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Die Bibel – faszinierend, einzigartig und voller Geheimnisse

Er hat es wieder getan. Einmal mehr. Ein Buch hat er geschrieben, das inspiriert und fasziniert, das wachrüttelt, das Widerspruch erzeugt, das mit Vorsicht zu genießen ist. Rob Bell – spricht man seinen Namen etwas genuschelt aus, wird daraus „Rebell“ – und das beschreibt seine Grundhaltung gegenüber theologisch konservativen Überzeugungen, die er einst auch vertrat, ganz gut. Wobei. Ich habe den Eindruck, dass uns in diesem Buch ein Rob Bell begegnet, der ein wenig auf die Bremse tritt und irgendwie ein wenig ausgewogener daherkommt als noch vor wenigen Jahren.

Ein Begeisterter begeistert

So würde ich zweifelsohne das beschreiben, was Rob Bell in diesem Buch tut. Er ist so dermaßen fasziniert von der Bibel, dass er es wirklich schafft, den Leser und die Leserin für dieses „uralte Buch“, wie es im Untertitel heißt, zu begeistern. Das fasziniert. Das inspiriert. Das lässt einen das Buch schier nicht aus der Hand legen. Hinzu kommt natürlich Bells Schreibstil, der wunderbar übersetzt worden ist und dazu beiträgt, dass man ein Kapitel nach dem anderen liest.

Was macht Bell in diesem Buch? Nun, eigentlich nichts anderes als biblische Geschichten auszulegen. Auf seine Art und Weise. Das heißt: Er kommt von A nach B nach C nach B nach D nach E nach A noch mal nach D nach E und zurück zu A. Welche Themen und Dimensionen Rob Bell anhand einer – manchmal unscheinbaren – Bibelstelle streift, sucht seinesgleichen.

Seine große Stärke ist die bildhafte Sprache. Vergleiche und Bilder, die Bell zur Illustration eines biblischen Sachverhaltes heranzieht, suchen wirklich ihresgleichen. Durch sehr alltagsnahe und jedermann verständliche Bilder versteht er es, biblische Zusammenhänge in unsere heutige Zeit zu setzen.

Vier Teile und Konfusion

Rob Bell gliedert sein Buch in vier große Bereiche:

Teil 1: Es steckt mehr dahinter

Teil 2: Das Wesen dieses Mehr

Teil 3: Wohin uns dieses Mehr führt

Teil 4: Die Fragen, die immer gestellt werden

Innerhalb dieser vier Bereiche macht Bell im Prinzip nichts anderes, als biblische Geschichten anzuschauen. Und zwar ganz genau. Er schaut zwischen die Zeilen. Er schaut auf das, was eben nicht geschrieben steht. Er entführt den Leser in die Kultur und Welt der damaligen Zeit, in das Denken und Leben der Menschen zur Zeit der Bibel sowie auch religionswissenschaftlich in die Kulte und Religionen der umliegenden Völker.

Vielleicht hast du dich immer auch schon ein wenig (zumindest!) an der (scheinbaren) Opferung Isaaks durch Abraham im 1. Buch Mose Kapitel 22 gestoßen. Gott will ein Menschenopfer? Echt jetzt? Nein! Will er nicht. Aber selbst wenn – was wäre so schlimm daran, denn für die Menschen der damaligen Zeit waren Menschenopfer durch die Kulte und Religionen der umliegenden Völker zwar nichts Schönes, aber zumindest nichts Extravagantes.

Das ist nur ein Beispiel, wie Bell es schafft, selbst schwierige biblische Geschichten so einigermaßen nachvollziehbar zu machen. Einigermaßen.

Aber ganz ehrlich: Rob Bell wäre nicht Rob Bell, wenn er nicht auch ein wenig konfus daherkommt. Aber das ist dieses „konfus“, das einem immer dort begegnet, wo jemand begeistert ist von einer Sache, ohne Punkt und Komma redet und in einem Moment auf den anderen plötzlich „ganz woanders ist“. Das ist Bell – und das ist faszinierend!

Nach wie vor fragwürdige Theologie

So weit so gut – ich empfehle das Buch dennoch nicht uneingeschränkt und bin ehrlich gesagt auch ein wenig verwundert, weshalb es bei Gerth Medien im Programm ist.

Der Grund erschließt sich, wenn man das Buch im Ganzen gelesen hat und feststellt, dass diese vier Teile, in die Bell sein Werk gliedert, nicht ganz zufällig gewählt sind. Im Prinzip spiegeln sie nämlich Bells geistliche/theologische Reise und Entwicklung der letzten Jahre wider. Und die würde ich schlicht so beschreiben, dass sich ein konservativ geprägter Pastor zu einem progressiven Theologen entwickelt hat, der nicht nur konservative Wertvorstellungen und theologische Einsichten abgelegt hat, sondern andere Menschen regelrecht ermutigt, das auch zu tun und sich nicht zu wundern, wenn andere Menschen sie dafür nicht verstehen.

Manche Stimmen, die einmal hilfreich für Sie waren, werden Sie in Ihrem Wachstum behindern, wenn Sie noch länger darauf hören. Es kann sich sogar anfühlen wie ein Rückschritt – weil es das auch ist. Die Bibel - faszinierend, einzigartig und voller Geheimnisse, S. 310.

Das ist nur eine von vielen Aussagen, die mich nach der Lektüre dieses Buches nicht nur fragend zurücklassen, sondern regelrecht verwirrt. Bell präsentiert liberal-progressive Theologie (was sich bspw. in seiner Annahme der Datierung einiger biblischer Schriften zeigt), deren großes Dilemma sich gerade in Teil 4 zeigt.

Bells Problem: Er gibt keine Antworten

Hier versucht Bell, häufig gestellten Fragen auf den Grund zu gehen. Sein Problem nur ist: Er gibt keine Antworten. Die kann er nämlich auch nicht geben, weil auf so existenzielle Fragen wie „Musste Jesus sterben“ oder „Was ist Sünde“ seinen seichten Bilder und Aussagen schlichtweg die Substanz fehlt. Seine Stärke wird hier zur Schwäche: Die Flucht in Bilder und Vergleiche, die noch hilfreich sind, wenn es um die Auslegung biblischer Texte geht, werden zum Verhängnis, wenn es um die Glaubwürdigkeit und Gültigkeit der Bibel als Wort Gottes geht.

Auf die Frage (im letzten Teil des Buches), ob die Bibel das Wort Gottes sei, antwortet Bell:

Ist die Bibel dann also das Wort Gottes? Ja. So wie viele andere Dinge auch.

Und wie würden Sie dann definieren, was Wort Gottes ist? Der kreative Akt, durch den Gott in und durch diese Welt spricht und so eine neue Schöpfung und neues Leben ins Dasein bringt.

Was meinen die Leute dann, wenn sie behaupten, dass diese Sammlung von Büchern, die von Menschen geschrieben wurden, Gottes Wort ist? Sie. betonen damit, dass sie diese Sammlung von Büchern für ein verlässliches Zeugnis darüber halten, wie das dauernde, sich entfaltende Wirken Gottes in der Welt aussieht.

Aber kann man das nicht auch durch jede Menge anderer Bücher, jede Menge anderer Worte, jede Menge anderer Erfahrungen erleben? Natürlich. Die Verfasser der Bibel reden davon sogar recht oft. Es ist, als ob sie ständig wiederholten: Mach die Augen auf, sieh dich um, lausche, sei aufmerksam. Gott spricht ständig – alles ist ein einziges Wort.

Dann ist also eine Hauptaussage dieser Büchersammlung die, dass es jede Menge von Worten Gottes gibt und wir auf sie alle hören können und auch sollten? Ganz genau.Die Bibel - faszinierend, einzigartig und voller Geheimnisse, S. 272+273.

Insofern ist dieses Buch leider nicht mehr als ein weiteres Werk eines Theologen, der eine geistlich-theologische Reise durchgemacht hat (oder immer noch dabei ist), die ihn von vielen biblischen Wahrheiten entfernt hat, er selbst dies natürlich als progressiv (ohne das Wort in den Mund oder in die Feder zu nehmen) sieht und diejenigen als ewig gestrig und nicht wohltuend abstempelt, welche diese Reise nicht mitgehen.

Schade. Es gibt so viele gute und schöne Absätze und Ansätze in diesem Buch – aber das Fundament ist verstörend. Leider.

Fazit

Empfehlen kann ich dieses Buch jedem, der sich selbst hinterfragen möchte und es aushalten kann, dass theologische Grundwahrheiten angezweifelt werden. Definitiv ist es keine leichte Kost und nicht geeignet für jemanden, der neu im Glauben ist. Es bedarf ebenso einer gewissen theologischen Grundbildung oder Grunderfahrung, um Bells teilweise fragwürdigen Aussagen einordnen zu können.

