Gemeinde Leitung

Die Kunst des Leitens VII: 5 Tipps, um in schwierigen Zeiten nicht unterzugehen

Ich denke, wir sind uns in einer Sache einig: Die Leitung einer Gemeinde ist mit das Schönste, was Gott einem Menschen auftragen kann und gleichzeitig auch eine der größten Herausforderungen, vor denen man als Pfarrer oder Pastor steht.

Und ich glaube, dass es kaum einen Gemeindeleiter/Gemeindeleiterin gibt, der nicht schon einmal schwierige Zeiten durchgemacht hat – zum Beispiel in einem Veränderungsprozess, durch den du die Gemeinde hindurch leitest und führst. In kaum einer anderen Phase wirst du so sehr an die Grenzen dessen kommen, was du meinst, “meistern zu können”.

Ich mache dir mit diesem Beitrag Mut: Gib nicht auf! Bitte! Gib nicht auf! Rückblickend sind schon so viele geistliche Durchbrüche gerade dann geschehen, als Leiterinnen und Leiter kurz davor waren, aufzugeben.

Ich möchte dir 5 Tipps an die Hand geben, die nicht den Anspruch haben, der Weisheit letzter Schluss zu sein – ganz sicher nicht. Aber es sind sozusagen “praxiserprobte” Tipps.

1. Zeit mit Gott

Das absolute A und O. Unerlässlich. Und bitte: Tu nicht so, als sei die Vorbereitung auf die nächste Predigt deine persönliche Zeit mit Gott. Das wird auf kurz oder lang nich funktionieren, weil du immer als Leiter und Pastor deine Predigt vorbereitest. Aber es muss auch die Phasen und Zeiten geben, in denen du einfach als Mensch, als Person mit Gott zusammen bist.

Nimm dir mindestens genauso wie sonst auch, wenn nicht sogar noch mehr Zeit, in der du und Gott ganz nah zusammen sind. Eine Zeit, in der du in seinem Wort liest, mit ihm redest, seine Gegenwart auf dich wirken lässt. Es gibt nichts, was dir in solchen Zeiten mehr Kraft, Ausrichtung und Perspektive schenkt als die ganz persönliche Zeit mit deinem Schöpfer.

Und eins ist doch klar: Der Teufel hat am meisten Freude daran, wenn du diese Zeiten dir nicht nimmst, weil er genau weiß: Das sind die Zeiten, in denen du auftankst, in denen du gefüllt wirst, in denen die göttliche Power in dir groß werden kann, in denen Dinge justiert werden, manches vielleicht gar nicht mehr so schlimm erscheint aber zumindest alles mal ins rechte Licht gerückt wird.

Mach bitte auf keinen Fall den Fehler zu meinen, dass du dich noch mehr in die Arbeit stürzen musst als sonst, noch weniger schlafen, noch mehr arbeiten. Das wird nichts bringen. Stattdessen sei dir bewusst: dein Schöpfer wartet auf dich, dass du Zeit mit ihm verbringst und er dir in dieser Zeit alles geben möchte, was du brauchst, um nicht unterzugehen.

Das magst du manchmal gar nicht so empfinden – mag sein. Aber rückblickend wirst du sehen, dass es das Beste ist, das du tun kannst – Zeit zu verbringen mit deinem Schöpfer, der dich berufen hat und niemals im Stich lassen wird, der dich segnen will und der sich über dich freut!

2. Predige Gottes Wort

Das klingt sehr simpel, ist aber in Zeiten großer Herausforderungen alles andere als einfach zu befolgen. Ich mach’s konkret. Du wirst in Zeiten großer Herausforderungen und Veränderungsprozesse unfair behandelt werden, ja manchmal sogar unmenschlich (auf einem anderen Blatt steht, dass du dich auch nicht immer 100% korrekt verhalten wirst, aber das ist grad nicht Gegenstand der Sache). Wie schnell mag der Gedanke kommen, dass du die Predigt am Sonntag benutzen wirst, um mal “Tacheles zu reden” oder um gewisse Missstände in der Gemeinde anzuprangern. Mein Tipp: Tu es nicht! Aus zwei Gründen.

Zum einen würde der Inhalt deiner Predigt (oder zumindest ein Teil davon) deinen persönlichen Emotionen entspringen. Diese mögen vielleicht nicht negativ sein (zugegebenermaßen sind sie es aber höchstwahrscheinlich in solchen Phasen), aber sie sind nicht das Wort Gottes. Klingt wieder zu simpel? Ich wette, dass wenn du schon mal durch richtig herausfordernde Zeiten als Gemeindeleiter gegangen bist, dass du diesen Gedanken hattest und es dann gar nicht mehr so simpel war, nicht deine Regungen und Emotionen den Inhalt deiner Predigt bestimmen zu lassen.

