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Die Kunst des Leitens XI: Die Frage nach dem „Warum“

Kennst du den „Goldenen Kreis“? Er ist so simpel wie bahnbrechend. Stell dir drei konzentrische Kreise vor. Der innere Kreis steht für das „Warum“, der nächste Kreis für das „Wie“ und der äußerste der drei Kreise für das „Was“. Das Ganze ist nicht von mir, sondern von Simon Sinek (www.simonsinek.com), seines Zeichens einer der einflussreichsten Denker und Vorreiter der heutigen Zeit – für Menschen, die nicht stehenbleiben wollen.

Organisationen – und damit auch Kirchen und Gemeinden – agieren oft auf dem äußeren (WAS) Kreis, ohne die beiden inneren Kreise (WARUM und WIE) geklärt zu haben. Gemeinden agieren schnell und manchmal schon reflexartig, eine Antwort auf das „Was“ zu finden anstatt sich um das „Wie“ und das „Warum“ zu kümmern.

Dabei ist es viel, viel wichtiger, sich der Frage zu stellen: Warum machen wir, was wir machen? Warum sind wir, wie wir sind? Das „Warum“ fragt nach der eigenen Motivation, dem Antrieb, dem „Dahinter“, dem Grund.

Und ich dachte mir so: Meine Güte, wie wichtig ist das für Kirche – und wie erschreckend, wenn man Simon Sinek ernst nimmt im Blick auf den „Status Quo“ vielerorts.

Sinek verdeutlicht in seinem Buch „Frag immer erst: Warum“ am Beispiel von Apple, was es bedeutet, sich auf das „Warum“ zu fokussieren – und dann erst das „Wie“ und „Was“ anzugehen. Er beschreibt die Frage nach dem „Warum“ als den entscheidenden Erfolgsfaktor – nicht nur bei Apple.

Als Pfarrer und Leiter lerne ich gerne von den Besten – und dazu gehört Sinek. Nein, er ist kein Theologe – und das ist gut so, sonst wären seine Ideen wahrscheinlich auch nicht so gut. Ist einfach so. Das Meiste, was Kirche lernen kann, sagt sie sich nicht systemimmanent, sondern tut gut daran, Menschen zu Wort kommen zu lassen, die nicht „vom Fach“ sind.

Ich werde im Folgenden drei Zitate aus dem Buch „Frage immer erst: Warum“ verwenden, um aufzuzeigen, weshalb diese Frage auch für Gemeinde und Kirche so wichtig ist – und werde diese drei Zitate jeweils mit einer Frage einleiten. Denn wie oben schon gesagt: Ich glaube, dass Sinek „uns“ (also der Summe an Gemeinden, Kirchen, Leitungsebenen) jede Menge sagen kann – wer hören will, der höre!

Spiegelt das Äußere das Innere wider?

„Es ist nicht, was Apple tut, was das Unternehmen vor anderen hervorhebt. Es geht darum, warum es das tut. Seine Produkte sind der sichtbar gewordene Ausdruck des inneren Beweggrunds.“ aus 'Frag immer erst: Warum' von Simon Sinek

Ich liebe diese Formulierung: „Der sichtbar gewordene Ausdruck des inneren Beweggrunds

Drückt das, was in deiner Kirche und Gemeinde stattfindet das aus, was dich tief im Inneren bewegt? Spiegelt also das Äußere das Innere wider? Oder anders formuliert: Wenn Menschen deine Gemeinde „betreten“ – egal ob Gottesdienste, Kleingruppe oder Event – können sie daraus folgerichtig auf das schließen, was ich tief im Inneren bewegt?

Nehmen wir doch mal das Aushängeschild (oder zumindest sollte es dieses sein) einer Gemeinde: den Gottesdienst. Menschen kommen das erste Mal in den Gottesdienst, erleben die Musik, die Predigt, die Moderation genauso wie das Setting, den Raum sowie die Mitarbeitenden vor, während und nach dem Gottesdienst.

Stell dir vor, nun kommt ein Reporter. Dieser Reporter stell den Besuchern, die das erste Mal da sind, folgende Frage:

„Was glauben Sie, warum diese Gemeinde Gottesdienst feiert?“

Die Antworten des Gastes können vielfältig sein – er wird es aber hauptsächlich daran festmachen, was ihm in der vergangenen Stunde so begegnete. Was wäre die Antwort in deiner Gemeinde? Wäre doch mal spannend zu wissen! Auch für meine Gemeinde. Angenommen jemand hat wirklich keine Ahnung von Gottesdienst, „stolpert“ das erste Mal hinein – und bekommt diese Frage gestellt. Meine Vermutung ist, dass sehr oft Achselzucken als Antwort kommt.

Dabei sollte das, was wir tun und wie wir es tun, ein Spiegel dessen sein, warum wir es tun.

Meine Antwort auf die Frage „Warum feiert ihr Gottesdienste in eurer Gemeinde?“ ist schlicht: Damit Menschen Jesus kennenlernen! Also sollten wir auch alles daran setzen, dass das Wie und das Was dem Warum entspricht. Man könnte also anhand der folgenden Elemente erkennen, welches Warum hinter unseren Gottesdiensten steht:

  • Wie ist die Sprache der Lieder?
  • Welcher Musikstil wird gespielt?
  • Wie werden Menschen willkommen geheißen, wenn sie das Gebäude/Gelände betreten?
  • Sprechen wir mit den üblichen Kirchen-Floskeln, die ein normaler Mensch nicht versteht? (Opfer, Worship, Lobpreis, Segen empfangen, Vaterunser, liturgische Texte aller Art)
  • Wie werden „Neue“ nach dem Gottesdienst wahrgenommen und ggf. angesprochen?
  • Wie ist das Setting in der Kirche (Dekoration, kirchliche Gegenstände wie Altar, Kanzel und Taufstein, Bestuhlung, Beleuchtung, Sauberkeit) – fühlen sich „Neue“ wohl?

Natürlich kann man da noch eine Menge anderer Punkte anführen und es muss auch nicht der Gottesdienst sein. Dieser bietet sich einfach an, da er in so gut wie jeder christlichen Gemeinden die wohl regelmäßigste und öffentlichste Veranstaltung ist.

Stellst du Bestehendes infrage und bietest Lösungen an?

„Apple hat sich im Gegensatz zur Konkurrenz über die Frage definiert, warum die Firma etwas tut. Sie ist keine Computerfirma, sondern eine Firma, die das Bestehende infrage stellt und Individuen andere Lösungen anbietet.“aus 'Frag immer erst: Warum' von Simon Sinek

Ich finde diesen Gedanken so stark! „Semper reformanda“ war mal ein Schlagwort in der Kirchengeschichte, das soviel heißt wie: „Kirche muss immer reformiert werden“. So ist es!

Wer konsequent vom „Warum“ her denkt, stellt Bestehendes infrage. Warum? Weil er sich ständig fragt, ob er sich uns einem Auftrag noch treu ist. Aber er hinterfragt nicht nur, sondern bietet Lösungen an. Das ist so wichtig!

In der Realität gibt es nun ganz unterschiedliche Abstufungen, ob und wie Gemeindeleitung Bestehendes infrage stellt und Lösungen anbietet. Denn wohlgemerkt: Es ist kontinuierliche Aufgabe der Leitung einer Gemeinde, Bestehendes zu hinterfragen. Gemeindeglieder und Nicht-Gemeindeglieder tun dies sowieso. Das nehme ich wahr anhand von Gesprächen, Emails, WhatsApp-Nachrichten, Kirchenaustritten und dem, was so hintenrum erzählt wird.

Es ist also nicht ungewöhnlich, Bestehendes infrage zu stellen und nach Lösungen zu suchen. Die Frage ist nur: macht es die Gemeindeleitung oder nicht? Es ist nämlich ihr wesentlicher und eigentlicher Auftrag. Die Abstufungen, die ich in der Realität wahrnehme, sehen so aus:

  1. Du hinterfragst nichts und bietest keine Lösungen an. Die stumpfsinnige Variante „Das haben wir schon immer so gemacht.“
  2. Du hinterfragst nichts aber bietest Lösungen an. Die weltfremde Variante „Ich gebe Antworten auf Fragen, die keiner gestellt hat.“
  3. Du hinterfragst aber bietest keine Lösungen an. Die trotzige Variante „Ich finde alles doof, aber mehr kann ich auch nicht beitragen.“
  4. Du hinterfragst und bietest Lösungen an. Die innovative Variante „Ich sehe Potenzial und bin bereit, adäquate Lösungen zu finden.“

Wir leben in einer Zeit, deren einzige Konstante der kontinuierliche Wandel ist. Es kann nicht funktionieren, wenn Kirche ihr Tun nicht infrage stellt, sondern denkt, einfach weitermachen zu können wie bisher.

Die Frage nach dem „Warum“ wird unweigerlich dazu führen, dass wir Bestehendes infrage stellen. Es geht gar nicht anders. Die Frage nach dem „Warum“ ist die Frage nach der inneren Antriebskraft, nach unserer Motivation, nach dem, was der Motor einer Sache ist. Und wenn dieser ins Stottern kommt, weiß jeder: Hier muss repariert und eine andere Lösung präsentiert werden.

Nimm dir nur mal einen Moment Zeit und frage dich, warum du tust, was du tust. Das muss nicht im Blick auf Kirche und Gemeinde, nicht einmal im Blick auf deinen Beruf sein – das kann das betreffen, was dir momentan in den Sinn kommt. Unweigerlich ist die Frage damit verknüpft, infrage zu stellen, ob das, was du tust, auch wirklich das Richtige ist, ob es „dran ist“, wie man so schön sagt. Diese Frage wird dir auch aufzeigen, wo du nachbessern, justieren, verändern – oder eben: Lösungen anbieten solltest.

Denkst du konsequent anders?

Die Produkte an sich sind nicht der Grund, warum Apple überlegen ist; jedoch dienen die Produkte der Firma – also was Apple macht – als handgreiflicher Beweis dafür, was das Unternehmen glaubt. Es ist diese eindeutige Beziehung zwischen dem, was es tut, und der Antwort auf die Frage, warum es das tut, was Apple so anders macht. Das ist der Grund, warum Apple authentisch erscheint. Alles, was das Unternehmen tut, dient dazu das Warum zu veranschaulichen, das Bestehende infrage zu stellen. Unabhängig von den Produkten, die es herstellt, und der Branche, in der das Unternehmen operiert – es ist immer klar, dass Apple „anders denkt“. aus 'Frag immer erst: Warum' von Simon Sinek

…und ich befürchte, dass hier die meisten aussteigen werden. Aber schön, dass du wenigstens bis hierhin gelesen hast!

Was sagt Sinek da? Das iPhone, der iPod und der iMac an sich sind nicht der Grund dafür, dass Apple so erfolgreich ist, sondern weil diese Produkte zeigen: Appel denkt anders. Apple denkt innovativ. Apple stellt den „Status Quo“ in Frage. Apple ruht sich nicht aus. Apple will Antworten jetzt schon liefern, deren Fragen ich vermutlich erst übermorgen stelle.

Und genau so ist es. Ich bin begeisterter Apple-User. Und sicherlich nicht nur deswegen, wie Sinek es beschreibt – ich finde die Apple-Geräte an sich einfach richtig, richtig gut! Aber in der Tat ist es auch der „Spirit dahinter“, der mich diese Produkte verwenden lässt, weil ich einfach weiß: Apple wird nicht stehen bleiben, sondern sich hinterfragen, sich erneuern (innovieren), wird sich den Problemen stellen und Lösungen finden, die ich heute noch gar nicht sehe, weil ich das Problem noch nicht erkannt habe.

