StartGedankenSchutz ungeborenen Lebens? Die evangelische Kirche in Baden schweigt

Schutz ungeborenen Lebens? Die evangelische Kirche in Baden schweigt

Ich habe mich in der vergangenen Zeit ganz bewusst zurückgehalten, was kirchenkritische Äußerungen in der Öffentlichkeit betrifft, da ich mehr und mehr den direkten Weg suche. Gleichzeitig möchte ich vielmehr Hoffnung als “nur” Kritik verbreiten und meinen Blog und Podcast dazu nutzen.

Nun hat vom 16. bis 20. April die Synode der Evangelischen Landeskirche in Baden getagt und sich auf eine Art und Weise nicht positioniert und geschwiegen, was mich nicht nur ratlos, sondern eher fassungslos zurückgelassen hat.

Für alle, die nicht so kirchlich unterwegs sind wie ich als Pfarrer: Die Landessynode ist eines der leitenden Gremien der badischen Landeskirche. Man könnte die Synode mit einem Parlament vergleichen, da aus allen Kirchenbezirken der Landeskirche Vertreter in der Landessynode sind – zusätzlich zu den Personen, die “qua Amt” Teil der Landessynode sind.

Der Schutz ungeborenen Lebens schwindet

Die Bundesregierung hat in der jüngsten Vergangenheit eine Kommission eingesetzt, die den Paragraphen 218 überprüfen soll. Konkret geht es darum, inwiefern Abtreibungen bis zur zwölften Schwangerschaftswoche weiter entkriminalisiert und legalisiert werden können oder sollen.

Ausführlich gehe ich in der aktuellen Folge meines Podcasts darauf ein, die du hier hören kannst:

Das bedeutet nun konkret, dass der Schutz ungeborenen Lebens in unserer Gesellschaft immer schwächer wird. Das wiederum bedeutet, es braucht Fürsprecher, die ihre Stimme erheben für den Schutz ungeborenen Lebens.

Natürlich ist Kirche hier prädestiniert, zu deren Wesensmerkmal gehört, sich für diejenigen einzusetzen, die leiden – und keine eigene Stimme haben. Bei ungeborenem Leben ist das augenfällig. Gleichzeitig ist das Dilemma, das oftmals durch eine (ungewollte) Schwangerschaft entsteht, natürlich nicht aus der Welt geschafft. Dennoch geht es um eine grundsätzliche Positionierung der badischen Landeskirche.

Auf der Tagung, die vor wenigen Tagen zu Ende gegangen ist, hat Landesbischöfin Springhart vollkommen zurecht in ihrem “Bericht zur Lage” ein klares Nein zu allen rassistischen und antidemokratischen Strömungen ausgesprochen und damit ein richtiges und wichtiges Statement gesetzt. Dafür bin ich ihr von Herzen dankbar.

Darüber hinaus nahmen die Synodalen “ein explizites Diskriminierungsverbot in ihre Grundordnung auf und beschlossen, eine Erklärung zu den Europa- und Kommunalwahlen herauszugeben.” (Quelle: ekiba.de)

Über eine politische Positionierung der Landeskirche kann man sich streiten, aber nicht darüber, ob die Kirche – in dieser Situation die Synode – sich für das schwächste aller möglichen Leben einsetzt, nämlich für das ungeborene Leben. Vor allem im Kontext dessen, was gesamtgesellschaftlich und durch die Bundesregierung unterstützt gerade vor sich geht: Nach der Abschaffung von Paragraph 219a (“Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche”) im Jahr 2022 geht es nun an den Paragraph 218 – was damals schon vollkommen klar war.

Und wie nimmt die badische Landeskirche in Form ihrer Synode nun ihre Verantwortung wahr?

Die badische Landeskirche schweigt

Das Ernüchternde und für mich vollkommen Unverständliche, was mich fassungslos zurücklässt, ist die Tatsache, dass die Kirche schweigt. In keiner einzigen Pressemeldung, in keinem Online-Artikel zur Synode und auch nicht im “Bericht zur Lage” spielt der Schutz ungeborenen Lebens eine Rolle. Für mich ist das vollkommen unverständlich.

Im “Bericht zur Lage” sprach Landesbischöfin Springhart folgende Worte, für die ich ihr sehr, sehr dankbar bin: “Es bleibt auch für uns als christliche Kirche ureigene Aufgabe für die Unantastbarkeit der Würde des Menschen einzutreten unabhängig von Leistung und Gesundheit, unabhängig von Geschlecht, Religion, Nationalität und Weltanschauung.”

Was ist aber nun mit der Unantastbarkeit der Würde des ungeborenen Lebens? Wieso äußert sich die Landessynode hierzu nicht, wo doch politisch und gesellschaftlich diese Würde immer mehr angegriffen und ignoriert wird und jährlich in einem sechsstelligen Bereich ungeborenes Leben getötet wird?

Das Schweigen meiner Kirche ist dröhnend und entmutigend, es ist unverständlich und lässt mich Aussagen zur Würde des Menschen als scheinheilig erachten, wenn nicht explizit auch ungeborenes Leben genannt wird.

Ich schreibe diesen Beitrag nachdem ich eine Mail an die Synode der badischen Landeskirche geschickt habe. Den Text dieser Mail stelle ich bewusst an den Ende dieses Artikels, weil es mir wichtig ist, dass wir nicht alles hinnehmen, was beraten und veröffentlicht wird. Die Synode hat so viele gute Dinge beschlossen und beraten, im “Bericht zur Lage” sind so viele wertvolle Gedanken – aber im Blick auf den Schutz ungeborenen Lebens in diesem momentan so schwierigen gesamtgesellschaftlichen Kontext hat die Synode meiner Meinung nach versagt.

