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Koran und Bibel

Das Wichtigste vorab: Ich empfehle jedem, der sich ernsthaft mit den beiden großen Religionen „Christentum“ und „Islam“ sowie deren Schriften „Bibel“ und „Koran“ beschäftigen möchte, dieses Buch nicht nur im Bücherregal zu haben, sondern auf dem Schreibtisch, Nachttisch – egal: Hauptsache griffbereit!

Dabei ist das Buch nicht neu, sondern inzwischen in der 7. Auflage erschienen, die jedoch um ein weiteres Kapitel erweitert wurde: „Die Bibel im Koran“.

Prof. Dr. Thomas Schirrmacher (www.thomasschirrmacher.info) ist ein Kenner auf seinem Gebiet und ein Experte rund um den Islam. Er promovierte in ökumenischer Theologie und ist heute Sprecher für Menschenrechte der Evangelischen Allianz, nimmt an vielen unterreligiösen Gesprächen teil und beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit dem Islam.

Mit diesem Buch hat er ein wunderbares Standardwerk geschaffen, das für den „normalen Leser“ – der eben nicht in Theologie, Kulturanthropologie und Vergleichender Religionswissenschaft zuhause ist wie der Autor – wunderbar zu lesen ist. Ich liebe es, wenn hochintelligente Menschen, die auf einem bestimmten Gebiet bewandert sind wie kaum jemand anderes, es schaffen, ihre Bücher so zu schreiben, dass sie verständlich sind auch ohne diese Fächer studiert zu haben.

Schirrmacher nennt zu Beginn des Buches einige Voraussetzungen und „Auslassungen“. Auf 160 Seiten ist es schlichtweg nicht möglich, Bibel & Koran bzw. Christentum & Islam erschöpfend zu behandeln und miteinander zu vergleichen und in Beziehung zu setzen. Insofern trifft er Entscheidungen, die nachvollziehbar und plausibel sind und auf denen sein Buch aufbaut.

In vier großen Kapiteln wird der Leser in die weite Welt des Korans und der Bibel und vor allem in ihre Gegenüberstellung einbezogen:

  1. Bibel und Koran als „Gottes Wort“: das Offenbarungs- und Inspirationsverständnis
  2. Das Verhältnis zu Gott, wie es durch sein Wort entsteht
  3. Die Bibel im Koran
  4. Hilfen zum Weiterarbeiten

Jedes Kapitel (vor allem die ersten beiden) ist wiederum in viele kleine Abschnitte unterteilt, zu deren Beginn sozusagen die Quintessenz zur Bibel und zum Koran im Blick auf die zu behandelnde Frage steht. Das macht es dem Leser unglaublich einfach, einen schnellen Überblick in ein so komplexes Thema zu bekommen. Ebenso sind Tabellen im Buch vorhanden, durch die man ganz schnell einen Überblick bekommt.

„Koran und Bibel“ ist alles andere als eine trockene Abhandlung und Auseinandersetzung mit den beiden großen Schriftreligionen. Es ist vielmehr ein ganz praktischer Ratgeber für den Umgang mit Menschen anderen Glaubens, der aber nicht nur „ein paar schlaue Tipps“ gibt, sondern fundierte Hintergründe zur Entstehung, zum Selbst- und Offenbarungsverständnis der jeweils Heiligen Schrift gibt sowie zum Gottesbild. Gerade letzteres scheint mir eine wahre Goldgrube zu sein, da auf sehr sachliche Weise die unterschiedlichen Gottesbilder zwischen Islam und Christentum dargestellt werden.

Mit seinem Buch „Koran und Bibel“ liefert Schirrmacher mehr als nur ein paar gedruckte Zeilen. Es ist sozusagen Standardwerk, Nachschlagewerk, Grundlagenbuch und Praxisbuch in einem. Dazu in verständlicher Sprache und in überschaubarer Seitenzahl. Hilfreich ist natürlich auch, dass das Buch nicht von vorne bis hinten gelesen werden muss, sondern durch einen Blick in das übersichtliche Inhaltsverzeichnis man schnell fündig wird, wenn man zu einer bestimmten Frage im Blick auf die beiden Religionen und ihr Verhältnis zueinander eine Antwort benötigt.

Persönlich finde ich es gerade deswegen auch gewinnbringend, da die gesellschaftliche und leider auch theologische Diskussion um das Verhältnis der beiden Religionen zueinander nicht gerade weiterführend ist, da oft Gemeinsamkeiten benannt werden, die bei genauerem Hinsehen – wenn man sich die Zeit denn nimmt – eben gar keine sind.