Und Kirche so? „Ach ne, lass mal so weitermachen wie bisher. Gleiche Lieder, gleiches Setting, gleicher Ablauf, gleiche Liturgie, gleicher Talar, gleiches Alles.“ …und sich dann wundern, dass Menschen der Kirche scharenweise den Rücken kehren.

Menschen haben ein Gespür für das „Warum“, für das „Dahinter“. Ich erlebe das immer dann, wenn Menschen bei uns in der Gemeinde neu sind, wenn sie den Gottesdienst besuchen und dann – meistens nach ein paar Besuchen – Sätze äußern wie.

„Man merkt, dass ihr das aus Leidenschaft macht, was ihr macht.“

„Hier fühle ich mich angenommen, hier kann ich sein, wie ich bin.“

„Es ist einfach so schön hier.“

„Ihr seid so wohltuend normal.“

Das alles hat mit dem, was im Gottesdienst geschehen ist, erst mal überhaupt nichts zu tun. Da kam keinerlei Äußerung über die Inhalte der Predigt oder die Liedtexte. Aber Menschen haben einen „Spirit“ gespürt, eine Atmosphäre. Und genau das dürfen wir nicht unterschätzen. Die Frage nach dem „Warum“ ist gleichzeitig auch die Frage nach dem „anders Denken“.

Dieses „anders Denken“ – oder wie ich es immer nenne: „out of the box denken“ – hat keinen Selbstzweck. Es geht nicht darum, sich selbst dafür zu loben, dass man „anders denkt“. Für mich bedeutet dieses „anders Denken“, dass ich mein Gegenüber wertschätze! Ich nehme wahr, dass mein Gegenüber viel mehr interessiert und viel mehr bewegt als das, was sich im Sichtbaren, auf der Oberfläche abspielt. Ich nehme wahr, dass mein Gegenüber Wünsche, Sehnsüchte und Bedürfnisse hat, denen ich sehr wahrscheinlich nicht adäquat begegnen kann, wenn ich lediglich den „Status Quo“ kultiviere.

Man mag es gut finden, man mag es schlecht finden: Wenn Kirche nicht mit der Zeit lernt, dass „anders Denken“ Wertschätzung des Gegenübers bedeutet, dann geht sie mit der Zeit.

Denn Menschen sind nicht doof. (Was für ein tiefer Satz.) Wer spürt, dass es einer Institution lediglich um den Selbsterhaltungstrieb geht, wird nicht lange dabeibleiben.

Was würde geschehen, wenn wir uns die Frage nach dem „Warum“ radikaler stellen würden?

Und was würde geschehen, wenn unsere Antworten darauf ganz ehrlich sind?


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Was macht Kirche zukunftsfähig?

Über dieses Thema mache ich mir immer wieder Gedanken – erst neulich, als es um den „Gottesdienst der Zukunft“ ging oder auch im Blick auf die Corona-Pandemie und was wir für die Zukunft daraus lernen können („Corona. Gemeinde. Pastor. Bestandsaufnahme und Ausblick.“ und „5 Dinge, die es auch nach der “Corona-Krise” braucht„). In diesem Artikel geht es aber um mehr – es geht um Kirche als solche.

Hier kommen also 7 laut ausgeschriebene Gedanken, was Kirche zukunftsfähig macht. Bedenke: Das hier ist ein Blog – keine wissenschaftliche Abhandlung.

1Zurück zum wirklichen Auftrag

Bevor wir uns über das WIE und WAS unterhalten, ist eines klar: Kein Mensch braucht eine Kirche, die lediglich die schlechte Kopie einer politischen Partei (egal welcher Art) ist. Der Auftrag von Kirche ist in erster Linie ein ganz simpler und einfacher:

Macht zu Jüngern alle Menschen, indem ihr hingeht, indem ihr tauft und indem ihr sie lehrt alles zu befolgen, was ich euch aufgetragen haben!Die Bibel - Matthäus 28,20

Das sind die letzten Worte Jesu und das ist der Auftrag von Kirche: Menschen, die Gott noch nicht kennen, sollen zu leidenschaftlichen Nachfolgern von Jesus werden. Dafür gibt es Kirche, dafür existiert sie in tausenden Gemeinden vor Ort: Damit Menschen Jesus Christus erleben, annehmen und ihm nachfolgen.

Keinen anderen Auftrag hinterließ Jesus seinen Jüngern.

Heute jedoch rutschen vielerorts in Kirche Randthemen ins Zentrum. Da geht es mehr um Klimaschutz, den interreligiösen Dialog und Positionierungen zu Genderthemen. Das kann man alles machen, das ist nicht die Frage – aber es nicht der ureigenste Auftrag von Kirche!

Kirche muss sich unbedingt darauf zurückbesinnen, was ihr „U.S.P.“ (unique selling point) ist! Wenn der nicht klar ist, bringen die folgenden Punkte auch nichts. Denn wir sollten uns im Klaren sein: Kirche ist ein „geistliches Geschehen“. Wir Menschen können es nicht „machen“. Dass Glaube entsteht, dass Beziehung zu Jesus gelebt wird, das kann ich (als Pfarrer) nicht „machen“. Ich kann aber eines: Den Weg ebnen, darüber reden, prüfen, ob das, was ich sage, dem Auftrag Jesu entspricht und ob es dem zuträglich ist, dass Menschen in Jesus allein die Wahrheit und die Rettung für ihr Leben erkennen.

Ich glaube, dass Gott nicht segnet, was er nicht gut findet. Ich glaube aber, dass Gott seinen Segen dort ausgießt, wo Menschen dem Missionsauftrag nachkommen und Kirche sich um diesen Missionsauftrag herum gestaltet. Kirche hat keine andere Wahl – dieser Auftrag ist ihr gegeben. Wo sie ihm nicht nachkommt, verlässt sie die Wege ihres „Chefs“ – und nun ja. Wer einen Chef hat, der weiß: Dessen Weg, dessen Vorgaben, dessen Vorstellungen nicht zu beachten oder links liegen zu lassen, ist keine gute Idee. Er ist ja nicht umsonst Chef und weiß, was am besten ist.

Deswegen: Wenn Kirche in Form der örtlichen Gemeinden nicht diesen Missionsauftrag ernst nimmt und ihr gesamtes Handeln dem unterstellt, dass Menschen zu Nachfolgern von Jesus werden und auf Zeit und Ewigkeit gerettet werden, dann braucht es die folgenden Punkte auch nicht.

Wo der Missionsauftrag aber im Zentrum ist, da könnte es durchaus Sinn machen, auch auf die folgenden Punkte zu achten, wenn man sich fragt: Was macht Kirche zukunftsfähig?

2Gleichberechtigung der Formen

Ich rede und schreibe als Pfarrer einer Landeskirche. Das als kleine Vorbemerkung, weil dieser Punkt wohl nicht auf alle Gemeinden zutreffen wird.

Kirche ist nur dann zukunftsfähig, wenn sie sich aus dem Korsett der Tradition befreit. Bevor du Schnappatmung bekommst: Ich sage damit nicht, dass jede Tradition ein Korsett ist. Aber einiges schon.

Pfarrerinnen und Pfarrer werden heute nach wie vor darin ausgebildet, eine Art von Gottesdienst zu halten, der seit Jahrzehnten immer weniger besucht wird. Das ist doch unlogisch, oder? Nein, das ist kirchliches Denken! Und das verstehe ich nicht. Wenn ich merke, dass etwas nicht funktioniert, dann ändere ich es. Punkt. Wenn ich es nicht ändere, nehme ich es blindlings und naiven Glaubens hin, dass es ja doch vielleicht eventuell am Sankt Nimmerleinstag besser werden könnte. Und dafür werden dann Millionen Kirchensteuergelder eingesetzt. Hmmm, da wird man doch mal fragen dürfen, ob das so sinnvoll ist?

Zu einer Gleichberechtigung der Formen gehört aber eine ganze Menge: Im Herbst wird in der Evangelischen Landeskirche in Baden ein neuer Landesbischof gewählt. Wie wäre es, wenn die Wahlkommission nur mal diese beiden Punkte berücksichtigt: Wir benötigen einen Bischof, der sich zurückbesinnt auf den Ur-Auftrag von Kirche und der dafür steht, dass Formen kirchlichen (vor allem gottesdienstlichen) Lebens gleichberechtigt nebeneinander stehen.

Dann werden Pfarrerinnen und Pfarrer nicht nur darin ausgebildet, einen Talar zu tragen, liturgische Formeln zu sprechen (und deren Bedeutung und Ursprung zu kennen, was ich wirklich (!) mega spannend und interessant fand im Vikariat), Lieder zu kennen, die nicht mehr unsere Sprache sprechen, die von einem Instrument begleitet werden, das heutzutage nur noch sehr wenige Menschen hören.

Sondern Pfarrerinnen und Pfarrer lernen, wie gleichberechtigt und nicht stattdessen Gottesdienste im 21. Jahrhundert aussehen können, die Menschen ansprechen und der Gottesdienstbesuch wieder wächst, ebenso wie solche Gottesdienste ästhetisch, musikalisch und gestaltungsdynamisch (altdeutsch: liturgisch) ein wahres Fest für Menschen der heutigen Zeit sind.

Das aber wiederum würde bedeuten, dass das Ausbildungssystem unserer Landeskirche(n) sich radikal ändern müsste. Und nochmal: Es geht nicht darum, „das eine“ neben „dem anderen“ zu dulden – es geht um eine Gleichberechtigung der Formen.

3Digitalisierung fördern

Als ich vor Weihnachten mit einer Person aus dem Oberkirchenrat unserer Landeskirche telefonierte, fragte ich sie, was das nächste Projekt sei, das die Landeskirche im Bereich Digitalisierung voranbringen wolle. Antwort: Ein digitales Akten- und Archivierungssystem.

Ernsthaft?

Wo andere Gemeinden sich Gedanken darüber machen, wie sie im Zuge der Digitalisierung mehr Menschen erreichen können durch Streaming-Angebote, durch hybride Gottesdienstformate, durch digitale Arbeitssysteme (so genante Work OS [Work Operating System]) oder diverse Apps – überlegt „meine“ Landeskirche, wie Akten und Daten besser digital archiviert und verwaltet werden können.

ACHTUNG: Ich halte das für superwichtig und notwendig, denn die gleiche Landeskirche kam in der jüngsten Vergangenheit auf die Idee: „Komm, alle reden von Digitalisierung, wir blähen die Verwaltung etwas auf und entwerfen neue Formulare im Rechnungswesen, die die Arbeit erschweren.“ Deswegen ist ein digitales Akten- und Archivierungssystem super hilfreich – aber jetzt? Wirklich jetzt? Ist es jetzt die richtige Zeit, genau darüber zu reden und dieses Projekt zu priorisieren?

Ich erlebe in meiner Gemeinde Folgendes: Auch Menschen, die weder „digital natives“ noch „U60“ sind, widmen sich den digitalen Medien wie YouTube, Videokonferenzen, WhatsApp und unserer Smartphone-App für die Gemeinde und kommen bestens damit klar, sind informiert und vor allem: Sie bleiben dadurch Teil der Gemeinschaft, die gerade vieles (nicht alles!) in den digitalen Raum verschieben muss.

Nein, die Digitalisierung ist nicht der Weisheit letzter Schluss und schon gar kein Patentrezept für gelingende Gemeindearbeit. Sie ist aber eine Form, die Teilhabe an gemeindlichem Leben ermöglicht – und zwar gerade denen, die unter den momentanen Umständen leiden und die dadurch auch in Zukunft leicht(er) Teil haben können an Gemeinde.

Insofern ist ein guter Digitalisierung-Prozess kein „nice to have“, sondern Grundlage, wenn Kirche zukunftsfähig sein will.

