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Wer spaltet eigentlich Kirche?

In letzter Zeit habe ich einige theologische Diskussionen in den sozialen Medien mit verfolgt und mich teilweise daran beteiligt. Im Laufe einer Diskussion fragte ich mich: Wer sorgt eigentlich dafür, dass Kirche(n) sich spaltet? Wer sorgt dafür, dass die Einheit der Kirche bewahrt bleibt – oder auch nicht?

Das apostolische Glaubensbekenntnis

Ein befreundeter Pastor brachte im Laufe der Diskussion – in der es eigentlich um eine ganz andere Frage ging – das Apostolische Glaubensbekenntnis zur Sprache. Dieses Glaubensbekenntnis ist Grundlage zumindest aller Landeskirchen in Deutschland, die Pastorinnen und Pastoren werden auf dieses Bekenntnis hin „verpflichtet“ und ordiniert – es ist sozusagen eine Art „Grundgesetz“ der evangelischen Kirche in Deutschland – natürlich neben weiteren Bekenntnissen und nicht zu vergessen: neben der Bibel. Darüber hinaus ist zumindest agendarisch vorgesehen, dass dieses Glaubensbekenntnis nicht nur an hohen Feiertagen in den Gottesdiensten gesprochen wird – was natürlich nicht überall der Fall ist.

Die Sätze dieses Glaubensbekenntnisses gehen auf die Lehre und das Wirken Jesu zurück und sind so etwas wie eine Versicherung und Selbstvergewisserung dessen, was Christen glauben. Entstanden in den frühen ersten Jahrhunderten des Christentums, ist dieses Glaubensbekenntnis mehr als ein Dokument. Es verbindet christliche Kirchen auf der ganzen Welt und über Sprachgrenzen hinweg, weil in ihm das steht, was Christen glauben – und zwar zeitlos.

Im Wortlaut heißt das dann so:

Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.

Irrungen und Wirrungen

Nun gibt es alleine schon in diesem Bekenntnis einige Aussagen, die heutzutage seitens Kirchenvertretern und Theologen immer wieder abgelehnt werden.

Am augenscheinlichsten ist das mit der so genannten „Jungfrauengeburt“. Ein Christ, so die Argumentation, der heutigen Zeit und mit dem Wissen der heutigen medizinischen Forschung, könne doch nicht glauben, dass Jesus von einer Jungfrau geboren wurde.

Oder wie verhält es sich mit der Aussage, dass Jesus wiederkommen wird „zu richten, die Lebenden und die Toten“, wenn in vielen theologischen und kirchlichen Kreisen das Gericht Gottes und der mögliche doppelte Ausgang dessen doch gar keine Rolle mehr spielt?

Oder was ist, wenn es Pfarrerinnen und Pfarrer gibt, welche die Auferstehung der Toten leugnen, ja sogar die Auferstehung Jesu selbst?

Da kann man ja schon mal ein wenig durcheinander kommen in der heutigen Zeit – wie aber übrigens auch in allen anderen Zeitaltern der Kirchengeschichte, denn solche theologischen Streitigkeiten sind ja nichts Neues.

Wer die Einheit will und wer spaltet

Ich mache dir Mut, wenn du zu der Kategorie „Ich glaube das aber, was ich im Glaubensbekenntnis bekenne“ gehörst. Du bist es nicht, der gegen die Einheit von Kirche ist. Es sind die anderen. Denn wer sich von Aussagen des Glaubensbekenntnisses löst, löst sich damit aus der Einheit der weltweiten Christenheit – übrigens auch aus der Einheit, die schon seit vielen hundert Jahren besteht und solange bestehen wird, bis Jesus wiederkommt. Ups. Das steht ja sogar so im Glaubensbekenntnis, dass Jesus wiederkommen wird.

Muss man das Ganze dann aber gleich „Spaltung“ nennen? Ich finde schon – denn selbst Paulus hat davon gesprochen ohne dabei den Weg der Versöhnung zu verlassen. An die Gemeinde in Korinth hat Paulus mehrere Briefe geschrieben. Im ersten Korintherbrief (der gar nicht der erste war, aber der Vorgängerbrief ist leider nicht mehr auffindbar) schreibt er:

Liebe Brüder und Schwestern, im Auftrag unseres Herrn Jesus Christus bitte ich euch eindringlich: Hört auf, euch zu streiten! Duldet keine Spaltungen in der Gemeinde, sondern steht fest zusammen und seid euch einig in dem, was ihr denkt und entscheidet! (Die Bibel, 1. Korinther 1,10)

Wenn Paulus das schon in den ersten Versen seines Briefes in dieser Deutlichkeit schreibt, dann muss das ein gewisses Gewicht haben.

Es gibt immer ein „Weg zurück“

Für Paulus ist solch eine „Spaltung“ aber keine endgültige Angelegenheit. Er gebraucht dieses Wort nicht in einem absoluten Verständnis, sondern gerade im 1. Korintherbrief als eine Beschreibung des Parteien-Zustandes, dass es also mehrere Parteiungen innerhalb einer Gemeinde gibt, was es zugegebenermaßen natürlich noch schwieriger macht, da sich eine Gemeinde dann mit diesen Parteiungen auseinander setzen muss und nicht homogen den Weg weitergeht, weil eine Partei gegangen wäre.

Deswegen ist für Paulus das Ringen darum, was Christen glauben, ein so elementares Geschehen, dass es ihm ein großen Anliegen ist, dass diese Parteiungen oder eben Spaltungen in der korinthischen Gemeinde aufhören.

Für ihn gibt es immer ein „Weg zurück“. Und den gibt es für mich auch. Auch für die Kirche. Für jede Gemeinde. Es gibt immer die Möglichkeit, sich auf das zu besinnen, was Christen seit Jahrhunderten glauben, was ihnen durch Verfolgung und Diaspora-Situation eine große Hilfe war und was letzten Endes Grund aller Erneuerung und Erweckung war: Die Besinnung auf das, was wirklich zählt. Und das ist eben im apostolischen Glaubensbekenntnis zusammengefasst und bildet für mich eine Grenze, die nicht unterschritten werden kann. Weniger ist in diesem Fall eben nicht „mehr“.