Wer sich aber die Zeit nimmt und in diesem Buch immer wieder stöbert, der wird vielleicht das erleben, was Schirrmacher in seinem Vorwort schreibt:

Ein ehrliches und offenes Gespräch, das gerade auch die Unterschiede offen legt, wo oberflächlich betrachtet Gemeinsamkeit zu sein scheint, wird zum einen von Muslimen selbst gewünscht, ja erwartet, und ist zum anderen auch der Ausgangspunkt wirklich tiefergehender Gespräche.

Koran und Bibel
Thomas Schirrmacher: Koran und Bibel. Die zwei größten Religionen im Vergleich

Verlag: SCM Hänssler

160 Seiten / 12,95 EUR

Entertainment und Heiligkeit

Für mich sind das die wesentlichen Bestandteile eines guten Gottesdienstes. Und gleichzeitig sind es vielleicht auch die Dinge, die in unseren Gottesdiensten landauf landab viel zu oft fehlen.

Ich weiß, dass man das pastoraltheologisch nun angreifen kann, vor allem wenn man gängige Bilder von Entertainment und Heiligkeit im Kopf hat. Aber dennoch:

Gottesdienst ist immer eine Mischung aus Entertainment und Heiligkeit. Kein Mensch will sich im Gottesdienst bewusst langweilen oder nur Alltägliches erleben.David Brunner

Ich kenne wirklich keinen Menschen, der von sich sagt: „Ich gehe jetzt in den Gottesdienst und freue mich schon so richtig darauf, mich zu langweilen.“ Leider kenne ich aber Menschen, die nach einem Gottesdienstbesuch genau das konstatieren müssen.

Genauso wenig möchte ein Mensch der heutigen Zeit einen Gottesdienst feiern und erleben, in dem ihm nur rein Alltägliches begegnet – das findet er nämlich an vielen anderen Stellen seines Lebens – im Alltag – auch und dazu bedarf es keines Gottesdienstes.

Zwei Gefahren

Legt man diese beiden Begriffe einem Gottesdienst zugrunde, bestehen sowohl im Blick auf Entertainment als auch im Blick auf Heiligkeit zwei große Gefahren, denen man ganz leicht erliegen kann.

Die Gefahr im Blick auf das Entertainment liegt darin, dass Gottesdienst zu einer reinen Show und einer billigen Unterhaltung wird. Es wird auf Effekte und das „Drumherum“ mehr Wert gelegt als auf den Inhalt. „Hauptsache die Show stimmt!“ Vielen freien Gemeinden und vor allem vielen Gemeinden, die in den letzten Jahren einen großen Zulauf haben, wird dies immer wieder unterstellt. Es mag an manchen Stellen gerechtfertigt sein – keine Frage. Aber nicht immer – und schon gar nicht pauschal.

Kleines Beispiel: Durch diverse Workshops, Training Days und Networkdays habe ich in den letzten Wochen und Monaten Einblick bekommen, wie das „ICF“ (www.icf.church) seine Gottesdienste konzipiert. Man muss nur mal diese Gemeinde googeln und findet sofort einschlägige Pauschalverurteilungen, denen ich überhaupt nicht zustimmen kann. Hier wird sehr viel Wert auf das „Entertainment“ gelegt – aber eben gerade nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel dafür, dass der Inhalt bestmöglich transportiert werden kann. Ich bin unglaublich dankbar, von dieser Kirche so viel lernen zu können!

Die Gefahr im Blick auf die Heiligkeit besteht darin, die Gottesdienste so alltagsfremd zu gestalten, dass es für „das Heilige“ keinen Anknüpfungspunkt mehr im persönlichen Leben und existentiellen Erleben des Gottesdienstes gibt. Bestes Beispiel hierfür sind Gottesdienste, die einem starren Ablauf (Liturgie) folgen, dessen Plausibilität sich nicht jedem Menschen der Postmoderne erschließt. Wohlgemerkt: Das ist keine Pauschalabrechnung mit liturgischen Gottesdiensten. Dort, wo der Gottesdienstbesucher sich bewusst ist, wozu die einzelnen liturgischen Elemente dienen, hat es seine Berechtigung, solange „das Heilige“ dadurch eine Konnektivität zum alltäglichen Leben herstellt.

