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Auf dem Weg nach Hause

Wie ist das jetzt mit dem Leben nach dem Tod konkret?

Was wartet auf Christen – und die, die nicht als Christen gelebt haben nach dem Tod?

Wie wird uns das, was wir über das „ewige Leben“ sagen können im Hier und Jetzt nicht nur zum billigen Trost sondern zu einer Zielbeschreibung unseres Lebens?

Auf diese und auf viele andere Fragen gibt Klaus-Günter Pache in seinem Buch „Auf dem Weg nach Hause“ Antwort. Achtung Spoiler: Mich hat das Buch an vielen, vielen Stellen sehr tief berührt und ich bin Pache unglaublich dankbar dafür, dass er dieses Buch geschrieben hat.

Keine Vertröstung sondern Zielbeschreibung

Als ich das Buch las, dachte ich: „Schon komisch. Vieles in unserer Gemeindearbeit wird oft danach bestimmt und befragt, ob wir Ziele definiert und gesetzt haben, die wir in der Gemeindearbeit erreichen wollen. Aber was ist eigentlich das große Ziel eines jeden Menschen und wieso reden wir so wenig darüber?“

Merkwürdig, oder nicht? Wer über das „ewige Leben“ redet, wird schnell mal in die Ecke eines Schwärmers, Fantasten, Diesseitsverleugners oder einfach Naivlings gestellt. Das Schöne an „Auf dem Weg nach Hause“ und seinem Autor Klaus-Günter Pache (soweit ich das durch die Lektüre seines Buches beurteilen kann): Das alles trifft hier überhaupt nicht zu.

So wie ich das Buch lese, begegnet mir ein leidenschaftlicher Pastor und Verkündiger. Ein Mann, dem Menschen am Herzen liegen, der dieses Leben liebt und der – und das ist das Faszinierende – auf eine ganz nüchterne, liebevolle und überzeugende Art und Weise davon schreibt, wie sehr er sich auf den Himmel, sein eigentliches Zuhause, freut. Er tut das aber weder in einer schwärmerischen Art noch in einer verklärten Weise, bei der so manches mal Fremdschämen angesagt wäre. Nein. Ich nehme es Pache voll und ganz ab, was er über das Leben nach dem Tod schreibt und wie sehr er sich darauf freut – aber eben: Ohne das Diesseits zu verleugnen oder einer Weltflucht das Wort zu reden.

Vielmehr verbindet er an vielen Stellen das Diesseits und Jenseits auf eine – zugegebnermaßen aus dem Blickwinkel des Glaubens – logischen Weise:

Wenn dieses Leben alles ist, wenn die wenigen Jahre das sind, was wir erwarten können, dann werden sich alle Erwartungen an das Leben auf diese Zeit konzentrieren. Ohne die Perspektive auf ein ewiges Leben erschöpft sich unsere Sehnsucht nach Erfüllung im Diesseitigen.Auf dem Weg nach Hause, S. 18

Dieser Ansatz zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch und Pache zieht einen interessanten Vergleich. Denn er outet sich als jemand, der erst einmal das Ende eines Buches aufschlägt, um zu wissen, ob es gut ausgeht, ob es ein gutes Ende hat. Erst dann könne er das Buch so richtig genießen und schreibt deswegen vollkommen nachvollziehbar:

Wenn wir das nun auf unser Leben übertragen, ergibt es Sinn: Unsere Lebensgeschichte ist immer nur so gut wie ihr Ende.Auf dem Weg nach Hause, S. 35

Mega Gedanke! Und weil Pache es wichtig ist, dass jeder Mensch sich seiner Lebensgeschichte bewusst ist und vor allem seines Endes, schreibt er das Buch wie er sagt im Prinzip für zwei Zielgruppen: Einerseits für Christen, damit sie sich vergewissern können und darin gestärkt werden, was die Bibel über die Existenz nach dem irdischen Tod sagt.

Gleichzeitig liegt ihm aber noch eine zweite Zielgruppe am Herzen – und subjektiv ist mein Eindruck, dass ihm diese sogar noch ein bisschen wichtiger ist (was ich sehr gut nachvollziehen kann): Menschen, die (noch) nicht von sich sagen, dass sie Christen sind.

Die Offenbarung verständlich ausgelegt

„Auf dem Weg nach Hause“ ist kein Kommentar zur Offenbarung, auch wenn sehr viele Texte aus dem letzten Buch der Bibel eine Rolle spielen. Vielmehr aber versteht es Pache, gerade dieses oft als „Buch mit sieben Siegeln“ bezeichnete Buch der Bibel alltagsnah und verständlich auszulegen. Die zitierten Stellen aus der Offenbarung machen absolut Sinn und fügen sich in das, was Pache verdeutlichen möchte, nicht nur ein, sondern liefern die Grundlage. Insofern ist „Auf dem Weg nach Hause“ auch ein tolles Beispiel, wie mir einer guten Exegese biblische Texte ihre großartige Kraft entfalten können im Leben eines Menschen im 21. Jahrhundert.

Dabei umschifft Pache keine kniffligen Klippen. Er geht der Frage nach dem Leid und der großen Theodizee-Frage nicht aus dem Weg, die ja unweigerlich kommen muss, wenn man über das Leben nach dem Tod schreibt. Die Worte, die er findet, sind in der Sache ziemlich herausfordernd, aber durch seine den Menschen so zugewandte Art schafft es Pache, diese Worte eben nicht drohend klingen zu lassen, sondern erhellend im wahrsten Sinne: Es kommt dadurch nämlich Licht ins Dunkel. Und leider ohne Pache persönlich zu kennen, stelle ich mir einen einfühlsamen und empathischen Seelsorger vor, der zum Leid und der Frage, wieso Gott das Leid zulässt, schreibt:

Gott macht uns in der Bibel schonungslos klar, wer der Hauptverursacher des Leids ist: Der Mensch selbst!Auf dem Weg nach Hause, S. 113

Und welches Thema spielt unweigerlich auch noch eine Rolle bei der Frage nach dem, was nach dem Tod kommt? Genau. Die Frage nach dem Gericht. Auch diesen theologischen Hochkaräter lässt Pache nicht außen vor und schreibt wie selbstverständlich lebensrelevant und mit einer von Leichtigkeit gezeichneter Tiefe:

Ohne Gericht gibt es keine Gnade.Auf dem Weg nach Hause, S. 243

Ziemlich einleuchtende Kurzfassung von Dietrich Bonhoeffers Aussagen über die „Billige Gnade“.

Um es aber nochmals zu betonen: Auch wenn Pache solche Sätze schreibt – sie sind eingebettet in seine so leidenschaftlich-liebevoll-seelsorgerliche Art, die man ihm abnimmt, da er an einigen Stellen seine eigenen Höhen und Tiefen des Glaubens und Lebens beschreibt und man weiß: Hier schreibt kein Blinder von der Farbe. Hier schreibt jemand, dessen Glauben und Leben schon auf diversen Prüfständen war.

Zweifel, Himmel, Hölle, Engel

Irgendwie gibt es gefühlt wirklich nichts, was Pache nicht in Angriff nehmen würde. In seinen zwölf Kapiteln fühlt es sich an wie die Achterbahnfahrt oder einfach: das Leben, die Fragen, den Glauben eines jeden Menschen. Klar, dass auch die Frage nach Zweifeln, überhaupt nach dem Glauben und der Sehnsucht des menschlichen Herzens nicht fehlen dürfen. Der Frage nach der Auferstehung hat Pache berechtigterweise zwei Kapitel gewidmet – einmal „Das Wunder der Auferstehung“ und dann „Die Wirkung der Auferstehung“. Wichtig – denn ohne die Auferstehung Jesu müssten wir uns keinerlei Gedanken machen über das, was nach dem Tod kommt – weil ohnehin nichts käme. Aber durch und mit der Auferstehung, ist alles anders.

Diese Themen sind deswegen so wichtig, weil sie explizit oder implizit jeden Menschen betreffen. Danach geht Pache an das, was in Theologensprech „Eschatologie“ heißt, also: Die „Lehre von den letzten Dingen“, von den Dingen, die noch kommen werden, die sich in Zukunft ereignen werden, von der Wiederkunft Jesu, der Frage nach Himmel und Hölle genauso wie das Bild von der Hochzeit im Blick auf die Ewigkeit.

Besonders beeindruckt hat mich Paches Bild bzw. Vergleich um deutlich zu machen, dass die Ewigkeit nichts ist, worüber wird nichts sagen könnten, sondern in der Bibel immer wieder von „einem neuen Himmel und einer neuen Erde“ die Rede ist (und Christen sich das durchaus einmal zu Herzen nehmen sollten, dass in der Bibel mehr über die Ewigkeit ausgesagt wird, als das landauf landab behauptet wird):

Himmel und Erde sind unterschiedlich, völlig unterschiedlich, aber sie sind füreinander geschaffen, auf dieselbe Art, wie es Mann und Frau sind.Auf dem Weg nach Hause, S. 202

Wow. Treffender, schöner und tiefer kann man es eigentlich nicht sagen.

Natürlich sind es aber nicht nur Textstellen aus der Offenbarung, die in „Auf dem Weg nach Hause“ eine Rolle spielen. Pache ist ein begnadeter Bibelkenner und zitiert sehr, sehr viele biblische Texte aus dem Alten und Neuen Testament, ohne dass es ein Umsichwerfen von Bibelstellen gleicht, sondern schlicht und einfach die Kraft und Schönheit biblischer Texte zum Vorschein bringt und mir einmal mehr deutlich gemacht hat: Über das, was nach dem Tod kommt, steht in der Bibel so viel, dass es fast schon fahrlässig ist, so wenig darüber zu reden oder zu schreiben.

Prädikat: Mehr als lesenswert

Ich kann dieses Buch von Herzen gerne empfehlen. Wer mehr darüber wissen möchte, was „nach dem Tod kommt“, was es mit „dem Himmel“ und „der Ewigkeit“ auf sich hat, ob es Engel wirklich gibt und wie das mit der Wiederkehr Jesu aussieht: Lesen! Unbedingt „Auf dem Weg nach Hause“ lesen!

Dieses Buch ist äußerst gut und flüssig zu lesen, ohne dass es auch nur ansatzweise den Anschein erweckt, trivial zu sein. Das ist die wahre Kunst eines Theologen und Pastors: Große, tiefe, komplexe theologische Sachverhalte so zu verdeutlichen und zu schreiben, dass es jeder verstehen kann und die Relevanz für sein Leben erkennt. Und das schafft Klaus-Günter Pache mit „Auf dem Weg nach Hause“ über die Maßen. Ich wünsche dem Buch und der Christenheit in Deutschland, dass viele dieses Werk lesen und ebenso von einer tiefen Freude, Leidenschaft und Sehnsucht nach der Ewigkeit gepackt werden, wie Pache – und gleichzeitig aber nicht aus dieser Welt fliehen sondern sie gestalten und genießen wollen.

Klaus-Günter Pache: Auf dem Weg nach Hause
288 Seiten
ISBN: 978-3-417-26949-9
Verlag: SCM Verlag
Preis: 18,99 EUR

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Es ist keine Corona-Zeit

Gestern im Gottesdienst habe ich ein Statement gegeben, das mir sehr, sehr wichtig ist. Und weil es so wichtig ist, soll es auch auf meinen Blog.

Es ist keine Corona-Zeit. Vergiss das bitte! Es ist Jesus-Zeit!

Wir haben auch keine „Coronaregeln“ mehr, sondern es formt sich eine (vorübergehende) Normalität. Wenn du nach wie vor von einer „Ausnahmesituation“ redest, tust du dir selbst nichts Gutes, weil niemand weiß, wie lange die „Ausnahme“ noch geht – und wie die „Normalität“ danach aussieht.