4Nicht „für“ sondern „mit“ den Menschen

Wir sollten aufhören zu denken, dass wir als Kirche etwas „für“ Menschen „anbieten“. Das führt unweigerlich zu einer „Wir – Sie“-Konstellation und verstärkt ein „Drinnen – Draußen“-Denken, das nicht wirklich hilfreich ist.

Natürlich kann man das nicht in allen Bereichen von Kirche durchdenken und auf gleiche Weise praktizieren. Nur ein Beispiel: In unserer Gemeinde haben wir unser Kleingruppen-Konzept so ziemlich auf den Kopf gestellt, weil das bisherige nur sehr wenig Wachstum brachte. Das neue Kleingruppen-Konzept denkt wesentlich inklusiver und nicht abgrenzender. Es geht nicht darum, sich um Bibel, Tee und Salzbrezeln zu versammeln, sondern das zu tun, wofür mein Herz ohnehin schon schlägt (das kann auch die Kombination Bibel, Tee und Salzbrezeln sein) und dafür Menschen gewinnen und begeistert, dass sie es gemeinsam mit mir tun. Wo sie auf ihrer Glaubensreise stehen? Vollkommen egal. Sie müssen aber eines nicht sein: Helden im Glauben!

Genauso der Gottesdienst: Er ist keine abgehobene Versammlung ein paar durchgeknallter Religiösen, sondern ein Ort, an dem Menschen Gott kennenlernen. Das bedeutet, dass der Gottesdienst (wir sind noch mittendrin im Veränderungsprozess) konsequent von Gästen und Besuchern her gedacht und konzipiert wird. Und mit Verlaub: Da fallen mir schon so manche Gottesdienstformate ein, die einfach nicht flächendeckend einladend sind und das Klischee bedienen, dass Kirche „altbacken“ und „verstaubt“ sei. Das ist sie aber nicht – sie macht nur manchmal den Eindruck.

Und auch nicht jede liturgisch traditionelle Form ist per se schlecht, nur sollten wir die Augen offen halten und sehen, ob wir wirklich „mit“ den Menschen unterwegs sind.

5Experimentierfreudigkeit kultivieren

Experimentierfreudig sein – ist das eine. Diese Experimentierfreude zu fördern – das andere.

Ich erlebe Kirche oft so: A hat eine ziemlich coole Idee. Um diese umzusetzen, benötigt er aber B, C und D, die ihm mit Ressourcen wie Geld, KnowHow, Ermöglichung und Zeit zur Seite stehen. B würde gerne erst mal einen ausgefeilten 10 Punkte-Plan sehen. C möchte, dass diese coole Idee aber nicht nur der einen Zielgruppe, sondern der gesamten Gemeinde zugute kommt. D „weiß nicht so recht, was er davon halten soll und betet erst mal“.

Die Folge: A ist ziemlich frustriert, das Experiment findet nicht statt und die coole Idee nie den Weg in die Gemeinde. Dummerweise pausiert das Leben in dieser Zeit nicht, geht weiter und der „Kairos“, der entscheidende Moment, für diese Chance wurde verpasst.

Ganz ehrlich: Kirche ist manchmal so schrecklich behäbig und kompliziert. Ich wünschte mir, all den „A“-Typen dieser Welt zu sagen: „Kommt zu uns und….“ oh, warte. Wir haben auch einige B-, C- und D-Typen am Start. Das wird wahrscheinlich überall der Fall sein.

Ich glaube, ausgerechnet jetzt ist nicht die Zeit, um sich lange Gedanken zu machen. In einer Welt, die sich immer schneller wandelt, müssen wir auch mal losgehen, durchstarten und auf die Nase fallen, um dann wieder aufzustehen, aus den Fehlern lernen und neu durchstarten. Das müssen wir in Gemeinden kultivieren – und eben nicht nur „akzeptieren“, wenn Fehler entstehen.

6Ehrlich währt am längsten

Was ich jetzt schreibe, ist alles andere als wissenschaftlich fundiert. Aber ich könnte wetten, dass eine Menge Dinge, die in der Gemeinde geschehen, nur deswegen geschehen, weil verantwortliche Personen nicht ehrlich sind. Das zeigt sich vor allem daran, dass es zu manchen Dingen in der Gemeinde einfach keine Erklärung gibt.

Das unausgesprochene Pendant zu „Das haben wir schon immer so gemacht!“ ist „Ich find’s auch doof – aber wenn wir das Thema angehen, steigt uns eine bestimmte Gruppe aus der Gemeinde auf’s Dach!“ Also reiten wir das tote Pferd weiter.

Ich glaube, dass in vielen, vielen Gemeinden unter diesem Deckmantel der Angst Dinge weitergeführt werden, weil man sich nicht traut, sie offen und ehrlich auszusprechen. Ja – manches davon findet seinen Ursprung in schlechter Leiterschaft. Aber nicht alles. Und ich wünsche mir und glaube, dass Kirche nur dann zukunftsfähig ist, wenn sie ehrlich wird – zu sich selbst.

Das kann ja auch durchaus einen befreienden Charakter haben, wenn man nämlich die Dinge ausspricht und feststellt: Eigentlich geht es anderen ganz genauso wie mir. Ich habe das schon erlebt – und am Ende steht meistens, das die ganze Gruppe herzlich lacht. Kein Scherz! Und Lachen tut gut. Lachen ist die beste Medizin. Das wissen wir. Also nur Mut zu mehr Ehrlichkeit!

7Ehrenamtliche nicht nur den Drecksjob machen lassen

Ok, das ist provokant. Aber wir sind jetzt schon vorangeschritten im Artikel und ich wollte einfach deine Aufmerksamkeit ein wenig pushen.

Gleichzeitig meine ich damit: Kirche lebt davon, dass jeder etwas dazu beiträgt, weil Gott unabhängig von Ämtern begabt. Es gibt in meiner Gemeinde Dinge und Arbeitsbereiche, die würde man klassischerweise sehr wahrscheinlich unbedingt dem Pfarrer zuschreiben. Der (konkret: ich) kann das aber nicht. Also machen es Menschen, die es können, die eine Leidenschaft dafür haben und die Gott dafür begabt hat. Und ich kann mich mehr Dingen widmen, die ich wirklich kann und in denen ich von Gott begabt bin.

Natürlich ist mir klar, dass ich als Pfarrer und damit Leiter der Gemeinde auch eine Verantwortung trage – keine Frage. Nur sind mir Ämter und Titel schnuppe. Sobald ich merke, dass Gott eine Person richtig stark gesalbt und befähigt hat in einem Bereich, der eigentlich bei mir angedockt ist, muss ich loslassen und diese Person diesen Bereich übernehmen lassen.

Wie heißt der zwar abgedroschene aber zutiefst wahre Satz: Gott beruft nicht die Begabten, sondern begabt die Berufenen.

Und ich würde hinzufügen:

Gott beruft nicht die Amt- und Würdenträger, sondern gibt den Berufenen Amt und Würde.

Das sind 7 Gedanken. Alles andere als auf Vollständigkeit und der Weisheit letzter Schluss überprüft. Einfach Gedanken, die ich persönlich für wichtig halte.

…und wenn du Lust und Zeit hast, am 18. März dabei zu sein, klick dich hier rein:

https://joinclubhouse.com/event/m74wl203


Noch mehr inspirierenden Content bekommst du in meinem Podcast „Einfach glauben“. In einer immer komplexer werdenden Welt, helfe ich dir genau dabei: einfach glauben!

In diesem Podcast bekommst du Anregungen und Inspiration wie „einfach glauben“ mitten im 21. Jahrhundert, mitten im Alltag, mitten in deinem Leben geht.

Meinen Podcast „Einfach glauben“ findest du auf allen gängigen Podcast-Plattformen. Anklicken, anhören, abonnieren.

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Von Gott beschützt

Ein Kinderbuch auf meinem Blog? Ja! Und was für eins! Ein wunderschönes! Und darüber hinaus das erste Buch mit voller Punktzahl auf meinem Blog. 

Als Papa und Pastor liegen mir Kinder besonders am Herzen und ich ärgere mich regelmäßig, welch geringen Stellenwert Kinder in Gemeinden haben. Da muss der Kindergottesdienste in irgendwelchen abgehalfterten Räumen stattfinden, Mitarbeiter für den Erwachsenenbereich gibt’s jede Menge, aber im Kinderbereich sieht’s mau aus. Geld wird ohne Ende investiert in Orgel, den Erhalt alter Gebäude und andere nicht zukunftsträchtige Bereiche – aber wenn der Kindergottesdienste neues Spielmaterial benötigt, muss er beim Ältestenkreis erst mal einen Antrag stellen, der deutscher Bürokratie gerecht wird.

Umso mehr freue ich mich, wenn es Medien gibt, die nicht nur kindgerecht sind in der Sprache, sondern auch in ihrer Gestaltung, du das Buch in die Hand nimmst und sagst: „Wow! Warum gibt’s das jetzt erst?!“

Genau solch ein Buch ist „Von Gott beschützt. Inspiriert von Psalm 91“.

Ein echtes Meisterstück

M. Florian Walz ist ein echtes Meisterstück gelungen mit wunderschönen, selbst gezeichneten Illustrationen und Übertragungen von Psalm 91 in die Sprache von Kindern. Auf der Rückseite des Buches steht die Frage: „Wie würde Psalm 91 klingen, wäre er für Kinder geschrieben worden?“ Meine Antwort: So! Genau so, wie M. Florian Walz ihn geschrieben hat. Als dreifacher Familienpapa weiß er natürlich, was Kinder hören müssen und wie Kinder sprechen.

Das Buch ist im quadratischen Format und enthält pro Doppelseite eine große Illustration sowie einen Satz (einen Vers) aus Psalm 91.

Durch meine Hände sind viele Kinderbücher gewandert mit biblischem Inhalt. Und ich habe – bis auf wirklich wenige Ausnahmen – entweder gedacht: „Tolle Texte, aber keine schönen Illustrationen“ oder „Tolle Bilder, aber den Text versteht doch kein Kind“. Dabei ist es doch das Beste, das Kindern passieren kann, wenn sie schon in jungen Jahren mit biblischen Texten und geistlichen Wahrheiten vertraut werden.

Und nicht wenige Eltern, denen der christliche Glaube wichtig ist, fragen sich: Wie kann ich meine Kinder an die Bibel „heranführen“? Wie schaffe ich es, dass meine Kinder Freude an der Bibel und am Lesen in der Bibel entwickeln?

Natürlich will ich „Von Gott beschützt“ nicht verzwecken. Das Buch wirkt an sich auf großartige Weise, da bin ich mir sicher. Ein schöner „Nebeneffekt“ ist, dass Kinder einen ganz natürlichen Zugang zu Gottes Wort bekommen – Kinder im Alter von ca. 4-8 Jahren.

Das Gesamtpaket passt einfach

Ein kleines Beispiel. Es gibt so diesen „One and only“-Taufvers, den sich Eltern als Bibelvers zur Taufe wünschen, wenn sie ihr Baby taufen lassen (hey, bitte, keine Grundsatzdiskussion zur Taufe – ich habe dazu einen Artikel geschrieben: 10 Gründe für die Gläubigentaufe). Und dieser Am-meisten-gewünschter-Taufvers steht eben in Psalm 91. Machen wir den Vergleich.

Psalm 91,11+12

Luther-Übersetzung:
Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

Walz-Übertragung:
Denn Gott hat sogar seinen Engeln gesagt, dass sie auf dich aufpassen sollen. Du bist für Gott so wertvoll, dass es auch ihm wehtut, wenn du auf einen Legostein trittst und dir daran wehtust.

Was mich an „Von Gott beschützt“ begeistert, ist eben genau dieses „Tolle Texte, tolle Bilder“. Das Gesamtpaket passt, ich habe mich sofort in das Buch „verliebt“, es in der Hand gehalten und gedacht „Wow!“ Das ist das Ergebnis, wenn ein freiberuflicher Designer mit Leidenschaft und Überzeugung „am Werk ist“.