Reale Alternative

Mit diesen Gedanken fühle ich mich ein wenig zurück versetzt in meine Zeit des Studiums und vor allem des Vikariats, als ich mich mit der Konzeption des Gottesdienstes beschäftigte und dabei unter anderem auch Ausführungen des Theologieprofessors Manfred Josuttis las. Er drückt es anders aus und meint sicherlich auch ein wenig anderes, aber dennoch finde ich folgende Aussage von ihm in diesem Zusammenhang bedenkenswert:

„Pfarrer und Pfarrerinnen führen in die Zone des Heiligen, die immer verborgen war, die in der modernen Gesellschaft verboten ist, weil diese Macht die einzig reale Alternative gegenüber den destruktiven Tendenzen des Mammonismus darstellt.“ Manfred Josuttis, Die Einführung in das Leben. Pastoraltheologie zwischen Phänomenologie und Spiritualität, Gütersloh 1996, S.20

Josuttis konstruiert dabei den Begriff des „Mystagogen“ für den Pfarrer/die Pfarrerin, der in meinen Augen überhöht ist, aber dennoch nicht ganz unberechtigt ist, da den Akteuren im Gottesdienst eine Rolle zukommt, die besonders ist. Sie sorgen nämlich für Entertainment und Heiligkeit.

Gottesdienste zu kreieren und zu konzipieren ist eine meiner großen Leidenschaften meines Berufes. Ich liebe es, mir über Gottesdienste und Predigtreihen Gedanken zu machen, sie zu inszenieren und zu arrangieren, dass Entertainment und Heiligkeit möglich sind. Letztlich habe ich es nicht 100% selbst in der Hand. Aber ich kann zumindest dafür sorgen, dass beides seinen Platz im Gottesdienst hat.

Konkretion für den Gottesdienst

Was heißt das nun konkret? Vor einiger Zeit unterhielt ich mich mit einem guten Freund, der auch Pfarrer ist, und wir kamen auf den Gedanken: „Würde ich eigentlich selbst meinen Gottesdienst besuchen?“ Gute Frage! Alle Vorbereitung eines Gottesdienstes sollte damit beginnen, dass ich auf diese Frage ein „Ja“ aus tiefstem Herzen finde. Sowohl das Thema des Gottesdienstes als auch die einzelnen Elemente müssen dafür immer wieder auf den Prüfstand und bedürfen einer fokussierten und intensiven Vorbereitung.

Transportieren die Lieder eine Message oder sind sie lediglich „Füllstoff“?

Wie werden die Übergänge zwischen den einzelnen Elementen des Gottesdienstes gestaltet? Das ist so entscheidend, denn hier geschehen die meisten Fehler und Brüche, so dass die Intensität und Dynamik des Entertainments und des Erlebens der Heiligkeit einen Sinkflug einnimmt.

Ist die Sprache der Predigt zeitgemäß und herausfordernd?

Beinhaltet der Gottesdienst lediglich Dinge, die ohnehin schon bekannt sind oder führt er den Gottesdienstbesucher in ein weites Feld der göttlichen Erfahrungsmöglichkeit?

Hier könnte ich nun viel schreiben über die konkreten Vorbereitungen und Planungen eines Gottesdienstes. Vielleicht geschieht das auch einmal – wer weiß. Aber solltest du in die Gestaltung und Durchführung von Gottesdiensten in deiner Gemeinde involviert sein, dann lege ich dir diese beiden großen Bereiche ans Herz und bitte dich, zu prüfen, inwiefern sie in deinen Gottesdiensten ermöglicht werden: Entertainment und Heiligkeit.

 


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Grillen mit Herz & Feuer

Zugegeben: Ich wollte wirklich möglichst neutral an dieses Buch herangehen – auch wenn es mir bei meiner Leidenschaft für’s Grillen und zumindest einem flüchtigen Kennen des Autors nicht leicht fiel.

Ich glaube aber, sagen zu können, dass dieses Buch wirklich – ob subjektiv oder objektiv – sehr zu empfehlen ist.

Grillen mit Herz & Feuer“ will eines (nach Aussage des Autors gleich zu Beginn des Buches):

Ich möchte Menschen für das Grillen und die Zubereitung auf dem Rost begeistern. Ich möchte auf die Vorteile von nachhaltigen und saisonalen Lebensmitteln aufmerksam machen. Und ich wünsche mir, dass viele Menschen Grillen als Gemeinschaft und soziales Miteinander erleben.

Und ich kann sagen: Alle drei Anliegen erreicht Dän Klein mit seinem Buch!

Auf den ersten Seiten gibt es einige allgemeine Informationen rund um’s Grillen, ein Basiswissen, das wirklich hilfreich ist: Die Eigenarten der unterschiedlichen Grills (Kugelgrill, Smoker, Tonnengrill,..), unterschiedlicher Kohlearten und einige Infos rund um das richtige Zubehör vom Thermometer bis zum Messer.

Jetzt fragen sich vielleicht manche, die bspw. die „Grill-Bibel“ des renommierten Grillherstellers „Weber“ kennen (ich habe sie auch gelesen), weshalb diese Informationen, dieses Basiswissen, sozusagen das Intro in „Grillen mit Herz & Feuer“ so besonders oder überhaupt lesenswert sind. Ganz einfach: Dän Klein schreibt verständlich und aus der Praxis und gibt in sehr einfacher Weise hier und da kleine Tipps weiter, die bei aufmerksamem Lesen sofort ins Auge stechen – bis hin zu Empfehlungen einzelner Produkte, ohne Schleichwerbung zu machen.