Ebenfalls ertragen muss man ein teilweise recht unsachliches „Bashing“ theologisch konservativer Positionen, das teilweise als Projektionsfläche seiner Thesen dient. Wer sich momentan in der theologischen Debatte bewegt, wird darüber aber nicht verwundert sein, da dieses Muster auch im deutschsprachigen Kontext bei manchen „progressiven Theologen“ immer wieder vorkommt.

Nachdem sich in der Vergangenheit einige Thesen Bells als unwahr herausgestellt haben (bspw. der Ausdruck „Im Staub des Rabbi laufen“, worüber es einige Ausführungen im Internet gibt), gilt es darüber hinaus, auch dieses Buch mit Vorsicht zu genießen.

Die Bibel - faszinierend, einzigartig und voller Geheimnisse
320 Seiten
ISBN: 9783957345165
Verlag: Gerth Medien
Preis: 18,00 EUR

Ohne Auferstehung ist alles sinnlos

Und damit meine ich die leibliche Auferstehung von Jesus. Also das, was Christen seit annähernd zwei Jahrtausenden glauben und eigentlich nur von Atheisten und liberalen Theologen angezweifelt wird. Nehmen wir nur mal an, das Grab sein am Ostermorgen nicht leer gewesen, sondern Jesus ist verwest und lediglich „in Gedanken, Herzen und Verkündigung“ der Jesus-Nachfolger auferstanden.

Gebrauchsanweisung eines Nasenhaartrimmers

Dann? Ja dann kannst du auch die Gebrauchsanleitung deines Nasenhaartrimmers lesen. Diese wird genauso viel Wahrheit über das Leben, den Tod und das ewige Leben beinhalten wie das, was wir in der Bibel über Jesus lesen. Mit einem Unterschied: den Part mit dem ewigen Leben kannst du streichen. Den gibt’s ja nicht. Jesus ist ja im Grab verwest.

Wenn Jesus nicht leiblich auferstanden ist, dann würden ja die Berichte in der Bibel nicht stimmen. Damit meine ich nicht nur die Evangelien, sondern auch das, was später dann der Apostel Paulus den Gemeinden in Kleinasien (und darüber hinaus) zur Ermutigung in Zeiten der Verfolgung geschrieben hat. Er hätte sie dann ja angelogen, der alte Gauner. Unglaublich. Und das inmitten von Zeiten größter Not.

Oder nehmen wir nur mal die (frühe) Kirchengeschichte, die „Alte Kirche“ mit ihren großartigen Theologen und Kirchenvätern. Für sie war die Auferstehung von Jesus nicht nur ein netter Gedanke. Für sie lebte Jesus nicht einfach nur in unseren Herzen und Gedanken weiter, wie das Elvis und die Beatles auch heute noch bei vielen Menschen tun. Für sie war Fakt: Jesus ist auferstanden. Bums, aus, Nikolaus, wie der große Philosoph Bernd Stromberg sagen würde.

Nehmen wir nur mal an, das Grab sei am Ostermorgen voll gewesen. Also Jesus wäre gestorben und eben nicht auferstanden. Dann müsste ich meinen Job an den Nagel hängen, denn ich bin schließlich auf die Bibel und die Bekenntnisschriften der protestantischen Kirche ordiniert und verpflichtet. Und in all diesen Dokumenten steht nun mal drin, dass Jesus auferstanden ist – und zwar nicht nur in den Gedanken und in die Verkündigung. Wie andere Kolleginnen und Kollegen damit umgehen, die das nicht glaube (können oder wollen), ist nicht mein Bier.

Liebe Leserin, lieber Leser: Jesus ist auferstanden! Das bezeugen so viele biblische Autoren, dass es keinen Zweifel daran gibt. So unvorstellbar das ist. Und auch der oben schon erwähnte Apostel Paulus hat sehr drastische Worte dafür gefunden, was wäre, wenn das mit der leiblichen Auferstehung Jesu nur Humbug wäre:

[su_icon_panel background=“#cfcfcc“ border=“3px solid #cccccc“ shadow=“3px 3px 4px #eeeeee“ radius=“3″ icon=“icon: book“]Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich. 

Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden. Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen.

Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.

(Die Bibel – 1. Korinther 15,14.17.19-20)[/su_icon_panel]

Weil das nun wahr ist, sind auch Jesu Verheißungen an uns heute noch gültig!

Die Auferstehung gibt den Verheißungen Jesu einen festen Grund

Jesus hat seinen Nachfolgern damals und auch uns heute so viele wunderbare Verheißungen gegeben. Was bringen sie uns heute? Wieso geben sie uns heute Kraft? Warum sind sie auch heute noch gültig? Die Antwort lautet: Weil Jesus auferstanden ist, haben diese Verheißungen auch heute noch Kraft!

Wäre Jesus nicht auferstanden, wären auch diese Verheißungen sinnlos – so wie Paulus es eben schreibt. Aber weil Jesus wirklich und leiblich auferstanden ist von den Toten, haben diese Verheißungen auch heute noch Gültigkeit.

[su_icon_text color=“#333333″ icon=“icon: heart“ icon_color=“#333333″ icon_size=“24″ url=““ target=“blank“ class=““]NIEMALS ALLEIN

Jesus verheißt: Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt. (Matthäus 28,20)[/su_icon_text] [su_icon_text color=“#333333″ icon=“icon: heart“ icon_color=“#333333″ icon_size=“24″ url=““ target=“blank“ class=““]SUCHEN & FINDEN

Jesus verheißt: „Bittet Gott, und er wird euch geben! Sucht, und ihr werdet finden! Klopft an, und euch wird die Tür geöffnet!“ (Matthäus 7,7)[/su_icon_text] [su_icon_text color=“#333333″ icon=“icon: heart“ icon_color=“#333333″ icon_size=“24″ url=““ target=“blank“ class=““]SORGENFRESSER

Jesus verheißt: „Macht das Reich Gottes zu eurem wichtigsten Anliegen, lebt in Gottes Gerechtigkeit, und er wird euch all das geben, 
was ihr braucht.“ (Matthäus 6,33)[/su_icon_text] [su_icon_text color=“#333333″ icon=“icon: heart“ icon_color=“#333333″ icon_size=“24″ url=““ target=“blank“ class=““]ECHTES LEBEN

Jesus verheißt:
Weil ich lebe, werdet auch ihr leben. (Johannes 14,19)[/su_icon_text] [su_icon_text color=“#333333″ icon=“icon: heart“ icon_color=“#333333″ icon_size=“24″ url=““ target=“blank“ class=““]FRIEDE IM HERZ

Jesus verheißt:
“Ich gebe euch einen Frieden, wie die Welt ihn nicht geben kann. Lasst euch nicht in Verwirrung bringen, habt keine Angst.“ (Johannes 14,27)[/su_icon_text]

Diese Verheißungen sind großartig und kraftvoll. Nimm sie dir zu Herzen (deswegen auch die Herzen), weil sie wahr sind. Es ist so gut, was an Ostern geschehen ist. Der Tod hat nicht das letzte Wort! Jesus ist Sieger. In einem alten Jungscharschlager heißt es:

Jesus Christus ist der Sieger über Hölle, Tod und Teufel – darum wähl‘ ich ihn. Er gab meinem Leben Sinn und ew’ges neues Leben darum sing ich froh von ihm. Jesus Christus gestern und auch heute und derselbe auch in Ewigkeiten. Fasse seine Hand! Er will dich leiten heute und für alle Zeiten!

Das Lied drückt sehr komprimiert aus, um was an Ostern geht. Und ja, ich stehe dazu, auch wenn Teile der eingangs erwähnten Berufsgruppe, zu der ich auch gehöre, das mit einem Lächeln abtun werden und wider besseres Wissen meinen, es besser zu wissen als die Zeugen des Neuen Testamentes. Der Glaube steht und fällt mit dem urchristlichen Ostergruß:

„DER HERR IST AUFERSTANDEN!

ER IST WAHRHAFTIG AUFERSTANDEN!“

Genau darüber habe ich am Ostersonntag 2020 gepredigt. Die Predigt kannst du dir hier anschauen:

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Abendmahl zuhause feiern

„It’s Corona Time“ heißt auf der Plattform TikTok ein Song, der rauf und runter läuft. Um den geht’s mir aber gar nicht. Vielmehr geht’s mir darum, dass wir in außergewöhnlichen Zeiten leben. Und außergewöhnliche Zeiten benötigen außergewöhnliche Antworten und Maßnahmen auf Fragen und Herausforderungen, die vor wenigen Wochen noch kein Mensch für möglich gehalten hätte.