Sprache generiert Realität. Und wenn du nun weiter kontinuierlich von einer „Ausnahme“ sprichst, wird dein Mindset weiterhin so sein, die Realität als eine „Ausnahmesituation“ anzunehmen. Das bedeutet: Du machst dich abhängig von anderen, von Regeln, von Meinungen. Du lässt nicht zu, dass das, was ist, das ist, was auch morgen sein wird. Denn es könnte ja morgen schon wieder anders sein.

Redest du fortwährend von „Ausnahme“ oder „Ausnahmesituation“, dann bist du seelisch immer in einer angespannten Unruhesituation, denn Ausnahmesituationen sind keine Situationen, in denen wir zur Ruhe kommen, in denen die Seele auch dort ist, wo wir physisch sind. Da hinkt seelisch immer etwas hinterher.

Du merkst das an Sätzen wie „Eigentlich wollte ich ja….“ oder „Unter normalen Umständen könnten wir…“ oder „Vor Corona war es noch möglich, dass….“. Du suchst Entschuldigungen und Ausreden um eines nicht zu tun, was aber seelisch lebensnotwenig und überlebensnotwendig ist: Lebensgestalter zu sein.

Nein, du gestaltest dann nicht – du machst dich selbst zum Opfer der Umstände und es liegt dir ständig auf der Zunge zu sagen: „Eigentlich wäre es ja schön, dieses oder jenes zu tun – aber das geht leider nicht.“

Oder du machst es zu einer faulen Ausrede: „Ach, wenn Corona nicht wäre, dann würde ich ja Sport machen, dann würde ich das mit dem Jobwechsel angehen, dann würde ich abnehmen, dann würde ich in der Gemeinde mitarbeiten, dann würde ich mich um meine Family kümmern, dann würde ich…“

Nein, ich habe einen ganz einfachen Tipp für dich:

Nimm das, was gerade ist, als etwa Neues an!

Nimm es an als die neue Realität, in der wir jetzt leben.

Damit meine ich weniger dein ganz persönliches Schicksal, denn das habe ich nicht vor Augen. Ich meine damit das, was wir gesellschaftlich gerade als „Status Quo“ haben.

Das kann sich auch wieder ändern – ja und? Wir sind umgeben von einem ständigen Wandel. Ich diskutiere mit meinen Kids recht viel darüber, wann es sinnvoll wäre, ein eigenes Smartphone zu haben. Wenn ich ihnen dann sage, dass es in meiner Kindheit noch nicht einmal Smartphones gab, rollen sie (zurecht; ich bin kein Superpädagoge) nur mit den Augen. Aber that’s it! Das ist der Wandel!

Ich selbst werde versuchen, nicht mehr von Coronaregeln, Coronazeit und ähnlichem zu sprechen. Ich habe das in der Vergangenheit getan, als vieles noch ganz neu und aktuell war. Ich habe Artikel dazu geschrieben, die du auf meinem Blog dazu findest.

Aber ich nehme jetzt diese neue Realität an, die es positiv zu gestalten gilt!

Damit bagatellisiere ich nichts und spiele nichts herunter. Ich verharmlose kein Virus noch äußere ich mich damit über Maßnahmen und Regeln so wie deren Sinnhaftigkeit und Sinnlosigkeit. Ich bin damit weder Opportunist noch Rebell.

Mir ist schlicht und einfach nur eines wichtig: Den in den Mittelpunkt zu stellen, der es verdient hat. Jesus. Er allein.

Jesus ist derselbe gestern, heute und morgen.Die Bibel - Hebräer 13,8

Ich habe oben geschrieben, dass Sprache Realität generiert. Ich will das nicht überdramatisieren und vergeistlichen oder psychologisch verschwurbeln nach dem Motto „Du musst nur oft genug sagen ‚Ich bin reich!‘ – dann bist du reich.“ Das ist Nonsense. Mir geht es nur darum, dass wir den Dingen den richtigen Wert beimessen – auch durch unsere Sprachwahl.

Würden Christen in den sozialen Medien genauso viel über Jesus posten wie über Corona, hätten wir schon längst eine Erweckung.

In meiner Predigt gestern ging es um zwei faszinierende Verse – die ganze Predigt werde ich nicht noch mal hier abtippen – keine Sorge. Du kannst sie hier anschauen:

Es sind zwei Verse, die eine ganz, ganz wichtige Botschaft transportieren, die Gott an sein Volk mitten im babylonischen Exil richtet. Die Menschen waren verzweifelt und am Boden zerstört, da sie von der damaligen Weltmacht Babylon ins Exil verschleppt wurden.

Jerusalem – hunderte Kilometer entfernt – lag zerstört da, der Tempel war zerstört und das Volk Gottes war im Exil. Grauenhaft. Schrecklich. Eine absolute Ausnahmesituation. Und dann ermutigt Gott sein Volk mitten in dieser schrecklichen Situation durch den Propheten Jesaja:

Denkt nicht mehr daran, was war und grübelt nicht mehr über das Vergangene. Seht hin; ich mache etwas Neues; schon keimt es auf. Erkennt ihr es nicht? Ich bahne einen Weg durch die Wüste und lasse Flüsse in der Einöde entstehen.Die Bibel - Jesaja 43, 18-19

Aber eines ist doch faszinierend: Gott lässt etwas Neues wachsen in deinem Leben. Es ist ihm nicht egal, unter welchen Umständen gerade dein Leben abläuft – schon gar nicht, wenn die Umstände schwierig und belastend sind. Er lässt etwas Neues, etwas Gutes, etwas Besseres entstehen!

Sei achtsam und aufmerksam – dann wirst du es erkennen. Geh mit offenen Augen und offenen Ohren durch deinen Alltag, hör hin und schau hin, wo Neues entsteht.

Und mach es mit der Haltung eines „offenen Herzens“. Lade den Heiligen Geist doch immer wieder bewusst ein: „Zeig mir heute, was Neues in meinem Leben entsteht, heiliger Geist! Ich möchte es unbedingt sehen und bin überzeugt, dass es gut ist – weil es von dir kommt!“

Mach es einfach! Grübel nicht zu viel! Denk nicht zu viel nach! Sei offen – im Herzen und mit Augen und Ohren und „Just do it!“.

Wir Menschen benötigen gerade jetzt Hoffnung, Perspektive und einen Blick nach vorne, der uns ermutigt und aufrichtet. Das alles bekommen wir nicht, wenn wir ständig von Corona und Ausnahmesituation reden.

Jesus ist größer, stärker und mächtiger, als wir das auch nur ansatzweise erahnen. Und deswegen rede ich lieber davon, dass wir eine Jesus-Zeit haben als eine Corona-Zeit. Dieses kleine Virus ist zerstörerisch – Jesus ist heilsam, befreiend und unendlich mächtiger als jedes Virus dieser Welt.


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In Freiheit dienen

Nachdem die Hybels und Maxwells den (christlichen) Markt an Führungs- und Leitungsbüchern geprägt haben, wird es scheinbar Zeit für eine Schwerpunktverschiebung. Hin zum Inneren, zur Seele, zum „Selbst“ des Leiters – und weniger hin zu Tools und Methoden.

Ehrlich gesagt glaube ich, dass Magnus Malms „In Freiheit dienen“ deswegen jede Menge Aufmerksamkeit verdient, weil es quasi in eine Lücke tritt, welche die klassischen Leitungsratgeber und Bestseller hinterlassen haben. Wir haben – auch und gerade in christlichen Gemeinden und Werken – sehr viele klassische Methoden und Tools aus der Wirtschaft gelernt und übernommen – und: Vollkommen zurecht! Ich bin zutiefst dankbar dafür, dass Leiter wie Bill Hybels oder John C. Maxwell mich genau das gelehrt haben als die eine Seite der Medaille. Und ich sage nicht, dass Bücher wie „In Freiheit dienen“ nun diese ersetzen – sondern ergänzen. Wertvoll ergänzen!

Malms „In Freiheit dienen“ scheint nun die andere Seite der Medaille zu präsentieren. Hier geht es schonungslos um den Leiter selbst, um sein Herz, sein Selbst, sein Innerstes, seine Seele.

Malm spricht Ebenen und Dimensionen eines Leiters an, die ganz tief schürfen und graben. Dass er mit einer Psychotherapeutin verheiratet ist, scheint ihn dabei sicherlich sehr zu unterstützen, wie er selbst zugibt zu Beginn seines Buches. Des weiteren ist Malm stark geprägt von monastischer Theologie und Frömmigkeit genauso wie von ignatianischer Frömmigkeit. Für evangelische Christen sicherlich noch ein wenig gewöhnungsbedürftig – aber mir scheint, dass diese beiden Vorbemerkungen wichtig sind, um Malm zu verstehen.

Dennoch: „Ignatianische Exerzitien“ und ein tiefes Verständnis (oder „Verstehenwollen“?) der menschlichen Psyche scheinen Grundvoraussetzungen im Denken und Handeln von Malm zu sein, der in Schweden immer wieder Auszeiten und Einkehrtage für Leiter anbietet. Die ignatianischen Exerzitien sind geistliche Übungen, die auf Ignatius von Loyola zurückgehen, einen spanischen Mönch aus dem 16. Jahrhundert, auf den die „Gesellschaft Jesu“ zurückgeht – besser bekannt als „Jesuitenorden“.

Leiten auf den Spuren Jesu

Das ist nicht nur der Untertitel des Buches sondern Programm. Malm schafft es auf erstaunliche Weise, biblische Texte und vor allem neutestamentliche Passagen mit Worten Jesu so einzuspielen, dass sie maßgeblich sind für seine Gedanken im Blick auf Führung und Leitung.

Gegliedert ist das Buch in zehn Kapitel, die im Prinzip Grundsatzthemen ansprechen, die jeden christlichen Leiter betreffen. Die Überschriften dieser zehn Kapitel geben schon einen guten Einblick – auf zweifache Weise: Zum einen im Blick auf das „Was“ (Was sind die Inhalte) und das „Wie“ („Wie geht Malm diese Inhalte an?“). Deswegen liste ich sie hier gerne auf:

  1. Führung übernehmen – Warum es bei der inneren Freiheit beginnen muss
  2. Was uns wirklich antreibt – Zwischen Begabung, Berufung und dem Drang nach Anerkennung
  3. Frei, arm und dienstbereit – Das Wie geistlicher Führung
  4. Das Problem mit dem blinden Augenarzt – Über geistliches Urteilsvermögen
  5. Zwischen Engeln und Dämonen – Die eigene Position finden
  6. Hier geht’s lang – Die Frage von Macht und Autorität
  7. Klare Worte finden – Die Predigt als deutliche Form von christlicher Führung
  8. Die Kirche – Mutter, Leib oder Projekt?
  9. Was eine Führungsperson formt – Zwischen dem Ich, Gott und der geistlichen Ausbildung
  10. Nicht zum Erfolg berufen, sondern um Früchte zu tragen – Orientierung zwischen Burn-out und Vision

Ich würde nicht behaupten wollen, dass Malm eine defizitäre Sicht auf die Dinge hat, aber vielleicht ist es so ein kleiner Spleen von ihm (der ein oder andere mag es auch aus „Gott braucht keine Helden“ kennen), dass er die Realität nicht primär aber doch substanziell defizitär betrachtet und Lösungswege anbietet.