Als Gemeindepfarrer, Relilehrer, Kinderclubleiter und Interims-Kinderpastor (by the way: Wir suchen einen Kinderpastor / eine Kinderpastorin in unserer Gemeinde www.wutachblick.de – also meld dich gerne) ist dieses Buch ein Geschenk. Im wahrsten Sinne. Ich werde nämlich einige Exemplare beim Verlag bestellen, denn dieses Buch hat das Potenzial in das Herz von Kindern (und deren Eltern, die es vorlesen) zu sprechen, geistliche Wahrheiten ganz liebevoll hineinzulegen und so schon in jungen Jahren das Herz eines Kindes mit Gottes Liebe füllen und formen. Was gibt es Schöneres?

Und zum Schluss noch eine wunderbare Nachricht: Im Sommer erscheint das nächste Buch von M. Florian Walz in der Bilderbuchreihe „Inspiriert von…“ über einen sehr bekannten Text (oder besser gesagt längeren Abschnitt) im Neuen Testament. Ich freue mich jetzt schon drauf!

M. Florian Walz: Von Gott beschützt
40 Seiten
ISBN: 978-3-417-28913-8
Verlag: SCM-Verlag
Preis: 12,99 EUR

Wenn du einen Blick in’s Buch werfen möchtest, kannst du das in diesem Trailer des Verlages tun:


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Wie sieht der Gottesdienst der Zukunft aus?

Dieser Frage habe ich mich gestellt. Chris Cuhls (www.ablaufregisseur.de) von Sonntagmorgens.de wollte das wissen. In 60 Sekunden sollte ich mein Statement geben. Leute. Echt mal. 60 Sekunden. Ihr wisst schon – das fällt mir schwer. Aber ich habe die Challenge angenommen und ihr könnt das Video am Ende des Beitrages sehen.

Ein paar Gedanken will ich hier ein bisschen weiter ausbreiten als ich das im Video kann.

Alles beginnt mit dem „Warum“

Schnell sind wir auf Grund der momentanen Corona-Pandemie und der voranschreitenden Digitalisierung in der Gefahr, zu sagen: Der Gottesdienst muss digitaler werden. Es muss mehr gestreamt werden. Die Gottesdienstbesucher müssen online eingebunden werden. Wenn die Präsenzgottesdienste wieder öfters stattfinden und die Normalität werden, bitte unbedingt hybrid feiern, also: offline und online zugleich.

Das ist alles gut und schön – aber nicht die wichtigste Frage.

Die wichtigste und für mich alles entscheidende Frage ist: Warum feiern wir Gottesdienste?

Meine Antwort darauf ist:

Wir feiern Gottesdienste, damit Menschen, die Gott noch nicht kennen, in eine Beziehung zu Jesus hineinwachsen können.David Brunner

Ganz ehrlich: Was bringt der technisch ausgereifteste, multimedial und digital perfekt inszenierte Gottesdienst, wenn’s doch nur um Friede, Freude, Eierkuchen geht (oder die kirchliche Variante: Friede, Bewahrung der Schöpfung und soziale Gerechtigkeit) aber nicht darum, wie Menschen gerettet werden können und in eine Beziehung zu Jesus hineinfinden und hineinwachsen können?

Oder anders ausgedrückt: Was bringt solch ein Schnickischnacki-Gottesdienst, wenn Gottes Herzenswunsch, den er in der Bibel formuliert, nicht nachgekommen wird?

Gott will, dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und gerettet werden.Die Bibel - 1. Timnotheus 2,4

Also. „Everything starts with why“ würde Simon Sinek sagen. Es geht um das große „Warum“. Warum feiern wir Gottesdienste? Mögliche Antworten gibt’s ja viele:

  • Weil wir grad nichts Besseres zu tun haben.
  • Weil wir das schon immer so gemacht haben.
  • Weil Du Kirche alles nehmen kannst – aber nicht den Gottesdienst.
  • Weil Sonntagmorgens die Leute einfach Zeit haben.
  • Weil’s so schön ist.
  • Weil ich gerne in der Kirche gesehen werde.
  • Weil kein Gottesdienst auch keine Option ist.
  • Weil ich nichts anderes kann.
  • Weil die Kirche sonst ja gar nichts mehr machen würde.

Es gäbe so viele mögliche Antworten (die zugegebenermaßen auch ernsthafter sein können als die, die ich gerade aufgelistet habe). Aber allen voran müssen wir Klarheit über das „Warum“ haben.

Nochmal: Antworten gibt es viele – aber in meinen Augen nur eine sinnvolle. Und das ist die oben schon erwähnte: „…damit Menschen, die Gott noch nicht kennen, in eine Beziehung zu Jesus hineinwachsen können.“

Ich glaube mehr denn je, dass das, was Menschen, was unsere Gesellschaft, was diese Welt benötigt, ist die lebendige Beziehung zu Jesus. Aus ihr allein oder besser gesagt aus Jesus allein gibt es wirkliche Hoffnung, wirklichen Trost, wirkliche Freude und vor allem: beständiges und ewiges Leben, das schon dort beginnt, wo ich mein Leben Jesus anvertraue.

Ich möchte keine Zeit vergeuden mit Randthemen. Ich möchte die Chance nutzen und Menschen im Gottesdienst zum Glauben an Jesus Christus einladen. Sonntag für Sonntag. Der Gottesdienst ist die „Veranstaltung“, die über alle Gemeindegrenzen, Konfessionsschranken und Denominationshürden hinweg die Veranstaltung ist, die es quasi immer und überall gibt, die einer Gemeinde niemals genommen wird und welche die öffentlichkeitswirksamste Veranstaltung vermutlich mit der niedrigsten Hemmschwelle (da öffentlich) ist.

…und hat sehr konkrete Folgen!

Das hat natürlich zur Folge, dass Gottesdienste sich verändern müssen. Der Alltag, die Alltagsthemen, die Alltagssorgen, die Alltagswünsche eines Menschen im 21. Jahrhundert müssen ihren Widerhall im Gottesdienst finden – denn nur dann kann der Gottesdienst (besser gesagt: Jesus selbst und das im Gottesdienst Gehörte und Erlebte) seinen Widerhall im Alltag der Menschen finden.

Was in der Theorie nett klingt, hat in der Praxis ganz konkrete Folgen:

  • Sprechen unsere Lieder eine Sprache, die ein Mensch, der heute (!) lebt, versteht?
  • Sprechen wir in der Moderation und Predigt eine Sprache, die ein Mensch, der heute (!) lebt, versteht?
  • Finden Menschen schnell, wo sie online unseren Gottesdienst mitverfolgen können?
  • Ist unser Kirchengebäude einladend?
  • Funktioniert die Heizung und gibt’s warmes Wasser auf den Toiletten zum Händewaschen?
  • Läuft der Livestream des Gottesdienstes reibungslos und ruckelfrei?
  • Werden Gottesdienstbesucher am Eingang freundlich begrüßt, oder aufgezwungen fromm oder gar nicht?
  • Gibt es ein „Welcome Team“, das Menschen vor Ort auch nach dem Gottesdienst noch anspricht, sie willkommen heißt und für Rückfragen da ist?
  • Werden Gottesdienstbesucher, die online mitfeiern, im Chat begrüßt und begleitet?
  • Drehen sich die Gemeindeglieder und Mitarbeiter nur um sich selbst oder gibt es so etwas wie die „Zwei Minuten-Regel?“
  • Was bekommen Erstbesucher als kleines Willkommensgeschenk?
  • Wird der Gottesdienst wirklich „gefeiert“ oder ist es eher eine tröge Veranstaltung zum Abgewöhnen?
  • Spielt die Musik, die für Menschen, die Gott noch nicht kennen, relevante Musik ist oder spielt die Musik, die „halt schon immer in der Kirche gespielt wurde“?
  • Welche Themen werden im Gottesdienst / in den Predigten angesprochen? Sind sie lebensrelevant oder churchy?
  • Wissen Online-Gottesdienstbesucher, wie sie ihren nächsten Schritt (oder Klick) machen können?
  • Ist das Setting des Gottesdienstraumes ansprechend oder eher abschreckend?

Puh. Kein Bock mehr? Bitte nicht! Es macht so viel Freude, an diesen Fragen zu arbeiten. Und es gibt so viele, unglaublich gute Hilfsmittel dafür. In unserer Kirchengemeinde (www.wutachblick.de) sind wir noch lange nicht so weit, dass alle dieser Fragen zufriedenstellend beantwortet werde könnten. Also nicht, dass du denkst, ich schreib hier nur Dinge auf, bei denen ich bzw. wir in der Gemeinde „auf der sicheren Seite“ sind. Oh nein. Beim besten Willen nicht.

Aber weißt du was? Wir arbeiten dran! Wir geben unser Bestes!

Analog, hybrid, digital? Unbedingt!

Kommen wir wohl zu der Frage, die man sofort hinter der eigentlichen Fragestellung nach Gottesdiensten der Zukunft vermutet: Sollen Gottesdienste digital stattfinden und wenn ja: Wie? Oder doch nur analog? Oder hybrid – also analog und digital zugleich?

Meine Antwort kannst du dir denken, wenn du den „Fragenkatalog“ oben aufmerksam durchgelesen hast. Diese Fragen zielen nämlich auf eine hybride Form von Gottesdienst ab.

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir unbedingt alles daran setzen sollten, wenn das „Warum“ klar ist, unsere Gottesdienste auch der „digitalen Welt“ zur Verfügung zu stellen.

Wir haben das in unserer Gemeinde getan und es hat sich schon fast so etwas wie eine „Online-Gemeinde“ entwickelt. Durch die weitere Digitalisierung und das Durchstarten mit Online-Video-Konferenzen ergibt sich eine unglaublich große und wunderbare Möglichkeit, diese Menschen auch nicht nur passiv am Gottesdienste teilnehmen zu lassen, sondern sie auch aktiv mit einzubinden in das weitere Gemeindegeschehen.

Ich finde das total faszinierend und bin sehr gespannt, was sich hier in Zukunft noch tun wird.

Eines aber ist klar: Wir dürfen als Gemeinde nicht verpassen, auf den digitalen Zug aufzuspringen. Das kann von Gemeine zu Gemeinde ganz unterschiedlich aussehen – das ist vollkommen klar.

Eines aber ist auch klar: Das „Wie“ ist niemals die entscheidende Frage im Blick auf „Gottesdienstzukunft“ sondern das „Warum“.

…und übrigens: Wenn du Inspiration suchst, wirst du am 6. März von 14-16 Uhr fündig. Denn dann gibt’s eine tolle Online-Schulung von tollen Leuten. Einfach hier klicken: www.sonntagmorgens.de.


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Gemeinde, Veränderung und die kleine Raupe Nimmersatt

Letzte Woche war ich eingeladen als Speaker in einem Clubhouse-Talk über „Change in Gemeinde, Kirche und christlichen Organisationen“. Dabei wurde ich gefragt, welches Bild mir in den Sinn kommt, wenn ich über Veränderungsprozesse in einer Kirchengemeinde nachdenke. Ich musste nicht lange überlegen – und das Bild war da: Die kleine Raupe Nimmersatt.

Falls du die Geschichte nicht kennst, bist du ein bedauernswerter Mensch, aber zum Glück gibt es ja das große, weite Internet, in dem du fündig wirst. Entweder du kaufst dir das wunderschöne Bilderbuch oder schaust dir die Geschichte auf YouTube an.

Die Story

Eric Carle beschreibt in diesem Klassiker der Kinderliteratur, wie die kleine Raupe Nimmersatt sich so durch die Woche frisst. Am Montag gab’s noch einen gesunden Apfel, dienstags gab’s zwei Birnen und so geht es die ganze Woche weiter – und es kommen auch ’ne Menge ungesunde Dinge dazu.