Dieser Artikel soll kein Kampfartikel oder Abrechnung oder dergleichen sein. Ich möchte wie oben schon geschrieben dir lediglich Mut machen, dass du daran festhältst, was im apostolischen Glaubensbekenntnis überliefert ist.

Ja, natürlich ist es nicht immer leicht. Wenn immer wieder und immer mehr und nicht nur von bestimmten theologischen „Richtungen“ Glaubensinhalte negiert und abgelegt werden – ja was soll man denn da noch glauben?

Genau vor dieser Frage stehen Christen seit es Bekenntnisse (es gibt ja noch einige mehr als das Apostolikum) gibt. Oft wurden sie geschrieben und verfasst, weil sie vor den Kaisern und Regierenden stehen sollten und sagen sollten, woran sie glauben.

Und ein Blick durch die gesamte Kirchengeschichte hindurch zeigt, dass die Gemeinde Jesu dort gewachsen ist, wo Menschen an dem festgehalten haben, was Christen seit ihren ersten Anfängen glauben. In diesem Sinne: Nur Mut! Und gehe den Weg der Versöhnung. Schreibe niemanden ab, sondern lebe und glaube mutig, was viele Generationen an Christen weltweit geglaubt haben, glauben und glauben werden. Ich bin mir sicher, dass die Gemeinde Jesu, dass deine Gemeinde, dadurch so viel Ausstrahlung und Schönheit, so viel Dynamik und Liebe entwickeln wird, dass auch sie ein Teil der weltweit wachsenden Gemeinde Jesu sein wird.

Was ist eigentlich Lobpreis?

Neulich fragte mich meine Tochter:

„Papa, was heißt eigentlich loben?“

Zugegeben dachte ich erst einmal, dass mir jetzt sicherlich nichts einfällt, wie ich ihr verständlich erklären könnte, was „loben“ heißt. Aber im nächsten Moment antwortete ich ihr einfach spontan: „Dem anderen sagen, wie toll er ist.“

Ein Lobpreis-Experiment

Meine Tochter war zufrieden und mir kam der Gedanke: Ist das eigentlich auch Lobpreis? Und falls ja: Wieso drehen sich dann so viele Lieder im „Lobpreis“ um denjenigen, der singt und nicht um den, der besungen wird?

Es wäre doch in der Tat mal ein Versuch wert, zumindest für eine Zeit, für einen Gottesdienst, für einen Monat…die Lieder im Gottesdienst so auszuwählen, dass während der Lobpreis- und Anbetungszeit nur Lieder gesungen werden, in denen es nicht um den Menschen geht. Selbst eine Aussage wie „Gott du bist so toll, weil du mir hilfst“ würde schon durch’s Raster fallen, weil es ja wieder um „mich“ geht.

Und ist genau das nicht das Problem der Lobpreis- und Anbetungskultur in unseren Gemeinden (oh nein, ich pauschalisiere nicht), dass es dann doch irgendwie und letzten Endes um den geht, der singt und nicht alleine um die Größe und die Anbetung Gottes?

Kleiner Einschub an alle, die sich jetzt schon die Hände reiben, weil sie ohnehin der Ansicht sind, dass christliches Liedgut durch die moderne Lobpreiskultur verkommen würde und ohnehin nur die Lieder Inhalt haben, die älter als 200 Jahre sind (was in meinen Augen übrigens nicht stimmt): Auch in vielen „alten“ Chorälen (die ich teilweise sehr mag) ist sehr, sehr oft vom „Ich“ und nicht vom „du“ die Rede oder besser gesagt: Auch das „Du“ kommt nur in Relation zum „Ich“ vor. Ok, ich will hier nicht abdriften, denn streng genommen kann es ein „Du“ auch nur geben, wenn es in Beziehung zum „ich“ steht – aber du weißt hoffentlich noch, was ich eigentlich schreiben wollte.

Ich, mich, meiner, mir – oder um was geht’s?

Natürlich bin ich Gott von Herzen dankbar, dass ich ihn nicht einfach nur „Gott“, sondern „Papa“ nennen darf – und dass das wohl die Gottesbezeichnung ist, welche für mich persönlich am stärksten und kräftigsten ausdrückt, dass der Gott der Bibel ein beziehungsorientierter Gott ist.

Und doch: Schaffen wir es eigentlich, ihn noch anzubeten, ohne dass seine Größe, seine Majestät, seine Hilfe, seine Kraft, seine Stärke sofort und unabdingbar mit uns selbst in Beziehung gebracht wird?

Bibelkenner unter uns werden jetzt mit der Stirn runzeln und sagen „Hä? Was will der Kerl hier? Wenn wir in die Psalmen (Gebete im ersten Teil der Bibel) schauen, ist da ständig vom „Du“ und „Ich“ die Rede.“

Korrekt. Ich habe nämlich auch nicht geschrieben, dass ich diese beziehungsorientierte Sprache komplett mal gerne beiseite schieben würde. Überhaupt nicht.

konsumorientiertes Selfie-Christentum

Aber – um mal zum Knackpunkt zu kommen: Ich glaube, dass unsere westliche Christenheit in großen Teilen (ich bin kein Wissenschaftler, weswegen ich jetzt leider ein wenig pauschalisieren muss und darf) ein sehr egozentrisches und konsumorientiertes Selfie-Christentum lebt. Denn um was geht es eigentlich im Glauben? Dass ich ein gutes Leben hier auf der Erde führe? Dass Jesus mein Lebensverbesserer und Diesseitsschönermacher ist?

Ehrlich: Das glaube ich nicht. Zumindest kann ich das nicht aus der Bibel heraus lesen. Schaue ich mir große Persönlichkeiten der Bibel an wie Paulus, Petrus, Maria, Miriam, Mose oder – last but not least – Jesus, dann kann ich nicht guten Gewissens sagen, dass der letzte Sinn des Lebens darin besteht, dass ich ein „gutes Leben“ führe – zumindest nicht nach menschlichen Gesichtspunkten und Deutehorizonten.