Außergewöhnliche Zeiten – außergewöhnliche Antworten

Ausgangssperre. Versammlungsverbot. Kontaktsperre. Quarantäne. Grenzschließung. Kurzarbeit. Epidemie. Pandemie. Das alles sind nicht nur Begriffe. Das sind Beschreibungen unseres Alltags momentan, die absolut verrückt sind. Und das mitten in der Karwoche. Mitten in der Woche, in der sich Christen daran erinnern, was Jesus amKreuz und durch seine Auferstehung vollbracht hat.

Elementar für viele Christen dabei ist das Abendmahl. Kaum ein anderer „Vollzug christlichen Lebens“ spiegelt so sehr wieder, wer Jesus für mich ist und was er getan hat. Und nun fällt das Abendmahl aus. Tja. Pech gehabt! Wirklich? Nein! Die Abendmahlsfeier darf uns durch Kontaktverbote nicht genommen werden. Wir feiern Abendmahl einfach zuhause!

Ich glaube, dass es nun dran ist, neue Formen für das Abendmahl zu finden und – da spreche ich jetzt nur für meine Kirche und nicht für andere – nicht nur aus der Not eine Tugend zu machen, sondern zur Erkenntnis zu kommen: Abendmahl ist weder an kirchliche Gebäude noch an kirchliche Amt- und Würdenträger gebunden. Wenn wir das „Priestertum aller Getauften“ ernst nehmen, wie es in der Kirche ja immer schön propagiert wird, spricht nichts dagegen, in solchen herausfordernden Zeiten mit außergewöhnlichen Maßnahmen zu antworten.

Ein neuer Bund

Die Beziehung des Menschen mit Gott bzw. eines ganzen Volkes mit Gott macht sich fest in einem Bund. Gott ist der „Bundesgott“ – mehr als nur ein Vertragspartner. Er bindet sich an sein Volk, seine Zusagen stehen auf einem festen Grund und er „verbündet“ sich mit seinem Volk und den von ihm geliebten Menschen.

Durch das gesamte Altes Testament hindurch wird der „Bund Gottes“ immer und immer wieder betont – vor allem in den fünf Bücher Mose. Gott schließt einen Bund zunächst mit Noah (Genesis 6+9), dann mit Abraham (Genesis 17) und schließlich mit Mose am Sinai (Exodus 20).

Wenn wir uns dessen bewusst sind, wird die Tiefe dessen, was Jesus sagt, noch größer: „Dieser Kelch ist der neue Bund.“ Erkennst du, was hier im Abendmahl geschieht? Jesus schließt einen neuen Bund mit uns Menschen. Er “verbündet uns mit Gott” – durch seinen Tod am Kreuz.

Das Abendmahl ist dafür das Zeichen. Es ist mehr als nur ein Erinnerungsgeschehen. Im Abendmahl nehmen wir diesen neuen Bundesschluss Jesu für uns in Anspruch und drücken damit aus, dass wir diesen Bund mit Gott schließen möchten.
Wichtig dabei ist aber: Es kommt nicht auf unseren Glauben an – denn Gott selbst hat diesen Bund aufgerichtet – wir “schlagen nur ein”.

Schlicht und einfach feiern

Als Pfarrer kann ich „meinen Gemeindegliedern“ nicht vorenthalten, diese innige Nähe zu Jesus zu suchen – und by the way: In Hauskreisen wird auch schon Abendmahl gefeiert. Das ist also nichts Neues. Ich habe Sorge zu tragen als Pfarrer, dass „meine Gemeindeglieder“ in Zeiten äußerer und geistlicher Not selbst Formen finden, in denen sie ihren Glauben leben können. Das nennt man Reife und Mündigkeit. Manchmal braucht’s dafür noch ein wenig Hilfestellung – das ist ok, denn die braucht es ein Leben lang.

Für das Abendmahl speziell nun haben wir als Kirchengemeinde einen kleinen Ablauf erstellt, der helfen soll, Abendmahl zuhause zu feiern. Gerne darf er verwendet, geteilt und vor allem: gefeiert werden!

Zu finden ist er auf www.wutachblick.de/ostern/. Viel Freude und viel Segen damit!

Krisenzeiten als Chance begreifen

Du hast zwei Möglichkeiten: Kopf in den Sand stecken oder das Beste draus machen. Wofür entscheidest du dich? Leider entscheiden sich viele Menschen viel zu oft und viel zu sehr für „Kopf in den Sand“.

Ich mache dir an einem für mich, mein Leben und meinen Beruf sehr wichtigen Teil deutlich, was ich meine: der Gottesdienst am Sonntagmorgen.

Er ist nicht Zentrum christlichen Lebens, aber wenn man Kirchengemeinde – egal welcher Konfession oder Denomination – fragt, welche Veranstaltung wohl nie ausfällt und um die sich immer gekümmert wird, dann wird das der Gottesdienst am Sonntagmorgen sein.

Auf Grund der Corona-Situation ist es aber untersagt, Gottesdienste zu feiern. Und jetzt? Jammern? Heulen? Lamentieren? Traurig sein?

Oder: Neue Wege gehen! Experimentieren! Innovation Raum geben! Risiko eingehen! Als Kirchengemeinde haben wir uns für Letzteres entschieden und sind das Wagnis eingegangen, unseren Gottesdienst aufzunehmen und LIVE via YouTube zu streamen. Das Ergebnis kannst du dir hier anschauen:

Einige Gedanken und Tipps, wie du Krisenzeiten als Chance ergreifen kannst. Dabei muss es nicht um das Streamen eines Gottesdienstes gehen. Das kann in deinem privaten Umfeld oder deinem beruflichen Umfeld etwas ganz anderes sein. Die Prinzipien aber sind die gleichen.

1Du bist nicht allein

Sehr wahrscheinlich bist du nicht der einzige, der vor einer Herausforderung steht. Schau dich um, mach dich schlau, suche im Netz oder rede mit Leuten! Das kratzt bei Leitern vor allem an einem: dem Stolz. Der ist aber sowieso zu nichts zu gebrauchen! Also sei nicht so stolz und mach dich auf die Suche nach Menschen, die Krisenzeiten ebenso als Chance sehen wollen.

Ich habe von manchen technischen Dingen einfach keine Ahnung. Aber ich habe mich sofort auf den Weg gemacht und habe Leute aus meiner Gemeinde gefragt, von denen ich wusste, dass sie Ahnung haben – und Bock, so was Ausgefallenes zu machen.

Wir haben geschrieben, uns getroffen, experimentiert – jeder hat seinen Teil dazu beigetragen. Das war ziemlich cool und am Ende hat’s dann geklappt.

Wenn du also Krisenzeiten als Chance ergreifen willst, dann sei dir bewusst: Du bist nicht allein! Um dich herum gibt es jede Menge „Know How auf zwei Beinen“ – du musst nicht alles wissen, du musst nur wissen, wen du fragen kannst – und es dann auch tun!

Ich hätte mich verkriechen und heulen können: „Buuuhuuu, ich kann das alles nicht!“ Ja, klar, hätte ich machen können. Habe ich aber nicht. Meine Techniker bekommen von mir immer mal wieder den Satz zu hören: „Ich hab‘ davon keine Ahnung!“ So what? Ist doch nicht schlimm.

2Schau nach vorne

Die Gefahr ist, dass man in Krisenzeiten nur nach hinten schaut bzw. den Fokus darauf richtet, was man nun alles verliert: Kein Gottesdienst mehr, keine physischen Treffen, kein Kaffee nach dem Gottesdienst, kein Kindergottesdienst. Es ist alles so schlimm, so tragisch, so…..die Welt geht unter! Wenn sie es nicht schon längst ist!

Oh man! WACH AUF! Schau nach vorne! Es bringt nichts, zu lamentieren. Eine gute Führungskraft zeichnet es aus, dass sie nach vorne schaut und Lösungen für Probleme und Herausforderungen finden möchte.

Ich finde es so genial, wie viele Kolleginnen und Kollegen im landes- wie freikirchlichen Bereich vergangenen Sonntag mit den unterschiedlichsten Formaten „online“ gegangen ist. Way to go, liebe Kollegen! Weiter so! Weiter nach vorne schauen!

3Bewerte die Vergangenheit realistisch

„Ich freue mich, wenn wieder alles normal wird nach dieser Corona-Krise!“ Hast du den Satz auch schon gehört? Ich ja – und ich muss ehrlich sagen: Ich finde ihn grausam! Wieso soll denn das normal sein, wenn es wieder so wird, wie es war? Leiter bewerten die Vergangenheit realistisch. Gerade in Krisenzeiten, in denen innovative und neue Wege notwendig sind, wird man unweigerlich vor die Frage gestellt: „War das, was wir in der Vergangenheit taten, eigentlich das Richtige? War das „Normal“ also das „Richtige“?“

Ich glaube jetzt schon sagen zu können: Nein, war es nicht! Einfach wieder zurück zu kehren zum Status vor der Krise – das wird in den meisten Fällen ohnehin nicht möglich sein. Zum anderen ist es aber auch nichts anderes als ein Ausdruck von mangelnder Vision. Denn zurückzukehren zum „Normal“ ist nichts anderes als zurück zu kehren in die Komfortzone.