„Aber satt war sie noch immer nicht“ ist die Aussage, die am Ende eines jeden Tages zu lesen ist.

Am Ende der Woche aber hatte sie Bauchschmerzen – nun ja, das Menü war auch echt mal übel. Da würde es mir auch schlecht werden.

Im weiteren Verlauf des Buches wird beschrieben, wie aus der Raupe ein wunderschöner Schmetterling wurde.

Kleine Kirche Nimmersatt?

Irgendwie kommt mir Kirche oft so vor. Sie frisst ’ne Menge in sich rein über die Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte – vergisst dann aber, sich zu verändern. Was bei der Raupe von Natur aus angelegt ist, ist für den Menschen und für eine Organisation unnatürlich – und dadurch schmerzhaft und kein Automatismus. Veränderung muss schon gewollt sein, sonst wird das nix.

Ist für die Raupe der Moment der Verpuppung sowie der Verwandlung in einen Schmetterling ein ganz normaler weiterer Entwicklungsschritt, gegen den sie sich gar nicht wehren kann, sondern in ihrem Wesen angelegt ist – so ist das bei Kirche – scheinbar – gerade nicht der Fall. Zumindest kann man den Eindruck gewinnen, wenn heute noch Kirche in einem Gewand auftritt, das sich größtenteils in den letzten Jahrzehnten bis Jahrhunderten kaum verändert hat:

  • Es werden Lieder gesungen, die mehrere hundert Jahre alt sind.
  • Die Dienstkleidung von Pfarrerinnen und Pfarrern geht in die Zeit zurück, als Deutschland einen Kaiser hatte.
  • Das Instrument der Wahl, das in den mit Abstand meisten Kirchen gespielt wird, findet sich in den heutigen Charts nicht einmal unter „ferner liefen“.
  • Die liturgische Sprache ist eine Sprache, die heute kaum Alltagssprache ist.
  • Die Gebäude sind weder zweckdienlich noch nachhaltig im Blick auf Ökonomie und Ökologie, aber dafür oft mehrere Jahrhunderte alt.

So negativ das klingt: Ich mein’s noch gar nicht mal so negativ. Die Dinge können ihre Berechtigung haben – aber müssen immer hinterfragt werden, ob sie dem Auftrag dienen. Und der Auftrag ist simpel: Sich einklinken in die Mission Jesu und die bestand darin, was er selbst von sich sagte:

Der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.Die Bibel - Lukas 19,10

Kirche und Gemeinde muss sich immer wieder die Frage stellen: Tun wir das uns Bestmögliche, um diesem Auftrag und dieser Sendung Jesu nachzukommen?

Und als zweite Frage:Sind wir als Kirche bereit, Veränderungen einzugehen und nicht einfach nur – wie die Raupe – alles in uns „reinzufressen“?

Und übrigens: Das gilt für JEDE Kirchengemeinde. Die Liste oben ist natürlich speziell aus meinem beruflichen Kontext, der Landeskirche, entnommen. Die Liste kann aber gefüllt werden von jeder Gemeinde, die ihre eigenen „reingefressenen Dinge“ hat. Wir als Kirchengemeinde (www.wutachblick.de) beispielsweise haben – obwohl wir eine Gemeinde der Landeskirche sind – vieles der oben genanten Dinge abgelegt und einen Veränderungsprozess schon seit vielen Jahren (und Jahrzehnten) durchlaufen.

Veränderung tut weh

Das ist so. Das streite ich nicht ab. Das wissen wir schon bei der ganz natürlichen Veränderung, die ein Mensch durchläuft vom Kleinkind über Kind, vom Teenager zum Jugendlichen und jungen Erwachsenen, vom Erwachsenen bis hinein ins Seniorenalter. Veränderung ist nie einfach – Veränderung tut weh.

Veränderungsprozesse in einer Kirchengemeinde schmerzen genauso.

  • Wenn der Gottesdienst ausgerichtet wird an Menschen, die Gott noch nicht kennen, spielen „liebgewonnene Traditionen“ von langjährigen Kirchenmitgliedern eine untergeordnete Rolle, denn sie sind nicht Fokus der Veränderung.
  • Wenn der Gottesdienst nicht mehr morgens sondern am Sonntagabend stattfindet, dann wirft das gewohnte Tagesabläufe und Strukturen erst einmal gehörig durcheinander.
  • Wenn im Zuge der Digitalisierung man nicht mehr irgendwelche handgeschriebenen Post-Its als Gottesdienstablauf verkauft, sondern bspw. über ChurchTools sich organisiert, dann muss man sich da erst mal richtig reindenken.
  • Wenn im Gottesdienst nicht mehr (nur) die altehrwürdigen Choräle gesungen werden, sondern modere Lobpreislieder – dann werden viele Menschen einiges vermissen.
  • Wenn die musikalische Begleitung der Lieder durch zeitgemäße Instrumente erfolgt und nicht mehr durch die Orgel – dann ist das eine Challenge für viele, die sie bis an Grenzen führt, die sie nicht dachten zu haben.
  • Wenn den Pfarrer auf Grund von Veränderungen Emails erreichen, die in ellenlangen Ausführungen deutlich machen, weshalb diese ganzen Veränderungen umbiblisch und unmenschlich seien, dann braucht es Mut, dazu zu stehen.
  • Wenn aus „lebenslangen Hauskreisen“ zeitlich terminierte Kleingruppen werden, stellt das manch einen vor die Frage, ob er Teil dieser neuen Kleingruppenkonzeption sein möchte.

Der Mensch ist ein paradoxes Wesen. Sein Leben lang unterliegt er (siehe die Entwicklungsstadien oben) Veränderung – aber wenn er es wählen kann, würde er Veränderung am liebsten aus dem Weg gehen. Denn Veränderung bedeutet: das Gewohnte zurücklassen, sich auf Neues einlassen, die Komfortzone verlassen und Veränderungsschmerzen zulassen.

Schönheit durch Veränderung

Kommen wir zurück zur kleinen Raupe Nimmersatt. Die meisten Raupen entlocken uns selten ein „Wow! Ist das ein wunderschönes Wesen!“ Auf wenn ich zugebe: Viele Raupen sehen total faszinierend aus – aber für manche sind Raupen sogar eklig. Was uns aber einen Ausdruck des Staunens entlockt, ist ein wunderschöner Schmetterling – nach dem erfolgreichen Veränderungsprozess.

Und so glaube ich, dass eine Gemeinde, die durch Veränderungsprozesse geht, automatisch „schöner“ wird und damit anziehender für Menschen, die Jesus noch nicht kennen. Nochmal: der Auftrag von Gemeinde ist der gleiche Auftrag bzw. die gleiche Mission, die Jesus hatte:

Der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.Die Bibel - Lukas 19,10

Wenn wir uns in Gemeinde fragen, wie wir Menschen für Jesus erreichen können, dann werden Veränderungsprozesse am Ende aus der Gemeinde etwas Schönes entstehen lassen. Schönheit ist für Menschen immer attraktiv – und so wird es auch mit Gemeinde sein. Wir können viele Programme und Strukturen, Konzepte und Strategien entwerfen – das ist alles sinnvoll und nützlich, um die Dinge konkret werden zu lassen und nicht einfach nur als nette Gedankenspielerei dann doch irgendwo sang- und klanglos untergehen zu lassen.

Doch in erster Linie sollte uns bewusst sein: Wo Gemeine sich auf den Weg macht, ihre bisherigen Strukturen, Aktionen, Planungen, Traditionen und Äußerungsformen zu hinterfragen, um noch mehr Menschen für Jesus zu gewinnen, wird dieser Veränderungsprozess mit Schönheit und Erfolg gesegnet sein. Denn Veränderung ist in der DNA von Kirche angelegt, seit es Kirche gibt. Wirkliche Kirche, wirkliche Gemeinde Jesu ist immer sich verändernde Gemeinde, sich verändernde Kirche, weil Kirche nicht anders kann und nie anders konnte.

Deswegen ist dieses Bild der „kleinen Raupe Nimmersatt“ ein für mich sehr starkes und inspirierendes Bild, wenn es um Kirche und Veränderung geht.

Vertraue darauf: Wo die auftragsorientiert (Lukas 19,10) Veränderungsprozesse in deiner Gemeinde anstößt, begleitest und leitest, wird es am Ende „schöner“ sein als zuvor – auch wenn der Weg, die Verpuppung, bis dahin mitunter nicht so schön ist. Es lohnt sich! Bleib dran!


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Machen ist wie wollen – nur krasser!

So viele gute Dinge geschehen nicht, weil aus dem Wollen kein Machen wird. Und das ist schade, traurig und vor allem: egoistisch!

Die meisten guten Ideen und Vorsätze kommen nicht ins Machen, weil die ein oder andere Frage uns hindert, die offenbart, dass wir selbst uns zu sehr um uns drehen.

  • Was denken die anderen, wenn ich das mache?
  • Wieso haben wir es noch nie gemacht, wenn es der richtige Weg sein sollte?
  • Werde ich nicht Menschen verlieren auf dem Weg, wenn ich das mache?
  • Woher sollen die Ressourcen kommen?
  • Was – wenn das Ganze scheitert?
  • Wäre es nicht einfacher, nichts zu tun?

Dabei glaube ich fest: „Machen ist wie wollen – nur krasser!“ (Quelle unbekannt)

Die Zukunft gehört den Mutigen!

Sollte klar sein, oder? Zum Verändern und Machen gehört Mut. Immer.

Gleichzeitig ist Mut das, was wir dringender denn je benötigen, um Neues zu wagen. Wenn uns die momentane Situation rund um Einschränkungen und Verordnungen auf Grund des Corona-Virus eines zeigt, dann: Nichts bleibt, wie es ist. Nichts wird sein, wie es war. Ok – sagen wir „Nicht alles wird sein, wie es war.“

Das kannst du gut oder schlecht finden – es wird keinen Unterschied machen an der Tatsache – nur an deine Mindset! Immer wieder höre ich Leute sagen „Wenn wir dann wieder zurück in der Normalität sind, dann…“

Diese Normalität wird es nicht geben – und das ist gut so! Es wird eine neue Normalität geben, die es jetzt schon vorzubereiten und zu gestalten gilt. Was wäre, wenn du heute schon Dinge tust, die morgen einen großen Impact haben auf Menschen, die du liebst? Dann würdest du Zukunft gestalten – und nicht nur „wollen“ sondern machen.

Einer davon ist Johannes Müller aus Bremen (www.lighthouse-bremen.de |www.mobilekirche.de). Er schrieb mir vor wenigen Tagen folgendes, was ich so krass korrekt finde, dass ich es mit dir teilen muss:

Wir leben in besonderen Zeiten. Das wollten wir doch immer. Let’s make the difference!Johannes Müller

Ich stimme ihm voll und ganz zu: Lass uns einen Unterschied machen! Lass uns nicht nur „wollen“, sondern lass uns „machen“.

Wollen oder Machen? Es gibt dieses eine Indiz!

Es gibt ein ganz gewisses Indiz dafür, ob du dich auf einem guten Weg des „Machen“ oder ob du dich im sicheren Ort des „Wollens“ befindest und dort gefangen bleibst.

Wie du weißt, bin ich Pfarrer und damit auch Führung- und Leitungsperson. Da ich in einem „Unternehmen“ namens Landeskirche tätig bin, weiß ich, was es heißt, einen schwerfälligen Kahn in eine andere Richtung zu lenken. Du kannst mir auch Ballett beibringen – ich glaube, das wäre sogar einfacher.

