir sicher, nicht der einzige zu sein, der voller Leidenschaft, Feuer und Inspiration nach Hause gefahren ist und viele gute Gedanken und Inputs mitbekommen hat für die Arbeit in der Ortsgemeinde. Denn diese ist – da wird Bill Hybels nicht müde es zu betonen – die Hoffnung der Welt.

Wenn jeder Kongressteilnehmer auch nur ein, zwei Dinge umsetzt, die ihn in seiner „heiligen Unzufriedenheit“ am meisten berührt haben auf dem Kongress, werden wir auch die besten Gemeinden bauen – nicht nur die besten Autos, wie Bill Hybels treffend sagte.

An dieser Stelle möchte ich auf zwei Blogbeiträge von Regine Born und Corinna Schubert hinweisen. Die beiden spielen Champions League, was „Visual Notes“ betrifft. Was das ist? Ganz einfach: Vorträge schreibst du nicht mit, sondern „skizzierst“ sie mit. Unfassbar exzellent, was die beiden da auf Papier bringen. Und das Schöne: Sie bieten ihre Visual Notes vom gesamten Kongress als PDF zum Download an. Neugierig? Klick dich rein. Du wirst staunen – und es wird dir ein super Tool zur Nacharbeit des Kongresses sein:

»Herzschrittmacher«

Willow Creek Leitungskongress 2018

 

Ich freue mich jetzt schon, dass in zwei Jahren der nächste Kongress stattfinden wird – und dann auch noch ganz in der Nähe, nämlich in Karlsruhe. Bis dahin sage ich aus tiefstem Herzen:

Danke, Willow Creek! Ihr seid eine großartige und einzigartige Quelle der Inspiration!


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Meine TOP 5 Apps als Leiter

Es gibt eine Sache, die ich nicht wirklich verstehe. Sie ereignet sich immer dann, wenn Menschen voller Überraschung mich entweder mit dem iPhone etwas Dienstliches erledigen sehen oder wenn sie die Homepage unserer Gemeinde (www.wutachblick.de) aufsuchen.

Die Kommentare, die ich dann zu hören bekomme, wiederholen sich in unregelmäßigem Abstand und lauten ungefähr:

  • „Sie Sind Pfarrer und benutzen ein Smartphone?“ Diese Frage wird unterstrichen mit einem Ton der Fassungslosigkeit und als ob mein Gegenüber sich gleich lieber hinsetzen müsse, um nicht in Ohnmacht zu fallen.
  • „Ich habe mir eure Seite angeschaut – die ist ja echt mal modern.“ Eigentlich wollte mein Gegenüber noch hinzufügen: „….das ist man gar nicht gewohnt von Kirche.“ Aus unerklärlichen Gründen tat er es aber nicht.
  • „Und ich dachte immer, Pfarrer lesen nur die Bibel und sind von gestern.“ ….naja. Kein Kommentar.

Ich karikiere nicht. Ich überspitze nicht. Das sind alles Reaktionen, die ich selbst so erlebt habe.

Für mich ist das alles andere als „schmeichelnd“. Für mich ist das eher ein Armutszeugnis für Kirche im digitalisierten Zeitalter. Ich bin knapp 40, lebe im 21. Jahrhundert, habe ein Faible für Technik. Wieso um alles in der Welt soll das also nicht auch für meinen Dienst als Pfarrer und Leiter gelten?

Im Gegenteil: Wenn ich eine „Kirche von heute“ leiten und voranbringen möchte, dann muss ich doch auch unweigerliche die Wege und Methoden „von heute“ nutzen. Und eben nicht die Methoden und Wege von gestern – es fährt ja auch keiner mehr mit Kutsche zur Arbeit.

Ich möchte dir im Folgenden 5 Apps vorstellen, die für mich im Alltag als Pfarrer und Leiter unverzichtbar geworden sind. Vielleicht kennst du einige schon, vielleicht ist es dir auch eine Inspiration. Mir erleichtern sie die Arbeit enorm.

Die Reihenfolge ist nicht priorisiert.

1Evernote

Diese App habe ich schon vor vielen, vielen Jahren installiert gehabt, bin irgendwie nicht damit klargekommen, habe sie nie wirklich genutzt, bin dann auf einen „Evernote-Leitfaden für Pastoren“ von Ron Edmondson gestoßen – und dann hat die App aber mal so richtig gezündet.