Der zweite Grund ist noch viel simpler: Gottes Wort hat Kraft – deine Emotionen vielleicht auch – auf jeden Fall werden sie zerstörerische Kraft haben. Aber Gottes Wort hat große Kraft – und zwar im positiven Sinne; im rein positiven Sinne. Deshalb macht es auch am meisten Sinn, wenn du dich noch tiefer eingräbst in Gottes Wort bei jeder Predigtvorbereitung, dass du Kommentare liest, andere Inputs dir dazu holst und wirklich schürfst, was in Gottes Wort steht, den Schatz hebst und den Sonntagmorgen dadurch vergoldest. Glaub mir: es ist gerade in solchen Situationen das Beste, denn Gottes Wort kann in erster Linie auch mal zu dir persönlich sprechen. Und: es macht dich demütig! Es macht dich demütig, weil du in Gottes Wort erkennen wirst, wer und wie du bist.

Und zuletzt: Du willst deiner Gemeinde das Beste geben. Ich will das zumindest – Veränderungen hin oder her. Ich möchte, dass meine Gemeindeglieder geistlich nur das Beste und Feinste serviert bekommen – und das ist eine Predigt, die sich aus Gottes Wort speist und nicht aus einen sehr, sehr subjektiven Erfahrungen, Erlebnissen und Emotionen.

3. Mach was Schönes

In Zeiten von großen Veränderungen und einer stürmischen Gemeinde-See kann eine Sache schnell mal leer laufen: dein Freude-Tank. Du spürst, wie alles mühsamer wird, wie dir die Kraft fehlt, wie du zu vielem keine Lust mehr hast, wie du weniger lachst und dafür mehr angespannt bist; wie dich Kleinigkeiten auf eine Palme bringen, die du am liebsten nicht mehr verlassen willst: Augen zu, du siehst keinen, keiner sieht dich. Ganz einfach. Aber: so einfach ist es leider nicht.

Deswegen solltest du dir jetzt schon merken (falls dein Gemeindefahrwasser ruhig ist und du diesen Artikel nur aus Langeweile liest), dass du dir unbedingt etwas Schönes gönnen solltest, wenn du in schwierigen Herausforderungen steckst, die nicht mal von heute auf morgen erledigt sind.

Wir als Familie haben das vor zwei Wochen gemacht: Die Vertretung war geregelt und dann einfach mal drei Tage weg in die Berge – das iPhone habe ich zuhause gelassen, um ganz abschalten und für meine Familie da sein zu können. Es war wunderbar. Klar: recht schnell auch wieder aufgezehrt. Keine Frage. Aber diese Auszeit tat uns allen einfach gut – und sie hat noch einen guten Nebeneffekt: Ich sehe die Dinge aus einer anderen Perspektive, die mich manches ins rechte Licht rücken lässt.

So zum Beispiel, ob manche Probleme, die ich als Problem sehe, überhaupt Probleme sind. Oder manche Probleme, die scheinbar andere haben, erscheinen mir im Angesicht dessen, was es sonst noch so gibt, rein objektiv schon gar nicht mehr so groß – andere hingegen schon. So oder so: Solch eine Auszeit gibt dir zum einen Kraft und zeigt dir, welche Dinge im Leben wertvoll und schön sind – und gleichzeitig kann (muss nicht) sie dir helfen, dass manch Herausforderung ins rechte Licht gerückt wird.

4. Lass Menschen in dein Leben sprechen

Generell ist es eine große Gefahr, aber in schwierigen Zeiten scheint mir diese Gefahr noch größer zu sein. Ich meine die Gefahr, einen Tunnelblick zu entwickeln und rechts und links von dir nicht mehr all zu viel wahrzunehmen, weil dein Fokus, deine Zeit, dein Einsatz – gefühlt alles – sich um die Gründe dieser schwierigen Phase drehen.

Und das ist dann ganz ähnlich, wie bei Baron Münchhausen, der behauptete, sich an den eigenen Haaren aus deinem Sumpf herausgezogen zu haben. “Funktioniert nicht”, sagst du. Recht hast du. Und genauso wenig funktioniert es, in schwierigen Zeiten, dich alleine aus diesem Sumpf an den eigenen Haaren heraus zu ziehen – schmerzhaft ist es ohnehin schon, da musst du dir nicht noch an den eigenen Haaren ziehen.

Deswegen brauchst du Menschen, die in dein Leben hinein sprechen dürfen – und zwar auf ganz unterschiedliche Weise. Du brauchst Menschen, die dir sagen dürfen, wie du gerade auf andere wirkst. In turbulenten und schwierigen Zeiten scheint die Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung noch wesentlich größer zu werden, als sie ohnehin schon ist.

Auch wenn’s weh tut: Prädestiniert für diesen Job ist – wenn du verheiratet bist – drei mal darfst du raten, ja genau: dein Ehepartner/deine Ehepartnerin. Ihr könnt ja einen Deal aushandeln: Sie/Er darf dir in dieser Zeit ganz besonders schonungslos die Wahrheit über dich sagen – muss dich dafür aber zum Essen einladen. Und nicht nur zum Döner.