Ich habe schon diverse Male von mir selbst (ich pack mich dann an die eigene Nase) und von anderen gehört, was sie „wollen“, was sie sich wünschen und was doch richtig, richtig gut wäre, wie sich die Kirchengemeinde entwickelt. Da werden Pläne gesponnen, Strukturen entworfen und Strategien entwickelt, was das Zeug hält und man denkt: Hier ist man angekommen. Aber weit gefehlt. Genau hier ist der kritische Punkt, der dazu führt, dass wahrscheinlich 90% der Veränderungswünsche beim Wunsch bleiben und nicht ins „Machen“ kommen.

Denn mal ehrlich: Wenn Pläne, Strukturen und Strategien schon entworfen wurden, ist sehr, sehr viel geschafft. Wirklich viel! Aber eben nur viel – und nicht alles. Das Entscheidende Indiz, damit aus „Wollen“ ein „Machen“ wird, ist dieses hier:

Den Unterschied zwischen Wollen und Machen erkennst du daran, wie sehr du Gewohntes zurücklässt.

That’s it! Lies genau: Ich habe nicht geschrieben „wie sehr du bereit bist, Gewohntes zurückzulassen“, sondern wirklich zurücklässt. Und hier scheitern die allermeisten Projekte aus einem ganz simplen Grund: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und wählt instinktiv immer den Weg, der weniger Schmerzen prophezeit. Und deswegen lassen wir so ungern Gewohntes zurück.

Dabei ist doch vollkommen klar: Das Wollen von Veränderung rührt doch nur daher, weil der bisherige, gewohnte Weg nicht der Weg zu sein scheint, der auch für die Zukunft der richtige Weg ist. Deswegen muss Gewohntes zurückgelassen im Sinne von aufgegeben werden. Es geht nicht anders – so leid es mir tut! Nein. Warte! Tut’s mir gar nicht! Denn im Zurücklassen von Gewohntem wirst du Neues entdecken, das dich begeistert.

Lass uns konkret werden

In unserer Kirchengemeinde (www.wutachblick.de) sind wir momentan in einem Veränderungsprozess, den wir nach dem GROW-Modell der Church of the Highlands gestalten. Das bedeutet – um nur zwei Bereiche zu nennen:

  1. Unsere Kleingruppen (aka Hauskreise) erfahren die grundlegende Veränderung, dass es zwei Semester gibt und damit Anfang und ende von Kleingruppen. Kein jahrzehntelanger gleicher Hauskreis, in dem weder Wachstum noch Offenheit herrschen.
  2. Gottesdienste werden nicht an den Bedürfnissen derer, die schon immer da sind, ausgerichtet, sondern die inhaltliche Gestaltung sowie das gesamte Setting wird ausgerichtet an Menschen, die Gott noch nicht kennen.

Für die Gottesdienstgestaltung machen wir es mal ganz praktisch: Wir erleben momentan einen Traditionsabbruch, dass nicht einmal mehr die „normalsten biblischen Texte“ wie die 10 Gebote oder das Vaterunser eine breite Basis der Gesellschaft noch kennt. Alle, die Religionsunterricht machen, wissen, wovon ich rede. Warum also „muss“ das Vaterunser in jedem Gottesdienst gebetet werden? Ja sicher, Jesus hat uns aufgetragen, dieses Gebet aus Matthäus 6 zu beten. Aber er hat uns nicht aufgetragen, das jeden Sonntag im Gottesdienst zu beten, wenn es die Zielgruppe ohnehin nicht (mehr) versteht. Gleiches gilt übrigens auch für den aaronitischen Segen am Ende des Gottesdienstes, wo jetzt beim Lesen sicherlich schon der ein oder andere die Stirn in Falten legt.

Rücken wir noch mal kurz auf die Vergleichsebene. Zu Beginn eines neuen Jahres werden viele Vorsätze gefasst, an denen an und sich überhaupt nichts falsch ist.

„Ich will abnehmen!“ Dann solltest du die Gewohnheit von einer Tüte Chips pro Abend ändern.

„Ich will sportlicher werden!“ Dann solltest du die Gewohnheit, keinen Sport zu machen, ändern und dich bewegen. Und denk immer dran: Ein bisschen Sport ist schon besser als gar kein Sport.

„Ich will organisierter werden!“ Dann solltest du die Gewohnheit, ohne Agenda, Terminplan oder To-Do-Liste zu arbeiten, lassen und dir Apps oder eine Arbeitsweise suchen, die dir dabei helfen.

Es gibt so viele gute Wünsche und so viel gutes „Wollen“ – das ist überhaupt nicht die Frage! Leider scheitert es aber immer genau an dem Moment, an dem es konkret werden sollte und Gewohntes zurückgelassen gehört.

Meine Ermutigung für dich

Mach was! Nicht nur wollen und wünschen, sondern machen. Einfach mal machen!

Ob es im Beruflichen oder im Privaten ist – mach was!

Ich bin kein Soziologe und auch kein Gesellschaftsexpterte. Ich nehme wahr und beobachte, dass sich momentan und in den letzten Wochen und Monaten eine Art „Corona-Lethargie“ breitgemacht hat. Menschen suchen Ausreden und werden in den „momentanen Umständen auf Grund der Pandemie“ fündig, schieben diese vor sich her und sagen sich: „Tja, siehste. Kannste nix machen! Ich wollte ja – aber da ist halt dieses Corona!“

Das ist Quatsch! Das ist gelogen! Das ist falsch!

Du kannst immer noch machen – und nicht nur wollen.

Du kannst immer noch gestalten und nicht nur über dich ergehen lassen.

Ein kleiner, psychologischer Nebeneffekt wird sich einstellen: Es fühlt sich super an! Es fühlt sich wirklich super an, wenn aus dem „Wollen“ ein „Machen wird.

  • Selbstvorwürfe hören auf.
  • Erfolgserlebnisse werden sich einstellen (und wenn du aus Fehlern lernen „musst“ – auch das ist ein Erfolg).
  • Der Schweinehund ist – zumindest zeitweise – besiegt.
  • Neue Horizonte öffnen sich.
  • Wer Abenteuer mag, wird hier fündig.
  • Der Glanz von Neuem wird den Staub des Gewohnten vertreiben.
  • Motivation breitet sich aus.

Was hält dich noch auf, aus deinem „Wollen“ ein „Machen“ zu machen?

GROW: Auch in einer Pandemie geschieht Gemeindeentwicklung

Wir schreiben den 6. bis 8. März 2020 und befinden uns auf Klausur des Gemeindeleitungsteams inmitten des Hotzenwaldes. Zivilisation und mobiles Netz finden so gut wie nicht statt. Umso besser, denn so sind wir für ein Wochenende – wie jedes Frühjahr – ganz auf uns alleine gestellt, haben viel Zeit, sind ungestört und genießen die Zeit zusammen und mit Gott.

Was wir zu diesem Zeitpunkt nicht ahnten: Nur eine Woche später sollte die Welt sich verändern und vieles von dem, was wir überlegt hatten, nicht möglich sein. Stattdessen fanden wir uns inmitten einer Pandemie, Lockdowns und Kontaktbeschränkungen wider. Und das war – zumindest für die Gemeindeentwicklung und das, was wir überlegten – nicht das Schlechteste.

GROW – Was ist das?

An diesem Wochenende beschäftigten wir uns intensiv mit dem „GROW“-Modell der „Church of the Highlands„. Da ich auf diesem Blog immer wieder über die Entwicklung dieses GROW-Modells in unserer Gemeinde schreiben werde, will ich an dieser Stelle nur den Grundgedanken erläutern.

GROW ist mehr als ein Modell. GROW bildet vier „Stationen“ ab, die jeder Mensch, der Jesus nachfolgt, im Laufe seines Lebens auf seinem Glaubensweg nicht nur passiert, sondern seinen Glaubensweg maßgeblich bestimmt:

  1. Gott kennen
  2. Freiheit erleben
  3. Bestimmung entdecken
  4. Einen Unterschied machen

So „einfach“ es erscheint, so grundlegend wahr ist es. Eine Person lernt Gott kenne (später dazu mehr, was das wirklich heißt) und entscheidet sich für ein Leben mit Jesus. Dann erfährt er Freiheit von Dingen, die ihn daran hindern, die nächsten Glaubensschritte zu gehen. Nach und nach entdeckt er seine Bestimmung, den „Sinn hinter allem“, wofür er auf dieser Erde ist und schließlich beginnt er, einen Unterschied in seinem Umfeld, in seiner Nachbarschaft, am Arbeitsplatz, in der Schule zu machen.

Diese vier Schritte haben im Gemeindeleben ganz konkrete Auswirkungen bzw. Momente, wo sie gelebt werden und es für uns als Kirchengemeinde (große) Veränderung bedeutet.

Wie gesagt: Später mehr dazu.

Geschenkte Zeit dankbar nutzen

Nach der Rückkehr in die Zivilisation Mitte März letzten Jahres waren wir natürlich zunächst geschockt. So ein Mist. Kann das echt sein? Nichts von dem, was wir uns da vorgenommen haben, können wir nun in die Tat umsetzen? Der Alltag bestand nun aus spontanen Entscheidungen, Schreiben von Hygienekonzepten, Bestellen von Desinfektionsmitteln und den andauernden Überlegungen, was man nun machen darf und was nicht.

Nach und nach arrangierte man sich mit den ständig neuen Verordnungen und „Corona-Infomails“ aus dem Oberkirchenrat und dann nahm ich ein großartiges Geschenk wahr im Blick auf die Gemeindeentwicklung: Geschenkte Zeit!

Viele Veranstaltungen konnten nicht stattfinden oder wurden in den digitalen Raum verlegt, zu dem der Anfahrtsweg wesentlich kürzer ist als zu „physischen Treffpunkten“ in unserer Flächengemeinde und in unserem Flächenbezirk.

Auch ist ein spontanes Zoom-Meeting schneller einberufen als ein „real life Treffen“. Und dann nahm ich wahr, wie ich gemeinsam mit meinen beiden Kollegen und dem Leitungsteam der Gemeinde die Zeit nutzte, um dieses „GROW-Modell“ noch besser zu verstehen.

  • Kontakte zu anderen Gemeinden knüpfen
  • Telefonate
  • Emails
  • Dokumente durcharbeiten
  • Training-Videos anschauen
  • Predigten von Gemeinden hören, die dieses Modell leben
  • die Growleader-Community kennenlernen
  • Material downloaden, bearbeiten, übersetzen und in unseren Kontext transferieren
  • Rücksprache mit den Kollegen
  • stetiges Updaten im Leitungsteam der Gemeinde in unseren 14tägigen Meetings
  • erste konkrete Überlegungen für uns als Kirchengemeinde
  • die Frage klären, wie „GROW“ im landeskirchlichen Kontext gelebt werden kann

Du siehst: Jede Menge zu tun – und es war möglich, weil uns Zeit geschenkt wurde.

Grundsatzentscheidung eines Leiters

Natürlich hätten wir uns auch beschweren können über das was nicht geht. Logisch. Haben ja viele gemacht – und ganz ehrlich: Auch ich habe innerlich immer wieder gehadert mit dem, was nicht geht. Ich leite bspw. dienstags den Kinderclub in Stühlingen und es schmerzt mich, dass wir letztes Jahr erst in der Salamischeibchentaktik den Kinderclub stattfinden lassen konnten, dann wieder nicht, dann wieder doch, dann wieder nicht. Das nervt. Und dafür mussten wir dann andere Wege finden.

Gleichzeitig aber ist es die Grundsatzentscheidung eines jeden Leiters, was er nun mit den Umständen macht. Ich habe mich dazu entschieden, die geschenkte Zeit sinnvoll zu nutzen, nicht unnötig zu jammern, sondern zumindest das schon einmal auf die Beine zu stellen, was möglich ist. Und gerade zu Beginn einer Art „Umstrukturierung“ oder wenn du neue Wege gehst, gibt es zwei Dinge, die du als Leiter tun musst (neben dem Gebet, logisch, das ist ein No-Brainer).