So schreibt Malm beispielsweise im Blick auf den richtigen Führungsstil:

Die ämter- und ausbildungsbasierte Führung wurde ersetzt durch die gabenbasierte Führung. Führungsperson ist nun, wer gewisse geistliche Gaben bekommen hat. Oder andersherum: Hat man gewisse Geistesgaben, ist man offenbar Leiter. In Freiheit dienen, S.43

Nun denkt man beim Lesen zunächst: „Wunderbar. Gabenorientierung ist doch super. Das haben wir lange genug gelernt, gelehrt und verstanden.“ Und Malm zerpflückt das kurzerhand um die „beziehungsbasierte Führung“ zu etablieren – und macht das am Beispiel Jesu deutlich – wie ich finde: absolut überzeugend. Nur – das Ganze hat ziemliche Konsequenzen für unsere Arbeit als Leiter in Gemeinden und christlichen Werken.

Die beziehungsbasierte Führung zeigt sich nicht zuletzt darin, dass Beziehungen einen Eigenwert erhalten und nicht vorzeigbare Vorteile abverlangen. Denn dann ist es auch nicht sonderlich verlockend „von Gott abzuschalten“, wenn man Urlaub hat. Warum sollte man das auch tun, wenn er sich als Quelle der Liebe und aller Güte gezeigt hat?In Freiheit dienen, S.55

Ich kann in dieser Rezension nicht auf jedes einzelne Kapitel eingehen (vielleicht geschieht das noch an anderer Stelle). Nur so viel vorab: Wie Malm biblische Texte – und hier vor allem Aussagen über oder von Jesus in seine Art, Leitung und Führung „christlich zu denken“, einfließen lässt, ist absolut heilsam und befreiend. Und das kommt nicht von ungefähr – denn diese beiden Begriffe – oder besser gesagt: Dimensionen – sind für Malm im Blick auf Leiterschaft sehr entscheidend.

Heilung und Befreiung

Diese Begriffe tauchen immer wieder auf – sowohl für den Leiter selbst als auch im Blick auf die ihm anvertrauten Personen.

Der Mensch ist nicht gesandt, um sich Macht über andere Menschen anzueignen. Der Mensch ist gesandt, um Menschen von den Mächten zu befreien, die sie fesseln. Das setzt voraus, dass wir selbst als Erste diese Freiheit gekostet haben. Allzu oft wurde die Autorität von Leitern als Werkzeug missverstanden, das unabhängig vom Leben des jeweiligen Leiters eingesetzt werden kann. Deshalb gibt es so viele tragische Beispiele von mehr oder weniger dramatischen Doppelleben, weil derjenige, der eigentlich anderen die Befreiung verkündigen sollte, selbst von Mächten und Missbrauch geplagt war, sich aber weigerte, Seelsorge und andere Hilfe in Anspruch zu nehmen.In Freiheit dienen, S.72-73

Dieser Abschnitt ist nur einer von vielen, den man hierfür ins Feld führen könnte. Malm führt es an vielen Stellen aus, dass Leitung immer bedeutet: Menschen in Freiheit führen und ihnen den Weg zur Heilung zu zeigen, den sie für ihre Wunden (jeder Art) benötigen. Dass dies am ehesten dann wirkungsvoll geschieht, wenn man „mit gutem Beispiel vorangeht“, ist selbstredend. Aber genau diese Sprachweise verwendet Malm nicht – er legt dem Leiter nicht noch die Bürde auf „mit gutem Beispiel voranzugehen“, macht aber auf seine charmant-deutliche Weise klar, dass der Leiter einer unter Schwestern und Brüdern ist – auch in der Gemeinde. Herausfordernd. Ein Leiter ist kein Leiter „für“ die Gemeinde sondern „in“ der Gemeinde (S. 223). Wie viele Leiter verstehen ihren Dienst auf diese Weise? Als „Teil des Ganzen“ und nicht als „Leithammel“, der oft zum Leidhammel wird!?

Malm unterscheidet dabei zwischen Berufung und Sendung eines christlichen Leiters und schreibt:

Vielleicht lassen sich die beiden Seiten christlicher Führung so zusammenfassen:

  • Berufung: Sich mit Jesus Christus und seinen Interessen in der Welt vereinen
  • Sendung: Menschen von allem befreien, was sie an der Antwort auf ihre Berufung hindertIn Freiheit dienen, S.75

Konkret wird das für Malm in Gebet und Seelsorge sowie einem bewussten Wahrnehmen seiner selbst und dem absoluten Fokus auf Jesus. Die Leidenschaft, die Liebe, die Hingabe, mit der Malm über Jesus schreibt, ist vielleicht nicht die Art und Weise wie ich es ausdrücken würde, aber sie ist absolut bemerkenswert und faszinierend. Für Malm ist klar:

Den Blick von Jesus abzuwenden und der Kontrolle des eigenen Glaubens und der Glaubwürdigkeit zuzuwenden, ist eine sichere Methode, um in Depression, chaotischer Führung und Burn-out zu landen.In Freiheit dienen, S.139

Wie eingangs schon erwähnt, geht es Malm mit seinen Ausführungen nicht darum, dem Leiter handwerkliche Tools an die Hand zu geben, wie er nun besser leiten kann, sondern es geht ihm vielmehr darum, dass ich als Leiter erkenne, wer ich bin und ob das, was ich als Leiter mache auch das ist, was Menschen in Freiheit führt und in ihre Bestimmung.

Jede Menge „Gold Nuggets“

„In Freiheit dienen“ liest sich wie eine große Schatzkiste. Immer wieder finden sich Gedanken, Sätze, Formulierungen, die mich stocken lassen. Nachdenken. Innehalten. Verinnerlichen, was ich da gerade gelesen habe.

Ein paar Beispiele.

Die Vorstellung, dass eine Gemeinschaft oder eine Bewegung ohne Leitung funktionieren kann, ist nicht nur ein Mythos. Sie ist sogar ein gefährlicher Mythos, der den falschen Mächten Tür und Tor öffnet.In Freiheit dienen, S. 162+163

Wer meint, dass Malm Leitung an sich ablehne, liegt komplett daneben. Vielmehr geht es ihm um den „rechten Gebrauch“ von Leitung. Leitung im Sinne Jesu – oder eben: in den Spuren Jesu.

Aber ist es nicht so, dass man als Leiter einer christlichen Gemeinde oder eines christlichen Werkes jede Menge Zeit für (scheinbar) Unnützes und eher Lästiges (wie bspw. Verwaltung) aufbringt, die dann für die wirklich wesentlichen Dinge fehlt? Wie könnte es anders sein: Auch hier hat Malm einen wunderbaren Ratschlag parat, der im Buch immer wieder auftaucht:

Arbeitet mit dem Lebendigen zusammen, verschwendet so wenig Energie wie möglich auf das Leblose.In Freiheit dienen, S.209

Nun liegt es in der Verantwortung eines jeden Leiters, selbst herauszufinden, worin das „Lebendige“ und worin das „Leblose“ besteht. Da mag es allgemein gültige Schnittmengen geben – aber doch mag es individuell von Gemeinde zu Gemeinde und von Leitungstyp zu Leitungstyp unterschiedlich aussehen.

Innerlich jubiliert habe ich, als Malm im 7. Kapitel („Klare Worte finden. Die Predigt als deutliche Form von christlicher Führung“) schreibt, dass es auch darum gehe, „die Bibel rein physisch zurückzuerobern“ (S.212):

Natürlich macht es einen Unterschied, ob man in der eigenen, zerschlissenen Bibel liest und über ihr meditiert oder auf einen eiskalten Glasbildschirm [Anmerkung: des Smartphones] mit seinem unkörperlichen Text. Irgendwo geht der Symbolwert verloren, wenn wir per unkörperlicher Textoberfläche auf einem Telefon darüber sprechen, dass Gott Fleisch wurde. Dies gilt auch für uns als Verkünder – wir sollen Menschen ermuntern, ihre eigene physische Bibel zum Gottesdienst oder Bibelstudium mitzunehmen.In Freiheit dienen, S.215

Überhaupt ist dieses Kapitel über die Predigt eine wunderbare Mini-Homiletik, die jede Menge befreiende Botschaften beinhaltet. Malm zeigt auf, weshalb das Predigen bei vielen Leitern Verkrampfungen auslöst und führt wunderbar in die Freiheit mit einer „einfachen Gebrauchsanweisung zur Predigt“ (S. 218-219) aus sieben Punkten bestehend, denen ich voll zustimmen kann. Voraussetzung von allem: Das persönliche Bibelstudium des Leiters für sein persönliches, privates Leben – und nicht nur das „professionelle Studieren“ der Bibel, das zweckgebunden für die Verkündigung geschieht.

Apropos privat. Hier hat Malm im Kapitel „Zwischen Engeln und Dämonen. Die eigene Position finden“ ein paar ganz nette Worte übrig – und einen super praktischen Ratschlag im Blick auf Privates und Öffentliches eines christlichen Leiters:

Jede Führungsposition lebt ein Doppelleben in der Hinsicht, dass es eine deutliche Grenze zwischen privatem und öffentlichem Leben geben muss. […] Ein geistliches Tagebuch ist konkreter Ausdruck dieses inneren Lebens. […] Dieses Buch ist keine Inspirationsquelle für Predigten, sondern völlig privat, eine konkrete Hilfe, die Grenzen zwischen dem eigenen Leben und dem Dienst abzustecken.In Freiheit dienen, S. 143-144

Revolutionär sind Malms Gedanken im Blick auf die Ausbildung von – ich übertrage es einfach in den deutschen Kontext – Pfarrerinnen und Pfarrern. Er scheint auch die Art und Weise, wie in Deutschland die „Ausbildung“ zum Pfarrer/Pfarrerin geschieht, ganz gut vor Augen zu haben und kommt zu dem berechtigten Schluss (bei dem mir leider aber auch ähnlich wie ihm wohl der Glaube ein wenig abhanden gekommen zu sein scheint, dass es sich bessern möge):

Eine akademische Ausbildung bringt keine geistlichen Führer hervor. Im Gegenteil tendieren sie eher dazu, die Kirche in Richtung einer tieferen Säkularisierung zu beeinflussen.In Freiheit dienen, S.272

Einer geht noch. Zum Schluss. Letzte Seite. Was ist Malm so wichtig, dass es am Ende seines Buches beim Leser nachklingen soll?

In einer Welt, die der Teufel auf vielfache Weise auseinanderzureißen sucht, christliche Führungsperson zu sein, heißt, trotzig an Jesus festzuhalten, der auf ebenso vielfache Weise die Welt wieder heil macht. Die Frontlinie ist für uns deshalb dort, wo wir im Schnittpunkt zwischen Gott und den Menschen leben, zwischen göttlich und menschlich, um zu bezeugen, wie beides miteinander versöhnt wird. […] Die Führungsperson ist wie ein Baum. der an der Quelle gepflanzt wird. Andere können dort Schatten suchen, sich begegnen und in seinen Früchten Leben, Heilung und Sättigung genießen. Alles in der Freiheit, zu kommen und zu gehen.In Freiheit dienen, S.317

Wunderbar in keine Schublade passend

So ist Malm. So ist das Buch.

Ist Malm ein Mystiker? Dazu ist er irgendwie zu rational und sachlich in vielen Erkenntnissen.

Ist Malm ein Katholik? Dazu legt er viel zu wenig Wert auf Ämter und Hierarchien, auch wenn er die Notwendigkeit von Leitung betont.

Ist Malm ein Evangelikaler? Dazu klingen manchmal einige recht kritisch-liberale Töne im Blick auf „das Böse“ an.

Ist Malm ein Traditionalist? Er spricht zwar viel davon, dass wir als christliche Führungsperson eingliedern in eine lange Kirchen- und Bekenntnisgeschichte, was bei ihm aber nichts mit versteinerten Traditionen zu tun hat.

Ist Malm ein Träumer? Dazu hat er wahrscheinlich schon zu viel gesehen, erlebt und durchlebt in der Kirchen-Szene.