Aber auch als Single in Leitungsverantwortung: Such dir einen Menschen, dem du so gut es nur geht, vertraust und erlaube ihm, dass er dich korrigieren darf und so in dein Leben und Handeln hineinspricht, dass es dir zum Besten dient.

Und eine letzte Gruppe ist noch wichtig. Ich nenne sie die “Ermutiger”. In schwierigen und turbulenten Zeiten kommen die Menschen, die dich kritisieren, die es nicht immer 100%ig gut mit dir meinen (zumindest empfindest du das so, selbst wenn sie es wirklich gut meinen) und die dir recht schonungslos sagen, was sie von dir denken und deren Verhalten nicht immer so ist, dass du dich freust, ganz von alleine. Diese Menschen sind da und machen sich bemerkbar. Sie kommen – und hey: Das ist gut so. Nur wer miteinander statt übereinander redet, kann Herausforderungen gemeinsam meistern. Also ist es an und für sich nicht das Problem – aber: Diese Personen können dafür sorgen, dass deine Energie und das Vertrauen in das, was du tust, mehr und mehr sinken.

Deswegen sind die “Ermutiger” so wichtig. Menschen, die mit dir gehen, deine Vision teilen wollen, die dir mit ihrem Verhalten zeigen: Du stehst nicht alleine da! Es ist nicht dein Privat-Ding! “Es ist etwas, das Gott in dich und in die Gemeinde hinein gelegt hat – ich lasse dich nicht allein!” Such dir diese Menschen, umgib dich mit ihnen, träume mit ihnen von einer göttlichen Zukunft. Das wird dir ungemein Kraft geben in turbulenten und schwierigen Zeiten.

….nur sollte es von diesen Personen weit und breit keine geben, ja dann, allerspätestens dann solltest du dich hinterfragen, ob du noch auf dem richtigen Weg bist.

Aber solange Gott eine Vision nicht nur in dein Herz sondern auch in das deiner Leiter, Mitarbeiter und anderer Gemeindeglieder gegeben hat, solange halte daran fest und umgib dich mit Ermutigern, die eines tun: dich ermutigen! Manchmal gar nicht verbal, sondern einfach durch ihr Verhalten, ihr Mittragen, Mitbeten und Mitvorangehen.

5. Vergewissere dich deiner Berufung

Es war nicht nur deine Idee, dass du diese Gemeinde jetzt zu dieser Zeit leitest. Es war auch Gott selbst, der dich berufen hat, diese Leitungsverantwortung zu übernehmen. Deswegen vergewissere dich immer wieder deiner Berufung. Vergewissere dich, dass es nicht du selbst warst, der sich mal auf dem Arbeitsmarkt umgeschaut und die Angebote sondiert hat, sondern dass Gott es war, der sich auf dem Leitermarkt umgeschaut hat und überlegt hat, wer exakt auf diese Leitungsposition und -stelle passen könnte.

Wie vergewissern?

Das kannst du unterschiedlich tun. Du kannst es ganz einfach handhaben: Druck dir diesen Satz aus: “Gott, es war deine Idee!” Nimm ihn und häng ihn irgendwo auf, wo du ihn des öfteren am Tag siehst. Du kannst ihn auch im Smartphone als Hintergrund im Sperrbildschirm einstellen oder an den Spiegel im Bad hängen oder was auch immer tun. Es ist ein kleiner, aber kraftvoller Satz!

Wenn du es ein wenig tiefgründiger und geistlicher magst, dann kannst du dir auch immer wieder die Bibelstellen vor Augen rufen, die im Zusammenhang mit deiner Berufung auf diese besondere Leitungsposition auftraten.

In meinem Fall ist das ein ganz besondere Vers aus dem Alten Testament.

Und ich werde meine Freude an ihnen haben, ihnen Gutes zu tun, und ich werde sie in diesem Land pflanzen in Treue, mit meinem ganzen Herzen und mit meiner ganzen Seele. (Jeremia 32,41)

Wir haben diese Zusage von Gott bekommen. Also verlasse ich mich darauf. In guten wie in turbulenten Zeiten – wobei: Das muss sich ja nicht ausschließen, denn ich bin davon überzeugt, dass turbulente und stürmische Zeiten an sich nicht schlecht sind – überhaupt nicht! Sie sind herausfordernd, ja! Sie sind kräftezehrend, ja! Aber sie sind nicht schlecht.

Nicht, solange du dich deiner Berufung vergewisserst und weißt: Gott hat Großes vor und ist inmitten des Sturmes zu finden, weil er nicht geht, nicht abhaut, sondern da ist – und den Sturm stillt. Denn was er einmal kann, das kann er auch öfters.

Wir können als Leiterinnen und Leite nur lernen voneinander. Du hast noch mehr Tipps? Dann hinterlass gerne einen Kommentar.

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