Dabei ist es nicht nur ein Weitergeben von Information, sondern ein Teilhabenlassen und Mithineinnehmen in seine große Grill-Erfahrung, die er als deutscher Vize-Meister der Grill-Profis (2013) zweifelsohne hat.

Das gilt genauso auch im Blick auf seine wertvollen Gedanken zur Frage nach dem richtigen Fleisch und der Nachhaltigkeit dessen, was und wie wir grillen. So schreibt Klein zu Beginn seines Buches:

Wenn wir uns wieder mehr um die Lebensmittel kümmern, die wir essen wollen, wissen wir auch immer besser, was da auf unserem Teller landet. […] Außerdem sollte man grundsätzlich saisonal einkaufen und essen, was gerade geerntet werden kann. So kommt Abwechslung ins Leben und auf den Esstisch. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Man stößt dadurch auf völlig neue Sorten und Grillmöglichkeiten.

Ebenso ermutigt Klein den Leser dazu, den Metzger des Vertrauens aufzusuchen und nicht das Fleisch beim Discounter zu kaufen. Sicherlich auch eine Preisfrage – aber lieber einmal weniger grillen, aber dafür mit Fleisch, dessen Herstellung nicht fragwürdig ist. Zudem ist „Bio“ nicht gleich „Bio“ – und manchmal muss gar nicht „Bio“ drauf stehen und das Fleisch ist wesentlich mehr „Bio“ als mit dem Label. Also – aufgepasst und den Metzger deines Vertrauens aufgesucht!

Nach wertvollen Gedanken zum Würzen und Marinieren folgen nach Fleischsorte kategorisierte Grillrezepte (zzgl. Gemüse- und Dessert-Rezepte). Und diese überzeugen mich aus verschiedenen Gründen:

  • Es sind Rezepte, die ich nicht schon in vielen anderen Grillbüchern gelesen habe.
  • Die Beschreibung der Rezepte ist verständlich und klar.
  • Dän Klein verzichtet auf exakte Gewichtsangaben beim Fleisch sowie auf exakte Minuten-Angaben beim Grillen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie korrekt das ist, weil kein Grill und kein Fleisch immer exakt gleich „reagiert“. Natürlich setzt dies zumindest ein wenig Grillerfahrung voraus.

Zu finden sind Rezepte wie die „Deppengaleere“, die Königsdisziplin des „Pulled Pork“ aber auch verschiedene Burger wie den Feta-Preiselbeer-Burger. Wie schon erwähnt geht es aber nicht nur um Fleisch, sondern auch um so leckere Dinge (wenn man’s mag…) wie gefüllten Kürbis.

Abgerundet wird das Buch durch Fotos der Rezepte, die einfach Lust machen, es auszuprobieren (was ich im Übrigen auch schon getan habe und es war sehr lecker und hat super funktioniert).

„Grillen mit Herz & Feuer“ ist nicht nur ein Buch. Es ist eine in Wort und Bild auf Papier gedruckte Leidenschaft, die man Dän Klein abspürt. Die Liebe zum Detail, die Liebe zum Grillen sowie die Liebe zum Leser und der Intention, Grillen als ein soziales Miteinander wider mehr zu fördern, gelingt durch dieses Buch mit Sicherheit.

Grillen ist mehr als Essenszubereitung. Grillen ist Leben und Leidenschaft – und genau das findet sich in diesem Buch wieder. Also – sollte es eine Fortsetzung, einen Teil II geben – ich freue mich jetzt schon drauf.

Dän Klein
Grillen mit Herz & Feuer
SCM Collection
ISBN: 978-3-7893-9794-3

Die Wissenschaft hat festgestellt…

Neulich saß ich in einem Vortrag zur Reformation – soweit nichts Unübliches im fulminanten Reformationsjubiläumsjahr 2017. Der Vortrag war an sich auch wirklich gut und inspirierend. Es ging um unterschiedliche Frömmigkeitsstile in der Reformation und wie die Menschen unterschiedlichen Standes ihren Glauben lebten.

Dann kam der Referent auch auf die Täuferbewegung zu sprechen, da es eine lokale Verbindung zu dem Thema gab. Ein Nebensatz von ihm hat mich dann doch sehr aufhorchen lassen (wohlgemerkt: er ist Theologe). Als es um Berichte von Taufen und Großereignissen im Neuen Testament ging, meinte er sinngemäß:

Nicht zu unrecht verbannen wissenschaftliche Theologen die Berichte von Massen-Events in der Apostelgeschichte in das Reich der Mythen.