Einfach wieder Gottesdienst feiern wie bisher? Für mich nicht möglich. Ich habe gestern meinem Team schon gesagt, dass ich gerne auch dann, wenn wir wieder mit Menschen Gottesdienst feiern, den Live-Stream aufrecht erhalten möchte.

….und ich habe ein wunderbares Team, denn die Jungs machen sich da jetzt schon Gedanken.

4Was ist jetzt möglich?

Wie können wir einen Gottesdienst produzieren, wenn nur eine handvoll Menschen da sein können?

Wie soll das gehen mit unserem nicht gerade superschnellen Internet vor Ort?

Wir sind keine der Megachurch-Hochglanz-Gemeinden, sondern eine – zugegeben nicht ganz normale – landeskirchliche Gemeinde.

Ich sag dir was, das du dir bitte hinter die Ohren schreibst, weil es für alle Bereiche unseres Lebens gilt:

Vergleichen ist der Tod im Topf und eine Beleidigung der Liebe Gottes!

Es ist doch vollkommen egal, was andere Gemeinden machen, wie andere Gemeinden es machen – vielleicht tust du dich ja zusammen mit anderen Gemeinden, mit anderen Personen, die in der gleichen Krise stecken, mit anderen Führungskräften – whatever!

Was definitiv nichts bringt, ist das Vergleichen! Denn Gott hat dich einzigartig gemacht und es hat einen Sinn, weshalb deine Gemeinde, dein Unternehmen, dein Start-Up oder was auch immer gerade jetzt „am Start“ ist.

Als Kirchengemeinde haben wir sechs Werte (www.wutachblick.de/werte/). Einer dieser Werte ist „exzellent„:

Wir haben ihn folgendermaßen definiert:

Gott gibt sein Bestes für uns. Das sehen wir in der Natur und in unserem Leben. Er ist unser Vorbild. Darum wollen wir ihm nacheifern und für ihn, für die Menschen und für seine Gemeinde mit gleicher Einstellung da sein. Wir lieben Qualität. Dabei geben wir unser Bestes mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln (Gaben, Zeit, Finanzen, Material,…). Dies nennen wir “exzellent”. Denn wer über seine Möglichkeiten hinaus gibt oder geben will, verfällt in Perfektion. Er bringt dadurch sich und andere unter Druck. Das lehnen wir ab. Perfektion überfordert und stellt sich selbst in den Mittelpunkt – Exzellenz ermutigt gelassen sein Bestes zu geben und ehrt den Schöpfer.

Tu das, was möglich ist! Nimm die Mittel, die dir zur Verfügung stehen und mach das Beste draus!

5Achtung Falle: Welches Bedürfnis ist da?

Als wir als Kirchengemeinde überlegt hatten, die Gottesdienste zu streamen, habe ich auf Instagram eine Umfrage gemacht, wer denn überhaupt Interesse daran hat. Daraufhin schrieb mir ein befreundeter Jugendpastor aus Bremen „Ich sehe das anders“.

Schnell stellte sich heraus, was er anders sah bzw. wie er es anders sah: Es kommt nicht nur darauf an, was ich als Antworten bekam (auch wenn diese überschwänglich positiv waren). Und das ist die Falle. Schnell fragen wir „Welches Bedürfnis ist da? Was müssen wir jetzt abdecken?“

Das ist einerseits auch gut und richtig – wir wollen als Leiterinnen und Leiter ja nicht an den Menschen vorbei leiten. Aber wenn wir uns nur nach dem Bedürfnis der Menschen richten – wo bleibt dann der Raum für viel Größeres?

Also: Schau, welches Bedürfnis da ist – aber lass dich davon nicht blenden, sondern überlege, ob nicht darüber hinaus noch eine viel größere Chance und viel mehr Potenzial in der Sache steckt.

Wenn einfach nur die Leute, die zu uns in den Gottesdienst kommen, den Gottesdienst gestern live auf YouTube gesehen hätten, dann wären wir jetzt bei ca. 200 Klicks. Stand jetzt hat der Gottesdienst aber über 1.600 Klicks.

Tu dir, deiner Gemeinde, deinem Unternehmen und einfach den Menschen um dich herum einen Gefallen: Begreife und ergreife Krisenzeiten als Chance!

5 Tipps, zur Gestaltung der „Corona-Zeit“

Wir leben in ganz spannenden Zeiten. Das Corona-Virus wirft viele Fragen auf und bringt so manches ans Licht. Darauf bin ich in meinem letzten Beitrag ausführlich eingegangen:

„Was die Corona-Situation ans Licht bringt“

Heute gebe ich dir – kurz und knapp – fünf Gedanken, fünf Tipps mit an die Hand, wie du mit dieser herausfordernden Situation in den kommenden Wochen gut umgehen kannst!

1Gib deinem Tag eine Struktur

Die nächsten Wochen sind ja ganz komisch. Es ist zwar schulfrei, aber es sind keine Ferien. Viele müssen arbeiten, machen aber Home Office. Es ist nicht frei aber es ist auch nicht „Business as usual“. Es ist so eine ganz komische „Zwischenzeit“. Viele werden nicht so recht wissen, was und wie sie den Tag gestalten sollen und sich fragen: Ja wie kann ich denn diese Zeit gut gestalten?

Meine Antwort zunächst: Gib deinem Tag eine Struktur! Gib dem Tag einen festen Ablauf, denn das wird dich davor bewahren am Ende des Tages zurückzuschauen und dich zu fragen: „Was habe ich heute eigentlich den lieben langen Tag gemacht?“

Wir haben das mit unseren Kindern auch gemacht und Zeiten festgelegt: Zeiten, in denen gelernt wird; Zeiten, in denen gespielt wird; Zeiten, die wir als Familie haben, Zeiten des Gebets und des „Chillens“.

Gib deinem Tag eine Struktur! Das wird dir helfen, nicht nur in den Tag reinzuleben, sondern die Zeit auszukosten. Carpe diem!

2Lies in der Bibel

Nähre dich durch Gottes Wort. Lass Gottes Wort deine tägliche Nahrung und Speise werden, weil sie dir helfen wird. Davon bin ich fest überzeugt. Und tu das, bevor du dich verrückt machen lässt von den neusten Meldungen in den Nachrichten. Im Hebräerbrief im vierten Kapitel steht Folgendes:

Das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.Die Bibel - Hebräer 4,12

Das bedeutet: Gottes Wort wird dir unterscheiden helfen, was deiner Seele entspringt und was deinem Geist bzw. dem Geist Gottes entspringt – oder anders ausgedrückt: Du wirst durch Gottes Wort Weisung empfangen, „was für dich dran ist“. Mach davon Gebrauch! Denn nicht selten würden wir gerade in diesen kommenden Wochen wohl nach dem entscheiden, was wir so „fühlen“ – aber ob das immer das Richtige ist?

3Nimm dir freie Zeit

Bewusste Zeiten, die frei sind, in denen du nichts anderes tust als das, was dir gut tut. Und wenn du dir diese freie Zeit nimmst, dann „daddel“ nicht nur einfach irgendwie rum, sondern tu etwas, das dir gut tut: Geh spazieren solange es noch geht, trink einen Kaffee, setz dich auf den Balkon, lies ein gutes Buch. Aber „verdaddel“ die Zeit nicht nur einfach – das passiert ja ganz schnell: Smartphone in die Hand genommen, Instagram geöffnet, Facebook, Twitter, ein kleines Spielchen, Emails gecheckt, Wettervorhersage nachgeschaut, nochmals in den Mails geschaut, noch mal zu Instagram (in den letzten drei Minuten könnte ja etwas Weltbewegendes gepostet worden sein…..ach ne, doch nur Selfies), die kicker-App öffnen und denken „Was will ich hier eigentlich? Spielt ja grad eh keiner Fußball!“ und Fotos durchgescrollt.

Das Ende vom Lied? Nichts Sinnvolles ist rausgekommen, aber deine Seele ist echt mal durcheinander gekommen. Deswegen: Tu dir und deiner Seele ganz bewusst etwas Gutes!

4Tu anderen etwas Gutes

Schau nicht nur auf dich, nicht nur auf deine kleine Welt, sondern richte den Blick, heb den Blick und weite deinen Horizont. Es gibt andere Menschen, die können Hilfe gebrauchen. Also überlege dir, was du tun kannst, um anderen eine Hilfe zu sein.