Happy End?!

Ach, ich schweife ab. Sei’s drum. Was ich eigentlich sagen wollte: Lasst uns in unseren Gemeinden Gott anbeten, ihm die Ehre geben, ihn preisen – oder eben: Ihm sagen, wie toll er ist! …und der Rest wird sich mit Sicherheit geben. Man nennt das „Vertrauen“. Vertrauen, dass dieser Gott, den ich anbete, gleichzeitig der Gott ist, den ich „Papa“ nennen darf und der alles im Blick und in seiner Hand hält.

Insofern könnte Lobpreis und Anbetung doch eigentlich auch wie ein kleiner Test oder Wasserstandsmeldung zu sehen sein, wie es um mein Vertrauen bestellt ist.

Aber nein. Ich will nicht das eine gegen das andere ausspielen. Überhaupt nicht. Es braucht Zeiten, in denen wir Gott danken, ihn bitten, ihn anbeten, ihm klagen, ihn anklagen, uns freuen, mit ihm weinen – weil und trotzdem wir in der Beziehung mit ihm leben. Keine Frage. Und dann braucht es eben diese Zeiten, in denen wir es schaffen, von uns weg zu schauen und einzig und allein auf den zu schauen, dem alle Ehre, alle Anbetung und aller Lobpreis wirklich gebührt.

Der Diamant von Burg Silberfels

Mittelalterliche Rittergeschichten haben mich schon immer in ihren Bann gezogen. Das Leben in monumentalen Burgen, der so ganz andere Alltag in einem Zeitalter, das noch nichts von Digitalisierung wusste und letzten Endes natürlich alle Sagen und Geschichten rund um Ritter, Fürsten und Schlachten.

Aber gut. Es geht ja nicht um mich, da ich nicht Zielgruppe von „Der Diamant von Burg Silberfels“ bin aber Melanie Schüer es dennoch irgendwie gehofft hat, dass Papa beim Vorlesen des Buches mindestens genauso gespannt war wie seine beiden Kids.

Vom Verlag sind 8-10jährige als Zielgruppe auserkoren, was meines Erachtens passt, aber beide Altersgrenzen auch ein bis zwei Jahre heruntergesetzt werden könnten.

Dabei ist es nicht alleine die Story, die einen beim Lesen in den Bann zieht. Vielemehr ist es der Stil und die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wie die Story weitergehen soll. Aber der Reihe nach.

Zwei einfache Bauernkinder, Heinrich und Minna, müssen für einige Zeit auf die Burg ihres Onkels Graf Albrecht. Dort angekommen merken sie schnell, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht und so stolpern sie mehr oder weniger gewollt in die ein und anderen Abenteuer und natürlich in das eine große Abenteuer um den Diamanten von Burg Silberfels. Mehr wird an dieser Stelle aber nicht verraten…

Eines muss an dieser Stelle aber unbedingt verraten werden. Melanie Schüer hat einen tollen Schreibstil, durch den die Geschichte zum Leben erwacht und beim Lesen Bilder entstehen, die eintauchen lassen in diese Welt der Ritter und Burgen. Meine Kinder lauschten auf jeden Fall sehr gespannt und waren voll dabei.

Die Dialoge sind kurzweilig und kindgerecht geschrieben. Sie sind leicht verständlich aber dennoch alles andere als billig oder trivial. Ein Spagat, der nicht einfach ist, den Melanie Schüer aber mit Bravour meistert.

Sehr cool ist natürlich, dass der Leser immer mal wieder selbst entscheiden kann, wie die Story weitergehen soll. Meistens stehen Heinrich und Minna mit ihren Freunden vor einer wichtigen Entscheidung – und je nachdem, wie sie diese angehen sollen, wird auf einer bestimmten Seite weitergelesen. Für Kinder natürlich eine tolle Möglichkeit, noch mehr in die Geschichte einzusteigen.

Gelungen ist der Autorin auch das Einbinden des christlichen Glaubens. So kommen in der Geschichte immer wieder biblische Geschichten zum Zuge oder der Leser bekommt Anteil daran, wie Heinrich, Minna und ihre Freunde ihren Glauben leben, wie sie beten und im Alltag Kraft aus ihrem christlichen Glauben bekommen.

Alles in allem kann ich nur sagen: Hier stimmt einfach das Gesamtpaket. Spannung, Inhalt, Stil – einfach genial. Absolute Leseempfehlung meinerseits!

Infos:
168 Seiten
12,95 EUR
ISBN: 978-3-417-28749-3
Verlag: SCM R.Brockhaus

Herr, bist du es?

Dieses Buch ist ein sehr wertvoller Ratgeber in einer höchst brisanten Angelegenheit. Zugegeben: Man muss ja schon eine Annahme setzen, wenn man dieses Buch liest und für die Praxis anwenden möchte, nämlich: Gott spricht als Heiliger Geist auch heute noch zu seinen Menschen.

Mit dieser Annahme beginnen aber die Herausforderungen erst richtig: Woher weiß ich, dass es der Heilige Geist war, der zu mir spricht? War es vielleicht nicht doch mein Wunschdenken? Und wer bin ich überhaupt, dass der Heilige Geist zu mir spricht? Wie kann ich es denn erkennen, um welchen „Geist“ es sich handelt, der mir einen Gedanken schenkt?

Die Bibel spricht im Neuen Testament von der „Gabe der Geisterunterscheidung“, also der Fähigkeit zu erkennen, aus welchem Geist heraus mir ein Eindruck, ein Gedanke, eine Idee oder eine Handlungsaufforderung geschenkt wird. Zugegebenermaßen ist dieses ganze Gebiet deswegen hoch brisant, weil nicht wenig geistlicher Missbrauch und Manipulation gerade dort entsteht, wo Menschen meinen, vollmundig im Auftrag Gottes zu handeln – und es vielleicht gar nicht Gott war, er sie zu irgend etwas aufgefordert hat, sondern vielleicht nur der „menschliche Geist“ in einem selbst.

