StartGedankenDisciple im Interview

Disciple im Interview

Seit über 20 Jahren ist Disciple unterwegs in aller Welt und bekannt durch ihre fulminante Show, die das Publikum zum Kochen bringt. Aber die Band hat noch jede Menge mehr auf Lager als Musik: Sie sind bekannt für ihre klaren Worte, die zum Glauben an Jesus ermutigen. Dieses Jahr haben sie mit ihrem Worship-Projekt “Honor & Glory” ein erstes Album veröffentlicht.

Darüber und über die Einheit der Christen sowie die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Band habe ich mit ihnen gesprochen im Rahmen des Lound and Proud-Festivals (www.lap-festival.de) am 1. Oktober dieses Jahres.

Bei eurer Show gestern habt ihr gesagt, dass ihr gerne in Deutschland spielt – über 20 mal wart ihr hier. Was ist das Besondere an Deutschland?

Wenn wir uns nach einem Auftritt fragen, ob es ein guter Auftritt war, fragen wir nicht: “Wie hast du gespielt?” oder “Wie hast du gesungen?” Wir fragen: “Wie war das Publikum drauf?”

Gestern habe ich einen Fan nach dem besten Disciple-Auftritt gefragt und er sagte: “Vor 12 Jahren bei der Christmas Rocknight. Die Leute im Publikum waren so verrückt.” Also du siehst: Sogar für Fans ist es manchmal entscheidend, wie hoch die Power im Publikum ist, um zu entscheiden, ob es ein guter Auftritt war oder nicht.

Für uns als Band ist klar: Die Power und “Energie”, die in den Auftritten in Deutschland steckt, weil die Menge so abgeht, ist unglaublich. Und ja: Hier in Deutschland ist die Menge wesentlich kraftvoller und energiegeladener als in den USA. Deswegen ist für uns klar: Hier in Deutschland spielen wir unsere besten Shows. Es hat also nichts mit uns als Musikern zu tun, sondern mit den Leuten, die unsere Show besuchen.

Das ist überraschend, denn wir Deutschen sind nicht unbedingt bekannt für unseren Enthusiasmus.

Das mag sein – aber wir kennen euch nur so. Ihr Deutschen seid für uns bekannt dafür, enthusiastisch zu sein – ganz sicher!

Vielleicht müssen einfach mehr Deutsche Disciple hören?

Ja, mit Sicherheit. (lachen)

Aber ich glaube, dass Rockmusik für die Menschen in Europa noch “heiliger” ist, oder vielleicht ist “populärer” das richtige Wort, als in den USA. Dort ist es vielleicht 50:50 der Fall.

Zudem war gestern Abend für uns ein ganz besonderer Moment, weil wir durch die Corona-Pandemie total ausgebremst waren und endlich wieder in Deutschland spielen konnten – das erste Mal seit drei Jahren.

Was macht ihr eigentlich nach einer Show?

Das, was viele Bands tun: Wir gehen zu Mc Donald’s – der in Deutschland übrigens viel besser ist als in den USA.

Foto: Rudi Töws (www.instagram.com/ruditoews)

Stichwort “Corona-Pandemie”. Was hat diese Zeit mit euch als Band gemacht?

Oh – jede Menge. Natürlich war das Schlimmste, dass wir nicht spielen konnten. Das haben wir sehr vermisst. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass wir uns als Band nicht so oft haben treffen können. Das war sehr schade.

Ihr habt aber Live-Stream-Konzerte gespielt. Wie war das – so ganz ohne Zuschauer?

Furchtbar! (lachen) Im Ernst: Es ist etwas komplett anderes. Du hast nicht die Leute vor dir, die mit dir zur Musik abgehen, sondern schaust nur in die Kamera und suchst das kleine rote Lämpchen. Das ist wirklich schwierig.

Vorhin bei der Q&A-Session habt ihr angedeutet, dass es auch finanziell schwierig ist. Inwiefern?