Was ist er aber dann wirklich? Inspirierend. Tiefgründig. Ein Mann des Gebets, des festen Glaubens. Ein motivierender Autor und herausfordernder Denker. Bestseller-Autor. Hoffentlich auch mit diesem Buch. „In Freiheit dienen“ hat es mehr als verdienst, von vielen, vielen christlichen Führungspersonen gelesen zu werden – vollkommen egal, ob sie evangelisch, katholisch, charismatisch, evangelikal, mystisch oder orthodox sind.

In Freiheit dienen
304 Seiten
ISBN: 978-3-417-26948-2
Verlag: SCM Verlag
Preis: 19,99 EUR

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Sinn und Ziel der Predigt

Wieso predige ich eigentlich (fast) Woche für Woche? Es ist doch schon alles gesagt! Das Evangelium ist annähernd 2000 Jahre alt und hat sich nicht geändert. Was soll der ganze Zirkus?

Ich wette, dass ich nicht der einzige Pastor bin, der solche oder ähnliche Gedanken schon hatte. Dumm nur, dass ich an dieser Stelle von meinem defizitär menschlichen Denken ausgehe anstatt von Gottes unendlichen Möglichkeiten durch eine stinknormale Predigt Woche für Woche.

Was ich im Folgenden schreibe, bezieht sich sehr stark auf das siebte Kapitel in Magnus Malms „In Freiheit dienen“. Dieses Buch habe ich im Urlaub mit großem Gewinn gelesen – hier findest du die Rezension dazu. Er überschreibt dieses Kapitel mit „Klare Worte finden. Die Predigt als deutliche Form von christlicher Führung“.

Und ich kann so gut nachempfinden, was er schreibt und in welchem Konkurrenzkampf gegen TV & Film, Schule, Wortmüdigkeit, Hochmut, andere Predigten, Informationsflut durch das WWW und bessere Gemeinden als die eigene sich eine Predigt heutzutage befindet.

Dennoch: Ich halte daran neu fest, welche Kraft und Autorität in einer Predigt zu finden sind, wenn sie ein paar Spielregeln einhält.

Wahrscheinlich liegt ein Grund für eine gewisse Predigtmüdigkeit oder Predigtlethargie in der irrigen Annahme, die Predigt richte ja ohnehin nichts aus. Klar, dass wir in unserer Zeit nur Dinge tun wollen, die uns irgendwie den Eindruck von „sinnvoll“ vermitteln. Beim Predigen ist das nicht anders.

Malm führt in seinem Buch aus: „Überprüfung und Umkehr sind Ziel der Predigt“ (In Freiheit dienen, S. 198) um dann noch einen weiteren, gehaltvollen Abschnitt über „Umkehr, Befreiung und Heilung“ anzufügen. Deswegen nehme ich mir einmal das Recht heraus, diese Begriffe ein wenig umzustellen bzw. genauer zu deklarieren und zu sagen:

Der Sinn einer Predigt liegt in Überprüfung und Umkehr.

Das Ziel einer Predigt ist Umkehr, Befreiung und Heilung.

Sinn der Predigt

Es ist Pfingsten. Kurz nach Auferstehung und Himmelfahrt. Der Heilige Geist kommt auf die Jünger Jesu herab, sie sprechen in göttlichen Sprachen, verkündigen das Evangelium und Petrus hält eine wahrlich feurige Predigt, in der es um Jesus geht (nachzulesen in der Bibel in Apostelgeschichte 2). Die Reaktion der Menschen sah so aus:

Dieses Wort traf die Zuhörer mitten ins Herz und sie fragten Petrus und die anderen Apostel: „Brüder, was sollen wir tun?“Die Bibel - Apostelgeschichte 2,37

Hammer, oder? Wie genial wäre das, wenn sich das die Zuhörerinnen und Zuhörer meiner Predigten das auch fragen würden (und wenn sie es nicht tun, liegt es mehr an mir als an ihnen).

Zwei grundsätzliche Ebenen des Menschen sind hier angesprochen: Einmal das Herz als Zentrum seines Seins, seines Willens, seiner Überzeugungen, seiner Werte. Zum anderen sein Tun, sein Handeln, sein „ins Rollen kommen“ sein: „Jetzt muss es sich im Leben aber auch bewahrheiten und umgesetzt werden.“

Kurzum: Die Menschen fragen sich nach dem Sinn des Ganzen, was sie da gehört haben – und zwar nicht auf einer philosophischen Meta-Ebene, sondern auf einer existenziell-persönlichen Ebene, was das mit ihnen zu tun haben könnte.

Das ist etwas komplett Unterschiedliches! Es geht ihnen nicht darum, welche philosophischen Erkenntnisse ein Eremit im Hinterland von Nirgendwo aus diesen Worten des Petrus, also aus seiner Predigt, ziehen könnte, sondern: Was hat das mit mir zu tun? Welchen Einfluss hat das auf mein Leben? Wie verändert das mein Leben? Wie gibt das meinem Leben mehr Inhalt und Sinn?

Der Sinn einer Predigt besteht also genau darin, dass sich Hörerinnen und Hörer einer kritischen Selbstprüfung unterziehen und Konsequenzen daraus ziehen, indem sie umkehren und ihr Denken und Handeln verändern.

Und by the way: Ob das nun TED Talks oder kurze YouTube-Videos sind – wir stellen uns diese existenziellen Fragen bei allem, was wir hören. Umso mehr sollte das auch bei der Predigt der Fall sein.

So wie die Menschen damals an Pfingsten spürten: „Junge, das hat was mit mir zu tun, was der Kerl da vom Stapel lässt“ – so sollten auch heute Hörerinnen und Hörer einer Predigt diese Gedanken haben. Wo das nicht geschieht – ist eine Predigt im Umkehrschluss sinnlos? Ich würde sagen: Ja! Aber eben nicht Predigt im Allgemeinen sondern diese eine Predigt, deren Sinn für die Zuhörerinnen und Zuhörer verschlossen bleibt. Ich habe solche Predigten schon gehört – und vielleicht sogar gehalten, aber das müssen andere entscheiden.

Wie kommen wir nun vom Sinn einer Predigt zum Ziel der Predigt? Sprich: Von ihrer Existenzberechtigung zu ihrer Wirkweise? Malm schreibt einen kurzen aber prägnanten Satz:

Die Predigt handelt nicht vom Interessanten, sondern vom Notwendigen.Magnus Malm: In Freiheit dienen, S. 199

Oh, wie viele Predigten gibt es, bei denen ich denke: „Ist ja wirklich interessant – tangiert mich aber nicht; verändert mich nicht; hat keine Relevanz für mein Leben.“ Leider. Verlorene Zeit? Vielleicht.

Notwendig ist das, was im wahrsten Sinne Not wendet. Hin zu Gutem – zu Befreiung und Heilung, wie Magnus Malm es nennt.

Ziel der Predigt

Umkehr, Befreiung und Heilung – das ist das Ziel oder besser gesagt: sind die Ziele von Predigt.

Wie unterscheide ich nun Sinn und Ziel? Ich würde es mal vorsichtig und ohne Anspruch auf Vollständigkeit so ausdrücken: Der Sinn einer Predigt ist der Predigt gegeben – das Ziel kann der Hörer und die Hörerin selbst beeinflussen.

Kurzum: Dort, wo ich als Hörer einer Predigt, mich auf den Weg mache, umkehre und Heilung und Befreiung erlebe, kommt eine Predigt zum Ziel. Und jetzt Achtung: Vorher nicht! Krass gesagt: Wo Umkehr, Heilung und Befreiung nicht einsetzen, ist eine Predigt auch nicht zu ihrem Ziel gekommen.

Nochmals: Das beeinflusse ich als Hörerin und Hörer einer Predigt maßgeblich mit – diese Last und Bürde trägt auf keinen Fall der Prediger alleine.

Die oben erwähnte Pfingstpredigt aus Apostelgeschichte 2 macht das sehr deutlich – oder besser gesagt: die Reaktion der Menschen, die diese Predigt gehört haben.

„Kehrt euch ab von euren Sünden und wendet euch Gott zu. [Umkehr] Lasst euch alle taufen im Namen von Jesus Christus zur Vergebung eurer Sünden. [Befreiung]
Dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. [Heilung]“Die Bibel - Apostelgeschichte 2,38

Können wir mal kurz einen Moment innehalten und uns vorstellen, was das bedeutet? Im Anschluss an jede Predigt kehren Menschen von den Wegen um, die sie nur von Gott entfremden, aber nicht näher zu ihm führen. Sie erleben Befreiung, weil Sünde vergeben und die drückende Last von Schuld von ihren Schultern genommen wird. Menschen werden (be)frei(t) von Gedanken, Mächten und Bindungen, die widergöttlicher Natur sind.

….und jetzt lasst uns nicht darüber streiten, wie utopisch, komisch und abgefahren das wäre sondern vielmehr eintauchen in die Faszination dieser Zielbeschreibung – oder auch „Wirkweise“ – von Predigt: Umkehr, Befreiung, Heilung.

Das muss nicht unmittelbar im Gottesdienstraum, auf dem Parkplatz vor der Kirche oder beim Sonntagsbraten geschehen. Das kann seine Zeit in Anspruch nehmen und im Nachhall zur Predigt auch erst in den nächsten Tagen und Wochen geschehen.

Aber stell dir nur mal vor, dass viele Menschen sagen: „Diese eine Predigt ließ mich umkehren, ich erfuhr Befreiung von wirklich schlechten Dingen und Heilung breitete sich aus über Wunden, die ich schon längst für unheilbar erklärt hatte.“

„Wie soll das alles geschehen?“ wendest du ein!? Sorry – not my business. Das ist Gottes Sache. Ich glaube und vertraue aber darauf, dass er heute noch genauso wie damals beim ersten Pfingstfest durch Predigt(en) wirkt und Menschen verändert.

Ich glaube, dass jeder Mensch diese drei „Meilensteine“ in seinem Leben benötigt: Umkehr, Befreiung, Heilung. Und ich glaub noch viel mehr: Nicht nur einmal, sondern immer wieder. Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir so ein Häkchen-Christentum leben.

Umkehr? Abgehakt.

Befreiung? Abgehakt.

Heilung? Abgehakt.

Warum? Weil wir alles je einmal erlebt haben und meinen, damit hätten wir alles erreicht, was es auf der Heiligungsleiter zu erklimmen gibt. Aber das ist Quatsch. Wir brauchen das täglich. Wöchentlich. Monatlich. Jährlich. Immer wiederkehrend.

Wir wenden uns von Gott ab, gehen eigene Wege, vernachlässigen das Lesen in seinem Wort, die Beziehung durch den Heiligen Geist, das Gebet, den Gottesdiesntbesuch, die Mitarbeit in der Gemeinde, den Dienst in der Gesellschaft, das Salzen und Erhellen unserer Umwelt, wozu Jesus uns in Matthäus 5 auffordert.

Wir sind gebunden von der Macht der Sünde, wie es der Apostel Paulus immer und immer weider schreibt und es uns ins Herz tief einpflanzen möchte, dass Sünde keine Tat ist, sondern eine Macht – und wir verlieren den Kampf immer wieder, sind gebunden, sind geknechtet, sind nicht frei.

Und ich glaube, dass mir jeder, der das hier liest, zustimmt, wenn ich sage: Wir erleben ständig Verletzungen. Mal größere, mal kleinere. Aber jede einzelne hinterlässt eine kleine Wunde in unserem Herzen und einen Riss in unserer Seele.

Umkehr. Befreiung. Heilung. Immer wieder neu zu erlangen. Nie versiegend. Immer da. Gottes Güte ist jeden Morgen neu, wie die Bibel es beschreibt (Klagelieder 3). Und wir? Können zugreifen. Annehmen. Eintauchen. Glauben. Vertrauen.