Zum einen musst du manche Dinge in ein Konzept packen und in der Theorie gestalten. Zum zweiten musst du Dinge aber auch ganz praktisch tun, weil – und da stehen wir Deutschen besonders in der Gefahr – du sonst bis zum Sankt Nimmerleinstag wartest, dass das Konzept ausgereift ist – dann legst du nämlich nie los.

Pandemie bedeutet nicht Stillstand

Eines haben wir in dieser Zeit gemerkt: Gemeinde steht nicht still. Gemeindeentwicklung ist möglich. Und damit meine ich nicht nur Digitalisierung, sondern grundsätzliche, konzeptionelle Entscheidungen, welche das Gemeindeleben der nächsten Jahre bestimmen werden.

Am 17. Januar starteten wir die erste Predigt in unserer „GROW“-Predigtreihe und wir sind sehr gespannt, wie der weitere Prozess anlaufen wird. Wir als Leitungsteam aber sind vollkommen davon überzeugt, dass das Potenzial von „GROW enorm ist und unsere Gemeinde tiefgreifend verändern kann und wird.

Wenn du das hier liest und selbst Leiter oder Pastor bist, lass dich ermutigen (oder heb‘ deine vier Buchstaben von der Couch, je nachdem, wie du es brauchst): Gemeinde steht nicht still. Gemeinde steht nie still. Gemeinde ist das Werk des Heiligen Geistes – und der ist immer am Wirken! Immer!

Es ist im letzten Jahr zu einer bequemen Ausrede geworden: „Jetzt lass erst mal Corona rumgehen, dann schauen wir weiter!“ Wenn du auch so denkst oder das gesagt hast – vergiss es! Die Realität zeigt uns, dass das nicht so ohne weiteres geht und zum anderen solltest du als Leiter und Pastor deine Gemeindearbeit nicht von einem Virus, sondern von Gottes Geist abhängig machen. Und der wirkt – immer!


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Jahreslosung 2021: Mehr als Bibel-Ping-Pong!

Alle Jahre wieder: Ein aus dem Zusammenhang gerissener Bibelvers wird aus mehreren Versen mehrheitlich gewählt, als Jahreslosung deklariert und dann beginnt das Spielchen: Der Vers wird munter für eigene theologische Ansichten missbraucht. Man könnte auch sagen: Bibel-Ping-Pong as its best, von seiner schönsten Seite. Also mach ich das Spielchen mal mit.

Dabei geht es mir im Folgenden darum, das ein oder andere bewusst ein bisschen zu überzeichnen um zu entdecken, was in der Jahreslosung alles drinsteckt, wenn man die Oberfläche verlässt und tiefer gräbt.

Es gibt drei Missverständnisse und eine Gefahr, die uns an der Oberfläche halten – wenn wir sie aber verstehen, werden wir die Tiefen der Jahreslosung ergründen, fasziniert und erstaunt sein, was sich in diesem so trivial klingenden Vers alles versteckt.

Jesus Christus spricht: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“Die Bibel, Lukas 6,36

So weit so gut. Was ich bisher zur Jahreslosung las, hat mich entweder mit Kopfschütteln oder mit Langeweile zurückgelassen. Wieso? Weil es um ein paar soziale Appelle ging, als ob der christliche Glaube ein großes Konglomerat aus moralisch-ethischen Verhaltensweisen ist – und natürlich wussten die Autoren dieser moralingetränkten Auslegungen der Jahreslosung auch genau, welche Verhaltensweisen korrekt sind: Geld spenden. Flüchtlingen helfen. Gegen Ausgrenzung eintreten. Soziale Gerechtigkeit stärken.

Das will ich unbedingt auch und ich möchte das ohne Schlechtes-Gewissen-Machen tun und ich will es nicht, indem ich eine Jahreslosung so sehr durch die Presse drücke, bis sie meinen Ergebnissen und Absichten entspricht – wie in der Mathematik: Das Ergebnis steht schon vorher fest.

Deswegen gibt es einige Missverständnisse, die ich aus dem Weg räumen möchte, damit wir an den Kern der Jahreslosung dringen und sie nicht oberflächlich lesen – und eine Gefahr, derer wir uns bewusst sein sollten, wenn wir uns mit der Jahreslosung beschäftigen.

1. Missverständnis: Tun statt Sein

Barmherzigkeit, barmherzig sein – das verbinden wir ganz schnell damit, dass wir etwas „tun“ – und nicht falsch verstehen: Dazu werden wir auch aufgefordert und es ist wichtig, dass wir etwas tun; dass unsere Barmherzigkeit auch Ausdruck gewinnt.

Bei allem kommt es auf die richtige Reihenfolge an. Meistens ist es einfacher, schnell mal etwas zu tun: Geld spenden, Kleidung spenden, Blut spenden, Essen kochen oder vor allem heutzutage alle möglichen Formen des Online-Spenders tätigen. Gerade die letzten Monate haben gezeigt, wie sehr eine Art „Nachbarschaftshilfe“ bei allem Lamentieren über eine Ellenbogengesellschaft doch noch funktioniert. Das ist gut – aber nicht Priorität 1.

Wirklich wichtiger – weil nachhaltiger – ist doch, dass nicht unser Tun, sondern unser Wesen eine Veränderung erfährt, aus der wiederum sich unser Tun verändert und wir nicht nur schnell mal unser „schlechtes Gewissen“ beruhigen, indem wir etwas „tun“.

Es geht nicht in erster Linie um unser Tun, sondern um unser Sein.

Natürlich schließt das eine das andere nicht aus. Und ich kenne viele Menschen, die in ihrem Wesen so positive Veränderungen erlebt haben und so wunderschöne Wesenszüge an den Tag legen, aus denen sie heraus dann „Gutes tun“, dass für diese Personen dieser Artikel nicht wirklich gedacht ist. Meiner Erfahrung nach sind diese Menschen aber – leider – nicht in der Mehrheit.

Es sind unsere Haltungen, die unsere Handlungen beeinflussen und eben nicht andesrum. Deswegen ist es so wichtig, dass wir generell an unseren Haltungen und Einstellungen arbeiten und nicht primär an unseren Handlungen, da diese „nur“ unseren Haltungen und Einstellungen entspringen.

Ich weiß – das ist sehr vereinfacht dargestellt, aber mir ist wichtig, die Dinge in die richtige Reihenfolge zu bringen. Wo wir nun meinen, durch die Jahreslosung zu mehr „barmherzigen Tun“ herausgefordert zu werden, ist das schon mal nicht schlecht. Diese Welt benötigt mehr Menschen, die Gutes tun – das ist ganz einfach. Und die oben genannten Dinge, wie wir Gutes tun können, sollten wir auch unbedingt tun. Keine Frage. Bei diesen Appellen stehen zu bleiben kratzt an der Oberfläche und geht nicht in die Tiefe.

Ebenso wie das zweite – fast noch schwerwiegendere Missverständnis.

2. Missverständnis: „Seid!“ statt „Werdet!“

Auf den ersten Blick sieht es nach Korinthenkackerei und Erbsenzählerei aus – aber ich hoffe, am Ende dieses Abschnittes wirst du verstehen, weshalb ich eine korrekte Übersetzung ziemlich cool finde.

„Seid barmherzig“ könnte, ja müsste man aus dem Griechischen (die Sprache, in der das Neue Testament geschrieben wurde) mit „Werdet barmherzig“ übersetzen.

„Seid barmherzig“ ist nicht falsch – „Werdet barmherzig“ ist korrekter.

Jetzt nimm dir mal einen Moment Zeit und überlege, wie beide Aussagen auf dich wirken:

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“

„Werdet barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“

Hast du den Unterschied wahrgenommen? Nein? Dann noch mal:

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“

„Werdet barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“

Für mich klingt ein „Werdet barmherzig“ viel freundlicher, offener, rücksichtsvoller und geduldiger als ein „Seid barmherzig“. Stell dir nur mal Eltern und ihre Kids vor; oder Lehrer und ihre Schüler; oder der Chef und seine Angestellten.

Grammatikalisch ist beides ein Imperativ. Sowohl „Seid!“ als auch „Werdet“ ist eine Befehls- oder netter ausgedrückt: eine Aufforderungsform. Aber es macht einen himmelweiten Unterschied, ob ich jemanden auffordere, etwas zu „sein“ oder zu „werden“. Letzteres lässt meinem Gegenüber noch jede Menge Zeit, Spielraum, Kreativität und Entfaltung während „Seid barmherzig!“ doch sehr fordernd, abgeschlossen und resolut klingt.

Ich glaube, wenn wir uns vornehmen, die Jahreslosung als ein „Werdet barmherzig“ zu verstehen, dann können wir 2021 zu einem „Jahr der Barmherzigkeit“ werden lassen, weil wir uns ein ganzes Jahr lang (und natürlich noch mehr) Zeit lassen können, barmherzig zu werden ohne in einen Druck verfallen zu müssen, es sofort und auf der Stelle zu sein. Denn ehrlich: Das schafft doch kein Mensch.

3. Missverständnis: Barmherzigkeit weltlich verstanden

Wenn man sich landauf landab anschaut, wie in einschlägigen Nachschlagewerken Barmherzigkeit definiert wird, bekommt man meistens Aussagen wie: „Mitleid haben“, „die Not des anderen sehen“ oder „mitfühlend sein“. Das ist gut – aber ich glaube, nicht das, was Jesus uns sagen wollte. Das passiert, wenn man Bibelverse aus dem Zusammenhang reißt.

Deswegen schauen wir doch mal, was in den beiden Versen nach der Jahreslosung steht und – Achtung Spoiler – wie Jesus dadurch Barmherzigkeit definiert. Ich wähle bewusst die Luther-Übersetzung, da sie es sehr drastisch zum Ausdruck bringt.

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen.Die Bibel - Lukas 6, 36-38

Jesus fordert uns heraus, zwei Dinge zu tun, um Barmherzigkeit zu leben: Vergeben und Geben! Im Folgenden werde ich auf Grund der deutlicheren Abgrenzung dieser beiden Begriffe von „Verzeihen“ und „Geben“ sprechen.

Verzeihen

Verzeihen ist hierbei der passiv-negative Teil und Geben der aktiv-positive Teil. Passiv-negativ deswegen, weil sich Verzeihen auf Menschen und Ereignisse richtet, die schon geschehen sind (passiv) und die meistens – sagen wir es mal salopp – nicht ganz optimal gelaufen sind (negativ).

Kleines aber leicht verständliches Beispiel: Wenn ich jemandem verzeihen soll, weil er mir eine auf die Nase gegeben hat, dann ist dieses Ereignis schon geschehen und verlief nicht ganz optimal, weil meine Nase danach gebrochen war.

Geben

Jesus bleibt hier aber nicht stehen, sondern fordert uns heraus, einen zweiten Weg zu gehen: den positiv-aktiven Weg durch das Geben. Und hier nicht nur ein bisschen, sondern über die Maßen großzügig. Luther übersetzt es mit einem „vollen, gedrückten, gerüttelten und überfließenden Maß“. Den Zuhörern war damals sofort klar, was Jesus hier meint: Ein Feld wurde damals von „innen nach außen“ geerntet. In den Ecken bzw. teilweise auch an den Rändern wurden die Pflanzen – nehmen wir hier einfach mal als Beispiel Getreide – stehen gelassen und jeder, der kein Einkommen hatte, durfte sich hier bedienen und manuell ernten und für sich und seine Familie mitnehmen, was er brauchte. Das war quasi ein kulturell verankerter „Akt der Barmherzigkeit“.

