Bald ist es wieder soweit. Genauer gesagt: in drei Tagen. Karfreitag steht vor der Tür. Der Tag mit dem Kreuz.

Irgendwie verrückt: Ein Folterinstrument wird zum Wahrzeichen einer weltweiten Bewegung, der Tod eines einzelnen wird glorifiziert und tanzen darf man immer noch  nicht an Karfreitag. Was hat es mit diesem Tag also auf sich?

Ich lehne mich jetzt mal sehr weit aus dem Fenster, wohlwissend, dass nicht sonderlich viele mir beipflichten werden – am allerwenigsten meine Berufsgenossen. Aber sei’s drum.

Ohne Karfreitag könnte ich nicht von einem Gott reden, der mich liebt. Und ohne Karfreitag wüsste ich nicht, wie Menschen vor einer ewigen Gottesferne gerettet werden sollten.

Etwas Weltbewegendes ist geschehen

Als Jesus an Karfreitag starb, ist etwas Weltbewegendes geschehen. Da war einer, der nahm die Schuld der ganzen Welt auf sich, trug sie am Kreuz und starb stellvertretend für mich. Und jetzt kommt der Clou: nicht, damit Gott befriedigt wäre, sondern weil ich es nötig habe. Ich bin weder ein guter Mensch noch ein guter Christ. Sorry, wenn du das bisher von mir dachtest, muss ich dich leider enttäuschen. Denn es vergeht kein Tag, an dem ich nicht irgend etwas sage, rede oder mache, das dem Willen des liebenden und heiligen Gottes widerspricht.

Es gibt auf der anderen Seite aber auch nichts, was Gott beeindrucken würde in meinem Leben.

Dass ich die Bibel lese? Sehr witzig. Er kennt sie auch schon längst; schließlich hat er die Schreiber inspiriert.

Meine guten Taten? Mitnichten. Die guten Werke machen keinen Menschen vor Gott gerecht, sondern entspringen unserer Rechtfertigung vor ihm.

Meine Gebete? Welche jetzt genau: die wenigen, die ich spreche oder die vielen, die ich hätte sprechen sollen, aber es nicht getan habe?

Es gibt einfach nichts, das mich vor Gott als einen gerechten Menschen dastehen lässt.

Das geschieht alleine durch das, was Jesus am Kreuz vollbracht hat:

Er war weder stattlich noch schön. Nein, wir fanden ihn unansehnlich, er gefiel uns nicht! Er wurde verachtet, von allen gemieden. Von Krankheit und Schmerzen war er gezeichnet. Man konnte seinen Anblick kaum ertragen. Wir wollten nichts von ihm wissen, ja, wir haben ihn sogar verachtet. Dabei war es unsere Krankheit, die er auf sich nahm; er erlitt die Schmerzen, die wir hätten ertragen müssen. Wir aber dachten, diese Leiden seien Gottes gerechte Strafe für ihn. Wir glaubten, dass Gott ihn schlug und leiden ließ, weil er es verdient hatte. Doch er wurde blutig geschlagen, weil wir Gott die Treue gebrochen hatten; wegen unserer Sünden wurde er durchbohrt. Er wurde für uns bestraft – und wir? Wir haben nun Frieden mit Gott! Durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir alle irrten umher wie Schafe, die sich verlaufen haben; jeder ging seinen eigenen Weg. Der Herr aber lud alle unsere Schuld auf ihn. (Jesaja 53, 2-6)

Verrückt, was viele hundert Jahre vor der Kreuzigung von Jesus über ihn vorausgesagt wurde. Aber genau das ist es: für mich. An meiner Statt. Um meinet willen. Für mich.

Klein aber fein

Ein kleines, aber interessantes Detail wird in der Bibel berichtet.

In dem Moment, in dem Jesus starb, riss der Vorhang im Tempel von oben nach unten in zwei Teile.

Da schrie Jesus noch einmal laut auf und starb. Im selben Augenblick zerriss im Tempel der Vorhang vor dem Allerheiligsten von oben bis unten. (Matthäus 27, 50+51)

OK. Nicht weiter verwunderlich und Du wünschst Dir das vielleicht auch von manchen Gardinen in manchen Gemeindehäusern, die den Charme der späten 80er Jahre versprühen.