Alter Schwede (was ein Wortspiel in diesem Zusammenhang – tschuldigung, Herr Malm) – wie würde das Menschen, Gemeinde, Orte und ganze Nationen verändern.

Neu hoffen, neu glauben, neu vertrauen

Lasst uns doch ganz neu hoffen, glauben und vertrauen, dass durch das gepredigte Wort diese Prozesse in unserem Herzen und Leben abgestoßen werden.

Umkehr ist möglich – „Metanoia“, wie es im Griechischen heißt. Das Denken erneuern, umdrehen, verändern – eine andere Sicht annehmen. STOP-Schilder wahrnehmen und umdrehen. U-Turn, wo es nicht anders geht. Sackgassenschilder nicht ignorieren, sondern den Heiligen Geist bitten, mein Denken zu erneuern und zu verändern.

Dann kann ich ehrlich zu mir sein und erkennen: Ja, Sünde hat Macht über mein Leben. Das fühlt sich elendig an, aber ist kein Grund, Sand in den Kopf oder den Kopf in den Sand zu stecken. Vielmehr gibt es doch eine Lösung dafür. Dass Jesus am Kreuz für mich starb war kein Ereignis, das halt mal so stattfand, sondern ist der Grund, dass jede Macht der Sünde gebrochen werden kann durch das Blut und den Namen Jesu. Stellvertretend. Sühnend. Für mich – ist er gestorben.

Und das führt dazu, dass Heilung geschehen kann; dass das, was am Kreuz geschieht, nicht nur eine Neuschöpfung in mir bewirkt, sondern eine langsame (manchmal) Heilung von Wunden, die ich mir und anderen zugefügt habe.

Und wie war das noch mal? Keine Lust zu predigen? Zweifel, ob es überhaupt Sinn macht? Kein Bock, Predigten zu hören? Tausendmal gehört, tausendmal ist nix passiert – wieso jetzt? Solche Gedanken schon mal gehabt?

Oh man. Lasst uns all diese Gedanken in die ewigen Jagdgründe schicken und neu darauf vertrauen, hoffen und glauben, dass in der Predigt eine Kraft liegt, die ihresgleichen sucht.

Und am besten beginnst du damit sofort. Hier und Jetzt. Als Prediger im Blick auf deine nächste Predigt genauso wie als Hörer im Blick auf den nächsten Gottesdienst.


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Das Wunder von Errikousa

Wie vermittelt man seinen Kindern im Teenageralter, dass ein nahestehender Verwandter im gleichen Alter Opfer eines antisemitischen Attentates wurde?

Wie schafft man es, die Ereignisse auf einer kleinen griechischen Insel, die sich vor über 70 Jahren während der Nazi-Zeit auf dramatische Weise ereignet haben, zu rekonstruieren?

Und wie um alles in der Welt hängen diese Ereignisse von vor 70 Jahren mit dem antisemitischen Attentat in Kansas im April 2014 nicht nur auf theoretischer, sondern ganz praktischer Weise zusammen?

Kurz gesagt: Darum geht es in „Das Wunder von Errikousa“. Streng genommen ist das aber „nur“ der Rahmen. Der Inhalt ist noch wesentlichen verrückter, atemberaubender, zu Tränen rührend und einfach unbeschreiblich.

Hinzu kommt der sagenhafte Schreibstil von Yvette Manessis Corporon. Ja, sie ist Redakteurin und Produzentin eines us-amerikanischen Nachrichtenformats namens „Extra“. Man müsste meinen, dass es ihr ja nicht schwer fällt, ein Buch zu schreiben. Ja, das mag sein. Und ja, das „Handwerk“ an sich hat sie sicherlich gelernt.

Aber mit welchem Fingerspitzengefühl, Akribie und mit welchem Feingeist sie dieses Buch geschrieben hat, ist überragend. Die unzähligen dramatischen und tragischen Ereignisse könnte man reißerisch schreiben und präsentieren. Oder man macht es wie Corporon: feingeistig, sensibel, die Würde der betroffenen Personen achtend, Emotionen beim Leser weckend aber nicht auf Grund von Effekthascherei, sondern aus einem anderen Grund: Corporon will mit diesem Buch aufmerksam machen – auf die Geschichte des griechischen Judentums, auf die Schönheit und Geschichte der Inseln Korfu und Errikousa, auf die Spiritualität und den die Gesellschaft dort durchdringenden (orthodoxen) christlichen Glauben und nicht zuletzt: Corporon macht Hoffnung.

Sie macht Hoffnung, weil sie die Aussage von Marcia Haddad Ikonomopoulos (Präsidentin der „Vereinigung der Freunde griechischen Judentums“) beherzigt, die in den so überaus gründlichen Recherchen ihrer Arbeit ihr eines Tages begegnete:

Ich glaube, dass wir die nächste Generation nicht die Namen der Verbrecher – mögen sie in der Hölle schmoren – lehren sollten, sondern die Menschen hervorheben sollten, die die Zivilcourage und den Mut hatten, etwas zum Positiven zu bewirken.Das Wunder von Errikousa, S.197

„Ganz nebenbei“ (aber von Corporon sicherlich vollkommen beabsichtigt) erfährt der Leser jede Menge über das Leben auf dieser scheinbar paradiesischen kleinen Insel namens „Errikousa“, über die Gräueltaten der Nazis auf dieser Insel und auf Korfu sowie über die Verwobenheit über Geschichten, die scheinbar jahrzehntelang auseinanderliegen und doch jede Menge miteinander zu tun haben.

„Das Wunder von Errikousa“ ist ein Meisterstück, das uns die Bedeutung von Vergebung, Gemeinschaft, Gnade und der Kraft, die aus dem Glauben wächst, lehrt.

Wie diese Geschichten, die beide so tragisch sind und doch über 70 Jahre auseinander liegen, miteinander verwoben sind, beschreibt Corporon auf meisterhafte Weise. Die Erzählstränge gehen ineinander über, das Buch ist in verschiedene Teile gegliedert, so dass man nie den Zusammenhang oder den Überblick aus den Augen verliert. Ich bin beim Lesen eingetaucht in zwei Geschichten, die streng genommen noch viele weitere Geschichten enthalten. Ich habe viel über das Leben von Christen in abgelegenen griechischen Inseln gelernt sowie über das erstaunliche Ergebnis, das herauskommt, wenn man akribisch und – in positiver Weise – besessen und voller Hingabe die Lebensgeschichte von Juden zu rekonstruieren versucht und „Zeitzeugen“ ausfindig macht, die Aufschluss darüber gibt, wer diese Familie (und ihre Nachkommen) ist, die von der eigenen Großmutter (von der Autorin) unter Lebensgefahr während des Zweiten Weltkrieges versteckt wurde.

Die Lektüre dieses Romans, dieser Biografie, dieses Geschichtsbuches, dieses….man kann es nicht klassifizieren – sie hat mich nachdenklich gemacht, sie hat mich beeindruckt, sie hat mich fasziniert.

Dabei schreibt Corporon sehr ehrlich. In dieser gesamten „Familiengeschichte“ beschreibt sie Situationen, in denen dem Leser der Atem stockt. Sie beschreibt eigene Fehler. Sie malt mit wunderbaren Worten Hoffnung, wo andere nur Grau in Grau sehen. Es ist ein sehr, sehr ehrliches Buch, ja – aber zu keinem Zeitpunkt hat man als Leser das Gefühl, sich einem Seelen-Striptease ausgesetzt zu sehen; auch für Fremdschämen ist kein Platz. Der Grat ist schmal, ein so ehrliches Werk zu veröffentlichen, um sich nicht einem ungesunden Voyeurismus preiszugeben aber in meinen Augen hat Corporon das wirklich einzigartig gut gelöst.

Ich kann dieses Buch sehr empfehlen. Es regt nicht nur an, über die deutsche Geschichte nachzudenken sondern ist ein tolles Beispiel dafür, dass jeder Mensch einen Unterschied macht in diesem Leben – unabhängig davon, wo er lebt, wie er lebt und in welchem „Zeitalter“ er geboren ist.

Und: Es ist nie zu spät für Hoffnung. Auch wenn Menschen diese aufgeben – Gottes Wege sind viel größer.

Das Wunder von Errikousa
368 Seiten
ISBN:  978-3-7751-5957-9
Verlag: SCM Verlag
Preis: 22,99 EUR

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Wunder. Was ist wirklich dran?

Kann man Wundern auf den Grund gehen und sie „überprüfen“?

Liegt in der Unverfügbarkeit von Wundern nicht gerade die Tatsache verborgen, nichts Zuverlässiges über sie sagen zu können?

Beweisen Wunder die Existenz Gottes?

Drei Fragen, die ich vor der Lektüre dieses Buches hatte und die – zugegeben – mich auch ein wenig skeptisch an dieses Buch herangehen ließen, obwohl ich den Klassiker „Der Fall Jesus“ von Lee Strobel verschlungen und begeistert gelesen hatte.

Zweifler und Skeptiker kommen zu Wort

Und eben wie in seinem Bestseller „Der Fall Jesus“ interviewt Lee Strobel auch dieses Mal ganz unterschiedliche Personen im Blick auf Wunder. Was mich dabei besonders überzeugt ist die Tatsache, dass er nicht nur „fromme Theologen“ zu Wort kommen lässt, sondern auch und gerade Zweifler und Skeptiker sowie diejenigen Christen, die zum Glauben fanden, nachdem sie sich – teilweise jahrelang – als Atheist und Zweifler sahen und bezeichneten.

Zu Wort kommt in den vielen Interviews zunächst Michael Shermer. Er ist Journalist und Historiker und Gründer der „Skeptics Society“ (www.skeptic.com), eine organisierte Form und Gesellschaft von Skeptikern mit mehreren zehntausend Mitgliedern. Sie machen es sich zum Auftrag, vor Pseudowissenschaften zu warnen bzw. diese zu untersuchen sowie das wissenschaftliche Denken zu fördern. Tragischerweise erklärt Shermer selbst von sich, dass er einst evangelikaler Christ war und sich später vom „Gottglauben verabschiedete“ (Quelle).

Strobels Herangehensweise in diesem Interview ist in meinen Augen brillant. Er – so schreibt er es auch – hatte nicht den Anspruch, mit Shermer zu debattieren, sondern wollte ihn zu Wort kommen lassen und seine Sicht auf Wunder hören. Natürlich las ich gerade dieses erste Interview mit großer Spannung und Shermer kam zu Wort – was sich im weiteren Verlauf des Buches jedoch für ihn als „tragisch“ erweisen sollte, weil seine Thesen teilweise als haltlos, teilweise als irreführend und teilweise sogar als – vorsichtig ausgedrückt – die Wahrheit ein bisschen verbogen darstellen werden.

Dieses erste Interview ist jedoch insofern wichtig und inspirierend, da es wie eine Art Grundlage dient, auf welche Strobel in den weiteren Interviews teilweise Bezug nimmt.

Eine dieser Thesen Shermers, die sich als vollkommen unzutreffend herausstellen sollte, hat mit „STEP“ zu tun – eine Studie über die therapeutische Wirkung der Fürbitte („Study of the Therapeutic Effects of Intercessory Prayer), die an der renommierten Harvard University über einen Zeitraum von 10 Jahren und damit verbundenen Kosten von 2,4 Millionen Dollar durchgeführt wurde.

Dabei wurden Patienten, die sich einer Bypass-Operation unterziehen mussten, in drei Gruppen aufgeteilt. Für die erste Gruppe wurde gebetet, für die zweite Gruppe nicht und für die dritte Gruppe wurde auch gebetet, den Patienten dieser dritten Gruppe dies aber auch mitgeteilt.