Natürlich gibt es die älteren Menschen und vorerkrankten Personen, denen du helfen kannst. Aber das kann auch einfach deine Ehefrau sein, deine Kinder, der Nachbar – wer auch immer. Ich glaube, dass du in den nächsten Wochen auf ganz viele Weisen vielen anderen Menschen helfen kannst. Das tut dann übrigens nicht nur ihnen gut, sondern auch dir, weil du mal wegschaust von dir selbst.

5Kein Seelenstriptease auf „social media“


Die Gefahr besteht oft und ich erlebe es immer wieder, dass Leute in ihrer WhatsApp-Statusmeldung oder auf Facebook, auf Twitter oder Instagram schreiben, wie es ihnen gerade so persönlich geht. Meistens schreiben sie es dann, wenn es ihnen nicht gut geht. Und weißt du was?

Ich finde das überhaupt nicht gut! Denn in diesen Momenten erwartest du und hoffst du, dass es dir besser geht – aber diese Besserung tritt nicht ein, weil dein medialer Hilfeschrei in den Weiten der Server verhallt und dir kaum jemand wirklich ernsthaft zuhört.

Deswegen such dir viel lieber jemanden, den du anrufen kannst, dem du direkt schreiben oder den du besuchen kannst und von dem du weißt: Er hört mir zu, mit ihm habe ich Gemeinschaft und er wird mir helfen – und wenn es nur das Wissen ist, dass er mich begleitet.

Ich wünsche dir von Herzen, dass du diese nächsten Wochen gestaltest. Wir können es bei allen Einschränkungen, die da sind. Wir können gestalten! Und ich wünsche dir, dass du das tust und bin gespannt, wie du das tust. Schreib mir gerne oder kommentiere hier, was dir hilft, die nächsten Wochen zu gestalten!

Und sei dir in allem bewusst: Gott geht mit! Gott stärkt dich und Gott segnet dich!

Dieser Artikel ist die etwas erweiterte Transkription eines kurzen Impuls-Videos, das ich gestern veröffentlicht habe:


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Was die „Corona-Situation“ ans Licht bringt

In meinem Kopf überschlägt sich so einiges. Seit Freitag – spätestens – ist das Leben nicht mehr wie es war. Shutdown der Gesellschaft. Zynischerweise werden wir in einer digitalisierten und unpersönlichen Zeit aufgefordert (leider ja zurecht), soziale Kontakte auf ein Minimum zu beschränken.

Menschen kaufen Toilettenpapier und Nudeln als gäbe es kein Morgen, Verschwörungstheorien brechen sich Bahn und manchmal – ganz ehrlich – habe ich den Eindruck: Viele schalten ihren gesunden Menschenverstand einfach ab! Gut – dazu ist Voraussetzung, dass sie einen haben, aber da ich an einen guten Schöpfergott glaube, bin ich der Meinung, dass auch jeder einen gesunden Menschenverstand von seinem Schöpfer bekommen hat – zugegeben: Nicht immer ist das leicht zu glauben.

Auch und gerade jetzt nicht. Wir erleben eine Zeit der großen Angst und Verunsicherung, des großen „Warum“. Wir erleben, dass vor allem eines geschieht, was immer in Krisen- und Drucksituationen geschieht:

Unser Innerstes kehrt sich nach außen oder anders gesagt: Der Mensch zeigt sein wahres Gesicht.

Hier also ein paar Gedanken, Erkenntnisse und Fragen, die mich umtreiben. Nicht so schön strukturiert und geordnet wie sonst – aber sicherlich bin ich nicht alleine mit dem ein oder anderen.

1Der Mensch hat Angst

Und wie! Meistens ist Angst komplett irrational. Ich habe den Eindruck, dass Krisenzeiten diese Ängste noch einmal verstärken.

Wieso kaufen Leute wie bekloppt Klopapier?

Was will jemand mit 10 Kilo Nudeln?

Wieso klaut jemand einen Kanister mit 1000 Liter Desinfektionsmittel?

Wieso befolgen Menschen die Empfehlungen und Ratschläge von Gesundheitsbehörden nicht?

Ich habe keine wirkliche Antwort auf diese Frage – aber ich glaube, dass die Angst eine große Rolle im Leben von Menschen spielt: Angst davor, zu kurz zu kommen, außen vor zu sein oder verzichten zu müssen. Genauso natürlich aber auch die Angst davor, zu sterben oder zumindest schwer krank zu werden.

Tief im Inneren ist es die Angst davor, zu scheitern. Der Mensch erkennt, dass er doch nicht alles in der Hand hat, wie er es gerne hätte. Mal im Ernst: Ein Virus hält die ganze Welt in Schach. Ist das nicht krass? Da haben wir jahrelang Angst vor einem atomaren Schlag – und jetzt kommt der Shutdown durch ein Virus. Und der Mensch erkennt: Es geht ganz schnell, dass das Leben nie mehr so sein wird, wie es war. Der Mensch erkennt auch, dass es keine gute Idee ist, aus reiner Profitgier die Produktion von Medikamenten nach China und Indien auszulagern und der Mensch in Deutschland zumindest erkennt: Alle betroffenen Länder um uns herum sind irgendwie schneller im Ergreifen von Maßnahmen.

Schulen haben geschlossen, Kitas auch, die Wirtschaft erlebt ein Fiasko und tausende von Existenzen stehen auf dem Spiel, weil es nicht überall Sicherungssysteme gibt. Das alles wegen eines Virus.

Da bekommt der Mensch es mit der Angst zu tun. Und ganz ehrlich: Ich kann das gut verstehen. Sehr gut sogar. Was soll die Zukunft bringen? Welche Auswirkungen hat die momentane Situation auf die Wirtschaft, auf das öffentliche Leben und auf das Gesundheitssystem? Fragen über Fragen, die heute noch niemand beantworten kann.

Fragen, die aber nicht an der Peripherie angesiedelt sind, sondern mitten ins Zentrum menschlicher und gesellschaftlicher Existenz zielen.

2Jesus ist die Antwort

Es klingt echt zu simpel – aber genau das ist offensichtlich das Problem. Der Mensch sucht vielleicht das Komplizierte, das Komplexe, das Herausfordernde und steht sich selbst im Weg. Jesus sagt von sich selbst:

In der Welt werdet ihr hart bedrängt, aber lasst euch nicht entmutigen: Ich habe diese Welt besiegt.Die Bibel - Johannes 16,33

Meine Hoffnung und mein Gebet ist, dass dieses schreckliche Virus und diese absolut einzigartige Situation zu einem führt: Dass Menschen anfangen, Jesus zu vertrauen.

Denn es hat Gründe, dass wir ihm vertrauen können, wie die folgende Grafik zeigt:

Es stimmt beides. Ich will nichts klein reden. Überhaupt nicht. Ich hoffe und ich bete dafür, dass Menschen mit ihrer Angst nicht zu irgendwelchen Scharlatanen gehen, nicht mit sich selbst alles ausmachen, keinen Verschwörungstheoretikern glauben, sondern zu Jesus gehen.

Ich habe wirklich die Hoffnung, dass diese komplett außerordentliche Situation dazu führt, dass Menschen ihr Leben Jesus anvertrauen und erfahren: Er stillt die Angst, er begegnet meiner Angst mit Liebe, Trost, Kraft und Hoffnung, die mir nichts und niemand anderes geben kann.

Und solltest du jetzt diese Zeilen lesen und noch nicht deinen Frieden mit Jesus gemacht haben – dann warte bitte nicht. Mach es jetzt. Wenn Du Hilfe dazu brauchst – melde dich!

3Die Spreu trennt sich vom Weizen

Ich habe es oben schon erwähnt: Situationen wie die jetzige bringen das wahre Ich des Menschen zum Vorschein. Ich bin erschrocken und teilweise wütend, wie Menschen sich verhalten. Da wird nicht nur in den Supermärkten gehamstert, sondern hier wird Leben anderer Menschen aufs Spiel gesetzt. Das ist unfassbar.

Menschen horten regelrecht hygienisch-medizinische Utensilien wie Mundschutz oder Desinfektionsmittel – von anderen Dingen ganz zu schweigen. Wenn sie das tun, nehmen sie billigend in Kauf, dass diese Dinge den Menschen fehlen, die sie dringend benötigen – nicht für persönlichen Luxus, sondern um zu überleben. Unglaublich!

Andererseits finde ich es aber mega, wie viele Menschen sich nun zusammentun und dafür sorgen wollen, dass anderen geholfen wird. Viele sind darauf bedacht, Menschen aus der Risikogruppe (ältere Menschen und Vorerkrankte) durch Einkäufe oder Erleichterung anderer Alltagssituationen unter die Arme zu greifen.

In der Smartphone-App unserer Kirchengemeinde haben sofort ein paar Leute konkret Hilfe zugesagt und angeboten. Das hat mich riesig gefreut. Und so geht das landauf und landab weiter und das macht mich zuversichtlich, dass trotz Anordnung der Reduktion sozialer Kontakte diese Gesellschaft doch ein bisschen sozialer wird.