Eine saubere Grundlegung

Wer das Buch in die Hand nimmt und meint, er findet auf den ersten Seiten gleich eine Antwort auf die Frage „Wie erkenne ich, dass Gott zu mir gesprochen hat?“ – der wird ein wenig enttäuscht werden, aber wird viel mehr bekommen, als er erwartet hat.

Rust – von Haus aus baptistischer Pastor – entfaltet in den ersten Kapiteln sehr tiergehend und ausführlich das Zusammenwirken des Heiligen Geist mit dem Menschen. Dabei setzt er dort an, dass es Gottes ureigenster Wunsch war, sich mit dem Menschen zu „vermengen“ – „Christus in euch“, wie der Apostel Paulus im Neuen Testament beschreibt.

Auch wenn man sich auf den ersten Seiten ein wenig durch die Pneumatologie (die Lehrer des Heiligen Geistes) wühlen darf, ist es doch ein großer Gewinne, da Rust aus der Praxis schreibt und auch mit den ein oder anderen gängigen aber biblisch nicht belegbaren theologischen Meinungen „aufräumt“. Das alles tut er aber auf eine sehr wertschätzende und teils auch autobiografische Weise.

Nicht selten habe ich mich beim Lesen dabei ertappt, wie ich dachte: „Stimmt. Das ist mir auch schon oft begegnet und ich fand es ein wenig merkwürdig.“ Ähnlich scheint es wohl auch Rust gegangen zu sein, wenn er aus seinem großen Fundus der praktischen (Gemeinde-)Erfahrung schreibt.

Die theologische Dichte seiner Gedanken machen das Buch nicht unbedingt zu einer leichten Lektüre. Man sollte sich Zeit und Ruhe nehmen, dieses Buch zu lesen, da es einen unglaublichen Gewinn verspricht für den, der sich mit der Frage nach der Unterscheidung der Geister ernsthaft und gewissenhaft auseinander setzen möchte und keine schnellen, sondern tiergehende und tragende Antworten sucht.

Checkpoints der Geisterunterscheidung

Im letzten Teil des Buches wird es dann ganz konkret und man findet konkrete Antworten auf die Frage: „Wie erkenne ich denn nun, von welchem Geist dieses oder jenes ist?“

Dazu nennt Rust so genannte Checkpoints, die ein Gedanke, eine Idee oder ein Bild durchlaufen muss, um darauf geprüft zu werden, welche(r) Geist(er) dahintersteckt. Diese Checkpoints sind:

  • Jesus Christus
  • Bibel
  • Gemeinde
  • Antriebskräfte
  • Modalität
  • Person

Klingen diese Checkpoints vielleicht ein wenig trivial oder althergebracht? Mag sein – aber ich sehe in ihnen und vor allem in Rusts Ausführungen einen unglaublich großen Gewinn. Natürlich zeigt sich hier auch wieder der große Erfahrungsschatz, aus dem Rust schöpfen kann.

Wo bspw. bei den Checkpoints „Jesus“ und „Bibel“ doch eigentlich alles klar sein sollte – mag man zumindest meinen -, zeigt Rust auf, wie die Herausforderung der Unterscheidung eines „spirituellen Impulses“ im Detail liegt.

Konzentrieren sich die Checkpoints „Jesus Christus“, „Bibel“ und „Gemeinde“ mehr auf den Inhalt eines geistlichen Impulses, legen die anderen Checkpoints das Hauptaugenmerk auf die Person, die einen solchen geistlichen Impuls empfängt. Hier finde ich persönlich den Checkpoint „Antriebskräfte“ äußerst hilfreich und praxisorientiert, da Rust diesen mit folgenden Antriebskräften konkretisiert: Freiheit, Freude, Frieden, Geduld und Demut.

Gerade diese „Checkpoints“ sind es, die den Leser besonders interessieren mögen, der mit der Fragestellung an dieses Buch geht, wie man nun einen geistlichen Impuls bewerten kann.

Dieses Buch ist ein wunderbares Hilfsmittel, um geistliche Impulse auf die richtige Art zu verstehen und weiterzugeben, damit durch diese die Schönheit des Redens Gottes zum Ausdruck kommen und geistlicher Missbrauch oder Manipulation weitestgehend im Keim erstickt werden kann.

Infos:
272 Seiten
17,95 EUR
ISBN: 978-3-417-26809-6
Verlag: SCM R.Brockhaus

Willkommen im Land der Ruhe

Das „Land der Ruhe“ ist für mich eine der schönsten Umschreibungen zum einen für das, was auf Christen nach ihrem Tod wartet und zum anderen für das, was auf Christen Tag für Tag vor ihrem Tod wartet.

In der Bibel finden wir in einem längeren Abschnitt im 4. Kapitel des Hebräerbriefes eine Umschreibung von diesem „Land der Ruhe“. Ich möchte an dieser Stelle nur die Verse 9+10 zitieren, es lohnt sich aber, das gesamte Kapitel – und auch das vorausgehende Kapitel – zu lesen.

Gottes Volk erwartet also bis heute die Zeit der Ruhe, den wahren Sabbat. Wer zu dieser Ruhe gefunden hat, wird von aller seiner Arbeit ausruhen können, so wie Gott am siebten Schöpfungstag von seinen Werken ruhte.

Der Verfasser des Hebräerbriefes verwendet bei seinen Ausführungen die Wüstenwanderung des Volkes Israel (nachzulesen im 4. Buch Mose) sozusagen als „Negativfolie“. Denn auch dem Volk Israel war das „Land der Ruhe“ verheißen – aber weil sie ungehorsam waren und Gott nicht vertrauten – nicht einmal dann, als er es ihnen (nachzulesen in 4. Mose 13+14) schenken wollte – wurde die Wüstenwanderung zu einem ziemlichen Dilemma.