„Das Ergebnis war sehr aufschlussreich“, sagte Shermer. „Zwischen den ersten beiden Gruppen mit den Patienten, für die gebetet wurde, und denen, für die nicht gebetet wurde, gab es keinen Unterschied. Nichts. Null. Aber bei denjenigen, denen man mitgeteilt hatte, dass für sie gebetet wurde, gab es mehr Komplikationen. Das ist die beste Studie über Gebet, die wir haben. Wenn man also über bloße Erzählungen hinaus wissenschaftliche Methoden anwendet, gibt es keinerlei Beweise für Wunder.“Wunder S.51

Was über diese Studie im weiteren Verlauf des Buches zu Tage kommt, erschreckt mich. Vielmehr erschreckt mich aber noch, dass ein ach so aufgeklärt denken wollender Mensch wie Shermer seine Hausaufgaben nicht macht und genau hinschaut, wer da betet und welche Art von Gebet das ist.

Dies offenbart sich im Interview mit Dr. Candy Gunther Brown, Religionswissenschaftlerin an der Universität von Indiana. Zunächst schildert sie, dass es weitere Studien über das Gebet gab, aber hellhörig muss man einfach werden als Leser, was sie auf Strobels Frage antwortete „Und was war mit STEP, wo keinerlei positive Wirkung des Gebets festgestellt wurde?“ (S. 133):

Die einzigen Protestanten, die für diese Studie engagiert wurden, waren vom Gebetsdienst Silent Unity in Lee’s Summit, Missouri. […] Sie behaupten, Christen zu sein – der volle Name ist Unity Schule des Christentums -, aber ich stimme Ihnen zu, dass viele Theologen sie nicht so bezeichnen würden. […] Sie gehen zurück auf die Neugeist-Bewegung des späten 19. Jahrhunderts.Wunder S.133-134

Ein Blick auf die Homepage (www.unity.org) dieser Sekte reicht aus, um zu erkennen, dass es mit einem biblisch-christlichen Glauben nicht weit her ist. Frappierender wird es aber dann noch, wenn man bedenkt, was die Religionswissenschaftlerin Brown weiterführt über diese Sekte:

Die Leiter von Unity haben schon lange geleugnet, dass Gebet Wunder bewirken kann, und haben die Fürbitte sogar als „nutzlos“ bezeichnet.“ Der Mitbegründer der Sekte, Charles Fillmore, schrieb einmal: „Gott vollbringt niemals Wunder, wenn damit die Abweichung von den allgemeinen Gesetzmäßigkeiten gemeint ist.“Wunder S.135

Insofern: Es ist Strobel hoch anzurechnen, dass er Skeptiker und Zweifler zu Wort kommen lässt, was auch im weiteren und restlichen Verlauf des Buches der Fall ist. Gleichzeitig gilt es aber, auch deren Einwände und Meinungen genau unter die Lupe zu nehmen, um zu erkennen, dass nicht alles, was dem christlichen Glauben gegenüber kritisch klingt auch selbst wiederum einer kritischen Überprüfung standhält.

Indizien, die für Wunder sprechen

Strobel beginnt sein Buch mit der Auflistung sehr, sehr vieler (Heilungs-)Wunder, die dokumentiert und nachprüfbar sind. Alleine hier schon sollte man meinen, dass selbst ein kritisch denkender Mensch sich auf den Weg machen könnte und diese Wunder nachprüft.

Ebenso geht Strobel der Frage nach, weshalb so viele Wunder in Gegenden und Ländern geschehen, die nicht unserer westlichen Kultur zuzurechnen sind und auch wenn es ein wenig vereinfacht klingen mag, so ist es Strobels These, dass es auch und mitunter daran liegt, dass dort, wo Menschen durch die Bibel nach Gott suchen und forschen können, Wunder (scheinbar?) nicht so häufig vorkommen, wobei er – wie ich finde zurecht – auf keinen Fall zum Ausdruck bringen möchte, dass sie nicht nötig oder wichtig wären.

Strobel zitiert hier eine Charakterisierung von Tim Stafford, um anhand des Beispiels von Mosambik deutlich zu machen, welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit Wunder (regional) gehäuft vorkommen (S. 139):

  1. Analphabetentum. Wunder zeigen Gottes Macht ohne Worte.
  2. In der Kultur der Menschen gibt es kein Konzept von Sünde und Errettung. „Wunder erregen die Aufmerksamkeit, auch wenn man das eigene Problem und Gottes Erlösung noch nicht erkannt hat“, schrieb Stafford.
  3. Begrenzte medizinische Versorgung, sodass Wunder ein einzige Zuflucht für die Leidenden sind.
  4. Die geistliche Welt ist für die Menschen real und „ein Konflikt geistlicher Mächte ist offensichtlich“. Wunder sein eine Demonstration der Macht Gottes.

Hochinteressant ist das Interview (S. 198ff) mit dem Kriminalbeamten J. Warner Wallace, der auf Grund seiner Forschungen und Erkenntnisse zu Zeugen und Zeugenaussagen die zeugnishaften Berichte der Evangelien über die Auferstehung Jesu als Wunder unter die Lupe nimmt – auch und gerade der Frage nachgehend, wie es sich mit den scheinbaren „Ungereimtheiten“ der Darstellungen in den Evangelien verhält. Sehr, sehr erhellend und einleuchtend.

Ebenso wirklich faszinierend ist das Interview (S. 144ff) mit Tom Doyle über Wunder und Jesus-Begegnungen in muslimischen Regionen/Ländern unserer Erde. Es liest sich schon fast wie ein Krimi, was Doyle zu berichten hat. Nachdenklich stimmt folgender Abschnitt aus dem Interview.

Bevor sie mit jemandem ein Übergabegebet sprechen, stellen viele Leiter im Nahen Osten zwei Fragen. Erstens, bist du bereit für Jesus zu leiden? Und zweitens, bist du bereit, für Jesus zu sterben? Ich wünschte, wir würden diese beiden Fragen bei der Mitgliederaufnahme in unseren Gemeinden in Amerika stellen.Wunder S.160

Welches Interview mich auf besondere Weise überzeugt und fasziniert hat, war das Gespräch mit Dr. Michael G. Strauss. Ich zitiere, wie Strobel ihn dem Leser vorstellt:

Später machte er seinen Doktor in Hochenergiephysik an der UCLA und schrieb seine Doktorarbeit über das brillante Thema: „Eine Studie über die Lambda-Polarisation und Phi-Spinausrichtung bei einer Elektronen-Positronen-Annihilation bei 29 Giga Elektronenvolt zur Untersuchung des Farbteilbildverhaltens.“ (Ich lasse Ihnen einen Augenblick, um darüber hinwegzukommen, dass er Ihnen dieses Thema vor der Nase weggeschnappt hat.) Strauss wurde 1995 Dozent an der Universität von Oklahoma, hat derzeit eine David Ross Boyd-Professur in Physik inne (benannt nach dem ersten Präsidenten der Universität) und erhielt mehrere Auszeichnungen für seine Lehrtätigkeit. 15 Jahre lang forschte er am Fermi National Accelerator Center. Inzwischen führt er Forschungsprojekte bei der CERN (der Europäischen Organisation für Kernforschung) in der Schweiz in deren großen Hadonen-Speicherring durch. Wunder S.172

Mehr über ihn findest du auf seiner Seite www.michaelgstrauss.com.

Dieses Interview war für mich eine kleine Sternstunde, weil es über die Feinabstimmung im Universum geht, die als ein Wunder bezeichnet werden kann. Sicherlich am bekanntesten ist die Tatsache, dass die Entfernung der Erde zur Sonne exakt die richtige ist, um entweder nicht zu erfrieren oder nicht zu verglühen. Was in dem Interview mit Strauss aber noch zutage kommt, toppt das Ganze und ist absolut faszinierend zu lesen. Strauss versucht nicht nur, sondern schafft es, hochkomplexe und komplizierte wissenschaftliche Zusammenhänge so zu erklären und zu interpretieren, dass einerseits der Verstand und Hinrwindungen so richtig gefordert werden – andererseits aber gerade diese Tatsache auf die Existenz des biblischen Schöpfers hinweisen. Grandios.

Wunder, die nicht geschehen

Das letzte Interview hat mich in eine emotionale Achterbahn versetzt. Strobel interviewt Dr. Douglas R. Groothuis, dessen Frau unheilbar krank ist und deren Gehirn nach und nach degeneriert. Zu lesen, wie dieser hochintelligente Mann mit der Krankheit seiner Frau umgeht, die dafür sorgt, dass die ehemals so sprachgewandte und wortverliebte Frau nicht nur die Bedeutung sondern viele Wörter selbst vergisst, ist tragisch, ja schon herzzerreißend.

Groothuis ist es hoch anzurechnen, dass er so offen und ehrlich davon erzählt, was es für ihn bedeutet, dass ein Heilungswunder bei seiner Frau ausbleibt.

Strobel ist es hoch anzurechnen, dass er dieses Interview führt – und vor der Schlussaufforderung an den Leser, sich selbst ein Urteil zu bilden, als letztes Interview abdruckt. Aber vielleicht ist es gerade das sagenhafte Schlusswort von Groothuis, das dezent, versteckt und doch so treffend die Frage nach Wundern beantwortet:

„Dieser Campus ist so wunderbar“, sagte ich. „Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie du zum Unterricht gehst und jemand ruft: ‚Hallo. Professor Groothuis, wie geht es Ihnen?‘ Was würdest du antworten?“
„Nun ja, ich würde natürlich die Wahrheit sagen.“
„Und die wäre?“
„Dass ich am seidenen Faden hänge“, sagte er. „Aber glücklicherweise hat Gott diesen Faden gesponnen.“Wunder S.268

Antworten auf meine Fragen

Vor der Lektüre dieses Buches stellte ich mir drei Fragen, auf die ich nun Antworten bekommen habe durch dieses grandiose Meisterwerk Strobels.

Kann man Wundern auf den Grund gehen und sie „überprüfen“? Ja, man kann das sogar auf eine sehr, sehr vielschichtige und differenzierte Art und Weise tun – eben wie Strobel es in seinen Interviews für das Buch tat.

Liegt in der Unverfügbarkeit von Wundern nicht gerade die Tatsache verborgen, nichts Zuverlässiges über sie sagen zu können? Mitnichten! Genau das Gegenteil ist der Fall. Wer Wunder aus unterschiedlicher Weise betrachtet, wird schnell feststellen, dass sehr viel über sie ausgesagt werden kann.

Beweisen Wunder die Existenz Gottes? Nein, aber sie deuten auf eine so vielschichtige und komplexe Art und Weise darauf hin, dass es schwerfällt, nicht zu dem Schluss zukommen, dass es einen Gott gibt, wie er in der Bibel beschrieben wird.

Lee Strobel: Wunder. Was ist wirklich dran?
304 Seiten
ISBN: 978-3-9573-4574-5
Verlag: Gerth Medien
Preis: 17,00 EUR

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Die Bibel im Zeitungsformat

Ewig gültige „News“ im Newspaper-Format. Knackig und kurz, pointiert und herausfordernd. Das wesentliche des christlichen Glaubens, auszugsweise aus dem Neuen Testament gespickt mit Kommentaren verschiedener Autorinnen und Autoren. Die biblische Botschaft in das 21. Jahrhundert geholt und relevant gemacht für den Alltag eines Menschen, der 2000 Jahre nach den Ereignissen lebt.

Kurzum – darf ich vorstellen? Der „Kurier der Zeit“ (www.kurierderzeit.de).

23. Oktober 2019: Ich bekomme von Kornelije Casni eine Message auf Facebook. „Hallo David, meine Frau und ich arbeiten gerade an einer Idee und haben eine Frage an Dich – siehe PDF.“ Und in dieser PDF war die Anfrage, bei dem so genialen Projekt „Kurier der Zeit“ mitzumachen. Ich war – ehrlich gesagt – sofort Feuer und Flamme. Ich bin generell ein Mensch, der gerne Dinge ausprobiert und Neues wagt. Aber ich war noch selten so von Anfang an von einer Idee überzeugt wie beim „Kurier der Zeit“.