Ich hoffe nur wirklich sehr, dass ein gewisses soziales Umdenken nachhaltig ist und Menschen auch nach der Corona-Herausforderung dabei bleiben und nicht nur ihre altgewohnten sozialen Kontakte wieder aufnehmen, sondern sich über den generellen Zustand unserer Gesellschaft Gedanken machen.

4Mehr Gebet!

Das ist doch cool! Dass ausgerechnet eine Krise daherkommen muss, dass Christen mehr beten, ist zwar schade – aber wenn die Krise dazu führt, dass Christen mehr beten, ist das wiederum auch gut.

Meine Wahrnehmung ist die, dass mehr gebetet wird. Mich selbst haben Gebetsaufrufe erreicht und in der Kirchengemeinde haben wir eine WhatsApp-Gruppe gegründet, um täglich um 20 Uhr zu beten – gemeinsam, wenn auch nicht am gleichen Ort.

Aber auch hier hoffe ich und wünsche es mir, dass nach der Corona-Herausforderung mehr gebetet wird als vorher. Vielleicht haben viele auch ein falsches Verständnis davon, was Gebet eigentlich ist. In meinem Artikel „Was tun Christen, wenn sie beten?“ bin ich dem ein wenig nachgegangen. Der Gedanke, dass wir an Gottes Seite mitkämpfen ist jetzt wohl relevanter als zuvor. Und dass Beten „Atemholen für die Seele“ ist, muss in solch einer Drucksituation nun wirklich nicht erklärt werden.

5Was ist wirklich wichtig?

Tja, ich hoffe so sehr, dass diese Frage auch nach der Corona-Krise die Kirche beschäftigt. Schon komisch, wenn erst mal alle Veranstaltungen abgesagt werden und du dich fragst: „Wie kann Kirche / Gemeinde nun weiterhin auch Kirche / Gemeinde sein?“

Ich finde das eine extrem spannende Frage. Als Gemeindeleitung hat uns das auf unserer diesjährigen Leitungsklausur vor wenigen Wochen herausgefordert: Was ist die Grundversorgung unserer Kirchengemeinde und was ist „Nice to have“ [im wörtlichen Sinne: „Schön, wenn wir es haben“ – aber eben nicht notwendig]? Wir haben uns vorgestellt, wie das wohl wäre, wenn wir eine Gemeinde gründen würden; oder wenn wir erst mal alles „rausschmeißen“ und dann neu sortieren. Einfach war das nicht – und jetzt wird uns die Arbeit zwar nicht abgenommen aber wie ein Katalysator zeigt sich noch mehr, was wirklich wichtig ist.

Für mich sind es vier Dinge, die wichtig sind und bleiben – und die auch im Zeitalter von Corona wichtig sind:

Verkündigung des Evangeliums

Und damit meine ich die Verkündigung des Evangeliums in der Form, dass es beim Hörer eine Reaktion hervorruft und die Zuspitzung enthält, Jesus nachzufolgen um gerettet zu werden auf Zeit und Ewigkeit. Ich rede von keinem verkürzten Evangelium, bei dem Jesus zum sozialromantischen Vorbild wird, sondern von dem Evangelium, in dem Jesus als Gott den Anspruch hat, Richter über mein Leben hier auf der Erde und nach meinem Tod zu sein, wie es die Christenheit im Apostolischen Glaubensbekenntnis seit vielen hundert Jahren bekennt.

Gebet

Ich glaube immer mehr, dass wir die Kraft des Gebetes leider unterschätzen. Ich meine damit keine bestimmte Form, keine bestimmte Zeit, keine bestimmten Worte. Ich meine damit, dass der Mensch seiner eigenen Hybris immer wieder auf den Leim geht, die Dinge doch irgendwie „managen“ zu können. Kann er aber nicht – und wie dumm ist der Mensch, wenn er es versäumt, an der Seite dessen zu kämpfen und gleichzeitig auszuruhen, der diese Welt erschaffen hat. Diese Augenblicke sind nur ein Gebet weit entfernt – und leider schließe ich mich in diese Dummheit voll mit ein.

Tätige Nächstenliebe

Wie oben erwähnt, berührt es mich, wie viele Menschen sich sofort für andere Menschen einsetzen möchten. Dazu muss man kein Christ sein, das ist richtig. Aber wo Gemeinde disen Auftrag nicht ernst nimmt, da krankt es.

Aber Achtung: Keine Kirchengemeinde muss nun in Aktionismus verfallen und den Weltrekord in diakonischem Handeln aufstellen. Es reicht schon, den Gemeindegliedern zu sagen, dass es voll ok ist, wenn sie mal nicht in den Gottesdienst kommen, weil sie stattdessen jemanden besuchen, der sonst recht einsam ist. Nein. Es ist nicht nur „voll ok“ – es ist notwendig. Im wahrsten Sinne!

Gemeinschaft

Ironischerweise werden wir aufgefordert, soziale Kontakte zu vermeiden, bis die Corona-Situation überstanden ist. Das ist auch gut so, um dem die Chancen zu rauben, sich verbreiten zu können. Aber es kommt eine Zeit „danach“ – The day after tomorrow sozusagen. Und dann ist es unumgänglich, dass Gemeinde mehr Gemeinschaft lebt. Und damit meine ich nicht, sich einfach zu treffen. Sondern wenn man sich trifft, den anderen wahrnehmen, ernst nehmen, willkommen heißen, mit ihm sich freuen, leiden, weinen, lachen, tanzen und all das, was Paulus in 1. Korinther 12 beschreibt.

Leidet ein Teil des Körpers, so leiden alle anderen mit, und wird ein Teil geehrt, freuen sich auch alle anderen. Ihr alle seid der eine Leib von Christus, und jeder Einzelne von euch gehört als ein Teil dazu.Die Bibel - 1. Korinther 12,26+27

Ich glaube nicht, dass wir in Gemeinden an einer Veranstaltungsarmut leiden – wohl aber an einer Gemeinschaftsarmut. Sich zu treffen bedeutet noch nicht, einander anzunehmen, zu ehren, zu lieben oder zu stärken. Möge diese Situation uns helfen, es in Zukunft besser zu machen!

Fazit? Gibt’s keines! So weit bin ich noch nicht. Ein paar Gedanken aber noch einmal gebündelt findest du in diesem Video, das ich aufgenommen hatte, um unsere Gemeinde zeitnah über die ersten Maßnahmen und Schritte zu informieren und gleichzeitig von dem zu reden, um den es auch hier in diesem Artikel geht – vor allem in der Grafik oben.


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Die Kunst des Leitens X: Lernen

Leiter bleiben Lernende ein Leben lang! Diese schlichte Wahrheit drückt so viel aus. Auch wenn hier nur von einem Wort die Rede ist, widme ich gerade diesem die „Jubiläumsausgabe“ meiner „Die Kunst des Leitens“-Beiträge, denn das hier ist Nr. 10.

Je länger ich mich mit Leitung beschäftige, desto überzeugter bin ich, dass „Lernen“ ein wirkliches Tool in der Hand eines Leiters ist. Das hat verschiedene Gründe.

Wer lernt, wird besser

Simpel, oder? Aber manchmal vergessen wir es. Wer meint, schon am Ende der Fahnenstange angekommen zu sein, soll zusehen, dass er sein Fähnchen nicht in jeden Wind hält. Niemand kann ernsthaft behaupten „angekommen zu sein“ – und gleichzeitig besser zu werden.

Schon in der Schule haben wir festgestellt: Lernen könnte ein probates Mittel sein, um bei der nächsten Klausur besser abzuschneiden. Ein Hoch auf alle, die hier auch noch einen Kausalzusammenhang erkannt haben.

Ich selbst liebe es, von anderen zu lernen. Das geschieht „eins zu eins“ im Coaching genauso wie beim Hören von Podcasts (bspw. der der Leadership Podcacst von Craig Groeschel: https://www.life.church/leadershippodcast/). Ich kann beim Lesen eines guten Buches genauso dazu lernen wie beim Gespräch mit einem mich inspirierenden Gegenüber.

Alles, was ich benötige, ist die Einstellung: Ich will lernen!

Dabei spielt es keine Rolle, in welchem Verhältnis ich zum anderen stehe. So lerne ich viel von meinem Kindern. Am Wochenende war ich unterwegs und sah in einer Schneelandschaft Pferde. Ich nahm mein iPhone in die Hand, um für meine Kids Fotos und ein Video davon zu machen, denn der Anblick war faszinierend: „wilde“ Pferde (zumindest nahm ich sie so wahr) in einer Schneelandschaft. Zwei der Pferde galoppierten hintereinander in den Wald. Als ich das Video meinen Kids zeigte, meinte mein Sohn: „Oh, zwei Pferde spielen miteinander“.