Nochmals: Das individuelle Dilemma, in dem Schwangere sich oftmals befinden, will ich damit überhaupt nicht klein reden oder übergehen. Es geht mir um die Glaubwürdigkeit (m)einer Kirche, wie sie die Würde aller (!) Menschen sieht – und ob ungeborenes Leben überhaupt schützenswertes Leben ist und ob sich meine Kirche genau dafür einsetzt. Die Tagung und das Schweigen der Synode sowie der Kirche als Ganze lässt mich zurück mit der Annahme, dass die badische Landeskirche sich hier nicht klar für den Schutz ungeborenen Lebens positioniert. Dies hätte sie auch unabhängig von der Synodentagung schon längst tun können, nachdem spätestens durch das Einsetzen der Kommission durch die Bundesregierung deutlich wurde, dass genau dieser Schutz immer mehr schwindet.

Die evangelische Kirche in Baden hat bis heute nicht die Chance genutzt, ein klares Statement zu setzen und sich für den Schutz ungeborenen Lebens einzusetzen. Dieses Schweigen schreit zum Himmel!

Ich ermutige jeden, sich an die Landessynode zu wenden, der mit diesem Schweigen ebenso wenig klarkommt wie ich. Die Kontaktmöglichkeiten findest du hier: www.ekiba.de/infothek/landessynode/

Sehr geehrte Landessynodale,

in den vergangenen Wochen und Monaten habe ich mich mit öffentlichen Äußerungen, die kirchenkritisch sind, zurückgehalten. Ich will lieber Hoffnung verbreiten.

Jetzt ist aber etwas geschehen, was ich nicht hinnehmen kann als Pfarrer dieser Landeskirche und schicke vorweg: Es lässt mich fassungslos und enttäuscht zurück, was da auf der letzten Tagung der Synode im April geschehen ist – oder eben nicht geschehen ist.

Vollkommen zurecht hat unsere Landesbischöfin in ihrem „Bericht zur Lage“ darauf hingewiesen, dass rassistisches und anti-demokratisches Gedankengut in unserer Kirche nichts zu suchen hat. Ja und Amen dazu!

Sie sprach ebenso davon (O-Ton aus dem “Bericht zur Lage” auf YouTube): “Es bleibt auch für uns als christliche Kirche ureigene Aufgabe für die Unantastbarkeit der Würde des Menschen einzutreten unabhängig von Leistung und Gesundheit, unabhängig von Geschlecht, Religion, Nationalität und Weltanschauung.“ Volle Zustimmung und DANKE für dieses klare Statement!

Zeitgleich bzw. Tage vor der Synodentagung hat die Bundesregierung eine Kommission eingesetzt, die prüfen soll, inwiefern Abtreibung zumindest in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft entkriminalisiert und legalisiert werden kann, wie also das Töten menschlichen Lebens entkriminalisiert werden kann.

In keiner einzigen Pressemeldung und in keinem einzigen Artikel, der auf der Homepage der Landeskirche zur Synodentagung zu lesen ist, kommt dieses Thema vor, während jedoch andere Lebensbezüge genannt werden.

Gleichzeitig ein Diskriminierungsverbot in die Grundordnung der Landeskirche aufzunehmen und von der Würde des Menschen zu sprechen, aber das schützenswerteste Leben, nämlich das ungeborene Leben, noch nicht einmal zu erwähnen, wo es gerade politisch und gesellschaftlich immer weniger geschützt wird, ist in meinen Augen scheinheilig. 

Ich persönlich nehme unserer Synode und den dort Beteiligten diese Worte nicht ab, dass die Würde jedes (!) menschlichen Lebens geschützt werden müsse, denn die Synode hat mit ihrem Schweigen zum Thema Abtreibung das Gegenteil bewiesen und gezeigt: Es geht nicht um die Würde aller (!) Menschen. 

Eine Kirche, die ungeborenes Leben nicht schützt, ist keine Kirche im Geiste Jesu. Aber genau diesen Schutz benötige ungeborenes Leben mehr denn je. Die Synode hat dazu geschwiegen. 

Nur ist meine Bitte an die Synode, ganz genau zu bedenken, welche Signale auch durch Schweigen ausgesendet werden – und dass Mitglieder der Evangelischen Landeskirche in Baden zutiefst enttäuscht und entsetzt über dieses Verhalten sind. 

Mit freundlichen Grüßen,

David Brunner


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2 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Pfr. Brunner,
    bitte verzeihen Sie meine Worte, aber der evangelischen Kirche geht es nur darum, mit dem aktuellen politischen Zeitgeist zu schwimmen.
    Das ist sehr schade und hat so wenig mit der Botschaft zu tun die Jesus verkündet.
    Kein Wunder das viele Menschen deshalb aus der Kirche austreten. Eine christliche Kirche die Jesus nicht ernst nimmt, ist unglaubwürdig.
    Viele Grüße
    Stefan Neudorfer

    PS: Ihr Podcast ist toll! Danke!

    • Lieber Herr Neudorfer,
      vielen Dank für Ihr Feedback. Ihre Einschätzung zur EKD teile ich. Gerade die geistliche Bankrotterklärung an vielen Stellen ist es, die für Kirchenaustritte verantwortlich ist, weil Menschen nicht das bekommen, was sie benötigen: geistliche Orientierung.

      Liebe Grüße,
      David Brunner

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