Mit dabei sind noch viele andere Autorinnen und Autoren. Unter anderem Daniel Böcking (stellvertretender Chefredakteur der BILD-Zeitung), Peter Statz (seines Zeichens Gründer und Rapper bei der legendären Combo W4C), Autor, Kabarettist und Mental-Coach David Kadel (www.davidkadel.de), Veronika Schmidt (klinische Sexologin, systemische Beraterin und Diplom-Sozialpädagogin – www.liebesbegehren.ch) und viele andere.

Wofür ist der „Kurier der Zeit“ eigentlich gedacht?

Gegenfrage: Was macht man mit einer Zeitung? Okay, sekundär bastelt man Hüte, schützt sich vor Malerfarbe, verkloppt andere mit einem zusammengerollten Exemplar oder spielt Schokolade-Auspacken. Primär aber, liebe Leserin und lieber Leser, ist der Verwendungszweck einer Zeitung der, dass man sie liest. That’s it. Keep it simple!

Und genau das soll mit dem „Kurier der Zeit“ auch geschehen! Er soll gelesen werden. Gelesen. Gelesen. Gelesen.

Zielgruppe?

Vorwiegend Menschen, die mit dem Glauben an Jesus und den Botschaften der Bibel noch nicht viel am Hut haben.

Warum?

Weil die Botschaft der Bibel ewig gültig ist und noch heute Menschen verändert.

Einsatzort?

Auf deinem Gäste-WC, im Kaffeehaus, in der Arztpraxis, beim Frisör – ach einfach überall, wo man Zeitung lesen kann.

Und jetzt?

Jetzt kommst du ins Spiel! Auf der Homepage www.kurierderzeit.de kannst du dir dein Exemplar (und einige coole Gadgets) bestellen. Sorge dafür, dass der „Kurier der Zeit“ dorthin kommt, wo ihn viele Menschen lesen, die ihn lesen sollen (siehe oben unter „Einsatzort“).

Für mich ist es ein großes Geschenk, bei diesem Projekt dabei zu sein. Es hat unglaublich Spaß gemacht, zu einigen biblischen Geschichten einen Kommentar zu schreiben. Vor allem aber bewundere ich die Ausdauer, Leidenschaft, Begeisterung und Zielstrebigkeit von Conny und Melli Casni – die Eltern dieses „Babys“. Sie hatten die Idee dazu, haben andere mit ins Boot geholt und sind bis zum Ende geduldig geblieben.

So. Jetzt aber genug geschrieben. Jetzt bist du dran. Hol‘ dir dein Exemplar auf www.kurierderzeit.de und folge dem „Kurier der Zeit“ auf Facebook und Instagram.

Corona. Gemeinde. Pastor. Bestandsaufnahme und Ausblick.

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Vorsicht. Dieser Artikel könnte dich verstören. Er rechnet schon so ein bisschen ab mit frommen Mythen und christlichen Möchtegernvorstellungen. Es ist ein subjektives – ich betone: subjektives – Wahrnehmen dessen, was sich in den letzten Monaten ereignet hat in unserem Land. Dabei richte ich meinen Blick ausschließlich auf meine Wahrnehmungen rund um die Corona-Pandemie. Es gäbe viel anderes zu schreiben zum Thema „Corona“ – das sollen andere machen.

„Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt“ – ein Sprichwort, das zwei Pole beschreibt. Und genau diese skizziere ich im Folgenden. Unfertig. Fragil. Vorübergehend. Nicht in Stein gemeißelt und nicht die Weisheit mit Löffeln fressend. Einfach Gedanken. Einfache Gedanken.

Himmelhochjauchzend…

Nachdem der erste Schock verarbeitet war, begann Kirche, sich nach vorne zu orientieren und Neuland einzunehmen: das Internet. Es wurde gefilmt, gestreamt und hochgeladen, als gäbe es kein Morgen mehr. Kreative Gottesdienstformate, interaktive Videokonferenzen, kurzweilige Kinderprogramme online – das Internet wurde mit der frohen Botschaft geflutet, wie wohl noch nie in der Menschheitsgeschichte.

Nicht alles davon war gut. Manches war zum Fremdschämen. Äußerte man Kritik, hieß es nur: „Lass mal Gnade walten! Wir machen es doch für den Herrn!“ Ja, ok. Stimmt. Aber Gott produziert keinen Schrott – und das sollte sein Bodenpersonal auch nicht.

Gleichwohl: Der Zuspruch – auch bei uns im Wutachtal – war anfangs immens. Es herrschte Aufbruchsstimmung. Mit ein paar Klicks konnten Menschen einen Gottesdienst besuchen, die zuvor noch nie eine (evangelische) Kirche von innen gesehen haben – zumindest nicht unsere. Wie geil ist das denn bitteschön! Auch wenn annähernd alle Online-Formate einen großen Klickzahlenverlust verzeichnen, so ist die Chance nach wie vor großartig, dass Menschen davon hören, wie sehr Gott sie liebt und dass dafür sein Sohn Jesus auf die Erde kam, lebte, liebte und stellvertretend starb, um uns freizumachen von allem, was uns gefangenhält.

Mission impossible? Von wegen! Die Kapitel digitaler Missionsgeschichte werden eben erst geschrieben. Das ist hammermäßig! Immer noch bekomme ich sonntags unzählige Instagram-Pushbenachrichtigungen: „Gemeinde XY ist jetzt live.“ Geil! Go for it! Ihr macht das super! Wir übrigens auch. Kann man an der Stelle ja auch mal sagen, ohne dass Eigenlob stinkt. Was unsere Mitarbeiter im „digitalen und technischen Bereich“ in den letzten vier Monaten auf die Beine gestellt haben – Hut ab. Ihr seid Helden!

Dadurch wurden Prozesse, Überlegungen und Konzeptionen wie im Zeitraffer umgesetzt. Was einmal für die „nahe Zukunft“ gedacht war, fand nun plötzlich statt: Livestreams. Online-Gottesdienste. Video-Podcasts.

Spätestens jetzt sollte allen klar sein: Deutschland ist auch innerhalb der Kirche noch nicht auf der Digitalisierungsüberholspur. Hier wird erst mal ein wenig auf die Datenautobahn aufgefahren, rechte Spur, orientieren. Erst mal fahren. Es gibt noch viel zu tun. Aber: Ich bin mega begeistert, was an digitaler Kreativität sich in den letzten nur vier Monaten (was sind schon vier Monate in der Kirchengeschichte) gezeigt hat.

Gleichzeitig wurde deutlich: Es sind nicht nur die jungen Freaks, die ohnehin den ganzen Tag nichts anderes zu tun haben, als „im Netz herumzuhängen“. Von wegen! Die Bereitschaft, sich auf Digitales umzustellen ist bei älteren Menschen enorm hoch. Digitalisierung ist also keine Altersfrage sondern eine Haltungsfrage.

Gleichzeitig aber – und das ist nicht weniger wichtig – ist Kirche auch analog super kreativ geworden: Autokino-Gottesdienste („Hup mit mir ein Halleleuja“ oder wie muss ich mir das vorstellen?), kreative „Segen to go“-Aktionen an Kirchengebäuden, die geschmückt waren mit Karten und kleinen Geschenken. Oder mein Favorit: Ostern. Viele haben gejammert: „Mimimimi, kein Ostern in der Kirche, mimimimi.“ Kein „Der Herr ist auferstanden“-Ostergruß in der Kirche. Stattdessen? Die wohl geilste Oster-Aktion der jüngeren Kirchengeschichte:

Auf unzähligen Straßen, Gehwegen, Auffahrten und Parkplätzen wurde die zentrale Osterbotschaft mit bunter Kreide gemalt: „Der Herr ist auferstanden!“ (Wir haben es ein wenig milieusensibler als „Jesus ist auferstanden“ tituliert.) Und das Ende vom Lied? Da Ostern dieses Jahr ausnahmsweise schneefallbefreit war, haben Menschen noch Tage (Wochen) später eben genau diese Botschaft auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkauf oder beim Spazierengehen gelesen. Wo? Außerhalb der Kirchenmauern! Mittendrin im Ort, in der Gesellschaft. Wo Christen sich normalerweise am Ostermorgen nur gegenseitig das zusagen, was ohnehin jeder schon weiß, ist diese Osterbotschaft am Ostermorgen und in den Tagen danach in der gesamten Gesellschaft präsent gewesen!

Analoge Treffen wurden teilweise digital abgehalten. Wo der Fokus eines Treffens eher auf Planung, Konzeption und Entscheidungen als auf Beziehung liegt, ist das auch das Mittel der Wahl für die Zukunft. Für mich ist klar geworden: Ich muss nicht mehr jedes Treffen physisch einberufen. Manches ist schneller und effizienter in einem Video-Meeting besprochen als live, wo man dann doch mal gerne mit dem Nachbarn quatscht, es elend lang dauert, bis auch der letzte den Weg ins Gemeindehaus gefunden hat (den er schon seit 20 Jahren kennt), Tische müssen nicht gestellt werden und kein Mensch muss sich aufregen, dass es wieder nur abgestandenes Wasser zum Trinken gibt – hat ja jeder das Getränk seiner Wahl zuhause parat.

Das erspart Zeit, Nerven und setzt wiederum Ressourcen für anderes frei. Klar ist natürlich: Dort, wo der Grund eines Treffens vor allem in der Beziehungspflege liegt, wird ein Online-Meeting das niemals ersetzen können. Hier gilt: Das eine Tun, das andre nicht lassen!

…zu Tode betrübt

Für mich als visionären und initiativen Typ ist diese Krise eine Katastrophe. Meine Frau hat es mir letzt so treffend wieder einmal auf’s Brot geschmiert: „Du musst immer was verändern und bist nie mit dem zufrieden, wie es ist.“ Das stimmt im Blick auf Gemeinde zu 100%. Ich bin ein Veränderer, ich sehe Dinge, die andere noch nicht sehen und möchte sie dafür begeistern, aus der Gemeinde eine „bessere Version“ herauszuholen als sie momentan ist. Und da es „immer was zu tun gibt“ (nicht nur in deutschen Baumärkten), ist die momentane Situation für mich eine enorme Herausforderung. Warum? Weil ich im Moment überhaupt nicht zielgerichtet arbeiten kann, wie ich es sonst gewohnt bin.

Kennst du den Unterschied zwischen „in Sicht“ und „auf Sicht“?

„In Sicht“ ist das Wetter immer schön – „auf Sicht“ fahren soll man nun als Kirchengemeinde, weil die oberste Leitung meiner Landeskirche meint, dass es anders nicht geht – ich stimme hier überhaupt nicht mit ihr überein. Wenn eine Kirchenleitung sich in der Lage sieht (und das tut sie seit Beginn der Pandemie), die Regelungen und Verordnungen noch schärfer zu ziehen als es die Landesregierung tut, dann erwarte ich von dieser meiner Kirchenleitung aber auch, dass sie weiter sehen kann als es die Landesregierung tut. Da Letzteres nicht möglich ist, sind auch die strengeren Vorgaben in meinen Augen zerstörend für Gemeinden. Die Kirchenleitung nimmt das in Kauf.

Konkretes Beispiel: Die Gottesdienstsituation

Die Art und Weise, wie wir in meiner Kirchengemeinde Gottesdienst feiern, ist alles andere als „klassisch landeskirchlich“. Wo es ein großes Kirchengebäude gibt, in dem durchschnittlich 20-40 Personen den Gottesdienst besuchen, ist es gut machbar, wieder Präsenzgottesdienste zu feiern unter Berücksichtigung des Abstandsgebotes (zwei Meter – die Kirchenleitung setzt auf die 1,5 Meter der Landesregierung noch einen drauf).