Die Ausführungen im 4. Kapitel des Hebräerbriefes haben ich dazu gebracht, in einer Predigt dieses „Land der Ruhe“ als das zukünftige und das gegenwärtige, also das „Land der Ruhe“ nach dem Tod und das „Land der Ruhe“ vor dem Tod, einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. (Die gesamte Predigt kannst du im Podcast unserer Kirchengemeinde anhören: Hier geht’s zum Podcast.)

Das zukünftige Land der Ruhe

In den Wüstenzeiten und stürmischen Momenten benötigen wir Menschen einen festen Halt. Dann, wenn das Leben eben nicht so spielt, wie wir uns das wünschen, brauchen wir etwas, an dem wir uns wirklich festhalten können, das uns Kraft und echten Trost spendet und keine billige Vertröstung ist.

Als Christ bin ich der festen Überzeugung, dass ich mein Leben mit einer großen Diesseitshaftung bei gleichzeitiger Ewigkeitsperspektive leben sollte – und vor allem leben kann. Der christliche Glaube ist keine Krücke, er ist auch keine Psychohygiene, wie ihm manchmal von den Religionskritikern vorgeworfen wird, sondern ein festes Vertrauen auf den, den wir nicht sehen, aber auf den wir hoffen und den wir erwarten. Dieses zukünftige Land der Ruhe wird in der Bibel im letzten Buch, der Offenbarung, folgendermaßen beschrieben:

Eine gewaltige Stimme hörte ich vom Thron her rufen: „Hier wird Gott mitten unter den Menschen sein! Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein. Ja, von nun an wird Gott selbst in ihrer Mitte leben. Er wird ihnen alle Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben, kein Leid, keine Klage und keine Schmerzen; denn was einmal war, ist für immer vorbei.“ Der auf dem Thron saß, sagte: 
„Sieh doch, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,3-5)

Diese Beschreibung des zukünftigen Landes der Ruhe hat für mich eine unglaublich große und starke Kraft, gerade dort, wo ich dem Tod immer wieder ins Auge schauen muss.

Als Christ glaube ich nicht, dass ich eines Tages im Nichts enden werde, sondern dass ich im „Land der Ruhe“ ankommen und die Ewigkeit mit Gott verbringen werde. Alle tröstenden und heilsamen Aussagen des christlichen Glaubens stehen und fallen für mich mit der Hoffnung auf dieses zukünftige Land der Ruhe. Wenn ich diese Hoffnung, diese Gewissheit nicht hätte, dann wäre der christliche Glaube in der Tat nichts weiteres als Psychohygiene, ja dann wäre er sogar gefährlich, weil alle gegenwärtigen Hoffnungen und Zusagen des göttlichen Trostes im Nichts verpuffen würden. Der Apostel Paulus hat es in seinem ersten Brief an die Gemeinde in Korinther so ausgedrückt:

Wenn der Glaube an Christus uns nur für dieses Leben Hoffnung gibt, sind wir die bedauernswertesten unter allen Menschen. (1. Kor 15,19)

Da ich aber nicht zu den bedauernswertesten Menschen unter allen Menschen gehöre, ist der Glaube an den lebendigen und auferstanden Herrn aller Herren für mich das tragende Fundament meines Glaubens und gleichzeitig das, worauf mein Glaube zulaufen wird, wenn auch für mich die letzte Stunde schlagen wird.

Und nur aus dieser Perspektive macht es Sinn, die zweite Dimension vom „Land der Ruhe“ genauer zu betrachten.

Das gegenwärtige Land der Ruhe

Diese gegenwärtige Land der Ruhe bedeutet: Leben in der bewussten Gegenwart Gottes in allen Wüsten und Stürmen, in allen Höhen und Siegen meines Lebens.

Dieses gegenwärtige Land der Ruhe betrete ich dort, wo ich mir bewusst werde, dass ich mein Leben hier auf der Erde nicht einfach nur so friste, sondern mir bewusst darüber werde, dass die göttliche Kraft der Auferstehung, die alles Leben ins Dasein gerufen hat und immer zum Guten und Besseren verändern kann, jeden einzelnen Moment meines Lebens für mich verfügbar ist. Und das äußert sich für mich in drei Dimensionen, die das Leben eines jeden Menschen bestimmen: Das betrifft unsere Identität, es gibt uns Orientierung und einen Frieden, nach dem unsere Seele ruhelos und rastlos sucht, bis sie ihn gefunden hat.

Identität

Schaue ich mir diverse gesellschaftspolitische Diskussionen momentan an und betrachte ich sie vor allem einmal durch die social media-Brille, fällt mir eines auf: Menschen sind auf der Suche nach ihrer Identität. „Wer bin ich – und wenn ja wie viele“ heißt ein bekanntes Buch zum Thema. Auch Dietrich Bonhoeffer schrieb ein sehr ergreifendes Gedicht zum Thema mit dem Titel „Wer bin ich?„.

Wenn ich bewusst in das „Land der Ruhe“ eintrete, mir also (Aus)Zeiten nehme, in denen nur „Gott und ich“ zählen, dann weiß ich: Ich bin sein Kind, weil sein Wesen schon immer das des Vaters war und auch sein eigentliches Wesen ist (siehe mein Beitrag zu „Gott als Vater – sein eigentliches Wesen„).

Ohne mich jetzt in psychologische Tiefen zu begeben und vielleicht eher auf dünnem psychologischen Eis Schlittschuh zu laufen, so glaube ich doch, dass es für einen Menschen eine unglaublich große Kraft hat, wenn er die Frage „Wer bin ich eigentlich?“ beantworten kann – und zwar nicht fragmentarisch, sondern ganzheitlich.

Diese Zuschreiben meiner Identität oder besser gesagt die Vergewisserung dieser Identität benötige ich immer wieder, um nicht im trubeligen Alltag dann eben doch äußerst fragil und fragmentarisch meine Identität zu suchen.

Orientierung

Was für das Auto ein gutes Navi ist, das ist für mein Leben das „Land der Ruhe“, weil ich hier Orientierung finde für mein Leben. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir unsere besten Entscheidungen nicht aus einer Hektik und Unruhe heraus treffen, sondern dann, wenn wir uns im Land der Ruhe befinden, wenn wir auf Gott hören, wenn wir das Flüstern des Heiligen Geistes wahrnehmen und diesem einfach folgen.