Jetzt stellen wir uns mal die Menschen vor, die teilweise stundenlang unterwegs waren, um zu ernten, weil sie arbeitslos waren aber dennoch eine Familie zu versorgen hatten. Sie „ernteten“ die Getreidehalme und stopften sie in ihre Körbe, so gut es nur ging. Und wenn voll war, wurde „gerüttelt, geschüttelt und gedrückt“, wie es nur ging, damit noch mehr in den Korb passte.

Und genau so sollen wir geben – großzügig.

Wäre da nicht die Definition von „mitfühlend“ und „mitleidend“ sein sogar einfacher? Richtig! Jesus fordert uns zu noch viel mehr auf. Ich glaube aber, dass wir Barmherzigkeit biblisch gesehen nur richtig verstehen, wenn wir es aus dem Kontext heraus betrachten und erkennen, was es heißt: Verzeihen und vergeben.

Ganz praktisch

Ein bisschen Alltagsnähe gefällig? Geh doch einfach mal die folgenden Stichworte einfach nur durch und Frage dich dabei, was Barmherzigkeit als „Verzeihen und Geben“ dann ganz konkret bedeutet für dich:

  • zu Unrecht beschuldigt worden
  • Verletzungen, die andere dir zugefügt haben
  • Lieblosigkeiten und „alltägliche Gehässigkeiten“ anderer (diese ganz bestimmten Worte, Gesten und Blicke von den Arbeitskollegen, in der Familie, in der Nachbarschaft oder sogar in der Gemeinde)
  • Affäre / Untreue des Partners
  • Betrug jeder Art
  • Lügen
  • Geduldig sein mit anderen (nicht nur Eltern mit Kindern)
  • Geld spenden (über das hinaus, was du denkst, was gut wäre)
  • Besitz aller Art schenken (und nicht nur leihen)
  • Politiker & Corona
  • Freunde/Familie & Corona

Interessanterweise sagt Jesus ja „nur“: „….seid barmherzig“ (oder wie wir schon festgestellt haben eher „werdet barmherzig“). Er sagt aber nicht, wem gegenüber. Logisch, dass wir sofort an andere Menschen denken. Ging mir auch so. Deswegen die Auflistung oben.

Aber ich glaube, es gibt noch eine zweite Richtung, in die wir barmherzig (verzeihend und gebend) sein können: Uns selbst gegenüber. Und das ist für manch einen vielleicht sogar noch schwieriger. Denn das könnte unter anderem folgendes bedeuten bzw. folgende Bereiche in deinem Leben betreffen.

  • Mit meiner Vergangenheit und Geschichte im Reinen sein
  • Die Messlatte an mich selbst nicht zu hoch setzen
  • Zeit – hast du genug? Fehlt sie dir ständig? Kannst du für andere etwas (mehr) erübrigen?
  • Muße. Dauerstrom? Stress? Ausgepowert? Wie sieht’s damit aus, mal einfach die Schönheit des Lebens zu erkennen, wahrzunehmen, deinen Leistungsdruck in die Ecke stellen?
  • Sport ist Mord? Oder doch gewonnene Zeit satt verlorener Zeit?
  • Hobbys müssen sein – oder nicht?
  • Gesundheit. Geben. Verzeihen. Ein weites Feld.
  • Genuss benötigt Zeit – und gleichzeitig ein weites Herz.

Die Liste ist natürlich nicht vollständig. Aber sehr wahrscheinlich erahnst du, dass „Barmherzigkeit dir selbst gegenüber“ ein weites, weites Trainingsfeld ist. Geh es an! Lass nicht locker! Lass 2021 ein Jahr der Barmherzigkeit auch dir selbst gegenüber sein.

Eine Gefahr: Die Grundlage vergessen

„Los, Leute, seid barmherzig! Kommt in die Puschen, macht hinne und tut was Gutes!“ so schallt es von den Dächern. Aber halt! Wieso eigentlich? Weil Christen so tolle Menschen wären oder bekannt dafür sind, altruistisch zu handeln und stets das Wohl des anderen im Blick zu haben? Äh – nein!

Aber genau diese Gefahr besteht, wenn wir den zweiten Teil der Jahreslosung einfach weglassen oder nicht beachten oder anders gesagt: Nicht verstehen, dass er die Grundlage allen Tuns ist.

…wie auch euer Vater barmherzig ist!“ sagt Jesus. Und damit spricht er mal kurz und knackig ein ganz großes Thema an. Denn: Barmherzigkeit ist in der Tat Gottes Wesen.

Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.Die Bibel - Psalm 103,8

In wenigen Worten umschrieben, wie Gott ist: barmherzig! Das ist sein Wesen. Das ist Grund aller Barmherzigkeitsversuche des Menschen. Gott selbst fordert, fördert und freut sich nicht nur über Barmherzigkeit – er ist die Barmherzigkeit in Person.

Fragen wir ihn doch mal und schauen nach, ob er sich wohl selbst an die biblische Definition von „Verzeihen und Geben“ hält, was Barmherzigkeit betrifft? Lange Rede kurzer Sinn: Er tut es. Und wie! Die Bibel ist reich an Beweisen in Form von Versen, die genau das zum Ausdruck bringen – ich will hier nur drei zitieren.

Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.Die Bibel - Micha 7, 18+19

Mehr Verzeihen geht nicht! Wenn Gott vergibt, dann richtig! Dann nimmt er unsere Schuld und wirft sie in die tiefsten Tiefen des Meeres, wo sie keiner mehr hochholen kann und dann ist Schuld getilgt, wenn sie mit einem ehrlichen Herzen bekannt und Reue nicht nur ein altdeutsches Wort sondern eine ganz praktische Einsicht und Tat ist.

Für uns Menschen ist das ja schier unvorstellbar: Ein Gott, der wirklich alles vergibt und zwar so radikal, dass es keine Rolle mehr spielt. Das ist uns fast zu hoch – und deswegen werden wir zu geistlichen Wiederkäuern und holen unsere Schuld immer wieder hoch. Leider. Gott tut das nicht. Wir Menschen schon. Weil wir Menschen sind.

Doch gerade weil Gott barmherzig ist, verzeiht er so sehr, dass Schuld keine Rolle mehr spielt. Der Beweis? Jesus selbst, der am Kreuz stellvertretend starb, um die Schuld auf sich zu nehmen, die uns niederdrückt und von Gott trennt.

Gott hat den Schuldschein, der uns mit seinen Forderungen so schwer belastete, für ungültig erklärt. Ja, er hat ihn zusammen mit Jesus ans Kreuz genagelt und somit auf ewig vernichtet.Die Bibel - Kolosser 2,14

Gott kann aber noch mehr – nicht nur verzeihen. Auch das „Geben“ spielt bei ihm eine große Rolle. Und zwar eine ziemlich großzügige – dafür gibt es jede Menge Hinweise in der Bibel, die genau das beschreiben. Ich will nur zwei Bibelstellen anführen, die uns das vor Augen halten.

Beim ersten Hinweis auf Gottes Großzügigkeit genügt ein Blick in die Natur. Das vielleicht größte Zeugnis göttlicher Großzügigkeit.

Herr, welche Vielfalt hast du geschaffen! In deiner Weisheit hast du sie alle gemacht. Die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.Die Bibel - Psalm 104,24

Gott wäre mit der Schöpfung wesentlich schneller am Ende gewesen, wenn er alles nur schwarz-weiß geschaffen hätte. Wir Menschen hätten nichts anderes gekannt und wären zufrieden damit gewesen. Gott aber hat sich dafür entschieden, diese Welt farbenfroh und facettenreich, vielfältig und unermesslich schön zu schaffen, um sich und uns eine Freude zu machen. Barmherzigkeit als Grundwesenszug Gottes zeichnet sich aus in seiner unglaublich verschwenderischen Großzügigkeit. Gott „müsste“ das alles nicht – aber er tut es, weil er kann und weil er will. Eigentlich nicht so ganz verständlich, wenn man bedenkt, wie der Mensch sich so verhält – sich selbst und Gott gegenüber. Aber jeder, der Kinder hat, der weiß so ein bisschen, wie sich das anfühlt: Den Kindern Gutes tun, auch wenn „Undank der Welten Lohn“ ist.

Gottes Großzügigkeit findet aber einen weiteren Ausdruck in der wohl größten „Rettungsaktion“, die es seit Bestehen der Menschheit gibt. Wie oben schon erwähnt, ist Jesus für uns gestorben, ist Jesus der, der uns versichert: Deine Schuld ist vergeben und versenkt – du brauchst sie auch nicht wieder hochzuholen. Paulus drückt das im Brief an die Gemeinde in Rom so aus:

Gott hat nicht einmal seinen eigenen Sohn verschont, sondern hat ihn für uns alle gegeben. Und wenn Gott uns Christus gab, wird er uns mit ihm dann nicht auch alles andere schenken?Die Bibel - Römer 8,32

Doch, wird er! ….um die rhetorische Frage zu beantworten und zwar mit einer weiteren Bibelstelle (sorry für das erweiterte Bibel-Ping-Pong), die ebenfalls aus paulinischer Feder stammt:

Wir loben Gott, den Vater von Jesus Christus, unserem Herrn, der uns durch Christus mit dem geistlichen Segen in der himmlischen Welt reich beschenkt hat.Die Bibel - Epheser 1,3

Man beachte: „…reich beschenkt hat“. Die Sache ist durch, die Geschenke gebracht, das Warten hat ein Ende! Was ich sagen will: Mit Jesus zu leben, ihm nachzufolgen, ihm zu vertrauen hat nichts damit zu tun, dass wir eventuell, vielleicht, eines Tages, wer weiß das ein oder andere geschenkt bekommen. Vielmehr ist schon alles geschenkt – wir packen die Geschenke nur nicht aus. Sicher – es mag auch daran liegen, dass wir uns die Dinge anders vorstellen als Gott das tut. Das ist das Spannende, das Herausfordernde und zugegeben: Manchmal auch das Frustrierende, weil wir Gott nicht so richtig hören (wollen), wie wir das gerne hätten.

Nur kommt es ja nicht auf unser Empfinden an, sondern darauf, worauf wird uns wirklich verlassen können. Und das ist die Tatsache, dass Gott uns durch Jesus nichts mehr vorenthält! Viel Spaß bei der Bescherung!

…und jetzt?

Wie du schon gemerkt hast, ist es mir ein Anliegen, dass wir uns nicht oberflächlich mit biblischen Texten befassen, sondern in die Tiefe gehen, graben, schürfen und das ein oder andere Nugget bergen und uns darüber freuen.

Was ich oben ein wenig provokant dargestellt habe, gilt natürlich: Wir sollen „Taten der Barmherzigkeit“ tun! Unbedingt! Keine Frage! Wir sollten es aber nicht tun, um dann zu denken, dass wir bessere Menschen wären oder dass wir gar etwas erfüllt hätten, was Gott von uns fordert. Dann wären wir kein bisschen besser als die „Selbstgerechten“ und Pharisäer, von denen wir in der Bibel immer wieder lesen und deren Verhalten Gott nicht unbedingt so cool fand.

Denn ich glaube, dass dieses Werkgerechtigkeitsdenken ganz tief in uns verankert ist: Ich tu etwas Gutes – und damit wird Gott sich schon zufrieden geben. Wird er aber nicht. Ihm geht’s um unser Wesen, um unser Sein, um unser Herz – um uns als ganzen Menschen und nicht nur darum, dass wir „mal eben schnell ’nen Euro in den Becher schmeißen“.

Ich glaube, dass nicht nur unsere Welt, unsere Gesellschaft und unser Umfeld davon profitiert, wenn wir 2021 ein Jahr werden lassen, in dem wir versuchen, barmherziger zu werden. Ich glaube, dass jeder einzelne selbst großen Gewinn davon trägt, weil er zulässt, dass der Gott aller Barmherzigkeit sein Wesen verändern darf. Und das wird gut. Richtig gut.


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