Soso, dachte ich, was die Wissenschaft so alles feststellt.

Als ich gestern mit meinem Kollegen darüber sprach, kam uns der alte Gassenhauer „Die Wissenschaft hat festgestellt, festgestellt, festgestellt, dass Marmelade Fett enthält, Fett enthält. Drum essen wir auf jeder Reise, jeder Reise, jeder Reise Marmelade eimerweise, eimerweise“ in den Sinn.

…und wie es wohl wäre, wenn man mitten in solch einem Vortrag aufstehen und dieses Lied anstimmen würde? Sicherlich lustig – und ja, ok, auch ein wenig verwirrend, das gebe ich zu. Und doch sollte man es doch bekräftigend tun – warum auch nicht? Schließlich hat „die Wissenschaft“ ja festgestellt, dass – ja was eigentlich? Dass Passagen der Bibel ein Mythos sind? Dass die Bibel als solche entmythologisiert werden müsse? Dass man das alles mal schön im Kontext lesen solle und nicht so ohne weiteres in unsere heutige Zeit übertragen kann.

Was mich am meisten bei solch einer Aussage stört ist die Tatsache, dass es sich keine Organisation, kein Werk, kein Unternehmen leisten würde, wenn ein leitender Mitarbeiter öffentlich die „betriebsinternen Grundlagen und Vereinbarungen“ abstreitet und als obsolet bezeichnet. Wo würden wir da hinkommen?

Bei Kirchens ist das aber immer wieder möglich – und in meinen Augen auch mit ein Grund, dass Kirche da steht, wo sie gerade steht. Wir können uns viele Gedanken über Programmoptimierung, Zielgruppenangebote, Mitgliedergewinnung und Finanzverantwortung machen. Das alles bleibt aber nicht mehr als heiße Luft, wenn wir dem Leben und dem Wesen von Kirche ihre Grundlage entziehen und scheinbar nichts Besseres zu tun haben, als Aussagen der Bibel als überholt und „aus dem Reich der Mythen“ abstempeln.

Dabei geht es mir ja nicht einmal darum, dass Geschichten als solche nicht geglaubt werden. Viel wichtiger ist doch, dass dem Inhalt dessen, was da berichtet wird, die Glaubwürdigkeit entzogen wird.

Christen glauben nicht an die Bibel, nein – aber ihren Glauben leben können sie nur, weil sie dessen Inhalt aus der Bibel schöpfen – woher denn auch sonst? Und wenn man nun bspw. dem Bericht, dass Jesus 5.000 Menschen (und mehr) mit fünf Broten und zwei Fischen satt machte, keinen Glauben schenken kann – ja, wieso soll man dann überhaupt glauben können, was Jesus alles kann?

Wohlgemerkt: Wir sollen unseren Verstand einsetzen und mit diesem auch die Bibel lesen, wir sollen sie kritisch lesen – aber nicht, dass wir die Kritiker der Bibel sind, sondern dass die Bibel uns kritisieren darf.

Wir sollen wissenschaftliche Methoden anwenden, um die Bibel immer tiefer zu verstehen, sollten uns aber immer dessen bewusst sein, dass Menschen irren – Gott aber nicht.

Natürlich können wir zu unterschiedlichen Ansichten über Bibeltexte kommen. Aber wir sollten uns davor hüten, zu sagen: „Die Wissenschaft hat festgestellt“. Denn das würde implizit bedeuten, wer nicht dieser einen Auslegung zustimmt, arbeitet nicht wissenschaftlich. Wobei wir auch beim Thema Toleranz wären – aber das ist ein anderes Thema.

Seid doch einfach wieder Kirche!

Würde Luther heute oder Moll zur Zeit der Reformation leben – die beiden wären ein gutes Team. Sicherlich mag Luther mit seinen Thesen viele getroffen haben, was Molls Thesen aber fast noch sympathischer macht: Auch ich verstehe sie – im Gegensatz zu den „Original-Thesen“ des großen Reformators.

Molls „Seid doch einfach wieder Kirche“ ist ein Weckruf in 95 Thesen. Mal scharf und pointiert, dann wieder ausgleichender und mit einem Schuss Selbstkritik aber immer: verständlich und nachvollziehbar und abgesehen von These 52 und einer anderen Tauftheologie, die ich wohl vertrete, kann ich Moll in so vielem zustimmen und bin dankbar für seine Thesen.

Was mich begeistert ist eine Gemeinsamkeit des Autors mit Martin Luther: Er scheut sich nicht, auch die heißen Eisen anzupacken und eine klare Stellung zu beziehen.

These 46: „Das Studienzentrum für Genderfragen ist eine Schande für unsere Kirche.“ Hut ab. Da traut sich einer was.

