StartGedankenKann denn Liebe Sünde sein?

Kann denn Liebe Sünde sein?

Ja.

Zarah Leander singt in dem gleichnamigen Schlagerhit davon, aber sie meint eine andere Liebe. Bei ihr geht’s um “Eros”, die erotische Liebe, den Sex.

Die Jahreslosung 2024 spricht auch von Liebe, meint eine andere Liebe und doch – meine ich – kann diese falsch verstandene Liebe zur Sünde werden.

Die Jahreslosung 2024 wird folgendermaßen zitiert: “Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe!” (1. Korinther 16,14)

Das kann man so übersetzen, aber ich finde, wenn man diesen Satz dann so in den Äther raushaut und den Menschen um die Ohren klatscht, wird es schnell zur Sünde. Denn so gesehen kann die Jahreslosung 2024 zu einem Ratschlag verkommen und bekanntlich tun Schläge weh.

Ich möchte dir nur zwei Gedanken mitgeben, was diesen Vers aus dem ersten Korintherbrief betrifft, denn sicherlich hast du auch schon so manches zur Jahreslosung 2024 gelesen, also habe ich nicht vor, dich zu langweilen.

Passiv – nicht aktiv

Genauer übersetzt klingt 1. Korinther 16,14 so: “Alles sollt ihr in Liebe geschehen lassen.” Das klingt aber doof und ist auch für Tassen und Kugelschreiber als Werbeaufdruck nicht so cool.

Dennoch gilt zu bedenken: Hier steht eine passive Form. “Geschehen lassen” – ich finde das deswegen so großartig, weil ich die Liebe, in der -was auch immer- geschehen soll, erst einmal an mir geschehen lassen soll. Die Liebe soll erst einmal mich betreffen, in mir wirken, ich soll sie erst mal mir genug sein lassen. Und war nicht die Liebe, von der Zarah Leander singt, sondern die Agape-Liebe. “Agape” ist griechisch und steht an dieser Stelle (wie an vielen anderen Stellen im Neuen Testament) für Liebe.

Im Griechischen gibt es vor allem drei Begriffe für Liebe: “Eros” meint die körperliche Liebe, “Philia” meint die freundschaftliche Liebe – und dann gibt es eben diese “Agape”-Liebe, die man am besten mit einer sich selbst aufopfernden Liebe zu meinem Nächsten beschreiben könnte. Eben die Liebe, mit der Gott jeden Menschen liebt.

Und eben diese Liebe soll ich erst mal mir selbst “gefallen lassen” – und das ist der Knackpunkt: Ich kann nicht “in Liebe” handeln, wenn nicht diese Liebe mich selbst verändert und transformiert. Und ebene genau diese Liebe (Agape) ist es, die beschreibt, was Jesus für mich am Kreuz getan und erwirkt hat und wie sehr Gott mich liebt:

Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat. Johannes 3,16

Ja, “Liebe” (aber du siehst schon die Anführungszeichen) kann in der Tat Sünde sein, wo ich mit (manchmal sicherlich auch gut gemeinten) Ratschlägen um die Ecke komme, weil Ratschläge eben Schläge sind. Wo ich mich aber von der Liebe Gottes selbst durchfluten und erfüllen lasse, vermute ich mal: Da wird, was ich mir vornehmen, auch wirklich aus Liebe geschehen.

Nicht nur tun – sondern alles

Wieso beschränken wir das Ding mit der Liebe eigentlich auf unser Tun? Wörtlich übersetzt lautet 1. Korinther 16,14:

Lasst alles in Liebe geschehen.1. Korinther 16,14

Was ist mit unserem Denken, unserem Wollen, unserem Wünschen und unseren Gedanken über die (manchmal so) nervigen Mitmenschen? Genau!

Die Challenge der Jahreslosung 2024 entfaltet ihre volle Kraft erst dort, wo es nicht nur um’s Tun, sondern auch schon um’s Denken, Fühlen und Wollen geht.

