Je länger ich in Sachen “Gemeinde” unterwegs bin, desto mehr bin ich davon überzeugt: Hat eine Gemeinde eine Vision, ist sie kraftvoller, dynamischer und leidenschaftlicher als andere Gemeinden. Nein, ich habe keine Untersuchungen und Nachforschungen angestellt. Das ist ein ganz subjektives Empfinden.

Das Verhältnis von Mission, Vision und Strategie

Dabei gilt zu bedenken: Die Vision ist nicht gleich die Mission und ist nicht gleich die Strategie. Gut. Jetzt sind einige durchaus verwirrt, aber ich glaube, dass es von großer Hilfe ist, wenn wir hier unterscheiden – und zwar recht simpel.

Mission: Diese kann sich keine Gemeinde raussuchen. Sie ist jeder Gemeinde gegeben – und zwar vollkommen egal, welcher Konfession oder Denomination man angehört. Sie ist simpel und einfach und geht zurück auf die letzten Worte Jesu:

“Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben. Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.”Die Bibel, Matthäus 28, 18-20

Ich werde nicht müde zu betonen, dass im Griechischen hier nur ein Imperativ steht: “Macht zu Jüngern” – alles andere sind die Arten, wie wir Menschen zu Jüngern machen sollen. Jesus hat uns also nicht befohlen zu taufen, sondern zu missionieren. Punkt. Das kann man nun gut oder schlecht finden – aber das ist die Mission, die jeder Gemeinde gegeben ist. Dieser kann man sich verweigern oder nicht – aber eines kann man nicht: Am runden Tisch abstimmen und so tun, als sei “Mission” nur Aufgabe einiger Gemeinden, die es einfach nicht lassen können.

Vision: Diese sollte sich jede Gemeinde selbst geben. Und sie dient dazu, diese Mission Gottes, die jeder Gemeinde gegeben ist, auf die Gemeindesituation “runterzubrechen” und gleichzeitig so motivierend zu formulieren, dass dadurch eine Leidenschaft ausgelöst wird, diese Mission zu leben.

Der us-amerikanische Pastor Bill Hybels sagte einmal: “Eine Vision ist ein Bild der Zukunft, das Leidenschaft erzeugt.” Darum geht’s! Diese “uralte Mission” Gottes für die Gemeinde so mit Leben und Leidenschaft zu füllen, dass sie Menschen in Bewegung setzt.

Strategie: Diese ist nötig, um die Vision “auf die Straße” zu bringen. Und zwar ganz konkret in Werten, Programmen und Strukturen. Oder anders ausgedrückt: Wie wird aus einem kraftvollen Satz, einigen ausdrucksstarken Worten etwas, das sich durch den Gemeindealltag, die Gemeindeleitung, die Mitarbeiterbegleitung und vieles mehr hindurchzieht?

Mission

...ist der Gemeinde gegeben.

Vision

...lässt sich die Gemeinde schenken und wählt sie aus.

Strategie

...ist nötig, um die Vision umzusetzen.

Ein langer Weg

Und dazu braucht es einen langen Atem, was sicherlich nicht schwer zu verstehen ist. Muss man sich als Leitungsteam einer Gemeinde erst einmal im Klaren darüber sein, dass die Mission kein Wahlfach, sondern Pflichtfach ist, geht es weiter mit dem Finden einer Vision – und anschließend einer Strategie, wie diese umgesetzt werden kann.

Hierüber könnte man noch ganz viel schreiben – und vielleicht werde ich das an anderer Stelle auch tun.

Hier soll es einmal bei einem praktischen Beispiel bleiben, wie wir es in der Evangelischen Kirchengemeinde Wutachtal handhaben.

Die Mission ist uns gegeben. Unsere Vision lautet “Gott erfahren – begeistert leben” und die Strategie, wie wir sie momentan umsetzen möchten, lautet “Vision 2020“.

Zu “Vision 2020” kannst du unter folgendem Link dich schlau machen:

www.wutachblick.de/2017/09/21/vision-2020-gott-erfahren-begeistert-leben/

Ich bin der festen Überzeugung, dass eine Vision unglaubliche Kraft entfalten kann. Je schlichter, desto besser. Es braucht keine komplizierten Sätze, keine verschachtelten Kausalzusammenhänge, die alles erklären und unter sich vereinen wollen. Es braucht einen kraftvollen Satz, aussagekräftige Worte, die dann mit Leben gefüllt werden können.

Die Kraft einer Vision im Gemeindealltag

Mir persönlich hilft unsere Vision “Gott erfahren – begeistert leben” immer wieder, meinen Dienst zu hinterfragen und die “Großwetterlage” in der Gemeinde abzuklären.

Erfahren Menschen in und durch unsere Gemeinde Gott?

Leben wir den Glauben an Jesus Christus begeistert und begeisternd?

Solange ich nicht spontan auf beide Fragen ein “Nein” habe, sind wir auf einem ganz guten Weg. Allerdings sollte das “Ja” auch nicht nur zögerlich sondern am besten schnell und überzeugend kommen. Und das Schöne ist: Das ist – zumindest momentan – der Fall.

Eine Vision hilft in schwierigen Phasen und Durststrecken, den Kopf nicht in den Sand zu stecken sondern vielmehr gibt sie Anlass zu Gesprächseinstiegen wie “Hey, weißt du nicht mehr, wofür wir eigentlich angetreten sind?” oder “Schau mal, das hier ist nicht alles. Wir sind zu viel mehr berufen!”

Nochmal: Wie man eine Vision findet, wie man von der Vision zur Strategie kommt – das sind eigene Beiträge hier auf meinem Blog wert – am besten, indem ich andere zu Wort kommen lasse, die noch weitaus mehr Ahnung davon haben als ich.

Nur: Solltest du jemals zweifeln, ob es der richtige Weg war, eine Vision für die Gemeinde zu finden oder sich auf den Weg zu machen, einen Visionsprozess zu starten – sei ermutigt: Es ist definitiv der richtige Weg!

Am 18. November 2018 habe ich über die Vision “Gott erfahren – begeistert leben” gepredigt:


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