Wir spüren die Auswirkungen der Wirtschaftskrise total. Manchmal werden Shows abgesagt, denn auch der Festival-Szene geht es nicht gut. Dadurch, dass alles teurer wurde, müssen wir manchmal wirklich sehr auf die Finanzen schauen. Wir sind sehr viel unterwegs mit unserem Tourbus – und nicht immer ist es klar, dass wir das Geld für den Sprit zusammen haben, den wir benötigen.

An dieser Stelle des Interviews unterbrach uns ein Feueralarm – zum Glück ein Fehlalarm. Das hatte zur Folge, dass wir für ein paar Minuten einfach so zusammensaßen und warteten, dass der Lärm aufhört. Dann kam die Order, dass wir das Gebäude verlassen müssen. Da am Tag zuvor dieser Alarm auch schon losging, waren die Jungs von Disciple aber total entspannt. Also sind wir raus, hinter’s Gebäude und haben dort im Freien das Interview fortgeführt.

Foto: Rudi Töws (www.instagram.com/ruditoews)

Deine Botschaft, Kevin, war sehr tief, sehr dicht, sehr berührend. Ich hatte den Eindruck, dass du Jesus ganz neu kennen- und lieben gelernt hast. Stimmt der Eindruck? Wie kommt das?

Ja, das stimmt. Ich denke, Sünde ist der beste Lehrmeister. Ich habe im letzten Jahr einige schlechte Entscheidungen getroffen und ich habe Jesus einfach noch mehr lieben gelernt als zuvor. Ich denke, das ist irgendwie so wie Paulus im Neuen Testament schon sagte: “Sollen wir sündigen, damit wir mehr und mehr von Gottes Gnade erfahren können?”

Natürlich sollen wir das nicht. Aber wenn wir das tun, erfahren wir mehr und mehr von seiner Gnade. Das wiederum hat zur Folge, dass wir ihn mehr und mehr lieben, wenn er uns vergibt. Ich habe das definitiv erlebt und meine Liebe zu ihm ist größer als je zuvor. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar.

Du hast viel über die Einheit von Christen und der Liebe von Christen untereinander gestern bei der Show “gepredigt”. Woher kommt das? Fehlt das in den USA oder wieso ist dir das so wichtig?

Ich würde sagen, Politik ist in Amerika fast zu einer Religion geworden. Also habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, mit Christen darüber zu sprechen. Ich möchte sie daran erinnern, einander zu lieben, weil die beiden Dinge einander zu nahe gekommen sind. Sie sind nicht getrennt, wie sie es sein sollten.

Religion und Politik vermischen sich schon sehr. Es herrscht die Meinung vor, wenn man Christ ist, “muss man politisch so und so denken.” Damit umzugehen, ist nicht einfach. Ich versuche, Christen von diesem Denken wegzubringen und dorthin zu führen, dass sie einander lieben sollen – selbst wenn jemand in Sachen Politik nicht einverstanden ist oder eine andere Meinung hat.

Ist das ein besonderes Problem in den USA oder betrifft uns das auch in Europa?

Sagen wir mal so: Wir lieben Sünder, oder? Ja, wir lieben Sünder wirklich. Tun wir das? Also ok, manchmal – es hängt davon ab, um welche Sünde es geht. Es gibt manche Sünden, die hassen wir wirklich. Aber im Großen und Ganzen lieben Christen die Sünder. Aber unser größtes Problem ist, dass wir als Christen uns gegenseitig lieben sollen.

Und deshalb ist es sehr wichtig für uns, uns darauf zu konzentrieren. Es ist sehr einfach, eine Kirche oder eine Konfession oder jemand anderen runterzumachen. Wir alle gewöhnen uns daran. Wir haben Gnade für die Sünder, aber wir haben keine Gnade für einander. Aber als Christ brauche ich viel Gnade in meinem Leben und ich lerne, das auch anderen Christen zu zeigen. Deshalb ist uns das gerade sehr wichtig.

Ihr habt mit “Honor & Glory” eine zweite Band gestartet von der ihr sagt, dass es ganz um Worship und nur um Gott geht – aber ist das mit Disciple nicht auch der Fall?

Ja, natürlich. In gewisser Weise geht es natürlich auch bei Disciple “nur um Gott” – aber eben anders. Mit Disciple machen wir “Rock ‘n Roll”, wir machen eine Show, wir wollen die Menschen unterhalten, so gut es nur geht – selbst wenn sie unsere Musik gar nicht so sehr mögen.