Ich mach es ganz konkret:

Du liest diesen Beitrag im Internet und ich vermute, dass du zumindest auf einer Social Media-Plattform angemeldet bist: Instagram, Facebook, X, Threads, Tiktok oder wie sie alle heißen. Du liest dort immer wieder Dinge, du begegnest dort immer wieder Personen, die dir “quer liegen”. Bevor du nun einen Kommentar schreibst, geht das Kopfkino doch schon in dir selbst los: Du liest etwas, das erzeugt in dir eine Reaktion und du denkst oder empfindest etwas ganz Bestimmtes. Und jetzt kommt die Jahreslosung schon längst ins Spiel: Lass dich von der Liebe Gottes leiten. Wetten, dass dein Kommentar anders aussehen wird, wenn du das tust? Wetten, dass du vielleicht sogar den ein oder anderen Kommentar gar nicht erst schreibst?

Transferieren wir das in die nicht-digitale Welt, ist das Muster genau das gleiche, aber es ist ungleich schwieriger umzusetzen, weswegen die Online-Welt eine wunderbare Trainingsplattform ist. Denn wenn dir einer “quer kommt” in der analogen Welt, hast du in der Regel nicht die Möglichkeit, anzusetzen, etwas zu sagen, dann zu sagen “Oh, vergiss, was ich gerade gesagt habe und tu so, als sei nie etwas gewesen.” Geht nicht.

Liebe? Liebe!

Sprengkraft bekommt das Ganze ja noch dann, wenn wir uns vergegenwärtigen, von welcher Liebe die Rede ist. Oben habe ich dir ja schon die Unterscheidung gegeben zwischen erotischer Liebe (Eros), freundschaftlicher Liebe (Philia) und hingebungsvoller Liebe (Agape).

Zugegeben: Als ich das erste Mal hörte, wie die Jahreslosung 2024 lautet, war ich ein wenig verwundert bis genervt, weil ich mir schon die vielen Kommentare, Auslegungen und Predigten dazu vorstellte, wie bunt und schön doch Liebe ist und “Hauptsache wir lieben uns” und “wenn wir uns lieben, kann gar nichts falsch sein”. Eine Verniedlichung bis Verballhornung der im griechischen Urtext gemeinten Liebe eben.

Also habe ich ich drangesetzt und mal genauer hingeschaut und diesen Artikel geschrieben in der Hoffnung, dass er mir selbst hilft, “alles in Liebe geschehen zu lassen”.

Denn diese Liebe ist nicht eine Liebe, die über alles einfach den rosaroten Mantel legt. Es ist eine Liebe, die sich für den anderen hingibt, die nicht auf ihr eigenes Recht beharrt, die an der Wahrheit interessiert ist, die Gerechtigkeit leben möchte, die das Wohl des anderen weit oben sieht, die nicht übermütig ist, nicht arrogant, nicht herrisch, nicht von oben herab, sondern dienend, fürsorglich, auferbauend, stärkend und Hoffnung bringend (und ja, wenn du hier Anklänge an 1. Korinther 13 siehst, ist das Absicht).

Dir kommt das ziemlich herausfordernd vor? Willkommen im Club! Geht mir genauso! Sehr sogar. Aber das ist das Gute an einer Jahreslosung: Sie gilt das ganze Jahr und spornt uns das ganze Jahr an, “alles in Liebe geschehen zu lassen”. Nicht nur am Anfang, sondern auch in der Mitte des Jahres, wenn die Predigten, Andachten und Blogartikel zur Jahreslosung der grauen Vergangenheit angehören. Aber auch dann noch gilt dieses sehr herausfordernde Wort, dass alles in Liebe geschehen soll. In der Liebe, in der Gott uns zuerst geliebt hat (1. Johannes 4,19, in der Liebe, durch die Jesus auf diese Erde kam (Titus 3,4), in der Liebe, durch die Jesus für dich und mich starb, als wir noch gar nichts von ihm wissen wollten (Römer 5,8).

In diesem Sinne wünsche ich Dir ein frohes und gesegnetes neues Jahr, in dem du alles in Liebe geschehen lässt.


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