Noch ein Beispiel gefällig? Anschnallen!

These 10: „Wer das Wort Gottes nach eigener Willkür verändert, setzt sich selbst auf den göttlichen Thron.

Ok. Soweit klingt das ja gar nicht so schlimm. Aber Moll postuliert nicht nur Thesen, sondern erklärt jede These mit wenigen Sätzen. Und das klingt bei These 10 so:

Zu allen Zeiten haben Menschen das Wort Gottes in ihrem eigenen Sinne verdreht und verfälscht. Doch einen Frevel wie die „Bibel in gerechter Sprache“ hat es in 2000 Jahren Kirchengeschichte nicht gegeben. In früheren Zeiten wäre man für solche Blasphenie verurteilt worden, heute wird sie kirchlich gefördert. Eine Kirche, die solches tut, hat sich von ihrem Herrn losgesagt. Sie hat aufgehört, Kirche im eigentlichen Sinne zu sein.

Wer jetzt denkt, dass Moll lediglich deprimierende Töne anschlägt, sieht sich getäuscht. Die Thesen bleiben herausfordernd und provokant aber zielen darauf ab, die Kirche zu erneuern. Ich verstehe sie als Denkanstoß, als ein Wachrütteln, als eine Diskussionsgrundlage für eine ordentliche Diskussion über den Zustand unserer Kirche. So eignen sich diese Thesen wunderbar, um in verschiedenen Kontexten kirchlicher Arbeit ins Gespräch zu kommen.

Die Thesen sind nicht explizit aber doch erkenntlich gegliedert in unterschiedliche Themenbereiche wie Bibel, Offenbarung, Jesus Christus, Theologie, Mission, Tradition, Politik und viele andere.

Dr. Sebastian Moll, Dozent an der THS-Akademie (www.ths-akademie.de), legt in These 91 seine Beweggründe für seinen Weckruf offen:

Die hier aufgestellten Thesen sind nach bestem Wissen und Gewissen, im Bewusstsein der Verantwortung vor Gott und in treuem Hören auf sein Wort entstanden.

Der Autor ist in großer Sorge um die Zukunft der Kirche, die er bei aller Kritik noch immer als seine empfindet. Die hier vorliegende Stellungnahme hat er nicht leichtfertig formuliert, sondern nach reiflicher Überlegung und aus tiefster Überzeugung.

Insofern sollte jedem klar sein, der dieses Buch in die Hand nimmt, dass hier nicht in der Sprache eines Groschenromans geschrieben wird, sondern in der Sprache eines Menschen, dem etwas am Herzen liegt und der nur deswegen Kritik übt – und das mitunter sehr deutlich – weil er bei aller Enttäuschung über den status quo der Kirche doch Hoffnung hat, dass sich etwas bessert.

Das Buch liest sich einfach – im wahrsten Sinne. Jede These nimmt mit Erklärung eine großzügig gestaltete Seite ein, die Sprache ist klar und verständlich und irgendwie kommt man nicht davon los, die Thesen zu lesen, wenn man erst mal angefangen hat.

Und eines tun die Thesen sicherlich nicht: denjenigen kaltlassen, der sie gelesen hat. Sie fordern heraus, regen zum Nachdenken an und führen zurück zu den Basics des Glaubens, um „einfach wieder Kirche zu sein.“

Dr. Sebastian Moll
Seid doch einfach wieder Kirche!
Brendow-Verlag
ISBN: 978-3-86506-939-9
Preis: 12,00 EUR

Gnade reicht. Mehr geht nicht!

Heute habe ich im Gottesdienst über den Rivalen „Versuchung“ gepredigt. In der Vorbereitung ist mir ein Bibelvers in den Sinn gekommen, der plötzlich eine ziemlich krasse Bedeutung bekommen hat:

Wer nun mit Jesus Christus verbunden ist, wird von Gott nicht mehr verurteilt. (Römer 8,1)

Paulus schreibt diesen Vers im Blick auf das Gericht, das Gott eines Tages abhalten wird. Ok, ein sehr unbeliebtes Thema und es soll auch hier nicht im Mittelpunkt stehen. Vielleicht schreibe ich ja später mal was dazu…

Nun ist es ja so, das wir als Menschen immer wieder Versuchungen ausgesetzt sind, wobei ich Versuchung allgemein gesprochen als einen Wunsch sehe, etwas tun zu wollen, was ich nicht tun sollte. Geistlich gesehen ist Versuchung der Wunsch, etwas tun zu wollen, was Gott verabscheut.

So deutliche Worte hat er übrigens selbst verwendet, als er König Davids Ehebruch mit Batseba bewertete in 2. Samuel 11,27.