Im Prinzip ist Evernote Notizbuch, Ablage, Linksammlung und Materialspeicher in einem. Dort schreibe ich alle Notizen von Meetings, Seminaren, Predigtvorbereitungen oder Gedanken, die mir spontan kommen, in Notizen auf. Diese Notizen lassen sich dann in verschiedenen Notizbüchern sammeln. Ich habe momentan 1.038 Notizen und vollkommene Ordnung in der Ablage.

Zu den Notizen kann ich Dateien anhängen und habe bspw. für ein Meeting alles Nötige an einem Platz: Tagesordnung, Protokoll des letzten Males, Anhänge („Tischvorlagen“) und meine eigenen Notizen.

Mega praktisch ist der so genannte „Web Clipper“ für die Desktop-Variante, eine kleine Browser Extension, durch die ich mit einem Klick eine Internetseite (bspw. einen inspirierenden Blogbeitrag) in einem beliebigen Notizbuch als Notiz sammeln kann. So habe ich inzwischen schon fast eine kleine „Bibliothek“ an Artikeln rund um das Thema „Führung und Leitung“ – funktioniert auch mit dem iPhone einwandfrei. Hier ist nicht einmal eine extra App nötig.

Das Schöne: Einmal installiert, synchronisiert die App sowohl auf dem MacBook, iMac als auch auf dem iPhone – also alle Daten überall zugänglich.

2Trello

Die jüngste App in meiner Sammlung – zumindest was meine Verwendung betrifft. Wir sind als Team in der Gemeinde erst vor einigen Monaten auf Trello gestoßen, als wir überlegt haben, wir wir die Zusammenarbeit im Pfarramt mit zwei Sekretärinnen und drei Hauptamtlichen und projektbezogen mit x Ehrenamtlichen verbessern können.

Wir haben einige andere Apps ebenso getestet, sind aber bei Trello geblieben und es hat sich als die richtige Entscheidung herausgestellt. Mit Trello kannst du wunderbar Projektarbeit und Teamarbeit optimieren. Innerhalb eines „Boards“, das für ein Team erstellt wird, gibt es unzählige Möglichkeiten, die Arbeit auf Karten und Listen abzubilden, Aufgaben zuzuweisen, Dateien hochzuladen, Checklisten anzulegen und Fälligkeitsdaten festzulegen.

Sowohl die allgemeine Arbeit innerhalb einer Gemeinde, als auch Projekte wie bspw. evangelistische Events, eine Langzeit-Leiterschulung oder einfach auch das nächste Team-Meeting kann hiermit perfekt vorbereitet, ausgewertet, parallel zum Vollzug dokumentiert und anschießend archiviert werden.

Trello läuft browserbasiert, aber sowohl für den Computer als auch für Smartphones/Tablets gibt es eine sehr ausgereifte App.

3Wunderlist

Die vielleicht bekannteste meiner fünf Apps. Wunderlist ist auf den ersten Blick eine klassische GTD-App oder auch einfach eine To Do-App – aber in meinen Augen kann sie weit mehr, da sie auch kollaborativ genutzt werden kann, da ich mich für diese Arbeitsweise aber für Trello (siehe oben) entschieden habe, will ich diese Funktionen hier gar nicht betrachten, auch wenn ich sie schon getestet und wirklich für gut empfunden habe.

Ich nutze Wunderlist in der Tat als klassische GTD-App (Getting Things Done). Dabei ist das Schöne, dass man unterschiedliche Listen anlegen kann, in die man seine To Dos einsortiert. Diese sind natürlich terminierbar, was für mich das A und O ist. Oft fallen mir in Meetings oder bei verschiedenen Vorbereitungen Dinge im Blick auf (andere) Projekte ein, die „zu tun sind“. Dann schreibe ich sie schnell in Wunderlist, terminiere die To Do auf den Tag, an dem mich die App erinnern soll – und ich habe die Sache aus meinen Gedanken und kann mich den eigentlichen Aufgaben widmen.