Aber bei Jesu Kreuzigung hatte dies eine tiefere Bedeutung. Nach jüdischem Verständnis war hinter dem Vorhang der allerheiligste Bereich im Tempel – die Wohnung Gottes. Allerdings war diese von den Menschen abgetrennt durch einen Vorhang, hinter den einmal im Jahr ein Mann (der Hohepriester) stellvertretend für das Volk durfte.

Diese Sperre, dieses Hindernis ist nun weg. Weil Jesus am Kreuz stirbt, können Menschen dem lebendigen Gott begegnen und in seiner Gegenwart sein.

Es ist das größte Faszinosum und Geheimnis des Glaubens, was da am Kreuz geschah. Aber die Bibel nennt es schlicht:

Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben haben. (Johannes 3,16)

So sehr liebt Gott die Menschen, dass er es nicht aushalten konnte, dass wir in unserer Schuld zugrunde gehen. Deswegen gibt er seinen Sohn auf, damit er die Schuld der ganzen Welt trägt.

 “Seht, das ist Gottes Opferlamm, das die Sünde aller Menschen wegnimmt.” (Johannes 1,29)

Alles Unsinn?

Es wäre ja zu schön um wahr zu sein, wenn das nun alle Menschen glauben würden. Leider ist dem noch nicht so. Und der Karfreitag ist ein merkwürdiger Tag. Zu viele Menschen geht dieser Tag sonstwo vorbei und sie machen sich keinerlei Gedanken.

Davon schreibt auch der Apostel Paulus:

Dass Jesus Christus am Kreuz für uns starb, muss freilich all denen, die verloren gehen, unsinnig erscheinen. Wir aber, die gerettet werden, erfahren gerade durch diese Botschaft vom Kreuz die ganze Macht Gottes. (1. Korinther 1,18)

Und ein paar Verse später:

Die Juden wollen Wunder sehen, und die Griechen suchen nach Weisheit. Wir aber sagen den Menschen, dass Christus am Kreuz für uns sterben musste, auch wenn das für die Juden eine Gotteslästerung ist und für die Griechen blanker Unsinn. (1. Korinther 1,22+23)

Viele Menschen halten das, was am Kreuz geschah und an das wir an Karfreitag denken für blanken Unsinn.

Zutiefst dankbar

Ich bin Gott jedoch zutiefst dankbar und hoffe, das mein Leben lang zu bleiben, dass ich seit Karfreitag von einem Gott weiß, der mich – und dich – über alles liebt und alles, was er hatte, gegeben hat, damit ich frei bin von meiner Schuld, die ich selbst auch nicht ansatzweise vor ihm gutmachen könnte.

Und ich bin ihm dankbar, dass ich dadurch in seiner Gegenwart leben kann. Jeden einzelnen Tag meines Lebens. Und vor allem: über dieses Leben und meinen irdischen Tod hinaus. Dann einmal in seiner Gegenwart zu sein – für immer. Das hat schon was und darauf freue ich mich.

Matt Redman formulierte das in seinem Lied “Once again” so:

Jesus Christ, I think upon Your sacrifice.

You became nothing, poured out to death.

Many times I’ve wondered at Your gift of life,

and I’m in that place once again. […]

Thank you for the cross,

thank you for the cross,

thank you for the cross, my friend.

Dem kann ich mich von ganzem Herzen anschließen.

6 Kommentare

  1. Danke, David, für diesen wirklich guten Artikel!
    Genau auf den Punkt das wichtigste gesagt. Das ist schön zu lesen in einer Zeit, in der Christsein immer mehr “Gut-Sein” bedeutet und immer weniger die provokante Nachricht vom Kreuz genannt, geschweige denn bekannt oder gar gepredigt wird. Mir wird immer klarer, was Paulus damit meint: Denen, die verlorengehen, ein Ärgernis.
    Und Du hast ich auch wieder daran erinnert, dass das Kreuz dennoch weniger dazu dient, solche Lehrdispute auszutragen und mich mehr in Dank und Anbetung ziehen soll.