Wohlgemerkt mit einer absolut klaren und wichtigen Differenzierungen, dass Gott nicht den Menschen verabscheut, sondern die Tat. Eine Differenzierung, die manche leider nicht machen und manche nicht hören wollen bei denen, die sie dann machen. Ein echtes Dilemma. So wie es auch manchen geht, wenn sie diesen Blogbeitrag lesen…

Hinter den Versuchungen steht der Teufel selbst – anders lässt sich die Gebetsempfehlung Jesu (wir nennen es heute das Vaterunser) nicht verstehen:

„Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“ (Matthäus 6,13)

Wie schnell passiert es doch, dass man sich als Christ Selbstvorwürfen, einem schlechten Gewissen und Selbstverurteilungen gegenüber sieht, wenn man einer Versuchung erlegen ist. Das ist furchtbar. Denn warum sollte das so sein? „Wer nun mit Jesus Christus verbunden ist, wird von Gott nicht mehr verurteilt.“ Wenn das schon im Blick auf das Gericht nach unserem Tod stimmt – wie viel mehr muss es doch stimmen, wenn wir an unser Leben hier auf der Erde denken?

Wer Jesus Christus sein Leben anvertraut hat, ist so eng mit ihm verbunden, dass es keine Verurteilung mehr gibt. Selbst wenn du zum x-ten mal in die gleiche Versuchungsfalle getappt bist. In Christus gibt es keine Verurteilung. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit.

So wie es uns als Menschen unmöglich ist, nicht zu sündigen, so ist es Gott unmöglich, einen Menschen zu verurteilen, der mit Jesus verbunden ist.

Also: Wen du mit Jesus verbunden bist und das nächste mal einer Versuchung erliegst, dann sei barmherzig mit dir – denn Gott ist es auch. Verurteile dich nicht, denn Gott tut das auch nicht.

Die Bibel kennt dafür ein kurzes, knackiges und lebensspendendes Wort: Gnade.

Und Gnade reicht. Mehr braucht es nicht. In der Gnade Gottes findest du alles, was du brauchst.

Neues Leben. Die Bibel für Männer

Diese Bibel ist genial! Ja, die Bibel generell – aber diese Ausgabe ganz besonders. Zugegeben: erst war ich skeptisch, was eine „Bibel für Männer“ so bringen soll. Aber das Konzept hat mich beim ersten Reinschauen sofort überzeugt.

Der eigentliche Inhalt ist die Bibel in der „Neues Leben“-Übersetzung mit einer Besonderheit: Alle von Jesus gesprochenen Worte sind in roter Schrift. Das ist schon mal sehr hilfreich, aber noch gar nicht einmal das ausschlaggebende Argument, diese Bibelausgabe zu empfehlen.

Denn noch knackiger ist einfach der „Mantel“. Vor dem Alten Testament finden sich kurze Artikel (Lesezeit ca. 5-7 Minuten) zu „Männern der Bibel“ wie bspw. Jakob, Saul, Gideon, Hiskia, Philippus, Nathanael und vielen anderen. Geschrieben von unterschiedlichen (männlichen) Autoren wie Roland Werner, Rüdiger Jope, Matthias Burhenne oder Georges Morand. Dabei bleiben die Autoren aber nicht bei einem rein portraitierenden Schreibstil, sondern entdecken bei jedem der biblischem Männer Schnittstellen zu Männerthemen der heutigen Zeit. Eine wahre Fundgrube für Andachten, Predigten oder auch andere Gelegenheiten in der Gemeindearbeit.

Aber würde es nicht reichen, diese Artikel einfach als Extra-Buch herauszugeben Ich finde nicht, denn wer mehr über diese Männer lesen will, hat die Bibel ja ohnehin vor sich und kann gleich in den betreffenden Bibelstellen nachschauen, in Querverweisen nachschlagen und noch mehr über diese Männer erfahren.

Nach dem Neuen Testament findet der Leser Artikel zu Themen wie Entscheidungen, Vater sein, Sexualität, Geld oder Scheitern. In meinen Augen – genauso wie die „Kurzbiografien“ der biblischen Männer – knackige aber dennoch ausgewogene und wirklich inspirierende Artikel zu „Männerthemen“, die wirklich relevant sind. Und: Sie sind kurzweilig geschrieben und für jeden Mann auch lesbar, wo es doch immer schnell und zügig gehen muss in der heutigen Zeit.

Und als Schmankerl gibt es zwei Grillrezepte von Dän Klein (www.dängrillt.de).

Also, Männer. Es lohnt sich! Wirklich! Ob diese Bibel die praktische Smartphone-App ersetzen kann, weiß ich nicht. Aber wer ein paar solide Infos möchte und aus Männersicht geschriebene Themen mal nachgehen will, die für Männer wirklich interessant und relevant sind, der wird hier fündig.