Besonders sinnvoll und hilfreich finde ich die Möglichkeit, Aufgaben wiederkehrend zu machen. Dass ich meine Predigt-Outline rechtzeitig an unsere Gottesdienstleitung und an das Lobpreisteam schicke, ist zwar schon irgendwie in „Fleisch und Blut“ übergegangen – aber dennoch bin ich froh, dass mich Wunderlist wiederkehrend daran erinnert.

Einziger Haken: Die App wird nicht mehr aktualisiert, da sie scheinbar von Microsoft „geschluckt“ wurde – für mich aber kein Beinbruch, da sie schon alle Funktionen beinhaltet, die ich benötige.

4Bibel-App

Diese App ist einfach sensationell und schlägt in meinen Augen alle anderen Bibel-Apps, die es so auf dem Markt gibt. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn entwickelt und stetig vorangebracht wird diese App von der Life Church von Pastor Craig Groeschel. Eine Gemeinde, die für inhaltlich klare biblische Lehre und gleichzeitig große Innovationskraft steht. Kein Wunder, wurde diese App schon über 300 Millionen mal installiert.

Ok, auch andere Bibel-Apps haben ihre Stärken. Und es ist sicherlich auch eine Frage nach der Verwendungsweise und den Bedürfnissen, die man an solch eine App hat. Die „youversion„-App überzeugt mich unter anderem auf Grund folgender Faktoren:

  • zeitgemäße Programmierung und Usability
  • Möglichkeit einer Community/Freundesliste
  • jede Menge Lesepläne, die eine große Hilfe sind, die Bibel für den Alltag anwendbar zu machen
  • neustes Feature: Lesepläne mit Freunden gemeinsam lesen und sich darüber austauschen
  • viele verschiedene Übersetzungen
  • „Vers des Tages“ als Push-Benachrichtigung auf den Sperrbildschirm
  • sehr, sehr viele Möglichkeiten, Bibelstellen zu markieren, zu bookmarken, zu taggen, zu kommentieren, zu teilen
  • ziemliche Garantie, dass die App stetig weiterentwickelt wird, da meines Wissens über 20 Mitarbeiter der Life Church nur für diese App zuständig sind

5Buffer

Man kann ja schon mal ein wenig durcheinander kommen im großen, weiten social media-Dschungel. Abhilfe leistet hier Buffer als „Social Media Management Platform“.

Mit dieser App – oder auch browserbasiert – kannst du deine verschiedenen Netzwerk-Profile von Facebook, Twitter, Instagram, Google Plus, LinkedIn und noch mehr managen. Das bedeutet aber nicht nur, dass du eine Oberfläche hast, sondern dass du im Handumdrehen den gleichen Content auf unterschiedlichen Plattformen teilen kannst.

Das Schöne obendrein ist: Du kannst deine Beiträge planen. Und das finde ich das eigentlich Nützliche, denn manchmal postet man schnell mal viel hintereinander, weil in der Gemeinde einfach so viel Bedarf an Öffentlichkeit ist. Dabei läuft man aber Gefahr, dass einiges an Information untergeht, weil die nächste Information schon wieder veröffentlicht wird. Umso besser, wenn du in aller Ruhe deine Beiträge in Buffer einpflegen und wählen kannst, auf welcher Plattform es erscheinen soll – und zu welchem Zeitpunkt. Darüber hinaus kannst du Intervalle je Plattform festlegen und Beiträge automatisch zu einer bestimmten Uhrzeit veröffentlichen.

Ich finde: Sehr, sehr praktisch und nützlich, wenn man die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde in den sozialen Netzwerken voranbringen möchte.

Vielleicht fehlen dem ein oder anderen in der Liste bekannte Dienste wie Doodle, Dropbox oder andere. Aber diese nutze ich nicht primär in der App sondern am iMac/MacBook oder auf der mobilen Seite im Browser. Denn inzwischen haben viele Dienste ihre mobile Browserseite extrem aufgebessert.

Wenn dir aber eine App fehlt, die du selbst nutzt und andere darüber wissen lassen möchtest – dann kommentiere doch einfach diesen Artikel. Ich habe mich bewusst auch nur auf 5 Apps festgelegt, damit es nicht zu „ausufernd“ wird. Aber die Apps 6,7,… können gerne in den Kommentaren erscheinen.

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