Wenn nun aber eine kleine Kirche (wie bei uns) und viele Gottesdienstbesucher (200 mit Kids) aufeinander treffen, entsteht ein Problem. Da geht das nicht ohne Weiteres. Und jetzt? Jetzt habe ich das zu managen, indem ich „auf Sicht“ fahre.

Ich kann diesen Ausdruck nicht mehr hören. Er meint so viel wie: „Wir können nur von heute auf morgen entscheiden. Wir können keine langfristigen Entscheidungen treffen. Wir müssen alle abwarten, wie sich die Gesamtsituation entwickelt.“

Nein, das müsste man nicht – aber sei’s drum: Ich kann’s nicht ändern. Aber das setzt für mich Rahmenbedingungen, die es vielleicht nicht unmöglich, aber doch sehr, sehr schwierig machen, weitreichende, langfristige, nachhaltige Entscheidungen zu treffen und Veränderungen anzugehen. Es ist wie „mit den Hufen scharren“ – und gleichzeitig angebunden zu sein. Oder wie auf der PS4 in „Formel 1 20015“ gleichzeitig Gas + Bremse zu drücken. Stillstand.

Ich empfinde das als äußerst belastend. Und soll ich ehrlich sein? Ich könnte wetten, dass es nicht nur mir so geht.

Natürlich stecke ich nicht den Kopf in den Sand und schon gar nicht Sand in den Kopf. Ich habe ein tolles Team um mich mit zwei wunderbaren hauptamtlichen Kollegen und einem ganz tollen Ältestenkreis. Aber wenn allen die Hände gebunden sind, ist es auch nicht wirklich einfacher, Veränderungen anzugehen.

Gleichzeitig nehme ich einen ganz starken Euphorierückgang war. Wo anfangs noch jede Menge Begeisterung zu spüren war, wird es nun nach und nach mühsamer für Gemeinden, ihre neu gewonnene Kreativität und Leidenschaft beizubehalten, denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Und nach vier Monaten hat der Mensch noch keine neuen Gewohnheiten sich angeeignet – Verhaltensforscher gehen davon aus, dass es dazu sieben Jahre benötigt.

Was das bedeutet? Dass Menschen ganz schnell wieder das „bisherige Programm“ wollen. So, wie es eben schon immer war. (Oh, wie ich diesen Satz ……..) Nun entstehen gewisse Interessenskonflikte. Denn die einen sagen: „Lass uns mal schauen, wie wir nun die Dinge von „vor Corona“ wieder angehen können.“ Während andere sagen: „Lass uns doch mal schauen, von welchen Dingen wir nachhaltig und dauerhaft uns verabschieden, weil die Krise gezeigt hat, dass es sie nicht braucht.“

Was mich nicht weniger stutzig macht (auch wenn „zu Tode betrübt“ vielleicht ein wenig übertrieben wäre): Der große „Run“ auf Präsenzgottesdienste ist ausgeblieben. Haben die Menschen noch Angst, sich wieder in öffentliche Veranstaltungen zu begeben? Ist das Gottesdienstgucken auf dem heimischen Sofa doch schöner? Liegt es daran, dass man nicht singen darf, kann, soll? Diese Beobachtungen nehme ich wahr – im landeskirchlichen Bereich. Ich vermute, dass es in Freikirchen anders aussieht – auch wenn der große Run auch dort ausbleiben muss, alleine wegen der Abstandsbeschränkungen.

Was ich als Pfarrer einer landeskirchlichen Gemeinde aber glaube: Das Schlimmste kommt erst noch. Momentan ist der Anfang zu spüren, dass durch Kurzarbeit und andere finanzielle Einbußen der Menschen auch die Austritte zunehmen werden und was ganz sicher ist: In den letzten vier Monaten ohne Präsenzgottesdienste gab es keine Geldsammlungen. Dadurch vergrößert sich das finanzielle Defizit, das wir dieses Jahr als Kirchengemeinde ohnehin hätten noch einmal um ca. 50% – das ist jetzt mal eine „im Kopf schnell überschlagene“ Schätzung. Wenig ist es nicht.

Und nun?

Auf in den Kampf! Es gibt nur zwei Möglichkeiten:

  1. Herausforderung annehmen.
  2. Vor der Herausforderung davonlaufen.

Ich will und werde diese Herausforderung annehmen. Es gibt so, so, so, so, so, so viel Gutes, was sich in den letzten vier Monaten entwickelt hat. Einiges davon (längst nicht alles, sonst wäre der Artikel noch länger) habe ich oben schon erwähnt. Ich bin nach wie vor begeistert und regelrecht fasziniert davon, welch kreatives Potenzial in den Menschen schlummerte und jetzt endlich, endlich, endlich das Licht der Welt erblickte.

„Potenzial hebend“ ist ein Wert, den wir als Kirchengemeinde leben (www.wutachblick.de/werte/). Mein Wunsch und meine Hoffnung ist, dass wir genau dieses Potenzial auch weiterhin heben werden. Ich möchte unbedingt, dass wir unsere Gottesdienste auch dann noch streamen (oder zumindest als Video-Podcast danach zur Verfügung stellen), wenn wir wieder Präsenzgottesdienste feiern. Die Überlegungen dafür laufen schon.

Ich möchte unbedingt, dass Menschen in der Gemeinde ihr Potenzial entfalten, das Gott ihnen geschenkt hat. So wie ich – leider – bei manchen eine gewisse Trägheit feststelle, so erlebe ich wiederum andere, die jede Menge Energie und Leidenschaft an den Tag legen.

Ich wünsche mir so sehr von Herzen, dass wir als Gemeinde und dass Kirche in Deutschland spätestens jetzt versteht: Der Kern und das Zentrum unserer Botschaft kann nur sein, dass wir jeden einzelnen Menschen zum Glauben an Jesus einladen – alle anderen Themen sind nicht nebensächlich aber nicht im Zentrum. Diese Corona-Pandemie zeigt uns doch gerade auf drastische Weise, dass wir Menschen viel, viel weniger in der Hand haben, as wir meinen.

Meine Aufgabe als Leiter und Pastor aber ist es, dass ich Gemeinde so leite, Veränderungsprozesse so initiiere und meinen „Beruf und meine Berufung“ so auslebe, dass dadurch Menschen, die noch keine Christen sind, weil Gott keine Rolle in ihrem Leben spielt, zu leidenschaftlichen Nachfolgern von Jesus werden.

Das bedeutet auch: Fokus. Fokus. Fokus. Dazu habe ich an anderer Stelle schon etwas geschrieben: „5 Dinge, die es auch nach der Corona-Krise braucht„.

Und mir wurde einmal mehr sehr, sehr bewusst, was ich ohnehin schon lebe – aber diese Krise hat es noch einmal sehr deutlich gemacht: Meine eigene Beziehungspflege zu Jesus hat allerhöchste Priorität. Ich kann Gemeinde leiten und „neu denken“ nur dann, wenn ich geerdet bin, ganz „bei mir“ bin – und „bei mir“ bin ich nur, wenn ich bei Jesus bin. Immer wieder und ständig. „Gehen wir zu dir oder zu mir“ (diese alte Kaffee-Werbung, wenn du sie noch kennst) ist geistlich gesehen nie ein „oder“ sondern immer ein „und“. Ich brauche in erster Linie es selbst, geistlich gestärkt, gegründet und fest in Jesus verankert zu sein.

„Wegen mir muss es gar nicht so schnell zurück zur Normalität gehen“ habe ich inzwischen einige Menschen sagen hören – und mich auch. Ganz persönlich ist mir auf drastische Weise deutlich geworden, welche Menschen in meinem Leben wirklich eine Rolle spielen – und welche Menschen nicht. Welche Menschen ich vermisst habe – und welche Menschen ich nicht vermisst habe in den letzten vier Monaten ist aber keine Frage der Wertigkeit dieser Menschen sondern eine Frage des Bedeutungsgehalts der Beziehung zu ihnen.

Könnte es sein, dass wir als Gemeinde einem Ideal an Gemeinschaft hinterherlaufen, dem wir gar nicht gerecht werden wollen (!), es aber dennoch so hochhalten, weil im Neuen Testament (Philipper 2,2; Kolosser 3,13-17) ja immer wieder davon die Rede ist, dass wir „eine Gemeinschaft“ sind und schon in Psalm 133,1 steht ja bekanntlich: „Wie schön und angenehm ist es, wenn Brüder [ich ergänze: „und Schwestern“] in Frieden zusammenleben!“.

Nichts gegen Gemeinschaft – echt nicht! Das wäre ja geradezu unmenschlich. Und doch ist mir in den letzten Wochen und Monaten immer wieder eine Ehrlichkeit von anderen entgegengebracht worden im Blick darauf, wie sie (christliche) Gemeinschaft sehen, dass ich darüber wohl noch ein wenig nachdenken muss. Denn Fakt ist: Die Realität ist doch schon längst die, dass wir uns zwar ein frommes Ideal an Gemeinschaft innerhalb einer christlichen Gemeinde wünschen, es aber dennoch ein hohes Maß an Unfrieden, Hartherzigkeit und Unversöhntem gibt, so dass ich mich frage, ob wir uns nicht unnötig Druck machen, wo wir einem frommen Zerrbild aber nicht biblischer Absicht hinterherlaufen.

Eines ist klar: Es gibt keine Normalität mehr wie „vor Corona“. Wer meint, dass man wieder „zur Normalität zurückkehren könne“, hat nicht ganz verstanden, was die letzten Wochen und Monate mit uns Menschen und mit christlichen Gemeinden gemacht hat. Ich glaube, es wird früher oder später eine neue Normalität geben, die sich durch ganz Unterschiedliches kennzeichnen wird, was sich von der Zeit „vor Corona“ abheben wird.

Ich bin kein Prophet – weder im geistlichen noch im übertragenen Sinne. Aber ich kann mal so ein paar ganz vorsichtige Wünsche äußern, was ich denke, wie die „neue Normalität“ sich kennzeichnen sollte.

  • Fokus auf Evangelisation und Jesus und damit den Kern christlicher Verkündigung.
  • Ehrliche Gemeinschaft, die nicht fromm übertüncht wird.
  • Hybride Formate (analoge Veranstaltungen, die auch digital verfügbar sind / gestreamt werden)
  • Weniger ist mehr. Nicht alles, was wir tun können, sollten wir auch tun. Nicht alle Meetings und Termine, die unsere Kalender füllen können, sollten dafür auch die Genehmigung bekommen.
  • Potenzial von Menschen heben. Sie „machen lassen“. Nicht alles erst „perfekt durchdenken“, sondern losgehen, Fehler machen, besser machen. Feiern.
  • Auf Grund der fehlenden Kirchensteuern, wird vieles nicht mehr „wie gewohnt“ gehen – super! Ehrenamtliche bestärken und überflüssige Gebäude verkaufen.
  • Der Satz „Das haben wir schon immer so gemacht“ wird in die ewigen Jagdgründe verbannt.
  • Was wir als Gemeinde tun, tun wir aus Überzeugung – und nicht aus Gewohnheit.

Huch. Wenn ich das so lese, da bekomme ich ja richtig Lust, „nach vorne zu denken“ und kann doch mehr angehen und verändern, als ich dachte. 😉 Ich hoffe, es geht dir auch so. Viel Erfolg dabei und Gottes Segen! Alle für einen – einer für alle! Es liegt eine großartige Zukunft vor uns. Packen wir sie an – oder wie habe ich es jahrelang am Ende einer jeden Jungscharstunde mit „meinen“ Jungscharlern gerufen: „Mit Jesus Christus mutig voran!“


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