Wann war noch mal Ostern?

Gestern fragte mich meine Tochter: “Papa, ist am Sonntag Ostern?” (Je nachdem, wann du diesen Beitrag liest: Das Osterfest war vor vier Tagen.)

Ich wollte schon ganz schnell sagen: “Nein, das haben wir doch am Sonntag gefeiert!” – hielt einen Moment inne und dachte: Typisch. Da fasten und kasteien wir uns 7 Wochen lang, um uns auf Ostern vorzubereiten, und dann soll Ostern nach zwei Feiertagen schon wieder rum sein?

Das kann’s doch nicht sein, oder?

Dazu ist das, was an Ostern geschehen ist zu groß, zu gewaltig, zu verändernd, zu wahr, zu hell, zu stark, zu faszinierend, zu mystisch, zu verheißungsvoll, zu schön – um wahr zu sein? Nein! Denn die Wahrheit ist:

Jesus hat uns gerettet und uns dazu berufen, ganz zu ihm zu gehören. Nicht etwa, weil wir das verdient hätten, sondern aus Gnade und freiem Entschluss. Denn noch ehe diese Welt bestand, war es Gottes Plan, uns in seinem Sohn Jesus Christus seine erbarmende Liebe zu schenken. Das ist jetzt Wirklichkeit geworden, denn unser Retter Jesus Christus ist gekommen. Das ist die rettende Botschaft: Er hat dem Tod die Macht genommen und das Leben – unvergänglich und ewig – ans Licht gebracht.
(2. Timotheus 1, 9-10)

Paulus schreibt seinem Schüler Timotheus ins Stammbuch. Aber mal gehörige Zeilen. Und er schreibt sie auch uns.

Jesus hat dem Tod die Macht genommen und das Leben – unvergänglich und ewig – ans Licht gebracht.

Der Tod hat ja viele Gesichter. Zumeist sind es hässliche Fratzen. Und eines Tages – da wird es auch uns erwischen. Das Leben endet in den allermeisten Fällen tödlich. Dagegen können wir nichts tun – oder doch?

Es gibt einen Feind des Menschen, gegen den scheinbar kein Kraut gewachsen ist – und das ist der Tod. Dieses schreckliche Ereignis wird jeden von uns treffen. Ob wir das jetzt gut finden oder nicht, ob wir darauf vorbereitet sind, oder nicht. Ob wir wissen, wie es danach weiter geht oder nicht.

Und Paulus sagt seinem Freund Timotheus:

“Der, der den Tod zerstört hat, hält deine Hand.

Der, dem du folgst, der dich kennt, der dich liebt, der dich erlöst hat, der eine starke Hand hat, hält deine Hand, jeden Tag, rund um die Uhr.”

Das können wir doch nur glauben und hoffen, weil dem Tod die Macht genommen ist – ein für allemal! (Würdest du jetzt bitte aufstehen und eine Runde jubeln? Danke!)

Damit aber noch nicht genug. Dieses Geschehen, was wir “Ostern” nennen, hat zwei Dimensionen, deren Tiefe ich wohl niemals ganz durchdringen werde, aber es versuche.

Ewigkeitsgewissheit

Die erste Dimension ist die, dass du durch Ostern und den Heiligen Geist Gewissheit hast, wo du die Ewigkeit verbringst.

Ich bin da ein bisschen old school. Ich glaube daran, dass wir alle auferstehen werden. Und ich glaube, dass alle Menschen ewig leben werden. Ich glaube aber auch, dass es zwei Orte geben wird, an denen das geschehen wird: Der eine Ort ist in der Gegenwart Gottes – viele nennen ihn Himmel. Der andere Ort ist nicht in der Gegenwart Gottes – viele nennen ihn Hölle.

Und ich bin dankbar, dass ich durch Ostern weiß, dass es “den Himmel gibt”.

Keine Sorge: Falls du – wie ich – jetzt nicht so der Sänger bist, dann musst du nicht befürchten, dass wir eine Ewigkeit lang nur Lieder singen werden. Wobei das ja auch schön ist, wenn sie gut klingen.

Aber vielmehr erwartet dich ungetrübte Gemeinschaft mit Gott, ewig.