Und ich lernte: Schau an! Ich hätte gesagt, sie galoppieren. Er sieht darin ein Spiel. Wie cool! Kinder sehen „alltägliche Dinge“ als Spiel. Was wäre, wenn ich das auch mehr täte? Schon wieder was gelernt.

Wer lernt, bleibt gelassen

Tagtäglich bin ich als Leiter Herausforderungen ausgesetzt und muss Entscheidungen treffen. Das ist nicht immer einfach und es führt nicht selten dazu, dass es richtig Kraft kostet. Schnell kann man dabei verbissen werden. Projekt XY muss unbedingt umgesetzt werden. Projekt XYZ dauert schon viel zu lange, ohne dass es erkenntlich vorwärts geht. Mitarbeiter N.N. treibt mich schier in den Wahnsinn. Und meinen eigenen Ansprüchen werde ich auch nicht gerecht. Schönen Dank auch!

…und dann nehme ich ein Buch in die Hand (aktuell ist es oft das Buch „Free to Focus“ von Michael Hyatt) und lese ein paar Seiten darin. Und was passiert? Ich lerne etwas Neues kennen – beispielsweise den „Freedom Compass“ – zu deutsch: Freiheits-Kompass. Dieser „zerlegt“ meine Tätigkeiten in vier Bereiche und ich erkenne, was mich bindet und was mich freisetzt. Klar – die Umsetzung geschieht nicht von jetzt auf nachher.

Doch ich habe einen Erkenntniszugewinn, der mich mit aktuellen Herausforderungen anders umgehen lässt, weil ich Tools an die Hand bekomme, die mich in meinen Handlungen sicherer und lösungsorientierter machen.

Das führt unweigerlich dazu, dass ich gelassener werde, weil die subtile Botschaft an mein Hirn (und Herz) lautet: „Es gibt eine Lösung!“

Wer lernt, nimmt sich selbst nicht so wichtig

Und das ist die unweigerliche Konsequenz daraus, wenn ich gelassener werde. Wo ich in einem verbissenen Zustand meine, die Dinge selbst regeln zu müssen, erkenne ich in einem Moment des Erkenntniszugewinns: Ich bin gar nicht so wichtig!

Das ist befreiend – übrigens nicht nur für mich, sondern auch für meine Mitmenschen, weil sie eine bessere Ausgabe meiner selbst erleben und keinen sich selbst viel zu ernst nehmenden David Brunner.

Leiterinnen und Leiter nehmen sich selbst oft viel zu wichtig. Ich kenne das. Leider. Vielleicht ist der Unterschied zwischen „Leider“ und „Leiter“ deswegen auch nicht so groß.

Wer sich aber selbst zu wichtig nimmt, nimmt das Wichtigste nicht wichtig genug. Wer aber erkennt, dass er noch jede Menge lernen kann, bringt damit zum Ausdruck, dass er selbst nicht so wichtig ist.

Gemeinden benötigen keine Leiter, die sich selbst wichtig nehmen. Denn diese stehen in der Gefahr, nur ihre eigene Agenda durchbringen zu wollen und gar nicht das, was Gott für die Gemeinde im Sinn hat. Gruselig wird es dort, wo Leiter meinen, ihre eigene Agenda wäre Gottes Agenda.

Deswegen ist es so wichtig, dass Leitende einer Gemeinde immer (!) Lernende und Hörende auf Gottes Wort und seinen Geist bleiben. Das bedeutet aber auch, dass gerade geistliche Leiterinnen und Leiter unbedingt regelmäßige Zeiten brauchen, in denen sie nur „für sich“ in Gottes Wort lesen und Gottes Nähe suchen. Unverwezckt und nicht mit dem Gedanken „Was kann ich hier für die nächste Predigt rausziehen?“

Wo Leiterinnen und Leiter nur noch berufsbedingt und verzweckt die Bibel lesen, ist persönliches und gemeindliches Scheitern vorprogrammiert.

Wer lernt, rostet nicht

„Wie habe ich das eigentlich früher gemacht?“ frage ich mich oft. Meine Ordination als Pfarrer liegt gute 11 Jahre zurück und manchmal stelle ich mir heute diese Frage. Oft im Blick auf Gemeindesituationen, die Wachstumspotenzial enthalten, an der Schwelle zu „Neuem“ oder bei größeren Herausforderungen.

Dabei erkenne ich rückblickend: Ich leite heute an manchen Stellen anders als noch vor 11 Jahren – und das ist gut so! Denn es zeigt: Ich habe mich weiterentwickelt und bin nicht eingerostet. Auch wenn ich das natürlich an noch vielen Stellen mir noch viel mehr wünsche – und sicherlich nicht jede Entwicklung auch nur positiv ist.

Dennoch ist eine lernbereite Haltung aber Grundvoraussetzung, um nicht zu rosten.

Als Jugendlicher habe ich in unserer Kirchengemeinde u.a. Jungschar geleitet. Legendär waren die jährlichen Osterfreizeiten. Unvergessliche Momente. Als wir vor einer dieser Osterfreizeiten unser Vorbereitungstreffen hatten und es um die Programmgestaltung ging, sagte ich dem damaligen Leiter: „Du kannst doch heute keine Freizeit mehr durchführen wie noch vor 20 Jahren.“

Ein jeden Leiter sollte klar sein, dass alleine schon durch den gesellschaftlichen Wandel, der heutzutage noch wesentlich rasanter ist, ein „das haben wir schon immer so gemacht“ ein No-Go ist. Warum? Weil deine Gemeinde dann bald dicht machen kann, weil du niemanden der heutigen Generation mehr erreichst. Leider ist dieser Gedanke nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern Realität. Auch heute „schließen“ Gemeinden. Aus diesen Gründen. Und das ist tragisch.

Lernplattformen

Ich will hier nicht nur theoretisch schreiben, sondern dir auch einige konkrete Tipps mitgeben, wie ich lerne. Für mich sind es vor allem Bücher, Podcasts, Blogs und Online-Kurse – aber ganz wichtig: Dieser theoretische Lernzuwachs muss dann ganz praktisch werden, indem du das Gelernte/Gelesene/Gehörte ausprobierst. Entweder in deinem eigenen, selbständigen Tun (so bin ich beispielsweise durch diese Artikelserie auf dem Weg, frei zu predigen) die Dinge implementierst oder sie mit deinem Leitungsteam oder einem anderen Team ausprobierst.

Was Leitung und Leitungskultur anbetrifft, ist es nach wie vor und vor allem der Leadership Podcast von Craig Groeschel: www.life.chuch/leadershippodcast aber auch der Podcast von Carey Nieuwhof. Beide bieten dir auch Shownotes, durch die du das Gehörte alleine oder im Team nachbearbeiten kannst.

Carey Nieuwhof wiederum hat auch einige sehr, sehr interessante Online-Kurse veröffentlicht (Videos + Workbooks), die ich nur empfehlen kann! Sie sind sehr, sehr praktisch orientiert und äußerst hilfreich:

Auch Bücher, die direkt oder indirekt mit Leitung zu tun haben, inspirieren mich sehr. Oben schon erwähnt ist „Free to focus“ (Michael Hyatt) momentan solch ein Buch.

Berufung. Eine neue Sicht auf unsere Arbeit“ ist ein exzellentes Buch von Tim Keller über unsere Einstellung zu „meinem Job“ im Allgemeinen. Das Buch ist nicht speziell aus Leitungsperspektive geschrieben, beinhaltet aber einige „Nuggets“ auch für Leiter wie sie ihre Arbeit sehen.

Ordne dein Leben“ von Gordon MacDonald ist ein Buch, das ich letzten Sommer gelesen, verschlungen und bearbeitet habe – und nach wie vor am Lernen bin, wie ich das darin Gelesene und Gelernte umsetzen kann. Auch kein klassisches „How to“-Buch für Leiter, aber unersetzlich, wenn es um Leiterschaft geht.

In eine ähnliche Richtung geht „Emotional gesund leiten“ von Pete Scazzero. Eine absolute Empfehlung!

Was Gemeindeentwicklung angeht, lasse ich mich immer wieder gerne von anderen Gemeinden inspirieren. Ich surfe auf deren Homepage, ich schicke eine Email, wenn ich eine Frage habe, ich folge ihnen in den sozialen Netzwerken, um ihre Entwicklung mitzubekommen. Es bringt wenig, von einem Event / einer Predigt / einer Aktion einer Gemeinde inspiriert zu sein. Das ist besser als nichts, ja. Aber viel, viel wertvoller ist es, Gemeinden zu „folgen“, sie zu „beobachten“ und sehen, welche Schritte sie warum und wie gehen und deren Entwicklung wahrzunehmen. Das ist unglaublich inspirierend!