Tag für Tag müssen wir unabhängig von unserem Beruf, familiären Stand und sozialen Kontakten viele Entscheidungen treffen. Manche sind trivial, manche sind weitreichend.

Im Land der Ruhe findest du Orientierung für die konkreten Dinge deines Lebens – deine Finanzen, Gesundheit, Gemeinde und Familie betreffend. Und noch vieles mehr.

Frieden

Und zuletzt finde ich im Land der Ruhe einen Frieden, wie ihn mir nichts und niemand auf dieser Welt geben kann.

Jesus hat einmal gesagt:

„Auch wenn ich nicht mehr da bin, wird doch der Friede bei euch bleiben. Ja, meinen Frieden gebe ich euch – einen Frieden, den euch niemand sonst auf der Welt geben kann. Deshalb seid nicht bestürzt und habt keine Angst! “(Johannes 15,24)

Mein Leben nicht in Abhängigkeit von meinen Entscheidungen und Gefühlen und auch nicht in Abhängigkeit von anderen Menschen und deren Verhalten zu mir führen zu müssen, sondern aus einem Frieden heraus, den Jesus schenkt, ist wohltuend und befreiend zugleich.

Und es entlastet. Es entlastet sehr, denn ich weiß: Dieser Friede ist kein Waffenstillstand, sondern dieser Friede ist SCHALOM, die biblische Realität für ein allumfassendes Geborgensein und Getragensein in der allgegenwärtigen göttlichen Liebe und Fürsorge. Nicht umsonst schreibt Paulus in Kolosses 3,15, dass dieser Frieden unser ganzes Leben bestimmen soll. Schön, wenn er es tut!

Dieses „Land der Ruhe“ birgt so viel, dass wir gut daran täten, es mehr und mehr aufzusuchen in bewussten Ruhezeiten, die wir mit Gott haben, woraus dann keine Handlung sondern eine Haltung wird, immer und zu jeder Zeit in dieses Land eintreten zu können, um das zu bekommen, was wirklich trägt: Trost, Identität, Orientierung und Frieden.

Jesus macht satt

Es gibt Hunger, der macht sich nicht immer so stark bemerkbar und wabert eher als Subton unseres Lebens die ganze Zeit mit. Es ist nicht der physische Hunger, aber der Hunger nach Leben. Nach erfülltem Leben. Nach Leben, das uns sagen lässt:

„Sei zufrieden, meine Seele, es geht dir gut und du hast, was du zum Leben brauchst.“

Manchmal kommt dieser Hunger schon auch zum Vorschein, keine Frage. Manchmal kommt er sogar so sehr zum Vorschein, dass wir die unmöglichsten Dinge tun, weil wir meinen, diesen Hunger zu stillen – und nicht merken, wie wir uns eigentlich schaden.

Jesus hat einmal – ok, eigentlich andauernd – etwas sehr Intereesantes gesagt:

„Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird niemals wieder hungrig sein, und wer an mich glaubt, wird nie wieder Durst haben.“ (Die Bibel, Johannes 6,35)

Dieses Sattsein meine ich. Nicht ein Sattsein kurz vorm Platzen. Vielmehr ein Sattsein im Sinne von „zufrieden sein“, mit dem eigenen Leben zufrieden sein.

Ich glaube, es ist ein lebenslanger Lernprozess und mich inspirieren gerade ältere Menschen, die zufrieden sind mit ihrem Leben, die nicht „alles haben müssen“ und die sich einfach an dem genügen lassen, was sie haben. Keine schlechte Einstellung, wie ich finde. Vielleicht ist es ja auch ein altersspezifisches Problem – wer weiß.

Dennoch glaube ich aber, dass es auch unabhängig vom Alter Faktoren gibt, die unser Leben derart beeinflussen, dass wir es als „suboptimal“ und mit jeder Menge Luft nach oben empfinden. Das beginnt beim schlichten, sichtbaren Materiellen, geht weiter über das Mit-anderen-Vergleichen und macht auch vor Schicksalsschlägen keinen Halt.

Was kann mein Leben da wirklich zufrieden machen? Ich glaube, Jesus wusste schon, warum er sagt, dass er das Brot ist, das unseren Lebenshunger stillt. Und eigentlich ist es auch nicht so schwierig. Wirklich nicht. In der Bibel lesen, sich im Gebet Jesus öffnen – that’s all. Das müsste doch drin sein, oder? Da fragen wir uns immer, wie wir unser Leben noch „besser“, noch „sinnvoller“, noch „nachhaltiger“ gestalten können – und tun jede Menge Dinge dafür bis wir merken, dass es das auch irgendwie nicht ist.

Wir schlabbern aus trüben Teichen anstatt zur Quelle des Lebens zu gehen, die uns lebensspendendes Wasser und sättigendes Brot ist.

Mich an Jesus hängen und sagen: „Du bist genug. Wenn ich nur dich habe, dann ist mir alles andere nicht so wichtig.“ (Psalm 73) Das bringt’s. Wirklich. Nicht wegen mir, sondern wegen ihm.

Nicht, weil ich etwas tun würde oder könnte, um meinen Hunger zu stillen, sondern weil Jesus alles ist und alles tun kann, um meinen Hunger nach Leben zu stillen, so dass ich meiner Seele sagen kann, dass sie wirklich zufrieden sein kann.

Ob in finanziellen Herausforderungen, in gesundheitlichen Schwierigkeiten, Problemen im Beruf oder mit Mitmenschen. Der springende Punkt ist nicht mein Verhalten oder meine Leistung, sondern die Gewissheit, dass Jesus reicht.

Zu simpel das alles? Mag sein. Aber „kompliziert“ hat uns doch auch nicht wirklich was gebracht.

Was nun, Kirche?

Welch ein leidenschaftliches Buch!

Man spürt Parzany die Liebe ab, welche er für „seine Kirche“ empfindet. Und Liebe ist im besten Fall nicht blind, sondern ehrlich. Und das ist dieses Buch eben auch.