  2. Sehr guter Kommentar zu Karfreitag, demütig, ehrlich und ohne Blöße – letztlich kennt uns Gott sowieso bestens. Erschreckend, dass sich ein Geistlicher vor anderen Geistlichen „rechtfertigen“ muss, dass er JESUS und dessen Kreuzigung in seinen Mittelpunkt des Glaubens stellt.

  3. Lieber David,
    die Ostertage sind vorbei und auch hier wurden sie von Gründonnerstag an begangen und auch gefeiert. Heute, mit ein paar Tagen Abstand, bin ich mal wieder über deinen Blog gestolpert – eher, weil Du bei FB etwas mit 10 DIngen ankündigst, die aber wohl – wenn ich es richtig überflogen habe – noch ein paar Tage brauchen werden. Gut, Mose, Steintafeln, Gottes Fingerzeit haben auch seine Zeit gebraucht – ich mach aus meinem Gold mal solang ein kleines Kälbchen *grins* Vorrede Ende.
    Dein Text zum Kartag verwirrt mich aber. Und zwar nicht wegen der Aussage, sondern wegen der Vorrede, die ja zumindest mein Vorkommentierer so übernommen hat und vielleicht auch selbst so erlebt hat. Doch mich zwickt es: wieso musst du Dich wegen dieser Sicht auf den Karfreitag unter Kollegen rechtfertigen? Was bekommst Du denn da zu hören? Die Bedeutung, die du ja herausarbeitest und die hier positiv gespiegelt wird, würde ich nicht anders aufgreifen und predigen. Die Todesstunde ist die entscheidende im Wirken Gottes in Jesu. Es ist vollbracht! (Joh). Im Gottverlassensten Moment (Mt) erweist sich Gottes Versöhnung- und Vergebunswille als Wirklichkeit – der Vorhang zerreißt. Im Protestantismus die entscheidende Tat der Rechtfertigung. Darauf steht, was Christ erst Christ sein lassen kann – was ist daran nicht “Gesellschaftsfähig” unter Pfarrerinnen und Pfarrern? Erlebst du das wirklich so? Oder ist es eine Vermutung, die der ganzen Sache danach noch Würze verleiht? Dies mag ich gar nicht denken!!
    Warum erlebst du das so? Warum leitest du Deinen Blog so ein? Das würde mich interessieren.
    Denn ich denke, es ist eher verbreiteter Predigttenor, genau dies so zu sagen: Gestorben, um aller Welt im Mitreißen der Süde in den Tod den Durchgang durch den Vorhang zu ermöglichen – und zwar ausnahmslos allen.
    Bin auf deine Antwort gespannt – sofern Du Zeit findest, denn ich weiß, wovon wir da reden 🙂 Liebe Grüße
    CM

  4. Lieber Christopher,
    das sollte weder Stilmittel noch Stilblüte sein und vielleicht liegt der angedeutete Affront und das angedeutete – und erfahrene – Unverständnis nicht in dem, was geschrieben wurde, sondern in dem, was nicht geschrieben wurde.
    Als Frage formuliert: Gilt oder geschieht das Kreuzesgeschehen universal? Sprich: hat Jesus am Kreuz alle Menchen auf der Erde für ihre Zeit nach dem Tod in den Himmel geschubst (es geschieht universal) oder gibt es eine andere Möglichkeit, auch wenn das Kreuzesgeschehen jedem Menschen zugänglich ist (gilt universal)?

    In meinen Augen ist es nämlich in der Tat so, dass der Friedhof zwei Ausgänge hat, um es mal drastisch zu sagen. Auch noch nach dem Kreuzesgeschehen auf Golgatha, das nur für den sich vollzieht, er es im Glauben annimmt.
    Und da habe ich schon durchaus jede Menge andere Meinung gehört – dass es eben nicht vom Glauben des einzelnen abhängt, sondern am Ende ohnehin alle bei Gott landen.
    Kann man so sehen – muss man aber nicht. Scheint mir aber unter Theologen Mehrheitsmeinung zu sein.
    Liebe Grüße,
    David

Kommentar verfassen