So habe ich beispielsweise die Veränderung (und zugegeben: sie war riesig), welche die „Kirche im Brauhaus“ (Gifhorn) in den letzten Monaten gegangen ist, einfach online verfolgt. Das war spannend. Das war inspirierend. Daraus habe ich jede Menge gelernt.

Inspirierende Kirchen und Gemeinden sind für mich:

Von diesen Gemeinden lerne ich durch Gespräche, durch Online-Plattformen, durch Material, durch das Schauen von Online-Videos/Predigten, durch ihre Art, Kirche zu leben, durch Artikel und vieles anderes.

Theologisch inspiriert mich momentan allen voran der Blog „Daniel Option“ (www.danieloption.ch/) der Schweizer Brüder Paul und Peter Bruderer. Äußerst markant und „treffsicher“ skizzieren sie theologische Herausforderungen der aktuellen Gemeinde-Landschaft. Absolute Leseempfehlung!

Ein großartiger deutschsprachiger Blog zum Thema (Gemeinde-)Leitung ist „Der Leiterblog“ von Lothar Krauss.

Und nicht zuletzt versuche ich einfach von allem und jedem zu lernen, was mir so über den Weg läuft. Es ist wie mit dem Beten. Wenn Paulus uns auffordert „Betet ohne Unterlass!“ (1. Thessalonicher 5, 17) meint er damit ja nicht, dass wir 24/7-Gebetstreffen 365 Tage im Jahr abhalten sollen. Er meint, dass unser Leben ein Gebet ist, dass es eben nicht „das Besondere“ braucht, um beten zu können, sondern dass ich mit der Einstellung und Haltung des „Ich bete“ durch den Tag gehe: Ob nach dem Aufstehen, beim Einkauf, beim Suchen einer Parklücke, wenn die Kids anstrengend sind, wenn ein Meeting super läuft, wenn die Arbeit zu viel wird, wenn es Highlight-Momente in der Ehe gibt, wenn ein Telefonanruf nervt, wenn schwierige Personen die Wege kreuzen, wenn ich mit Freunden zusammen bin, wenn ich das Leben feiere und wenn ich ins das Mittagessen koche. „Bete!“

Und genauso. In allem. Jederzeit: „Lerne!“ Sei es in Begegnungen, Meetings, Diskussionen, beim Einkaufen oder Autofahren, bei Werbungen, die mir entgegenspringen oder Zeitungsartikeln: In allem kann ich lernen. Manchmal kommen großartige Ideen gerade dann, wenn sie nicht auf ein verkrampftes sondern ein offenes und lernbereites Mindset fallen. Eben dann, wenn ich mir das Lernen zur Lebensteinstellung und Alltagshaltung gemacht habe.

Und deswegen – ohne Wenn und Aber: „Lerne ohne Unterlass!


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Alle Beiträge aus der Reihe „Die Kunst des Leitens“:

Wer ist Jesus?

„Für wen haltet ihr mich?“ fragt Jesus seine Jünger (Matthäus 16). Ja, gute Frage: Wer bist du, Jesus? Wer ist Jesus für mich?

Dieser Beitrag ist die leicht geänderte Form eines Mini-Impulses, den ich am 18. Februar 2020 im Pfarrkonvent hielt. Neben mir noch vier andere Kolleginnen und Kollegen gaben ein Statement, wer Jesus für sie ist. Am Ende dieses Impulses sollten wir zwei Thesen zur Christologie verfassen. Das kann nicht alles beinhalten – aber kommt von Herzen.

Du bist…

„Für wen haltet ihr mich?“ Diese Frage beantworte ich mit Petrus:

Da antwortete Simon Petrus: „Du bist der Christus, der von Gott gesandte Retter! Du bist der Sohn des lebendigen Gottes.“Die Bibel - Matthäus 16,16

Ich halte Jesus für den im Alten Testament prophezeiten und verheißenen Messias, den Gesalbten, den Retter der Welt. Gott selbst. Seine Göttlichkeit ergibt sich für mich gerade darin, dass Jesus der in der Geschichte Gottes mit seinem Volk verheißene König, Retter, Heiland, Messias und Menschensohn ist.

Der, von dem schon Mose, Jesaja, Daniel, Sacharja und Maleachi sprachen. Jesus ist demnach kein Lückenbüßer für eine missglückte Bundesbeziehung zwischen Gott und Israel, sondern gerade als der präexistente, also von Ewigkeit zu Ewigkeit Seiende, die Erfüllung der göttlichen Liebesbewegung hin zu dem Menschen. Die gesamte Menschheits- und Heilsgeschichte des Gottes Israels findet ihre Zuspitzung in der Inkarnation Gottes in Jesus Christus.

Für mich ist die Geschichte Gottes mit seinem Volk, wie wir sie im Alten Testament überliefert haben, reales Geschehen und gleichzeitig ein “prophetisches Bilderbuch”, das Jesus schon im Alten Testament vor Augen malt.

Der aber – um mit Paulus zu sprechen – verteidigte seine Göttlichkeit nicht wie eine Beute, sondern kam auf diese Erde kam, um den Menschen zu dienen und stellvertretend für den Menschen am Kreuz zu sterben (Philipper 2). Sein Tod ist das Ende aller gescheiterten Versuche, durch rituelle, kultische oder religiöse Opfer Gott gefallen zu wollen.

Nicht, weil Gott ein Opfer benötigt, sondern weil ich es benötige, dass mich jemand vor Gott gerecht macht, erlöst und wiederherstellt. Ich selbst kann es nicht, ich brauche einen, der stärker ist als ich – und stärker als der Tod.

Das hat Jesus eindrücklich gezeigt, als er nicht nur am Kreuz starb, wie es in der Bibel schon hunderte Jahre vor seiner Geburt prophezeit wurde. Er bewies es vor allem auch dadurch, dass er den Tod besiegte und am dritten Tag wieder auferstand. Ja, das Grab war leer am Ostermorgen – sonst würde Jesu Tod keinen Sinn ergeben:

Wäre aber Christus nicht auferstanden, so hätte unsere ganze Predigt keinen Sinn, und euer Glaube hätte keine Grundlage.Die Bibel - 1. Korinther 15,14

Wo Kirche diese christologischen Grundwahrheiten aufgibt, gibt sie sich selbst auf, weil der Herr ihrer Kirche nicht mehr der Herr der Kirche ist.

So viel zur Theologie und theologisch schlauen (oder weniger schlauen) Sätzen. Was bedeutet das für mein Leben und für die Verkündigung in Schule und Kirche?

Wer so etwas tut…

Wer so etwas tut, ist mein Herr. Dem kann ich mich nahen, weil er dem Tod ins Auge geblickt hat und nichts und niemand ihn erschüttern kann. Dann kann auch niemand sagen: “Ich bin ein hoffnungsloser Fall” – weil der Todbezwinger zugleich der Hoffnungsbringer ist.

Wer so etwas für mich tut – dem kann ich mit meinem Leben nur danken, ihn lieben, ihm alle Ehre geben und Menschen einladen, diesem Jesus mit Haut und Haaren zu vertrauen. Nichts weniger sollte Kirche wollen.

Wer so etwas für mich und die ganze Menschheit tut, der muss als Sohn Gottes, als Retter und Heiland verkündigt, erlebt und in aller Welt bezeugt werden. In Kirchen, Schulen und Gemeinden – mit aller Liebe, Kraft und großer Freude. Und genau das will ich tun!

Oder um es mit Matthias Claudius zu sagen:

„Ich und du können ohne Christus nicht leben. Wir brauchen jemand, der uns hebt und hält, solange wir leben, und uns die Hand unter dem Kopf legt, wenn wir sterben sollen; und das kann Christus überschwänglich, nach dem, was von ihm geschrieben steht, und wir wissen keinen, von dem wir es lieber hätten. Er ist eine heilige Gestalt, die dem armen Pilger wie ein Stern in der Nacht aufgeht und sein innerstes Bedürfnis, sein geheimstes Ahnden und Wünschen erfüllt. Wir wollen an ihn glauben, Andres, und wenn auch niemand mehr an ihn glaubte.” Matthias Claudius, Briefe an Andres - Erster Brief

Zwei Thesen zur Christologie

Deswegen meine Thesen zur Christologie:

These 1:
Wer den stellvertretenden Sühnetod Jesu leugnet, macht aus Jesus lediglich einen sich aufopfernden Menschen und beraubt ihn seiner Göttlichkeit und die Kirche ihrer geistlichen Kraft und eigentlichen Bestimmung.

These 2:
Christliche Verkündigung in Gemeinde und Schule wird nur dann ihre Kraft entfalten und zurückgewinnen, wenn sie die Gottheit Jesu und seine Stellvertretung am Kreuz in das Zentrum ihrer Christologie rückt.

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