Natürlich suggeriert der Untertitel „Ein großes Schiff in Gefahr“ jede Menge. Aber deswegen empfehle ich: lesen! Dann urteilen!

Parzany selbst schreibt:

Ich möchte Mut in schwierigen Zeiten machen. Ich will Fehlentwicklungen und Konflikte beschreiben. Ich will nicht um den heißen Brei reden. Ich kann verstehen, dass engagierte Christen die evangelischen Kirchen verlassen. Ich will begründen, warum ich es nicht getan habe. Ich will zeigen, wie in den Landeskirchen die Gemeinde des Jesus Christus gebaut und gesammelt wird und werden kann. Ich schreibe gegen Resignation. Auch gegen meine eigene. Ich weiß: Wer schweigt, fördert, was im Gange ist.

Parzany schweigt nicht. In einem ersten Kapitel entfaltet er fast schon eine Ekklesiologie, eine Lehre der Kirche. Wie konstituiert sich Kirche? Was sind Merkmale und Wesensäußerungen von Kirche? Die Lehre der Apostel, Bekehrung und Taufe, die Gemeinschaft mit Gott und miteinander sowie andere zentrale Themen christlicher Kirche spielen eine Rolle und werden von Parzany auf erfrischende und aktuelle Weise präsentiert.

Woran die evangelischen Kirchen kranken

In einem großen zweiten Kapitel, dem Hauptteil des Buches, erläutert Parzany „woran die evangelischen Kirchen kranken“. Und er tut, was er verspricht: Er redet nicht um den heißen Brei.

Auf den ersten Blick mögen die Kritikpunkte nicht neu sein. Es geht um das richtige Bibelverständnis, die Frage nach dem Kreuzestod Jesu, interreligiösen Dialog, Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, die Taufpraxis und andere große Themen. Das Besondere ist in meinen Augen, dass Parzany die gegenwärtige Diskussion aufnimmt. Sei es durch Zitate aus Emails, aus Veröffentlichungen von Theologen/Kirchenvertretern oder theologischer Entwicklungen jüngster Zeit.

Darüber hinaus setzt sich Parzany immer wieder auch theologisch mit den Fragen auseinander, beantwortet diese also nicht nur „zeitgenössisch“, sondern führt den Leser in einen kleinen theologischen Diskurs, indem er auch große Theologen der letzten Jahrhunderte durch Quellen zu Wort kommen lässt. Und so ganz nebenbei entfaltet Parzany große theologische Gedanken wie beispielsweise um den Sühnetod Jesu oder die Frage nach einer biblisch verantworteten Taufpraxis.

Beeindruckend und wichtig finde ich, dass Parzany aber nicht auf der für Theologen üblichen Ebene des Welcher-Theologe-hats-gesagt-Gesprächs bleibt, sondern die Bibel selbst immer und immer wieder zu Wort kommen lässt.

Natürlich hat Parzany eine klare Position – und das ist auch gut und wünschenswert, wenn man den Zustand der evangelischen Kirchen in Deutschland betrachten möchte. Ehrlich und dadurch auch äußerst substantiell finde ich die theologischen Argumente, die er für seine Sichtweise ins Feld führt – auch und gerade dadurch, dass er sich im Buch mit Theologen und theologischen Meinungen auseinander setzt, die seiner Meinung gegenläufig sind.

Das macht dieses Buch übrigens so alltagsrelevant, da Parzany die Finger in die Wunden legt und Fragen stellt, die in der Tat seitens der Kirchenleitungen teilweise unbeantwortet sind, Gemeinden vor Ort aber Mühe bereiten.

Sicherlich mag der ein oder andere zu anderen Bewertungen der Landeskirchen kommen – das mag sein. Von der Hand zu weisen ist aber so manches nicht, zumal sich Parzany in der Landschaft christlicher Kirchen in Deutschland (und darüber hinaus) äußerst gut auskennt.

Und das ist es, was dieses Buch so leidenschaftlich macht. Da schreibt keiner aus dem Elfenbeinturm der Theologie, sondern einer, der über Jahrzehnte hinweg leidenschaftlich und aufopferungsvoll Teil der Gemeinde Jesu ist und sich von ihm selbst in dessen Dienst berufen weiß.

Zukunft und Hoffnung für die Kirche(n)

Die letzten beiden (kürzeren) Kapitel widmen sich dann noch einmal ganz praktisch der Zukunft der Kirche und wie diese Zukunft aussehen kann. Parzany sieht diese vor allen Dingen darin, dass Jesus selbst seine Kirche baut – bei aller Kritik sollte das nicht vergessen werden. Aber er wird auch konkret und sieht in Personalgemeinden, Gottesdiensten, Hausbibelkreisen und weiteren Faktoren eine Chance der Landeskirche. Besonders aber auch in einer guten geistlichen Leitung der Kirchen(gemeinden), die er nicht nur bei den Hauptamtlichen, sondern auch den Ältestenkreisen der Gemeinde sieht. Herausfordernd, alltagsnah, zukunftsweisend.

Es gäbe noch viel zu schreiben zu diesem Buch, aber ich wünschte mir vor allem, dass es gelesen wird. Gerade auch von denen, die vielleicht mit Vorbehalt oder Vorurteilen an dieses Buch gehen würden – denn sie werden überrascht. Positiv!

Was nun, Kirche?
Ulrich Parzany: Was nun, Kirche?

Verlag: SCM Hänssler

208 Seiten / 16,95 EUR

Gott als Vater – sein eigentliches Wesen

Ich weiß, die Überschrift ist etwas provokant, aber ich sehe es so. Angefangen hat alles mit der Vorbereitung auf meine Predigt „Warum liebt Gott die Menschen?“. Dabei bin ich auf ein paar interessante Dinge in der Bibel sowie der Kirchengeschichte gestoßen.

Zum einen war da das Apostolische Glaubensbekenntnis, das alle Christen auf der ganzen Welt miteinander verbindet und das inzwischen ca. 1600 Jahre alt ist.