Rüdiger Jope (Hrsg.), Ulrich Wendel (Hrsg.)
Die Bibel für Männer
SCM Brockhaus
ISBN: 978-3-417-25352-8
Preis: 24,95 EUR

Danke, ICF!

Wenn 1.000 Menschen in leitenden Positionen in ihrer Kirchengemeinde zusammen kommen, gemeinsam Gott anbeten, in unterschiedlichen Workshops dazulernen und durch zwei geniale Messages von Nicolas Legler und Leo Bigger herausgefordert, inspiriert und gesegnet werden – dann, ja dann, liegt ein genialer Tag hinter mir.

Zum ersten Mal finden in Zürich in der neuen Samsung Hall die „ICF Training Days“ statt „zur Ausrüstung und Förderung deiner Mitarbeit in der Kirche“, wie es auf der Homepage heißt. Und auch wenn die Tage noch voll im Gange sind, ich morgen aber nicht dabei sein kann, da ich in meiner Gemeinde selbst predige, liegt es mir dennoch auf dem Herzen zu sagen:

DANKE, ICF!

Ihr seid einfach großartig. Ihr weckt eine neue Leidenschaft in mir für Gottes Herrlichtkeit. Ihr begeistert mich mit eurer Sehnsucht danach, nicht die Show, sondern Jesus in den Mittelpunkt zu stellen. Ihr seid für mich Vorbild darin, was es heißt, Leidenschaft und Vision miteinander zu verbinden. Ihr inspiriert mich unglaublich in meiner Arbeit als Pfarrer – in der Landeskirche. Hört, hört! Ja, genau! In der Landeskirche.

Eure Art, Kirche zu leben, Mitarbeiter leidenschaftlich freizusetzen und euer Know-How nicht für euch zu behalten, sondern andere daran teilhaben zu lassen, ist alles andere als selbstverständlich in der kirchlichen Landschaft!

Was freue ich mich, direkt an der Schweizer Grenze leben zu dürfen und deswegen einen kurzen Weg zum ICF in Zürich zu haben.

Ich bin heute in so vielen Bereichen inspiriert worden: Basti Wohlrab hat mich begeistert für ein tieferes Verständnis dafür, wie Teams ticken, wann Teams gut ticken – und dass es sich absolut lohnt, in Menschen zu investieren und was es heißt „all in“ zu gehen!

Und, ach ja, so ganz off-topic aber dennoch sehr wahr, ein nettes Zitat:

Wir sind Deutsche: Wir lieben Kack-Qualität, wenn es umsonst ist.

Das ist die bittere Wahrheit – leider auch im Blick auf Kirche. Ich musste wie einige andere auch dennoch herzlich lachen, auch wenn da wirklich etwas dran ist – aber: Gott hat mehr verdient, genauer gesagt: Unser Bestes! Nicht, weil wir ihm etwas beweisen könnten, sondern weil er schon längst etwas bewiesen hat: seine Liebe zu uns, besiegelt am Kreuz von Golgatha.

Ein Spitzensatz am Nachmittag, als es um den Entwicklungsplan für Volunteers ging:

„Die Mitarbeiter sollen mehr profitieren als sie investieren.“

Wow! Ich will es mir auf die Fahne schreiben und versuchen, die Kultur in meiner Gemeinde dahingehend zu stärken, dass genau dies möglich ist.

Zum Abschluss dann noch etwas über das Finanzmanagement im ICF zu hören, neben Nicolas Legler im ICF Office zu sitzen und gespannt zuzuhören, wie er aus dem Nähkästchen plaudert – das hatte schon was, ehe es dann zum Schluss noch mal richtig abging: Worship mit einem Bass, der schon mal die Tribüne ein wenig ins Wanken bringen kann und einer Message von Leo Bigger über die Herrlichkeit Gottes.

Und was ich nur immer wieder betonen kann wider alle Kritiker:

„Es geht um Jesus!“

Beim ICF. Das wurde so oft betont. So oft wurde Jesus angebetet. So oft gesagt, dass dieser Tag ihm die Ehre geben soll und wir als Teilnehmende hören sollen, was er sagt – ganz zu schweigen davon, warum wir überhaupt die ganze Gemeindearbeit machen.

Ich bin beschenkt, begeistert und neu motiviert nach Hause gefahren und bin Gott so dermaßen unglaublich dankbar, dass es das ICF gibt!

„Kirche neu erleben“ – ja genau, das ist nicht nur das Motto vom ICF, das wird auch gelebt.

Authentisch.

Leidenschaftlich.

Liebevoll.

Menschenorientiert.

Jesuszentriert.

Zeitgemäß.

Nachvornegewandt.

DANKE, ICF!

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