Kein Schmerz. Kein Leid. Keine Tränen. Kein Geschrei. Ewig.

Keine Begrenzungen. Keine Krankheiten. Keine Angst. Kein Zweifel. Ewig.

Kein “Ich schaff das nicht mehr.” Kein “Ich kann nicht mehr.” Kein “Wie lange muss ich das noch aushalten?” Ewig.

Nein, ich glaube nicht, dass wir dann auf einer Blümchenwiese mit fliegenden Pferden den ganzen Tag herumtollen werden. Ich glaube eher, dass wir dann das Leben leben, das Gott sich vor Zeiten schon gedacht hat für jeden Menschen.

Ich kann da nur staunen. Mich packen lassen. Fasziniert sein. Wenn Worte fehlen, einfach Gott danken.

Das wartet auf mich, wenn ich eines Tages hier das Zeitliche segnen werde. Und ich freue mich jetzt schon so sehr darauf, dass ich mir wünschte, diese Freude noch mehr zu erleben. Mitten im Alltag. Und damit hat die zweite Dimension zu tun.

Auferstehungskraft

Ich nenne sie die Auferstehungskraft. Wenn Paulus schreibt, dass Jesus durch Ostern ein “unvergängliches und ewiges” Leben gebracht hat, dann ist genau das damit gemeint, wovon Jesus einmal einer Frau “so nebenbei” beim Wasserschöpfen am Brunnen erzählt hat. Da Jesus ein Meister darin war, seine Worte in eine bildhafte Sprache zu packen, verglich er dieses “unvergängliche und ewige Leben” mit Wasser. Warum auch nicht. Damit hantierten die beiden ja grad rum. Also sagte er zu der Frau:

“Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, der wird nie wieder Durst bekommen. Dieses Wasser wird in ihm zu einer Quelle, die bis ins ewige Leben hinein fließt.” (Johannes 4,14)

 

Ich liebe diesen Vers. Er ist für mich der Inbegriff dafür, das das ewige Leben nicht erst nach dem Tod beginnt, sondern schon hier auf der Erde. Mitten im Alltag. Auferstehungskraft.

Jesus sagt ja nicht: “Hör mal zu, gute Frau. Wenn du mir vertraust, dann gebe ich dir Leben, das nach dem Tod beginnt und nie endet.” Nein. Er sagt etwas anderes: “Ich gebe dir Leben, das bis in das ewige Leben hinein fließt.” Auferstehungskraft.

Wenn Jesus nicht nur eine Rolle spielt in deinem Leben, sondern die Regie führt, dann ist dieses ewige Leben schon in dir. Auferstehungskraft.

Das bedeutet: In dir ist eine Kraft, die ihresgleichen sucht. Gut. Da kann sie lange suchen, denn es gibt nichts, das ihr gleichkommt.

Seit Ostern gibt es eine Kraft, die stärker ist als deine Ohnmacht, weiter als deine Begrenzungen und hoffnungsvoller als alle deine Hoffnungslosigkeit. Auferstehungskraft.

Irgendwo muss es sich doch zeigen, was es heißt, Jesus zu glauben und zu vertrauen. Das zeigt sich eben nicht erst in der Ewigkeit, sondern hier und jetzt und heute.

Wenn du diese Zeilen liest und dich selbst als Christ bezeichnest, weil Jesus für dich mehr ist als nur ein spanischer Vorname, dann bitte ich dich: Lass dich nicht unterkriegen. Seine Auferstehungskraft lebt in dir. Lass sie raus. Lass sie sichtbar werden.

Denn ich bin ganz sicher: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Dämonen, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch irgendwelche Gewalten, weder Hohes noch Tiefes oder sonst irgendetwas können uns von der Liebe Gottes trennen, die er uns in Jesus Christus, unserem Herrn, schenkt. (Römer 8, 38+39)

Übrigens. Meiner Tochter antwortete ich: “Weißt du, wir haben zwar vor drei Tagen das Osterfest gefeiert. Aber eigentlich feiern wir jeden Sonntag Ostern und denken im Gottesdienst daran, dass Jesus den Tod besiegt hat und uns neues Leben schenkt!”

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