Dort heißt es im so genannten ersten Artikel:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Ehrlich gesagt habe ich mir darüber bisher noch nicht all zu viele Gedanken gemacht. Das klingt so vertraut, da ich es schon seit vielen, vielen Jahren bekenne. Aber ist es nicht erstaunlich, dass zunächst vom Vater die Rede ist – und dann vom Allmächtigen und dem Schöpfer?

Wir meinen oft, dass das erste, das Gott tat, seine Schöpfung war. Liegt ja auch nahe, wenn man die ersten Seiten der Bibel sich durchliest, auf denen beschrieben wird, wie Gott diese Schöpfung kunstvoll ins Dasein rief. Soweit so gut – aber weshalb wird Gott gerade im Glaubensbekenntnis dann zunächst als „Vater“ bekannt? Übrigens auch in der ursprünglichen lateinischen Form (Credo in Deum, Patrem omnipotentem, Creatorem caeli et terrae.).

Muss da nicht etwas dran sein?

Und ob da was dran ist!

Und den nächsten Hinweis darauf, dass Gottes eigentliches Wesen das Vater-Sein ist, gibt’s auch in der Schöpfungsgeschichte. In 1. Mose 1,2 steht:

Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.

Klingt jetzt nicht so spannend, aber interessant wird’s wenn man sich das hebräische Wort anschaut, das für „schweben“ verwendet wird und im ersten Teil der Bibel höchst selten vorkommt. Was dieses Wort meint, wird in 5. Mose 32,11 sozusagen ausführlich beschrieben:

Ein Adler scheucht die Jungen aus dem Nest, damit sie selber fliegen lernen. Doch wachsam schwebt er über ihnen, und wenn eins müde wird und fällt, dann breitet er die Flügel unter ihm und fängt es auf und trägt es fort.

Lesen wir diese beiden Stellen (1. Mose 1,2 und 5. Mose 32,11) zusammen, bekommen wir doch ein sehr eindrückliches Bild davon, was vor der Schöpfung geschah und was Gottes Wesen in seinem tiefsten Inneren ist:

Als ob der Mensch schon da sei – so schwebt der Geist Gottes über der noch zu entstehenden Schöpfung. Als ob Gott schon den Menschen sieht, so wacht er über ihm.

Ich finde das äußerst erstaunlich und faszinierend.

Der Schöpfer dieses Universums interessiert sich für dich. Er interessiert sich dafür, wie es dir geht, was dich umtreibt, womit du zu kämpfen hast, welche Sorgen du hast, in welche Sünde du dich immer wieder verstrickst, wie es dir mit deinen Finanzen und in deiner Gesundheit geht, was du mit deiner von ihm geschenkten Zeit anstellst und ob du in dem Umfeld (Schule, Beruf, Verein, Nachbarschaft) bist, das dir gut tut.

Du denkst vielleicht: Ich bin einer von vielen – genauer: von 7 Milliarden Menschen.

Aber Gott sagt:
DU bist mir wichtig;
DICH liebe ich;
für DICH bin ich in diese Welt gekommen;
für DICH bin ich gestorben;
mit DIR will ich leben;
DEIN Vater will ich sein.

Dieses väterliche, fürsorgliche Wesen Gottes kommt auch in einer wunderbaren Begebenheit zum Ausdruck:

Dann legte Gott im Osten, in der Landschaft Eden, einen Garten an. Er ließ aus der Erde alle Arten von Bäumen wachsen. Es waren prächtige Bäume und ihre Früchte schmeckten gut. Dorthin brachte Gott den Menschen, den er gemacht hatte. (1. Mose 2,8)

Gott setzt den Menschen in’s gemachte Nest. Wie Eltern, die ihr (erstes) Baby erwarten und alles tun, damit sich der neue Erdenbürger wohlfühlen: Kinderzimmer richten, streichen und dekorieren; die Wickelkommode mit Windeln, Creme und Tüchern bestücken, Spielzeug kaufen, einen Kinderwagen kaufen und nicht zuletzt: Den Schnuller aus einer unfassbaren großen Menge an Schnullern auswählen, welcher der Beste für das kleine Baby ist – und Spielzeug. Jede Menge Spielzeug – bis Eltern in den ersten Monaten dann erkennen, dass Keiner am liebsten mit dem rumspielen, was so in der Wohnung rumliegt.

Eltern tun alles, dass ihr Kind sich willkommen fühlt und „ins gemachte Nest kommt“. Und genau so ist Gott! Er lässt den Menschen von Beginn seines Lebens an von seiner kreativen Macht und Liebe sehen, schmecken spüren und erleben.

Alles in allem sind das für mich einfach unglaublich wunderschöne Momente, in denen ich erkennen kann, dass Gottes eigentliches Wesen das des Vaters ist. Wie schön!

Und um dem noch das Sahnehäubchen aufzusetzen, beschreibt die Bibel auch, WIE Gott als Vater ist:

Alles, was Gott uns gibt, ist gut und vollkommen. Er, der Vater des Lichts, ändert sich nicht; niemals wechseln bei ihm Licht und Finsternis. (Jakobus 1,17)

Meine vielleicht ein wenig kühne Behauptung ist, dass wir Christen es vielleicht manchmal noch nicht so ganz verstanden, begriffen oder ergriffen haben, wie sehr Gott als Vater absolut berechenbar ist: Nämlich insofern, dass er nur Gutes will und tut und gibt. Wir zweifeln aber sehr daran – das ist zumindest mein Eindruck, weil wir sonst anders leben würden.

Ich finde es auf jeden Fall unglaublich schön und in gewisser Weise auch unverständlich, dass der Schöpfer dieses Universums der vollkommene Vater seiner Kinder ist. Wir sind nicht automatisch seine Kinder – es aber zu werden, ist gar nicht so schwierig. Die Bibel sagt darüber:

Die ihn (Jesus) aber aufnahmen und an ihn glaubten, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden. (Johannes 1,12)

Worauf wartest du? Ein himmlischer Vater wartet auf dich!


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