Eines der größten Komplimente für uns ist, wenn jemand, der keine Rockmusik mag, in die Show kommt, sich die Show ansieht und sagt: “Also ich mag eure Musik nicht, aber das war echt eine gute Show.”

Und auf der anderen Seite sagt jemand, der gar kein Christ ist oder nicht einmal glaubt, die Botschaft hören zu wollen: “Das war eine großartige Show.” Wir wollen, dass alle nicht uns, sondern die Show großartig finden – und dadurch auch offener sind für das, was wir zu sagen haben über den Glauben an Jesus.

Bei Disciple ist der “Show-Faktor” einfach riesengroß – und bei “Honor & Glory” ist er es gerade nicht. Für uns bedeutet es, dass wir einfach auf die Bühne gehen und uns nicht fragen, was nun die Menschen denken, sondern gemeinsam einfach Gott anbeten.

Honor & Glory

Spielt ihr inzwischen viele Konzerte als “Honor & Glory”?

Ja, so langsam, vor allem auch weil das erste Album nun veröffentlicht ist. Aber wir spielen überall dort, wo die Leute uns hören wollen. Für uns ist so ein Festival wie das Loud & Proud Festival das Beste, denn dann können wir beides spielen: Als Disciple und als Honor & Glory.

Die Idee für Honor & Glory entstand 2015 – also sieben Jahre, bevor das erste Album rauskam. Das hat mich überrascht.

Absolut! Aber es war so. Wir standen mal zusammen und haben uns gegenseitig gefragt, was wir am Wochenende machen – und jeder von uns antwortete: “Ich spiele in meiner Gemeinde im Worship.” Also haben wir uns gefragt: “Warum machen wir das nicht gemeinsam?”

In den folgenden Jahren aber kamen wir kaum dazu, das alles weiterzuentwickeln. Wir haben einfach viele Shows mit Disciple gespielt und haben uns um alles “rund um Disciple” gekümmert. Auch wenn es an anderen Stellen natürlich negativ war, hat uns die Corona-Pandemie in der Hinsicht sehr geholfen. Wir hatten plötzlich viel mehr Zeit und konnten so die Songs schreiben und das erste Album von Honor & Glory veröffentlichen.

Momentan seid ihr im Studio für ein neues Disciple-Album. Wann wird es veröffentlicht?

Wir hoffen sehr, dass es im Frühjahr 2023 erscheinen wird.

Vielen Dank für das Gespräch.

Wenn du Disciple unterstützen möchtest, empfehle ich dir “The Rebel Society”. Das ist eine Online-Community, in der Disciple bzw. Bandmitglieder Videos veröffentlichen, Messages an die Fans richten und es jede Menge “musikalisches Material” gibt, das man sonst nicht bekommt – wie zum Beispiel drei Akustik-Alben. Nicht zu vergessen den ganzen Spaß, den die Jungs haben – an dem kann man nämlich auch teilhaben.

Welchen Content du bekommst, entscheidet sich daran, welche Mitgliedschaft du wählst.

Ich bin auch Teil der Rebel Society – tut nicht weh, im Gegenteil: Mit meinem Geld unterstütze ich Disciple und bekomme gleichzeitig wertvollen Content. Ich lade dich ein, es mir gleich zu tun!

Noch mehr Infos zu Disciple bekommst du hier:

Alle Infos dazu findest du hier: www.patreon.com/disciplerocks.

Die großartigen Disciple-Fotos sind von Rudi Töws – schau vorbei auf seiner Seite (www.rtphotography.de) und seinem Instagram-Profil (www.instagram.com/ruditoews). Er macht so unglaublich großartige Fotos!


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David Brunnerhttp://www.david-brunner.de
Bloggen ist mehr als nur Schreiben. Bloggen ist kreatives Denken, out of the box, nicht immer politisch korrekt – aber dafür von Herzen. Ehemann // Familienvater // Pfarrer // Autor // Visionär // Whisky // Grillen // Apple // KSC //

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